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Beginn einer neuen spirituellen Blütezeit?

Das Marienkloster im norwegischen Tautra wird erweitert – das Bonifatiuswerk unterstützt mit der Diaspora-Aktion 2020 unter anderem die Arbeit der Ordensschwestern.

Ringsherum tiefblaues Wasser, in dem sich das Licht der Frühlingssonne bricht. Erst die teils schneebedeckten Berge begrenzen in einiger Entfernung die Weite des Fjordes. Über all dem das Azurblau des Himmels, an dem kaum eine Wolke zu sehen ist: Dieses Panorama, das sich dem Betrachter von dem grasbedeckten Hügel auf Tautra aus bietet, kann sich sprichwörtlich sehen lassen. Kein Wunder, dass sich einst an genau dieser Stelle auf der kleinen Insel im Trondheim-Fjord Zisterziensermönche niederließen. Von dem 1207 gegründeten Kloster sind nur die Ruinen der Abteikirche übriggeblieben – davor eine Hinweistafel, die über Bedeutungsverlust und Aufgabe des Klosters infolge der Reformation informiert. Das Ende des Ordenslebens auf Tautra? Nein. Nur wenige hundert Meter entfernt vom alten Standort setzen Trappisten-Schwestern die Tradition in ihrem 2006 eingeweihten Marienkloster fort.

Das Kloster Tautra ist nur ein Beispiel dafür, dass die kontemplativen Orden in Norwegen derzeit eine Blüte erleben. Wirkten bis vor wenigen Jahren vor allem aktive Gemeinschaften wie die Josephs-, die Franziskus-Xaverius- oder die Elisabethschwestern in Krankenhäusern und Pfarrgemeinden – heute sind vor allem aktive Gemeinschaften aus den Philippinen und Vietnam mit jungen Schwestern vertreten –, zeigt sich mittlerweile ein Trend zu monastischen Orden. Aus deutscher Sicht wirkt das alles wie eine verkehrte Welt: Hierzulande mangelt es den Ordensgemeinschaften massiv an Nachwuchs, es mangelt zudem an Geld. Als Folge werden Klöster – auch traditionsreiche – aufgegeben, Ordensprovinzen werden zusammengeschlossen. Ein Spiegelbild der allgemeinen Kirchenkrise in Deutschland. Parallel dazu Norwegen: Hier heißt es bei den Orden Aufbruch statt Abbruch – in einem Land, in dem die katholische Kirche insgesamt kontinuierlich wächst, in einigen Regionen monatlich sogar um ein Prozent.

Mittagsgebet in der Klosterkirche: Sonnenlicht dringt durch das gläserne Dach und fällt auf das darunter liegende Holzgebälk. Ein einzigartiges Licht- und Schattenspiel erfüllt den Raum. Hinter dem Altar gibt eine große Glaswand den Blick auf den Fjord frei: die Schönheit der Schöpfung wird zum Altarbild. Der klare Psalmgesang der Schwestern, begleitet von zarten Harfenklängen, vollendet die mystische Atmosphäre, die ausstrahlt. Ließen sich einst sieben Schwestern aus dem US-Bundestaat Iowa auf der einsamen Insel nieder, führen hier mittlerweile 16 Nonnen aus zwölf Nationen ein beständiges Leben im benediktinischen Rhythmus von Ora et labora et lege.

Das Kloster ist daher inzwischen zu klein. Es soll nun um einen neuen Flügel mit weiteren Zellenzimmern erweitert werden. „Manchmal kommen Menschen zu uns, um nach Orientierung im Leben zu suchen“, berichtet Schwester Gilchrist Lavigne von ihren Erfahrungen, „wenn sie mögen, helfen wir ihnen auf ihrem Weg.“ Und genau in dieser Aussage spiegeln sich die Offenheit des Klosters und die gelebte Willkommenskultur der Schwestern wider. In einem Gästehaus bieten die Nonnen Raum für all jene, die sich in die Stille und die spirituelle Atmosphäre dieses Ortes zurückziehen möchten. Auf der Halbinsel sind alle Menschen willkommen und zum Gebet eingeladen, egal ob sie tief im Glauben verwurzelt sind, der Kirche skeptisch gegenüberstehen oder einfach nur aus der Neugierde heraus einen Einblick in das klösterliche Leben bekommen möchten. Viele der Menschen in der Region hätten lange darauf gewartet, dass auf Tautra wieder ein Kloster entstünde. Viele von Ihnen möchten eine Nacht auf Tautra verbringen, um die Stille und Spiritualität des Ortes zu erleben. Die Nachfrage sei so groß, dass die Schwestern leider immer mehr Absagen machen müssten.

Ein angenehmer Duft liegt in der Luft, wenn die Nonnen 50 Kilogramm schwere Seifenblöcke, die mit Lavendel, Sandelholz, Mandel, Honig oder diversen Kräutern versetzt sind, in 630 handgerechte Stücke zerteilen. Die Trappistinnen verdienen einen Teil ihres Lebensunterhalts durch die Produktion von Seifen und Cremes. Doch Geld steht hier nicht im Mittelpunkt: „Die Seife bietet ein wunderbare Möglichkeit, den Menschen zu begegnen und mit ihnen in Dialog zu treten“, erklärt Schwester GilChrist: »Wir produzieren jedes Stück Seife als ein Gebet für den Frieden und wir beten für die Menschen, die sie kaufen.“

„Orte wie das Marienkloster auf der Halbinsel Tautra, an denen Glaube und Kirche auf besondere Weise gelebt werden sind besondere Ort die zeigen, wie lebendig und erfolgreich Norwegens Katholiken trotz oder gerade wegen ihrer Diaspora-Situation sind“, ist sich der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen sicher. Bei all seinen Besuchen habe er stets eine sehr internationale und stark wachsende Glaubensgemeinschaft erlebt, die sehr viel Mut für die Zukunft mache. Mit seinen 16 Schwestern aus zwölf unterschiedlichen Nationen ist das Marienkloster ein Spiegel der multikulturellen Migrantenkirche in Norwegen.

Bischof Bernt Eidsvig spricht von einem Pfingstwunder, denkt er an die vielen verschiedenen Sprachen, die er sonntags in den Gottesdiensten hört. „Die Kirche in Norwegen ist eine ganz untypische Kirche“, betont er, „85 Prozent unserer Mitglieder sind im Ausland geboren.“ Das klinge zwar zunächst schwierig, meint der Oberhirte, allerdings dürfe man dabei nicht vergessen, dass die Kirche in Norwegen schon immer eine Einwandererkirche gewesen sei. „Im 19. Jahrhundert kamen die Katholiken vor allem aus Deutschland, Holland oder Frankreich. Ab den 1970er Jahren war die Kirche asiatisch geprägt. Heute stammen mehr als die Hälfte aller aus Polen.“ Eine ständige pastorale Herausforderung bleibt daher die Frage der Integration all jener, die neu hinzukommen. Die verschiedenen Muttersprachen spielen dabei eine bedeutende Rolle. Gerade die Ordensgemeinschaften spielten daher eine zentrale Rolle bei der Integration der Migranten.

Um ihr Kloster weiterentwickeln und weiterbauen zu können, hoffen die Ordensfrauen auf die Unterstützung des Bonifatiuswerkes, das sich der Anliegen der Katholiken annimmt, die in einer Minderheit leben. Ihnen steht das »Hilfswerk für den Glauben« solidarisch zur Seite. „Die Schwestern zeigen auf eindrückliche Weise, wie das Leitwort unserer Diaspora-Aktion 2020 „Werde Hoffnungsträger!“ mit Leben gefüllt werden kann. Die Ordensschwestern lassen ihre Hoffnung überspringen und setzen für viele Menschen einen Anker des Vertrauens. Durch sie ist zu spüren, was christliche Hoffnung bedeutet, die andere inspirieren, motivieren und mitreißen kann«, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. In diesen herausfordernden Zeiten will das Hilfswerk mit der diesjährigen Diaspora-Aktion ermutigen, zu Hoffnungsträgern für andere zu werden.

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„Werde Hoffnungsträger“: Unterstützung für Christen in der Diaspora

Der Blick des Herrn auf den Schächer zur Rechten

Betritt man in diesen Tagen und Wochen den ersten Ausstellungsraum des Eichstätter Diözesanmuseums, wird man zum Zeugen einer beseelenden Kommunikation. Es eröffnet sich einem ein geistreicher Weg, den man von Anfang bis zum Ende gerne geht. Als Besucher wird man verführt in ein wunderbares und zugleich wundersames Gespräch zwischen den einzelnen Ausstellungsstücken, die derzeit dort zu besichtigen sind. Bis Anfang November besteht dort die Möglichkeit, der künstlerischen Verführung nachzugehen und sich einerseits die wunderbaren Gegenstände des Museums anzuschauen und andererseits die Bilder des serbisch-deutschen Künstlers Nikola Sarić (*1985) zu bewundern.

Das erste Bilderpaar, das den Blick des Besuchers beim Betreten des konzeptionell abgedunkelten Raumes betört, ist genial gewählt. Dieses bildet den Gegenstand meiner Betrachtung. Der Dialog der beiden Bilder ist ungeheuer lebendig und aussagekräftig und ist kaum in Worte zu fassen. Das muss man einfach sehen!

Auf der linken Seite ist eine Eichstätter Kopie einer barocken Berühmtheit, die Kreuzigung Rubens‘ (†1640), zu sehen. Typisch Barock. Die Emotionen sprudeln aus dem Vollen. Die Leiden Jesu und der beiden Schächer sind für die Augen greifbar: in der Anspannung der Muskeln, in den Schmerzenswindungen der Körper, im Greifen der römischen Soldaten nach den Werkzeugen der Marter und im Ausholen zur Tat. Jesus hat gerade seinen Geist den Händen des ewigen Vaters anvertraut, seine Augen sind geschlossen, der Kopf hängt an der Brust, die Agonie ist zu Ende, die Lanze sticht blutend in seine Seite. Die Frauen weinen, die eine bittet die Soldaten um Barmherzigkeit gegenüber den auf die kreuzförmigen Pfeile Gehängten, die anderen wenden unter Wehe-Rufen und seelischen Schmerzen ihre Häupter weg.

Die Ecke des unklugen Schächers zur Linken Jesu ist abgedunkelt, entsprechend seinem Schicksal, auch wenn sie in der Gesamtkonzeption des Bildes im Vordergrund steht. Sein muskulöser Körper strengt sich an und will den letzten Schmerzen entweichen: Vergeblich, denn der Stock des Römers ist gezielt und treffsicher.

In der Ecke des klugen Schächers weichen langsam die Wolken, die Sonne dringt vorsichtig durch, „die Sonne der Gerechtigkeit“, Christus der Herr über Leben und Tod, hat nun das Erlösungswerk vollbracht. Der Schächer zur Rechten streckt sich nach Christus, als ob er sich an der Heilszusage festhalten möchte, die an ihn ergangen ist: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“. Das vordere Pferd, mit entspannten Zügeln, also frei in seiner Bewegung, scheint dem ganzen Geschehen unerschrocken beizuwohnen und neigt nach der Art eines Menschen ehrfürchtig seinen Kopf vor dem Erlöser nieder. Soweit das barocke Bild von Peter Paul Rubens.

Auf der rechten Seite der Ausstellungskomposition ist ein Perspektivwechsel platziert, und zwar in mehrfacher Hinsicht. „Die Ansicht des Kreuzes von rechts“ nennt Nikola Sarić das zweite Bild in dieser Doppelkomposition. Das Format ist länglich, von oben nach unten ausgeführt: originell. Die Handlungen der Menge – die Frauen und Männer sowie die Peiniger samt ihrem Gefolge – treten in den Hintergrund. Sie sind proportional zu Christus und dem weisen Schächer klein dargestellt und kommen dem Betrachter fast winzig vor. Die Frauen und Männer mit den Engeln stehen im oberen rechten Eck, von wo aus auch sich die Hand des himmlischen Vaters nach dem leidenden Sohn streckt. Ein weißes, längliches Tuch wird von oben entgegengehalten: nicht als Zeichen der Resignation und des Aufgebens wegen des Sterbens am Kreuz, vielmehr als Symbol und Vorzeichen des Sieges in der Auferstehung: Ein in reinem Weiß gewebtes Leinen für die Aufnahme des heiligen Leichnams des Erlösers und somit ein weiß bereiteter Weg in den himmlischen Bereich des Vaters.

Auf die Darstellung des Schächers zur Linken, „des unklugen Knechtes“, hat der zeitgenössische Maler verzichtet. Er will uns bewusst das Kreuz von rechts zeigen. Die Geschichte des rechten Schächers steht hier im Mittelpunkt der Betrachtung.

Wie bei Rubens steht der Gekreuzigte auch hier n der Mitte des Geschehens. Und doch ist Vieles anders. Das Antlitz Christi ist ruhig, doch nicht entspannt, wie beim entschlafenen Herrn von Rubens. Eine ruhige Konzentration auf den Schächer zur Rechten beherrscht das Bild. Die Augen des Herrn sind geöffnet, die alles sehenden Augen des Königs der Herrlichkeit, dem sein Vater Legionen von Engeln zu Hilfe hätte senden können.

Das milde und zugleich überwältigende Strahlen seines neon-blau leuchtenden Nimbus erhellt die dunkle Nacht des gesamten Geschehens. Dieses bläuliche Licht, das sogar für die Peiniger angenehm erscheinen muss, stellt deren Leben vernichtenden Pläne bloß. Sie als Werkzeuge des Bösen platzierte Sarić zu Füßen des gerechtfertigten Schächers. Doch ihr Tun, angedeutet durch die Körperhaltung und die einzelnen Gegenstände in ihren Händen, gilt sowohl dem gekreuzigten Herrn als auch all jenen, die von Mitmenschen und Machthabern ungerecht behandelt werden. Der Spott des Bösen ist nicht gemildert dargestellt. Seine Unmenschlichkeit ist deutlich sichtbar in den erhobenen und ausgestreckten Zeigefingern und im hochgehaltenen Speer und im drohenden Hammerstock.

Die Schriftrolle, die wohl von einem Gesetzestreuen gehalten wird, scheint auszudrücken: Dieser Rebell, dieser Sünder, dieser Verbrecher, er soll sterben: Kreuzige ihn. Sie wendet sich an beide: an den Herrn und an den Schächer zur Rechten, der die eigenen Ungerechtigkeiten einsieht und bereut. Dieser Schächer wird – genau wie der zur Linken –mitgekreuzigt, bekanntlich aus gerechtem Grund, doch genauso unmenschlich, schmerzvoll und ohne Nachsicht. Und doch geschieht zur Rechten des Kreuzes etwas anderes als auf der linken Seite; die am Kreuz vollbrachte Erlösung wird hier konkret; sie wird dem weisen Schächer zuteil. Daher ist die Ansicht des Kreuzes von rechts so ansprechend, ausdrucksstark und bedeutend.

Die Blicke treffen sich; die beiden Gekreuzigten, der Herr und Schöpfer auf der einen Seite und der Mensch, sein Geschöpf, auf der anderen, der Erlösende und der Erlösungsbedürftige, sie schauen sich an. Der Psalmist scheint den Worten und dem Bekenntnis des Schächers wohl den besten Rahmen zu geben: „Merke auf die Stimme meines Flehens, mein König du und mein Gott, denn zu dir will ich beten, o Herr; am Morgen schon hörst du meine Stimme, ich trete vor dich hin und du wirst auf mich schauen; denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt, der Böse hat keine Bleibe bei Dir; vor deinen Augen können die Frevler nicht bestehen, du hassest alle, die Unrecht üben (nach Ps 5); Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst.“

Der Blick des Herrn ist fokussiert auf den reumütigen Schächer. Es ist ein durch und durch erlösender und erleichternder Blick auch für den Herrn selbst. Fast scheint es, dass er ihn die Schmerzen, die Wunden, den gerade zu Ende gegangenen Kreuzweg, mit den Schlägen, dem Anspucken, den Fluchworten und dem Verrat des Freundes vergessen lässt. Der Herr sieht gleichsam die erste Frucht seines Erlösungswerkes: den ersten Menschen, der ihm ins Paradies folgt. Dem Reumütigen und allen Reumütigen, den Betrachtenden, gilt schließlich sein erlösender Tod. Er wurde Mensch und ließ sich für alle kreuzigen, die ihn als ihren Gott, Erlöser und Freund anerkennen und annehmen.

Umgekehrt und somit anders als bei Rubens streckt der gekreuzigte Herr seinen Arm nach dem rechten Schächer aus. Der Herr ist es, der im Unterschied zu dem Volk, das zu Füßen des Kreuzes steht, sein Bekenntnis hört und es annimmt, den Schächer nicht verurteilt, sondern ihn gerecht macht. Sarićs Schächer hört nicht nur die befreienden Worte „heute im Paradies“, sondern er spürt die barmherzige Hand des Herrn, die im Begriffe scheint, den Schächer vom Kreuz abnehmen zu wollen und von allem Leiden zu befreien.

Und so ist der Titel des Bildes von Sarić wunderbar gewählt: „Die Ansicht des Kreuzes von rechts“. Sie ist treffend und ergänzt die Darstellung Rubens. Sie offenbart die Mitte des Evangeliums. Sie trifft zugleich die Mitte unseres Glaubens und unseres Lebens: Die Barmherzigkeit Gottes schaut auf uns herab und neigt sich uns Menschen zu. Sie lädt den Betrachter ein, sich dem Kreuz von der rechten Seite zu nähern und sich so in den Schutz der nach uns sehnsüchtig ausgestreckten Hand des barmherzigen Erlösers zu begeben.

Mehr zum Thema: Sonderausstellung: „Nikola Sarić – Reflexionen“

Die Grabeskirche in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Grabeskirche im Heiligen Land ist seit 25. März für Pilger geschlossen, das Klosterleben geht aber weiter. Ein Situationsbericht über das Leben der Franziskaner an der Grabeskirche zu Zeiten von Covid-19 .

„Die Gemeinschaft der Franziskaner in der Grabeskirche besteht aus 11 Brüdern“, sagt Bruder Salvador Rosas Flores, der Guardian (Hausleiter) des Konvents der Franziskaner in der Grabeskirche. „Obwohl keine Pilger mehr da sind, halten wir unseren Rhythmus des Gebets und der Brüderlichkeit aufrecht. Unser Gebetsanliegen in dieser Zeit ist die Bitte an unseren Herrn Jesus Christus, uns in dieser schwierigen Situation beizustehen, mit der die ganze Welt konfrontiert ist, und sich um uns zu sorgen.“

Selbst in dieser besonderen Zeit halten sich die Franziskaner und die anderen anwesenden christlichen Gemeinschaften in der Grabeskirche weiterhin an die Regeln des Status Quo und feiern ihre Liturgien im Grab, auf Golgatha und an allen anderen heiligen Orten in der Grabeskirche. „Unter uns, den Franziskanern, gibt es sieben Priester, und jeder von uns feiert täglich mindestens eine Messe, insgesamt also sieben Messen am Tag, die normalerweise von Pilgergruppen gefeiert werden: eine feierliche Messe vor der Ädikula, vier im Grab und zwei auf Golgatha.“ Obwohl sie nur wenige sind, treffen sich die Franziskaner weiterhin, um den täglichen Rhythmus des Gebets zu beizubehalten, einschließlich der Vesper, der täglichen Prozession und des Nachtoffiziums.

Gebet in der Grabeskirche. Foto: Custodia di Terra Santa

Die Anliegen während der Gebetszeiten sind vielfältig. „Zum einen diejenigen, die uns von Pilgern und Wohltätern anvertraut wurden,“ fährt Bruder Salvador fort „und zum anderen ist es in dieser außergewöhnlichen Zeit unser Hauptanliegen, für alle Länder der Welt zu beten, die unter dem Coronavirus leiden.“ Ein einziges Anliegen, das aber viele Nuancen enthält: Der Hauptgedanke ist die Eindämmung der Ausbreitung des Virus, aber wir beten auch für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, die Patienten und die Regierungen, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, ohne die wirtschaftlichen Probleme und die Schwierigkeiten der Arbeiter und ihrer Familien zu vergessen.

Die Unsicherheit der globalen Situation erzeugt auch unterschiedliche Gefühle in der Gemeinschaft, aber unser unerschütterliches Vertrauen in den Herrn ist unser Fundament. „Wir sind immer aufmerksam hinsichtlich aller aktuellen Probleme“, sagt Bruder Salvador, „aber für Covid-19 sind wir es noch mehr. Dafür gibt es zwei Gründe: Wir leben in einer Region, in der immer mehr Menschen krank werden, und vor allem kommen wir aus verschiedenen Teilen der Welt: Europa, dem Nahen Osten, Nordamerika und Lateinamerika, wo die Infektionen immer mehr zunehmen und die Probleme größer werden.“

Technik und soziale Medien sind auch grundlegende Werkzeuge für die Franziskaner in der Grabeskirche. Dank ihnen können sie die Beziehungen und Kontakte zum Ausland am Leben erhalten: zu den verschiedenen Franziskanerprovinzen, ihren Herkunftsländern und ihren Familien. „Wir kennen die Bedingungen aller und versuchen sicherzustellen, dass es niemandem an Unterstützung und Ermutigung fehlt. Vor allem versuchen wir, unsere Freunde über Verhaltensweisen zu informieren, von denen wir wissen, dass sie anderswo erfolgreich waren und die wir natürlich auch befolgen. Der Herr wird uns helfen.“

Update, am 25. März wurde die Grabeskirche für Pilger geschlossen

Nach der Entwicklung der Lage im Heiligen Land geben die Brüder der Grabeskirche bekannt, dass die Liturgien der drei Gemeinschaften (die Griechisch-Orthodoxen, die Lateiner und die Armenier) regulär weitergeführt werden. Aus Sicherheitsgründen und um das Risiko der Verbreitung der COVID-19-Infektion zu vermeiden, wird die Anzahl der Teilnehmer an den Feierlichkeiten auf nur wenige Personen begrenzt und die Basilika ist nur während der Liturgien zugänglich.

Wir möchten versichern, dass die Gebete der drei Gemeinschaften in der Grabeskirche fortgesetzt und intensiviert werden. Wir beten für das Ende der Pandemie, für die Genesung der Kranken, für den Schutz des medizinischen Personals, für die Weisheit der Politiker. Wir beten für das ewige Heil derjenigen, die ihr Leben verloren haben.

Gebet des Kustos des Heiligen Landes in Corona-Krisen-Zeiten

Heiliger Antonius, wir haben uns in dieser Zeit um dich versammelt, in der die Virusinfektion die ganze Welt befällt, die Länder, aus denen wir kommen und in denen wir dienen. Wir danken dir demütig, dass du uns schützt, zusammen mit unserem seraphischen Vater, dem Heiligen Franziskus, und der Kustodie und ihren Mitgliedern immer Gutes getan hast.

Prozession um das Heilige Grab. In normalen Zeiten versammeln sich sonst hunderte von Pilgern am Grab Christi. In der Zeit von Covid-19 sind es aber nur mehr die Brüder des Konventes, die stellvertretend für die Pilger beten und singen. Bild von Custodia di Terra Santa.
Prozession um das Heilige Grab: In normalen Zeiten versammeln sich hunderte von Pilgern am Grab Christi. In der Zeit von Covid-19 sind es aber nur noch die Brüder des Konventes, die stellvertretend für die Pilger beten und singen. Foto: Custodia di Terra Santa.

Heiliger Antonius, die Kustodie des Heiligen Landes ist dir und unserem seraphischen Vater zu Dank verpflichtet, für das Gute, das du im Laufe der Jahrhunderte zu unseren Gunsten getan hast, sowohl für unsere geistige Gesundheit als auch für die Erhaltung der Orte unserer Erlösung. Für all dies danken wir Gott und dir, die ihr euch für uns einsetzt.

Unser lieber Patron, überschütte uns weiterhin mit dem Segen, den du aus dem Herzen des Jesuskindes ziehst, das du liebevoll in deinen Armen hältst. Gib uns durch ihn die Gnade, dass wir, die wir uns der besonderen Ehre bewusst sind, als Hüter der Geburtsstelle und des Grabes Jesu ausgewählt worden zu sein, uns weiterhin bemühen werden, unserer Berufung in würdiger Weise zu entsprechen.

Heiliger Antonius, mit aller Dankbarkeit unseres Herzens vertrauen wir uns dir noch einmal an: Das haben unsere Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte getan; dies ist, was der Heilige Vater von uns gewollt hat, als er dich als Schutzpatron der Kustodie des Heiligen Landes ausgewählt hat.

(Übersetzung des Blogbeitrags: Br. Dr. Johannes Roth OFM, Vize-Kommissar des Heiligen Landes)

Mehr zum Thema:
Deutsche Franziskanerprovinz

Palmsonntagskollekte für das Heilige Land per Überweisung statt in den Klingelbeutel

Kreuz: ein Plus-Zeichen, das auf Wesentliches fokussiert

Der dritte Sonntag und die dritte Woche der vorösterlichen Zeit sind im byzantinischen Ritus dem heiligen Kreuz unseres Herrn Jesus Christus gewidmet. Das Kreuz wird am Sonntag in der Stundenliturgie (zum Abschluss der Laudes) aus dem Altarraum in einer Prozession herausgetragen. In der Mitte der Kirche wird es auf ein Pult gelegt, mit kostbaren Tüchern und mit reichlichem Blumenschmuck umkränzt.

Verehrt wird das Kreuz durch eine tiefe Verneigung mit Prostration zum Boden. Dabei erklingt dreimal der zentrale Gesang dieses Sonntags und der darauffolgenden Woche: „Vor Deinem Kreuz, Gebieter, fallen wir anbetend nieder, und Deine heilige Auferstehung preisen wir“.

Auf diese Weise stellen die östlichen Christen das Kreuz als Werkzeug unseres Heils in die Mitte der Kirchen. Sie machen es zum Mittelpunkt ihrer Betrachtung auf dem Weg der Vorbereitung auf das Osterfest hin. Das Kreuz gehört zu unserem Leben. Es ist in der Geschichte Gottes mit uns Menschen ein Zeichen des Leidens, bevor der Sieg und das eigentliche Leben einbrechen.

Kreuzverehrung im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: Dr. Oleksandr Petrynko

Das Thema des Kreuzes ist besonders in diesem Jahr und in dieser Fastenzeit, die durch die Corona-Krise gekennzeichnet ist, von Bedeutung. Denn nichts anderem als einem gemeinschaftlich zu tragenden Kreuz gleicht die heutige Situation, im Bangen um die Älteren und Schwächeren unter uns, um die Verwandten und Bekannten, um die Kollegen in der Arbeit, um die Flüchtlinge und Obdachlosen. Jede und jeder trägt dieses Kreuz mit, auch wenn dies vielleicht mit unterschiedlicher Intensität und im verschiedenen Bewusstseinsgrad geschieht. In unterschiedlichem Maße kommen bei den Einzelnen die Gefühle und Emotionen der Unsicherheit, der Angst und der Ohnmacht hoch. Uns geht es genauso, wie es unserem wahren Bruder und Menschen Jesus Christus ging, bevor er seine Arme um unseretwillen am Kreuze ausspannte.

Das Kreuz als Zeichen, als unser – der Christen – Erkennungszeichen und Bekenntnissymbol, ist für uns in unserer aktuellen Situation ein vielsprechendes und besinnliches Zeichen, das mit unserer Erlösungsgeschichte unmittelbar zu tun hat: Jesus Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes ist gekreuzigt worden und am Kreuz gestorben. Zugleich ist dieses Werkzeug unseres Heiles auch ein Zeichen, das ermutigt und Leben verspricht. Darum wird der auferstandene Herr häufig mit dem Kreuz in der Hand als Siegesfahne dargestellt. Das Kreuz, aus zwei Teilen gebildet, ist immer ein Plus-Zeichen, ein positives Zeichen, auch wenn es ein Kreuz bleibt.

Das Kreuz ist deshalb ein Schlüssel zum Verständnis einer solchen Situation, wie wir sie heute erleben. Das Kreuz als Last und Aufgabe, die wir als Menschen zu tragen haben, durchkreuzt unsere Pläne – wie viele haben wir in diesen Tagen aufgeben müssen und auch können? –, unsere Sicherheiten, unser Alles-im-Griff-Haben. Das Kreuz führt uns auf die Grundlagen unserer Existenz zurück. Es macht uns „nackt“ wie unsere Ureltern Adam und Eva im Paradies. Seine Balken haben die Fähigkeit, uns auf das Wesentliche im Leben zu fokussieren. Auch wenn es bloß darum ging, das Nötigste hamstermäßig einzukaufen: Auch hier schlägt die Kraft des Kreuzes voll durch, weil man sich entscheiden musste: Was brauche ich wirklich. Das Kreuz geht der Wirklichkeit tatsächlich auf den Grund.

Auch mich persönlich bewegen in diesen Tagen Fragen über Fragen, besonders die im Leben grundsätzlicher Natur sind und die unter normalen Umständen des schön geregelten Lebens nicht immer genügend beachtet werden: Wie geht es meinen Verwandten? Wann habe ich mit Freunden das letzte Mal telefoniert? Wann habe ich meine Eltern und Großeltern das letzte Mal besucht? Werden die mir in Arbeit und Beruf Anvertrauten von mir beachtet und respektiert? Werden ihre Grenzen, Ängste und eventuelle Nöte berücksichtigt? Was bin ich für andere und die anderen für mich in den verschiedenen Feldern meines Lebens? Bin ich nicht, sind wir nicht an die Grenzen des von uns Machbaren angelangt? Wer hat die Kraft, die Zeit, die Aufgaben, die Ängste und die Sorgen zu überbrücken, bis sich wieder alles normalisiert?

Ich muss gestehen, dass das Kreuz der Corona-Krise mich persönlich zu diesen Fragen und zur Suche nach Antworten täglich anregt. Dieses Kreuz – das Verspüren der eigenen Ohnmacht, Begrenztheit und Kleinheit –, bringt mich zum Golgotha und zum gekreuzigten Herrn. Es führt mich zum Kreuz, an dem Jesus Christus erhoben wurde, um mich zu stärken, um mir Leben mit ihm und in ihm zu schenken. Sein Kreuz ist die Brücke, die mich aus meiner Begrenzung hinausführt. Das Kreuz gibt mir Weite und Hoffnung, mit denen ich – von meinen Betrachtungen zurückgekehrt – wieder feste und sichere Schritte in meinem Alltag vollziehen kann. Dank sei darum Gott, dass wir in dem Kreuz seines Sohnes eine Zuflucht finden können!

Ein Kreuzeichen wird normalerweise gezeichnet, wenn eine bestätigende Antwort gegeben werden soll. Man stellt ein Kreuzzeichen, wenn man mit etwas einverstanden ist oder zutreffend findet. In früheren Zeiten – so erzählt man in der Ukraine – haben die Menschen, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren, mit einem einfachen Kreuzzeichen bei ihrem Namen ihre Unterschrift geleistet. Damit haben sie sich ausgewiesen und sich einverstanden erklärt. Nicht anders ist es auch in unserer Zeit. Mit einem Kreuzzeichen fülle ich beispielsweise viele Dokumente und Unterlagen bei den Behörden aus. Damit wähle ich das Richtige, das heißt das, was auf mich zutrifft.

Mit einem Kreuzzeichen, dem Kreuz Jesu Christi, aber macht auch Gott ein deutliches Zeichen hinsichtlich seiner Liebe zu uns. Das Kreuz des Herrn, das wir in der Fastenzeit besonders betrachten, ist das Unterschriftszeichen unseres Gottes um der Menschen willen. Mit diesem Zeichen und mit dieser Zusicherung dürfen wir nach vorne schauen. Daraus dürfen wir Mut schöpfen, besonders in diesen schweren Zeiten. Denn – wie eine Bekannte mir gestern am Telefon sagte – „Gott ist auf unserer Seite“. Er hat dies mit der Unterschrift des Kreuzes für uns öffentlich bestätigt. Daher singt die byzantinische Kirche in diesen Tagen: „Christus, unser Gott, freiwillig hast du die Kreuzigung auf dich genommen, dass insgesamt auferstünde der Menschen Geschlecht. Mit des Kreuzes Schreibrohr, von rotem Nass der Finger blutend, hast du unserer Freilassung Brief in deiner Menschenliebe die königliche Unterschrift gegeben. Wende den Blick nicht von uns in schwerer Gefahr, weil wir wiederum uns von dir getrennt haben, sondern hab‘ Mitleid, einzig Langmütiger, mit deinem Volk in seiner Not. Stehe auf und bekämpfe, die uns bekämpfen, Allmächtiger.“

Gott befohlen, liebe Schwestern und Brüder!

Der Stammbaum Jesu Christi

Wenn jemand in das Collegium Orientale, das ostkirchliche Priesterseminar des Bistums Eichstätt, zu Besuch kommt, taucht er in eine besondere Welt ein. Diese ist zum Beispiel durch den mehrstimmigen Gesang im Gottesdienst und durch den muttersprachlichen Akzent der Hausbewohner in deutscher Sprache gekennzeichnet. Dazu gehört auch das Erlebnis einer Umgebung von Ikonen in all ihrer Buntheit und Vielfalt von Motiven.

Ein besonderes Motiv, vor allem in der weihnachtlichen Zeit, ist das mit dem Baum. Dabei geht es nicht um einen Christbaum, sondern um den Stammbaum unseres Herrn Jesus, den wir als menschgewordenen Gott, den Gott mit und unter uns Menschen, feiern. Eine Darstellung des Stammbaumes in ikonenhafter Ausführung aus der westsyrischen Tradition der Maroniten, der Christen Libanons, findet sich im Collegium Orientale. Sie stellt die uns allen bekannte Aufzählung der einzelnen Geschlechter der Vorfahren Jesu „dem Fleische nach“ dar. Man sieht den im Wurzelbereich liegenden Vorvater Isai („die Wurzel Jesse“). So heißt es im Neuen Testament: „Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham zeugte den Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob zeugte den Juda und seine Brüder … Juda zeugte den Perez und den Serach mit der Tamar … Salmon zeugte den Boas mit der Rahab. Boas zeugte den Obed mit der Rut. Obed zeugte den Isai, Isai zeugte David, den König … Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird … usw.“ (vgl. Mt 1,1-17, am Sonntag vor Weihnachten, dem Vierten Adventssonntag).

Genealogie Jesu Christi – Darstellung im Collegium Orientale Eichstätt

Diese gekürzt zitierte Lesung galt für mich als jugendlichen Ministranten in meinem ukrainischen Heimatdorf als eine der langweiligsten Lesungen: das Vortragen der sogenannten Genealogie Jesu Christi. Der Inhalt und die gleichklingende Kette von Fremdnamen ergaben für mich keinen Sinn und ließen mich immer wieder wundern, dass man in der unmittelbaren Vorbereitungszeit auf eines der Hochfeste so eine Lesung wählt. Da man sich im Ukrainischen wegen der abschätzigen Konnotation des Wortes „zeugen“ in der offiziellen Übersetzung auch noch für das „gebären“ entschieden hatte, kam mir diese Lesung nicht nur langweilig, sondern auch seltsam vor. Denn im Vortrag hieß es dann: „Abraham gebar den Isaak, Isaak gebar den Jakob, Jakob gebar den Juda und seine Brüder …“.

Erst als ich ins Priesterseminar eingetreten bin und mich mit der Bibel intensiver beschäftigte, verstand ich immer mehr, wie wichtig diese Texte sind: für die Menschwerdung des Sohnes Gottes und vor allem für jeden Christen und für mich persönlich.

Bekanntlich hört eine Sache oder eine Angelegenheit auf, langweilig zu sein, wenn sie plötzlich für einen selbst relevant wird, wenn man in ihr einen Sinn und Bedeutung für sich sieht. So ist es auch mit dem Stammbaum Jesu. Es lohnt sich ihn zu betrachten, besonders in der Weihnachtszeit, die uns darüber Einiges offenlegt.

Die erste und wohl allgemein bekannte Erkenntnis ist: Durch die klare Nachfolge der einzelnen Geschlechter des Ziehvaters und der Mutter Jesu Christi, Josef und Maria, wird seine wahre Menschheit dokumentiert. Gott ist in seinem Sohn, so wie er wahrer Gott war und bleibt, wahrer – echter – Mensch geworden, und zwar mit einer Vorfahren-Kette hier auf Erden.

Der zweite Aspekt liegt mehr oder weniger auch offen: Durch Jesu Einordnung in das Menschengeschlecht, mit all den Männern und Frauen in all ihrer unterschiedlichen charakterlichen, existentiellen und moralischen Verfasstheit, wird der klare Wille Gottes manifestiert, sich in das menschliche Geschlecht mit allen Schwächen und Stärken einzubinden und einer von uns zu werden. Der menschgewordene Gott nimmt die Menschheit so an, wie er sie vorfindet: erlösungsbedürftig, unzulänglich und auf den Messias, den Befreier, harrend.

Mit diesem zweiten Gesichtspunkt, mit dem der Stammbaum Jesu Christi wertvoll wird, kommt man schon dem eigenen Interesse näher, das uns zum dritten für mich als sehr wichtig erscheinenden Punkt bringt. Denn dieser letzter erschloss mir das Verlesen des Evangeliums vom Stammbaum Christi, ja freundete mich mit dem Stammbaum für immer an.

Der Stammbaum Jesu Christi ist ein lebendiger Baum. Er endet nicht mit der Geburt Jesu Christi, er wächst weiter, auch heute noch. Und wir alle sind Zeugen dafür. Jesus Christus ist die lebenspendende Mitte unseres Geschlechts und unseres Stammbaumes.

Wir sollen seine Äste und Zweige nicht nur in der Perspektive nach unten betrachten, zu den Wurzeln hin. Unser Blick soll sich wenden, und zwar vor allem in seine Wucht nach oben, in die Krone hinein. Denn mit dem Eintritt Jesu in unsere menschliche Geschichte wurden am Baum des auserwählten Volkes unzählige Anschnitte verursacht, an die angedockt werden kann, an die – mit dem Apostel Paulus gesagt – eingepfropft werden kann. Durch unsere Taufe werden wir, ein jeder und eine jede von uns zu einem Zweig am Stammbaum Jesu. Wir gehören somit zu einem tollen Geschlecht, zum Geschlecht der Erlösten, der Auserwählten: Wir sind aus dem Geschlecht Jesu Christi, des menschgewordenen Heilands! Kann es für uns Menschen, für uns Christen, eine schönere genealogische Linie geben als die der Eingepfropften an Jesus Christus, an der Quelle des Lebens?!

Dies ist der wahre Grund, um den Stammbaum und die Lesung darüber zu lieben. Dies ist auch der wahre Grund zur Freude in dieser Weihnachtszeit und warum wir einander „Frohe Weihnachten“ wünschen dürfen.

In der Freude, zum Stammbaum Jesu, des menschgewordenen Heilands, gehören zu dürfen, mögen alle Leserinnen und Leser des Blogs WEITBLICK gegrüßt werden. Ein freudiges Fest der Geburt Jesu Christi und Seinen reichen Segen für das mit großen Schritten kommende Neue Jahr 2020!