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40 Jahre AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden – Shalompreisverleihung 2021

Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Er wird von Studierenden und drei Eichstätter Bürgerinnen getragen. Margarete Müller, das älteste Mitglied (Jahrgang 1933) ist seit 1985 dabei. Sie kam zum AK Shalom, weil eine ihrer Töchter sie bat, sie rechtzeitig zum nächtlichen Friedensgebet in der Schutzengelkirche zu wecken. Die Mutter entschied, auch dorthin zu gehen. Am nächsten Morgen sagte sie zu ihren Kindern, sie habe sich gewundert, dass keine Bürger aus Eichstätt da waren, auch kein Geistlicher. Die Kinder rieten ihr, doch einen Leserbrief zu schreiben. Ganz gegen ihre Gewohnheit schrieb sie diesen, der mit der Überschrift ‚Frieden nicht gefragt?‘ im Eichstätter Kurier veröffentlicht wurde. Von da an wurden AK-Mitglieder auf sie aufmerksam und sie engagiert sich bis heute. Jahre lang waren die Gäste aus aller Welt bei Müllers untergebracht. Die sogenannten Shalom-Tücher, aus Wollresten gestrickte Dreieckstücher, die gegen eine Spende verkauft werden, sind für die 88-Jährige heute ein Beitrag, den sie mit Freude leistet.

Gegründet wurde der AK von Studenten der Theologie. Sie waren vor allem von der Theologie der Befreiung und der Umsetzung christlicher Ideale inspiriert. Das Wort Shalom bedeutet im Hebräischen mehr als Frieden. Es bedeutet Frieden, der nur in Gerechtigkeit möglich ist.

Als der AK Shalom sein 25-jähriges Jubiläum feierte, war ein Team des Bayerischen Rundfunks vor Ort. Ein Redakteur sagte nach dem Drehen, wie ungewöhnlich es sei, dass eine Gruppe so lange bestehe und immer wieder wechselnde, neue Mitglieder zähle. Inzwischen sind auch wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, die als Studentinnen zum AK Shalom kamen, dabei. Es gibt keine Vorsitzenden, keinen Kassenwart etc. Jedes Mitglied des AKs macht die Arbeit, die ihr oder ihm liegt. Welches Projekt ausgewählt wird, wird demokratisch entschieden.

Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Neben den drei großen institutionellen Spendern – Bistum Eichstätt, Oswald-Stiftung und Rotary Club Eichstätt – setzt sich das Preisgeld aus vielen kleineren und größeren Spenden von Privatpersonen zusammen. Alle Kosten, wie Flüge, Flyer, Unterbringung der Gäste, bezahlen die Mitglieder aus ihrer eigenen Tasche. Den Mitgliedern ist der Kontakt zu den Preisträgerinnen und Preisträgern sehr wichtig. Sie berichten weiter über ihre Projekte. Auch private Kontakte entstanden dabei.

Wie gefährdet viele der Preisträgerinnen und Preisträger waren und sind, zeigen zwei Beispiele: Pfarrer Ngyuen Van Ly aus Vietnam, erhielt den Preis 2004 in Abwesenheit. Die Shalom-Gruppe stellte bei der Preisverleihung einen leeren Stuhl auf, weil er von der vietnamesischen Regierung in einem Arbeitslager interniert worden war. Die Preisträgerin von 2012, Berta Cáceres, wurde 2016 wegen ihres Einsatzes für die indigenen Völker in Honduras ermordet.

Margit Stein, ehemaliges AK-Mitglied und Unterstützerin, die heute Professorin für Pädagogik in Vechta ist, berichtet zum Beispiel, dass sie noch immer Kontakt zum Projekt von Yanette Bautista in Kolumbien hat, das 1998 den Shalompreis erhielt. Mit dem Preisgeld begann ein Projekt, das sich für Angehörige von Vermissten und Verschleppten einsetzt und Menschenrechtsarbeit in Kolumbien fördert.

Als Studentin war ich in den Jahren 1988 bis 1989 Mitglied. Der Preisträger des Jahres 1989 war der CIMI (der Indigene Missionsrat in Brasilien). Stellvertretend für den CIMI nahm der renommierte Theologe Paulo Suess den Preis 1989 entgegen. Ihn traf ich im März 2016 bei einer Tagung im Priesterseminar in Eichstätt wieder. Viele Jahre hatte er sich zusammen mit Bischof Erwin Kräutler für den Erhalt des natürlichen Flussverlaufs des Xingu und gegen das zerstörerische Staudammprojekt eingesetzt. Wenige Tage vor der Tagung Anfang März 2016 wurde die Shalompreisträgerin Berta Cáceres Flores in Honduras ermordet. Es war ein angekündigter Mord. Die bekannte Umweltaktivistin und Leiterin des COPINH (Ziviler Rat Indigener Völker in Honduras) war den Bauherren eines Staudammprojektes im Wege. Paulo Suess kannte die Aktivistin Berta Cáceres und war ebenso geschockt wie wir.

Die Preisträgerin vom Projekt PCFF (Parents Circle Families Forum) aus Israel, Robi Damelin, schreibt uns regelmäßig zur Situation im Land und in der Welt. Es ist ein beeindruckendes Projekt der Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern.

Auch Therese Mema aus dem Kongo meldet sich immer wieder. Der AK Shalom startete zum Beispiel nach einem verheerenden Erdbeben dort eine Spendensammelaktion. Ein Jahr nach der Preisverleihung (2015) traf ich Therese Mema bei einer Filmpremiere mit der Filmemacherin Claudia Schmid wieder. In dem Dokumentarfilm „Voices of Violence“ werden unter anderem Therese Mema und ihre Arbeit mit traumatisierten Menschen im Kongo porträtiert. Den Zusammenhang zwischen den dort ausgebeuteten Rohstoffquellen (z. B. Coltan) für elektronische Geräte hierzulande und dem andauernden Krieg in der Republik Kongo verdeutlicht die Sozialarbeiterin und in Friedensforschung ausgebildete Therese Mema immer wieder.

Padre Paulo Joanil da Silva aus Brasilien, der den Preis 2013 für die Landpastoral (CPT) entgegennahm, schreibt uns ebenfalls. Er arbeitet inzwischen an der Grenze zu Surinam mit Indigenen und berichtet von der verheerenden Lage, in der sich Brasilien durch den rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro befindet.

Ebenfalls intensiven Kontakt haben wir weiterhin zu Shay Cullen auf den Philippinen (Shalompreis 2017). Er schreibt regelmäßig zur Lage im Land und der Arbeit mit den Kindern, die sexualisierte Gewalt erfuhren, in Gefängnissen saßen, weil sie auf der Straße leben mussten. Das Projekt PREDA, bei dem Bauern für ihre fair und ökologisch produzierte Mangos angemessene Preise erhalten, ist inzwischen europaweit bekannt. Die Produkte können in allen Fair-Trade-Läden erstanden werden.

Die Preisträger des Jahre 2018, der Menschenrechtsanwalt und Journalist Mazen Darwish und seine Frau, die Journalistin Yara Bader, die in Syrien inhaftiert und gefoltert wurden, schrieben Rechtsgeschichte. Durch das Weltrechtsstaatsprinzip können Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch außerhalb des Landes, in dem sie geschahen, verfolgt werden. Folterer des Assad-Regimes standen und stehen so zum Beispiel in Koblenz unter Anklage. Der Generalbundesanwalt hat Anklage erhoben. Bei der Beweisführung war Mazen Darwish federführend. Prozesse in Frankreich werden vorbereitet. Ein Mitglied des AKs hat Yara Bader und Mazen Darwish in Paris, wo sie inzwischen leben, besucht.

Der AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden 2021

Die Zeit der Pandemie war auch für den AK Shalom nicht einfach. Wir trafen uns nur virtuell über Zoom-Konferenzen. Zugleich bot dieses Format die Möglichkeit, mit Mitgliedern in Kontakt zu treten, die in anderen Ländern leben, aber weiterhin aktiv mitarbeiten. So betreut zum Beispiel ein Mitglied, der inzwischen bei der OSZE in Warschau arbeitet, unsere Homepage. Eine Studentin, die eines der diesjährigen Projekte aus Tansania verschlug und in Eichstätt Internationale Beziehungen studierte, lebt jetzt wieder in Russland. Das sind nur einige Beispiele. Andere Studierende sind aus München, Berlin oder Lille zugeschaltet.

Im Jubiläumsjahr entschieden wir uns, zwei Projekte aus Tansania auszuzeichnen.

Inklusives Schulprojekt in Nyashishi/Tansania – Sister Dr. Felista Tangi

Shalompreisträgerin 2021 Dr. Felista Tangi mit Schülerinnen und Schülern

Als Reaktion auf die erschreckend hohen Raten an Schülerinnen und Schülern, die Körperstrafen sowie Gewalt im Schulkontext durch Lehrkräfte und Mitschülerinnen und Mitschülern ausgesetzt sind, gründete Schwester Felista Tangi zusammen mit Mitschwestern vom Orden der Teresina Sisters eine gewaltfreie und inklusiv arbeitende Secondary School in Nyashishi, in der Provinz Mwanza in Tansania. Die 1964 geborene Pädagogin Felista Tangi promovierte zum Thema der Auswirkungen von Schulgewalt auf die Leistungs- und Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Schule setzt sich in besonderem Maße für Menschen mit Albinismus ein. Behauptungen, dass es sich um eine „Strafe Gottes“ oder um Pech handele und dass die „Krankheit“ ansteckend sein könnte, sind in der Gegend um den Viktoriasee in Tansania häufig zu hören. Dieser Mangel an Wissen über Menschen mit Albinismus bedeutet, dass Volksmärchen und Aberglauben zu Verfolgung und/oder Diskriminierung führen. Die Schule arbeitet nach modernen Konzepten des „Classroom Managements“ gegen Gewalt, Mobbing und Diskriminierung auf Basis von Material, das im Rahmen des Projekts gegen Schulgewalt von Prof. Dr. Margit Stein und Prof. Dr. Daniela Steenkamp (Universität Vechta und Duale Hochschule Villingen) entwickelt und kostenfrei in Kiswahili auf einer Homepage für Lehrkräfte zugänglich ist. Die Schule benötigt für den Bau und die Ausstattung neuer Gebäude dringend finanzielle Hilfe.

Pippi House Foundation – Frauenhaus in Arusha/Tansania – Aristides Nshange

Die Pippi House Foundation for Girls (siehe Bild am Beitragsanfang) ist das einzige Frauenhaus in der tansanischen Großstadt Arusha. Der Name deutet den Charakter des Hauses als Zufluchtsort an, indem das Wort in Suaheli für Süßigkeiten, „Pippi“, aufgegriffen wird – das Frauenhaus als eine Süßigkeit in einem bitteren, harten Leben. Derzeit beherbergt das Haus bis zu 100 Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 25 Jahren, die zuvor auf der Straße gelebt haben, als Dienstmädchen verkauft wurden oder Opfer von Kinderarbeit, Kinderhandel, Vergewaltigung oder Prostitution geworden sind. Einige von ihnen waren schwanger oder hatten bereits Kleinkinder, als sie im Pippi House aufgenommen wurden, daher leben dort derzeit auch 16 Kleinkinder und Säuglinge.

Gegründet wurde das Pippi House 2011 vom Tansanier Aristides Nshange, der bei seiner Arbeit als Sozialarbeiter in Arusha bemerkte, dass sich alle Unterstützung in der Stadt auf männliche Waisen oder jüngere Straßenkinder konzentrierte. Mädchen im Teenageralter, besonders Schwangere oder junge Mütter, fielen durch das sowieso schon weitmaschige soziale Netz des Staates oder privater Initiativen. So gründete Aristides die Nichtregierungsorganisation. Sein Ziel ist es, den Mädchen eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben zu bieten. Allen Bewohnerinnen wird ein Schulbesuch ermöglicht. Die Mädchen bekommen Unterstützung beim Lernen und später, nach dem Schulabschluss, Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum, einem Studium oder einem festen Job. Das Pippi House wird nicht finanziell von der Regierung unterstützt und ist daher komplett auf nationale und internationale Spenden angewiesen. Promanity, ein deutscher Verein, der das Pippi House seit 2017 kontinuierlich finanziell unterstützt, wurde von drei jungen Frauen gegründet, die nach ihrem Freiwilligenaufenthalt im Pippi House das Projekt weiterhin von Deutschland aus fördern wollten. Das Pippi House möchte im Januar ein eigenes Haus beziehen und freut sich über jede Spende.

Die Shalompreisverleihung 2021 wird als sogenannte hybride Veranstaltung stattfinden, ebenso der Vortrag zu den beiden Projekten am 24. September 2021 im Holbeinsaal.

Der Shalompreis des Jahres 2020, der an den Chirurgen Dr. Massimo Del Bene aus Italien ging, konnte wegen der Corona-Pandemie nicht verliehen werden. Es konnte für das Projekt War Children Hospital die Rekordsumme von 32.000 Euro gesammelt werden. Dr. Del Bene wird im Rahmen der Shalompreisverleihung über seine Arbeit sprechen.

Öffentliche Präsentation der Projekte der Preisträgerinnen und Preisträger mit Videoschaltung
24. September 2021 um 19.30 Uhr im Holbeinsaal des Alten Stadttheaters Eichstätt, Residenzplatz 17, Eichstätt

Öffentliche Shalompreisfeier mit Videoschaltung
25. September 2021 um 19.30 Uhr im Holzersaal der Sommerresidenz, Ostenstraße 26, Eichstätt

Abschlussgottesdienst 26. September 2021
26. September 2021 um 10.45 Uhr im Salesianum, Rosental, Eichstätt

Die Links zu den Vorträgen am 24. September sowie zur Shalompreisverleihung am 25. September werden auf der Homepage www.ak-shalom.com veröffentlicht.

Spenden für die Projekte aus Tansania werden noch bis Ende 2021 entgegengenommen.

Wenn Sie eine Spendenquittung wünschen, notieren Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsformular.

Spenden an KHG Eichstätt
Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG
IBAN DE 34721608180109620320
Stichwort „Shalompreis 2021”

Shalompreis 2020 für Projekt „War Children Hospital“

Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt verleiht den Shalompreis 2020 an Massimo Del Bene aus Monza. Der Chirurg wird für sein unermüdliches Engagement für Folteropfer aus libyschen Flüchtlingslagern und sein Projekt „War Children Hospital“ ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 25. April statt.

Am vergangenen Sonntag, 2. Februar, fand der Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen Shalompreis-Aktion im Salesianum Rosental statt. Mitglieder des Arbeitskreises Shalom formulierten, was Frieden für sie bedeutet. Frieden ist, wenn wir nicht wegsehen. Zum Beispiel wenn es um Flüchtlinge geht. Das Europäische Netzwerk „United against refugee deaths“ mit Sitz in Amsterdam hat seit 1993 insgesamt 36.570 im Mittelmeer ertrunkene Migranten gezählt. Das sind nur die, die man fand.

Am 31. Januar hat ein Bündnis unter dem Namen „United for rescue“ aus evangelischer Kirche, katholischen Organisationen – zum Beispiel BDKJ, Arbeitnehmerbewegung, Ärzte ohne Grenzen, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Regisseur Wim Wenders, dem Bürgermeister von Palermo und vielen anderen ein Rettungsschiff gekauft. „Die Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, sind Christus.“ So formulierte es Kardinal Marx bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in München im Dezember 2019.

Frieden bedeutet, nicht wegzusehen

Frieden bedeutet Versöhnung. So wie es zum Beispiel die Shalompreisträger von 2016 leben. Robi Damelin aus Israel verlor ihren Sohn, Student der Philosophie und Pädagogik, durch einen palästinensischen Scharfschützen. Mazen Faraj, Palästinenser, verlor seinen Vater durch Schüsse eines israelischen Soldaten. Die beiden wollen, wie mehr als 600 Familien, die im Parents‘ Circle Families Forum zusammengeschlossen sind, Versöhnung und nicht Hass.

Oder die Shalompreisträger von 2018, der Rechtsanwalt und Journalist Mazen Darwish und seine Frau, die Journalistin Yara Bader. Darwish wurde dreieinhalb Jahre in einem Foltergefängnis des syrischen Regimes gefangen gehalten. Einfach, weil er die Wahrheit schrieb über die Niederschlagung friedlicher Proteste. Nach seiner Freilassung, für die sich weltweit Schriftsteller und Journalisten einsetzten, ist er nicht voller Rachegefühle. Er und die anderen Mitarbeiter des Projektes Syrian Center for Media and Freedom of Expression arbeiten dafür, dass andere Gefangene freikommen, oder wenn sie ermordet wurden, nicht vergessen werden. Vor internationalen Gerichten setzen sie sich dafür ein, dass Folterer des Assad-Regimes vor Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden. Bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist dies auch in Gerichten im Ausland möglich. Erste Anklagen erfolgten 2019 in Deutschland.

Frieden ist auch, nicht zu vergessen. Am 27. Januar gedachte die Welt der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Hier fanden 1,1 Millionen Menschen einen grausamen Tod. Über sechs Millionen Juden wurden durch Nationalsozialisten ermordet. „Wo war die Welt?“ fragte bei der Gedenkfeier in Ausschwitz eine Überlebende. Die Stolpersteine des Künstlers Günter Demnig, die auf Initiative eines Lehrers und von Schülerinnen und Schülern des Gabrieli-Gymnasiums gelegt wurden, erinnern uns an die aus Eichstätt vertriebenen und ermordeten Juden. Es gibt Menschen, die nicht ertragen, wenn jemand eine Blume zum Gedenken an die Stolpersteine legt. Frieden ist, nicht zu vergessen.

Pater Stefan Weig (links) und Dr. Gerhard Rott (rechts) mit Mitgliedern des AK Shalom beim Aktions-Eröffunggottesdienst im Salesianum Rosental. Foto: Praller-Rott

In diesem Jahr haben alle katholischen Hilfswerke ein gemeinsames übergeordnetes Thema: Frieden. Dies war ein Anlass für den Leiter des Referates Weltkirche, Dr. Gerhard Rott, vor der Gemeinde zu sprechen. Rott zitierte Papst Franziskus, der als wichtigste Voraussetzung für Frieden den Dialog sieht und das Zuhören. Da man im Sitzen, auf Augenhöhe, gut zuhören könne, nahm er sich einen Stuhl. Pater Stefan Weig wies in seiner Predigt darauf hin, dass der AK Shalom immer wieder auf Wunden hinweise und ein Licht sei. Deshalb sei der 2. Februar auch ein sehr passender Termin für den Shalom-Eröffnungsgottesdienst.

Massimo Del Bene

Der Shalompreisträger 2020, Massimo Del Bene, ist ein renommierter plastischer Chirurg. Er ist spezialisiert auf die Operation von Händen. In Italien war er der erste Arzt, der beide Hände zugleich operierte. Unter anderem durch die Wiederherstellung von Nervenbahnen können die Hände wieder funktionsfähig gemacht werden.

Der 66-Jährige in Monza arbeitende Arzt hat in den letzten Jahren sehr viele Flüchtlinge, die zuvor in libyschen Lagern gefoltert wurden, operiert. Wie Del Bene immer wieder mit Entsetzen feststellt, werden die Flüchtlinge in den Lagern in Libyen mit grausamsten Methoden an Händen und Füßen gefoltert, um Geld von Verwandten und Freunden zu erpressen. Es werde bewusst so misshandelt, dass die Folgen für die Überlebenden mit jedem Schritt und jeder Bewegung spürbar seien. Massimo Del Bene spricht von mittelalterlichen Foltermethoden und kann eine lange und traurige Reihe von Röntgenaufnahmen als Belege liefern.

Den bekennenden Christen macht das Reden über Migranten, die angeblich keine Gründe hätten, zu fliehen, ebenso wütend, wie die Tatsache, dass die Staaten der Europäischen Union Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen oder Seenotretter kriminalisiert werden. Das Zurückschleppen von Migranten nach Libyen hält er aufgrund der Situation in den libyschen Lagern für unhaltbar.

Damit eine Wiederherstellung der Hände erfolgreich sein kann, ist es wichtig, sie möglichst bald nach der Verletzung zu operieren. Leider müssen die Geflüchteten aber häufig monate- oder jahrelang in den Lagern aushalten. Wenn sie dann die Überfahrt nach Italien überleben, können sie von Spezialisten wie Dr. Del Bene operiert werden.

Massimo Del Bene möchte seinen Traum von einer Spezialklinik für Kinder, die durch Kriege verletzt wurden, umsetzen. Die Behandlung von Kriegsverletzungen ist in der Regel eine Notversorgung und häufig bleibt nur die Amputation.

Mitarbeiter von Physicians for Human Rights – Ärzte für Menschenrechte – haben belegt, dass seit 2011 durch gezielte Attacken auf Krankenhäuser durch das Regime von Bashar al-Assad – und seit 2015 vor allem durch russische Kampfflugzeuge – 916 Ärzte und Ärztinnen in Syrien getötet wurden.

Mit Hilfe von abgehörten Funksprüchen der russischen Piloten, Videoaufnahmen der zerstörten Krankenhäuser, Logbücher der Flugzeuge, die geleakt wurden, konnte dieses bewusste Bombardieren von Krankenhäusern belegt werden. Im Oktober 2019 veröffentlichten Journalisten der New York Times diese Belege des Vorgehens der russischen und syrischen Kampfpiloten.

Die heutige Chirurgie bietet viel mehr erhaltende Hilfsmöglichkeiten. Da die Ärzte und Ärztinnen der Regel nicht in Kriegsgebiete, wie derzeit nach Syrien, in den Irak oder nach Afghanistan reisen können, wäre es wichtig, die Kinder nach Italien zu bringen. Es gibt bereits konkrete Pläne mit den Fachleuten in der Lombardei, die bereit sind, freiwillig in dem geplanten War Children Hospital zu arbeiten. Das alte Hospital von Legnano ist für das Krankenhaus vorgesehen. Auch mit der UNICEF ist Dr. Del Bene im Gespräch. Spenden für das Krankenhaus für im Krieg verletzte Kinder sind dringend notwendig.

Die Verleihung des Shalompreises findet am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr im Holzersaal der Sommerresidenz in Eichstätt statt. Am 24. April ebenfalls um 19.30 Uhr spricht der Preisträger über seine Arbeit für die in libyschen Flüchtlingslagern gefolterten Menschen und das geplante War Children Hospital. Der Abschlussgottesdienst wird am Sonntag, 26. April, um 10.45 Uhr im Salesianum Eichstätt sein.

Spenden unter dem Stichwort
„Shalompreis 2020 – Katholische Hochschulgemeinde“
Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG
IBAN: DE 34721608180109620320

Aktualisierung vom 16. März 2020: Aufgrund der aktuellen Gefährdungssituation durch das CoV-2-Virus sagt der AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden die geplante Preisverleihung am 25. April 2020 ab. Die Veranstaltungen – der Vortrag, die Shalompreisverleihung und der Abschlussgottesdienst – werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Shalompreis würdigt Einsatz für Medienfreiheit in Syrien

Der Shalompreis 2018 geht an das Syrische Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit SCM (Syrian Center for Media and Freedom of Expression). Den Preis entgegennehmen werden Yara Bader (32) und Mazen Darwish (43). Darwish ist renommierter Menschenrechtsanwalt und Journalist. Er gründete 2004 das SCM nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Frankreich. Er wurde bereits damals mehrmals verhaftet. Zu Beginn der Syrienkrise und des friedlichen Aufstandes gegen die Diktatur, im Jahr  2011, inhaftierte, folterte und tötete die Assad-Regierung wahllos Menschen.

Über diese Menschenrechtsverletzungen berichtete der SCM. Im Februar 2012 wurde das Büro der Pressefreiheitsorganisation in Damaskus gestürmt. Darwish und mehrere Mitarbeiter, darunter seine Frau, Yara Bader, verschwanden in Gefängnissen. Einige wurden nach ein paar Tagen freigelassen. Yara Bader nach drei Monaten. Mazen Darwish wurde ohne Anklage dreieinhalb Jahre in verschiedenen Militärgefängnissen und unterirdischen Verliesen des Geheimdienstes festgehalten und gefoltert.

Die studierte Theaterwissenschaftlerin und Journalistin Yara Bader setzte sich aus dem Exil im Libanon, dann von Europa aus, für die Freilassung ihres Mannes sowie zahlreicher weiterer politischer Gefangener ein. Prominente wie der Schriftsteller Salman Rushdie sprachen sich ebenfalls vehement für eine sofortige Freilassung aus.

Mitte 2015 kam Darwish nach einer Amnestie frei, die Anklage „Terrorismus“ wurde nicht fallengelassen. Da Mazen Darwish weiter über die Menschenrechtsverletzungen berichtete, über die Kriegsverbrechen des Regimes genauso wie über die von radikalen Kämpfern, war die Arbeit in Syrien nicht mehr möglich. Yara Bader überzeugte ihren Mann, ins Exil zu gehen. Seit 2015 leben Yara Bader und Mazen Darwish im Exil in Berlin und führen die Arbeit des SCM von dort aus weiter.

Das Syrische Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit setzt sich für ein demokratisches Syrien, in dem die Menschenrechte Geltung haben, ein. Um dies zu erreichen, müssten Täter zur Rechenschaft gezogen werden, wie Yara Bader, Mazen Darwish und die anderen Mitarbeiter des SCM betonen.

SCM arbeitet mit der im Dezember 2016 gegründeten UN-Behörde IIIM (International Impartial and Independent Mechanism) zusammen, der eine prominente französische Richterin vorsitzt, außerdem mit der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission für Syrien. Die Organisation bereitet zukünftige Anklagen vor. SCM dokumentiert und hört Opfer und Zeugen an.

Nach dem Weltrechtsprinzip ist das nationale Strafrecht auch auf Sachverhalte anwendbar, die keinen spezifischen Bezug zum Inland haben und auch wenn weder Täter noch Opfer die Staatsangehörigkeit des betroffenen Staates besitzen. Die Straftat muss sich gegen international geschützte Rechtsgüter richten. Im März 2017 hat der SCM (durch den Anwalt Anwar al-Bunni) eine erste Anklage beim Generalbundesanwalt gegen sechs hochrangige Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes eingereicht. Die deutsche Justiz hat die Arbeit aufgenommen.

Das Syrian Center for Media and Freedom of Expression, das in enger Verbindung mit dem RSM (Reporter sans Frontiers – Reporter ohne Grenzen) steht, setzt sich für die Meinungs- und Medienfreiheit und einen zivilgesellschaftlichen Wandel zu einer Demokratie in Syrien ein. SCM macht Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Syrien öffentlich und bringt sie vor Gerichte. Das SCM setzt sich weiter für inhaftierte Medienschaffende und Schriftsteller/innen ein.

Die Verleihung des Shalompreises findet am 23. Juni 2018 in der Sommerresidenz der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt statt. Am Sonntag, 25. Februar 2018, um 10.45 Uhr findet im Salesianum in Eichstätt der Auftaktgottesdienst statt. Dabei stellt der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden Eichstätt (siehe Foto oben) das Projekt vor. Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Im vergangenen Jahr konnten 30.500 Euro an das Projekt PREDA auf den Philippinen überwiesen werden. Die gesamte Arbeit des AKs ist ehrenamtlich. Mitglieder sind Studierende und Bürgerinnen aus Eichstätt.

Shalompreis für Menschenrechtsorganisation auf den Philippinen

Am vergangenen Sonntag wurde die Shalompreis-Aktion 2017 mit einem Gottesdienst im Salesianum Rosental in Eichstätt eröffnet. Pater Johannes Haas erinnerte in seiner Predigt an all die Preisträger des seit über dreißig Jahren vergebenen Shalompreises. Er spannte den Bogen von den Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerika bis in den Nahen Osten. Das Psalmwort „Gerechtigkeit und Frieden umarmen sich“, vom Salesianer Benedict Schmitz metaphorisch in einem Bild gestaltet, das den Gottesdienstbesuchern als Karte mitgegeben wurde, erinnere an die Aufgabe und die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit.

Beate Laurenti erläuterte, dass derzeit neun aktive Mitglieder den Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bilden. Sie sind alle ehrenamtlich tätig. Das Geld, das für den Preis gesammelt wird, geht direkt in das ausgewählte Projekt.

Kathi Zöpfl vom AK Shalom stellte kurz das diesjährige Preisträgerprojekt vor. Preda – Peoples‘ Recovery, Empowerment and Development Assistance (Stiftung für die Genesung, Ermächtigung und Entwicklung der Menschen) – wurde 1974 von dem irischen Priester Shay Cullen und zwei philippinischen Bürgerrechtlern gegründet. Preda setzt sich für Opfer sexueller Gewalt ein. In Olangapo auf den Philippinen werden Kinder und Jugendliche in einem Heim aufgenommen. Traumarisierte und misshandelte Mädchen und junge Frauen erhalten psychologische und medizinische Unterstützung. Sie können einen Schulabschluss nachholen und werden mit ihren Familien wieder in Kontakt gebracht. Ein „Jail Rescue Team“ befreit Kinder und Jugendliche aus Gefängnissen und Polizeistationen. Die Kinder der Armen werden häufig unschuldig oder wegen kleinster Vergehen inhaftiert. Manche müssen Monate oder gar Jahre ohne Rechtsbeistand in engen Zellen – mit Erwachsenen zusammengepfercht – ausharren.

Preda geht auch gegen die eigentliche Ursache des menschenunwürdigen Lebens vor, die Armut. Die unterstützten Familien erzielen ein Einkommen durch ökologisch angebaute Mangos. Über den fairen Handel in Deutschland erzielen sie Preise, die ein Leben in Würde ermöglichen. Hühnerzucht, Gemüse- und Bananenanbau tragen weiter zu einem unabhängigen Leben bei. Preda setzt sich besonders für die benachteiligten Frauen und Kinder ein, unterstützt die indigene Bevölkerung und ist aktiv gegen Sextourismus, Menschenhandel und Internetpornographie.

Die Menschenrechtslage in den Philippinen hat sich seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte im Mai 2016 weiter verschärft. Tausende Tote im blutigen Krieg gegen Drogen, eine durch Morde und Kriminalisierung bedrohte Zivilgesellschaft und ein Klima absoluter Straffreiheit zeichnen die Menschenrechtslage aus. Bereits ein halbes Jahr nach Dutertes Amtsantritt sind 5800 Morde an Drogenabhängigen registriert worden. 170 Journalisten und Menschenrechtsaktivisten wurden in den letzten vier Jahren ermordet. Landrechtsverteidiger, die sich für die Umverteilung von Agrarland einsetzen oder gegen Bergbauprojekte kämpfen, sind besonders bedroht. Die Bergbauprojekte sind häufig mit massiver Umweltzerstörung verbunden.

Die am 11. Januar 2017 verstorbene Shalompreisträgerin Lory Obal, derer ebenso wie der ermordeten Berta Caceres aus Honduras (am 3.März 2016  ermordet) und Bischof Juan Gerardi Conedara, am 26. April 1988 ermordet, gedacht wurde, setzte sich für die Indigenen auf den Philippinen und gegen multinationale Konzerne ein, die Raubbau an der Umwelt betreiben.

Father Shay Cullen, der den Shalompreis am 6. Mai 2017 im Holzersaal der Sommerresidenz an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt entgegen nehmen wird, kämpft seit den 1970er Jahren für gerechte Preise für Kleinbauern, für die Rechte von Indigenen, von Frauen und von Kindern. Das Preisgeld für den Shalompreis wird ausschließlich durch Spenden zusammengetragen. Spenden können auf das Konto der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Eichstätt bei der Volksbank Raiffeisen Bank Mitte überwiesen werden:
Kontonummer: IBAN DE34721608180109620320
Stichwort „Shalomaktion 2017“.

Shalompreis geht an israelisch-palästinensische Familienorganisation

Am Sonntag, 24. April, wurde die Shalom-Aktion 2016 im Salesianum Rosental in Eichstätt eröffnet. Hochschulseelsorger Pater Johannes Haas zelebrierte den Eröffnungsgottesdienst, der vom Chor „Kunterbunt“ musikalisch gestaltet wurde.

Der Shalompreis wird in diesem Jahr dem Parents Circle Families Forum (PCFF) in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten verliehen. Mitglieder des AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden stellten den Arbeitskreis und das Projekt im Gottesdienst vor. Sie erinnerten auch an die am 2. März 2016 ermordete Shalompreisträgerin von 2012, Berta Cáceres. Außerdem gedachte der AK Shalom seines Gründers Thomas Beutler, der in der vergangenen Woche verstarb.

Eröffnungsgottesdienst der Shalom-Aktion 2016
Eröffnungsgottesdienst der Shalom-Aktion 2016

In einer Zeit, in der aus dem Nahen Osten fast nur Nachrichten von Krieg und Terror zu lesen sind, setzen die Mitglieder von PCFF ein Zeichen für Frieden und Versöhnung. PCFF ist eine gemeinsame israelisch-palästinensische Organisation von über 600 Familien. Alle haben im langjährigen Konflikt einen nahen Angehörigen verloren. Trotz des grausamen Verlustes eines geliebten Menschen wollen die Familienangehörigen keine Rache sondern Austausch und Versöhnung.

Der Shalompreis wird am 18. Juni 2016 in Eichstätt verliehen. Eine Israelin und ein Palästinenser werden den Preis gemeinsam entgegen nehmen.

Der Shalompeis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Im AK Shalom sind derzeit 12 Mitglieder, Studierende und Bürgerinnen aus Eichstätt. Die Arbeit ist rein ehrenamtlich, das Preisgeld kommt durch Spenden zusammen. Das Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt, die private Oswaldstiftung und der Rotary-Club Eichstätt sind institutionelle Spender. Alles andere sind Spenden von Privatleuten. Die Preisverleihung findet am 18. Juni 2016 statt.

Wer für die Aktion 2016 spenden möchte, kann das bis September tun. Die Bankverbindung lautet: Katholische Hochschulgemeinde, Konto 1 09 62 03 20 bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, BLZ 721 608 18, IBAN: DE34721608180109620320, Stichwort „AK Shalom“.