Schlagwort-Archiv: Uganda

„Ein Missionar geht nicht in Pension“

Comboni-Missionar Josef Gerner ist seit 1996 in Uganda tätig. Sein erster Einsatz in dem ostafrikanischen Land hatte er bereits von 1971 bis 1976. Anschießend arbeitete er bis 1986 in Kenia. Es folgten Stationen in Innsbruck und Bamberg. Derzeit ist Die Diözese Eichstätt hat bereits mehrere seiner Projekte in Uganda unterstützt hat.

Trotz seiner 82 Jahre ist Pater Josef Gerner MCCJ in Uganda noch immer unverzichtbar. Insgesamt ist der dort schon 26 Jahre aktiv. Kaum einer kennt Ostafrika so gut wie er.

Der gebürtige Meckenhausener pflegt zwar intensiv die Verbindungen in die Heimat, dennoch kann er es sich nur schwer vorstellen, nicht in Uganda zu wirken. Das Land und die Leute sind ihm ans Herz gewachsen. Im Video-Interview sagt er: „Ein Missionar geht nicht in Pension“.


Im Heimaturlaub berichtet er den Verantwortlichen im Referat Weltkirche über seine Aktivitäten und die nächsten anstehenden Projekte. Dazu gehört der Bau eines neuen Pfarrhauses für seine neue Pfarrei, in der er neben einem einheimischen Priester die pastorale Verantwortung trägt und sich sehr darum bemüht, die Grundlagen für eine gute Entwicklung der Pfarrei zu legen.

Zuletzt erhielt er 2012 und 2014 für den Bau von Kirchen aus Eichstätt Zuschüsse über 15.000 €. Die Gebäude sind für ihn aber nur die notwendige Infrastruktur, um die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens den Menschen zu verkünden, die nach den schweren Jahren des Bürgerkrieges nach Orientierung für sich und ihre Kinder suchen.

Mit Matatus ins Acholiland: Besuch bei Pater Gerner in Uganda

Pater Josef Gerner aus Meckenhausen, der seit vielen Jahren in Afrika tätig ist, hatte am 11. Oktober seinen 80. Geburtstag. Ich kenne ihn seit meinem Eintritt ins Missionsseminar in Neumarkt/Opf. 1968 und bin mit ihm weitläufig verwandt. Auch verdanke ihm meine Berufung zum Comboni-Missionar. Zu seinem runden Geburtstag wollte ich ihn überraschen. Zwar leben wir kaum 500 Kilometer voneinander entfernt, aber wenn man in Afrika mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, bleibt viel Zeit auf der Strecke. Die Matatus (Minibusse/Sammeltaxis) fahren erst los, wenn der letzte Platz bei 50 Prozent Überladung gefüllt ist.

Den Blitzbesuch habe ich mit James Ochieng, einem Kenianer gemacht. Er wurde von P. Gerner 1982 in Kariobangi, einem Elendsviertel im Nordosten der kenianischen Hauptstadt Nairobi, getauft und hilft mir hier im Juba/Südsudan als Bauzeichner. In der Nacht zum Samstag haben wir Lira, die drittgrößte Stadt Ugandas, erreicht, wo wir bei Alberto Eisman übernachtet haben. Alberto ist Spanier und hat in Innsbruck unter P. Gerner Theologie studiert. Heute leitet er die katholische Radiostation der Diözese Lira: Radio WA. In der Frühe sind wir dann von Lira nach Opit losgefahren und waren um 8.45 Uhr vor Ort. Die Messe hatte gerade angefangen. Die Mission war dort – Mitten im Acholiland im Norden Ugandas – wegen der Rebellentätigkeit (LRA) über 15 Jahre verlassen und sieht entsprechend aus.

Wie vermutet, war P. Gerner selbst an diesem Tag voll im Apostolat. Er hat uns nicht erkannt als wir uns zwischen die Gottesdienstbesucher gedrängt haben, hat aber wahrgenommen, dass Besucher in der Kirche sind. Nach dem Gottesdienst hat möglicherweise ein Katechist P. Gerner angesprochen, dass da Fremde in der Kirche sind. Daraufhin hat er uns gebeten, vorzukommen. Erst dann hat er uns erkannt. Es war eine wirklich gelungene Überraschung und eine echt herzliche Begegnung mit dem junggebliebenen alten Mann. Niemand hat von seinem Geburtstag gewusst, der in Afrika ohnehin keine so große Rolle spielt. Natürlich war dann auch noch ein zweiter Gottesdienst im Busch und ein wenig Eile war angesagt.

Da keine Köchin für den Sonntag da war, haben Alberto und James etwas zusammengekocht und ich habe P. Gerner beim zweiten Gottesdienst begleitet. Wir hatten dann einen schönen Nachmittag und Abend mit frohem und schönem Austausch. P. Elia, sein Mitstreiter, kam auch im Laufe des Nachmittags zurück vom einer über 50 Außenstationen der Großpfarrei Opit. Zur Pfarrei gehören auch mehrere Volksschulen, eine technische Schule, eine kirchliche Sekundarschule (450 Kinder) und ein kleines Krankenhaus.

Am nächsten Morgen hat uns P. Gerner mit seinem Fahrer nach Gulu, eines der Zentren des Acholi-Volkes, gebracht. Im Gedenken an Bruder Michael Dietrich, der im August 2014 gestorben ist und unbedingt wieder nach Afrika zurück wollte, haben wir noch die Comboni-Gemeinschaft in Layibi (große Handwerkerschule) besucht. Br. Michael Dietrich stammte auch aus der Diözese Eichstätt, gebürtig aus Elbersroth bei Herrieden – wie unser Bischof Gregor Maria Hanke.

Danach war es höchste Zeit, wieder nach Juba aufzubrechen. Im Rückblick war das eine wunderbare Begegnung mit einem Mann des Glaubens und der Zuversicht mit viel Humor und gesundem Abstand zum Alltäglichen.

Mehr zum Thema:

Misereor-Gast Mutebi, der Mann, der die Lösungen bringt

Obwohl James Mutebi, der Mann, dessen Name übersetzt so viel heißt wie, „der die Lösungen bringt“, nun schon seit drei Tagen wieder weg ist und gestern gut in seiner Heimat Kampala/Uganda gelandet ist, kann ich viele Aspekte der intensiven viertägigen Begegnung während der Miseoreor-Fastenaktion nicht so leicht vergessen und zur Alltagsroutine übergehen. Es warten die Vorbereitungen für die erweiterte Adveniat-Patenschaftstagung und den Renovabis-Gast aus Leitmeritz, der Stand am Katholikentag und gleich anschließend eine Veranstaltung mit Bischof Dabre aus Poona über weltkirchliche Modelle der zukünftigen Gemeindearbeit.

James Mutebi im Interview mit Valentin Nowak (Radio K1). Foto: Daniela Bahmann
James Mutebi im Interview mit Valentin Nowak (Radio K1). Foto: Daniela Bahmann

Die Mutebi-Lösungen haben mich tief beeindruckt, auf der Ebene der unmittelbaren Hilfe für Bauern, die ihr Land aufgeben müssen, weil Investoren aus Europa Blumenfarmen auf dem guten Boden in der Nähe der Hauptstadt von Uganda und dessen Flughafen aufbauen. Die Jobs in den Blumenfarmen sind nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch extrem gesundheitsschädlich, weil keine Schutzanzüge da sind, wenn mit der chemischen Keule gegen Ungeziefer vorgegangen wird.

Zu allem Überfluss wird das dadurch verseuchte Wasser nicht gereinigt, so dass auch die benachbarten Felder vergiftet werden. Vom Wasserverbrauch gar nicht zu reden. Zu glauben, dass man damit was Gutes tut, ist mehr als naiv. Schon vor 40 Jahren wurden die Hoffnungen auf den „Trickle down Effekt“ durch die Realität entlarvt. Auch Papst Franziskus hat diese kritische Sichtweise in seinem Schreiben Evangelii Gaudium Nr. 54 aufgegriffen.

Achtzig Prozent der Menschen in Uganda leben von dem, was sie selbst auf den Feldern anbauen und ernten. Nur den seltenen und geringen Überschuss versuchen sie auf dem Markt zu verkaufen. Sich und die eigene Familie auf diese Art zu versorgen und so das Leben und die Ausbildung der Kinder sicherzustellen ist die zentrale Herausforderung, mit der sich die Menschen in Uganda konfrontiert sehen. Dabei hilft ihnen die katholische Kirche des Landes. James Mutebi ist beim Erzbistum Kampala für die nachhaltige Landwirtschaftsberatung angestellt, die finanziellen Mittel dafür kommen von Misereor. Da kann ich nur sagen: Weiter so, meine Unterstützung haben James und seine vielen unbekannten Kollegen in vielen vergleichbaren Projekten weltweit. Weiter so Misereor!

Und „Danke“ an die Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Medien und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Kirchenzeitung, die mit Filmen, Radiobeträgen und Reportagen dazu beitragen, diese guten Nachrichten aus Afrika weiter zu verbreiten.

Mehr zum Thema: