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Diaspora-Aktion 2021: Familienzentrum in Thüringen

Das Familienzentrum „Kloster Kerbscher Berg“ in Dingelstädt im thüringischen Eichsfeld bietet Familien, Alleinerziehenden und Kindern einen Ort der Begegnung und der Bildung und steht Interessierten aller Konfessionen offen. Es wird vom Bistum Erfurt getragen und durch die bundesweite Diaspora-Aktion 2021 unterstützt. Auf der Grundlage christlicher Wertvorstellungen begleiten und stärken die Mitarbeiterinnen Familien in ihren individuellen Lebens- und Entwicklungsphasen. So sollen Räume eröffnet werden, an denen Menschen in Gemeinschaft ihren Interessen nachgehen, ihre Fähigkeiten erweitern und für andere einsetzen können. Da die Einrichtung gerade in ihrem religiösen Angebot großes sinnstiftendes Potential für die Familien sieht, soll dieses nun erweitert und unter anderem die angrenzende ehemalige Klosterkirche der Franziskaner zu einer Kirche für Familien umgebaut werden. Unterstützung erhält das Familienzentrum vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, das die Einrichtung als ein Beispielprojekt für die diesjährige bundesweite Diaspora-Aktion unter dem Leitwort „Werde Liebesbote“ ausgewählt hat.

Von dem knapp 4.500 Einwohner zählenden Ort Dingelstädt führt ein schmaler, liebevoll mit über 100 Jahre alten Tuffsteingrotten gestallter Weg, entlang eines alten Kreuzweges, hinauf zum Kerbscher Berg. Oben angekommen fällt der Blick direkt auf das Familienzentrum und die alte Klosterkirche der Franziskaner, die diesen Ort im Jahr 1994 verlassen haben. Seit dem ist der Berg weniger von Stille geprägt als vielmehr von lautem Kinderlachen, das vom Spielplatz im Klostergarten rund um das Gebäude auf den Vorplatz schallt. An diesem einladenden Ort fühlen sich nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Familien wohl.

Zu den Besuchern zählen auch Melanie und Matthias Kraushaar mit ihren vier Töchtern Theresia, Hannah, Antonia und Emilia. Regemäßig kommen sie hierher, um sich für einige Stunden dem Alltag zu entziehen, mit ihren Kindern zu spielen, mit anderen Familien ins Gespräch über ihren Glauben zu kommen oder auch um den Kreuzweg zu gehen. „Hier fühlen wir uns wohl und angenommen. Wir genießen nicht nur die gemeinsamen Stunden, sondern auch die Gottesdienstfeiern und das umfangreiche Angebot“, sagt Melanie Kraushaar.

So wie die Familie Kraushaar kommen jährlich bis zu 12.000 Menschen in das Familienzentrum. Das Angebot ist breit gefächert und reicht von Eltern-Kind-Kursen, über Sprachkurse, Beratungs- und Trauergespräche, Sportangebote bis hin zu kreativen Handwerks- und Glaubenskursen. „Bei uns sind alle willkommen, angefangen von Alleinerziehenden, Eltern mit ihren Babys, Kindern und Senioren bis hin zu geflüchteten Menschen. Sie alle sollen hier eine gute Zeit haben, sich angenommen und wertgeschätzt fühlen“ sagt die Leiterin des Familienzentrums, Pia Schröter, die mit ihren fünf pädagogischen Mitarbeiterinnen für die Programmgestaltung verantwortlich ist. Unterstützt werden sie in ihrer Arbeit von 40 ehrenamtlichen Kräften aus der Region.

Ein seit Jahren fester Baustein des Angebots sind die sogenannten PEkiP-Kurse. „Das Prager Eltern-Kind-Programm ist ein Konzept für die Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr, das im Rahmen einer Krabbelgruppe den Prozess des Zueinanderfindens unterstützen soll und auf eine Frühförderung der Babys sowie einen Erfahrungsaustausch der Eltern abzielt“, erklärt Ruth Gries die Intention hinter den Kursen. Derzeit bietet sie acht Kurse pro Woche an. „Wir möchten den Eltern ein zweites zuhause geben. Hier können sie sein wie sie sind. Alle sind willkommen, auch Menschen, die einen anderen Glauben leben“, fügt Gries hinzu.

Die Mitarbeiterinnen der Familieneinrichtung nehmen seit einigen Jahren ein gesteigertes Interesse der Besucherinnen und Besucher an zeitgemäßen spirituellen Angeboten wahr. „Dieses Angebot möchten wir nun weiter ausbauen. Wir sind froh darüber, dass wir mit Pastor Hubert Müller einen Ruheständler hier auf dem Berg haben, so dass wir regelmäßig Familiengottesdienste feiern können“, sagt die Leiterin des Familienzentrums, Pia Schröter. Häufig werden auch Projekttage der Kindertageseinrichtungen und Schulen aus der Region auf dem Berg durchgeführt. Besonders schön sei es, wenn am Ende eines solchen Tages ein Segen dabei sei, sagt Schröter.

Dass der Kerbsche Berg für den Glauben in der Region eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich nicht nur an der gesteigerten Nachfrage nach christlichen Angeboten, sondern auch daran, dass dieser Ort mehrfach jährlich Zielort diözesaner Wallfahrten ist. Dazu zählen eine Frauenwallfahrt mit bis zu 1.800 Teilnehmerinnen, mehrere Kinderwallfahrten mit insgesamt rund 4.000 Kindern und eine Wallfahrt für Menschen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen mit circa 600 Teilnehmern.

„Der Umbau der Klosterkirche zu einer Familienkirche ist daher eine logische Konsequenz“, berichtet die Seelsorgeamtsleiterin des Bistums Erfurt, Dr. Anne Rademacher. Vorgesehen ist, die Kirche offener und einladender zu gestalten, indem unter anderem die Sitzbänke nicht mehr in der Mitte des Innenraums, sondern rund herum an den Wänden stehen werden. Der Umbau ermöglicht somit eine neue und auf die Familien abgestimmte Teilnahme an den liturgischen Feiern und zugleich bietet die Kirche die Möglichkeit zu neuen Formen der Zusammenkünfte und Glaubenserfahrungen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kirche auf dem Kerbscher Berg erneuert wird. Der ursprüngliche Ausdruck Kirchbergischer Berg weist darauf hin, dass auf diesem Berg seit alten Zeiten eine Kirche stand, die zunächst dem Hl. Martin geweiht war. 1824 wurde sie umgestaltet und hieß danach zum Hl. Kreuz. Als von 1864 bis 1994 Franziskaner auf dem Berg wohnten, erneuerten sie die Kirche und weihten sie dem Franziskanerpater Hl. Petrus Baptista und Gefährten. Diese starben im Jahr 1597 als Märtyrer in Japan. Doch der nun anstehende Umbau bringt ein Novum mit sich. Erstmals wurden in den Abstimmungsprozess zur Umgestaltung der Kirche auch die Familien eingebunden, die regelmäßig in die Einrichtung kommen und die Gottesdienste mitgestalten. Sie durften mitdiskutieren und konnten so ihre eigenen Ideen in die Planungen mit einbringen.

Zu ihnen gehört das Ehepaar Lydia und Thomas Opfermann aus Dingelstädt. Ehrenamtliches Engagement und der regelmäßige Besuch gemeinsamer Familiengottesdienste auf dem Berg sind feste Bestandteile in ihrem Leben. „Wir kommen häufig hierher. Wir können uns einbringen und wir genießen es zugleich, gemeinsam mit unseren Kindern, unsere Freizeit rund um die Kirche zu verbringen. Für uns ist diese Kirche ein wichtiges Stück Heimat. Hier können wir ankommen, fühlen uns wohl und spüren das Erhabene des Glaubens“, sagt Lydia Opfermann.

Als das Ehepaar gefragt wurde, ob sie sich bei den Überlegungen zum Umbau mit einbringen wollten, mussten sie nicht lange über die Antwort nachdenken. „Der Mensch braucht für seine spirituelle Suche und Erfahrung Räume und Orte. Uns ist es wichtig, dass die Kirche, auch nach dem Umbau ein Ort des Gottesdienstes, der Gottesbegegnung und des Gebetes bleibt. Die Kirche soll den Charakter eines Kirchenraums behalten, sie soll gleichermaßen bestehende Hemmschwellen abbauen und für die jüngere Generation offenstehen“, beschreibt Thomas Opfermann seine an den Umbau geknüpften Hoffnungen.

Unterstützt wird das Familienzentrum Kerbscher Berg beim Umbau der Klosterkirche durch das Bonifatiuswerk, das 40.000 Euro zur Verfügung stellt und bereits die Renovierung der Einrichtung im Jahr 2008 mit 200.000 Euro gefördert hatte. „Wir haben den Kerbscher Berg bewusst als ein Beispielprojekt für die diesjährige bundesweite Diaspora-Aktion unter dem Leitwort „Werde Liebesbote!“ ausgewählt. Christliche Liebe ist immer ein Beziehungsgeschehen, ja sogar ein Gemeinschaftsgeschehen. Als Christinnen und Christen gehört es zu unserer Identität, im Geist der Liebe Gottes Glaubensgemeinschaft zu bilden und diese Gemeinschaft zu einer echten Liebesgemeinschaft zu entwickeln. Liebe hat auch mit Vertrauen zu tun, Vertrauen mit Geborgenheit und Geborgenheit mit einem Zuhause. Die Familien aus der Region finden auf dem Kerbscher Berg eben dies, ein Zuhause“, schildert der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, die Intention, warum das Hilfswerk die Einrichtung fördert.

Das Thema „Werde Liebesbote“ passt wirklich sehr gut zu uns. Bei uns sollen Kinder, Familien und Alleinerziehende spüren, dass sie willkommen und geliebt sind. Jeder kann kommen und darauf vertrauen, dass er nicht zu kurz kommt. Dabei ist unser Glaube der Grundstein für unsere Beziehungen – zu unseren Mitmenschen und zu Gott. Wir danken allen Katholikinnen und Katholiken in ganz Deutschland, die uns in den zurückliegenden Jahren gefördert haben und denen, die uns in diesem Jahr unterstützen“, sagt Pia Schröter.

Dass gerade die Familie auf dem Kerbscher Berg im Mittelpunkt steht, zeigt sich an vielen Orten auf dem Gelände, so auch im ehemaligen Klostergarten. Zentral in der Mitte steht ein großes Holzschild, an dem jeder Besucher zwangsläufig vorbeikommt. Als Überschrift ist zu lesen Familienregeln. Darunter sind mehrere Regeln beschrieben, die das Miteinander in der Einrichtung sehr gut auf den Punkt treffen. Die ersten drei lauten: „SEID DANKBAR, LIEBT EUCH und Helft Euch gegenseitig.“

Indien: Der Fluch der Entwicklung

Neun der zehn Städte mit der weltweit größten Luftverschmutzung liegen in Indien. Trotzdem gibt es noch Regionen mit weitgehend intakter Natur, besonders im Nordosten. Aber auch dort heißt es oft: Wirtschaftswachstum um jeden Preis, auch auf Kosten der Umwelt. Steht also den Wald- und Berg­völkern eine ähnliche Zukunft bevor wie den Menschen in Delhi, Mumbai und Kalkutta? Und wenn der Abbau von Tropenholz schnelles Geld verspricht – warum sollten sich die Menschen dann um den Schutz der Natur kümmern?

  Gut muss Es geschmeckt haben, das Picknick hier am Fluss. Denn die Teller, auf denen eben noch ein kleiner Berg Reis mit scharfer Soße lag, sind leer gegessen. Gerade rechtzeitig, denn der Reisebus lässt seinen Motor anspringen. Fertig machen zur Weiterfahrt. Noch schnell ein paar Fotos gemacht fürs Internetprofil, und dann geht dieser Ausflug in die Natur auch schon wieder zu Ende. Die jungen Menschen aus der Großstadt, schick gekleidet in karierten Hemden, blauen Jeans oder farbenfrohen Stoffkleidern, kehren wieder heim in die Stadt, in der sie leben und das Geld verdienen, das ihnen am freien Tag einen Ausflug ins Grüne ermöglicht.

Als sich die Staubwolke, die der Bus auf der ungeteerten Straße hinter sich herzieht, langsam in Luft auflöst, bleibt vor allem eines zurück: ein Berg aus Papp- und Plastiktellern, achtlos weggeworfen nach dem schnellen Mittagessen.  

Es ist schon so: Der moderne Mensch zerstört genau das, was er liebt. Das gilt auch hier im Nordosten von Indien, an der kleinen Brücke von Umsiang. Hier gibt es noch unberührte Natur, frische Luft, und freie Sicht auf Gottes schöne Schöpfung – alles, was in Indiens Megacities mit ihren Müllbergen und den Wolken von Smog kaum noch zu finden ist.

Mit wachsendem Wohlstand entsteht in Indien eine Mittelschicht, die sich Kon­sum und Tourismus nach westlichem Vorbild leisten kann. Aber damit wächst eben auch der Müll. Und das ist nur einer der Gründe, weshalb man für die friedliche Gegend hier am Fluss Schlimmes befürchten muss.

In der „Heimat der Wolken“

Wer die Brücke von Umsiang überquert, gelangt in den Bundestaat Meghalaya hinüber. „Heimat der Wolken“ bedeutet der Name im Sanskrit, den man sich 1972 ausdachte, als die Völker der Khasi und der Garo einen eigenen Bundesstaat innerhalb der großen Nation Indien erhielten. Zu dieser Region gehören einige der wenigen noch übrig gebliebenen Regenwaldgebiete Indiens. Durch das feuchte Monsunklima wird das Dorf Cherrapunji zum Ort mit der größten Regenmenge weltweit.

Der Brite Rudyard Kipling ließ 1895 eine Geschichte seines legendären „Dschungelbuches“ in den Garo Hills spielen. Sie erzählt von wilden Elefanten und einer sagenumwobenen Tier- und Pflanzenwelt. Auch die Völker der Khasi und der Garo kennen bis heute viele Legenden – wie diejenige vom Hahn, der jeden Morgen die Sonne zurückbringt, nachdem sie am Abend zuvor verschwunden ist.

Aber auch wenn Touristiker und Werbeleute solche Geschichten gerne vermarkten und Meghalaya als Sehnsuchtsort für moderne Großstädter anpreisen – für Märchen bleibt hier eigentlich keine Zeit. Nach Angaben der Umweltorganisation WWF sind bereits zwei Drittel der Waldflächen verschwunden – abgeholzt, verbrannt, verbaut.

Dabei wäre die traditionelle Lebensweise der Khasi und Garo seit Urzeiten darauf ausgelegt, der Natur nur gerade soviel abzuringen, wie für ein gutes Leben innerhalb der Dorfgemeinschaft notwendig ist. „Wir nennen das jhum cultivation“, sagt Diana Mary Jarain, während sie ihr kleines Feld zeigt. „Dort drüben wachsen Reis und Yams, daneben Süßkartoffeln.“ Demnächst wird Senf angebaut. „Auch Wassermelonen wachsen hier ganz gut.“

Möglich ist das nur, weil ihre Familie die Fläche gerodet und das getrocknete Holz abgebrannt hat. Die Asche bleibt liegen und macht die Erde fruchtbar. Das reicht etwa drei, vier Jahre, dann zieht man weiter und der Boden darf wieder zuwuchern. Bis zum nächsten Mal. Aber heutzutage wächst die Bevölkerung, die Landflächen werden knapper, die Böden bekommen immer weniger Zeit zur Erholung.

Während Frau Jarain erzählt, schleppen drei Burschen einige Säcke Holzkohle heran. Sie haben sie in den vergangenen Wochen aus den abgehackten Ästen hergestellt und wollen sie verkaufen. Etwa 500 Rupien (6,30 Euro) werden sie für einen großen Sack einnehmen. „Aber nur, wenn das Holz schön hart ist und gut brennen kann“, sagt Ferio, einer der drei. „Sonst gibt es nur 300 Rupien.“

Es ist hier ganz normal, dass die drei Jungen arbeiten, während ihre Tante Diana ihnen sagt, was zu tun ist. Die Khasi sind eine „matrilineare Gesellschaft“, das heißt: Die Erbfolge geht über die Frauen der Familie, offiziell gehört ihnen meist auch das Land. Selbst der Name „Khasi“ bedeutet: „Von einer Mutter geboren“.

Aber was jetzt? In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Khasi-Männer Landbesitz gesichert, und machen Geschäfte zum Beispiel mit Bergbau-Unternehmen, Zementfabrikanten oder Kohlehändlern. In einigen Hügeln wird Uran abgebaut, anderswo graben sich die Menschen so genannte „Rattenlöcher“ ins Gestein und suchen nach wertvoller Steinkohle.

Dabei ist doch der Schutz von Umwelt und Natur fest in der indischen Verfassung verankert. Gesetze sollen saubere Flüsse und abgasfreie Luft garantieren, und das Holz der Regenwälder vor Axt und Säge bewahren. „Verbote werden nichts bringen“, sagt der Franziskanerbruder Collinsius Wanniang. Denn wovon sollen die Menschen dann leben? Die Mission der Franziskaner hat sich auf einigen Hügeln des kleinen Dorfes Orlong Hada niedergelassen.

Vorbild: Franz von Assisi und sein „Sonnengesang“

Im „Zentrum für Ökospiritualität“ suchen die Ordensbrüder nach neuen Wegen zu einer nachhaltigen Entwicklung und einer Bewahrung der Schöpfung – ganz im Sinne des heiligen Franz von Assisi, ihres Namenspatrons. Er war es, der bereits im 13. Jahrhundert seinen „Sonnengesang“ schrieb und darin die Wunder der Natur, von „Bruder Sonne“ bis „Schwester Mond“, bestaunte.

Doch die Franziskaner wissen, dass es nicht nur bei der spirituellen Idee bleiben darf. Ganz konkrete Maßnahmen sind gefordert. Bruder Collinsius Wanniang sagt: „Wenn wir den Menschen keine Alternativen bieten, um ihr Einkommen zu sichern, dann wird unsere Mutter Natur immer in Gefahr bleiben.“ Weil dann Landrechte billig verscherbelt werden, Bäume für schnellen Profit geschlagen und die Böden ausgelaugt werden.

Darum haben die Ordensmänner jetzt zum Beispiel Gummibäume angepflanzt. Aus deren Rinde tropft ein Saft, den man abzapfen, pressen, trocknen und zu Kautschuk verarbeiten kann. Naturkautschuk ist ein begehrter Rohstoff für die Industrie auf der ganzen Welt – Autoreifen, Schuhsohlen und etwa 40 000 weitere Produkte entstehen daraus. „Seit einem Jahr stelle ich Kautschuk her“, sagt Dorfbewohner Hubert Pumah, der bei den Franziskanern Arbeit gefunden hat. Gerade hängt er einen neuen Stapel zum Trocknen auf. „Für ein Kilo bekommen wir ungefähr 95 bis 105 Rupien.“ Umgerechnet sind das nur etwa 1,20 bis 1,30 Euro, aber immerhin.

„Vielleicht ist es nicht viel, was wir tun können“, sagt Bruder Collinsius Wanniang. Aber er kennt ein Sprichwort, das er gerne benutzt: „Besser eine kleine Kerze anzünden, als sich über die Dunkelheit beklagen.“

INFO

Rund acht Millionen Ureinwohner in Indien kämpfen derzeit um ihre angestammten Lebensräume in den Wäldern und Bergen. Hintergrund ist eine Klage von Naturschutzverbänden vor dem Obersten Gerichtshof im Februar 2019. Sie forderten die Vertreibung von Waldbewohnern, die keinen Nachweis für ihr Landrecht erbringen können. Der Oberste Gerichtshof in Delhi ordnete zunächst für Juli 2019 die Umsiedlung von Ureinwohnern an, die kein verbrieftes Bleiberecht besitzen. Nun soll es jedoch im Herbst 2019 eine weitere Anhörung geben.

Naturschützer fürchten um den Rückgang der Lebensräume für bedrohte Tierarten und beschuldigen indigene Volksgruppen, die Zerstörung der Urwälder mit ihrer Lebensweise, zum Beispiel Brandrodung voranzutreiben. Ureinwohner entgegnen, dass sie das rohstoffreiche Ökosystem des Waldes schon seit Jahrtausenden erfolgreich schützen, auch gegen große Konzerne.

Indiens Forstgesetz aus dem Jahr 2006 garantiert den Bewohnern der Wälder ein Landrecht, wenn sie nachweisen können, dass ihre Familien seit mindestens drei Generationen in einer bestimmten Region leben. Doch von den knapp drei Millionen Anträgen auf Anerkennung der Bleiberechte wurden bislang mindestens 1,2 Millionen abgelehnt.

„Die indigenen Einwohner, unter ihnen viele Christen, gehören zu den bedrohtesten Bevölkerungsgruppen. Trotz ihrer per Gesetz gesicherten Rechte werden sie von der indischen Regierung nicht ausreichend geschützt“, sagt missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber. Insgesamt zählen rund 104 Millionen Menschen in Indien zu den indigenen Stammesgruppen, das sind knapp zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Ihnen steht die katholische Kirche Indiens besonders bei.

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