40 Jahre AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden – Shalompreisverleihung 2021

Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Er wird von Studierenden und drei Eichstätter Bürgerinnen getragen. Margarete Müller, das älteste Mitglied (Jahrgang 1933) ist seit 1985 dabei. Sie kam zum AK Shalom, weil eine ihrer Töchter sie bat, sie rechtzeitig zum nächtlichen Friedensgebet in der Schutzengelkirche zu wecken. Die Mutter entschied, auch dorthin zu gehen. Am nächsten Morgen sagte sie zu ihren Kindern, sie habe sich gewundert, dass keine Bürger aus Eichstätt da waren, auch kein Geistlicher. Die Kinder rieten ihr, doch einen Leserbrief zu schreiben. Ganz gegen ihre Gewohnheit schrieb sie diesen, der mit der Überschrift ‚Frieden nicht gefragt?‘ im Eichstätter Kurier veröffentlicht wurde. Von da an wurden AK-Mitglieder auf sie aufmerksam und sie engagiert sich bis heute. Jahre lang waren die Gäste aus aller Welt bei Müllers untergebracht. Die sogenannten Shalom-Tücher, aus Wollresten gestrickte Dreieckstücher, die gegen eine Spende verkauft werden, sind für die 88-Jährige heute ein Beitrag, den sie mit Freude leistet.

Gegründet wurde der AK von Studenten der Theologie. Sie waren vor allem von der Theologie der Befreiung und der Umsetzung christlicher Ideale inspiriert. Das Wort Shalom bedeutet im Hebräischen mehr als Frieden. Es bedeutet Frieden, der nur in Gerechtigkeit möglich ist.

Als der AK Shalom sein 25-jähriges Jubiläum feierte, war ein Team des Bayerischen Rundfunks vor Ort. Ein Redakteur sagte nach dem Drehen, wie ungewöhnlich es sei, dass eine Gruppe so lange bestehe und immer wieder wechselnde, neue Mitglieder zähle. Inzwischen sind auch wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, die als Studentinnen zum AK Shalom kamen, dabei. Es gibt keine Vorsitzenden, keinen Kassenwart etc. Jedes Mitglied des AKs macht die Arbeit, die ihr oder ihm liegt. Welches Projekt ausgewählt wird, wird demokratisch entschieden.

Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Neben den drei großen institutionellen Spendern – Bistum Eichstätt, Oswald-Stiftung und Rotary Club Eichstätt – setzt sich das Preisgeld aus vielen kleineren und größeren Spenden von Privatpersonen zusammen. Alle Kosten, wie Flüge, Flyer, Unterbringung der Gäste, bezahlen die Mitglieder aus ihrer eigenen Tasche. Den Mitgliedern ist der Kontakt zu den Preisträgerinnen und Preisträgern sehr wichtig. Sie berichten weiter über ihre Projekte. Auch private Kontakte entstanden dabei.

Wie gefährdet viele der Preisträgerinnen und Preisträger waren und sind, zeigen zwei Beispiele: Pfarrer Ngyuen Van Ly aus Vietnam, erhielt den Preis 2004 in Abwesenheit. Die Shalom-Gruppe stellte bei der Preisverleihung einen leeren Stuhl auf, weil er von der vietnamesischen Regierung in einem Arbeitslager interniert worden war. Die Preisträgerin von 2012, Berta Cáceres, wurde 2016 wegen ihres Einsatzes für die indigenen Völker in Honduras ermordet.

Margit Stein, ehemaliges AK-Mitglied und Unterstützerin, die heute Professorin für Pädagogik in Vechta ist, berichtet zum Beispiel, dass sie noch immer Kontakt zum Projekt von Yanette Bautista in Kolumbien hat, das 1998 den Shalompreis erhielt. Mit dem Preisgeld begann ein Projekt, das sich für Angehörige von Vermissten und Verschleppten einsetzt und Menschenrechtsarbeit in Kolumbien fördert.

Als Studentin war ich in den Jahren 1988 bis 1989 Mitglied. Der Preisträger des Jahres 1989 war der CIMI (der Indigene Missionsrat in Brasilien). Stellvertretend für den CIMI nahm der renommierte Theologe Paulo Suess den Preis 1989 entgegen. Ihn traf ich im März 2016 bei einer Tagung im Priesterseminar in Eichstätt wieder. Viele Jahre hatte er sich zusammen mit Bischof Erwin Kräutler für den Erhalt des natürlichen Flussverlaufs des Xingu und gegen das zerstörerische Staudammprojekt eingesetzt. Wenige Tage vor der Tagung Anfang März 2016 wurde die Shalompreisträgerin Berta Cáceres Flores in Honduras ermordet. Es war ein angekündigter Mord. Die bekannte Umweltaktivistin und Leiterin des COPINH (Ziviler Rat Indigener Völker in Honduras) war den Bauherren eines Staudammprojektes im Wege. Paulo Suess kannte die Aktivistin Berta Cáceres und war ebenso geschockt wie wir.

Die Preisträgerin vom Projekt PCFF (Parents Circle Families Forum) aus Israel, Robi Damelin, schreibt uns regelmäßig zur Situation im Land und in der Welt. Es ist ein beeindruckendes Projekt der Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern.

Auch Therese Mema aus dem Kongo meldet sich immer wieder. Der AK Shalom startete zum Beispiel nach einem verheerenden Erdbeben dort eine Spendensammelaktion. Ein Jahr nach der Preisverleihung (2015) traf ich Therese Mema bei einer Filmpremiere mit der Filmemacherin Claudia Schmid wieder. In dem Dokumentarfilm „Voices of Violence“ werden unter anderem Therese Mema und ihre Arbeit mit traumatisierten Menschen im Kongo porträtiert. Den Zusammenhang zwischen den dort ausgebeuteten Rohstoffquellen (z. B. Coltan) für elektronische Geräte hierzulande und dem andauernden Krieg in der Republik Kongo verdeutlicht die Sozialarbeiterin und in Friedensforschung ausgebildete Therese Mema immer wieder.

Padre Paulo Joanil da Silva aus Brasilien, der den Preis 2013 für die Landpastoral (CPT) entgegennahm, schreibt uns ebenfalls. Er arbeitet inzwischen an der Grenze zu Surinam mit Indigenen und berichtet von der verheerenden Lage, in der sich Brasilien durch den rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro befindet.

Ebenfalls intensiven Kontakt haben wir weiterhin zu Shay Cullen auf den Philippinen (Shalompreis 2017). Er schreibt regelmäßig zur Lage im Land und der Arbeit mit den Kindern, die sexualisierte Gewalt erfuhren, in Gefängnissen saßen, weil sie auf der Straße leben mussten. Das Projekt PREDA, bei dem Bauern für ihre fair und ökologisch produzierte Mangos angemessene Preise erhalten, ist inzwischen europaweit bekannt. Die Produkte können in allen Fair-Trade-Läden erstanden werden.

Die Preisträger des Jahre 2018, der Menschenrechtsanwalt und Journalist Mazen Darwish und seine Frau, die Journalistin Yara Bader, die in Syrien inhaftiert und gefoltert wurden, schrieben Rechtsgeschichte. Durch das Weltrechtsstaatsprinzip können Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch außerhalb des Landes, in dem sie geschahen, verfolgt werden. Folterer des Assad-Regimes standen und stehen so zum Beispiel in Koblenz unter Anklage. Der Generalbundesanwalt hat Anklage erhoben. Bei der Beweisführung war Mazen Darwish federführend. Prozesse in Frankreich werden vorbereitet. Ein Mitglied des AKs hat Yara Bader und Mazen Darwish in Paris, wo sie inzwischen leben, besucht.

Der AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden 2021

Die Zeit der Pandemie war auch für den AK Shalom nicht einfach. Wir trafen uns nur virtuell über Zoom-Konferenzen. Zugleich bot dieses Format die Möglichkeit, mit Mitgliedern in Kontakt zu treten, die in anderen Ländern leben, aber weiterhin aktiv mitarbeiten. So betreut zum Beispiel ein Mitglied, der inzwischen bei der OSZE in Warschau arbeitet, unsere Homepage. Eine Studentin, die eines der diesjährigen Projekte aus Tansania verschlug und in Eichstätt Internationale Beziehungen studierte, lebt jetzt wieder in Russland. Das sind nur einige Beispiele. Andere Studierende sind aus München, Berlin oder Lille zugeschaltet.

Im Jubiläumsjahr entschieden wir uns, zwei Projekte aus Tansania auszuzeichnen.

Inklusives Schulprojekt in Nyashishi/Tansania – Sister Dr. Felista Tangi

Shalompreisträgerin 2021 Dr. Felista Tangi mit Schülerinnen und Schülern

Als Reaktion auf die erschreckend hohen Raten an Schülerinnen und Schülern, die Körperstrafen sowie Gewalt im Schulkontext durch Lehrkräfte und Mitschülerinnen und Mitschülern ausgesetzt sind, gründete Schwester Felista Tangi zusammen mit Mitschwestern vom Orden der Teresina Sisters eine gewaltfreie und inklusiv arbeitende Secondary School in Nyashishi, in der Provinz Mwanza in Tansania. Die 1964 geborene Pädagogin Felista Tangi promovierte zum Thema der Auswirkungen von Schulgewalt auf die Leistungs- und Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Schule setzt sich in besonderem Maße für Menschen mit Albinismus ein. Behauptungen, dass es sich um eine „Strafe Gottes“ oder um Pech handele und dass die „Krankheit“ ansteckend sein könnte, sind in der Gegend um den Viktoriasee in Tansania häufig zu hören. Dieser Mangel an Wissen über Menschen mit Albinismus bedeutet, dass Volksmärchen und Aberglauben zu Verfolgung und/oder Diskriminierung führen. Die Schule arbeitet nach modernen Konzepten des „Classroom Managements“ gegen Gewalt, Mobbing und Diskriminierung auf Basis von Material, das im Rahmen des Projekts gegen Schulgewalt von Prof. Dr. Margit Stein und Prof. Dr. Daniela Steenkamp (Universität Vechta und Duale Hochschule Villingen) entwickelt und kostenfrei in Kiswahili auf einer Homepage für Lehrkräfte zugänglich ist. Die Schule benötigt für den Bau und die Ausstattung neuer Gebäude dringend finanzielle Hilfe.

Pippi House Foundation – Frauenhaus in Arusha/Tansania – Aristides Nshange

Die Pippi House Foundation for Girls (siehe Bild am Beitragsanfang) ist das einzige Frauenhaus in der tansanischen Großstadt Arusha. Der Name deutet den Charakter des Hauses als Zufluchtsort an, indem das Wort in Suaheli für Süßigkeiten, „Pippi“, aufgegriffen wird – das Frauenhaus als eine Süßigkeit in einem bitteren, harten Leben. Derzeit beherbergt das Haus bis zu 100 Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 25 Jahren, die zuvor auf der Straße gelebt haben, als Dienstmädchen verkauft wurden oder Opfer von Kinderarbeit, Kinderhandel, Vergewaltigung oder Prostitution geworden sind. Einige von ihnen waren schwanger oder hatten bereits Kleinkinder, als sie im Pippi House aufgenommen wurden, daher leben dort derzeit auch 16 Kleinkinder und Säuglinge.

Gegründet wurde das Pippi House 2011 vom Tansanier Aristides Nshange, der bei seiner Arbeit als Sozialarbeiter in Arusha bemerkte, dass sich alle Unterstützung in der Stadt auf männliche Waisen oder jüngere Straßenkinder konzentrierte. Mädchen im Teenageralter, besonders Schwangere oder junge Mütter, fielen durch das sowieso schon weitmaschige soziale Netz des Staates oder privater Initiativen. So gründete Aristides die Nichtregierungsorganisation. Sein Ziel ist es, den Mädchen eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben zu bieten. Allen Bewohnerinnen wird ein Schulbesuch ermöglicht. Die Mädchen bekommen Unterstützung beim Lernen und später, nach dem Schulabschluss, Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum, einem Studium oder einem festen Job. Das Pippi House wird nicht finanziell von der Regierung unterstützt und ist daher komplett auf nationale und internationale Spenden angewiesen. Promanity, ein deutscher Verein, der das Pippi House seit 2017 kontinuierlich finanziell unterstützt, wurde von drei jungen Frauen gegründet, die nach ihrem Freiwilligenaufenthalt im Pippi House das Projekt weiterhin von Deutschland aus fördern wollten. Das Pippi House möchte im Januar ein eigenes Haus beziehen und freut sich über jede Spende.

Die Shalompreisverleihung 2021 wird als sogenannte hybride Veranstaltung stattfinden, ebenso der Vortrag zu den beiden Projekten am 24. September 2021 im Holbeinsaal.

Der Shalompreis des Jahres 2020, der an den Chirurgen Dr. Massimo Del Bene aus Italien ging, konnte wegen der Corona-Pandemie nicht verliehen werden. Es konnte für das Projekt War Children Hospital die Rekordsumme von 32.000 Euro gesammelt werden. Dr. Del Bene wird im Rahmen der Shalompreisverleihung über seine Arbeit sprechen.

Öffentliche Präsentation der Projekte der Preisträgerinnen und Preisträger mit Videoschaltung
24. September 2021 um 19.30 Uhr im Holbeinsaal des Alten Stadttheaters Eichstätt, Residenzplatz 17, Eichstätt

Öffentliche Shalompreisfeier mit Videoschaltung
25. September 2021 um 19.30 Uhr im Holzersaal der Sommerresidenz, Ostenstraße 26, Eichstätt

Abschlussgottesdienst 26. September 2021
26. September 2021 um 10.45 Uhr im Salesianum, Rosental, Eichstätt

Die Links zu den Vorträgen am 24. September sowie zur Shalompreisverleihung am 25. September werden auf der Homepage www.ak-shalom.com veröffentlicht.

Spenden für die Projekte aus Tansania werden noch bis Ende 2021 entgegengenommen.

Wenn Sie eine Spendenquittung wünschen, notieren Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsformular.

Spenden an KHG Eichstätt
Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG
IBAN DE 34721608180109620320
Stichwort „Shalompreis 2021”

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