Archiv der Kategorie: Europa

Renovabis-Aktion 2020: Eine Bildbetrachtung

Die deutschen katholischen Hilfswerke haben entschieden, ein gemeinsames Zeichen der Solidarität zu setzen und dieses Jahr unter ein gemeinsames Thema zu stellen. Dies wurde längst vor dem Ausbruch der Coronakrise geplant. Die Entscheidung und das gewählte Thema „Frieden“ waren richtig und können aus aktueller Sicht als prophetische Handlung gedeutet werden. Denn für die jetzige Situation sind sie mehr als treffend. Es ist anerkennenswert, dass die deutschen Hilfswerke ihre Schwerpunkte in diesem Jahr zum ersten Mal von der Thematik her bündeln: „Frieden“ wurde in die Mitte ihrer Projektarbeit, ihres Gebetes und ihres Nachdenkens gestellt.

Auch Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel­ und Osteuropa, macht sich für diese Idee stark. Das Thema trifft in der Tat den Kern der Nöte und Sorgen der Renovabis-Partner auf dem europäischen und asiatischen Kontinent. Ganz besonders deutlich wird es an dem Land, das Renovabis als Beispielland für die diesjährige Pfingstaktion und damit verbundene Sammlung gewählt hat: die Ukraine. Der Inhalt der Pfingstaktion berührt nicht nur eine der tiefsten Sehnsüchte der Ukrainerinnen und Ukrainer, sondern das Leben eines jeden Menschen, „der den Wunsch nach Frieden, erfülltem Leben und Heil in sich trägt.“ (Patriarch Shevchuk, Grußwort zur Pfingst-Novene).

Auch wenn die Corona-Pandemie die ganze Welt im Griff hält und sie wirtschaftlich und sozial lahm legt, schafft sie es nicht, die Waffen und die Kriegsherde zum Stillschweigen zu bringen. So herrschen in der Ukraine, einem Land direkt vor der Tür der Europäischen Union, ohne Unterbrechung seit Herbst 2014 bis auf den heutigen Tag Kriegszustände mit bereits mehr als 13.000 Toten, Millionen von Binnenflüchtlingen und viel Elend und Not an Seele und Leib. Wenn sich dazu auch noch die Ängste des Corona-Virus gesellen, stehen die Menschen vor echten existenziellen Herausforderungen. Werden sie gefragt, gehen die Antworten alle in eine Richtung: Unser einziger Traum ist, dass der Friede wieder kommt und dieser wieder das Leben bestimmt und ermöglicht.

Der Friede ist eine der Früchte des Heiligen Geistes. Er ist mit dem Heiligen Geist wesensgleich. Der Friede ist von uns Menschen allein nicht machbar. Er kann von uns nicht festgehalten werden, er ist immer auch zerbrechlich und niemals etwas Selbstverständliches. Der Friede muss und darf von Gott erfleht werden. So ist die Pfingstzeit eine gute Gelegenheit, neben unserem konkreten Einsatz für den Frieden immer auch um ihn zu bitten.

Dies kann sehr gut mit Hilfe der diesjährigen Pfingst-Novene von Renovabis gemacht werden, die im Grunde genommen eine lange, auf mehrere Tage verteilte Bitte um die Gaben des Heiligen Geistes ist, besonders um die Gabe des Friedens.

Rückseite der Vorlage zur Renovabis-Pfingstnovene

Ich persönlich finde die Novene sehr ansprechend. Sie ist mir in diesen Tagen zu einer treuen und hilfreichen Begleiterin in meinem Gebetsleben geworden. Doch ist sie nicht nur aufgrund der Texte bereichernd. Auch von der Aufmachung her habe ich an ihr Gefallen gefunden: Das ganze Bildprogramm ist für meine Begriffe genial gewählt und zusammengestellt. Als etwas ganz Besonderes gilt für mich das Foto auf der Rückseite des Novene-Heftchens. Ich fühle mich dadurch angesprochen und bleibe immer wieder mit meinen Augen und in meinen Gedanken daran hängen. Das Foto stammt aus der Ukraine. Dies stellt man schon allein an den gelb-blauen Farben des Fähnchens fest. Es ist ein Schnappschuss in jeder Hinsicht. Ein Vater trägt seinen Sohn auf den Schultern: ein biblisches Motiv, ein Motiv des Vertrauens; ein im Alltag oft anzutreffendes Motiv, ein Motiv, das eigene Kindheitserinnerungen hochkommen lässt. Beide schauen vom Osten nach dem Westen: programmatisch für das Land Ukraine, ein osteuropäisches Land und Partner von Renovabis. Dies ist das Land, das sich nach Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Ordnung nach dem westeuropäischen Vorbild sehnt und dafür seit einigen Jahren kämpfen muss.

Das Gebäude im Hintergrund ist verschwommen: Der Fokus liegt auf den beiden Personen, dem Vater und dem Sohn. Dies steht für einen zentralen Aspekt des Selbstverständnisses von Renovabis als Aktionsgemeinschaft der deutschen Katholiken mit den Mitmenschen im östlichen Teil des gemeinsamen Kontinentes. Die Unterstützung und die Spenden, die Renovabis einwirbt, kommen den Menschen mit ihren unmittelbaren Bedürfnissen direkt zugute. Diese Art von Partnerschaft, wie sie auf dem Foto ausgedrückt wird, steht auch im Mittelpunkt des Renovabis-Hilfswerkes.

Und nun zu einem weiteren Aspekt: Die Augen der beiden sind geöffnet und doch in sich versenkt, es sind betende Augen: Der Sohn scheint vom Vater vieles geerbt zu haben, auch den Blick der Augen mit seiner unübersehbaren Tiefe. Der Vater, bodenständig, reich an Lebenserfahrung, vielleicht ein wenig besorgt, schaut konzentriert vor sich hin, leicht zu Boden geneigt. Er trägt gerne die Last des Kindes auf den Schultern. Er geht beständig und verantwortlich nach vorne, er will, dass die Zukunft des Sohnes gelingt. Der Blick des Sohnes ist für sein Alter fast zu ernsthaft. Doch verrät er eine unheimlich große Weite. Diese ist möglich, da der Vater strapazierfähig und gelassen auf beiden Beinen steht und dem Kind Sicherheit verleiht. Der Sohn kann und darf träumen, sich auf den Vater verlassen und auf dessen Träumen aufbauen: vom Frieden, vom Glück, vom erfüllten Leben, von einer Zukunft ohne Krieg und ohne Angst vor Viren und Krankheiten.

Und ein letztes Element des Fotos. Der Sohn streckt seine Hände, gestützt auf Papas Haupt, nach vorne aus: In den Händen hält er seine Identität der Außenwelt und Gott entgegen. Er ist ein kleiner Ukrainer; die Farben Gelb und Blau, nicht nur im flatternden Nationalfähnchen, sondern auch als Farbe der Blumen, sagen das aus. Er träumt von Frieden, der nicht nur von seiner Bereitschaft dazu abhängt. Frieden braucht diese Bereitschaft von vielen Seiten, von allen Seiten, damit er stabil eintreten kann.

Frieden wird begründet nur dann, wenn alle Väter und Söhne, alle Mütter und Töchter dazu bereit sind, wenn alle nicht nur bei sich, bei ihren Identitäten, Egoismen und Meinungen bleiben. Alle sollen dafür aus sich heraustreten und bereit sein, die Hände voller Blumen der Vergebung, der Nachsicht und des Entgegenkommens, aber auch der konkreten stützenden und helfenden Handlungen sich gegenseitig entgegenzustrecken. Nur dann wird eine Grundlage für den Frieden gebildet werden können. Nur dann können wir zu den seligen – glücklichen – Friedenstiftern werden, wie dies das Logo der diesjährigen Pfingst-Novene festhält, indem es das Schriftwort aufgreifend: „Selig, die Frieden stiften“ (Mt 5,9). Nur dann kann der Heilige Geist das menschliche Gemeinschaftswerk des Friedens mit seiner Gnade überschatten und es vollenden.

Ein Foto, ein Bild aus dem Leben, voller Realsymbole für das Leben, für das friedliche Zusammenleben.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich lade Sie herzlich ein, sich der diesjährigen Renovabis-Aktion in Gebet und unterstützendem Spendenwerk anzuschließen! DANKE!

Shalompreis 2020 für Projekt „War Children Hospital“

Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt verleiht den Shalompreis 2020 an Massimo Del Bene aus Monza. Der Chirurg wird für sein unermüdliches Engagement für Folteropfer aus libyschen Flüchtlingslagern und sein Projekt „War Children Hospital“ ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 25. April statt.

Am vergangenen Sonntag, 2. Februar, fand der Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen Shalompreis-Aktion im Salesianum Rosental statt. Mitglieder des Arbeitskreises Shalom formulierten, was Frieden für sie bedeutet. Frieden ist, wenn wir nicht wegsehen. Zum Beispiel wenn es um Flüchtlinge geht. Das Europäische Netzwerk „United against refugee deaths“ mit Sitz in Amsterdam hat seit 1993 insgesamt 36.570 im Mittelmeer ertrunkene Migranten gezählt. Das sind nur die, die man fand.

Am 31. Januar hat ein Bündnis unter dem Namen „United for rescue“ aus evangelischer Kirche, katholischen Organisationen – zum Beispiel BDKJ, Arbeitnehmerbewegung, Ärzte ohne Grenzen, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Regisseur Wim Wenders, dem Bürgermeister von Palermo und vielen anderen ein Rettungsschiff gekauft. „Die Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, sind Christus.“ So formulierte es Kardinal Marx bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in München im Dezember 2019.

Frieden bedeutet, nicht wegzusehen

Frieden bedeutet Versöhnung. So wie es zum Beispiel die Shalompreisträger von 2016 leben. Robi Damelin aus Israel verlor ihren Sohn, Student der Philosophie und Pädagogik, durch einen palästinensischen Scharfschützen. Mazen Faraj, Palästinenser, verlor seinen Vater durch Schüsse eines israelischen Soldaten. Die beiden wollen, wie mehr als 600 Familien, die im Parents‘ Circle Families Forum zusammengeschlossen sind, Versöhnung und nicht Hass.

Oder die Shalompreisträger von 2018, der Rechtsanwalt und Journalist Mazen Darwish und seine Frau, die Journalistin Yara Bader. Darwish wurde dreieinhalb Jahre in einem Foltergefängnis des syrischen Regimes gefangen gehalten. Einfach, weil er die Wahrheit schrieb über die Niederschlagung friedlicher Proteste. Nach seiner Freilassung, für die sich weltweit Schriftsteller und Journalisten einsetzten, ist er nicht voller Rachegefühle. Er und die anderen Mitarbeiter des Projektes Syrian Center for Media and Freedom of Expression arbeiten dafür, dass andere Gefangene freikommen, oder wenn sie ermordet wurden, nicht vergessen werden. Vor internationalen Gerichten setzen sie sich dafür ein, dass Folterer des Assad-Regimes vor Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden. Bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist dies auch in Gerichten im Ausland möglich. Erste Anklagen erfolgten 2019 in Deutschland.

Frieden ist auch, nicht zu vergessen. Am 27. Januar gedachte die Welt der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Hier fanden 1,1 Millionen Menschen einen grausamen Tod. Über sechs Millionen Juden wurden durch Nationalsozialisten ermordet. „Wo war die Welt?“ fragte bei der Gedenkfeier in Ausschwitz eine Überlebende. Die Stolpersteine des Künstlers Günter Demnig, die auf Initiative eines Lehrers und von Schülerinnen und Schülern des Gabrieli-Gymnasiums gelegt wurden, erinnern uns an die aus Eichstätt vertriebenen und ermordeten Juden. Es gibt Menschen, die nicht ertragen, wenn jemand eine Blume zum Gedenken an die Stolpersteine legt. Frieden ist, nicht zu vergessen.

Pater Stefan Weig (links) und Dr. Gerhard Rott (rechts) mit Mitgliedern des AK Shalom beim Aktions-Eröffunggottesdienst im Salesianum Rosental. Foto: Praller-Rott

In diesem Jahr haben alle katholischen Hilfswerke ein gemeinsames übergeordnetes Thema: Frieden. Dies war ein Anlass für den Leiter des Referates Weltkirche, Dr. Gerhard Rott, vor der Gemeinde zu sprechen. Rott zitierte Papst Franziskus, der als wichtigste Voraussetzung für Frieden den Dialog sieht und das Zuhören. Da man im Sitzen, auf Augenhöhe, gut zuhören könne, nahm er sich einen Stuhl. Pater Stefan Weig wies in seiner Predigt darauf hin, dass der AK Shalom immer wieder auf Wunden hinweise und ein Licht sei. Deshalb sei der 2. Februar auch ein sehr passender Termin für den Shalom-Eröffnungsgottesdienst.

Massimo Del Bene

Der Shalompreisträger 2020, Massimo Del Bene, ist ein renommierter plastischer Chirurg. Er ist spezialisiert auf die Operation von Händen. In Italien war er der erste Arzt, der beide Hände zugleich operierte. Unter anderem durch die Wiederherstellung von Nervenbahnen können die Hände wieder funktionsfähig gemacht werden.

Der 66-Jährige in Monza arbeitende Arzt hat in den letzten Jahren sehr viele Flüchtlinge, die zuvor in libyschen Lagern gefoltert wurden, operiert. Wie Del Bene immer wieder mit Entsetzen feststellt, werden die Flüchtlinge in den Lagern in Libyen mit grausamsten Methoden an Händen und Füßen gefoltert, um Geld von Verwandten und Freunden zu erpressen. Es werde bewusst so misshandelt, dass die Folgen für die Überlebenden mit jedem Schritt und jeder Bewegung spürbar seien. Massimo Del Bene spricht von mittelalterlichen Foltermethoden und kann eine lange und traurige Reihe von Röntgenaufnahmen als Belege liefern.

Den bekennenden Christen macht das Reden über Migranten, die angeblich keine Gründe hätten, zu fliehen, ebenso wütend, wie die Tatsache, dass die Staaten der Europäischen Union Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen oder Seenotretter kriminalisiert werden. Das Zurückschleppen von Migranten nach Libyen hält er aufgrund der Situation in den libyschen Lagern für unhaltbar.

Damit eine Wiederherstellung der Hände erfolgreich sein kann, ist es wichtig, sie möglichst bald nach der Verletzung zu operieren. Leider müssen die Geflüchteten aber häufig monate- oder jahrelang in den Lagern aushalten. Wenn sie dann die Überfahrt nach Italien überleben, können sie von Spezialisten wie Dr. Del Bene operiert werden.

Massimo Del Bene möchte seinen Traum von einer Spezialklinik für Kinder, die durch Kriege verletzt wurden, umsetzen. Die Behandlung von Kriegsverletzungen ist in der Regel eine Notversorgung und häufig bleibt nur die Amputation.

Mitarbeiter von Physicians for Human Rights – Ärzte für Menschenrechte – haben belegt, dass seit 2011 durch gezielte Attacken auf Krankenhäuser durch das Regime von Bashar al-Assad – und seit 2015 vor allem durch russische Kampfflugzeuge – 916 Ärzte und Ärztinnen in Syrien getötet wurden.

Mit Hilfe von abgehörten Funksprüchen der russischen Piloten, Videoaufnahmen der zerstörten Krankenhäuser, Logbücher der Flugzeuge, die geleakt wurden, konnte dieses bewusste Bombardieren von Krankenhäusern belegt werden. Im Oktober 2019 veröffentlichten Journalisten der New York Times diese Belege des Vorgehens der russischen und syrischen Kampfpiloten.

Die heutige Chirurgie bietet viel mehr erhaltende Hilfsmöglichkeiten. Da die Ärzte und Ärztinnen der Regel nicht in Kriegsgebiete, wie derzeit nach Syrien, in den Irak oder nach Afghanistan reisen können, wäre es wichtig, die Kinder nach Italien zu bringen. Es gibt bereits konkrete Pläne mit den Fachleuten in der Lombardei, die bereit sind, freiwillig in dem geplanten War Children Hospital zu arbeiten. Das alte Hospital von Legnano ist für das Krankenhaus vorgesehen. Auch mit der UNICEF ist Dr. Del Bene im Gespräch. Spenden für das Krankenhaus für im Krieg verletzte Kinder sind dringend notwendig.

Die Verleihung des Shalompreises findet am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr im Holzersaal der Sommerresidenz in Eichstätt statt. Am 24. April ebenfalls um 19.30 Uhr spricht der Preisträger über seine Arbeit für die in libyschen Flüchtlingslagern gefolterten Menschen und das geplante War Children Hospital. Der Abschlussgottesdienst wird am Sonntag, 26. April, um 10.45 Uhr im Salesianum Eichstätt sein.

Spenden unter dem Stichwort
„Shalompreis 2020 – Katholische Hochschulgemeinde“
Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG
IBAN: DE 34721608180109620320

Aktualisierung vom 16. März 2020: Aufgrund der aktuellen Gefährdungssituation durch das CoV-2-Virus sagt der AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden die geplante Preisverleihung am 25. April 2020 ab. Die Veranstaltungen – der Vortrag, die Shalompreisverleihung und der Abschlussgottesdienst – werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Keiner soll alleine glauben – 170 Jahre Bonifatiuswerk

Als Seelsorgeheferinn begann Barbara Naumann 1956 in der Pfarrei Christus König Luckau. Bei jedem Wetter machte sie sich auf, um auf den 56 Dörfern die verstreut lebenden katholischen Familien zu besuchen. „Am Küchentisch habe ich die Kinder in Religion unterrichtet“, erzählt die heute 87-Jährige. So erinnert sie sich, wie sie in Eisenhüttenstadt von Tür zu Tür gehen musste, um von den Einwohnern zu erfahren, wer von ihnen katholisch ist: „Nicht wenige haben mir die Tür vor der Nase zugeschlagen oder drohten mir, mich von der Vortreppe zu schupsen. Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“, zitiert sie einen Slogan der staatlich verordneten Entchristlichung.

Der Bonifatiusverein, der seit 1968 den Namen „Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken“ trägt, habe die Katholiken in der DDR durch diese schwierige Zeit begleitet, betont Naumann. Das Bonifatiuswerk bildete während der 40-jährigen deutschen Teilung das zentrale Werk der Solidarität zwischen den Gläubigen in West und Ost. Ungefähr 454 Millionen DM konnten zwischen 1949 und 1990 der Kirche in der DDR zugeleitet werden.

Wenn das Bonifatiuswerk auf seine 170-jährige Geschichte zurückblickt, gelten die 40 Jahre der deutschen Teilung als ein Ausrufezeichen der Solidarität mit Katholiken, die als Minderheit ihren Glauben leben. Dabei stand das Hilfswerk stets vor großen Herausforderungen. Am 4. Oktober 1849 auf der „Dritten Generalversammlung des Katholischen Vereins Deutschlands“ in Regensburg gegründet, sollte der Bonifatiusverein Hilfe „für arme katholische Gemeinden“ in der Diaspora leisten sowie ein „Missionsverein in und für Deutschland“ sein.

Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 stieg die Zahl der Katholiken in den Industriezentren sprunghaft an. Das Bonifatiuswerk unterstützte in dieser Zeit den Bau von Kirchen und katholischer Infrastruktur. Zudem weitete sich der Blick auf neue Nöte. So gründeten Paderborner Kaufleute 1885 den „Bonifatius-Sammelverein“, der sich für Waisenhäuser engagierte. 1891 bildete sich der „Schutzengelverein“, später „Bonifatiuswerk der Kinder“, für die Förderung katholischer Schulen. Gemeinsam mit dem 1921 gegründeten „Bonifatiuswerk der Jugend“ bilden die beiden Kinderhilfswerke die Wurzel der heutigen Kinder- und Jugendhilfe. Seit 1918 sammeln auf Beschluss der deutschen Bischöfe die Erstkommunionkinder und seit 1952 die Firmbewerber für Projekte der Kinder- und Jugendhilfe.

Nach dem Ersten Weltkrieg hielt der Bedarf an neuen katholischen Orten in den Städten an. Während der Weimarer Republik entstanden jährlich fast 40 Kirchen. Der Nationalsozialismus allerdings schränkte das Wirken des Bonifatiuswerkes ein, bis es zum Erliegen kam. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Mit der Gründung der Diaspora-MIVA 1949 wurde die heutige Verkehrshilfe ins Leben gerufen. Die rapsgelben BONI-Busse, von denen derzeit circa 600 in den Diasporaregionen in Deutschland unterwegs sind, sind bis heute ein weiteres sichtbares Zeichen der Unterstützung. Aufgrund von Flucht und Vertreibung kamen in den 1940er Jahren zahlreiche Katholiken in bis dahin evangelisch geprägte Gebiete. Das Bonifatiuswerk förderte daher den Bau von Notkirchen, Priesterwohnungen, Gemeinderäumen sowie die Anschaffung von Fahrzeugen für die Seelsorge. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten allein in Deutschland mehr als 2.000 zerstörte Kirchen wiederaufgebaut werden. Von 1949 bis heute wurden sogar mehr als 11.500 Kirchen, Kapellen, Gemeindehäuser oder Kindergärten unterstützt.

Mit der deutschen Teilung erlebten sich Katholiken in der DDR nicht mehr nur in einer Minderheitensituation, sondern auch unter einer Staatsführung, die den christlichen Glauben missbilligte und Gläubige wie Kirche schikanierte. Doch das Bonifatiuswerk blieb über die Grenze hinweg an deren Seite, und der 1966 erstmals abgehaltene „Diaspora-Sonntag“ entwickelte sich zum großen Tag der Solidarität mit den Katholiken in der DDR. Doch das Bonifatiuswerk nahm sich nicht nur der Nöte der Katholiken der innerdeutschen Grenze an. Seit 1974 setzt es sich auch für die Katholiken in der Diaspora Nordeuropas und seit 1995 für die Katholiken in Lettland und Estland ein.

Der Mauerfall bildete ein freudiges Ereignis in der Geschichte des Hilfswerkes. Endlich konnte den Katholiken wieder direkt geholfen werden. Doch der mit der Wende erhoffte Eintritt ostdeutscher Bürger in die Kirchen blieb aus. Vielmehr sehen sich bis heute Christen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in der Diaspora. Fast 80 Prozent der Einwohner sind weder getauft, noch gehören sie einer Religion an. Eine weltweit besondere Situation, die sonst nur noch in Tschechien und Estland ähnlich ist.

Mit dem Amtsantritt von Generalsekretär Monsignore Georg Austen 2008 begann das Bonifatiuswerk einen Reflexionsprozess zur veränderten Situation der Diaspora in Deutschland. Denn: Die Säkularisierung der Gesellschaft lässt Katholiken in einer emotionalen Diaspora des Glaubens zurück. Das Hilfswerk reagierte mit dem neuen Bereich »Missionarische und diakonische Pastoral«, der heutigen Glaubenshilfe. Sie unterstützt missionarische Projekte in ganz Deutschland und damit auch in katholischen Regionen. Neu hinzugekommen sind auch das Praktikum im Norden und die Personalstellenförderung. Der Schwerpunkt der Förderung liegt weiterhin aber in der zahlenmäßig extremen Diaspora in Nord- und Ostdeutschland, Nordeuropa und dem Baltikum. Unter dem Motto »Hilfswerk für den Glauben« richtet das Bonifatiuswerk seinen Blick in die Zukunft: Denn die Not der Einsamkeit im Glauben fordert die Kirche in ganz neuem Maße heraus, in Ost wie in West, in Nord wie in Süd.

Kirche lebt von Menschen, die sich einbringen und engagieren. Mit der Diaspora-Aktion 2019 unter dem Leitwort „Werde Glaubensstifter“ hat das Bonifatiuswerk zum Ausdruck gebracht, dass alle Christen dazu eingeladen sind, Glaubensstifter zu sein oder zu werden, zum einen durch das eigene Glaubenszeugnis und zum anderen durch tätige Nächstenliebe. „Wir wünschen uns eine Kirche, in der die Menschen deutlich spüren, dass der Glaube für sie persönlich ein Segen ist. Und das geht nur, wenn er von Menschen bezeugt wird, die authentisch leben, was sie glauben: durch ihr Reden, Handeln und Beten. Wenn wir genau hinsehen, finden wir vielerorts Glaubensbrüder und -schwestern, die aus der Zuversicht des Glaubens leben und handeln. Diese Menschen zu entdecken und sie zu ermutigen, neue missionarische Initiativen anzugehen – um auch Menschen anzusprechen, denen der Glaube fremd ist –, ist für uns ein zentrales Ziel“, sagte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. Gleichzeitig dankt Austen all denjenigen, die das Bonifatiuswerk dabei unterstützen, „das Evangelium in unsere Zeit zu übersetzen, und helfen, unsere Werte – die für uns seit der Gründung des Bonifatiuswerkes bis heute Auftrag und Ziel sind – zu leben, sei es im Gebet, durch ehrenamtliches Engagement oder durch ihre Spende.“

Mehr zum Thema:
Rückblick: Diaspora-Aktion 2019

Liegt Plankstetten wirklich in Indien?

Natürlich liegt das manchmal als „grünes Kloster“ bezeichnete Benediktinerkloster Plankstetten nicht in Indien, schon gar nicht im bergigen Nordosten Indiens. Aber in der vergangenen Woche hat der Missionsfranziskaner Bruder Collinsius Wanniang bei seiner Tour durch das Bistum Eichstätt, die er im Rahmen der von missio-München und dem Referat Weltkirche organisierten Kampagne zum außerordentlichen Monat der Weltmission machte, diesen Vergleich oft gehört.

Faktisch sind das natürlich zwei komplett unterschiedliche Welten. Die Heimat von Bruder Collin, wie er dort genannt wird, ist eher von der Präsenz protestantischer Christen geprägt als von Hindus. Das mit Hilfe des päpstlichen Missionswerkes missio gebaute Ökospiritualitätszentrum in Orlang Hada ist erst fünf Jahre alt, also kein Vergleich zum altehrwürdigen Plankstetten, das in der katholischen Oberpfalz liegt.

Dennoch gibt es da etwas, was beide Orte verbindet. Es ist die klare Ausrichtung an der Sorge um das gemeinsame Haus, die Bewahrung der göttlichen Schöpfung, die die Benediktiner hier und die Franziskaner dort verbindet. Bei einem Vortrag in Plankstetten hat Br. Collin dies auch klar herausgearbeitet. Bereits am Nachmittag hatte er zusammen mit Bruder Richard den Staudenhof besichtigt und dabei viel gelernt. Die Vitalität des Bodens zu fördern, so erklärte es Bruder Richard, ist die Ausgangsüberlegung. Aufmerksam hörte sein indischer Gesprächspartner zu, die Systematik, mit der hier gearbeitet wird, war für ihn nämlich Neuland.

Von links nach rechts: Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referates Weltkirche der Diözese Eichstät, Frater Richard Schmidt, Bruder Collinsius Wanniang aus Indien, Abt Beda Maria Sonnenberg und missio-Übersetzerin Maria John im Kloster Plankstetten. Foto: Gabi Gess/KiZ
Von links nach rechts: Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referates Weltkirche der Diözese Eichstät, Frater Richard Schmidt, Bruder Collinsius Wanniang aus Indien, Abt Beda Maria Sonnenberg und missio-Übersetzerin Maria John im Kloster Plankstetten. Foto: Gabi Gess/KiZ

Aber mit Stolz erzählte er von den Fortschritten, welche die Franziskaner im Nordosten Indiens bei der Generierung eines Bewusstseins für die Zusammenhänge in den natürlichen Kreisläufen machen. Erster Schritt sind die Gebete in der Natur, extra wurde dafür ein Kreuz aufgestellt.

Dabei musste ich an das Holzkreuz auf dem Hüttenlagerplatz Almosmühle denken, der zum Jugendhaus Schloss Pfünz gehört. In den Sommermonaten werden dort viele Morgenimpulse, Andachten und Lagergottesdienste gefeiert. Für viele Kinder ist es die erste liturgische Feier in ihrem Leben, die sie nicht in einer Kirche erleben. Dabei gibt es deutliche Parallelen zur Arbeit der Missionare in Indien. Die Unmittelbarkeit der Natur führt zu einem Gefühl der Verbundenheit mit ihr, der Verantwortung für sie. Liegt also nun Orlang Hada im Altmühltal?

Natürlich habe ich Bruder Collin den Lagerplatz gezeigt und obwohl es schon Dunkel wurde hat er ein paar Fotos gemacht. Derartige Zelt- oder Hüttenlager gibt es in seinem Ökospiritualitätszentrum zwar (noch) nicht, aber auch dort hat man die Kinder als wichtige Multiplikatoren erkannt. Darum soll durch den Bau einer Schule sichergestellt werden, dass die nächste Generation schon von Kindesbeinen an lernt, sorgsam mit der Umwelt umzugehen.
Es war für mich wirklich spannend zu beobachten, wie man eigentlich immer eine Art funktionales Äquivalent bei einem Projekt findet, das so weit weg durchgeführt wird, in einem völlig anderen kulturellen Kontext. Es geht also nicht darum, voneinander gedankenlos abzuschreiben, sondern voneinander zu lernen, warum welche Dinge wie gemacht werden. Darum wird es nie eine Kopie Plankstettens in Indien geben müssen, aber es gibt auch dort Menschen, die sich für eine geistige Begründung der Ökologie bemühen. Schließlich benötigt die Menschheit für die Überwindung der gegenwärtigen Krise nicht nur klare wissenschaftliche Erkenntnisse. Leider stoßen nämlich die Argumente der Wissenschaftler oft nicht auf die nötige Resonanz, solange Gier, Gleichgültigkeit und Egoismus die Hauptantriebsfedern der Menschheit sind. Unumwunden geben die Naturwissenschaftler auch zu, dass sie nicht wissen, wie sie diesen kulturellen und spirituellen Wandel erwirken können.

Vielleicht geht dieser Wandel ja von Zentren wie dem Kloster in Plankstetten, dem Hüttenlagerplatz Almosmühle oder dem Ökospiritualitätszentrum in Orlang Hada aus. Der Boden wäre jedenfalls bereitet und die Saat ist gesät.

Mehr zum Thema:
Missio-Aktion 2019: Das andere Indien
Indien: Der Fluch der Entwicklung

Das reichlich geschmückte Diadem auf dem Kopf der Erde – meine Lieblingskirche in Georgien

Das Ziel der aus 46 Personen bestehenden Pilgergruppe von Studenten und Freunden des Collegium Orientale aus Eichstätt war in diesem Jahr das Land Georgien (24.8.-7.9.2019). Für mich als Reiseleiter war dies bereits das vierte Mal, dass ich dieses Land im Kaukasus bereisen durfte.

Auch diesmal durfte in dem dicht bestückten Reisegramm der Besuch der bergigen Region Ratscha im Nordwesten Georgiens nicht fehlen. Es waren tatsächlich mehrere Gründe, warum unser Weg auch dahin führte. Zum einen ist dort ein ehemaliger Kollegiat, Teimuraz Grdzelishvili, als Staatsbeamter für die Fragen der Infrastruktur zuständig; ihm wollten wir auf seine freundschaftliche Einladung hin einen Besuch abstatten. Ferner verlockt diese bezaubernde Region Einheimische und Touristen auch durch ihre vielen Seen, darunter der Shaori-See, zahlreiche Bergflüsse und dichtbewaldete Bergen. Doch der eigentliche Grund war für mich – und wird es wohl immer bleiben – ein Kulturdenkmal, von Menschen erbaut, eine Kirche mit vielen kaum allein von Menschenhand ausgeführten Merkmalen.

In dem kleinen Städtchen Nikortsminda (= St. Nikolaus), 14 km in süd-westlicher Richtung von Ambrolauri gelegen, besichtigte unsere Pilgergruppe die dortige gleichnamige Kathedralkirche „Nikortsminda“.

Diese Kirche zu sehen gehört für mich persönlich zu einem der Höhepunkte unserer gesamten Georgienreise. Für jeden kirchlich interessierten Touristen bzw. Pilger würde ich den Besuch dieser Kirche aufs Herzlichste empfehlen (für größere Gruppen muss man mehr Zeit einplanen!).

Die heutige Bischofskirche wurde, wie aus der Überschrift des westlichen Portals hervorgeht, in den Jahren 1010/14 unter König Bagrat III. im Grundriss als Kreuz-Kuppel- Kirche erbaut und im Laufe der Geschichte mehrmals umgebaut und renoviert: Im 11. Jh. erhielt die Kirche ihr südliches und westliches Nebenschiff; König Bagrat III. von Imeretien renovierte sie ab dem Jahr 1534; aus diesem und dem folgenden Jahrhundert stammen auch die wunderbaren und relativ gut erhaltenen Fresken auf den Innenwänden des Fünf-Apsiden-Baus. Zuletzt wurde die Kirche im 18. Jh. renoviert; der dreistöckige Glockenturm in der Nähe der Kathedrale stammt aus dem 19. Jh. Die massive Kuppel ist befestigt auf fünf Halbsäulen und seine zwölf schmalen und hohen Fenster lassen dezent Außenlicht in den Kirchenraum ein und machen die Kirche so, natürlich unterstützt durch die vollständig ausgemalten Innenwände, zu einem meditativen Raum des Gebetes und der Nähe Gottes.

Wir durften einige Lieder auf Georgisch singen und damit uns selber und mehreren georgisch-sprachigen Besuchern eine Freude bereiten.

Der Altarraum ist ebenfalls voll ausgemalt; der Altartisch ist mit einem hölzernen und ebenso ausgemalten Baldachin überdacht. Die Kirche ist verständlicherweise dem heiligen Nikolaus geweiht, anderes kann man ja in einer Ortschaft mit dem Namen St. Nikolaus nicht erwarten. Somit beherbergt die Kirche mehrere Ikonen und Fresken ihres Patrons, des Wundertäters von Myra.

Bei all der Fülle des bisher Gesagten über die Kirche ist jedoch das eigentlich Bewundernswerte noch nicht angesprochen: Dies sind die wunderschönen und zahlreichen Ornamente und Figuren, in Steine gemeißelt, als Außenverzierung der Kirche. Besonders diese Steinmetzarbeiten und die figürlichen Fassadenreliefs machen die Kirche in Nikortsminda zum Meisterwerk der georgischen Architektur und Steinornamentik. Das menschliche Auge kann sich an der Schönheit dieser Kirche nicht sattsehen. Vor den glatt und meisterhaft bearbeiteten und unglaublich zahlreichen Ornamenten und Arkaden kann man Stunden verbringen. Besonders qualitätsvoll und in ihrer Ausführung unübertrefflich fand ich die Einzeldarstellungen und einzelne Relieffiguren aus der Bibel und auch Motive weltlicher Folklore. Neben den Darstellungen der Verklärung, der zweiten Ankunft und der Himmelfahrt Christi sowie des heiligen Georg mit dem niedergeschmetterten Diokletian finden wirkliche und erdachte Tiere ihren Platz.

An verschiedenen Stilen der Ausführung ist zu sehen, dass hier mehrere Künstler am Werk waren. Möglicherweise wird dadurch auch die künstlerische Freiheit der damaligen Zeit verraten. Wahrscheinlich erreicht und manifestiert die kirchliche Steinmetzkunst in Georgien gerade in Nikortsminda ihren Höhepunkt. Nicht umsonst hat der georgische Dichter Galaktion Tabidze (1892-1959) diesem Kulturdenkmal sein Gedicht „Das Hohelied für Nikortsminda“ gewidmet. In diesem bringt er zum Ausdruck, dass ein Besucher vor dem überwältigenden Antlitz der Nikortsminda-Kirche einfach sprachlos wird. Der unbekannte Architekt und Meister dieser Kathedrale, so schreibt Tabidze (nach russ. Übersetzung), „muss mit Gott, dem Schöpfer, per ,Du‘ gewesen sein“, dass er ihn mit den Fähigkeiten ausstattete, die ihm erlaubten, gleichsam „das reichlich geschmückte Diadem auf dem Kopf der Erde“ zu erbauen, nämlich die Kirche von Nikortsminda.

Hier zwei Strophen in Prosaübersetzung:

„Wie die Abrundungen einer Lyra sich ineinander verflechten
und wie der Schießbogen sich wunderbar spannt,
so folge ich stumm deinen Arkaden in Erwartung eines Wunders;
doch muss mein unwürdiges Gedicht sterben, bevor es geboren wird.
Denn wenn jemand den Höhenglanz erreicht hat,
dann ist es derjenige, der dich erbaute,
du, Kirche von Nikortsminda.

Der Steine Geflecht fordert des Auges Stern danach zu fragen:
Kann denn jemand einen Felsen besticken und ausbügeln,
gleich einem Musikstück, in dem die Töne zueinander passen?
Und die Antwort wäre: Dem ist es gelungen,
der die Trümmer der Felsen verwandelte
in die Kirche von Nikortsminda …“