Schlagwort-Archiv: Solidarität

Von Bienen Solidarität lernen

Bienen sind wichtige Insekten in der Natur und im Leben der Menschen. Sie werden seit jeher von Menschen geschätzt als Honigproduzenten, als Bestäuber der Kulturpflanzen und auch als Erzeuger von Heilmitteln wie Propolis. So lange es Menschen gibt und sie Honig essen, beschäftigen sie sich mit Bienen. Besonders faszinierend dabei ist, dass Bienen – vergleichbar mit Menschen – in Völkern, den Bienenvölkern, leben. Diese werden jeweils nur von einer einzigen Anführerin, der Königin, regiert.

Auch meine Familie in der Ukraine hat, seit ich denken kann, ein paar Bienenhäuser mit mehreren Bienenfamilien. Es war für uns Kinder immer spannend, den Opa in besonderer Kleiderausrüstung zu beobachten, wie er sich um seine Bienen kümmerte. Im Sommer suchte er immer wieder nach einer zweiten Bienenkönigin in einem Volk, um zu verhindern, dass die Hälfte der Bienen von diesem Volk sich selbstständig macht und wegfliegt. Sehr interessant war es für uns zu beobachten, wie der Großvater seine Bienen für den Winter fütterte, wie er Honig schleuderte und wie wir als erste von den Waben voller Honig eine Probe nehmen durften, aber auch wie er trauerte, wenn irgendeines der Völker von einer Krankheit befallen worden war. Nicht nur einmal wurde ich von Bienen gestochen: Es tat zwar weh, aber auf den Honig wollte ich deswegen trotzdem nicht verzichten.

Die biblischen Bücher des Alten Testamentes nehmen unterschiedlich akzentuierten Bezug auf Bienen. Wenn es beispielsweise um die feindlich gesinnten Eroberer ging, so wurden sie mit gereizten Bienen und deren Angriffs- und Stechlust verglichen (Dtn 1,44, Jes 7,18-20, Ps 118,12). Unübersehbar und geradezu sprichwörtlich ist der Fleiß und die Nützlichkeit dieser kleinen Tiere: „Klein unter den geflügelten Tieren ist die Biene, und doch bringt sie den besten Ertrag ein“ (Sir 11,3). Ein Mahnwort an die Faulenzer, das zugleich als Lob der kleinen, jedoch fleißigen Biene erscheint: „Gehe zur Biene, und lerne, wie arbeitsam sie ist, sie macht ihre Arbeit wie eine ehrenhafte, deren Erzeugnisse Könige und Privatleute zur Gesundheit verwenden, willkommen ist sie für alle und erwartet; auch wenn sie in der Kraft schwach ist, weil sie die Weisheit achtet, hat sie es so weit gebracht. Wie lange, Fauler, bleibst du liegen?“ (Spr 6,8f., LXX).

Unsere christliche Überlieferung hat das Positive aus den Bienengleichnissen übernommen und so haben Bienen bei uns einen eher positiven Ruf. Besonders vorbildlich war der Fleiß der Bienen in den geistlichen Unterweisungen der Mönchsväter. Die Bienen galten ihnen als vernünftige und kluge Geschöpfe in der Tierwelt, weil sie ein geordnetes gemeinschaftliches Leben führen, eine Aufgabeverteilung innerhalb ihres Bienenvolkes kennen und weil sie nach einem bestimmten Plan ihre Waben bilden. Gerade deshalb erkannten manche alte Denker darin ein Vorbild für den idealen Staat und der heilige Ambrosius von Mailand (+397) verglich die Kirche mit einem Bienenkorb.

Bienen-Solidarität: Foto: Oleksandr Petrynko
Bienen-Solidarität: Foto: Oleksandr Petrynko

Alles, was ich persönlich von den Bienen wusste und nun hier beschrieben habe, war nur eine schöne Theorie, bis ich Anfang Oktober 2015 in meinem Urlaub in Georgien das Bienenleben nochmal ganz bewusst erlebt habe. Die Fotos von diesem Erlebnis habe ich in einer alten Höhlenstadt Vardzia in Westgeorgien, nahe der Grenze zur Türkei gemacht. In einer Pause kaufte ich mir eine Waldmeisterlimonade (auf dem Foto grün im Glas, auf einem roten Tisch serviert). Sehr schnell und plötzlich waren mehrere Bienen und Wespen da. Eine der Bienen landete direkt in der Limonade und tat mir leid, als sie darin mehrere Kreisbewegungen machte. Sie schaffte dann doch herauszukommen, zwar nur langsam, aber letztlich kletterte sie bis an den oberen Rand des Glases. Und hier ist das Faszinierende passiert: Plötzlich setze sich eine der herumfliegenden Bienen auf den gleichen Rand hinter die nasse „süße“ Artgenossin und begann die verunglückte Biene abzusaugen, bis sie wieder fliegen konnte. Ich war für eine Weile außer mir vor Staunen. Denn nicht die Limonade auf der Freundin-Biene zog sie an, denn im Glas war ja viel mehr davon, sondern die Freundin selbst, die in Not geraten war. Da die Aktion relativ langsam verlief, konnte ich mit meinem Handy mehrere Bilder machen, die ich gerne mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, teilen möchte. Die Bilder zeigen Ihnen ein paar georgische Bienen, die nach wissenschaftlichen Untersuchungen den längsten Rüssel unter den Bienennationen auf der Erde haben, ihre georgische Heimat Vardzia und vor allem ein Beispiel ihres sozialen Verhaltens und ihrer Solidarität untereinander. Dies ist etwas, was die Menschen und gerade wir Christen von Bienen lernen können.

Eichstätt summt | Grußwort von Schirmherr Christoph Wölfle, Regens des Priesterseminars Eichstätt

Kloster Tabgha: „Die Brandstifter haben unbewusst zwei Feuer gelegt“

Einige Tage nach dem Brandanschlag vom 17. auf 18. Juni 2015 auf das Benediktinerkloster Tabgha möchte ich kurz aus meiner ganz persönlichen Sicht vor Ort darüber berichten. An Informationen und Bildern mangelt es sicher nicht in unserer modernen Medienwelt.

Die erste Erfahrung: Nach einem fröhlichen Tag, an dem man lachend auseinander geht, findet man sich mitten in der Nacht vor einem gewaltigen Feuer, das unausweichlich niederbrennt, was alle lieben. So schnell kann alles anders sein und man lebt in einer anderen Wirklichkeit.

Pater Zacharias stand am längsten auf dem Dach und versuchte das Feuer aufzuhalten, damit es nicht auf die Kirche übergreift, was glücklicherweise auch nicht passiert ist. Die Schäden sind groß, allerdings sind Kirche, Oratorium und alle Speise- und Privaträume erhalten geblieben. Das Leben kann also eingeschränkt weitergehen. Menschliches Leben blieb unversehrt, bis auf die Rauchvergiftung, d.h. Sophie hatte etwas zu viel und Pater Zacharias deutlich zu viel Kohlenmonoxid abbekommen, so dass er bis Freitag in Safed im Krankenhaus blieb. Dort war ich die meiste Zeit bei ihm, weil er nur eingeschränkt englisch spricht. Mit Sicht auf den See von der schönen Stadt Safed aus beteten wir die Vesper zusammen.

Die zweite Erfahrung schließt sich an eine Bemerkung von jemand an, der meinte, nach diesem Feuer mag er den Gedanken nicht mehr, dass Gott wie verzehrendes Feuer sei. Nun sind Tausende und Abertausende von Menschen herbeigeströmt, um ihre Anteilnahme auszudrücken, sich für die Brandstifter zu entschuldigen, Hilfe anzubieten, zu beten, singen und in großer Gemeinschaft miteinander ihren Glauben zu teilen, der sich hier innerhalb der christlichen Welt in viele Lager aufspaltet. Es kamen auch Juden und Muslime in großer Zahl, vom Handwerker, der mit Blumen, Freunden und Werkzeug kam, Familien, die dem Abt ein Rosensträußchen überreichten, einem alten Mann, der einen Olivenbaum brachte mit einem Zettel, er möge 100 Jahre in Frieden bei uns wachsen, bis zu religiösen und politischen Führern aller Couleur … So glaube ich persönlich, die Brandstifter haben unbewusst zwei Feuer gelegt: Eins, das zerstört, und ein größeres, das verbindet und Liebe und Gemeinschaft stiftet, wie es zuvor nicht denkbar war.

Man fühlte sich fast erdrückt von so viel Anteilnahme. Die Christen im Land wurden auf außerordentliche Weise gestärkt. Allein am Sonntagnachmittag wurden 21 Busse erwartet und die Straße war bis zum Berg rauf eine einzige Autoschlange. Es trafen sich melkitische, orthodoxe und aramäisch sprechende Christen, die eine Demonstration für ihre Anliegen anschlossen. Das Treffen war laut und fröhlich und irgendwie hatte es in unseren Ohren Festivalcharakter. Unsere Aufgabe, die Grenzen hin zu privatem Grund zu schützen, war nicht einfach. Nicht alle Menschen fügen sich gern Anordnungen, und das arabische Temperament ist deutlich anders als unseres. Zu sehen, wie in dieser Hitze auf ausgedörrtes Gras Zigarettenkippen geworfen wurden, hat mir echt Nerven geraubt. In einem Tiefpunkt, als ich nicht mal mehr lächeln wollte, war da plötzlich ein nettes junges Paar, und es entstand ein Gespräch wie eine aufgehende Blume, geprägt von aufrichtigem gegenseitigen Interesse und lernendem Zuhören über Religion, Kultur bis hin zum Sinn des Lebens. Beide arbeiten für die UNO, kamen nur zufällig hier vorbei. Auch Suhad, unsere Köchin, die wie alle arabischen Mitarbeiter schwer mitgenommen war von der Art, wie man sich im Land Christen gegenüber verhält, war mit Familie bei diesem Treffen und glücklich über das stärkende Miteinander von Christen in dieser Region.

Die dritte Erfahrung ist, dass in der ganzen Zeit nie auch nur eine Spur von Hass, Wut oder Rache zu spüren war. Es ist eine durch und durch friedliche Stimmung. Wir kennen die Motive der Täter nicht tiefergehend. Abt Gregory hat deutlich aktive Aufklärung eingefordert, betonte aber, wie wichtig es gerade in dieser Region ist, Frieden zu leben, der von Liebe und Vergebungsbereitschaft lebt – im Kleinen und im Großen. Sogar ein Brandanschlag könne Teil einer Erziehung zum Frieden sein. Eine gute Erfahrung auch für die jungen Volontäre, die allmählich in ihre Heimat aufbrechen und sich vorbildlich ins Leben hier eingebracht haben.

Ich persönlich bin froh, dass hier im Kloster alle an Leib und Seele unversehrt geblieben sind. Der materielle Schaden kann behoben werden und ist hoffentlich versichert, da tut man sich mit der Vergebung natürlich leichter, als wenn Menschen schwer leiden müssen. Für die Täter und uns alle wünsche ich mir, dass wir Menschen nicht so verbohrt und engstirnig unsere Grenzen verteidigen, sondern der Liebe und Weisheit Gottes in den Herzen mehr Raum geben, um aufeinander zu hören und voneinander zu lernen.

In diesem Sinne ein herzliches Shalom aus Israel!

Mehr zum Thema: