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Kloster Tabgha: „Die Brandstifter haben unbewusst zwei Feuer gelegt“

Einige Tage nach dem Brandanschlag vom 17. auf 18. Juni 2015 auf das Benediktinerkloster Tabgha möchte ich kurz aus meiner ganz persönlichen Sicht vor Ort darüber berichten. An Informationen und Bildern mangelt es sicher nicht in unserer modernen Medienwelt.

Die erste Erfahrung: Nach einem fröhlichen Tag, an dem man lachend auseinander geht, findet man sich mitten in der Nacht vor einem gewaltigen Feuer, das unausweichlich niederbrennt, was alle lieben. So schnell kann alles anders sein und man lebt in einer anderen Wirklichkeit.

Pater Zacharias stand am längsten auf dem Dach und versuchte das Feuer aufzuhalten, damit es nicht auf die Kirche übergreift, was glücklicherweise auch nicht passiert ist. Die Schäden sind groß, allerdings sind Kirche, Oratorium und alle Speise- und Privaträume erhalten geblieben. Das Leben kann also eingeschränkt weitergehen. Menschliches Leben blieb unversehrt, bis auf die Rauchvergiftung, d.h. Sophie hatte etwas zu viel und Pater Zacharias deutlich zu viel Kohlenmonoxid abbekommen, so dass er bis Freitag in Safed im Krankenhaus blieb. Dort war ich die meiste Zeit bei ihm, weil er nur eingeschränkt englisch spricht. Mit Sicht auf den See von der schönen Stadt Safed aus beteten wir die Vesper zusammen.

Die zweite Erfahrung schließt sich an eine Bemerkung von jemand an, der meinte, nach diesem Feuer mag er den Gedanken nicht mehr, dass Gott wie verzehrendes Feuer sei. Nun sind Tausende und Abertausende von Menschen herbeigeströmt, um ihre Anteilnahme auszudrücken, sich für die Brandstifter zu entschuldigen, Hilfe anzubieten, zu beten, singen und in großer Gemeinschaft miteinander ihren Glauben zu teilen, der sich hier innerhalb der christlichen Welt in viele Lager aufspaltet. Es kamen auch Juden und Muslime in großer Zahl, vom Handwerker, der mit Blumen, Freunden und Werkzeug kam, Familien, die dem Abt ein Rosensträußchen überreichten, einem alten Mann, der einen Olivenbaum brachte mit einem Zettel, er möge 100 Jahre in Frieden bei uns wachsen, bis zu religiösen und politischen Führern aller Couleur … So glaube ich persönlich, die Brandstifter haben unbewusst zwei Feuer gelegt: Eins, das zerstört, und ein größeres, das verbindet und Liebe und Gemeinschaft stiftet, wie es zuvor nicht denkbar war.

Man fühlte sich fast erdrückt von so viel Anteilnahme. Die Christen im Land wurden auf außerordentliche Weise gestärkt. Allein am Sonntagnachmittag wurden 21 Busse erwartet und die Straße war bis zum Berg rauf eine einzige Autoschlange. Es trafen sich melkitische, orthodoxe und aramäisch sprechende Christen, die eine Demonstration für ihre Anliegen anschlossen. Das Treffen war laut und fröhlich und irgendwie hatte es in unseren Ohren Festivalcharakter. Unsere Aufgabe, die Grenzen hin zu privatem Grund zu schützen, war nicht einfach. Nicht alle Menschen fügen sich gern Anordnungen, und das arabische Temperament ist deutlich anders als unseres. Zu sehen, wie in dieser Hitze auf ausgedörrtes Gras Zigarettenkippen geworfen wurden, hat mir echt Nerven geraubt. In einem Tiefpunkt, als ich nicht mal mehr lächeln wollte, war da plötzlich ein nettes junges Paar, und es entstand ein Gespräch wie eine aufgehende Blume, geprägt von aufrichtigem gegenseitigen Interesse und lernendem Zuhören über Religion, Kultur bis hin zum Sinn des Lebens. Beide arbeiten für die UNO, kamen nur zufällig hier vorbei. Auch Suhad, unsere Köchin, die wie alle arabischen Mitarbeiter schwer mitgenommen war von der Art, wie man sich im Land Christen gegenüber verhält, war mit Familie bei diesem Treffen und glücklich über das stärkende Miteinander von Christen in dieser Region.

Die dritte Erfahrung ist, dass in der ganzen Zeit nie auch nur eine Spur von Hass, Wut oder Rache zu spüren war. Es ist eine durch und durch friedliche Stimmung. Wir kennen die Motive der Täter nicht tiefergehend. Abt Gregory hat deutlich aktive Aufklärung eingefordert, betonte aber, wie wichtig es gerade in dieser Region ist, Frieden zu leben, der von Liebe und Vergebungsbereitschaft lebt – im Kleinen und im Großen. Sogar ein Brandanschlag könne Teil einer Erziehung zum Frieden sein. Eine gute Erfahrung auch für die jungen Volontäre, die allmählich in ihre Heimat aufbrechen und sich vorbildlich ins Leben hier eingebracht haben.

Ich persönlich bin froh, dass hier im Kloster alle an Leib und Seele unversehrt geblieben sind. Der materielle Schaden kann behoben werden und ist hoffentlich versichert, da tut man sich mit der Vergebung natürlich leichter, als wenn Menschen schwer leiden müssen. Für die Täter und uns alle wünsche ich mir, dass wir Menschen nicht so verbohrt und engstirnig unsere Grenzen verteidigen, sondern der Liebe und Weisheit Gottes in den Herzen mehr Raum geben, um aufeinander zu hören und voneinander zu lernen.

In diesem Sinne ein herzliches Shalom aus Israel!

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Weggemeinschaft im benediktinischen Lebensstil

Mit der aufgehenden Sonne über dem See von Genezareth nachösterliche Grüße in die Heimat! Zeit ist vergangen, gefüllt mit viel Leben – innerlich und äußerlich.

Die kühle Winterzeit haben wir neben viel häuslicher Arbeit dazu genutzt, für unsere Besuchergruppen in Beit Noah einen Minigolfplatz zu bauen und mit Arche Noah-Figuren zu gestalten. Dazu wurden zerschnittene T-Shirts in Beton getaucht und um Figuren gewickelt, gefüllt und dann mit Farbe gestaltet. Insgesamt viel kreative Arbeit, die uns gut miteinander verbunden hat und am Ende ein gelungener Anblick ist und Freude am gemeinsamen Spiel bewirken soll.

Tabgha ist ein Ort, der vom Kommen und Gehen und vom Geben und Empfangen lebt. Wer hier lebt, gibt dem Ort Leben durch das, was er einbringt und wie er es einbringt. In dieser Haltung ging Sr. Felicity zurück auf die Philippinen, um Platz zu machen für eine neue Schwester, die wir erwarten. Wir haben sie auf verschiedene Weise verabschiedet und sind dankbar für ihr Lebenszeugnis.

Gemeinsam mit Pater Matthias habe ich für die Volontäre eine Zeit der Weggemeinschaft auf Ostern hin und darüber hinaus angeboten, zu der auch verschiedene Mönche sich inhaltlich einbrachten. Eine gute Zeit, die am Berg Tabor mit Bibel teilen und Picknicken begonnen hat, uns etwas monastische Lebensweise und Psalmengebet erklärt hat. Sie diente uns auch als Vorbereitung auf die 1. Profess der zwei jungen Novizen Br. Nathanael und Br. Simeon in der Dormitio-Abtei Jerusalem, der wir alle beiwohnten. Mit dabei waren meine Mutter, Bruder, Schwägerin und Sohn, die gerade zu Besuch waren.

Pater Matthias führte uns anschaulich in das Triduum Paschale ein. Zu dessen Inhalt hat jeder von uns dann ein Bild aus kleinen Stoffstücken gestaltet, das ich mit der Nähmaschine etwas bearbeitete und in Karten verwandelte. Das Bild oben ist von Joe, einem unserer amerikanischen Volontäre. Er hat die Fußwaschung Jesu gestaltet, die daran erinnert, dass wir hier sind, um einander zu dienen, wie Jesus es tat, und damit Licht in die Welt bringen.

Ein vorläufiges Ende fand die Weggemeinschaft bei Peter’s Primacy, der kleinen Kirche der Franziskaner nebenan. Dort haben wir als Bibliodrama die Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern am See gestaltet, sozusagen die Geschichte vor Ort mit Personen belebt. Das war eine aufschlussreiche Erfahrung für uns alle. Danach hat Prior Basilius Fisch nach amerikanischer Art – auf in Wasser eingelegten Holzbrettern – gegrillt und uns dazu Brot gereicht. Lecker und rauchig!

Ostern hier zu erleben ist etwas, das sich wohl viele Menschen wünschen. Einfach ein Geschenk! Wie schon an Weihnachten, konnte ich auch an Ostern feststellen, wie schön es ist, wenn so viele Menschen zusammen helfen, dass der äußere Rahmen passt und erfüllt werden kann mit wirklich sinnvollen Inhalten.

Die Osternacht begann um 4 Uhr am Osterfeuer. Nach dem Wortgottesdienst zogen wir zur Eucharistiefeier nach Dalmanita an den See Genezareth, wo gerade die Sonne wie ein großer Ball aufging und auf die Gaben von Brot und Wein schien, die hier täglich in beiden Gestalten gereicht werden.

Das Osterfrühstück fand im Pilgerhaus zusammen mit allen Gästen, Pilgern, Volontären, Schwestern, Mönchen und Msgr. Ludger Bornemann, dem Leiter Hauses, statt. Nachmittags fuhren wir mit dem Schiff von En Gev nach Tiberias. Der Ausflug am Ostermontag mit Mönchen und Volontären ging durch das Taubental, der Weg, den Jesus seinerzeit auch nahm, um von Nazareth kommend an den See zu gelangen.

In Beit Noah sind die Zelte wieder aufgestellt, so können in Häusern und Zelten bis zu 80 Personen wohnen und sich selbst versorgen. Gerade ist eine Gruppe aus Bethlehem mit blinden Kindern da. Alle spielen am Pool, werfen Steine, aber niemand fällt hinein. Es sind sehr fröhliche Kinder, die uns zeigen, wie viel Sinne der Mensch noch hat und wie viel Lebensfreude.

Nun bin ich sieben von inzwischen 24 beschlossenen Monaten hier und kann sagen, dass wir wie eine Familie zusammengewachsen sind. Es ist nicht jeden Tag Friede, Freude, … Aber wir bilden miteinander eine wohlwollende Gemeinschaft, lachen viel und können auch mal deutlich miteinander reden. Unter „wir“ verstehe ich in der Hauptsache das Zusammenleben von Mönchen, Volontären und Mitarbeitern.

Der Rahmen für das Zusammenleben ist geprägt vom benediktinischen Lebensstil und dem Tagzeitengebet, das dem Tag seine Struktur und seine Pausen vor Gott gibt. Es ersetzt allerdings nicht die persönliche Zeit mit dem Herrn, die uns ja lebendig hält.

Nun klingelt das Glöckchen zur Vesper! Ich grüße Sie/ Euch in der Heimat herzlich und zünde eine Kerze an für die vielen guten Projekte, die über diesen Blog zur Sprache kommen.

Danke für so viel gute Arbeit im Reich Gottes dieser Welt.

Mönche am See Genezareth

Am biblischen Ort der Brotvermehrung, wo ich derzeit als Volontärin tätig bin, leben seit 1939 deutschsprachige Benediktinermönche. Seit fast zwei Jahren wohnen sie im neu errichteten Kloster. Ein Klosterneubau wurde notwendig, nachdem das alte Wohngebäude im erdbebengefährdeten Gebiet am Nordufer des Sees Genezareth immer mehr Risse bekam, zum Teil armdick. Der einsturzgefährdete Altbau wurde unmittelbar nach Bezug des Neubaus abgerissen.

Der Neubaukomplex des Klosters von Tabgha wurde südlich an die Brotvermehrungskirche angebaut, an jene Stelle, wo bereits in byzantinischer Zeit ein Kloster stand. Im neuen Benediktinerkloster leben zurzeit sechs Mönche. Da Abt Gregory und Cellerar Bruder Simon Petrus aus Jerusalem regelmäßig kommen, wird für sie eine Zelle freigehalten. Die noch verbleibenden Zellen werden von Gastmönchen genutzt. Gäste fehlen dem Kloster nie!

Das Refektorium im neuen Kloster ist sehr großzügig gebaut. Dort essen – nach monastischer Tradition – in Stille, mit Tischlesung beziehungsweise Tischmusik – die Mönche gemeinsam mit den anwesenden Gästen und Volontären zu Abend. Ein angenehm ruhig und klar gestalteter Raum. Das gemeinsame Essen hat eine beeindruckende Wirkung auf uns alle, es findet still und sehr schnell statt.

Das Gästerefektorium unter dem Oratorium, in dem wir unsere anderen Mahlzeiten einnehmen, schätzen wir alle sehr. Hier kann geredet, gelacht und diskutiert werden, wir lernen die neuen Gäste kennen und haben gute Gemeinschaft mit den arabischen Mitarbeitern.

Im Zuge des Neubaus entstand auch ein modern gestalteter Gebetsraum, das Oratorium des Klosters. Es steht tagsüber für alle offen, hat 12 bunte Glasfenster und über dem Altar eine schwebende eucharistische Taube. Hier finden, außer dem morgendlichen Gottesdienst, alle gemeinsamen Gebetszeiten statt, die auch von Gästen und Volontären gut besucht werden. Eine weitere Besonderheit des Oratoriums ist der Wetterfisch auf dem Dach, er ist etwas dick, fast wie ein Wetterwal:)

Mit dem Neubau entstanden zwei schlicht gestaltete Sprechzimmer, die für Begleit- und Beichtgespräche genutzt werden. Nach Tabgha kommen sehr viele Touristen und Pilger. An manchen Tagen bis zu 5000. Daher ist es für alle, die permanent an diesem Ort leben, wichtig, auch einen Raum des Rückzugs zu haben. Neben den bereits erwähnten Mönchszellen sind das der Klausurhof, ein vom Neubau umschlossener Gartenbereich, der Kapitelsaal (der Versammlungsraum der monastischen Gemeinschaft), die Rekreation (Wohnzimmer des Klosters) und die Bibliothek.

Selbstverständlich sind auch viele Nutzräume errichtet worden, wie zum Beispiel die neue Küche, eine Wäscherei, eine Werkstatt und eine Besonderheit in Israel: ein großer Bunker für Kriegstage. Alles ist erdbebensicher gebaut. Der Klosterneubau ist klar, ruhig und schön. Er erleichtert den Mönchen das Dasein im Heiligen Land, besonders in der heißen Zeit. Es ist eine Herausforderung, einem so wunderbaren Gebäude das Leben zu geben, das man ihm schuldet. Wir haben außer beim Gebet, Abendessen und in der neuen Küche wenig Berührung mit dem Inneren des Klosters, denn wir wohnen und arbeiten außen. Ich persönlich habe inzwischen eine kleine Wohnung unter dem alten Speisesaal, mit Blick auf den Klosterneubau, Kirche und See. Sie ist alt, aber ich bin dort sehr glücklich.

Priorat Tabgha, See Genezareth

„Dann werden sie kommen und jauchzen auf Zions Höhen“

In der Klosterbäckerei. Foto: Andrea Krebs
In der Klosterbäckerei. Foto: Andrea Krebs

Im Pilgerhaus in Tabgha tagten eine Woche lang rund 60 Äbte und einige Äbtissinnen, die in der Kongregation der Verkündigung zusammengeschlossen sind. Die Mönche führten durch das neue Kloster, die Volontäre erklärten ihre Aufgaben in der Begegnungsstätte – auf Deutsch, Englisch und Französisch. In der Küche wurde herrlich viel kreiert. Nach der gemeinsamen lateinischen (sprachverbindenden) Vesper feierten wir ein fröhliches Fest. Es erinnerte mich an das Lied: „Dann werden sie kommen und jauchzen auf Zions Höhen und jeder wird sich freuen an den Gaben des Herrn. Über Korn und über Wein, über Öl und junge Schafe, über Rinder auf den Weiden, halleluja.“

Mein Nähzimmer mit dem schönen Ausblick auf den See Genezareth nimmt immer mehr Gestalt an. Pater Matthias baute mir aus den Handläufen des alten Klosters und einem Besenstiel einen Ständer, auf dem Messgewänder, die zum Reparieren gebracht werden, oder Habite einen angemessenen Platz haben. Ein altes Regal aus dem Schuppen wurde zum Stoffregal. Die erste Nähmaschine aus Deutschland (gesponsert von Gabi Heller) ist bereits angekommen. Vielen Dank!

Messgewänder am neuen Ständer. Foto: Andrea Krebs
Messgewänder am neuen Ständer. Foto: Andrea Krebs

Am Tag der Deutschen Einheit waren zwei Benediktinerinnen aus Berlin-Alexanderdorf bei uns zu Besuch. Es war das erste Mal, dass jemand aus ihrem Orden aus dem Osten Deutschlands ins Heilige Land reiste. Sie brachten ihre jüdische Freundin Hella mit, die in Berlin Ethiklehrer ausbildet. Ein fröhliches Gespann. Wir badeten gemeinsam im See Genezareth, das ist hier nur an einer Stelle möglich. Mein Sohn und meine Schwiegertochter heirateten am Tag der Deutschen Einheit. Auch ihre Liebe und nun die wunderbare kleine Familie sind eine Frucht dieses Tages. Dafür danke ich Gott von Herzen.

Mehr zum ThemaTabgha am See Genezareth – eine kleine Oase des Friedens

Tabgha am See Genezareth – eine kleine Oase des Friedens

Vertrautes Gesicht in der Ferne! Am 31. August wurde ich von Pater Matthias und einem Volontär in Tel Aviv abgeholt, hergebracht und herzlich aufgenommen. Tabgha in Galiläa am See Genezareth ist mir ein bekannter Ort, der mich doch ins Staunen bringt. Bei all den Nachrichten über die Auseinandersetzungen im Land eine kleine Oase des Friedens.

Ich habe hier vorerst eins abgemacht: Zwei Jahre Lebenszeit, die ich in besonderer Weise meiner Beziehung zu Jesus Christus widmen möchte und außerdem einer schönen Lebensgemeinschaft hier am Ort. Sie besteht aus sechs Benediktinermönchen, die mit zwölf Mönchen in Jerusalem zusammengehören, sechs Volontären aus Deutschland und Amerika und neun arabischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hinzu kommen die aktuellen Gäste und die große Gruppe der Pilger aus aller Welt, die sich von der Schönheit und der Botschaft dieses Ortes berühren und senden lassen.

Meine Aufgaben sind bisher angedeutet, aber noch nicht so ganz konkret. Ich habe hier ein  Nähplätzchen mit herrlichem Blick auf die Brotvermehrungskirche, den Klosterneubau und den See Genezareth. In der zweiten Hälfte des Raumes hat sich Pater Prior Basilius ein Malatelier eingerichtet.

Neben mir liegt die erste Aufgabe: Eine Albe von Bruder Nathanael, der Faden wurde morsch, die Nähte gingen auf. Neben meiner Tätigkeit an der Nähmaschine, wo so einiges entstehen wird, kommen die Verantwortung für das Gästerefektorium und Hilfe in der Küche hinzu. Außerdem ein Dienst für die Volontäre, der sich noch herauskristallisiert.

In der Begegnungsstätte Beith Noah, wo den Sommer über Gruppen jüdischer und palästinensischer Kinder mit Behinderung Urlaub machen dürfen, möchte ich ein kleines Nähprojekt anbieten. Paul, der Verantwortliche für alle Volontäre in Beith Noah, und Prior Pater Basilius sind dafür aufgeschlossen. So bitte ich meine Freundin Brigitte, mir zwei Nähmaschinen zuzusenden, die mir für diese Art von Arbeit geschenkt wurden.

Kleber für Nähmaschine

4.9.14: Ich war ich mit Pater Jonas einkaufen. Das Nähmaschinenöl entpuppte sich allerdings als Kleber! So ist das, wenn man die Schriftzeichen nicht lesen kann. Aber ich bekam auch eine herrliche Taschenlampe, damit ich im Dunkeln nicht stolpere, denn zur Laudes (5:30 Uhr) und zur Komplet (20:15 Uhr) ist es schon dunkel.

Am Pool kann man sich in der Früh und nachmittags, wann immer man halt will, erfrischen, denn heiß ist es hier! Wir haben zwischen 32 und 38 Grad zurzeit.

Heute treffe ich mit Pater Matthias Gabi, aus Regensburg, die um 16 Uhr mit der Gruppe St. Augustin aus Würzburg, Gottesdienst hat. Wir haben alle drei zusammen den Gestaltkurs in Werdenfels besucht.

Rollmäppchen aus Tischdecke

7.9.14: In Beith Noah war eine arabische christliche Gruppe zu Besuch. Sie nennen sich „House of light“ und bestehen in der Hauptsache aus einem sehr engagiertem Ehepaar und vielen Helfern. Anis, der Mann geht regelmäßig in die Gefängnisse, lässt sich die Listen von den christlichen Gefangenen geben und besucht sie. Er erzählt von seinem Glauben und bestärkt die Gefangenen im christlichen Glauben, damit sie Kraft und Hoffnung schöpfen. Dann besucht er ihre Familien und versucht sie so gut wie möglich zu unterstützen. Zu Besuch bei uns  waren die Familien der Gefangenen, um sich zu erholen.

Ich bot ihnen an, mit den Kindern etwas herzustellen an der Nähmaschine und sie waren sehr dankbar, weil sie niemanden für die älteren Kinder hatten.

So verkleinerte ich, mit Erlaubnis, eine alte Tischdecke, die ich im Keller fand und nähte mit den Kindern die auch hier beliebten Rollmäppchen. Plötzlich wurde es eiskalt und alles war nass. Ein kleiner Junge, der gerade einen Zorn auf seinen Bruder hatte, der gerade nähte, wollte ihn mit einem Glas kaltem Wasser erschrecken. Er traf nicht ihn, sondern mich, ganz, ganz schön „erfrischend“!

Abends, als alle schon abgereist waren, hatte ich noch ein gutes Gespräch mit Noel und Anis, die mich und uns alle herzlich einluden, sie zu besuchen. Wir beteten am Sonntag Abend miteinander, wie ich es seit 30 Jahren mit Freunden zu Hause um diese Zeit meistens tue. Das war sehr verbindend.

11.9.14: Heute machten die Patres mit den Volontären einen Ausflug in die „Berge“. Wir wanderten 16 km durch bewaldete Berglandschaft des Merongebirges. Am Schluss bereiteten wir mit Pater Jonas ein herrliches und üppiges Picknick im Freien.

„Die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation“

13.-15.9.14: Am Wochenende war eine Gruppe der Palestinian Medical Relief Society ( PMRS) in Beith Noah zu Besuch. Eine moslemische Gruppe mit einem vorbildlich liebevollen und partnerschaftlichen Umgang untereinander.

Majida, die Leiterin, besucht Familien mit behinderten Kindern und lehrt den Eltern diese Kinder anzunehmen und zu fördern. Eines dieser Kinder lebte sechs Jahre im Stall bei den Schafen, ein anderes lebte das ganze Jahr draußen.

Seit elf Jahren verbringt Majida mit diesen Kindern einige Ferientage wie hier in Tabgha. Diese Kinder sind dankbar und zufrieden. Ich habe mit ihnen kleine Kissen genäht und ihren Namen in Arabisch draufgestickt, darüber waren sie sehr glücklich. Nun wünschen sich die Mütter, dass ich nach Ramallah komme und ihnen lerne, wie das geht. Paul hat es ihnen für Januar, wenn hier nicht viel los ist, in Aussicht gestellt.

Das freut mich, denn die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich habe viel über arabische Lebensweise und Gastfreundschaft dieser engagierten Menschen kennengelernt und erlebt, was Jesus meinen könnte mit: „Liebe deinen Nächsten!“

15.9.14: In Dalmanutha, dem Platz am See, feierten wir mit 50 philippinischen UN-Soldatinnen und -Soldaten, die mit diesem Gottesdienst ihren Friedensdienst auf den Golanhöhen beendeten. Sie haben viel gegeben für ihre schwierige Mission bei der zunehmend eskalierenden Gewalt. Es war einfach schön, mit ihnen zusammen ganz selbstverständlich katholischen Gottesdienst zu feiern. Die philippinischen Schwestern, die hier auf dem Grundstück ein kleines benediktinische Kloster haben, bereiteten die Lieder vor und bekochten die Soldaten u.a. mit Fisch, den diese sich zuvor mit der Hand fingen.

Außerdem nahmen rund 20 christliche arabische Frauen aus Nazareth  und eine kleine österreichische Pilgergruppe teil. Es wurde deutsch, englisch und arabisch gefeiert.

Neue Woche, neues Glück!

Meine Aufgaben sind übersichtlich: Gardinen für zwei Gästehäuser nähen, Fischernetze flicken und in der Küche helfen, denn der zweite Koch hat nun endgültig keine Lust mehr. All diese Arbeiten finde ich sehr selbstverständlich und mit Suad, auch Mama und Oma, verstehe ich mich bestens und lerne von ihr.

Heute besuchte uns Abt Gregory in der Küche, eine herzliche Begegnung. Ihm habe ich letzten Herbst unter Anleitung von Sr. Benedikta, mein erstes Messgewand genäht.