Kategorie-Archiv: Asien

Indien – ein Land für alle Sinne

Unter dem Motto – „Die Juwelen Indiens entdecken“ machte sich unsere 34-köpfige Reisegruppe aus der Seelsorgeeinheit Eitensheim, Buxheim und Tauberfeld auf, um dorthin zu reisen, „wo der Pfeffer wächst“. Die Vorfreude, aber auch die Aufregung bei uns allen war schon am Flughafen München deutlich spürbar. Ein erstes Highlight war sicherlich der Flug mit dem weltweit größten Passagierflugzeug, dem Airbus A 380, von München nach Dubai, zumal einige von uns das erste Mal in ihrem Leben überhaupt flogen. Nach einem vierstündigen Aufenthalt nachts am Flughafen in Dubai ging es dann endlich weiter zu unserem ersten Ziel Delhi im Norden Indiens, mit (zumindest offiziell) fast 17 Millionen Einwohnern.

Die ersten Wahrnehmungen dieser Millionen-Metropole waren die durch den Smog „würzige“ Luft sowie der neblig-verschleierte Himmel. Im unglaublichen und unvorstellbaren Straßenverkehr Delhis schließlich angekommen, erschloss sich eine weitere Sinnesqualität: das beständige Hupen von mindestens 20 Fahrzeugen gleichzeitig. Der Straßenverkehr in Indien gleicht einer Extremsportart, die uns auch nach zwei Wochen noch beeindruckte: Vor und auf den Kreuzungen standen mind. 50 Fahrzeuge (hauptsächlich Tuk-Tuks und Mopeds) und es gilt insbesondere eine landestypische Regel: „Egal, wie schnell und wohin du fährst, hupe, um dich anzukündigen.“ Eigentlich eine einfache Regel, die allerdings bei der unglaublichen Fülle an Fahrzeugen (teilweise acht in die gleiche Richtung fahrende Fahrzeuge nebeneinander) doch schnell zur Herausforderung wird und bei uns Deutschen zu neuen Dimensionen der Angst führte – aber Inder haben offensichtlich großes Vertrauen in ihre Multi-Tasking-Fähigkeiten.

Noch abenteuerlicher fühlte sich der Straßenverkehr in Nordindiens Großstädten an, wenn man selbst im wahrsten Sinne des Wortes hautnah dabei ist. So war es in Jaipur der Fall, als wir eine Tour mit Fahrrad-Rikschas durch die Innenstadt machten. Göttlicher Beistand war in dieser Stunde für unsere Gruppe mehr als nötig – doch scheinbar hatten unsere Guides, die für uns unermüdlich in die Pedale traten, genügend Gottvertrauen, so dass wir spontane Wendemanöver mit unseren Rikschas mitten auf der Fahrbahn oder im Kreisverkehr alle wohlbehalten überstanden.

Wer durch Indien reist, kommt mit einer Überfülle an Erinnerungen im Gepäck wieder zurück. Die Eindrücke können überwältigend schön und zugleich verstörend oder deprimierend sein. Das war vielen von uns durch Berichte und Erzählungen von Bekannten und Freunden schon bekannt. Darauf, die Gegensätze dann auch wirklich hautnah zu erleben und zu erfahren, konnte man sich jedoch nicht wirklich vorbereiten. Wahrscheinlich in kaum einem anderen Land ist man mit einer so großen Armut der Bevölkerung konfrontiert wie in Indien. Teilweise breitete sich eine Stille und auch Betroffenheit in unserem Reisebus, mit dem wir die Städte erkundeten, aus, angesichts der (einfachsten) Zustände, in denen ein Großteil der Menschen dort lebt – auf Matratzen am Straßenrand, umgeben von Müll und streunenden Hunden. Das rückt den eigenen Wohlstand und den Wert eines eigenen Daches über dem Kopf schnell wieder in ein anderes Licht. Vor diesem Hintergrund jedoch umso beeindruckender war die aus den Menschen selbst heraus kommende Freude am Leben und Dankbarkeit für das, was sie haben, zu erleben. Egal wo wir uns in Indien befanden – Nord oder Süd – mit unserem Reisebus fielen wir für indische Verhältnisse schon von Weitem ins Auge. Lassen wir uns in unserer westlichen Welt oft schnell von (sozialem) Vergleich leiten, reagierten die Inder, jung wie alt, mit großer Freude und Begeisterung auf uns, lachten und winkten uns zu. Von Neid oder Missgunst auf unseren weitaus höheren Lebensstandard keine Spur! Diese Erfahrung in diesen zwei Wochen immer und immer wieder machen zu dürfen, war sicherlich eine der berührendsten und definitiv bleibenden Erinnerungen.

In unserer ersten Woche im Norden Indiens besuchten wir die Städte Delhi, Agra und Jaipur und besichtigten eine Fülle unterschiedlicher Denkmäler, wie beispielsweise beeindruckende Hindutempel, Moscheen, große Festungsanlagen („Forts“) sowie das Grabmal „Taj Mahal“, auf dessen dahinter liegende Geschichte wir am Abend zuvor in einer Art Operette bzw. Musical, einer sog. „Kalakriti“-Show, musikalisch und mit vielen beeindruckenden Kostümen eingestimmt wurden.

Auf den Backwaters von Kerala

Nach dieser ersten Woche im Norden flogen wir nach Cochin in den Süden des Landes. Von Pater Praveen Job, Kaplan in Buxheim, Eitensheim und Tauberfeld, wurden wir bereits darauf eingestimmt, dass uns im Süden „ein ganz anderes Indien“ erwarten würde, was unsere Vorfreude auf das Bundesland Kerala, der Heimat unseres Paters, steigen ließ. Während wir im Norden viele religiöse Baudenkmäler besichtigen und vieles über die zahlreichen verschiedenen Religionen in Indien erfahren durften (u.a. Hinduismus, Islam, Christentum, Sikhismus, Buddhismus), lernten wir Indien schließlich von einer neuen Seite kennen, mit einer vielfältigen und bunten Natur und Pflanzenwelt. Im Gegensatz zu den nördlichen Bundesstaaten Indiens könnte man das Leben im Süden als langsamer und entspannter beschreiben, der Lebensstandard ist deutlich höher und die Menschen dort sind vergleichsweise wohlhabend.

Wir erkundeten Kerala zu Land wie auch zu Wasser. Einer der Höhepunkte war die Fahrt mit einem Hausboot auf den Backwaters von Kerala, die als eine der wichtigsten Handels- und Verkehrswege dort dienen. Es stellte sich sofort ein Gefühl von Urlaub ein, als wir bei Sonnenschein, fast 30 Grad und einem leichten Wind durch die Backwaters glitten, frisches Kokoswasser tranken und Kokospalmen, Reisplantagen und heimische Vogelarten sahen. Auch bereitete ein Koch extra für unsere Gruppe an Bord ein typisch indisches Essen mit Reis, Fisch, Fleisch und verschiedenen Soßen zu.

Wie schmeckt eigentlich Indien?

Auf jeden Fall intensiv und mit einer reichen Fülle unterschiedlichster Gewürze. Die Frage lässt sich jedoch nicht einheitlich beantworten, da sich der Geschmack von Region zu Region unterscheidet, im Norden schmeckt es anders als im Süden. Neben scharfen und milden Currys auf Sahne- oder Kokosmilchbasis, probierten wir auch die verschiedenen indischen Fladenbrote oder Masala-Tee, einen gewürzten Milchtee.

Was unseren Aufenthalt im Süden des Landes auf eine ganz besondere Art bereicherte, war das Kennenlernen der Familie unseres Paters. Wir wurden von seiner gesamten Familie (den Eltern, der Familie des Bruders sowie Tante und Onkel) zu einem Mittagessen eingeladen und bereits bei der Ankunft von seiner kleinen Nichte mit liebevoll selbstgebastelten Blumen sehr herzlich begrüßt. Anhand der Art und Weise, wie wir von allen Familienmitgliedern mit im wahrsten Sinne des Wortes offenen Armen empfangen wurden und auch anhand des aufwändig gekochten Buffets mit sehr leckerem indischen Essen erlebten wir nicht nur eine große Gastfreundschaft und Herzlichkeit seiner Familie und Stolz auf ihre indische Kultur. Sie drückten so auch ihre große Wertschätzung und Liebe für Pater Praveen und seinen Beruf aus, was berührend war miterleben zu dürfen.

Gruppenfoto mit Katholiken in Indien. Foto: Julia Sangl

Bei Katholiken in Südindien

Einen weiteren, sehr persönlichen Einblick in sein bisheriges Leben in Indien gewannen wir an unserem leider schon letzten Tag der Reise, als wir einen indisch-bayerischen Gottesdienst in der alten Heimatpfarrei von Pater Praveen gemeinsam mit den indischen Katholiken der Gemeinde feierten. Während wir von Zuhause farblich eher dezente, oft mit Gold geschmückte Kirchen kennen, staunten wir angesichts der farbenfrohen Gestaltung der indischen Kirchen. Knallige Farben (grün und pink) und mit Glitzer geschmückte Heiligenfiguren lassen die Gotteshäuser sehr fröhlich und lebendig wirken. Der Gottesdienst selbst wird im syro-malabarischen Ritus gefeiert und zu einem überwiegenden Großteil mit Gesängen und Musik begleitet. Der Begriff „syro-malabarisch“ ist eine Kombination aus den beiden Wörtern syrisch und malabarisch. Der heutige indische Bundesstaat Kerala wurde früher als Malabar bezeichnet. Die Liturgische Sprache war damals Syrisch. Heute wird anstatt Syrisch die Landessprache Malayalam in der Liturgie verwendet.

Es war schön zu sehen, wie viele Kinder und Jugendliche den Gottesdienst besuchten. Das Leben der Religion ist in Indien sehr wichtig. Pater Praveen erklärte uns, dass die regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst in Indien sogar Pflicht sei, um später einmal heiraten zu dürfen. Normalerweise beginnen die Gottesdienste am Sonntag bereits um 6 Uhr morgens und dauern mindestens zwei Stunden. Im Anschluss erfolgt der Religionsunterricht für die Kinder. Als Zugeständnis an unsere – was die Gottesdienstzeiten angeht – verwöhnte Reisegruppe wurde der Gottesdienstbeginn an diesem Tag auf 8 Uhr verschoben 😊. Im Anschluss an den Gottesdienst hatten sowohl die indischen Kinder und Jugendlichen als auch wir selbst die Gelegenheit, uns gegenseitig Fragen zu stellen. Diese „Fragestunde“ wurde mit einem gemeinsamen Fotoshooting abgeschlossen. Bei diesem „Fototermin“ wurde wieder einmal die indische Fröhlichkeit und Offenheit deutlich. Während wir uns sehr „brav“ aufstellten, lachten die Kinder und Jugendlichen fröhlich durch die Gegend, schnitten Grimassen für das Foto, machten Späße und alberten herum. Doch nicht nur wir kamen aus dem Staunen angesichts unserer ganzen Eindrücke nicht mehr heraus, auch die indischen Jugendlichen staunten aufgrund der blonden Haarfarbe einiger unserer Gruppe. Da wurden fleißig Fotos und Selfies gemacht – also ein besonderes Erlebnis für uns alle 😊

Es ist schwer, ein Fazit für unsere Reise und dem Land Indien zu finden. Indien ist ein Land der Extreme und Kontraste: Es gibt sehr warme und kalte Orte, dichtbesiedelte Plätze und leere, weite Landschaften, sehr viele arme und im Verhältnis hierzu wenige reiche Leute, scharfes und mildes Essen und noch so vieles mehr… Aber wenn eines auf die Menschen in Indien zutrifft, dann folgende indische Lebensweisheit: „Am reichsten sind die Menschen, die auf das meiste verzichten können.“

Ein besonderes Epiphaniefest in Konstantinopel

Das griechische Wort „epiphaneia“ = Epiphanie (Erscheinung) bezeichnet nach Aussagen der Lexika „einerseits das Erscheinen einer heilsbringenden Gottheit und die Erfahrung ihres rettenden Heilshandelns, andererseits das kultische Auftreten des gottgleichen Herrschers im hellenistisch-römischen Staatskult.“ Sie ist „sowohl die plötzliche Erscheinung eines übernatürlichen Wesens als auch die sichtbare und zeitlich begrenzte Wirkung von Gottheiten und das bloße Bewusstwerden der Nähe des Heiligen“.

Seit dem Neuen Testament und im kirchlichen Sprachgebrauch steht Epiphanie (= die Theophanie oder auch das Jordan-Fest) für die sichtbare und spürbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus, die besonders am gleichnamigen Fest – im byzantinischen Ritus am 6. Januar – begangen wird.

In diesem Jahr wurde dieses Fest im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchats, der ehrenhaft ersten Kirche in der weltweiten orthodoxen Kirchenfamilie, unter einem besonderen Vorzeichen begangen. Denn an diesem Tag kam Mehrfaches zum Erscheinen. Es kamen gleich mehrere wichtige Ereignisse zusammen und wurden in langen orthodoxen Gottesdiensten mit zahlreichen Gläubigen und Pilgern und vor allem mit einer starken Präsenz der Medien gefeiert.

Als Erstes stand das christliche Hochfest selbst im Vordergrund. Im Unterscheid zur Tradition der römisch-katholischen Kirche, die an diesem Tag die Erscheinung Gottes, die Epiphanie in Jesus Christus durch die Anbetung der sterndeutenden Könige aus dem Morgenland begeht, feiern die byzantinischen Kirchen „das Fest der Taufe unseres Herrn, unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus“. Sie feiern die Erscheinung des dreifaltigen Gottes am Jordan im Augenblick der Taufe Jesu Christi: In der Stimme des Vaters aus den geöffneten Himmeln, im Sohne, der zur Taufe in den Jordan hinabsteigt, und im Heiligen Geiste, der als Taube herabsteigt. An diesem Fest ist daher eine Große Wasserweihe vorgesehen – in Konstantinopel/Istanbul mit einer Prozession zum Bosporus verbunden –, was auch in diesem Jahr wie gewohnt der Fall war.

Zusätzlich zu der gottesdienstlich begangenen Epiphanie ist im Phanar am Wochenende 5./6. Januar 2019 auch eine größere Delegation aus der Ukraine erschienen. Zahlreiche Politiker, an deren Spitze der ukrainische Präsident Petro Poroshenko, und kirchliche Würdenträger kamen nach Konstantinopel, um einem Jahrtausendereignis beiwohnen zu dürfen. Denn an diesem Tag hat die orthodoxe Kirche der Ukraine ihre Eigenständigkeit von dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, dem Ehrenoberhaupt der byzantinischen Weltorthodoxie, erhalten. Die Urkunde darüber, „Tomos über die Autokephalie“ genannt, wurde am Samstag, 5. Januar, im Rahmen eines in Ukrainisch gefeierten Dankgottesdienstes offiziell unterschrieben. Am Sonntag darauf fand die offizielle Übergabe des Tomos im Rahmen mehrerer Gottesdienste, konkret nach dem Verlesen des Festtagsevangeliums zum Fest „Erscheinung des Herrn“ statt. Der gesamte Festgottesdienst dauerte sechs Stunden und wurde in Griechisch und zum Teil in Ukrainisch gefeiert.

Am 15. Dezember 2018 wurde auf Initiative des Ökumenischen Patriarchen in der altehrwürdigen Sophienkathedrale in Kiew die sogenannte Vereinigungssynode aller orthodoxen Bischöfe in der Ukraine zusammengerufen. Auf dieser wurde unter Beteiligung von vielen Bischöfen, Priestern und Laien das neue Oberhaupt der ukrainischen Kirche gewählt, der 39-jährige Metropolit Epiphaniy. Er, dessen Vorname mit dem kirchlichen Fest der Epiphanie aufs Engste zusammenhängt, durfte die Urkunde am 6. Januar in Empfang nehmen und sie noch am gleichen Tag als kostbares Weihnachtsgeschenk zum Heiligen Abend (6. Januar nach dem julianischen Kalender) in die Ukraine bringen. Die Urkunde stellt eine Pergamentrolle dar, die auf dem Berg Athos – mit ikonenhaften Miniaturen umrahmt – mit goldenen Buchstaben kunstvoll und eigens hergestellt wurde. Der Inhalt ist für die orthodoxen Ukrainer natürlich das Wertvollste daran: Er bekundet offiziell, dass die ukrainische Kirche formal allen anderen bisher bestehenden 14 orthodoxen und unabhängigen Landeskirchen gleichgestellt wird. Anders gesagt, die orthodoxe Kirche in der Ukraine wurde offiziell autokephal, also selbständig und selbstverwaltend. Sie wird nun als die 15. autokephale orthodoxe Kirche unter den orthodoxen Schwesterkirchen gezählt. Alle orthodoxen Kirchen der byzantinischen Tradition sind nun vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel, dem „ersten unter den gleichen orthodoxen Ersthierarchen“ eingeladen, ja aufgerufen, sich seiner offiziellen Kundgebung über die Autokephalie der orthodoxen Kirchen der Ukraine zuzustimmen.

Äußerst unglücklich mit dem nun besiegelten Projekt der Anerkennung der Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche ist die Russisch-Orthodoxe Kirche, die den Sachverhalt anders beurteilt, da sie die Ukraine zu ihrem Einflussgebiet zählt; man spricht hier von einem sogenannten kanonischen Territorium. Doch aus der Geschichte der Orthodoxie lernen wir, dass die Entstehung einer jeder orthodoxen National- bzw. Landeskirche auf Widerstand stößt. Dies geschieht vor allem deshalb, weil sie immer mit einer Teilung einhergeht: Denn eine größere orthodoxe Struktur oder Einheit soll dabei im Grunde genommen kleiner werden. Und wer wird gerne kleiner? Wer wäre freiwillig bereit, seinen Einfluss einschränken zu lassen bzw. sogar darauf zu verzichten? Daher hat mehr oder weniger jede Gründung einer neuen Kirche zu Spannungen geführt, ja mitunter zur Aufkündigung jeglicher Kommunion- und Kommunikationsgemeinschaft zwischen den einzelnen Zweigen der orthodoxen Kirchen, bis irgendwann der Tag der Heilung, der Versöhnung und Normalisierung der Verhältnisse zwischen den orthodoxen Geschwisterkirchen kommt.

Eine kleine Gruppe von Priestern und Seminaristen des Collegium Orientale Eichstätt nutzte die Möglichkeit der Weihnachtsferien und reiste mit einer spontan organisierten Wallfahrt und Studienreise nach Konstantinopel, um an diesem besonderen und Geschichte schreibenden Epiphaniefest 2019 teilzunehmen. Sie wurden Zeugen von einer mindestens zweifachen Epiphanie und kamen mit vielen unschätzbaren Eindrücken nach Hause zurück. Denn zum einen ist der Herr Jesus Christus ist erschienen, „der sich um der Menschen willen von Johannes im Jordan taufen ließ“. Zum anderen erlebten sie hautnah – neben vielen anderen persönlichen Erfahrungen – die Geburtsstunde einer neuen orthodoxen Kirche, die in der Welt erschienen ist.

Ein selbstgemachtes Wunder

Der Ort Barhanpur in Indien litt jahrelang unter einer schweren Dürre. Doch das Dorf löste die Situation aus eigener Kraft. Ein Modell, dem viele Kommunen des Subkontinents angesichts des Klimawandels folgen könnten.

Den Tag, als der Regen wieder fiel und das Wasser aus den Pumpen sprudelte, wird Nitin Laxman Kajabe nie vergessen. Es war der Tag, an dem eines der wildesten Feste begann, die man im Dorf Barhanpur je gefeiert hatte. Kajabe schmückte sein Haus mit bunten Lichtern, und seine Mutter bereitete ein Festmahl vor. Seine Freunde tanzten auf den Straßen, und während die Männer und Frauen im Ort satt und müde einschliefen, wurde ihnen bewusst, dass sie am nächsten Tag mit weniger Sorgen aufwachen würden.

Barhanpur: Fast alle leben von der Landwirtschaft

Barhanpur ist ein kleines Dorf im westindischen Bundesstaat Maharashtra. 1.000 Menschen wohnen hier, fast alle leben von der Landwirtschaft. Auf den ersten Blick sieht Barhanpur aus wie eine ganz normale indische Ortschaft: Die reicheren Bauern leben in Hütten aus Stein, die ärmeren in Wellblechhäusern. Auf den ungeteerten Straßen suchen ein paar Ziegen nach Futter. Kehren die Männer abends von den Feldern heim, spielen sie in der roten Abendsonne gerne Karten.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes Barhanpur passen ihre Landwirtschaft an den Klimawandel an und machen sie widerstandsfähiger für Dürreperioden. Foto: Florian Kopp/MISEREOR

Aber: Das unscheinbare Barhanpur könnte zu einem Vorbild für tausende andere Dörfer in Indien werden. Denn wer hierhin kommt, sieht und hört, wie man sich auf dem Land effektiv auf die wohl größte Herausforderung der kommenden Jahrzehnte vorbereiten kann: den Klimawandel. Der Besucher lernt, was eine Dorfgemeinschaft gemeinsam erreichen kann, wenn sie an einem Strang zieht. Wenn ein selbstgemachtes Wunder das Leben eines ganzen Dorfes verändert.

Plötzlich blieb der Regen aus

Um die Geschichte zu erzählen, lädt Kajabe, 23, in sein bescheidenes Häuschen ein. Nur wenig Tageslicht dringt dort hinein, dafür bleibt die sengende Hitze draußen. Es war im Jahr 2013, als der Regen zur Monsunzeit ausblieb. In weiten Teilen Indiens kam es zu einer schweren Dürre, die drei Jahre andauern sollte. Hunderte Menschen starben in der Hitzewelle, aus Verzweiflung nahmen sich allein im Bundesstaat Maharashtra fast 10.000 Bauern das Leben. Die überforderte Regierung schickte Züge mit Wassertanks in die betroffenen Gebiete – doch längst nicht alle Dörfer erhielten ausreichend Unterstützung.

Auch in Barhanpur war die Versorgungslage schlecht. Kam ein Lkw mit einem Wassertank ins Dorf, prügelten sich die Bewohner um einen guten Platz in der Warteschlange. Morgens, noch bevor die Sonne aufging, machten sich die Frauen des Dorfes auf den Weg zur nächsten Quelle.

Doch das bisschen Wasser, das sie Stunden später nach Hause schleppten, reichte längst nicht aus – schon gar nicht für ihre Landwirtschaft. Es war die Zeit, in der Barhanpur nur noch als das „Kein-Wasser-Dorf“ in der Region bekannt war.

Kein Wasser, keine Landwirtschaft, keine Jobs, keine Hochzeit

„Praktisch alle Felder lagen brach”, erinnert sich der Bauer, „wir konnten überhaupt nichts mehr anbauen.” Stattdessen mussten er und die anderen Landwirte sich als Tagelöhner auf Baustellen in den Millionenstädten Pune und Aurangabad durchschlagen. Sie schliefen in aus Lumpen zusammengezimmerten Zelten. Wenn es ihnen zu heiß oder stickig wurde, legten sie sich ins Freie.

Doch noch eine weitere Sorge plagte Kajabes Familie: Seine Eltern fanden einfach keine Ehefrau

für ihren Sohn. Genauso, wie viele andere Familien im Dorf. In Indien wird auch heute noch die Mehrzahl der Ehen arrangiert; einer möglichen Hochzeit gehen zunächst Gespräche der Eltern voraus. Die Kajabes empfingen Familien aus anderen Dörfern mit Tee und Gebäck, doch alle Gespräche scheiterten. „Niemand wollte, dass seine Tochter jeden Tag so viel Wasser von so weit her schleppen muss, wenn im eigenen Dorf zu wenig davon da ist”, sagt Kajabes Mutter, Shama Laxman. Kein Wasser, keine Hochzeit.

Der Klimawandel ist deutlich spürbar in Indien

In Indien ist gut zu beobachten, dass sich wegen des Klimawandels die landwirtschaftlichen Anbauzeiten verändern, Regen häufiger ausbleibt und Perioden mit starker Hitze zunehmen. Eine Studie der Universität Berkeley hat 2017 den Zusammenhang zwischen Klimawandelfolgen und der Selbstmordrate indischer Bauern festgestellt: So soll die Klimaerwärmung in den vergangenen 30 Jahren fast 60.000 verzweifelte indische Bauern in den Suizid getrieben haben.

Die Anpassung an den Klimawandel muss jetzt beginnen. Doch auf Hilfe vom Staat könnten die Bauern in Indien kaum hoffen, sagt der Dorfvorsteher von Barhanpur, Balasaheb Yadav. Spricht man ihn auf die Hilfe durch Behörden an, zeigt er auf den Boden. „Der Weg, auf dem wir gerade stehen, müsste laut staatlichen Beschlüssen und Dokumenten schon zweimal geteert sein”, sagt er. Doch wegen Korruption und Vetternwirtschaft sei es eben immer noch ein unbefestigter Feldweg.

Probleme eigenständig lösen

In der Zeit der Not wuchs daher in Barhanpur die Überzeugung, selbst handeln zu müssen. Dafür nahm Ortsvorsteher Yadav im Herbst 2015 Kontakt mit Sozialarbeitern der Caritas Indien auf, einer Partnerorganisation des Werks für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR. Die Caritas Indien unterstützt im Rahmen des Projekts JEEVAN – People Led Empowerment (PLE) – Dorfgemeinschaften dabei, Probleme möglichst eigenständig zu lösen. „Jeevan” ist Hindi und bedeutet auf Deutsch „Leben“, People-Led Empowerment heißt übersetzt: „Die Bürger ermächtigen sich selbst.”

So brachten Mitarbeiter der Caritas zunächst rund ein Dutzend Dorfbewohner mit dem Bus zu einem Lehrgang in das Dorf Hiware Bazar, das in ganz Indien für sein Wasserspeichersystem bekannt ist. Die Sozialarbeiter stellten zudem Kontakt zu Ingenieuren und Experten her. Gemeinsam entwickelten sie erste Zeichnungen des neuen Barhanpur.

Im Januar 2016 trafen sich die Bauern am kleinen Tempel in der Mitte des Dorfes. Manche der Bewohner hatten Bedenken, doch Yadav hielt – so berichtet er später – die für ihn wichtigste Rede seines Lebens: Er spricht davon, wie wichtig Gemeinschaftssinn ist, dass sie hart werden arbeiten müssen, aber dass letztendlich das ganze Dorf gewinnen werde. Bei der Abstimmung heben 40 Männer die Hand, die mitmachen wollen. „Das hat mir gereicht“, sagt Yadav. „Ich wusste, die anderen würden nachziehen.“

Gemeinsam Anpacken – Frauen wie Männer

Nur wenig später beginnen die Arbeiten: Als die ersten Gräben tatsächlich gezogen sind, schließen sich immer mehr Dorfbewohner an. „Zum Schluss hat das ganze Dorf angepackt”, sagt Yadav. Selbst in der Nacht schufteten die Dorfbewohner. Die Männer schaufelten, die Frauen trugen die Erde in großen Körben auf ihren Köpfen davon und sorgten für Verpflegung.

Um die großen Steine transportieren zu können, legten die Bauern ihre Ersparnisse zusammen und mieteten ein paar größere Maschinen. Die Caritas Indien half dabei, weitere Sponsoren zu finden. Sieben Bauern spendeten außerdem Land für die Anlagen. Ganze 37 Gräben standen nur fünf Monate später bereit, Regenwasser aufzufangen und in die Brunnen der Bauern zu leiten – und das System funktionierte.

Das Wasser brachte viele Veränderungen

Seitdem das Wasser reichlich aus den Pumpen fließt, hat sich viel geändert im Dorf: Während sich Bauern früher mit einer Ernte zufrieden geben mussten, können sie heute zweimal pro Jahr Feldfrüchte einbringen. Selbst Weizen, der besonders viel Wasser verbraucht, wird mittlerweile rund um Barhanpur angebaut.

Und auch privat hat sich für Bauer Kajabe vieles zum Besseren gewendet. Neben ihm sitzt seine Frau Rajeshvari Nitin, auf ihrem Schoß die kleine Ringu Ninge Kisbye, die vor acht Monaten geboren wurde. Die 21-Jährige holt ein dickes Buch hervor – ihr Hochzeitsalbum. Als ihre Eltern gesehen hätten, dass sich im Dorf etwas tut, hätten sie einer Ehe zugestimmt, sagt sie. „Ich bin heute besser mit Wasser versorgt als in meinem alten Dorf.”

Privat schmieden die beiden längst neue Pläne: Rajeshvari Nitin will Lehrerin werden. Abends, wenn das Kind schläft, sitzt sie für einen College-Abschluss über Hindi- und Englischbüchern. Zweimal fährt sie dafür jede Woche zu Kursen in die Großstadt Aurangabad. „Wäre die Wassersituation noch immer so schlecht wie früher, hätte ich diese Möglichkeit nicht“, sagt sie. „Dann wäre ich damit beschäftigt, ständig Wasser zu holen.”

Auch im Dorf hat man sich neue Ziele gesteckt – das sieht, hört und spürt man, wenn man eine der Dorfversammlungen besucht, die nun regelmäßig stattfinden. Sie ist zur festen Institution in Barhanpur geworden. Bürgermeister Yadav erläutert bereits seine neuen Ideen: Eine Kanalisation soll verhindern, dass die Abwässer im Dorf stehen. Zudem soll der Weg zur nahegelegenen Landstraße endlich geteert werden. Dafür will er zwar auch Geld vom Staat beantragen, aber er fordert die Bewohner auf, selbst mit anzupacken. Jeder der anwesenden Männer hebt bei der Abstimmung die Hand.

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Shalompreis würdigt Einsatz für Medienfreiheit in Syrien

Der Shalompreis 2018 geht an das Syrische Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit SCM (Syrian Center for Media and Freedom of Expression). Den Preis entgegennehmen werden Yara Bader (32) und Mazen Darwish (43). Darwish ist renommierter Menschenrechtsanwalt und Journalist. Er gründete 2004 das SCM nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Frankreich. Er wurde bereits damals mehrmals verhaftet. Zu Beginn der Syrienkrise und des friedlichen Aufstandes gegen die Diktatur, im Jahr  2011, inhaftierte, folterte und tötete die Assad-Regierung wahllos Menschen.

Über diese Menschenrechtsverletzungen berichtete der SCM. Im Februar 2012 wurde das Büro der Pressefreiheitsorganisation in Damaskus gestürmt. Darwish und mehrere Mitarbeiter, darunter seine Frau, Yara Bader, verschwanden in Gefängnissen. Einige wurden nach ein paar Tagen freigelassen. Yara Bader nach drei Monaten. Mazen Darwish wurde ohne Anklage dreieinhalb Jahre in verschiedenen Militärgefängnissen und unterirdischen Verliesen des Geheimdienstes festgehalten und gefoltert.

Die studierte Theaterwissenschaftlerin und Journalistin Yara Bader setzte sich aus dem Exil im Libanon, dann von Europa aus, für die Freilassung ihres Mannes sowie zahlreicher weiterer politischer Gefangener ein. Prominente wie der Schriftsteller Salman Rushdie sprachen sich ebenfalls vehement für eine sofortige Freilassung aus.

Mitte 2015 kam Darwish nach einer Amnestie frei, die Anklage „Terrorismus“ wurde nicht fallengelassen. Da Mazen Darwish weiter über die Menschenrechtsverletzungen berichtete, über die Kriegsverbrechen des Regimes genauso wie über die von radikalen Kämpfern, war die Arbeit in Syrien nicht mehr möglich. Yara Bader überzeugte ihren Mann, ins Exil zu gehen. Seit 2015 leben Yara Bader und Mazen Darwish im Exil in Berlin und führen die Arbeit des SCM von dort aus weiter.

Das Syrische Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit setzt sich für ein demokratisches Syrien, in dem die Menschenrechte Geltung haben, ein. Um dies zu erreichen, müssten Täter zur Rechenschaft gezogen werden, wie Yara Bader, Mazen Darwish und die anderen Mitarbeiter des SCM betonen.

SCM arbeitet mit der im Dezember 2016 gegründeten UN-Behörde IIIM (International Impartial and Independent Mechanism) zusammen, der eine prominente französische Richterin vorsitzt, außerdem mit der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission für Syrien. Die Organisation bereitet zukünftige Anklagen vor. SCM dokumentiert und hört Opfer und Zeugen an.

Nach dem Weltrechtsprinzip ist das nationale Strafrecht auch auf Sachverhalte anwendbar, die keinen spezifischen Bezug zum Inland haben und auch wenn weder Täter noch Opfer die Staatsangehörigkeit des betroffenen Staates besitzen. Die Straftat muss sich gegen international geschützte Rechtsgüter richten. Im März 2017 hat der SCM (durch den Anwalt Anwar al-Bunni) eine erste Anklage beim Generalbundesanwalt gegen sechs hochrangige Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes eingereicht. Die deutsche Justiz hat die Arbeit aufgenommen.

Das Syrian Center for Media and Freedom of Expression, das in enger Verbindung mit dem RSM (Reporter sans Frontiers – Reporter ohne Grenzen) steht, setzt sich für die Meinungs- und Medienfreiheit und einen zivilgesellschaftlichen Wandel zu einer Demokratie in Syrien ein. SCM macht Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Syrien öffentlich und bringt sie vor Gerichte. Das SCM setzt sich weiter für inhaftierte Medienschaffende und Schriftsteller/innen ein.

Die Verleihung des Shalompreises findet am 23. Juni 2018 in der Sommerresidenz der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt statt. Am Sonntag, 25. Februar 2018, um 10.45 Uhr findet im Salesianum in Eichstätt der Auftaktgottesdienst statt. Dabei stellt der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden Eichstätt (siehe Foto oben) das Projekt vor. Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Im vergangenen Jahr konnten 30.500 Euro an das Projekt PREDA auf den Philippinen überwiesen werden. Die gesamte Arbeit des AKs ist ehrenamtlich. Mitglieder sind Studierende und Bürgerinnen aus Eichstätt.

Kleine christliche Gemeinschaften in Indien

„Ich glaube, ich falle vom Glauben ab!“ Diese Redensart ist mir in den letzten Tagen im indischen Poona, der Eichstätter Partnerdiözese, mehrfach durch den Kopf gegangen. Seit über 20 Jahren komme ich ca. alle zwei Jahre hier her und jedes Mal bin ich über das Tempo der Veränderungen erstaunt.

Leider sind es keine Veränderungen, die man sofort begrüßen würde, wie die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen, Kindern und Dalits, oder einer saubereren Umwelt. Nein, was mich tief geschockt hat, war das Tempo der Verwestlichung. Beispiel: Es gibt in meinem indischen Lieblingslokal nun einen Biergarten, italienische Holzofenpizza und Espresso. Warum komme ich dann eigentlich noch hier her? Warum kommen 13 hochrangige pastorale Mitarbeiter und Laien hier her? Weil wir etwas lernen können, das uns Hoffnung macht und Mut gibt.

Die Gruppe aus dem Bistum Eichstätt beim Empfang an der Ornella School. Foto: Merwyn Mascarenhas

Es gibt ein Mittel, um nicht vom Glauben abzufallen: SCC

SCC, die Small Christian Communities (kleine christliche Gemeinschaften), sind hier im Bistum und auch andernorts in Indien ein Ansatz, um in den Pfarrgemeinden eine neue Art Kirche-sein zu leben.

Der pastorale Ansatz geht auf bayerische Missionare zurück, die in Afrika versucht haben, die Gemeinden zu stärken, die lange ohne den Besuch eines Priesters auskommen mussten. Kernelemente sind dabei die Bildung von überschaubaren Gemeinschaften, die Ermöglichung echter Partizipation und die Verbindung der Bibellektüre mit einer karitativ-sozialen Aktion.

Das alles kann man auf akademischem Weg studieren oder in der Praxis erfahren. Im Rahmen der seit 1955 bestehenden Verbindung von Eichstätt und Poona haben wir uns für den zweiten Weg entschieden und auf den Weg gemacht, um zu sehen und zu erfahren, wie das in der pfarrlichen Realität einer Millionenstadt geht.

Und wir waren überrascht, wie viele gute Beispiele wir in verschiedenen Pfarreien erleben durften. Sogar eine SCC für Kinder haben wir beim Bibelteilen getroffen. Allerdings ist hier nicht alles so, wie es die reine Lehre vorsah. Doch das finden wir alle gut, schließlich muss jedes Konzept auf den konkreten Kontext hin angepasst werden.

Die Eichstätter Delegation bei einer kleinen christlichen Gemeinschaft in Indien

Die bewegende Musik, Action-Songs und blumenreichen Rituale haben uns gezeigt, dass es in Indien anders zugeht als in Afrika. Und dass auch in unseren Gemeinden vielleicht die eine oder andere Neuerung, z.B. in der Kirchenmusik ausprobiert werden sollte, um jüngere Generationen anzusprechen. Mitmach-Lieder bringen nicht nur die mitgereisten Mitglieder des Domkapitels dazu, auf der Bühne den Dresscode des Tages „Smile“ zu beachten.

Vielen von uns ist ein Rollenspiel von jungen Erwachsenen in Erinnerung geblieben. Darin halfen die Mitglieder der SCC einem anderen Mitglied, einen Arbeitsplatz zu finden. Es erinnert an die ersten Christen, die sich umeinander kümmerten. Diese Zeugnisse der Gemeinschaft sind starke Zeichen in Indien und sicher auch bei uns.

Aber es sind auch ganz grundsätzliche Dinge, die zum SCC-Ansatz dazu gehören. Zum Beipiel geben die Priester viel Verantwortung aus der Hand, sie trauen den Laien viel zu, geben ihnen Gestaltungsraum. Beim Bibelteilen sind sie nicht dabei, die Treffen und sozialen Aktivitäten werden i.d.R. von den mündigen Christen vorbereitet. Partizipation meint nicht nur, mithelfen zu dürfen, sondern auch entscheiden zu können. Auch die Bedeutung von gut vorbereiteten Hausbesuchen durch Laien wurde intensiv diskutiert, weil sie ein guter Weg sein können, um mit SCC´s zu beginnen.  Das sind sicher Herausforderungen für das Selbstverständnis vieler Priester und Theologen bzw. Theologinnen, aber der hiesige Ortsbischof steht voll zu diesem lebensweltorientierten und nicht defizitorientierten Konzept.

Blick auf die Stadt Pune. Foto: Reinhard Förster

Es wird noch ein paar Tage dauern, bis wir wieder in Eichstätt sein werden und bis dahin werden auch noch andere Eindrücke auf uns einwirken. Ich denke da nur an die tollen Umwelt- und Sozialprojekte, die morgen auf dem Programm stehen, oder die Schulen und karitativen Einrichtungen, die wir bereits besucht haben und die auch nachwirken.

Aber eines ist klar, diese Reise lässt mich nicht vom Glauben abfallen, sondern sie bestärkt und inspiriert mich und meine Mitreisenden. Weil wir Hoffnung schöpfen durften, dass es Wege gibt, um das Christentum auch im 21. Jahrhundert zu leben. „We are the church.“

Und davon werden wir gerne überall berichten, wo wir eingeladen werden, oder man unser Angebot annimmt, zu kommen.

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