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Fröhliche Weihnachten und Happy New Year auf Tansanisch

Wenn wir an Vorweihnachtszeit denken, kommen uns sofort verschiedene Bilder ins Gedächtnis: Mit dem Glühwein am Abend auf dem Weihnachtsmarkt, Tee trinkend und Plätzchen essen, auf dem Sofa einkuscheln, durch den Schnee stöbern, Weihnachtsfilme schauen und weihnachtliche Musik hören, den Weihnachtsschmuck in den Fenstern bestaunen etc.

Was aber wenn sich plötzlich das komplette Umfeld ändert, man nicht von Tannen, sondern von Bananenstauden umringt ist. Wenn es nicht mehr bewölkt, kalt und grau ist, sondern die Sonne in voller Stärke vom Himmel brennt und nur zwischendurch von heftigen Regenschauern unterbrochen wird. Ist Weihnachten dann überhaupt noch möglich? Und was bedeutet es für die Menschen, die da leben? Haben sie eine ganz andere Vorstellung? Wie feiern sie denn eigentlich Weihnachten?

Es fängt schon damit an, dass man hier in Tansania, wo ich als Missionarin auf Zeit lebe, nicht bereits im September (als ich ausgereist bin) Weihnachtsgebäck in den Supermärkten kaufen kann, wie in Deutschland. Und auch jetzt sind die einzigen sichtbaren Plastikweihnachtsbäume solche, die im „europäischen“ Supermarkt verkauft werden.

Der Advent wird im Konvent der Schwestern vom Kostbaren Blut aber auch so gefeiert, wie in Deutschland. Ein festlicher Gottesdienst, ein Adventskranz mit vier Kerzen und adventliche Lieder. Zwei weitere Volunteers und ich haben dann spontan „Wir sagen euch an den lieben Advent“ zum Besten gegeben, um die Heimat ein bisschen näher zu holen.

Ansonsten beginnt die Vorbereitung auf Weihnachten hier kurz vor den Feiertagen. Am 24. Dezember werden ganz viele Kühe, Ziegen und Hühner geschlachtet, die auf dem Markt an alle verkauft werden, die keine eigenen Tiere haben. Dann werden die Häuser geschmückt. Wer die Möglichkeit hat, nimmt natürliche Weihnachtsbäume, hier kleine Zypressen, ansonsten die aus Plastik. Diese werden mit Lametta und Luftschlangen und kleinen Anhänger wie Sterne geschmückt. Diejenige, die mehr ausgeben können, hängen auch mal eine Lichterkette ans Dach. Bei den Schwestern ist außerdem in der Kirche und im Speisesaal eine Krippe mit Jesus, Maria und Josef und den Tieren aufgestellt. Ansonsten werden die Häuser – bei vielen eben Wellblech-Hütten – nicht viel dekoriert.

An Heiligabend gehen alle in die Kirche, auch diejenige, die seit Monaten nicht mehr in der Kirche waren oder aus Prinzip nur an Weihnachten gehen. Der Gottesdienst wird mit Weihnachtsliedern gestaltet und die Opfergaben beschränken sich diesmal nicht nur auf Geldgaben. Auch Nahrungsmittel, wie Bananen, eine Ziege (wenn es sich das Dorf leisten kann), Getreide, Eier oder Milch gehören dazu.

Danach beginnt das große Festessen, das die nächsten zwei Tage dauert: Chips (wie Pommes), Fleisch (Hühnchen, Rind oder Ziege – was man sich eben leisten kann), Eis, Soda (immer von Coca-Cola) und auch im Konvent abends mal einen Wein. Ansonsten wird auch gerne Spaghetti oder „Pilau“ (Reis mit Fleisch und vielen Gewürzen) gekocht. Ein großes Festmahl und eine willkommene Abwechslung, da es im Alltag meist nur „Ugali“ (Maisbrei) und Gemüse oder „Makande“ (Mais und Bohnen) gibt.

Am ersten Feiertag geht man morgens wieder in die Kirche und setzt die Feier fort. In aktiven Pfarreien kann auch mal ein Krippenspiel organisiert sein. Gefeiert wird hier immer mit der Familie. Viele Leute, die zum Arbeiten wegziehen mussten, sparen das ganze Jahr, um an Weihnachten daheim sein zu können. Dazu rotiert man zum Beispiel innerhalb der Familie, so dass man nicht jedes Jahr bei den Gleichen feiert, oder jede Familie zahlt einen Beitrag, wovon das gemeinsame Essen finanziert werden kann. Es wird Weihnachtsmusik gehört, viele Lieder auf Swahili, aber auch amerikanische Weihnachtssongs – meist auf Radio Maria, einem christlichen Radiosender. Die Geschenke liegen, wie bei uns auch, unter dem Weihnachtsbaum und wenn man eine Karte geschenkt bekommt, wird sie wie Schmuck an die Äste des Baumes gehängt. Das größte Geschenk hat man sich aber eigentlich schon gegönnt: Das ist neben der Feier das Outfit. Das ganze Jahr über wird gespart, damit zu Weihnachten jeder neu eingekleidet werden kann. Wer in die Messe kommt, von dem wird erwartet, dass er ein neues schönes Kleid trägt.

Am 26. Dezember besucht man nochmal andere Verwandte oder, im Fall der Schwestern, andere Gemeinschaften, die in der Nähe sind, und feiert mit ihnen zusammen. In den Pfarreien wird außerdem Essen an die Armen verteilt. Da sind die Schwestern auch immer im Einsatz.

Als ich all das gehört habe, war ich doch erstaunt, dass das so ähnlich zu unserem Weihnachten ist, auch wenn das ganze Rundherum so unterschiedlich ist. Deswegen wollte ich wissen, was ist denn „typisch tansanisch“ ist? Die Antwort war leicht: „The tanzanians just know how to celebrate.“ Die Tansanier wissen einfach, wie man richtig feiert. Weihnachten ist für sie das wichtigste Fest im ganzen Jahr und darauf wird gespart, so dass man eine riesige Feier organisieren kann und alles in neuem Glanz erstrahlt. Dafür wird viel (bis alles) investiert.

Dementsprechend ist bei den meisten für Silvester nicht mehr wirklich Geld übrig, so dass sich das Fest eher im kleinen Rahmen abspielt. Ein Feuerwerk, so wie wir das kennen, gibt es hier zwar nicht, aber nachdem bis Mitternacht runtergezählt wurde, werden Autoreifen angezündet und (leider) auch andere Dinge, um das alte Jahr zu vertreiben und das Neue Jahr willkommen zu heißen. Die Schwestern gehen kurz vor Mitternacht in die Messe und läuten das Neue Jahr dann mit einem Glockenspiel ein.

Die Kehrseite des Weihnachtstrubels ist leider die Kriminalität. Rund um Weihnachten muss man vor allem auf dem Markt aufpassen, da die Leute, die Geld für die Feier brauchen, häufig einen Diebstahl zur finanziellen Notlösung verüben. Vergleichbar mit den Taschendieben auf den Weihnachtsmärkten bei uns zu Hause.

Speziell am Weihnachtsabend ist es Kindern nicht mehr erlaubt rauszugehen, da die Gefahr durch verstärkten Alkohol- und Drogenkonsum sehr groß ist, dass etwas passiert. Deswegen sieht man an den Feiertagen, vor allem in den Städten auch viele Polizisten patrouillieren. All diese Eindrücke sind natürlich vor allem gültig für die Gegend, wo ich in Einsatz bin – nahe von Arusha im Norden von Tansania.

Ich freue mich jetzt schon sehr das Weihnachtsfest selber zu erleben und bin gespannt, was für mich wohl der größte Unterschied zum Fest zu Hause sein wird und was mir am meisten in Erinnerung bleiben wird.

Merry Christmas and a Happy New Year! Erholsame Feiertage und einen guten Rutsch!

Weihnachten in Kolumbien

Advent – das ist diese besinnliche, ruhige Zeit im Dezember, wenn der Himmel meist grau ist und das Wetter bitterkalt. Wenn man merkt, dass alles so langsam einem Ende zugeht. Als Schüler oder Student wartet man auf die Ferien und macht sich Gedanken um Weihnachtsgeschenke. Die Fußgängerzonen sind festlich geschmückt und voller Lichterglanz. Es duftet nach Tee, Zimt und Vanille. Und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest wird immer größer.

So erinnere ich mich an die Vorweihnachtszeit. Natürlich, ich gebe zu, dass die Erinnerung vielleicht etwas idealisiert ist. Aber wer kann es einem verdenken, die Vorweihnachtszeit nicht etwas zu schönen? Zumindest einmal im Jahr darf man sich die Festlichkeit hinzudenken, auch wenn sie in der Realität, wie alles, meistens sehr viel profaner ist.

Und dann kommt da natürlich der Kontrast hinzu. 30 Grad und Sonnenschein mitten im Dezember. Ab und zu ein Hitzegewitter oder ein Regenschauer, aber das tut der Hitze hier in den Tropen keinen Abbruch. Wo ich mich befinde? In Quibdó, einer kleinen Stadt in der Pazifikregion, im Westen Kolumbiens. Und auch hier, in diesem katholisch geprägten Land, wird selbstverständlich Weihnachten gefeiert und auch der Advent. Doch das wirkt nicht nur wegen des heißen Wetters ganz anders.

Die Lichterketten an den Häusern sind bunt und müssen vor allem eines tun – blinken. Ansonsten gilt: je mehr, desto besser. Dazu kommt eine mir unverständliche Vorliebe zum Plastik. Aber zugegeben, wo keine Nordmanntannen und Fichten wachsen, muss man eben auf die Künstlichkeit zurückgreifen.

Was die Besinnlichkeit angeht, so verstehen es aber auch die Kolumbianer, einen gewissen Glanz in den Advent zu zaubern. Der 7. Dezember ist der Tag der Kerzen (Día de las Velitas), mit dem die Weihnachtsfeierlichkeiten im Land beginnen. Abends stehen in jedem Haus unzählige Kerzen in den Fenstern, vor den Türen und auf den Balkonen. Sie bleiben dort stehen, bis sie heruntergebrannt sind. Ein beeindruckender und zauberhafter Anblick, bei dem sich in mir eine große Sehnsucht ausbreitet. In den Häusern werden die Türen und die Fenster geschmückt und alle freuen sich schon auf das Weihnachtsfest – so wie bei uns daheim auch.

Religiös sind vor allem die letzten neun Tage vor Heiligabend wichtig. Am 16. Dezember beginnt die sogenannte „Novena de Navidad“. Ab dann werden jeden Tag Weihnachtsmessen gefeiert und zusammen gebetet. Manch einer lädt zu sich nach Hause ein, oder man besucht Freunde in verschiedenen Stadtvierteln, um gemeinsam zu beten und zu singen.

Darum bin ich auch schon sehr gespannt wie Weihnachten selbst wird. Man sagte mir schon, dass Weihnachten und Silvester hier in umgekehrter Art gefeierten werden wie es bei uns in Deutschland der Fall ist. So soll Weihnachten die große Party auf den Straßen und Silvester die „besinnlichere“ oder besser gesagt emotionalere Feier im Kreis der Großfamilie sein. Wie das wohl wird?

In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten!

Dominiks Blog: La vida en el Chocó – Mein Jahr in Kolumbien

Die ukrainische Minderheit in Ostpolen

Die Minderheit der katholischen Ukrainer in Polen ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Ukraine nur wenig bekannt. Eine gute Gelegenheit diese Volksgruppe, die sich durch ihre griechisch-katholischen Traditionen und ihre dramatische Geschichte durch die letzten Jahrhunderte hervorheben, näher kennenzulernen, bietet das Weihnachtsfest.

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Nicht nur die liturgischen Feier im byzantinischen Ritus prägt die Zeit der Geburt des Herrn, sondern auch das jahrhundertealte, westukrainische Liedgut, kulinarische Traditionen und das reiche Brauchtum haben die polnischen Ukrainer bis heute bewahrt. Diese Verflechtung der Religion und des Volksbrauchtums soll aber nicht verwundern, da kaum ein Ereignis aus dem Leben Jesu uns so konkret an die Menschwerdung Gottes erinnert, wie seine Geburt in Betlehem. Weil die Geburt Christi den Menschen von jeher nahe ging und grade die Freude über die Ankunft des Retters in der Geburtsfeier ihren schönsten Ausdruck findet, haben die Völker dieses religiöse Fest mit ihrem Brauchtum bereichert.

Die Besonderheit der ukrainischen Minderheit in Polen erkennt man schon am Weihnachtsdatum: es wird nicht am 25. Dezember gefeiert, nach dem gregorianischen Kalender, vielmehr verwendet die griechisch-katholische Kirche in Polen neben dem staatlichen gregorianischen Kalender den alten kirchlichen, julianischen Kalender bei dem Weihnachten am 7. Januar – also 13 Tage später – gefeiert wird.

Die diesjährigen Feierlichkeiten in der griechisch-katholischen Kathedrale St. Johannes der Täufer in Przemyśl wurden von zwei besondere Ereignisse umrahmt: die Bischofsweihe des neuen Weihbischofs Eugeniusz Popowicz am 21. Dezember 2013 und das Hinscheiden von Kateryna Pipka, ein lichtes Beispiel einer frommen Mutter der ukrainischen Untergrundkirche, am 1. Januar 2014. In diesen Geschehnissen trafen wie in einem Brennpunkt sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK) in Polen aufeinander.

Weiterlesen im ausführlichen Beitrag als PDF:
– Anfänge des byzantinischen Bistums in Przemyśl
– Die unierte Kirche in Ostgalizien
– Katholische Ukrainer in Polen nach 1945
– Geschichte einer gläubigen Mutter
– Wiederaufblühen der UGKK in Polen nach 1989
– Zukunft in der Treue zur Tradition