Archiv der Kategorie: Europa

Aufsteige mein Gebet wie Weihrauch vor Dein Angesicht

Die Dreifaltigkeit erklärt?!? – Bilder des dreifaltig-einen Gottes

Eines der zentralen Erkenntnisse des christlichen Glaubens ist, dass Gott dreifaltig ist und auch dreifaltig handelt. So hat er sich uns offenbart, der Eine und Wahre: als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dieses Geheimnis begeht die byzantinische Kirche am Pfingstmontag; die lateinische Kirche feiert ein entsprechendes Fest am Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten.

Zusammen mit der Menschwerdung der zweiten göttlichen Person, des Wortes Gottes, in Jesus Christus bildet dieser Grundsatz den Kern des christlichen Glaubens. Darin beruht der Unterschied unseres Glaubens zu anderen Religionen. Dieser Glaube macht es den Nichtchristen schwer, sich darauf einzulassen und uns Christen zu verstehen. Für manch einen Monotheisten sind wir fälschlicher sogar Götzenanbeter, weil wir vermeintlich an drei Götter glauben.

Zugleich bildet die Lehre von der Trinität eine harte Nuss auch für uns Christen, besonders wenn es darum geht, diese mit dem menschlichen Verstand erfassen zu wollen. Noch komplizierter wird es für uns, wenn wir dies innerhalb unserer Gemeinschaft weitergeben und auch den Andersglaubenden erklären sollen. Freilich kann dabei immer auf die Unerreichbarkeit und die Unzugänglichkeit Gottes verwiesen werden: Er übersteigt unseren Menschensinn, bleibt ein nicht zu erforschendes Geheimnis und offenbart sich, wann und wo er will und soweit wir Menschen es fassen können. Dies lässt sich in einer Formel zusammenfassen: Würden wir Gott erklären können, würde er aufhören, Gott zu sein.

Auch wenn unsere Vorväter und -mütter im Glauben, dieses Argument im Gottesdienst und in der christlichen Unterweisung immer wieder gebrauchten, blieben sie bei ihm nicht stehen. Ihr Geist – genauso wie der Geist auch eines jeden heutigen Christen und einer jeden Christin – verlangte nach mehr, mindestens nach einer vorläufig zufriedenstellenden Erklärung.

So versuchten viele Heilige und Theologen, sich dem Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit anzunähern, jeder auf seine Art und Weise: in Wort und Bild, mit Beispielen und Beobachtungen in der Natur, im praktischen Leben, nicht zuletzt auch in der Feier der Liturgie mit ihren Symbolen.

Tertulian (+ 220) erklärte beispielsweise seinen nordafrikanischen Christen die Dreifaltigkeit mit dem Vergleich vom Baum mit Wurzeln, Stamm und Zweigen: Alle drei Abschnitte sind auseinanderzuhalten und sind doch unzertrennlich aufeinander bezogen und bilden doch einen einzigen Baum. Auch auf eine andere Naturbegebenheit griff Tertulian wohl als Erster zurück, und zwar: Die Heilige Dreifaltigkeit ist wie das Wasser, das von der Quelle zum Bach und dann zum Fluss fließt: Alle drei tragen das eine gleiche Wasser und doch sind sie drei selbständige Wasserträger.

Der ebenso in Nordafrika wirkende bedeutende Theologe Augustinus von Hippo (+430) zerbrach sich über die Trinität Gottes seinen Kopf. Von ihm wird eine wohl vielen bekannte Geschichte erzählt. Einst ging er am Strand spazieren und begegnete einem spielenden Kind. Augustinus schaute dem Kind zu. Dieses hatte im Sand eine Grube gegraben und versuchte mit einer Muschel Wasser im Meer zu schöpfen und damit diese kleine Sandgrube zu füllen. Voller Verwunderung fragte Augustinus das Kind, wozu dieses erfolglose Mühen, wo das Wasser am Boden der kleinen Grube immer wieder gänzlich verschwand. „Ich fülle das Meer in ein Loch“, sagte voller Gewissheit das Kind. „Aber Kind, nicht im Leben kannst du das große Meer in deine kleine Grube schütten“, sagte Augustinus. Er erhielt zur Antwort: „Und du willst das Geheimnis der Dreifaltigkeit erklären!?“

Trotzdem versuchte es Augustinus und kam auch auf ein Bild. In seinem Vergleich ist er sich einig mit Gregor Thaumaturgos (+ 270), einem kleinasiatischen Vater (heute Türkei), und findet eine Parallele in der Natur des Menschen selbst. Für ihn ähnelt der drei-eine Gott der dreifachen Struktur eines menschlichen Wesens. Das heißt, zur Grundlage des Vergleichs nehmen die beiden Kirchenväter die altbekannte Trichotomie der Natur des Menschen: So wie ein Mensch aus Körper, Seele und Geist besteht und doch eine einzige Einheit bildet, so ist es auch mit der göttlichen Dreiheit – Vater, Sohn und Heiliger Geist, ein Gott.

Bei den Kirchenvätern findet sich ebenfalls das Bild von den drei dicht aneinandergestellten Kerzen, die mit einer einzigen Flamme brennen. Dies wäre für sie auch ein Symbol und ein Erklärungsversuch des dreifachen und zugleich einen Gottes.

Auch der syrisch-sprachige Orient steht mit seinen Bildern in Bezug auf die dreipersönliche Wesenheit Gottes den byzantinischen und den lateinischen Vätern nicht nach. Der heilige Ephräm der Syrer (+373) sprach vor seinen syrischen Christen von der Sonne mit ihren Strahlen und der darin enthaltenen Wärme, dies auf die Heilige Dreifaltigkeit ausdeutend. Ähnlich lehrte auch Basilius der Große (+379) seine Kirchgänger in Cäsarea in Kappadokien (heutige Türkei), indem er vom Regenbogen mit Sonne, Sonnenlicht und Farben sprach und so die Dreifaltigkeit zu erklären versuchte.

Ähnlich anschauliche Erklärungsversuche der Dreifaltigkeit gab es auch in der nord-westlichen Christenheit. Die Predigt des heiligen Patrick (+461 oder 493), des Patrons Irlands, ist weltweit bekannt und in vielfacher Hinsicht unschlagbar. Auch er stand vor der Herausforderung, zu predigen: Es gibt zwar nur einen Gott, dieser existiert jedoch in drei Personen. Um von den Menschen und besonders von dem keltischen König verstanden zu werden, griff Patrick zu einem – religionspädagogisch gesehen – genialen und aus der Natur kaum zu überbietbaren Mittel. Er verglich das Geheimnis des Einen in Dreien bzw. des Dreifachen in Einem mithilfe eines im Feld gezupften Kleeblatts. Patrick nahm ein Dreiblatt des Klee, dessen drei Blätter für ihn den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist versinnbildlichen: So wie die drei getrennt wachsenden drei Blätter ein Kleeblatt bilden, so bilden die drei göttlichen selbständigen Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist, die eine wahre Gottheit.

Wie aus den aufgeführten Bildern und vergleichen ersichtlich ist, begleiten bildhafte Erklärungen der Heiligen Dreifaltigkeit die Christen seit frühester Zeit und bis auf den heutigen Tag. Sicherlich könnte man die Beispiele unendlich fortsetzen, denke man z.B. an die drei Zustände des einen Wassers in Form von Eis, Flüssigkeit und Dunst, aber auch viele andere. Und doch bleiben all die Bilder und Vergleich nur unzureichende Hilfen, die mitunter sogar irreführend sein können. All diese Bilder bleiben Versuche der Annäherung des menschlichen Geistes an das eigentliche Wesen Gottes. Sie bleiben Versuche und daher immer auch hinter der eigentlichen göttlichen Wirklichkeit zurück. Gott bleibt ein unerklärliches Geheimnis.

Ein sehr interessantes liturgisches Symbol für die Erklärung des dreifaltig-einen Gottes habe ich während meines Grundstudiums in Eichstätt entdeckt. Dank der Feier der Liturgie im syro-malankarischen Ritus im Collegium Orientale habe ich eine Ritushandlung dieser Liturgie lieb gewonnen, die sogenannte Segnung des Rauchfasses im Wortgottesdienst der malankarischen Eucharistie (siehe die unten stehende Videoaufnahme). In der Liturgie selber und in den Liturgiekommentaren ist dies eine Handlung, bezogen auf die Heilige Dreifaltigkeit.

Symbolisch steht diese Segnung für den Lobpreis des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und ihr Wirken in der Welt. Im Mittelpunkt steht das gewöhnliche Rauchfass mit drei äußeren und einer inneren Kette, das jeder Ritus – auch der lateinische und der byzantinische – kennt: ein kugelförmiges Gefäß wird an drei Ketten, die im oberen Bereich zu einer Halterung zusammengebunden werden, gehalten; sie ermöglichen, dass das Gefäß geschwenkt werden kann. Die vierte mittlere (innere Kette) sorgt dafür, dass der Deckel des Rauchfasses durch seine Bewegung geöffnet werden und dass dadurch der Weihrauch aufsteigen kann. Zunächst erscheint alles ganz praktisch hergestellt und gewöhnlich. Doch haben die syrischen Christen darin ein Symbol für die Dreifaltigkeit und ein Muster ihr Verhalten zur Welt ersonnen.

Die obere Halterung versinnbildlicht für sie den himmlischen Baldachin; das Rauchgefäß selber den Erdenball und alle darauf lebenden Geschöpfe. Die drei äußeren Ketten stehen für den Vater, den Sohn (Gott und Mensch) und den Heiligen Geist. Da der Sohn Gottes Mensch geworden ist und die konkrete Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde sichert, gilt zur seiner Versinnbildlichung nicht nur eine der äußeren Ketten, sondern auch die innere Kette, die den Deckel hoch und herunter fährt. Damit ist alle vier Ketten eine der drei göttlichen Personen zugeordnet. In ihrer gewöhnlichen Reihenfolge werden die vier Ketten nacheinander gesegnet bzw. die einzelnen göttlichen Personen gepriesen: Vater – die erste äußere Kette, der Sohn – die zweite äußere und die mittlere Kette (für seine göttliche und menschliche Natur) und Heiliger Geist – die dritte und letzte Kette des Rauchfasses. Die zwölf Glöckchen, an die drei äußeren Ketten angebracht, symbolisieren die zwölf Apostel, die uns die Botschaft von der Dreifaltigkeit weitergaben. Die sich verzehrende Kohle und die Rauchgaben bedeuten die sich mühenden Menschen, die ihre guten Werke vollziehen, Gott preisen und untereinander friedlich leben, was im aufsteigenden und Gott wohlgefälligen Wohlgeruch des Weihrauchs zum Ausdruck kommen soll. Die Ketten werden während der Liturgie beeindruckend gesegnet und dankbar besungen: Sie stehen für die Treue und ungebrochene Zuneigung Gottes zu seinen Geschöpfen.

Auf diese Weise versuchen die syrischen Christen in ihrer Liturgie nicht nur die Dreifaltigkeit zu deuten und zu verstehen, sondern zeichnen mit ihrem Weihrauchritus eine ganze Kosmologie und die darin beinhaltete Heilshandlung Gottes. Das Besondere dabei ist, dass es dabei wunderbar zum Ausdruck kommt: Unsere Welt hat ihren sicheren Halt im Himmel; es ist ihr eine unverlierbare Hoffnung geschenkt, und zwar durch die Treue der drei Personen, besonders des menschgewordenen Sohnes Gottes, die sich beständig um uns Menschen kümmern. Der deutsche Text der Segnung der Ketten lautet:

Der Priester steht dem Rauchfassträger gegenüber und legt Weihrauch auf. Dann ergreift er eine der Ketten des Rauchfasses und segnet sie: „Ich, ein schwacher und demütiger Sünder, bekenne und sage: Heilig ist der ♱ Heilige Vater.“ Gemeinde: „Amen.“

Er ergreift die nächste äußere und die mittlere Ketten und segnet sie: „Heilig ist der ♱ Heilige Sohn.“ Gemeinde: „Amen.“

Er ergreift die letzte Kette und segnet sie: „Heilig ist der lebendige ♱ Heilige Geist, …“ und er beräuchert den Altar, das Evangelium und das Volk. Dabei fährt er fort: „… der den Weihrauch seines sündigen Dieners heiligt und Mitleid hat mit unseren Seelen und den Seelen unserer Väter, Brüder, Schwestern und Lehrer und der Verstorbenen und aller im Glauben entschlafenen Kinder der heiligen Kirche in beiden Welten von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Gemeinde: „Amen.“

Eine gesegnete Pfingstzeit und einen reichen Segen des dreifaltig-einen Gottes wünscht Ihnen allen das Collegium Orientale!

Slawenapostel Kyrill – ein großer Europäer im Heiligenkalender

Es ist für mich persönlich eine große Auszeichnung und gleichzeitig eine Ehre, die folgenden Zeilen zum 1150. Todestag des großen Slawenapostels und Patrons von Europa, des heiligen Kyrill zu schreiben. Und dies aus mehreren Gründen:

  1. stammt meine Familie väterlicherseits – wie sich aus meinem Familiennamen unschwer erkennen lässt – aus jenem Raum, denen der heilige Kyrill das Christentum in ihrer Muttersprache vermittelte,
  2. bin ich als junger Theologe in jenes Kloster eingetreten, das sich wenige Kilometer von der heutigen tschechischen Grenze und vom ehemaligen Eisernen Vorhang befindet und
  3. gehörte mein Heimatkloster in Österreich über viele Jahrhunderte zur so genannten böhmischen Zirkarie unseres Prämonstratenserordens.

Das alles motivierte mich auch in meiner 11-jährigen Abtszeit das Erbe der beiden Slawenapostel durch die Errichtung einer byzantinischen Kapelle und die Feier der Gottesdienste im byzantinischen Ritus zu bewahren, im klaren Bewusstsein, dass unsere Kirche und unser Europa nach dem Wort des mittlerweile heiliggesprochenen Papstes Johannes Pauls II. „mit beiden Lungenflügeln“ atmen müssen. Wenn wir das Leben und die Wirkungsgeschichte des heiligen Kyrill betrachten, so können wir mit Fug und Recht behaupten, dass er und sein Bruder Methodius als große Europäer bezeichnet werden können.

Die Brüder Kyrill und Methodius. Foto: COr/Myrosh

Kyrill – der ursprünglich Konstantin hieß – und sein Bruder Methodius stammten aus einer hochrangigen byzantinischen Beamtenfamilie in Thessaloniki und wurden im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts geboren, also zu jener Zeit, in der Thessaloniki sich aus dem Einflussbereich des Bischofs Roms löste und in die Jurisdiktion des Patriarchen von Konstantinopel überging. Die gediegene Ausbildung, die Konstantin-Kyrill in Konstantinopel erhielt, trug ihm den Bei- und Ehrennamen „Philosoph“ ein. Die entscheidende Wende in seinem und seines Bruders Leben trat mit der Entsendung der beiden Brüder durch den byzantinischen Kaiser Michael III. und Patriarch Photios I.  in das Großmährische Reich im Jahre 863. Der große Verdienst der beiden Brüder war die von ihnen kodifizierte altslawische Sprache, mit der sie die Bevölkerung des Großmährischen Reiches leichter erreichten, als die bayrischen Priester, die die lateinische Sprache verwendeten und des Slawischen kaum mächtig waren.

Aufgrund des Vorwurfes der Verwendung einer unkanonischen Sprache mussten sich die beiden Brüder in Rom vor Papst Hadrian II. rechtfertigen, erreichten aber die Anerkennung der slawischen Liturgiesprache im Jahre 867. Konstantin trat in Rom in ein dortiges Kloster ein, nahm den Mönchsnamen Kyrill an und verstarb dort am 14. Februar 869. Er liegt in der altrömischen Basilika S. Clemente begraben.

Das missionarische Wirken des heiligen Kyrill kann man als die erste wirkliche Evangelisierung der Slawen bezeichnen, obwohl oder gerade weil sie mit heftigen Widerständen von Seiten der Bischöfe von Regensburg und Salzburg rechnen musste, denen Böhmen nach dem Ende des Großmährischen Reiches Anfang des 10. Jahrhunderts endgültig unterstellt wurde, so dass der lateinische Ritus endgültig an die Stelle des slawischen trat.

Wenn ich anfänglich die beiden Brüder als große und echte Europäer bezeichnete, dann zeigt sich das in besonderer Weise am Wirken und der Geisteshaltung des heiligen Kyrill. Sein Verständnis von der Menschenwürde, das seinem Programm zugrunde lag, lässt sich vom Schöpfungswerk Gottes ablesen, das alle Menschen betrifft, da alle von Gott geschaffen sind. Auch der Weg diese Menschenwürde zu erlangen, steht allen Menschen offen, da Christi Erlösungswerk alle Menschen betrifft. Das war auch die grundlegende Haltung seines Missionsverständnisses, das keine Zwangsbekehrungen und Massentaufen wollte, sondern freiwillige Zustimmung zu jenen Werten, die aus dem Leben und Wirken Jesu Christi resultieren.

Aus diesem Grunde war ihm auch ein verstehender Glaube wichtig, was sich auch in der von ihm und seinem Bruder Übersetzung der ganzen Bibel ins Altkirchenslawische niederschlug. Kyrill und Methodius haben sich daher das friedliche Einbeziehen der slawischen Völker in die Staaten- und Kulturwelt ihrer Zeit – trotz zahlreicher Spannungen und Rückschläge – zum Ziel gesetzt und dieses Ziel auch erreicht. Es war wohl das hohe Bild vom Menschen, das er durch seine monastische und geistliche Prägung erhielt, und das ihn befähigte, in allen kirchenpolitischen Spannungen den Frieden zu suchen, „die anderen“ nicht zu verketzern und das Anrecht der „neuen Völker“ Europas auf den ihnen gebührenden kirchlich-kulturellen Eigenstand zu vertreten.

Papst Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben „Slavorum Apostoli“ zum 1500. Todestag des heiligen Kyrill diese Eigenschaften besonders hervorgehoben und wie folgt charakterisiert: „Die Heiligen verkündeten eine Botschaft, die sich für unsere Zeit als sehr aktuell erweist, welche gerade wegen vieler schwieriger Probleme religiöser und kultureller, gesellschaftlicher und internationaler Natur eine lebenskräftige Einheit in der konkreten Gemeinschaft der verschiedenen Bestandteile sucht… Die beiden Brüder vollbrachten ihre Sendung nicht nur in hoher Achtung vor der bei den slawischen Völkern schon bestehenden Kultur, sondern haben diese zusammen mit der Religion auf hervorragende und ständige Weise gefördert und bereichert…. Kyrill und Methodius leisteten einen entscheidenden Beitrag zur Bildung Europas, und zwar nicht nur in der religiösen, christlichen Gemeinschaft, sondern auch für seine gesellschaftliche und kulturelle Einheit. Sie legten bei den slawischen Völkern das Fundament für eine christliche-humanistische Prägung der Gesellschaft, die heute durch Begriffe wie Menschenwürde, Freiheit, Unantastbarkeit der Person, Gerechtigkeit, Solidarität und personelle Verantwortung charakterisiert ist.“ (Slavorum Apostoli Nr. 26 u. 27)

Schlussendlich bilden die Slawenapostel eine „geistige Brücke zwischen der östlichen und westlichen Tradition, die beide in der einen großen Tradition der universalen Kirche zusammenfließen. Sie sind Beispiele und zugleich Fürsprecher in den ökumenischen Bestrebungen der Schwesternkirchen des Ostens und Westens, um durch Dialog und Gebet die sichtbare Einheit in der vollkommenen und umfassenden Einheit wiederzufinden.“ (Ebd. Nr. 27)

Ein besonderes Epiphaniefest in Konstantinopel

Das griechische Wort „epiphaneia“ = Epiphanie (Erscheinung) bezeichnet nach Aussagen der Lexika „einerseits das Erscheinen einer heilsbringenden Gottheit und die Erfahrung ihres rettenden Heilshandelns, andererseits das kultische Auftreten des gottgleichen Herrschers im hellenistisch-römischen Staatskult.“ Sie ist „sowohl die plötzliche Erscheinung eines übernatürlichen Wesens als auch die sichtbare und zeitlich begrenzte Wirkung von Gottheiten und das bloße Bewusstwerden der Nähe des Heiligen“.

Seit dem Neuen Testament und im kirchlichen Sprachgebrauch steht Epiphanie (= die Theophanie oder auch das Jordan-Fest) für die sichtbare und spürbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus, die besonders am gleichnamigen Fest – im byzantinischen Ritus am 6. Januar – begangen wird.

In diesem Jahr wurde dieses Fest im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchats, der ehrenhaft ersten Kirche in der weltweiten orthodoxen Kirchenfamilie, unter einem besonderen Vorzeichen begangen. Denn an diesem Tag kam Mehrfaches zum Erscheinen. Es kamen gleich mehrere wichtige Ereignisse zusammen und wurden in langen orthodoxen Gottesdiensten mit zahlreichen Gläubigen und Pilgern und vor allem mit einer starken Präsenz der Medien gefeiert.

Als Erstes stand das christliche Hochfest selbst im Vordergrund. Im Unterscheid zur Tradition der römisch-katholischen Kirche, die an diesem Tag die Erscheinung Gottes, die Epiphanie in Jesus Christus durch die Anbetung der sterndeutenden Könige aus dem Morgenland begeht, feiern die byzantinischen Kirchen „das Fest der Taufe unseres Herrn, unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus“. Sie feiern die Erscheinung des dreifaltigen Gottes am Jordan im Augenblick der Taufe Jesu Christi: In der Stimme des Vaters aus den geöffneten Himmeln, im Sohne, der zur Taufe in den Jordan hinabsteigt, und im Heiligen Geiste, der als Taube herabsteigt. An diesem Fest ist daher eine Große Wasserweihe vorgesehen – in Konstantinopel/Istanbul mit einer Prozession zum Bosporus verbunden –, was auch in diesem Jahr wie gewohnt der Fall war.

Zusätzlich zu der gottesdienstlich begangenen Epiphanie ist im Phanar am Wochenende 5./6. Januar 2019 auch eine größere Delegation aus der Ukraine erschienen. Zahlreiche Politiker, an deren Spitze der ukrainische Präsident Petro Poroshenko, und kirchliche Würdenträger kamen nach Konstantinopel, um einem Jahrtausendereignis beiwohnen zu dürfen. Denn an diesem Tag hat die orthodoxe Kirche der Ukraine ihre Eigenständigkeit von dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, dem Ehrenoberhaupt der byzantinischen Weltorthodoxie, erhalten. Die Urkunde darüber, „Tomos über die Autokephalie“ genannt, wurde am Samstag, 5. Januar, im Rahmen eines in Ukrainisch gefeierten Dankgottesdienstes offiziell unterschrieben. Am Sonntag darauf fand die offizielle Übergabe des Tomos im Rahmen mehrerer Gottesdienste, konkret nach dem Verlesen des Festtagsevangeliums zum Fest „Erscheinung des Herrn“ statt. Der gesamte Festgottesdienst dauerte sechs Stunden und wurde in Griechisch und zum Teil in Ukrainisch gefeiert.

Am 15. Dezember 2018 wurde auf Initiative des Ökumenischen Patriarchen in der altehrwürdigen Sophienkathedrale in Kiew die sogenannte Vereinigungssynode aller orthodoxen Bischöfe in der Ukraine zusammengerufen. Auf dieser wurde unter Beteiligung von vielen Bischöfen, Priestern und Laien das neue Oberhaupt der ukrainischen Kirche gewählt, der 39-jährige Metropolit Epiphaniy. Er, dessen Vorname mit dem kirchlichen Fest der Epiphanie aufs Engste zusammenhängt, durfte die Urkunde am 6. Januar in Empfang nehmen und sie noch am gleichen Tag als kostbares Weihnachtsgeschenk zum Heiligen Abend (6. Januar nach dem julianischen Kalender) in die Ukraine bringen. Die Urkunde stellt eine Pergamentrolle dar, die auf dem Berg Athos – mit ikonenhaften Miniaturen umrahmt – mit goldenen Buchstaben kunstvoll und eigens hergestellt wurde. Der Inhalt ist für die orthodoxen Ukrainer natürlich das Wertvollste daran: Er bekundet offiziell, dass die ukrainische Kirche formal allen anderen bisher bestehenden 14 orthodoxen und unabhängigen Landeskirchen gleichgestellt wird. Anders gesagt, die orthodoxe Kirche in der Ukraine wurde offiziell autokephal, also selbständig und selbstverwaltend. Sie wird nun als die 15. autokephale orthodoxe Kirche unter den orthodoxen Schwesterkirchen gezählt. Alle orthodoxen Kirchen der byzantinischen Tradition sind nun vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel, dem „ersten unter den gleichen orthodoxen Ersthierarchen“ eingeladen, ja aufgerufen, sich seiner offiziellen Kundgebung über die Autokephalie der orthodoxen Kirchen der Ukraine zuzustimmen.

Äußerst unglücklich mit dem nun besiegelten Projekt der Anerkennung der Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche ist die Russisch-Orthodoxe Kirche, die den Sachverhalt anders beurteilt, da sie die Ukraine zu ihrem Einflussgebiet zählt; man spricht hier von einem sogenannten kanonischen Territorium. Doch aus der Geschichte der Orthodoxie lernen wir, dass die Entstehung einer jeder orthodoxen National- bzw. Landeskirche auf Widerstand stößt. Dies geschieht vor allem deshalb, weil sie immer mit einer Teilung einhergeht: Denn eine größere orthodoxe Struktur oder Einheit soll dabei im Grunde genommen kleiner werden. Und wer wird gerne kleiner? Wer wäre freiwillig bereit, seinen Einfluss einschränken zu lassen bzw. sogar darauf zu verzichten? Daher hat mehr oder weniger jede Gründung einer neuen Kirche zu Spannungen geführt, ja mitunter zur Aufkündigung jeglicher Kommunion- und Kommunikationsgemeinschaft zwischen den einzelnen Zweigen der orthodoxen Kirchen, bis irgendwann der Tag der Heilung, der Versöhnung und Normalisierung der Verhältnisse zwischen den orthodoxen Geschwisterkirchen kommt.

Eine kleine Gruppe von Priestern und Seminaristen des Collegium Orientale Eichstätt nutzte die Möglichkeit der Weihnachtsferien und reiste mit einer spontan organisierten Wallfahrt und Studienreise nach Konstantinopel, um an diesem besonderen und Geschichte schreibenden Epiphaniefest 2019 teilzunehmen. Sie wurden Zeugen von einer mindestens zweifachen Epiphanie und kamen mit vielen unschätzbaren Eindrücken nach Hause zurück. Denn zum einen ist der Herr Jesus Christus ist erschienen, „der sich um der Menschen willen von Johannes im Jordan taufen ließ“. Zum anderen erlebten sie hautnah – neben vielen anderen persönlichen Erfahrungen – die Geburtsstunde einer neuen orthodoxen Kirche, die in der Welt erschienen ist.

Ein lebendiges Projekt von Renovabis

Renovabis habe ich in den letzten 20 Jahren gleich aus zwei Perspektiven kennengelernt: als Stipendienempfänger in meiner Studentenzeit in Eichstätt und als Mitbetreuer der „lebendigen Projekte“, der Stipendiaten von Renovabis, in meiner Aufgabe als Vizerektor und Rektor des Collegium Orientale. Wenn ich Renovabis höre, sehe ich „grün“ und spüre spontan und dankbar einen frischen Wind des Heiligen Geistes. Ich denke dabei an die grüne Farbe des Logos von Renovabis, die für mich wie keine andere zu diesem Hilfswerk der deutschen Katholiken passt. In den östlichen Kirchen der byzantinischen Tradition, woher ich komme, wird diese Farbe für das Pfingstfest verwendet und ist für das Wirken des Heiligen Geistes reserviert. Grün bedeutet Leben, neuer Anfang, Entfaltung, Gedeihen.

So steht das Grün bei Renovabis in meinen Augen nicht nur für die Ausgießung des Heiligen Geistes, sondern auch für seine jährliche Hauptspendenaktion an Pfingsten. Sie steht zugleich für den partnerschaftlichen Umgang von Renovabis mit den Partnerländern und -kirchen, in denen und für die seine Projekte zur Förderung des Lebens, des kirchlichen und des sozialen Miteinanders, durchgeführt werden. Das Leben spenden, das Leben ermöglichen – das ist die eigentliche Eigenschaft des Heiligen Geistes, des Lebensspenders, wie es im großen Credo heißt. Er spendet das Leben, er macht alles neu und lebendig, wie das junge Grün auf den Feldern im Frühjahr und wie alles, was auf Erden wächst. So steht es Renovabis gut an, diese Farbe in ihrem Logo zu führen, denn nur ein grüner Hintergrund erklärt den Namen „Renovabis – Du erschaffst alles neu“ und beleuchtet dessen Arbeit am besten.

Es war kein Fehler und es war schön, als „Grünschnabel“ nach Deutschland zum Studium zu kommen und dabei von Renovabis als Student und Stipendiat betreut worden zu sein. Und ich bin dankbar und stolz darauf, als Stipendiaten-Alumnus zu den Gewächsen des Hauses Renovabis dazuzugehören und auch derzeit einer seiner Partner zu sein.

In diesem Jahr feiert die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen im Mittel- und Osteuropa, das Bischöfliche Hilfswerk Renovabis, seinen 25. Geburtstag. Rektor Petrynko vertrat das COr beim diesjährigen Renovabis-Kongress und der Feier des 25jährigen Jubiläums in der Katholischen Akademie Berlin vom 26.-28.09.2018. Zum Jubiläum gratulieren wir allen Freunden, Mitarbeitern und Spendern von Renovabis und wünschen in Dankbarkeit von ganzem Herzen: Auf viele Jahre – Eις πολλα ετη მრავალჟამიერ  На многая літа – Ad multos annos!

„Reine Seele trifft aufrichtigen Mann“ oder was man in fünf Tagen in Albanien alles lernen kann

Vier Lektionen habe ich kürzlich bei einer Reise mit dem bischöflichen Hilfswerk für Osteuropa, Renovabis, das in diesen Tagen sein 25 jähriges Bestehen feiert, lernen dürfen. Die Überschrift wird sich allerdings erst am Ende aufklären.

Folter politischer Gegner bis hin zu ihrer Liquidierung und das absolute Verbot der Religionen gehören zur Geschichte Albaniens. Wie jedes Land, das solch ein dunkles Kapitel geschrieben hat, tut es sich schwer mit einem würdigen Umgang mit den Opfern und deren Nachkommen. Auch die fachliche Aufarbeitung fällt nicht leicht. Gut das Justitia & Pax vor Ort den Verfall wichtiger Mahnmahle verhindert. Kein leichter Kontext für Renovabis. Aber dank der guten Projektpartner gelingt es, Versöhnung und soziale Verantwortung zu entwickeln.

Lektion 1: Gute Partner und ein vertrauensvoller Umgang sind immer wichtig.

In der kleinen Stadt Shelqet in der Diözese Sapa setzt die Kirche auf Unterstützung kleinbäuerlicher Familien und hilft bei Produktion und Vermarktung regionaler Produkte. Hier besuchte die RENOVABIS-Gruppe eine kleine Milchfarm, die mit Unterstützung des Hilfswerks traditionellen Feta-Käse produziert: (v.r.n.l.) Sabine Slawik, Stellvertretende Vorsitzende des KDFB Bayern und im KDFB Bundesverband, Shkelzen Marku, Produktionsmanager der Diözese, Gerhard Rott, Weltkirche-Referent der Diözese Eichstätt, Käseproduzentin Adelina, Tome Preku, Leiter der Stiftung „Partnerschaft für Entwicklung“ und Bischof Simon Kulli der Diözese Sapa. Foto: Dagmar Kusche-Luff

Renovabis fördert und begleitet fachlich ein Projekt zur Entwicklung des ländlichen Raums in der Diözese Sape. Für viele jüngere Menschen gibt es praktisch keine echte Perspektive. Darum verlassen sie – oft mit schwerem Herzen – ihre Heimat. Die kargen Böden, ein ungünstiges Klima und Landparzellen, die zu klein geschnitten wurden nach dem Ende des Kommunismus, sind zum Leben zu wenig. In Zusammenarbeit mit albanischen Fachleuten hat der junge Bischof von Sape, Simon Kulli, ein tolles Projekt auf die Beine gestellt. Es umfasst Gemüseanbau, Imkerei, sanften Tourismus, Weinproduktion und Viehwirtschaft samt Käseproduktion. Viele Menschen stehen so auf eigenen Beinen, sie haben wieder „den Geruch von Menschen“, so hat es ein Imker selbst beschrieben, als er voller Stolz seinen Honig anbot, der ihm wieder ein würdiges Leben ermöglicht. Toll gemacht Renovabis! Vergleichbares passiert auch in vielen geförderten Berufsbildungszentren, zum Beispiel in Shkodra bei den Salesianern Don Boscos oder in Lehza bei den Ordensmännern der Kongregation der Rogationisten.

Lektion 2: Wenn sich der Staat seiner Verantwortung nicht stellt, ist die Kirche mit Rat und Tat an der Seite der Armen und begreift die Ressourcen, die vor Ort gegeben sind, als wichtigen Bestandteil zur Lösungen de Herausforderungen.

Schwester Christine und Schwester Michaela gehören dem Orden der Spirituellen Weggemeinschaft an. Ihr Kloster ist nach der Mutter der Barmherzigkeit benannt und es wird bei aller Professionalität der 25 Mitarbeitenden auch in diesem Geiste geführt. Es vergehen keine 15 Minuten, ohne dass Schwester Christine nicht ihre Ausführungen unterbrechen muss, weil ein Notfall oder ein dringender Anruf ihre volle Aufmerksamkeit einfordern.

Fröhliches Miteinander der RENOVABIs-Gruppe mit den Schwestern Christina (6.v.l.) und Michaela (lks.)  im kleinen Kloster und Sozialzentrum in Dobrac bei Shkodra/Albanien: Zusammen mit einer aufgeweckten Jugendgruppe, die die Schwestern wöchentlich leiten, erfuhr die Gruppe von den Hoffnungen und Träumen der jungen Menschen, die die Gäste aus Bayern mit einem traditionellen albanischen Abend mit Essen, Tanz und Musik überraschten. Foto: Dagmar Kusche-Luff

Da das albanische Gesundheitssystem nur funktioniert, wenn man über genügend Geld verfügt, um die Privatbehandlung zu bezahlen, kommen viel Nachbarn in Not hierher. Es sind Muslime und Christen, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus den Bergen an den Stadtrand gezogen sind. Dort mussten die Männer als Hirten und Bauern Verantwortung tragen, hier aber „versiffen“ sie. So deutliche Worte wählt Schwester Christine immer, wenn sie über die Folgen von Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und Depression spricht. Die Schwestern heilen aber nicht nur Wunden, sie packen mit an und schaffen Perspektiven. Unter ihrer Anleitung bauen die Männer eine Straße, Mülltonnen wurden flächendeckend aufgestellt und regelmäßig erfolgt die Entsorgung. Soweit ein ganz normales Projekt engagierter Schwestern. Aber als Schwester Christine und Schwester Michaele mit uns in kleinen Gruppen zu sehr armen Familien fahren, die z.T. in der sogenannten Blutrache leben und wir uns bemühen, diesen sehr eigenartigen Lebenskompass zu begreifen, fehlen mir die Bezugspunkte. Das bleibt mir fremd und unverständlich.

Besuch im Berufsschulzentrum „Shkolla e mesme profesionale – Shen Jozefi Punetor“ in Rreshen, Diözese Sapa: Hier unterstützt das Bistum Sapa und RENOVABIS eine von einem italienischen Orden begründete Berufsschule für rund 320 Schüler, die in den Bereichen Spenglerei, Elektrotechnik, Automechanik sowie bald auch im Gastronomiesektor ausgebildet werden. Foto: Dagmar Kusche-Luff

Lektion 3: Man kann nur lernen, was man lernen kann. Manches kapiert man nicht so einfach.

Das Zusammenleben von Christen – vorwiegend Katholiken – und Muslimen ist in Albanien auf den ersten Blick sehr unproblematisch. Sicher liegt das auch daran, dass beide Konfessionen während des Kommunismus Seite an Seite schwer gelitten haben. „Es spielt keine Rolle, wer der richtige Gott ist, es gibt einen Gott und das zählt“, sagt eine Gesprächspartnerin. Vermutlich trägt auch die liberale, moderne Auslegung des Islam viel dazu bei.  Auch religionsverbindende Eheschließungen sind eine Realität. Auf unsere Nachfrage lädt man uns ein, mitzukommen und anzuschauen, wie das geht. Da könnten wir vielleicht etwas lernen. Am wichtigsten ist aber der Respekt, den man sich gegenseitig entgegen bringt. Bestes Beispiel ist diese Anekdote: Als ein muslimischer Gelehrter zu seinem gerade verstorbenen Onkel kommt, sieht er zu der christlichen Ordensschwester, die den Mann in den Tod begleitet und dabei im Arm gehalten hat, als er noch nicht da war und sagt zu ihr: „Du hast eine reine Seele“, worauf diese erwidert: „Und du bist ein aufrichtiger Mann.“

Lektion 4: Albanien als Mitglied der Europäischen Union hat uns etwas zu bieten: eine Perspektive der friedlichen, konstruktiven Kooperation mit dem Islam. Das könnte mehr wert sein als ein paar Prozente in der Handelsbilanz.