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Papstbesuch und Shabbat Dinner in den USA – im Jahr 5776

Endlich habe ich es geschafft, meinen ersten Beitrag zu schreiben! Ich lebe nun seit über zwei Monaten in Washington DC und langsam kehrt Routine ein. Mein Leben hier ist komplett anders als in Nürnberg. Ich habe viel mehr Verantwortung, ich passe auf drei Kinder auf, muss ein gutes Vorbild sein – in Deutschland war ich „nur“ Schülerin. Es ist unglaublich schön hier, die Menschen, die Stadt, meine amerikanische Familie. Alles ist anders als ich es gewöhnt bin, aber ich liebe es.

Meine ersten Wochen in der USA waren sehr stressig, es waren Sommerferien und das bedeutete ‘Camp Isabella‘. Ich musste mich um Aktivitäten bemühen und Pläne für den Tag machen, denn meine Kinder (als Au Pair sagt man „meine Kinder“ und meint Gastkinder) wollen immer etwas zu tun haben. Ich durfte zehn Stunden pro Tag arbeiten, das gesetzliche Maximum, und nach so einem Tag möchte man nur relaxen. Ich bin dann meist noch mit meiner südafrikanischen Freundin Lisa zum Frozen-Yoghurt-Essen gegangen, um ein bisschen zu reden. Die Schule hat vor ein paar Wochen angefangen und jetzt ist es ziemlich entspannt. Ich mache meine Kleine morgens fertig für die Schule (Frühstück, Anziehen, Zähne putzen) und dann fahre ich sie zur Schule. Die beiden Großen machen das alleine und dann fährt ihr Vater sie meist zur Schule. Dann habe ich eine Pause bis ich Maddie um 13 Uhr wieder abholen muss und sie für ihr Mittagsschläfchen hinlege. Maddie schläft meistens von 14 bis 17 Uhr, davon redet sie gut eine Stunde lang, um einzuschlafen. In dieser Zeit kommen Sophie und Max nach Hause, sie bekommen einen Snack und dann werden zusammen die Hausaufgaben gemacht. Danach dürfen sie für 30 Minuten TV schauen und dann spielen wir noch zusammen, malen, basteln, gehen in den Garten usw. bis ich Maddie aufwecken muss. Meist endet mein Tag um 18 oder 19 Uhr.

Ich finde, dass es kein allzu großer Unterschied ist, bei einer jüdischen Familie zu leben. Es wird sehr viel über die Religion geredet, vor allem auch um mir zu erklären, wieso sie was machen. Jeden Freitagabend haben wir Shabbat Dinner (im Grunde genommen ein größeres Abendessen). Zu Anfang werden Kerzen angezündet und dann wird ein Lied auf Hebräisch gesungen und Traubensaft herum gereicht. Dann küsst mein Gastvater die Kids nacheinander auf die Stirn, zuerst Max, der älteste, dann Sophie und zuletzt Maddie. Dann heiligt Alisa, meine Gastmutter, das Challah (eine Art Brot), bricht es und reicht jedem von uns ein Stück. Und dann wird gegessen! Shabbat Dinner ist immer sehr lecker!
Samstagmorgens geht meine Gastfamilie immer in die Synagoge. Zum Mittagessen kommt sie entweder nach Hause, isst bei Freunden oder in der Synagoge. Samstag ist Familientag! Man darf keine Elektrizität benutzen, kein Handy, kein TV, man darf nicht kochen und nicht Auto fahren. Shabbat ist ein Tag zum Erholen und man darf nicht arbeiten. Außerdem folgt meine Gastfamilie beim Kochen der Kashrut und das bedeutet, dass man Milch- und Fleischprodukte nicht mixen darf, also keine Salamipizza hier! Außerdem sind nicht alle Tierprodukte erlaubt. Da wir meistens nur in koscheren Geschäften einkaufen, muss ich mir keine Sorgen machen, ob ich die richtigen Produkte kaufe.

Ich habe auch schon einige jüdische Feiertage miterlebt. Letzte Woche war Rosh Hashana, das neue jüdische Jahr hat begonnen: Wir sind jetzt im Jahre 5776. Von Dienstag auf Mittwoch (alle jüdischen Feiertage beginnen und enden am Sonnenuntergang) war Yom Kippur, Day of Judgement, an dem meine Gasteltern für 25 Stunden nichts trinken und essen dürfen, da sie an alles Schlechte denken sollen, was sie getan haben, und für Vergebung beten. Das klingt echt hart!

Washington DC ist echt klasse! Ich lebe ziemlich weit im Nordwesten der Stadt, weshalb ich sehr schnell auch in Virginia oder Maryland bin. Es gibt hier immer was zu tun und es wird nie langweilig. Es gibt echt gute Restaurants und ich gehe auch relativ oft essen, entweder mit meiner Gastfamilie oder Freunden, weshalb ich mich auch im Fitnessstudio angemeldet habe! In meiner freien Zeit habe ich schon viel Sightseeing gemacht! Ich war am Weißen Haus, am Lincoln Memorial, am Washington Monument, im Zoo (die Leute hier lieben den Zoo, weil es hier Pandas gibt, die vom Aussterben bedroht sind, und vor ein paar Wochen kamen Babypandas zur Welt).

Vergangenes Wochenende habe ich meine Freundin Lara in New Jersey besucht. Lara und ich sind zusammen ins Gymnasium gegangen und wir sind jetzt beide als Au Pair hier, sind sogar am gleichen Tag in die USA geflogen! Es war echt cool sie wieder zu sehen und sich ein bisschen an Deutschland zu erinnern.

Diese Woche war Papst Franziskus zu Besuch in den USA – auch in Washington. Ich persönlich habe nicht viel von dem Besuch miterlebt, da ich etwas außerhalb vom Zentrum lebe. Jedoch wird viel darüber geredet und im Fernsehen berichtet. Vor allem mit Sophie, meiner Siebenjährigen, hab ich viel über den Papst geredet und ihr erklärt, wer er ist, da sie ihn nicht kannte. Meine Gastmutter hat am Montag den Besuch im Straßenverkehr erlebt. Sie war abends auf dem Weg nach Hause und kam erst eine Stunde später daheim an, da etliche Straßen gesperrt waren. Man hat eine auffällige Tasche gefunden und geglaubt, dass es eine Bombe sei. Es stellte sich dann aber doch heraus, dass sie harmlos war.

Anfangs war es noch etwas schwierig, jeden Tag Englisch reden zu müssen, jetzt bin ich total daran gewöhnt und zurzeit vermische ich Deutsch und Englisch manchmal, daher: Good bye and see you!