WM in Brasilien – der Countdown läuft

Dass die Fußballweltmeisterschaft Tag für Tag ein Stückchen näher rückt, das ist hier in Brasilien deutlich spürbar. Im Fernsehen wird schon der Countdown gezählt, und an jeder Ecke verkaufen Straßenhändler T-Shirts, Hängematten und Autozubehör in den Nationalfarben. Das alles sieht nach sehr viel Euphorie aus, in Wirklichkeit aber steht der Groβteil der Brasilianer der „Copa“ (so heißt die WM in Brasilien) mittlerweile eher kritisch gegenüber. Und sie haben auch guten Grund dafür.

Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass der brasilianische Staat für die WM Summen ausgibt, die er nie im Traum in Bildung, das Gesundheitssystem oder die Infrastruktur investieren würde. Und diese Summen wachsen auch noch weiter durch die Korruption, die immer nur einen Teil des Geldes dort ankommen lässt, wo es hinsoll.

Dann sind da die Löhne von beim Staat angestellten Lehrern und der städtischen Müllabfuhr, die im April nicht gezahlt wurden, weil das Geld in „wichtige Investitionen aufgrund der WM“ floss – und dabei hat Goiânia, die Stadt, in der ich mich aufhalte, noch nicht einmal einen eigenen Austragungsort. Das Ergebnis war ein etwa zweiwöchiger Streik der Müllabfuhr, und auch die Lehrer waren kurz davor, ihre Arbeit niederzulegen.

Neben solchen Ungerechtigkeiten gibt es dann auch noch ein paar absurde Fälle wie zum Beispiel den folgenden: In der Stadt Cuiabá wird eigens für die WM ein neues Fußballstadion – die Arena Pantanal – von der Bundesregierung Brasiliens errichtet. Die Arena Pantanal hier in Cuiabá (Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso), aber auch Arena da Amazônia in Manaus und das Stadion Mané Garrincha in Brasília könnten sich in sogenannte „weiße Elefanten“ verwandeln, da es in diesen Städten keine Fußballvereine gibt, die in der ersten oder zweiten brasilianischen Liga spielen. Im Endeffekt, so der Eindruck, wird also sehr viel Geld für ein paar WM-Spiele ausgegeben, während zum Beispiel das staatliche Gesundheitssystem in vielen Gegenden sehr prekär ist.

Solche Sachen sollten einfach nicht passieren, und viele Brasilianer sind deshalb schon auf die Straße gegangen. Mittlerweile hat sich sogar schon eine Protestbewegung gegen die „Copa“ gebildet, die vor allem in Brasília, aber auch in vielen anderen Städten Demonstrationen gegen die WM in Brasilien veranstalten. Davon bekommt man aber in den Medien nichts oder nur sehr wenig mit. Die Medien haben hier momentan vor allem die Aufgabe, die Bevölkerung auf eine fröhliche „Copa“ einzustimmen, und vermitteln ein Bild von purer Vorfreude und Nationalstolz.  Sämtliche negative Stimmen werden  totgeschwiegen. Verständlich, denn landesweite Protestaktionen oder Streiks würden die Aufmerksamkeit anderer Länder auf Brasilien lenken, dem Image schaden und am Ende noch die Touristen abschrecken. Und das will der Staat auf keinen Fall. Deshalb wird zum Teil auch sehr hart gegen die Demonstranten durchgegriffen, in manchen Fällen waren es angeblich die Polizisten, die mitten in einer friedlichen Demonstration eine Schlägerei begonnen haben.

Trotz aller Schwierigkeiten und Probleme bin ich mir aber sicher, dass die WM hier in Brasilien doch fröhlich und vor allem friedlich ablaufen wird. Während der „Copa“ wird für die Brasilianer vor allem eines zählen: ihr Nationalstolz und die Hoffnung, dass Brasilien zu Hause den Titel gewinnt.

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