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Pflegebetten für Rumänien: Hilfe, die ankommt

Die Hin- und Rückfahrt nach Rumänien dauerten zusammen etwas mehr als 40 Stunden. Eigentlich eine lange Zeit, die man im Lastwagen verbringt, immer auf der Autobahn, immer geradeaus. Und doch geht die Zeit schnell vorbei. Am Dienstagmorgen um 5 Uhr startete der 15. Hilfsgüterkonvoi des Technischen Hilfswerks (THW) in Eichstätt und am Freitagmorgen, rechtzeitig zu einem Weißwurstfrühstück waren wir wieder zurück. Ein kurzer Trip, ein schneller Ausflug über drei Ländergrenzen hinweg. Und doch eine ganz intensive Zeit. An Bord unserer drei Laster: Hilfsgüter für Carei.

Seit 2001 übernimmt das THW Eichstätt regelmäßig für den deutschen Verein Rumänienhilfe Transporte nach Osteuropa. 2004 war ich zum ersten Mal mit dabei. Manche meiner Kollegen haben schon zehn oder mehr Fahrten absolviert. Es ist mittlerweile Vieles Routine. Wir wissen, welche Papiere der Zoll sehen will, wir kennen uns aus mit Autobahnmaut und Nachtfahrverbot. Die Route ist seit vielen Jahren immer die gleiche: Regensburg, Passau, Wien mit dem Wiener Bergland (wo die Lastwagen bergauf schon ordentlich stöhnen), Budapest und dann irgendwo im ungarischen Niemandsland runter von der Autobahn und dann gut 80 Kilometer Landstraße bis zum Grenzübergang und weiter ans Ziel.

Um zwei Uhr nachts erreichte unser Konvoi mit einem Sattelzug, einem Lastwagen mit Anhänger und einem Kleinlaster Carei. Wir steuerten einen großen Parkplatz gleich gegenüber dem Zentraldepot und Büro der Rumänienhilfe an. Drei meiner THW-Kameraden blieben bei den Fahrzeugen, verbrachten die Nacht dort. Zu fünft fuhren wir weiter ins Stadtzentrum. Der Verein Rumänienhilfe hat dort in einem typischen Ost-Plattenbau eine Wohnung gemietet. Nach einem Feierabendbier und einem kurzen Plausch mit Toni, der den Verein leitet, ging es in die Schlafsäcke. Wegen der Zeitumstellung (Rumänien ist eine Stunde weiter) blieb nicht allzu viel Zeit zum Schlafen.

Am Mittwochmorgen hieß es zunächst einmal: Abladen. Trotz der eisigen Temperaturen war uns allen schnell warm. Hunderte Kartons, Kinderwagen, Fahrräder und Weihnachtspakete von Hand ausladen dauert, geht in die Knochen und bringt einen ins Schwitzen. Wir hatten beim Aufladen (auch das von Hand) wirklich jeden Zentimeter an Bord genutzt. Das ist immer so eine Art Tetris-Spiel. In diese Lücke passt noch dies und jenes und da oben, auf all den Kartons, kann man noch Matratzen reinstopfen.

Wir hatten diesmal 35 Pflegebetten geladen, unter anderem aus dem Caritas-Seniorenheim St. Pius in Ingolstadt. Zwischen den Betten, die wir hochkant transportierten, war einiges an Kleinzeug geladen. Auch das musste erst einmal raus. Am Nachmittag dann waren die Wagen soweit leer und wir konnten uns an die Verteilung der Betten und von Schulmöbeln machen. Mit unserem geländegängigen 280 PS-starken Laster fuhren wir zur Schule Gheorge Bulgar in Stanislau. Maria Saitos, die Direktorin, erwartete uns bereits. Wir brachten Tische und Stühle für zwei Klassenzimmer, einige Overhead-Projektoren und mehrere Computer aus der Eichstätter Schule St. Walburg in die Schule.

Saitos zeigte sich erfreut über die Hilfe aus Deutschland und ein Blick in die Klassenzimmer machte uns deutlich, dass die bei uns ausrangierten Schulmöbel hier noch einen guten Dienst tun können. Bei den vorherigen Fahrten hatten wir immer wieder mal Schultafeln nach Rumänien gebracht. Die ersetzten uralte Schiefertafeln, und wurden genauso gebraucht und gerne angenommen wie jetzt diese Lieferung. Im Lehrerzimmer hatte Saitos mit einigen Kollegen ordentlich Essen und Trinken aufgetischt. Alle bedankten sich herzlich und luden uns ein, Wein, Kartoffelbrei, Schweinefleisch, eingelegte Gurken, Zwiebeln und vieles mehr zu probieren. Leider hatten wir nur wenig Zeit, weil die nächste Lieferung anstand. Doch wir genossen den kurzen Moment der Gastfreundschaft und machten uns dann wieder auf den Weg. Am Abend brachten wir die ersten Betten in ein Seniorenheim, dass von einer Stiftung getragen wird. Wir hatten auch hier wieder nur wenig Zeit, um uns ein Bild von der Einrichtung zu machen. Das Haus wirkte sauber und modern. Als Gastgeschenk gab es selbstgebrannten Schnaps, liebevoll in kleine Glasflaschen abgefüllt und mit Etiketten, auf denen „Danke“ in Deutsch, Rumänisch und Ungarisch stand.

Am Donnerstag steuerten wir mit den letzten Pflegebetten an Bord das städtische Altenheim von Carei an. Ein desolat wirkender Plattenbau, bei dem überall die Farbe abblätterte. Beim Abladen half und Franz-Willi, der Hausmeister. Seit vielen Jahren, so erzählte er, kommt er jeden Sommer als Erntehelfer in den Landkreis Roth. Er führte uns kurz durch den Heizungskeller, die Küche und zu den Zimmern, wo die Senioren wohnen. Vier Betten standen dort. Bis vor kurzem seien es noch sechs gewesen, erklärte der Hausmeister. Wir verabschiedeten uns und fragten ihn, was denn noch dringend benötigt würde in dem Altenheim. Franz-Willi gab sich bescheiden und sagte: „Wir brauchen einfache Schrauben und Dübel.“ Das sollten wir vom Technischen Hilfswerk im kommenden Jahr, bei der 16. Fahrt hinbekommen.

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