Archiv der Kategorie: Asien

Renovabis-Aktion 2020: Eine Bildbetrachtung

Die deutschen katholischen Hilfswerke haben entschieden, ein gemeinsames Zeichen der Solidarität zu setzen und dieses Jahr unter ein gemeinsames Thema zu stellen. Dies wurde längst vor dem Ausbruch der Coronakrise geplant. Die Entscheidung und das gewählte Thema „Frieden“ waren richtig und können aus aktueller Sicht als prophetische Handlung gedeutet werden. Denn für die jetzige Situation sind sie mehr als treffend. Es ist anerkennenswert, dass die deutschen Hilfswerke ihre Schwerpunkte in diesem Jahr zum ersten Mal von der Thematik her bündeln: „Frieden“ wurde in die Mitte ihrer Projektarbeit, ihres Gebetes und ihres Nachdenkens gestellt.

Auch Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel­ und Osteuropa, macht sich für diese Idee stark. Das Thema trifft in der Tat den Kern der Nöte und Sorgen der Renovabis-Partner auf dem europäischen und asiatischen Kontinent. Ganz besonders deutlich wird es an dem Land, das Renovabis als Beispielland für die diesjährige Pfingstaktion und damit verbundene Sammlung gewählt hat: die Ukraine. Der Inhalt der Pfingstaktion berührt nicht nur eine der tiefsten Sehnsüchte der Ukrainerinnen und Ukrainer, sondern das Leben eines jeden Menschen, „der den Wunsch nach Frieden, erfülltem Leben und Heil in sich trägt.“ (Patriarch Shevchuk, Grußwort zur Pfingst-Novene).

Auch wenn die Corona-Pandemie die ganze Welt im Griff hält und sie wirtschaftlich und sozial lahm legt, schafft sie es nicht, die Waffen und die Kriegsherde zum Stillschweigen zu bringen. So herrschen in der Ukraine, einem Land direkt vor der Tür der Europäischen Union, ohne Unterbrechung seit Herbst 2014 bis auf den heutigen Tag Kriegszustände mit bereits mehr als 13.000 Toten, Millionen von Binnenflüchtlingen und viel Elend und Not an Seele und Leib. Wenn sich dazu auch noch die Ängste des Corona-Virus gesellen, stehen die Menschen vor echten existenziellen Herausforderungen. Werden sie gefragt, gehen die Antworten alle in eine Richtung: Unser einziger Traum ist, dass der Friede wieder kommt und dieser wieder das Leben bestimmt und ermöglicht.

Der Friede ist eine der Früchte des Heiligen Geistes. Er ist mit dem Heiligen Geist wesensgleich. Der Friede ist von uns Menschen allein nicht machbar. Er kann von uns nicht festgehalten werden, er ist immer auch zerbrechlich und niemals etwas Selbstverständliches. Der Friede muss und darf von Gott erfleht werden. So ist die Pfingstzeit eine gute Gelegenheit, neben unserem konkreten Einsatz für den Frieden immer auch um ihn zu bitten.

Dies kann sehr gut mit Hilfe der diesjährigen Pfingst-Novene von Renovabis gemacht werden, die im Grunde genommen eine lange, auf mehrere Tage verteilte Bitte um die Gaben des Heiligen Geistes ist, besonders um die Gabe des Friedens.

Rückseite der Vorlage zur Renovabis-Pfingstnovene

Ich persönlich finde die Novene sehr ansprechend. Sie ist mir in diesen Tagen zu einer treuen und hilfreichen Begleiterin in meinem Gebetsleben geworden. Doch ist sie nicht nur aufgrund der Texte bereichernd. Auch von der Aufmachung her habe ich an ihr Gefallen gefunden: Das ganze Bildprogramm ist für meine Begriffe genial gewählt und zusammengestellt. Als etwas ganz Besonderes gilt für mich das Foto auf der Rückseite des Novene-Heftchens. Ich fühle mich dadurch angesprochen und bleibe immer wieder mit meinen Augen und in meinen Gedanken daran hängen. Das Foto stammt aus der Ukraine. Dies stellt man schon allein an den gelb-blauen Farben des Fähnchens fest. Es ist ein Schnappschuss in jeder Hinsicht. Ein Vater trägt seinen Sohn auf den Schultern: ein biblisches Motiv, ein Motiv des Vertrauens; ein im Alltag oft anzutreffendes Motiv, ein Motiv, das eigene Kindheitserinnerungen hochkommen lässt. Beide schauen vom Osten nach dem Westen: programmatisch für das Land Ukraine, ein osteuropäisches Land und Partner von Renovabis. Dies ist das Land, das sich nach Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Ordnung nach dem westeuropäischen Vorbild sehnt und dafür seit einigen Jahren kämpfen muss.

Das Gebäude im Hintergrund ist verschwommen: Der Fokus liegt auf den beiden Personen, dem Vater und dem Sohn. Dies steht für einen zentralen Aspekt des Selbstverständnisses von Renovabis als Aktionsgemeinschaft der deutschen Katholiken mit den Mitmenschen im östlichen Teil des gemeinsamen Kontinentes. Die Unterstützung und die Spenden, die Renovabis einwirbt, kommen den Menschen mit ihren unmittelbaren Bedürfnissen direkt zugute. Diese Art von Partnerschaft, wie sie auf dem Foto ausgedrückt wird, steht auch im Mittelpunkt des Renovabis-Hilfswerkes.

Und nun zu einem weiteren Aspekt: Die Augen der beiden sind geöffnet und doch in sich versenkt, es sind betende Augen: Der Sohn scheint vom Vater vieles geerbt zu haben, auch den Blick der Augen mit seiner unübersehbaren Tiefe. Der Vater, bodenständig, reich an Lebenserfahrung, vielleicht ein wenig besorgt, schaut konzentriert vor sich hin, leicht zu Boden geneigt. Er trägt gerne die Last des Kindes auf den Schultern. Er geht beständig und verantwortlich nach vorne, er will, dass die Zukunft des Sohnes gelingt. Der Blick des Sohnes ist für sein Alter fast zu ernsthaft. Doch verrät er eine unheimlich große Weite. Diese ist möglich, da der Vater strapazierfähig und gelassen auf beiden Beinen steht und dem Kind Sicherheit verleiht. Der Sohn kann und darf träumen, sich auf den Vater verlassen und auf dessen Träumen aufbauen: vom Frieden, vom Glück, vom erfüllten Leben, von einer Zukunft ohne Krieg und ohne Angst vor Viren und Krankheiten.

Und ein letztes Element des Fotos. Der Sohn streckt seine Hände, gestützt auf Papas Haupt, nach vorne aus: In den Händen hält er seine Identität der Außenwelt und Gott entgegen. Er ist ein kleiner Ukrainer; die Farben Gelb und Blau, nicht nur im flatternden Nationalfähnchen, sondern auch als Farbe der Blumen, sagen das aus. Er träumt von Frieden, der nicht nur von seiner Bereitschaft dazu abhängt. Frieden braucht diese Bereitschaft von vielen Seiten, von allen Seiten, damit er stabil eintreten kann.

Frieden wird begründet nur dann, wenn alle Väter und Söhne, alle Mütter und Töchter dazu bereit sind, wenn alle nicht nur bei sich, bei ihren Identitäten, Egoismen und Meinungen bleiben. Alle sollen dafür aus sich heraustreten und bereit sein, die Hände voller Blumen der Vergebung, der Nachsicht und des Entgegenkommens, aber auch der konkreten stützenden und helfenden Handlungen sich gegenseitig entgegenzustrecken. Nur dann wird eine Grundlage für den Frieden gebildet werden können. Nur dann können wir zu den seligen – glücklichen – Friedenstiftern werden, wie dies das Logo der diesjährigen Pfingst-Novene festhält, indem es das Schriftwort aufgreifend: „Selig, die Frieden stiften“ (Mt 5,9). Nur dann kann der Heilige Geist das menschliche Gemeinschaftswerk des Friedens mit seiner Gnade überschatten und es vollenden.

Ein Foto, ein Bild aus dem Leben, voller Realsymbole für das Leben, für das friedliche Zusammenleben.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich lade Sie herzlich ein, sich der diesjährigen Renovabis-Aktion in Gebet und unterstützendem Spendenwerk anzuschließen! DANKE!

Corona-Hilfsaktion der Diözese Poona

Mit 7,1 Millionen Einwohnern ist die Stadt Pune (Poona) im westindischen Bundesstaat Maharashtra dicht besiedelt. Viele der Bewohner sind Wanderarbeiter und Tagelöhner. Die Ausgangssperre wegen des Coronavirus und die Abriegelung von großen Teilen der Stadt mit vielen Infizierten haben die armen Menschen noch schlimmer getroffen, da sie ihre Einkommensquelle vollständig verloren haben. Wegen der Ausgangssperre können sie nicht in ihre Dörfer zurückkehren. Tausende gehen hungrig zu Bett und haben nichts zum Überleben.

Tagelöhner, die aus ärmeren Bundesstaaten Indiens wie Uttar Pradesh, Madhya Pradesh, Bihar, Jharkhand, Chhattisgarh, North-East usw. kommen, haben keine Arbeit, kein Geld, kein Essen, keine Familie oder Verwandte. Es sind hauptsächlich Männer, die in dem erbärmlichen Zustand leben müssen, sich mit 10 bis 12 Menschen ein kleines Zimmer oder eine Hütte zu teilen.

Auf der anderen Seite leben ärmere und ungebildete Frauen in Slums, die hauptsächlich in den nahe gelegenen Wohnungen arbeiten, Hausarbeiten erledigen, Gefäße waschen, fegen, Häuser putzen. Wegen der Bedrohung durch dieses tödliche Virus möchten keine Wohnungseigentümer, dass diese Frauen ihre Häuser betreten. Somit sind sie arbeitslos und ohne Einkommen.

Die Diözese Poona setzte sich zunächst für die katholischen Gemeindemitglieder ein, indem sie die armen Familien mit Nahrungsmitteln versorgte, die für etwas 8 bis 10 Tage ausreichen. Aber dann stellten wir fest, dass da tausende Menschen anderer Glaubensrichtungen um uns herum sind, die ebenfalls damit zu kämpfen haben, eine anständige Mahlzeit am Tag zu bekommen. Deshalb versorgten wir in den vergangenen 22 Tagen arme Familien mit Getreidepaketen in verschiedenen Teilen der Stadt Pune.

Das gesamte Projekt der Corona-Hilfsaktion der Diözese wird mit dem Büro des Distrikts Pune Tahsildar und den örtlichen Polizeistationen koordiniert. Unter Einhaltung des Gesetzes zum Mindestabstand verteilen wir Lebensmittelpakete systematisch und diszipliniert. Entweder informiert uns die Polizei über den Bedarf an Getreide in den umliegenden Slums oder wir bitten die Polizei anwesend zu sein, um uns zu helfen, die Pakete friedlich zu verteilen.

Das gesamte Projekt der Corona-Hilfsaktion der Diözese wird mit dem Büro des Distrikts Pune Tahsildar und den örtlichen Polizeistationen koordiniert. Unter Einhaltung des Gesetzes zum Mindestabstand verteilen wir Lebensmittelpakete systematisch und diszipliniert. Entweder informiert uns die Polizei über den Bedarf an Getreide in den umliegenden Slums oder wir bitten die Polizei anwesend zu sein, um uns zu helfen, die Pakete friedlich zu verteilen. Zunächst erstellen wir eine Liste von Familien, die kein Essen zuhause haben. Wir fahren mit einem kleinen Lastwagen mit Lebensmittelpaketen in den Slum und bitten einen Vertreter jeder Familie, das Paket abzuholen oder wenn möglich, liefern wir es vor die Haustür ab. Leider haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, als Familien, die kein Essen haben, in sehr großer Anzahl kamen und mit Nachdruck Getreide verlangten, was zu Chaos und Bestürzung führt.

Bischof Thomas Dabre und Fr. Dr. V. Louis, der Direktor für Sozialarbeit der Diözese, haben diese Hilfsarbeit aufgrund der Corona-Situation, die mehr als 2000 armen Familien in der Stadt Pune geholfen hat, sehr unterstützt. Jeder Pfarrer hat aktiv die Initiative ergriffen, um seinen armen Gemeindemitglieder zu helfen. Die Ursulinenschwestern, Fatima-Schwestern und viele andere Ordensfrauen haben in vielerlei Hinsicht geholfen. Viele Organisationen der Sozialarbeit wie die Poona Diocesan Social Service Society, Chetna und Maher sind an der Versorgung der Hungrigen mit Nahrungsmitteln beteiligt. Fr. Roque Green arbeitet mit einer hinduistischen Organisation zusammen, um Menschen in Not zu erreichen.

Generalvikar Malcom Sequeira verteilt Lebensmitteln in einem Slum in Poona. Foto: Mainly Jackson

Ich verteile jeden Tag Getreidepakete an Familien in verschiedenen Slums von Pune. Ich versuche, täglich etwa 100 bis 130 Familien zu erreichen. Ich weiß, dass es ein großes Risiko ist, in Gebiete zu gehen, in denen es bestätigte Fälle von Coronavirus gibt, aber Gott führt mich ohne Angst. Obwohl ich alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen treffe, Maske und Handschuhe trage und Desinfektionsmittel verwende, bin ich oft mitten in der Menge, da Menschen, die hungrig sind, sich am wenigsten um Abstand kümmern. Jeden Tag mit Menschen konfrontiert zu sein, denen Hunger, Leiden und Sorgen im Gesicht abzulesen sind, ist eine sehr schmerzvolle und verstörende Erfahrung meines priesterlichen Dienstes, die mich ständig verfolgt. Was ist der wahre Sinn des menschlichen Lebens, was ist der Wert des Menschen? Wie schrecklich ist die Gefahr des Todes? Wie kann man Gott in dieser verängstigenden Situation des Coronavirus präsent und greifbar machen? Das sind einige der Fragen, die ich mir stelle und die mich zu tieferem Vertrauen und einer größeren Beziehung zu Gott bringen.

Wir sind Bischof Gregor Maria Hanke und seinem Generalvikar sowie allen Wohltätern aus der Diözese Eichstätt wirklich dankbar, die uns bei unserer Mission geholfen haben, viele arme und hungrige Menschen in Pune zu helfen. Dr. Gerhard Rott ist wie ein Engel, der uns immer zu Hilfe kommt. Wir machen mit der Aufgabe weiter, die etwa 2500 im Herzen der Stadt lebenden SexarbeiterInnen (Prostituierten) zu erreichen, die dringend Lebensmittel benötigen. Der von der Diözese Eichstätt gesendete Betrag von 10.000 Euro wird uns bei dieser Aufgabe ungemein helfen.

Lasst uns gemeinsam kämpfen, um diese schwere Pandemie des Coronavirus einzudämmen und zu beseitigen.

Mehr zum Thema:
Bistum Eichstätt unterstützt Auslandsprojekte im Zusammenhang mit der Coronapandemie

Partnerschaft der Diözese Eichstätt mit dem indischen Bistum Poona

Die Grabeskirche in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Grabeskirche im Heiligen Land ist seit 25. März für Pilger geschlossen, das Klosterleben geht aber weiter. Ein Situationsbericht über das Leben der Franziskaner an der Grabeskirche zu Zeiten von Covid-19 .

„Die Gemeinschaft der Franziskaner in der Grabeskirche besteht aus 11 Brüdern“, sagt Bruder Salvador Rosas Flores, der Guardian (Hausleiter) des Konvents der Franziskaner in der Grabeskirche. „Obwohl keine Pilger mehr da sind, halten wir unseren Rhythmus des Gebets und der Brüderlichkeit aufrecht. Unser Gebetsanliegen in dieser Zeit ist die Bitte an unseren Herrn Jesus Christus, uns in dieser schwierigen Situation beizustehen, mit der die ganze Welt konfrontiert ist, und sich um uns zu sorgen.“

Selbst in dieser besonderen Zeit halten sich die Franziskaner und die anderen anwesenden christlichen Gemeinschaften in der Grabeskirche weiterhin an die Regeln des Status Quo und feiern ihre Liturgien im Grab, auf Golgatha und an allen anderen heiligen Orten in der Grabeskirche. „Unter uns, den Franziskanern, gibt es sieben Priester, und jeder von uns feiert täglich mindestens eine Messe, insgesamt also sieben Messen am Tag, die normalerweise von Pilgergruppen gefeiert werden: eine feierliche Messe vor der Ädikula, vier im Grab und zwei auf Golgatha.“ Obwohl sie nur wenige sind, treffen sich die Franziskaner weiterhin, um den täglichen Rhythmus des Gebets zu beizubehalten, einschließlich der Vesper, der täglichen Prozession und des Nachtoffiziums.

Gebet in der Grabeskirche. Foto: Custodia di Terra Santa

Die Anliegen während der Gebetszeiten sind vielfältig. „Zum einen diejenigen, die uns von Pilgern und Wohltätern anvertraut wurden,“ fährt Bruder Salvador fort „und zum anderen ist es in dieser außergewöhnlichen Zeit unser Hauptanliegen, für alle Länder der Welt zu beten, die unter dem Coronavirus leiden.“ Ein einziges Anliegen, das aber viele Nuancen enthält: Der Hauptgedanke ist die Eindämmung der Ausbreitung des Virus, aber wir beten auch für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, die Patienten und die Regierungen, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, ohne die wirtschaftlichen Probleme und die Schwierigkeiten der Arbeiter und ihrer Familien zu vergessen.

Die Unsicherheit der globalen Situation erzeugt auch unterschiedliche Gefühle in der Gemeinschaft, aber unser unerschütterliches Vertrauen in den Herrn ist unser Fundament. „Wir sind immer aufmerksam hinsichtlich aller aktuellen Probleme“, sagt Bruder Salvador, „aber für Covid-19 sind wir es noch mehr. Dafür gibt es zwei Gründe: Wir leben in einer Region, in der immer mehr Menschen krank werden, und vor allem kommen wir aus verschiedenen Teilen der Welt: Europa, dem Nahen Osten, Nordamerika und Lateinamerika, wo die Infektionen immer mehr zunehmen und die Probleme größer werden.“

Technik und soziale Medien sind auch grundlegende Werkzeuge für die Franziskaner in der Grabeskirche. Dank ihnen können sie die Beziehungen und Kontakte zum Ausland am Leben erhalten: zu den verschiedenen Franziskanerprovinzen, ihren Herkunftsländern und ihren Familien. „Wir kennen die Bedingungen aller und versuchen sicherzustellen, dass es niemandem an Unterstützung und Ermutigung fehlt. Vor allem versuchen wir, unsere Freunde über Verhaltensweisen zu informieren, von denen wir wissen, dass sie anderswo erfolgreich waren und die wir natürlich auch befolgen. Der Herr wird uns helfen.“

Update, am 25. März wurde die Grabeskirche für Pilger geschlossen

Nach der Entwicklung der Lage im Heiligen Land geben die Brüder der Grabeskirche bekannt, dass die Liturgien der drei Gemeinschaften (die Griechisch-Orthodoxen, die Lateiner und die Armenier) regulär weitergeführt werden. Aus Sicherheitsgründen und um das Risiko der Verbreitung der COVID-19-Infektion zu vermeiden, wird die Anzahl der Teilnehmer an den Feierlichkeiten auf nur wenige Personen begrenzt und die Basilika ist nur während der Liturgien zugänglich.

Wir möchten versichern, dass die Gebete der drei Gemeinschaften in der Grabeskirche fortgesetzt und intensiviert werden. Wir beten für das Ende der Pandemie, für die Genesung der Kranken, für den Schutz des medizinischen Personals, für die Weisheit der Politiker. Wir beten für das ewige Heil derjenigen, die ihr Leben verloren haben.

Gebet des Kustos des Heiligen Landes in Corona-Krisen-Zeiten

Heiliger Antonius, wir haben uns in dieser Zeit um dich versammelt, in der die Virusinfektion die ganze Welt befällt, die Länder, aus denen wir kommen und in denen wir dienen. Wir danken dir demütig, dass du uns schützt, zusammen mit unserem seraphischen Vater, dem Heiligen Franziskus, und der Kustodie und ihren Mitgliedern immer Gutes getan hast.

Prozession um das Heilige Grab. In normalen Zeiten versammeln sich sonst hunderte von Pilgern am Grab Christi. In der Zeit von Covid-19 sind es aber nur mehr die Brüder des Konventes, die stellvertretend für die Pilger beten und singen. Bild von Custodia di Terra Santa.
Prozession um das Heilige Grab: In normalen Zeiten versammeln sich hunderte von Pilgern am Grab Christi. In der Zeit von Covid-19 sind es aber nur noch die Brüder des Konventes, die stellvertretend für die Pilger beten und singen. Foto: Custodia di Terra Santa.

Heiliger Antonius, die Kustodie des Heiligen Landes ist dir und unserem seraphischen Vater zu Dank verpflichtet, für das Gute, das du im Laufe der Jahrhunderte zu unseren Gunsten getan hast, sowohl für unsere geistige Gesundheit als auch für die Erhaltung der Orte unserer Erlösung. Für all dies danken wir Gott und dir, die ihr euch für uns einsetzt.

Unser lieber Patron, überschütte uns weiterhin mit dem Segen, den du aus dem Herzen des Jesuskindes ziehst, das du liebevoll in deinen Armen hältst. Gib uns durch ihn die Gnade, dass wir, die wir uns der besonderen Ehre bewusst sind, als Hüter der Geburtsstelle und des Grabes Jesu ausgewählt worden zu sein, uns weiterhin bemühen werden, unserer Berufung in würdiger Weise zu entsprechen.

Heiliger Antonius, mit aller Dankbarkeit unseres Herzens vertrauen wir uns dir noch einmal an: Das haben unsere Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte getan; dies ist, was der Heilige Vater von uns gewollt hat, als er dich als Schutzpatron der Kustodie des Heiligen Landes ausgewählt hat.

(Übersetzung des Blogbeitrags: Br. Dr. Johannes Roth OFM, Vize-Kommissar des Heiligen Landes)

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Palmsonntagskollekte für das Heilige Land per Überweisung statt in den Klingelbeutel

Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling

Haben diese vier Tage in Jordanien wirklich genügt, um ein umfassendes Bild von der Lage der Flüchtlinge in Jordanien zu bekommen?

Nein definitiv nicht, schließlich gibt es nicht den typischen Flüchtling und die allgemeine Lage. Aber dennoch kann man ein paar grundlegende Feststellungen treffen, einiges konnten wir, meine Kolleginnen und Kollegen aus vier bayerischen Bistümern, in der Zeit lernen.

Wichtigste Voraussetzung für diesen Lernprozess war die gute Vorbereitung der Reise durch die Caritas Jordanien. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit 1967 in Jordanien tätig, sie werden dabei tatkräftig von Caritas international mit Sitz in Freiburg unterstützt. Caritas international hat die weltkirchlichen Fachstellen der bayerischen Bistümer deshalb eingeladen, ihre Fachleute bei einer Reise zu begleiten, damit wir in Deutschland kompetent über die globale Dimension von Flucht und Migration Auskunft geben können, als Teil unseres Auftrags, durch das „Globale Lernen“ weltweite Zusammenhänge unseren Bürgerinnen und Bürgern zu erschließen. Ich bin sehr froh, dass mit mir auch Frau Dr. Cordula Klenk mitgekommen ist, sie ist die Flüchtlingsreferentin des Malteser Hilfsdienstes im Bistum Eichstätt.

Und dann sitzt man in Zarqa, einer Stadt im Großraum von Amman, auf dem Fußboden. Ein dünner Teppich schützt vor der relativen Kälte von gefühlten sechs bis acht Grad, die in diesen Tagen in Jordanien herrscht. Die Wände sind nicht isoliert, eine Heizung gibt es nicht. Mir sitzt ein Mann von ungefähr 35 Jahren gegenüber, seine Tochter sitzt an seiner Seite. Die Ehefrau und drei weitere Kinder bekommen wir nicht zusehen. Er erzählt von seinem Dorf zwischen Damaskus und Aleppo, dort lebte er mit seinen Eltern, Geschwistern und seiner Frau, bis eines Tages im Jahr 2012 ein Angriff aus der Luft sein Haus zerstörte. Von einem politischen Engagement erzählt er nichts. Er war Lehrer an einer weiterführenden Schule für arabische Literatur. Man merkt seine Liebe zur Literatur, er hat seinen Beruf geliebt. Ich würde ihn als einen introvertierten intellektuellen Feingeist beschreiben. Hier in Jordanien darf er aber leider nur als Tagelöhner am Bau arbeiten, darum geht er täglich an eine Kreuzung und dort werden dann kurzfristig Arbeitskräfte für einen Tag angeheuert. Planen lässt sich mit so einem unsichererem Einkommen nicht. Sicherlich ist das nicht einfach, wenn die Rolle des Mannes als Versorger der Familie so karikiert wird. Ich frage ihn ganz direkt, wann er das letzte Mal ein Buch lesen konnte. Er sagt, dass er seit sieben Jahren keine arabische Literatur mehr lesen konnte. Mir schießt der Spruch in den Kopf, dass der Mensch nicht nur vom Brot alleine lebt. Was kann man da tun, wie kann man helfen?

Schnell versuche ich mich an die statistischen Zahlen zu erinnern, die wir am Morgen bei der Caritas erfahren hatten: über 650.000 Syrer sind als Flüchtlinge hier registriert. Über 80 Prozent dieser Flüchtlinge leben aber nicht in den aus den Medien bekannten Flüchtlingslagern, sondern sie sind über das gesamte Land und besonders über den Ballungsraum Amman verstreut vereinzelt untergebracht. Die jordanische Statistikbehörde geht von insgesamt 1,3 Millionen Syrern und von rund 300.000, davon knapp 68.000 registrierten, Irakern in Jordanien aus.

Die Caritas Jordanien hat 12 Beratungsstellen für syrische Flüchtlinge eingerichtet, es gibt u.a. Bildungsprogramme, Nachmittagsunterricht, Anti-Mobbing Kurse für Mütter und Kinder und ein “cash program”. Einige dieser Einrichtungen in Zarqa, Amman und Salt konnten wir auch selbst besuchen. Echt klasse, wie gut die Kirche oder genauer die Caritas hier hilft. Für das nächste Jahr haben wir einen Info-Abend zum Thema in Eichstätt schon vereinbart.

Aber wir erfahren noch von ganz anderen Schicksalen: Besonders die Flüchtlinge aus dem Irak sind rechtlich und wirtschaftlich wesentlich schlechter gestellt als die Syrer. Und sie haben auch alle Hoffnung aufgegeben, jemals wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Fast genauso dramatisch ist die Lage der Migranten aus Ägypten.

Und noch eines durften wir lernen: die jordanische Gesellschaft hat es geschafft, die vielen Flüchtlinge und Arbeitsmigranten aus insgesamt 57 (!) Ländern so in die Gesellschaft zu integrieren, dass ein friedliches Zusammenleben ohne Angst vor Überfremdung gelingt. Das ist eine ganz besondere Leistung, schließlich macht die Zahl der Zugewanderten – einschließlich der vielen Palästinenser, die in Jordanien Zuflucht fanden – etwa die Hälfte der Einwohnerzahl des Landes aus. Kann man bei den vergleichsweise niedrigeren Zahlen in Deutschland und Europa sagen, unser Boot ist voll?

Zurück nach Zarqa: Am gleichen Abend kann ich am Rande eines Gespräches mit dem apostolischen Administrator des lateinischen Patriachats von Jerusalem, Erzbischof Pizzaballa, und dem Patriarchalvikar des Lateinischen Patriarchates von Jerusalem für Jordanien, Weihbischof Shomali, anregen, dass sich die Caritas um die Einrichtung einer kleinen Bibliothek bemühen wird, damit auch die geistige Dimension der Flüchtlinge nicht ganz vergessen wird. Ein kleiner Beitrag – vielleicht?

Liegt Plankstetten wirklich in Indien?

Natürlich liegt das manchmal als „grünes Kloster“ bezeichnete Benediktinerkloster Plankstetten nicht in Indien, schon gar nicht im bergigen Nordosten Indiens. Aber in der vergangenen Woche hat der Missionsfranziskaner Bruder Collinsius Wanniang bei seiner Tour durch das Bistum Eichstätt, die er im Rahmen der von missio-München und dem Referat Weltkirche organisierten Kampagne zum außerordentlichen Monat der Weltmission machte, diesen Vergleich oft gehört.

Faktisch sind das natürlich zwei komplett unterschiedliche Welten. Die Heimat von Bruder Collin, wie er dort genannt wird, ist eher von der Präsenz protestantischer Christen geprägt als von Hindus. Das mit Hilfe des päpstlichen Missionswerkes missio gebaute Ökospiritualitätszentrum in Orlang Hada ist erst fünf Jahre alt, also kein Vergleich zum altehrwürdigen Plankstetten, das in der katholischen Oberpfalz liegt.

Dennoch gibt es da etwas, was beide Orte verbindet. Es ist die klare Ausrichtung an der Sorge um das gemeinsame Haus, die Bewahrung der göttlichen Schöpfung, die die Benediktiner hier und die Franziskaner dort verbindet. Bei einem Vortrag in Plankstetten hat Br. Collin dies auch klar herausgearbeitet. Bereits am Nachmittag hatte er zusammen mit Bruder Richard den Staudenhof besichtigt und dabei viel gelernt. Die Vitalität des Bodens zu fördern, so erklärte es Bruder Richard, ist die Ausgangsüberlegung. Aufmerksam hörte sein indischer Gesprächspartner zu, die Systematik, mit der hier gearbeitet wird, war für ihn nämlich Neuland.

Von links nach rechts: Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referates Weltkirche der Diözese Eichstät, Frater Richard Schmidt, Bruder Collinsius Wanniang aus Indien, Abt Beda Maria Sonnenberg und missio-Übersetzerin Maria John im Kloster Plankstetten. Foto: Gabi Gess/KiZ
Von links nach rechts: Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referates Weltkirche der Diözese Eichstät, Frater Richard Schmidt, Bruder Collinsius Wanniang aus Indien, Abt Beda Maria Sonnenberg und missio-Übersetzerin Maria John im Kloster Plankstetten. Foto: Gabi Gess/KiZ

Aber mit Stolz erzählte er von den Fortschritten, welche die Franziskaner im Nordosten Indiens bei der Generierung eines Bewusstseins für die Zusammenhänge in den natürlichen Kreisläufen machen. Erster Schritt sind die Gebete in der Natur, extra wurde dafür ein Kreuz aufgestellt.

Dabei musste ich an das Holzkreuz auf dem Hüttenlagerplatz Almosmühle denken, der zum Jugendhaus Schloss Pfünz gehört. In den Sommermonaten werden dort viele Morgenimpulse, Andachten und Lagergottesdienste gefeiert. Für viele Kinder ist es die erste liturgische Feier in ihrem Leben, die sie nicht in einer Kirche erleben. Dabei gibt es deutliche Parallelen zur Arbeit der Missionare in Indien. Die Unmittelbarkeit der Natur führt zu einem Gefühl der Verbundenheit mit ihr, der Verantwortung für sie. Liegt also nun Orlang Hada im Altmühltal?

Natürlich habe ich Bruder Collin den Lagerplatz gezeigt und obwohl es schon Dunkel wurde hat er ein paar Fotos gemacht. Derartige Zelt- oder Hüttenlager gibt es in seinem Ökospiritualitätszentrum zwar (noch) nicht, aber auch dort hat man die Kinder als wichtige Multiplikatoren erkannt. Darum soll durch den Bau einer Schule sichergestellt werden, dass die nächste Generation schon von Kindesbeinen an lernt, sorgsam mit der Umwelt umzugehen.
Es war für mich wirklich spannend zu beobachten, wie man eigentlich immer eine Art funktionales Äquivalent bei einem Projekt findet, das so weit weg durchgeführt wird, in einem völlig anderen kulturellen Kontext. Es geht also nicht darum, voneinander gedankenlos abzuschreiben, sondern voneinander zu lernen, warum welche Dinge wie gemacht werden. Darum wird es nie eine Kopie Plankstettens in Indien geben müssen, aber es gibt auch dort Menschen, die sich für eine geistige Begründung der Ökologie bemühen. Schließlich benötigt die Menschheit für die Überwindung der gegenwärtigen Krise nicht nur klare wissenschaftliche Erkenntnisse. Leider stoßen nämlich die Argumente der Wissenschaftler oft nicht auf die nötige Resonanz, solange Gier, Gleichgültigkeit und Egoismus die Hauptantriebsfedern der Menschheit sind. Unumwunden geben die Naturwissenschaftler auch zu, dass sie nicht wissen, wie sie diesen kulturellen und spirituellen Wandel erwirken können.

Vielleicht geht dieser Wandel ja von Zentren wie dem Kloster in Plankstetten, dem Hüttenlagerplatz Almosmühle oder dem Ökospiritualitätszentrum in Orlang Hada aus. Der Boden wäre jedenfalls bereitet und die Saat ist gesät.

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