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Wie im Paradies – ein Besuch in Sansibar

In meinen Ferien, die vier Wochen gedauert haben, hatte ich die Möglichkeit, zusammen mit den anderen acht Ostafrika-Freiwilligen aus meiner Gruppe nach Sansibar zu fahren. Es war wirklich toll, einen ganz anderen Flecken von Tansania kennenzulernen, wenn auch nur für wenige Tage.

Sansibar, eine Insel im Indischen Ozean, rund zwei Stunden Bootsfahrt vom Festland Tansanias entfernt, hatte eine sehr lebendige Geschichte und ist vor allem für den intensiven und brutalen Sklavenhandel berüchtigt (im 19. Jahrhundert war Sansibar der weltgrößter Sklavenmarkt). 1964 wurde es zusammen mit Tanganyika zu Tansania vereinigt. Seitdem ist es halb autonom und hat seinen eigenen Präsidenten behalten. Die Hauptstadt ist Stone Town, die sich an der Westküste der Insel befindet. Durch den intensiven Handel mit Indien und den großen arabischen Einfluss hat die Insel, besonders aber Stone Town, heute noch ein ganz spezielles flair und wird oft mit den Worten „exotisch“ oder „mystisch“ beschrieben. In der Tat sieht die Stadt ganz anders aus, als jede andere, die ich bisher gesehen habe. Das liegt hauptsächlich an den vielen engen und verwinkelten Gassen, die durch die Hochhäuser rundherum geradezu düster und geheimnisvoll wirken. Dazu das alte Gestein, die verwaschenen Wände und die Verzierungen, die von einem ganz anderen kulturellen Einfluss zu erzählen wissen. Im krassen Gegensatz dazu stehen die vielen Souvenirläden und Marktstände, mit all ihren Stoffen, Schnitzereien und Malereien, die in allen Farben leuchten, ebenso wie die offenen und herzlichen Menschen, die mit jedem ein Gespräch anfangen, egal ob man sich in einer Sprache verständigen kann oder nicht. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre Haustüren, die entweder ganz wunderbare Holzschnitzereien haben oder mehrere Reihen von Messingknäufen. Biegt man in eine der Nebenstraßen ein, kommt man an ruhigen kleinen Restaurants vorbei und nicht allzu selten sieht man auch eine Gruppe von jungen bis alten Menschen, die vor ihrem Haus zusammensitzen und Brettspiele spielen.

Aber Sansibar besteht nicht nur aus seiner Hauptstadt, sondern hat noch weitere schöne Ecken. Wenn man ein bisschen ins Landesinnere fahren möchte, ist es am spannendsten das Dalla Dalla zu benutzen. Das ist eines der öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort, das wie ein Kleinbus ist, der hinten allerdings anstatt der Wände Holzleisten hat und ein schön verziertes Holzdach. Die Bänke sind seitlich angebracht und wer keinen Sitzplatz mehr bekommt, der kniet sich eben in den Mittelgang.  Au der Fahrt sieht man vor allem eins: Palmen. Die Insel ist übersäht mit ihnen und sie machen das Urlaubsfeeling perfekt. Da vergisst man auch glatt die Hitze, die durch die hohe Luftfeuchtigkeit nicht gerade gemildert wird.

Wendet man sich dann weiter nördlich und fährt bis an die Spitze der Insel, erwarten einen die traumhaftesten Strände. Weißer Sand und türkisfarbenes Meer, es ist unglaublich. Im Meer die Dhows, die lokalen Fischerboote, die sanft vor dem tiefroten Sonnenuntergang schwanken. Man kann „Sunset“-Bootstouren buchen, einen Tagestrip zum Schnorcheln über den Korallen veranstalten oder einen Ausflug zu den Affen im Nationalpark machen. Kurz gesagt, es ist wie ein Paradies.

Was man dabei aber nicht vergessen sollte ist, dass dieser „exotische Ort“ auch ein Zuhause von vielen Menschen ist und ebenso ein Arbeitsplatz. Es gibt viele,  die tagtäglich härteste Arbeit leisten, für die das nicht ein romantisch altmodisch aussehendes Boot ist, sondern die finanzielle Absicherung. Und es gibt genauso viele, die dennoch nicht genügend Geld nach Hause bringen können, um die Großfamilie zu ernähren und den Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen.

 

Auch wenn der Tourismus in vielerlei Hinsicht eine sehr gute Sache ist, Arbeitsplätze für die Einwohner bietet und Kunden für das kleine Geschäft bringt, muss man doch bedenken, was für negative Auswirkungen ein „falscher Tourismus“ haben kann.

Dazu gehören zu niedrige Löhne, zu wenig Investition in lokale Hotels und Restaurants und stattdessen „all inclusive“ Hotels, die den Touristen gerade mal 20 Meter zum Meer herauslocken und oft einen hohen Grad an Umweltverschmutzung und Wasserverbrauch haben. Ganz viel kommt aber auch von den Touristen selbst. Müll, der liegen gelassen wird, und vor allem das Problem der Kleidung. In einem überwiegend muslimisch geprägten Land, sollte man sich an die Normen halten und nicht in kurzen Tops und Shorts herumlaufen, sondern die Schultern und Knie bedeckt halten – zumindest sobald man sich vom Strand entfernt.

Natürlich heißt das jetzt nicht, dass man zu Hause bleiben muss und nicht nach Sansibar reisen soll, dazu ist dieser Flecken Erde einfach viel zu schön. Aber es soll eine Ermutigung und Aufforderung sein, sich mehr Gedanken zu machen und seinen Beitrag zum „positiven Tourismus“ zu leisten. Dazu kann man sich zum Beispiel über nachhaltige Reiseveranstalter informieren, die versuchen, möglichst viel Arbeit an die Einheimischen weiterzugeben und somit das Geld vor Ort zu lassen und nicht nach Europa und Amerika auszuschiffen. Ebenso wie sich bei den Hotels über faire Löhne und Umweltschutz zu informieren, da das für viele bereits ein Leitmotto geworden ist. Außerdem kann man vor Ort auch durch die Gassen der einheimischen Shops schlendern, anstatt nur durch das Touristenviertel. Auch die Restaurants tischen gutes und vor allem günstigeres Essen auf und bieten gleichzeitig noch den „echten“ Flair der Insel mit landestypischen Mahlzeiten wie Ugali na samaki (Maisbrei mit Fisch), Chapati kuku (Hühnchen mit Fladenbrot) oder Wali na nyama (Reis mit Fleisch).

Lernt man dann noch die wichtigsten Begrüßungsfloskeln wie „Habari yako“, was mit „nzuri“ beantwortet wird und so viel bedeutet wie „Wie sind die Neuigkeiten“ –  „Gut“,  und „Shikamoo“, was als respektvolle Begrüßung für ältere Menschen gilt und mit „Marahaba“ beantwortet wird, dann hat man schon einen Platz im Herzen der Einheimischen sicher und kann auf deren Gastfreundlichkeit und Offenheit zählen.

Ein aktuelles Problem für den Tourismus auf Sansibar sind die religiösen Spannungen zwischen dem Islam und dem Christentum. Zwischen 95% und 99% der Inselbewohner sind Muslime, und dementsprechend gibt es nur sehr wenige Christen. Angesichts der zunehmenden Konflikten (unter anderem wurde ein Priester ermordet, Schwestern geschlagen und es kurzieren Gerüchte, dass radikale Muslime vom Festland auf die Insel kommen, um das Christentum endgültig zu vertreiben), sind immer mehr Christen von der Insel geflohen. Das hat zur Folge, dass auch unsere Schwestern, die auf der Insel eingesetzt sind, immer ein offenes Ohr und Auge haben müssen, um nicht in Gefahr zu kommen. Deswegen wird in der ganzen Kongregation immer für die Schwestern in Sansibar (auch für die in Kenia und im Sudan) gebetet, die dort einer größeren Herausforderung und Gefahr gegenüberstehen, als diejenige, die in ihrem Land keine religiöse Minderheit darstellen.

Auch wenn die Situation für Priester und Schwestern definitiv kritisch bis gefährlich ist, muss man sich als Tourist jedoch keine Sorgen machen und kann sich frei und ohne Angst auf der Insel bewegen. Auch wir haben während unsere Zeit keinerlei Feindlichkeiten erlebt, sondern sind wirklich immer offen und herzlich behandelt worden. Diese Insel ist definitiv eine Reise wert.

Als wir die Fähre früh morgens wieder zurück nach Dar Es Salaam genommen haben und Stone Town uns in der Morgenröte verabschiedet hat, hat keiner von uns auch nur eine Minute des Urlaubs bereut und wir werden uns noch lange an den gemeinsamen Erinnerungen erfreuen.

Missionarin auf Zeit – Lehrerin in Tansania

Ich will diesmal ein bisschen näher von meinem Alltag in Tansania erzählen, der sich in den letzten Wochen so breit gemacht hat. Jeder Morgen startet mit der heiligen Messe, in die abwechselnd die erste und zweite Klasse hingeht. Meistens beinhaltet das ein bisschen Morgensport, damit ich nicht zu spät komme. Von allen Seiten werde ich mit einem „Good morning, Teacher. How are you?“ begrüßt. Dass die Mädchen im Gottesdienst mit dabei sind, ist super, weil sie mir mit ihrem lebhaften Gesang ganz wunderbar beim Aufwachen helfen können.

Als Lehrerin in Tansania. Fotos: Katharina Stein
Schule in Tansania. Fotos: Katharina Stein

Nach dem Frühstück gehe ich zurück in die Schule, richte mein Zimmer und gehe zum Klassenraum. Montags, mittwochs und freitags haben wir vorher noch Assembly, wo wir das Vater Unser auf Englisch beten und organisatorische Dinge besprechen. Dann geht’s in die Klasse. Eine Unterrichtsstunde dauert zwei Stunden, was die Sache sowohl für Schüler als auch Lehrer nicht unbedingt leichter macht.

Im jetzigen Stundenplan bin ich montags immer in beiden Jahrgängen und Dienstag und Mittwoch jeweils in einem Jahrgang. Die restliche Zeit kann man mich im Büro antreffen, wo ich der Schwester alles Mögliche an Arbeit abnehme, mich um das Taschengeld der Mädchen kümmere, meinen Unterricht vorbereite oder Swahili lerne, wenn gerade nichts zu tun ist. Um 13 Uhr ist Mittagessen, danach hab ich eine kurze Pause, bis es um 14 Uhr wieder ins Büro geht. Um 17 Uhr Uhr verlasse ich (wenn möglich) das Büro, und vertreibe mir die Stunde bis zum Prayer (Abendgebet). Dann gibt es Abendessen und schon ist der Tag fast vorbei, da bis 21 Uhr noch  Lernzeit für die Mädchen ist.

Am Donnerstag oder Freitag gehen eine Schwester und ich meistens in die Stadt, um das Shopping für die Schule zu erledigen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir den PickUp, ansonsten fahren wir mit dem Kleinbus eine halbe Stunde lang in die Stadt. Schön eingequetscht zwischen all den Menschen. In einen Bus passen 16 bis 28 Leute. Voll gibt’s da nicht! In Arusha gehen wir in alle möglichen Läden, auf den Markt, zur Post, zur Bank etc.

Am Samstagmorgen gehe ich mit den Mädchen joggen, die Straße runter bis zur Hauptstraße. Dabei muss man aber immer  aufpassen, dass man nicht von einem Piki-Piki-Fahrer überfahren wird, der da   mit 100 Sachen runterbrettert. Vormittags putze ich mein Zimmer, nachmittags ist die Wäsche dran, die ich mit der Hand wasche *ächz*. Den restlichen Nachmittag mache ich irgendwas anderes.

Besonders schön ist es natürlich, wenn ich mal in die Stadt gehe oder mich mit jemandem treffe  oder bei einer Veranstaltung bin. Abends bin ich mit den Mädchen zusammen, die ihre Lieder für den Sonntagsgottesdienst üben. Das bedeutet aber nicht, dass die sich brav irgendwo hinsetzen und ein bisschen singen. Nein, wenn meine Mädchen singen, dann geht die Post ab! Da sitzt niemand lange still. Es wird getrommelt, gehüpft, geklatscht, getanzt und gejubelt. Und das alles zu Kirchenliedern – bei uns unmöglich. Da kommt es auch nicht selten vor, dass unsere Maassai-Mädchen gemeinsam anfangen ihre Stammestänze zu tanzen oder sich die Mädchen gegenseitig die Bewegungen ihres Stammes beibringen. Das ist wunderschön anzuschauen.

Sonntags heißt es Ausschlafen, da erst um 8 Uhr Messe ist. Danach helfe ich in der Küche, beende meine Wäsche oder bin anders aktiv. Nach dem Mittagessen gehen wir um 15 Uhr zum Fußballspielen auf einen Bolzplatz, wo wir uns eine bis eineinhalb Stunden austoben. Nicht jeder Fußballer würde die Sportart vermutlich als solche erkennen, aber es macht Spaß und wenn ein Tor fällt, ist das Geschrei groß. Heimlaufen, duschen und schon ist es wieder Zeit für das Gebet und Abendessen.

Das ist eine ganz normale Woche bei mir. Auch wenn der Ablauf im  Detail vielleicht nicht so spannend ist, ist er doch für mich eine große Umstellung gewesen.

Fröhliche Weihnachten und Happy New Year auf Tansanisch

Wenn wir an Vorweihnachtszeit denken, kommen uns sofort verschiedene Bilder ins Gedächtnis: Mit dem Glühwein am Abend auf dem Weihnachtsmarkt, Tee trinkend und Plätzchen essen, auf dem Sofa einkuscheln, durch den Schnee stöbern, Weihnachtsfilme schauen und weihnachtliche Musik hören, den Weihnachtsschmuck in den Fenstern bestaunen etc.

Was aber wenn sich plötzlich das komplette Umfeld ändert, man nicht von Tannen, sondern von Bananenstauden umringt ist. Wenn es nicht mehr bewölkt, kalt und grau ist, sondern die Sonne in voller Stärke vom Himmel brennt und nur zwischendurch von heftigen Regenschauern unterbrochen wird. Ist Weihnachten dann überhaupt noch möglich? Und was bedeutet es für die Menschen, die da leben? Haben sie eine ganz andere Vorstellung? Wie feiern sie denn eigentlich Weihnachten?

Es fängt schon damit an, dass man hier in Tansania, wo ich als Missionarin auf Zeit lebe, nicht bereits im September (als ich ausgereist bin) Weihnachtsgebäck in den Supermärkten kaufen kann, wie in Deutschland. Und auch jetzt sind die einzigen sichtbaren Plastikweihnachtsbäume solche, die im „europäischen“ Supermarkt verkauft werden.

Der Advent wird im Konvent der Schwestern vom Kostbaren Blut aber auch so gefeiert, wie in Deutschland. Ein festlicher Gottesdienst, ein Adventskranz mit vier Kerzen und adventliche Lieder. Zwei weitere Volunteers und ich haben dann spontan „Wir sagen euch an den lieben Advent“ zum Besten gegeben, um die Heimat ein bisschen näher zu holen.

Ansonsten beginnt die Vorbereitung auf Weihnachten hier kurz vor den Feiertagen. Am 24. Dezember werden ganz viele Kühe, Ziegen und Hühner geschlachtet, die auf dem Markt an alle verkauft werden, die keine eigenen Tiere haben. Dann werden die Häuser geschmückt. Wer die Möglichkeit hat, nimmt natürliche Weihnachtsbäume, hier kleine Zypressen, ansonsten die aus Plastik. Diese werden mit Lametta und Luftschlangen und kleinen Anhänger wie Sterne geschmückt. Diejenige, die mehr ausgeben können, hängen auch mal eine Lichterkette ans Dach. Bei den Schwestern ist außerdem in der Kirche und im Speisesaal eine Krippe mit Jesus, Maria und Josef und den Tieren aufgestellt. Ansonsten werden die Häuser – bei vielen eben Wellblech-Hütten – nicht viel dekoriert.

An Heiligabend gehen alle in die Kirche, auch diejenige, die seit Monaten nicht mehr in der Kirche waren oder aus Prinzip nur an Weihnachten gehen. Der Gottesdienst wird mit Weihnachtsliedern gestaltet und die Opfergaben beschränken sich diesmal nicht nur auf Geldgaben. Auch Nahrungsmittel, wie Bananen, eine Ziege (wenn es sich das Dorf leisten kann), Getreide, Eier oder Milch gehören dazu.

Danach beginnt das große Festessen, das die nächsten zwei Tage dauert: Chips (wie Pommes), Fleisch (Hühnchen, Rind oder Ziege – was man sich eben leisten kann), Eis, Soda (immer von Coca-Cola) und auch im Konvent abends mal einen Wein. Ansonsten wird auch gerne Spaghetti oder „Pilau“ (Reis mit Fleisch und vielen Gewürzen) gekocht. Ein großes Festmahl und eine willkommene Abwechslung, da es im Alltag meist nur „Ugali“ (Maisbrei) und Gemüse oder „Makande“ (Mais und Bohnen) gibt.

Am ersten Feiertag geht man morgens wieder in die Kirche und setzt die Feier fort. In aktiven Pfarreien kann auch mal ein Krippenspiel organisiert sein. Gefeiert wird hier immer mit der Familie. Viele Leute, die zum Arbeiten wegziehen mussten, sparen das ganze Jahr, um an Weihnachten daheim sein zu können. Dazu rotiert man zum Beispiel innerhalb der Familie, so dass man nicht jedes Jahr bei den Gleichen feiert, oder jede Familie zahlt einen Beitrag, wovon das gemeinsame Essen finanziert werden kann. Es wird Weihnachtsmusik gehört, viele Lieder auf Swahili, aber auch amerikanische Weihnachtssongs – meist auf Radio Maria, einem christlichen Radiosender. Die Geschenke liegen, wie bei uns auch, unter dem Weihnachtsbaum und wenn man eine Karte geschenkt bekommt, wird sie wie Schmuck an die Äste des Baumes gehängt. Das größte Geschenk hat man sich aber eigentlich schon gegönnt: Das ist neben der Feier das Outfit. Das ganze Jahr über wird gespart, damit zu Weihnachten jeder neu eingekleidet werden kann. Wer in die Messe kommt, von dem wird erwartet, dass er ein neues schönes Kleid trägt.

Am 26. Dezember besucht man nochmal andere Verwandte oder, im Fall der Schwestern, andere Gemeinschaften, die in der Nähe sind, und feiert mit ihnen zusammen. In den Pfarreien wird außerdem Essen an die Armen verteilt. Da sind die Schwestern auch immer im Einsatz.

Als ich all das gehört habe, war ich doch erstaunt, dass das so ähnlich zu unserem Weihnachten ist, auch wenn das ganze Rundherum so unterschiedlich ist. Deswegen wollte ich wissen, was ist denn „typisch tansanisch“ ist? Die Antwort war leicht: „The tanzanians just know how to celebrate.“ Die Tansanier wissen einfach, wie man richtig feiert. Weihnachten ist für sie das wichtigste Fest im ganzen Jahr und darauf wird gespart, so dass man eine riesige Feier organisieren kann und alles in neuem Glanz erstrahlt. Dafür wird viel (bis alles) investiert.

Dementsprechend ist bei den meisten für Silvester nicht mehr wirklich Geld übrig, so dass sich das Fest eher im kleinen Rahmen abspielt. Ein Feuerwerk, so wie wir das kennen, gibt es hier zwar nicht, aber nachdem bis Mitternacht runtergezählt wurde, werden Autoreifen angezündet und (leider) auch andere Dinge, um das alte Jahr zu vertreiben und das Neue Jahr willkommen zu heißen. Die Schwestern gehen kurz vor Mitternacht in die Messe und läuten das Neue Jahr dann mit einem Glockenspiel ein.

Die Kehrseite des Weihnachtstrubels ist leider die Kriminalität. Rund um Weihnachten muss man vor allem auf dem Markt aufpassen, da die Leute, die Geld für die Feier brauchen, häufig einen Diebstahl zur finanziellen Notlösung verüben. Vergleichbar mit den Taschendieben auf den Weihnachtsmärkten bei uns zu Hause.

Speziell am Weihnachtsabend ist es Kindern nicht mehr erlaubt rauszugehen, da die Gefahr durch verstärkten Alkohol- und Drogenkonsum sehr groß ist, dass etwas passiert. Deswegen sieht man an den Feiertagen, vor allem in den Städten auch viele Polizisten patrouillieren. All diese Eindrücke sind natürlich vor allem gültig für die Gegend, wo ich in Einsatz bin – nahe von Arusha im Norden von Tansania.

Ich freue mich jetzt schon sehr das Weihnachtsfest selber zu erleben und bin gespannt, was für mich wohl der größte Unterschied zum Fest zu Hause sein wird und was mir am meisten in Erinnerung bleiben wird.

Merry Christmas and a Happy New Year! Erholsame Feiertage und einen guten Rutsch!

Meine ersten Wochen in Tansania

Vier Wochen bin ich jetzt schon als Missionarin auf Zeit in Poli Singisi/Tansania und langsam komme ich an. Bei so viel Trubel wie hier herrscht, ist das gar nicht mal so leicht. Der eine Monat kommt mir vor wie drei. Unglaublich, wie viel passiert ist! Aber von vorne…

Am 11. September ging es sehr früh mit meiner Familie zum Flughafen in Nürnberg zur letzten Abschiedsrunde. Über Amsterdam flog ich zum Kilimanjaro Airport, den ich leider erst im Dunkeln erreichte, weshalb mir mein Sitzplatz am Fenster nicht sonderlich viel gebracht hat. Endlich gelandet, bin ich von einer deutschen Schwester, die hier für das Homecraft Center, in dem ich arbeite, verantwortlich ist, einer tansanischen Schwester, die auch als Lehrerin in der Schule arbeitet, und einigen Mädchen abgeholt worden. Alle haben mich sehr herzlich begrüßt. In Poli Singisi angekommen, sind allerdings rund 30 weitere Mädchen auf mich zu gerannt, die mich auch alle umarmen wollten. Das dauerte dann … 😀

Ich habe hier mein eigenes Zimmer mit eigenem Bad (an das kalte Wasser zum Duschen muss ich mich allerdings noch gewöhnen). Ein Kleiderschrank, ein Schreibtisch, ein Bett. Das Gelände besteht aus einem großen Bau, in dem sich eins der Klassenzimmer, der Store, die Teeküche, das Office und das Lehrerzimmer befinden. In einem weiteren befinden sich die Schlafräume und Bäder der Mädchen und ein Gästezimmer. Außerdem gibt es ein Küchengebäude für den Unterricht, eine Küche für die Mädchen, die ihr Essen selbst kochen, ein weiteres Klassenzimmer und einen großen Garten, in dem sie Gemüse anbauen.

Zurzeit leben hier im Konvent, der ein paar Meter vom Schulgelände entfernt ist, zehn Schwestern, die fast alle aus Tansania kommen. Am Essenstisch wird deshalb doch häufiger auch Swahili gesprochen, was ich leider (noch) nicht verstehe. Dafür sprechen wir ja zum Glück alle Englisch. Das Zusammenleben funktioniert sehr gut, auch wenn es sich eigentlich fast nur auf das Gebet und das Essen beschränkt, da die Schwestern alle einfach sehr viel beschäftigt sind.

In der ersten Woche habe ich oft bei den Mädchen gesessen und mich (versucht) mit ihnen zu unterhalten. Einige sprechen aber ganz gut Englisch, so dass es meistens klappt. Wenn es dann mal in die Stadt ging, war natürlich alles super aufregend. Viele Dinge, die hier total alltäglich sind, fand ich einfach faszinierend. Dazu gehören die übervollen, klapprigen Hiaces (auch als Dala-Dalas bekannt), die hier zusammen mit den Piki-Pikis (Motorräder) die öffentlichen Verkehrsmittel darstellen, die Frauen und Männer, die egal was oder wie auf dem Kopf tragen, die Märkte, auf denen man alles kaufen kann (und einem auch alles mehrfach angeboten wird), die vielen Menschen in Arusha und die Farben (sei es die Natur, die Kleidung der Menschen oder die Häuser).

Nachdem zuerst eine tansanische Studentin meine Stunden gehalten hatte, bin ich mittlerweile voll in meinem Tagesplan drin. Ich stehe für meine Verhältnisse sehr früh auf, nämlich um 5.40 Uhr. Dann geht es zur Messe, zum Frühstück und in den Unterricht bzw. zur Büroarbeit. Um 13 Uhr gibt es Mittagessen und von 14 bis 17 Uhr fällt noch mal Büroarbeit an. Um 18 Uhr gehe ich in die Vesper, vorher je nachdem mit Rosenkranz oder Anbetung, anschließend gibt es Abendessen. Danach verbringe ich Zeit mit den Mädchen oder alleine, bis es dann um 22 Uhr Schlafenszeit ist.

Meine erste Unterrichtsstunde war schon eine Herausforderung. Es ist nämlich gar nicht so leicht einen abwechslungsreichen und interessanten Unterricht zu gestalten. Und seine Autorität muss man sich auch erst einmal erkämpfen. Das Verständigungsproblem ist dabei, je nach Tagesform von Lehrer und Schülern, unterschiedlich groß. Aber es wird … Übung macht den Meister!

Ich hatte in den vergangenen Wochen außerdem das Glück schon einige Feiern miterleben zu dürfen – und das ist hier wirklich etwas Besonderes! Es wird getanzt, gesungen und gelacht! Es gibt viel zu Essen und auch Unterhaltungsprogramm … ein Fest für alle! Egal, ob bei der Verabschiedung von einer unserer Lehrerinnen, bei der Graduation in der Secondary School oder bei der Eröffnung eines neuen Konventgebäudes in der Nähe und der ersten Profess einer Novizin.

Außerdem habe ich Schwestern in Lushoto besucht, das in den Usambara Mountains liegt, und habe da einen der schönsten Orte überhaupt entdeckt. Mitten im Dschungel und dennoch mit Aussichtspunkten über das ganze Flachland, einfach unglaublich!

Jetzt steht aber erstmal wieder „normaler“ Alltag bevor. Wir müssen ganz schön dran bleiben, da die Mädchen im Dezember Prüfung haben und bis dahin noch einiges zu erledigen und zu schaffen ist! Deswegen, ran an den Speck, auf die Plätze, fertig, los!

Ein Kreuz in fünf Farben und erste Worte auf Swahili

Die vergangene Zeit war wieder sehr ereignisreich. Ich hatte meinen Aussendungsgottesdienst für den bevorstehenden Einsatz als Missionarin auf Zeit in Tansania und habe einen Informationsstand am Pfarrfest meiner Gemeinde gemacht. Außerdem war ich in einem Sprachkurs für Swahili, so dass ich jetzt schon ein paar Sachen sagen kann.

Zu meinem Aussendungsgottesdienst kam Pater Roberto Turyamureeba aus Uganda, Mitarbeiter in der Stabsstelle Weltkirche des Erzbistums Bamberg, von den Comboni-Missionaren, den ich auf dem Länderseminar kennen gelernt hatte. Zusammen mit dem Chor Sanctissimo meiner Gemeinde haben wir den Gottesdienst afrikanisch gestaltet und ich bin somit offiziell entsandt worden. Ich habe zwei markante Zeichen überreicht bekommen: ein Kreuz in fünf Farben und die Taschenbuch-Ausgabe von „Gottes Wort für jeden Tag“. Ersteres soll mich „daran erinnern, glaubwürdige Zeugin zu sein – das zweite soll auf Gott hinweisen, der sich auf die Seite der Menschen stellt.“

Was mir besonders wichtig war, was Roberto gesagt hat, ist, dass ich Botschafterin der Gemeinde von St. Walburga in Nürnberg-Eibach, aber auch von allen deutschen Gemeinden bin und dass ganz viel von dem, was ich tun werde, auf alle Deutschen projiziert werden wird. Das hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie viel Verantwortung ich da eigentlich auch habe. Zum Abschluss habe ich dann den Segen für meinen Einsatz bekommen und dadurch die Unterstützung der ganzen Gemeinde. Es war wirklich ein sehr bewegender Gottesdienst, der mir gezeigt hat, dass es viele Menschen gibt, die hinter meinem Projekt stehen und mich dabei unterstützen – ein schönes Gefühl!

Am nächsten Tag habe ich im Rahmen des Pfarrfests einen Infostand über mein Projekt gemacht, zu dem jeder, der wollte, kommen konnte, um sich zu informieren oder sich einfach nur ein bisschen zu unterhalten und auszutauschen. Außerdem habe ich noch eine Aktion für Kinder gemacht, nämlich Kinder-Schminken, um ein paar Spenden zu sammeln. Passend zur WM haben wir natürlich Flaggen auf die Wangen gemalt. 😉

Ein weiterer Höhepunkt war der Sprachkurs für Swahili, den ich besucht habe. Wir haben unheimlich tolle Leiter gehabt, von denen eine selbst Missionarin auf Zeit war, die uns unglaublich viel beigebracht haben – an nur einem Wochenende. Und das ist wirklich gar nicht so einfach, da die Sprache komplett anders aufgebaut ist, als das Deutsche oder Englische, Französische oder Spanische, was ich so aus der Schule kenne. Aber mittlerweile kann ich mich auf Swahili vorstellen, sagen, wer ich bin, wo ich herkomme, was meine Aufgabe ist, bis zehn zählen und nach dem Weg fragen. Jetzt heißt es dann nur noch Vokabeln lernen, lernen, lernen…

Morgen starte ich in den Sommerkurs, das letzte Seminar vor unserer Ausreisen und dann in die drei Wochen Mitlebezeit im Kloster. Ich freue mich unglaublich drauf! Die Leute wieder zu sehen, sich auszutauschen, die gemeinsame Vorfreude und die vielen Erfahrungen, die wir wieder machen werden.