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„Oh wie schön ist Panama!“

Die Bauarbeiter, die im vierten Stock im noch offenen Zimmer eines Hochhauses stehen, halten in ihrer Arbeit inne, lachen und winken. Denn unten auf der Straße marschiert eine Gruppe ausländischer Pilger vorbei. Auch die Taxifahrer winken und hupen. So zeigte sich Panama-Stadt den jungen Menschen aus 156 Ländern, die zum Weltjugendtag zu Gast waren. Überall war das Logo, ein Herz mit einer stilisierten Muttergottes, zu sehen. Das Straßenbild von Panama-Stadt prägten junge Leute, die in den Straßen tanzten, klatschten, ihre Fahnen schwenkten. 110.000 Dauerteilnehmer reisten an, um eine Woche lang Gemeinschaft im Glauben und Papst Franziskus zu erleben.

Höhepunkt war wie jeden Weltjugendtag die Vigil und die Sonntagsmesse. Am Samstag machten sich die Pilger aus Panama-Stadt auf den Weg zum Campo San Juan Pablo II. im Metro Park südöstlich der Stadt. Dort entstand ein internationales Camp. Die jungen Menschen rollten Isomatten aus, bauten Zelte auf und ließen die Landesfahnen an ihren Lagern wehen.

Da der Weg nicht weit war, waren viele Pilger aus Kolumbien, Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und Mexiko angereist. Aus Europa waren die Polen stark vertreten. Nach ihnen kamen die Deutschen mit 2.300 Teilnehmern.

Eine große Gruppe aus Deutschland, 160 junge Menschen, kam mit der „Jugend 2000“ und den Bistümern Augsburg und Eichstätt, bestens organisiert von Biblische Reisen. Für viele von ihnen war der Weltjugendtag vor allem ein spirituelles Erlebnis und die Vigil mit dem anschließenden Rosenkranz ein besonderer Moment. Monika Krause aus Augsburg beschreibt diesen so: „Es kehrt Stille ein, alle schweigen und beten. Man hat richtig gespürt, dass alle im Gebet vereint sind.“ Weihbischof Florian Wörner aus Augsburg erklärte später in einer Predigt: „Ein ganz starker Moment. Der Nachfolger des Heiligen Petrus mit der Jugend der Welt – stellvertretend für die ganze Welt – betend auf diesem Platz.“ In der Dämmerung wurde das Allerheiligste ausgesetzt und die Jugendlichen sanken auf ihren Isomatten auf die Knie. Der Rosenkranz später am Abend war für Philip Rusnak nach einer stressigen, heißen Anreise eine gute Möglichkeit, „nochmals ruhig ins Gebet zu gehen.“

Der versammelten Menge – bei der Vigil nach Veranstalterangaben 600.000, am Sonntagmorgen 700.000 Menschen – legte Papst Franziskus ans Herz, nicht auf ein wages Morgen zu warten. „Ihr seid nicht die Zukunft – ihr seid das Jetzt Gottes!“ Die Jugendlichen sollten sich nicht von Plänen ruhig stellen lassen, die Erwachsene für sie gemacht hätten. Denn dann begännen in der „Zwischenzeit“ ihre Träume zu verblassen. Eine Frucht der Jugendsynode sei „der Reichtum generationenübergreifenden Zuhörens“ gewesen. „Nun müssen wir uns bemühen, Räume zu fördern, in denen wir uns beim Träumen und Aufbau des Morgens schon heute einbringen können. Ein Raum, für den auch ihr kämpfen müsst.“ Zusammen mit den Großeltern und Erwachsenen sollten die Jugendlichen „den Traum verwirklichen, mit dem der Herr euch geträumt hat.“ In Bezug auf das Motto, das „Ja“ Mariens in den Worten „Mir geschehe, wie du gesagt hast“ erklärte Franziskus: „Maria hat den Mut gehabt, am Jetzt des Herrn teilzunehmen.“ Ob die Jugendlichen dies auch wollten? Denn: „Euer Ja möge das Eingangstor sein, auf dass der Heilige Geist der Welt und der Kirche ein neues Pfingsten schenke.“

Manuel Hoppermann aus Hamburg hat nicht einfach nur den Papst gesehen. Er hatte den Auftrag, die Segenswünsche seiner Gastgeber in der Diözese Penonomé, wo die Gruppe fünf Tage vor dem Programm in Panama-Stadt gewohnt hatte, zu überbringen. Dort habe es sich nicht jeder leisten können, zum Programm nach Panama-Stadt zu kommen. Manche der Pilger wohnten bei Familien, wo es kein fließendes Wasser gab und keine geteerten Straßen zum Haus hinführten. Manuel Hoppermann erzählt: „Die Begegnung mit der Gastfamilie war unglaublich herzlich.“ Wie er waren alle in der Gruppe von der großen Gastfreundschaft in Panama beeindruckt, die in Penonomé erstmals erlebbar war und sich in der Großstadt fortsetzte.

Während die Jugendlichen in den Tagen in den Diözesen einen Einblick in die Kultur des Gastlandes bekamen, begegneten sie in Panama-Stadt jungen Christen aus aller Welt. „Foto? Foto?“, sprach da etwa eine Gruppe aus Guatemala junge Pilger mit Deutschlandflagge an. Schnell formierte sich da ein Gruppenbild, bei dem die Landesflaggen gut sichtbar in die Handy-Kamera gehalten wurden. „Where are you from?“ – „Wo kommst du her?“ rufen sich die Gruppen, die durch die Straßen ziehen, gegenseitig zu, während andere nebenan klatschen und Lieder singen. Beim Weltjugendtag wird den jungen Christen deutlich: Sie teilen ihren Glauben mit Vielen ihrer Generation in allen Ländern der Erde.

Während die Pilger beim Weltjugendtagsprogramm in der Stadt unterwegs waren, verfolgten viele Gastgeber in den Nachrichten die Lage in Venezuela. Bei seinem Besuchsprogramm griff Franziskus das Thema zunächst nicht auf. Bein Angelus am Sonntag sagte er, die Lage in dem sozialistisch regierten Land sei „gravierend“. Er sei dem venezolanischen Volk in diesen Stunden besonders nahe und bete für eine „gerechte, friedliche Lösung“.

Die Probleme der Länder des Kontinents kamen beim Kreuzweg zur Sprache. Die 14 Stationen wurden mit Gebeten und Meditationen von Gruppen aus Nord-, Zentral- und Südamerika gestaltet. Unter anderem sprachen junge Venezolaner über die Leiden von Flüchtlingen und Migranten und Kolumbianer von Gewalt in ihrem Land. Besonders drastisch war die Wortwahl allerdings bei der 14. Station, in der gemahnt wurde, den Mutterleib durch Abtreibung nicht „zu einem Grab“ zu machen. Die Themen Lebensbejahung und Zukunft wurden dann bei der Vigil wieder aufgegriffen. Der Pontifex erklärte, ohne Familie, Arbeit, Gemeinschaft und Erziehung sei das Leben leer. Da müssten sich auch „wir ältere Leute“ fragen: „Was tun wir, um junge Menschen voran zu bringen?“ Er stellte den heiligen Johannes Bosco als Beispiel vor und forderte: „Wir müssen sie richtig anschauen – mit dem Blick Gottes.“

In der Dämmerung strahlte auf dem Campo San Juan Pablo II. auch eine besonders: die Statue der Muttergottes von Fatima. Sie wurde in einer Prozession über das Feld gefahren. Mit ihrer Anwesenheit verwies sie bereits auf den Veranstaltungsort des nächsten Weltjugendtags 2022: Lissabon, das ebenso wie Fatima in Portugal liegt. Am Ende der Sonntagsmesse sandte Papst Franziskus die Pilger zurück in ihre Länder und dankte ihnen: „Euer Glaube und eure Freude haben Panama, Amerika und die ganze Welt zum Pulsieren gebracht.“ Diese Freude und ihre Erfahrungen sollten sie in ihren Pfarreien, Gemeinschaften und Familien weitergeben. Auf dem Rückweg vom Campo in die Innenstadt, einem Fußmarsch zur Metro unter sengender Sonne, sorgten Anwohner mit Gartenschläuchen für Abkühlung. „Vielen Dank, dass ihr da wart!“, erklärte eine Einheimische Pilgern auf dem Weg zum Flughafen. Auch zum Abschied zeigte das Land sein freundlichstes Gesicht. So mancher Pilger sagte sich da: „Oh wie schön ist Panama!“

Papst Franziskus als Brückenbauer in Kolumbien

Papst Franziskus wird vom 6. bis 11. September Kolumbien besuchen. Der Papst hatte versprochen, dies zu tun, sobald der Friedensprozess mit der bisherigen Guerilla-Organisation FARC zu einem guten Ende gekommen ist. Laut den Vereinten Nationen haben die rund 7.000 Kämpfer vor kurzem ihre Waffen vollständig abgegeben. Der Papstbesuch soll nun Mut machen, im Land einen dauerhaften und umfassenden Friedensprozess in Gang zu setzen. Im Grunde setzt das Oberhaupt der katholischen Kirche damit ein ähnliches Zeichen wie es bereits im vergangenen Jahr die Osloer Verleiher des Friedensnobelpreises an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos gesetzt hatten. Beide machen deutlich: Die von so vielfältigem Unfrieden geprägte heutige Welt hat ein Interesse daran, dass ein von einer Geschichte der Gewalt geprägtes Land zeigt, dass es einen Weg zum Frieden einschlagen kann. Hierzu zu ermutigen ist zweifellos gut und wichtig.

Nicht zu euphorisch sein

Freilich darf man nicht zu euphorisch sein, denn das Land steht erst am Anfang eines weiten und schwierigen Weges zum Frieden. Wie sehr es gespalten ist, hatte schließlich erst im vergangenen Jahr die knappe Ablehnung des Friedensabkommens mit den FARC durch die Bevölkerung deutlich gemacht. Viele sind skeptisch. Und die Herausforderungen an Politik und Gesellschaft sind immens. Zum einen geht es nun darum, die derzeit in sogenannten „Friedenscamps“ untergebrachten früheren Rebellen einerseits vor Gegnern zu schützen und sie andererseits in Gesellschaft und Arbeitsleben zu integrieren sowie ihnen Bildung zu ermöglichen.

Gleiches gilt aber auch für die Millionen durch den jahrezehntelangen internen Krieg vertriebenen Menschen. Sie sowie andere Opfer müssen entschädigt werden und eine Wahrheitskommission muss die Verbrechen aufarbeiten können. Um der Drogenproblematik Herr zu werden, gilt es, Alternativen zum Coca-Anbau zu entwickeln. Soziale Ungleichheit, Armut und Korruption müssen abgebaut werden. Ganz wesentlich ist der Aufbau von demokratischen Gemeindestrukturen, in welche die bisherigen FARC-Kämpfer einbezogen werden. Ob und wie dies gelingen kann, wird in Kürze übrigens in einer politikwissenschaftlichen Forschungsarbeit eines kolumbianischen Promotionsstudenten an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt untersucht werden.

Frieden wird es zudem nicht geben, wenn es dem Staat nicht gelingt, die Gewalt aller bewaffneten Akteure zu beenden. Die Caritas in Kolumbien sieht derzeit nicht von ungefähr als größtes Hindernis die fehlende Präsenz des Staates in weiten Teilen des Landes und die deshalb anhaltende Gewalt durch bewaffnete Gruppen, die in das Machtvakuum stoßen, das der Abzug der FARC hinterlassen hat.

An der Seite der Armen

Angesichts der großen Herausforderungen zeigen die kolumbianischen Organisatoren des Papstbesuches mit dem Motto und gleichnamigen Lied zum bevorstehenden Ereignis „Demos el primer paso“ (Lasst uns den ersten Schritt machen) durchaus eine realistische Einschätzung.

„Demos el primer paso“ (Lasst uns den ersten Schritt machen) lautet das Motto des Papstbesuches. Quelle: www.cec.org.co

Papst Franziskus macht unterdessen auch in Kolumbien durch die Auswahl der Orte seines Besuches einmal mehr deutlich, worauf es ihm – außer einem eigenen Beitrag zur Versöhnung – vor allem für sich und die Kirche ankommt: an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Eine Station wird ein Kinderheim in Medellin sein. In dieser Stadt bekannten sich vor fast 50 Jahren bei einer kirchengeschichtlich bedeutsamen lateinamerikanischen Bischofsversammlung die Kirchenführer dieses Kontinents zur „Option für die Armen“. Und dementsprechend steht für den Papst  anschließend zum sozusagen wegweisenden Abschluss des Kolumbienbesuchs eine Begegnung mit Armen in Cartagena auf dem Programm. Dabei will Franziskus die Grundsteine von Häusern für Obdachlose segnen.

Dass der Papst dies ausgerechnet in der Küstenstadt Cartagena tut, ist bezeichnend. Denn wie kaum eine andere Stadt in Kolumbien steht die attraktive Touristenmetropole mit ihrer Festung und ihren historischen Schutzmauern symbolhaft für die Spaltung von Wohlhabenden und Armen, von Teilhabenden und Ausgegrenzten. Als ich vor einigen Jahren selbst dort war, sagte mir der seinerzeitige Caritasdirektor im zuständigen Erzbistum: „Hier in Cartagena gibt es zwei Städte: eine Stadt innerhalb der Mauern und einen größeren Teil außerhalb, in dem die arme Bevölkerung lebt. Die Besucher sehen vor allem die Stadt innerhalb der Mauern – und die andere Seite in der Regel nicht.“ Ich durfte hingegen auf dieser anderen Seite außerhalb der Mauern ein interessantes sozial-caritatives Gemeinschaftsprojekt kennenlernen: In fünf Randvierteln errichteten und erneuerten traditionell arme Menschen gemeinsam mit hinzugekommenen Binnenflüchtlingen – die durch gewaltsame Vertreibung Heimat und Besitz verloren hatten –  über 200 Kleinhäuser. Zunächst hatte zwischen beiden Gruppen oft Missgunst geherrscht. Bei dem Bauprojekt arbeiteten sie aber dann Hand in Hand für das Gemeinwohl: Einige formten Steine, andere mischten Beton, weitere richteten die Wände auf, wiederum andere setzten die Dächer – je nach ihren Fähigkeiten. Nahezu alle waren beteiligt. Wer nicht mitbaute, engagierte sich beim gemeinsamen Organisieren oder Kochen für alle. So lernten sich von verschiedenen Schicksalen geprägte Menschen kennen, die bisher nichts miteinander zu tun hatten und halfen sich gegenseitig. In der Stadt der Mauern wurden Mauern überwunden.

Präsident Santos hat Papst Franziskus bescheinigt, er baue Brücken, nicht Mauern. In diesem Sinn kann man sich nur wünschen: Möge der Papst für Cartagena und ganz Kolumbien im weiteren Friedensprozess zu einem Brückenbauer werden.

 

 

Das Elend des Menschen mit Gott

Es fällt dem Menschen von heute schwer, an Gott, die Auferstehung Jesu und seine ständige Gegenwart im Leben zu glauben. Was ist da geschehen?

Die schwindelerregenden Kirchenaustritte der vergangenen Jahre haben viele Ursachen. Kirchensteuer-Ersparnis, Missbrauch und Protzbauten sind ernste Gründe. Tiefer jedoch wiegt – meiner Meinung nach – die Unfähigkeit des Menschen, Gott im modernen Leben wahrzunehmen.

In der Tat, die Weitergabe des Glaubens hat in den vergangenen Jahren in unserer Gesellschaft nicht mehr so richtig stattgefunden. Dazu gibt es viele Erklärungen. Wir waren alle mit Wohlstandvermehrung, Fortschritt und Machbarkeitsdenken beschäftigt und haben das Entscheidende, nämlich Gott einfach vergessen oder übersehen. Wir sind als Gesellschaft dabei, dass wir uns in uns selbst verirren. P. Alfred Delp, der von den Nazis umgebracht worden ist, hat schon vor über 75 Jahren Deutschland zum Missionsland erklärt, weil der Mensch der westlichen Welt gottunfähig, wie er es nennt, geworden ist. Tatsache ist, dass wir uns nicht mehr als Kinder Gottes wahrnehmen. Das kann jeder von uns selbst bestätigen. Wir haben alle Mittel entwickelt, um uns selbst zu erlösen und dabei hat sich uns der Himmel verschlossen. Und weil wir auch nicht mehr an einen Himmel glauben, sind wir bemüht, den Himmel auf Erden zu schaffen. Das überfordert uns nicht selten, weil wir Angst haben, in diesem zeitlich begrenzten Leben alles zu erleben und noch schlimmer, wir überfordern uns gegenseitig. Um wieviel besser könnte unser Leben sein, wenn wir uns als Kinder Gottes wahrnehmen würden und uns von ihm geführt wüssten. Wir würden die Gebote Gottes als Angebote zum Leben entdecken, der Himmel würde sich öffnen und eine gesunde Gelassenheit und Zuversicht würde uns zu glücklicheren Menschen machen. Wir würden von uns selbst loskommen und erfahren, dass das Leben in der Hingabe gelingt, wie es der Psychotherapeut Victor Frankl in seiner Sinntherapie eindrücklich beschreibt.

Unser Papst Franziskus, der einem Missionar wirklich aus der Seele spricht, fordert eine Kirche, die sich selbst vergisst und sich an den Rand der Kirche und der Gesellschaft wagt. Also Salz und Licht ist. Er will eine Kirche, die sich im unermüdlichen Einsatz für die Menschen lieber verbeult und schmutzig macht als eine Kirche, die sich selbst gefällt und feiert. Er spricht von Bequemlichkeit, in der wir uns Christen eingerichtet haben und so sind wir zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Die Kirche sei ein Feldlazarett, sagt er. Das sind starke Worte, die zwar ausgesprochen, aber noch lange nicht eingelöst sind.

Genauso wichtig ist es meiner Meinung nach, dass die Kirche die Geheimnisse des Glaubens besser erklärt. Im kirchlichen Alltag findet das leider kaum statt. In Gesprächen mit Menschen nehme ich wahr, dass z.B. die Hl. Messe in ihrem Aufbau und Tiefe nur wenig verstanden wird. „Jesus ist für uns als Sühnopfer gestorben“. Das ist wahr. Nur schade, dass kaum jemand etwas mit diesem Ausdruck anfangen kann. Glaube und Vernunft gehören zusammen und ich wünsche mir Glaubenskurse, die die Fragen des heutigen Menschen auf hin Gott deuten. Nicht oberflächlich und schnell, sondern mit Ernsthaftigkeit, Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und Hingabe.

Zu Gast bei den Goralen

Ziemlich müde nach der Übernachtung auf dem Campus Misericordiae mit Abschlussmesse des Weltjugendtages waren wir alle froh, als wir spät abends die Pension „Vier Jahreszeiten“ in der Nähe von Zakopane erreichten. Kaum waren die Zimmer bezogen und das Abendessen verputzt, kehrte schon Ruhe ein.

Das Frühstück am nächsten Tag wurde für die erschöpften Pilger zum Glück erst um 10 Uhr abgehalten, dennoch fand sich aber ein kleiner motivierter Trupp, der noch vor dem ersten Frühstück schon mal die alte Holzkirche besichtigte. Gestärkt bestiegen wir den Bus und feierten in der Pfarrkirche der Hl. Familie in Zakopane Gottesdienst. Danach inspizierten wir zuerst mal den schönen Ort in den Bergen, wo wir untergekommen waren. Dazu fuhren wir mit der Zahnradbahn Gubalowka zu einem Aussichtspunkt, wo wir das Panorama der Tatra bewundern wollten, aber der Nebel verdeckte leider diesen Teil des Karpartenbogens. Wir genossen dennoch diese Fahrt und schlenderten anschließend noch über den kleinen traditionellen Markt am Fuße des Berges und probierten den ein oder anderen geräuchterten Schafskäse.

Nachdem wir so erste Eindrücke von unserer neuen Heimat für die kommende Woche gesammelt hatten, verließen wir sie am nächsten Tag schon wieder für einen Tagesausflug, um Wadowice, den Geburtstort von Papst Johannes Paul II, und das KZ Auschwitz zu besichtigen. In Wadowice besuchten wir das Museum zu Johannes Paul II, wo man sogar seine original eingerichtete Wohnung betreten konnte. Dieser Besuch brachte uns dem Erfinder der Weltjugentage ein Stück näher und fasziniert von dieser Persönlichkeit genossen wir noch das italienische Flair von Wadowice.

Der nächste Programmpunkt – das KZ Auschwitz – stand dazu in hartem Kontrast. Aufgrund der vielen WJT-Pilger konnten wir nur die Außenanlagen besichtigen, aber das genügte schon, um die Verzweiflung, Kälte und Trostlosigkeit des Ortes zu spüren. Der Hungerbunker, wo der hl. Pater Maximilian Kolbe sein Leben ließ, erinnerte uns aber daran, dass selbst in dunklen Zeiten Gott bei uns ist. Anschließend hielten wir noch eine Andacht im Zentrum für Gebet und Frieden ab, wo wir unsere Eindrücke verarbeiten konnten.

Der nächste Tag sollte uns dann nicht mehr so erschüttern, denn wir besuchten die Salzgrube in Wieliczka. Wir bewältigten insgesamt über 800 Treppenstufen und kamen so 130 Meter unter die Erde. Man könnte sich fragen, wozu die ganze Anstrengung, aber wir wurden mit einer wunderschönen Führung belohnt und waren richtig beeindruckt von der riesigen Kapelle mit Kronleuchtern, tollen Skulpturen und Heiligen-Bildern eingemeißelt in die Wände – natürlich alles aus Salz! Auch dort unten begegnete uns Johannes Paul II, denn selbst er hatte diesen beeindruckenden Ort schon mehrmals besucht.

Am Abend stimmten wir uns mit einer Kutschenfahrt und Lagerfeuer noch mehr in die Bergstimmung von Zakopane ein, mit der es am Donnerstag weiterging. Wir fuhren mit einer Kabinenbahn auf den Hausberg Kasprowy Wierch von Zakopane. Dort oben wanderten wir eine Stunde herum, und bestaunten das Bergmassiv der Tatra, die ganz anders als die Alpen anmutet. Daraufhin hieß es Freizeit in Zakopane.

Wir freuen uns nun auf den bayrisch-polnischen Abend und die morgige Floßfahrt mit Abschluss in den modernen Thermen in Chocholow. Diese Woche intensivierte mit täglichen Gottesdiensten und Andachten unsere Pilgerreise zum Weltjugendtag und wir erlebten das Gastgeberland Polen von seiner gemütlichen Seite abseits der Metropole Krakau. Wir sind uns alle einig, wir wollen nach Zakopane zurückkehren!

„Amoris laetitia“: Handeln nach dem Vorbild eines Pfarrers und Hirten

Als Papst Franziskus im vergangenen November die evangelische Kirche in Rom besuchte, wurde er gefragt, wie er sein Papstamt verstünde. Franziskus stellte das Wirken des Pfarrers in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Auch als Papst mühe er sich, pastoral zu handeln nach dem Vorbild eines Pfarrers und Hirten. Dieser Wesenszug durchzieht auch das postsynodale Schreiben Amoris laetitia. Anliegen ist die Stärkung des schon in der Schöpfungsordnung gründenden Ehebundes zwischen Mann und Frau sowie die Entdeckung der Schönheit einer vom Glauben an Gottes Gegenwart und Sorge getragenen Liebe zwischen den Eheleuten. Gedanken, die auf wunderbare Weise und stark biblisch verankert ausgeführt sind.

Ferner offenbart das Dokument das Ziel, die in der Ehe zwischen Mann und Frau gründende Familie zu stärken und gefördert zu wissen. Es geht Papst Franziskus primär um die Stärkung dessen, was uns als Schatz von der Schrift und der Tradition der Kirche zu Ehe, ehelicher Liebe und Familie gegeben ist, nicht um Kritik oder Verurteilung der Abweichungen davon.

Der Papst lehnt die Veränderung der kirchlichen Norm ab, wie er selbst mehrfach schreibt. Auch der Vorstellung von der Gradualität des Gesetzes widerspricht er im Dokument. Andererseits lässt ihn der pastorale Wesenszug, der sein Pontifikat durchzieht, gerade auch Brüche und Abweichungen von der Norm in den Blick nehmen. Für den Umgang damit setzt er auf die Gabe geistlicher und pastoraler Unterscheidung in Einzelfällen.

Der Papst als Seelsorger will dem Einzelnen, der in einer schwierigen Situation ringt und sucht, eine Brücke hin zum Ideal bauen. In Brücken steckt oft eine innere Spannung. Die Tragfähigkeit einer solchen Brücke hängt an ihrer Verankerung. Es legt sich daher nahe, das Dokument mit seinen vielen pastoralen Impulsen nicht außerhalb des Kontextes der bisherigen Verlautbarungen der Päpste und des Lehramtes lesen und verstehen zu wollen.