Archiv der Kategorie: Rückblick

Die Goldgräberstadt Guanajuato

Vor zwei Wochen habe ich mit meiner Gastfamilie Guanajuato besucht. Guanajuato ist sowohl der Name eines Bundesstaates als auch einer etwa zwei Stunden von Ezequiel Montes entfernt liegenden Goldgräberstadt. Unter den Spaniern wurde dort sehr viel Gold gefördert, so viel, dass die ganze Stadt von einem Tunnelsystem untergraben ist. Durch diese Tunnel wird jetzt der Verkehr geleitet, weil in der Stadt kein Platz dafür ist – Ampeln und Kreuzungen inklusive. Auch heute noch wird in Guanajuato Gold gefördert, allerdings mittlerweile von mexikanischen Firmen.

Gegründet wurde Guanajuato offiziell 1546 von den Spaniern. Aber schon lange Zeit vorher siedlten am gleichen Ort verschiedene eingeborene Völker, wie zum Beispiel die Otomi und die Chichimeca. Der älteste bekannte Name für Guanajuato, Mo-o-ti, bedeutet soviel wie „Ort der Metalle“ und verweist somit schon auf die Besonderheit Guanajuatos. Diese entdeckten bei ihrer Ankunft auch die Spanier, und die Folge war Ausbeutung sowohl der Minen als auch der Mexikaner als Arbeitskräfte.

Neben den vielen ehemaligen Minen und Tunneln gibt es in Guanajuato eine weitere Besonderheit: Die Mumien. Durch den hohen Salzgehalt der Erde in Guanajuato werden tote Körper dehydriert, noch bevor sie  zersetzt werden können, und somit für die Ewigkeit konserviert. In Guanajuato gibt es ein ganzes Museum voller solcher Mumien (El Museo de las Momias genannt), das ich aber leider nicht besuchen konnte. Werner Herzog verwendete Bilder dieser Mumien in seinem Film Nosferatu – Phantom der Nacht. Die Verwaltung des Staates Guanajuato hat sich angeblich eine besondere Regelung einfallen lassen, um für regelmäßigen Mumiennachschub zu sorgen: Alle Personen, die mehr als fünf Jahre unter der Erde verbracht haben, werden als Mumien wieder ausgegraben und gehören dann dem Staat – außer, man kauft sie frei.

Pastoralzentrum Bugendana wird ein großer Segen für die Menschen sein

Ich bin wieder zurück von der Burundi-Reise und bereits unterwegs im Bistum mit dem diesjährigen Gast der Misereor-Fastenaktion, James Mutebi, aus Uganda. Es waren sehr erfolgreiche Besprechungen in Bugendana. In spätestens zwei Monaten sollte das Energiekonzept für das gesamte Sozial- und Pastoralzentrum erarbeitet sein. Dann wird es darum gehen, die Finanzierung durch Drittmittel zum Beispiel von Hilfswerken und Spendern abzusichern. Vor allem durch den Einsatz von auf dem Boden montierten Sonnenkollektoren soll der Energiebedarf abgedeckt werden. Es besteht die Hoffnung, dass in wenigen Jahren diese ca. 300 Quadratmeter große Anlage (mit Ausbauoption dazu) beitragen kann, überschüssigen Strom in das staatliche Netz einzuspeisen und so die Energieversorgung allgemein zu verbessern, sowie der armen Pfarrei eine Einnahmequelle beschert.

Auch auf der Baustelle der Kirche waren die Eichstätter von der qualitativ guten Arbeit der Bauarbeiter erfreut. Das Mischverhältnis zwischen aus der Region stammenden Bruchsteinen und Ziegelsteinen beim Kirchengebäude konnte geklärt werden. Das ist auch ein Beitrag zum Umweltschutz, den die Bruchsteine müssen nicht gebrannt – und um diese zu Brennen keine Bäume gefällt – werden. Viel Zeit wurde auch darauf verwendet, die bisherigen Kosten den Eichstättern transparent darzustellen. Die Grundschule liegt im Zeitplan und sollte zum kommenden Schuljahr den Betrieb aufnehmen. Die Mittel- und die Berufsschule müssen zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff genommen werden.

Höhepunkt und zugleich Abschluss der Reise war der Festgottesdienst auf dem freien Feld neben der alten Kirche, an dem mindestens 5.000 Menschen teilnahmen. Erzbischof Simon Ntamwana dankte der Eichstätter Delegation und betonte in seiner Predigt, dass die freundschaftliche Verbindung der Bistümer Eichstätt und Gitega auf der Grundlage des christlichen Glaubens beruhe, die sich in der weltkirchlichen Gemeinschaft und Solidarität ausdrückt. In seinem Grußwort bedankte sich der Eichstätter Domdekan Willibald Harrer im Namen der gesamten Delegation für die empfangene Gastfreundlichkeit. Er stellte unter anderem fest, dass bezüglich der Lebendigkeit des Glaubens, die auch in der Feier des Gottesdienstes zum Ausdruck kommt, die so genannten entwickelten Länder von Afrika lernen können. Wie wichtig auch der Regierung von Burundi das Projekt ist, zeigt die Tatsache, dass an dem Gottesdienst auch der zweite Vize-Staatspräsident des Landes sowie der Gouverneur der Region und einige Abgeordnete teilnahmen.

Sichtlich beeindruckt vom Bugendana-Projekt war auch der Bischöfliche Beauftragte für die Weltkirche, Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn. Sein Fazit:

„Papst Franziskus fordert uns auf, an die Ränder zu gehen. Unser Leitprojekt Bugendana in der Erzdiözese Gitega (Burundi) liegt ganz auf dieser Linie. Wir leisten hier einen ganzheitlichen Beitrag zur Entwicklung in einer Region, in der ein Großteil der Bevölkerung in Armut lebt: Das Gesundheitszentrum, die Schulen, die pfarrlichen Strukturen mit der Kirche St. Willibald und St. Walburga dienen diesen Menschen, die unsere Schwestern und Brüder sind. Es sind wertvolle Menschen, die unsere Hilfe verdienen. Ich denke an die zahlreichen Kinder und Jugendlichen in Bugendana, die eine Perspektive für die Zukunft brauchen. Zusammen mit unseren burundischen Partnern konnten wir jetzt anstehende Fragen bearbeiten und manche Probleme einer Lösung näher bringen. Unter anderem spielt da auch die Energieversorgung eine wichtige Rolle. Ich bin sicher, dass das Pastoralzentrum in seiner Ganzheit ein großer Segen für die Menschen sein wird. Das konnten wir jetzt schon vor Ort spüren. Natürlich benötigen wir weiter die Unterstützung vieler, damit das multidimensionale Projekt Bugendana gelingen kann. Allen, die uns dabei helfen, ein herzliches Danke und „Vergelt’s Gott“.“

Ich bin dann mal schnell in Barcelona

Ich weiß, die fünfte Jahreszeit ist vorbei, dennoch erlaube ich mir einen kurzen Rückblick. Es ist ja recht und schön, aber acht Wochen Fasching, das ist dann für manchen doch etwas zu heftig! So lange wie heuer, ist der Fasching nur alle paar Jahre. Für die einen ist das eine Riesengaudi, für die anderen unerträglich. Sie wollen nur noch weg. Dorthin, wo es ruhiger ist, kein Fasching, und vor allem, wo es wärmer ist. Am besten noch Meer, Kultur, eine faszinierende Stadt und südländischer Lebensstil. Was liegt da näher als – BARCELONA.

Diese Slideshow erfordert aktiviertes JavaScript.

Gerade für ein verlängertes Wochenende oder einen kurzen Städtetrip ist Barcelona genau das richtige Ziel. Knapp zwei Flugstunden von München entfernt, gibt es außerhalb der Hauptsaison schon Flüge zwischen 100 und 150 Euro, hin und zurück. In St. Albertus Magnus, der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Barcelona, merken wir diese Überlegungen mancher Faschingsmuffel. Immer mehr Urlaubssuchende nützen die Ferienwoche über Fasching und Aschermittwoch für einen Besuch in der katalanischen Metropole – auch aus dem „Bischdum Eigschdädd“.

Eine junge siebenköpfigen Familie (Eltern mit fünf Töchtern von 6 bis 14 Jahre) aus der Eichstätter Gegend, zwei Familien mit jeweils zwei Kindern aus Ingolstadt und zwei Ehepaare meldeten sich einige Wochen vor dem Faschingswochenende in St. Albertus Magnus und kündigten ihren Besuch an. Ganz unterschiedlich war das Motiv: Die einen suchten einfach Erholung vom Alltag, die anderen feierten den Geburtstag des Ehepartners in der Fremde, wieder andere schauten sich nach einem möglichen Arbeitsfeld für die Zukunft um. Barcelona hat für die unterschiedlichsten Bedürfnisse was zu bieten.

Gut, dass in St. Albertus Magnus auch ein recht vielseitiges Angebot herrscht. Auch wenn die Hauptstadt Kataloniens keine Hochburg des Karnevals ist, in der Deutschsprachigen Gemeinde von Barcelona darf Fasching nicht fehlen. Karneval, Fastnacht, Fasching oder wie immer man auch die närrischen Tage bezeichnen will, die Tage vor dem Aschermittwoch gehören der Maskierung, der Freude und dem Fest. Deshalb kommt auch manches Kind schon in den sonntäglichen Gemeindegottesdienst maskiert und verkleidet. Vor allem dann aber nach der Messe. Da wird der gewöhnliche Kirchencafé erweitert zu einer waschechten Faschingsfeier. Mainzer Büttenreden, Kölner Karnevalslieder, bayrische Gstanzel, bolivianische Tänze, alles hat Platz in der Faschingsfeier der deutschen katholischen Gemeinde von Barcelona. Und dazu noch selbergemachte schwäbische Spätzle mit Gulasch – was fehlt da einem noch?

Es ist aber nicht nur ausgelassenes Vergnügen, was den Gästen aus Bayern in der katalanischen Hauptstadt geboten wird. Neben der reichhaltigen Geschichte, faszinierenden Kultur und den unerschöpflichen Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet die St. Albertus Magnus-Gemeinde den deutschsprachigen Christen in Barcelona natürlich auch ein spirituelles Programm an, seien es nun  Sesshafte, die sich hier fest niedergelassen haben, oder Gäste, die für ein paar Tage die Stadt kennen lernen wollen. „Das Leben neu sehen“ lautet deshalb die Veranstaltung am Aschermittwoch, mit der die Österliche Bußzeit eingeleitet wird. Eine junge Künstlerin der deutschsprachigen Gemeinde gibt in der Buchhandlung des Claretiner-Ordens eine Einführung in ihre Ausstellung und der Pfarrer stellt sein Buch vor, in dem Fotografien, Predigten, Meditationen und Gedichte einen neuen Blick zu biblischen Gestalten eröffnen.

Auf keinen Fall fehlen darf bei einem Besuch in Barcelona aber „La Sagrada Familia“ – die einmalige Basilika zu Ehren der Heiligen Familie. Antoni Gaudi, der wohl außergewöhnlichste Jugendstilkünstler und Architekt Kataloniens, hat 1883 die Leitung des Kirchenbau übernommen. Zu seinem Tod, 1926, standen gerade ein kleiner Teil der Apsis-Mauern und die Ost-Fassade mit ihren Türmen (vier von insgesamt 18 geplanten). Im November 2010 konnte Papst Benedikt das Hauptschiff einweihen. Seitdem betreten die Besucher eine Kirche und keine Baustelle, und seit dem nutzt der Erzbischof von Barcelona die Basilika für besondere Gottesdienste. Trotzdem ist eine Vollendung der „Sagrada“ noch nicht abzusehen. Vor allem die Glorien-Fassade zum Meer und die Haupttürme, die Jesus Christus und der Gottesmutter geweiht werden sollen, werden sicher noch einige Jahre Bauarbeit in Anspruch nehmen. Obwohl die Kirche an vielen Stellen einer großen Baustelle gleicht, macht sie dennoch auf jeden Besucher einen unvergleichlichen spirituellen Eindruck. Das Spiel der Säulen, der Zauber der Farben, die unerschöpfliche Tiefe der Symbole, das alles macht „La Sagrada Familia“ zu einem „Fünften Evangelium“.

So schön der Fasching in Bayern oder in Deutschland auch sein kann. Es gibt auch Alternativen. St. Albertus Magnus, die Deutschsprachige Gemeinde von Barcelona bietet verschiedene.

Weihnachten einmal anders: Unterwegs am Rio Negro mitten im Amazonas

Im November und Dezember besuchte ich den Bundesstaat Amazonas, um die Situation in den dortigen Gefängnissen besser kennen zu lernen. Am Ende dieser Missionsreise verbrachte ich zehn Tage in der schönen Stadt São Gabriel da Cachoeira am Oberen Rio Negro mitten im Amazonas-Regenwald.

Diese Slideshow erfordert aktiviertes JavaScript.

Sehr beeindruckt hat mich eine Weihnachtsfeier mit dem Tucano-Volk. Die Kirche in dieser Region hat ein indigenes Gesicht. Die überwiegende Mehrheit der rund 18 000 Bewohner dieser Gemeinde sind Indigenen aus 20 verschiedenen Ethnien. Viele dieser Menschen wachsen zweisprachig auf. Zweisprachiger Gottesdienste – in Portugiesisch und Tucano – sind keine Seltenheit vor allem in den kleinen Anrainergemeinden. In der Gemeinde Towa (über drei Bootstunden dem Rio Negro aufwärts) fand eine Feier der Eucharistie mit Taufe, Heirat und Abitur-Zeremonie statt. Die Menschen am großen Fluss geben Zeugnis einer lebendigen Kirche, die sehr an die Basisgemeinden im Sinne der Befreiungstheologie erinnern.

Das Bistum São Gabriel da Cachoeira ist fast so groß wie Italien, allerdings dünn besiedelt: nur knapp 95 000 Menschen leben hier. Fast alle von ihnen sind katholisch, allerdings gibt es nur eine handvoll Priester, die sie betreuen. Bischof Edson Damian hatte mich zu einer Weihnachtsfeier auf einer Fazenda da Esperança („Hof der Hoffnung“) eingeladen, wo sich 28 Männer aller Altersgruppen von der Drogen- und Alkoholsucht erholen.

Sehr bewegend war auch eine Feier auf einer Polizeistation im Grenzgebiet: 42 Männer und zwei Frauen (Brasilianer und Kolumbianer) saßen zu dem Zeitpunkt dort ein. Auch die Angehörigen der Gefangenen waren gekommen, um gemeinsam mit den Mitarbeitern der Gefängnispastoral zu singen, beten und über die Bedeutung der Geburt Jesu für uns heute zu reflektieren.

Die Geburt Jesu in einem Gefängnis zu feiern, mit den Häftlingen, mit den ausgeschlossenen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und wenig Aussicht auf eine Rückkehr in diese Gesellschaft haben, ist unheimlich beeindruckend. Im Gefängnis leuchtet der hoffnungsvolle Stern von Bethlehem noch stärker.

Die Ufer des Rio Negro sind atemberaubend, geprägt von einer üppigen Natur und von herzlichen Menschen. Diese Reise verstärkte meinen Traum, eines Tages in dieser Region zu arbeiten.

Weitblick, Weltblick, Rückblick – Weltkirche im Bistum Eichstätt 2013

Vier von viertausend. Am vorletzten Tag des Jahres 2013 fahren vier Jugendliche aus dem Westen des Bistums Eichstätt nach Köln, um im Dom mit etwa viertausend anderen Jungen Mädchen an der zentralen Eröffnung der bundesweiten Dreikönigsaktion teilzunehmen. Stellvertretend für die vielen Kinder und Jugendlichen, die in den Städten und Gemeinden der Diözese unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein“ von Haus zu Haus ziehen, um Spenden für Flüchtlingskinder in Malawi (Afrika), dem diesjährigen Beispielland der Aktion, und weltweit zu sammeln. Die „Sternsinger“ im Bistum Eichstätt wissen, dass sie mit ihrem Engagement in der Freizeit auch eine ganze Reihe von Kinder-Projekten in der Partnerdiözese Poona und in den aus dieser hervorgegangenen Bistümern Nashik und Sindhudurg in Indien unterstützen. Danke, liebe Sternsinger, für Euren Einsatz. Danke, dass Ihr nicht müde werdet, Boten der Hoffnung für viele zu sein!

Diese Slideshow erfordert aktiviertes JavaScript.

So schließt sich der Kreis. Denn in Zusammenarbeit mit Professoren der Päpstlichen Hochschule in Poona (JDV) und der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt begann das weltkirchliche Jahr in Eichstätt im Januar 2013 mit einem Symposion. Am wissenschaftlichen Austausch über den „Interreligiösen Dialog aus Indischer und Deutscher Perspektive“ nahm auch der emeritierte Bischof von Poona, Valerian D´Souza, teil. Schon allein seine Impulse bei der Eröffnungsrede in Gegenwart unseres Bischofs Gregor Maria Hanke ließen auf eine fruchtbare Tagung hoffen. Die Dokumentation soll demnächst erscheinen.

Nur wenige Wochen später konnte ich zusammen mit dem Weltkirche-Referenten Gerhard Rott im Rahmen einer Studienreise für die Mitglieder des Sachausschusses Mission/Entwicklung/Frieden des Diözesanrats und weiteren Interessierten unsere indische Partnerdiözese Poona besuchen. Dass die Spitzen des BDKJ im Bistum Eichstätt mit von der Partie waren, hat die Reise zusätzlich bereichert. Das intensive Programm im doch ungewohnten Klima kostete nicht wenig Kraft; immerhin besuchten wir täglich drei bis vier Projekte, darunter Schulen, Frauenprojekte, ein AIDS-Hospiz, eine einkommensschaffende Initiative in einem abgelegenen Dorf sowie eine ganze Reihe von Kirchen und pfarrlichen Einrichtungen. Allen war klar: Vieles wurde seit Beginn der Diözesan-Partnerschaft 1955 erreicht! Vor allem an den Schulen schlug uns indische Begeisterung und Dankbarkeit entgegen. Bischof Thomas Dabre und sein Generalvikar Malcolm Sequeira nahmen sich viel Zeit, um uns dabei zu helfen, das Land, die Leute und die Kultur besser verstehen zu lernen. Unsere Spontaneität war unter anderem gefragt, als einige aus der Gruppe eingeladen wurden, bei der Siegerehrung zum Abschluss eines großen christlichen Jugendsportfestivals mitzuwirken.

Der Alltag in unseren Eichstätter Büros ist zwar weniger aufregend, aber nicht minder interessant. Dazu gehört die Förderung und Betreuung einer beachtlichen Anzahl von ausländischen Stipendiaten. Im Vordergrund steht sicher die Projektarbeit. Da wir für die Verwendung der uns anvertrauten Mittel verantwortlich sind, müssen alle Anträge genau geprüft werden. Manchmal schmerzt es auch, wenn wir aufgrund der begrenzten Ressourcen gute Initiativen nicht oder nicht in dem Maß fördern können, in dem sie es verdienten. Umso größer ist dann die Freude, wenn Berichte über das Gelingen oder Voranschreiten von Projekten eingehen, die wir unterstützen konnten. Helfen zu dürfen macht froh. Meine Mitarbeiter und ich sind dankbar dafür. Das aufwendigste Einzel-Vorhaben war 2013 wieder unser Leitprojekt Bugendana in der Erzdiözese Gitega, Burundi.

Mit unseren Partnern in Burundi hatte ich viele unmittelbare Begegnungen, auch wenn meine erste Reise dorthin vermutlich erst 2014 stattfinden kann. Zwei der drei burundischen Stipendiaten im Eichstätter Priesterseminar sind im Studium schon weit fortgeschritten; einer ist nach dem erfolgreichen Doktorat wieder zurück in seiner afrikanischen Heimat, um dort sein Wissen weiterzugeben. Neue Wege konnten wir in der Kooperation mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf (Mittelfranken) beschreiten: Dank der Initiative der Familie Otto Schüller aus Herrieden wurden dort drei zukünftige Multiplikatoren für den landwirtschaftlichen Bereich der entstehenden Berufsschule in Bugendana weiterqualifiziert. Die beste Nachricht aus Burundi kam erst vor zwei Monaten: Endlich konnte mit dem Bau der Kirche „St. Willibald und St. Walburga“ in Bugendana begonnen werden, die der Mittelpunkt des im Aufbau begriffenen Pastoral-, Sozial- und Bildungszentrums sein wird.

Im Oktober haben Bischof Jan Baxant von Leitmeritz (Litomĕřice) und unser Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB im Dom der böhmischen Stadt Leitmeritz feierlich ein Memorandum unterzeichnet. Das Dokument definiert den Rahmen dieser jüngsten der drei Eichstätter Bistumspartnerschaften. Es versteht sich freilich nicht als „Gründungsurkunde“ der schon bestehenden Kooperation zwischen den Bistümern und enthält auch keine Ausführungsbestimmungen. Das Memorandum will vielmehr eine Einladung an die Menschen in beiden Bistümern sein, einander zu begegnen, miteinander zu beten, den Glauben zu vertiefen und zu feiern und daraus gestärkt die Zukunft in der Mitte Europas mitzugestalten. Sehr dankbar bin ich in diesem Zusammenhang dem Diözesanrat für die gute Kooperation und die Ausrichtung seiner Vollversammlung im Bistum Leitmeritz. So sind sich unsere Bistümer auch ganz konkret näher gekommen. Ohne die langjährigen und geduldigen Kontakte der Ackermann-Gemeinde wäre vieles davon vielleicht nicht so möglich geworden. Der Besuch in Leitmeritz hat auch deutlich werden lassen, dass der erste und wichtigste weltkirchliche „Akteur“ im Bistum der Bischof selbst ist: Als Mitglied des weltweiten Bischofskollegiums verbindet Bischof Gregor Maria die Diözese Eichstätt mit der Universalkirche.

Neben den Partnerschaften kümmert sich das Referat Weltkirche auch um die Arbeit und Aktionen der großen kirchlichen Hilfswerke. Konkret gehört dazu die Kooperation bei gemeinsamen Projekten. Auch das persönliche Gespräch mit den Gästen, die auf Einladung von Misereor, Missio München, Adveniat, Renovabis und dem Päpstl. Kindermissionswerk im Bistum Eichstätt unterwegs sind und in der Regel vom Referenten betreut werden, ist mir wichtig. Die weltkirchlichen Gäste geben Einblick über die Situation der Kirche und über gesellschaftliche Herausforderungen in ihren Herkunftsländern und sie zeigen auf, wie unsere Werke vor Ort konkret Hilfe leisten. Auch mit zahlreichen anderen Gästen komme ich gerne und oft ins Gespräch, besonders mit Besuchern aus Osteuropa,  schließlich ist das in Eichstätt ansässige Collegium Orientale eine international anerkannte Ausbildungsstätte für Theologen aus den orientalischen Kirchen. Nicht selten nutzen diese Gäste die Möglichkeit, um auch ihre Projekte vorzustellen.

Zu den herausragenden Ereignissen im Bereich der kirchlichen Hilfswerke gehörten 2013 die 175-Jahr-Feier von Missio München und das 20-jährige Bestandsjubiläum der Solidaritätsaktion Renovabis, das sinnfälligerweise in Berlin begangen wurde.

Unsere weltkirchliche Arbeit wird auf der Ebene der Bistümer in Deutschland in der Konferenz der Diözesanverantwortlichen für Weltkirche (KDW) koordiniert. Hier geht es auch um grundsätzliche und strategische Überlegungen in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg).

Im Hinblick auf unsere Stipendiaten und auf akademische Veranstaltungen mit weltkirchlichem Charakter liegt uns viel an einer guten Zusammenarbeit mit der KU Eichstätt-Ingolstadt. In diesem Kontext konnte ich 2013 eine Einladung zum Deutsch-Koreanischen Kolloquium mit dem Thema „Ethik in der globalisierten Welt“ annehmen und in Seoul (Südkorea) über den Auftrag und die Arbeit der „Internationalen Hilfswerke als Mitgestalter sozialer Gerechtigkeit“ referieren.

Weltkirchliche Arbeit steht im Dienst der Mission der Kirche. Sie verlangt und sie eröffnet Weitblick. Unser Weltblick ist vom Glauben getragen und inspiriert, denn wir möchten die Menschen, unserer Schwestern und Brüder in aller Welt, so verstehen, wie Gott, unser aller gemeinsamer Vater, sie meint. Der Rückblick auf 2013 macht uns aufrichtig dankbar und erlaubt uns zugleich einen hoffnungsvollen Ausblick auf das vor uns liegende Jahr.

Mehr zum Thema: Das Jahr 2013 im Bistum Eichstätt