Schlagwort-Archiv: Shalompreis

Shalompreis für Menschenrechtsorganisation auf den Philippinen

Am vergangenen Sonntag wurde die Shalompreis-Aktion 2017 mit einem Gottesdienst im Salesianum Rosental in Eichstätt eröffnet. Pater Johannes Haas erinnerte in seiner Predigt an all die Preisträger des seit über dreißig Jahren vergebenen Shalompreises. Er spannte den Bogen von den Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerika bis in den Nahen Osten. Das Psalmwort „Gerechtigkeit und Frieden umarmen sich“, vom Salesianer Benedict Schmitz metaphorisch in einem Bild gestaltet, das den Gottesdienstbesuchern als Karte mitgegeben wurde, erinnere an die Aufgabe und die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit.

Beate Laurenti erläuterte, dass derzeit neun aktive Mitglieder den Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bilden. Sie sind alle ehrenamtlich tätig. Das Geld, das für den Preis gesammelt wird, geht direkt in das ausgewählte Projekt.

Kathi Zöpfl vom AK Shalom stellte kurz das diesjährige Preisträgerprojekt vor. Preda – Peoples‘ Recovery, Empowerment and Development Assistance (Stiftung für die Genesung, Ermächtigung und Entwicklung der Menschen) – wurde 1974 von dem irischen Priester Shay Cullen und zwei philippinischen Bürgerrechtlern gegründet. Preda setzt sich für Opfer sexueller Gewalt ein. In Olangapo auf den Philippinen werden Kinder und Jugendliche in einem Heim aufgenommen. Traumarisierte und misshandelte Mädchen und junge Frauen erhalten psychologische und medizinische Unterstützung. Sie können einen Schulabschluss nachholen und werden mit ihren Familien wieder in Kontakt gebracht. Ein „Jail Rescue Team“ befreit Kinder und Jugendliche aus Gefängnissen und Polizeistationen. Die Kinder der Armen werden häufig unschuldig oder wegen kleinster Vergehen inhaftiert. Manche müssen Monate oder gar Jahre ohne Rechtsbeistand in engen Zellen – mit Erwachsenen zusammengepfercht – ausharren.

Preda geht auch gegen die eigentliche Ursache des menschenunwürdigen Lebens vor, die Armut. Die unterstützten Familien erzielen ein Einkommen durch ökologisch angebaute Mangos. Über den fairen Handel in Deutschland erzielen sie Preise, die ein Leben in Würde ermöglichen. Hühnerzucht, Gemüse- und Bananenanbau tragen weiter zu einem unabhängigen Leben bei. Preda setzt sich besonders für die benachteiligten Frauen und Kinder ein, unterstützt die indigene Bevölkerung und ist aktiv gegen Sextourismus, Menschenhandel und Internetpornographie.

Die Menschenrechtslage in den Philippinen hat sich seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte im Mai 2016 weiter verschärft. Tausende Tote im blutigen Krieg gegen Drogen, eine durch Morde und Kriminalisierung bedrohte Zivilgesellschaft und ein Klima absoluter Straffreiheit zeichnen die Menschenrechtslage aus. Bereits ein halbes Jahr nach Dutertes Amtsantritt sind 5800 Morde an Drogenabhängigen registriert worden. 170 Journalisten und Menschenrechtsaktivisten wurden in den letzten vier Jahren ermordet. Landrechtsverteidiger, die sich für die Umverteilung von Agrarland einsetzen oder gegen Bergbauprojekte kämpfen, sind besonders bedroht. Die Bergbauprojekte sind häufig mit massiver Umweltzerstörung verbunden.

Die am 11. Januar 2017 verstorbene Shalompreisträgerin Lory Obal, derer ebenso wie der ermordeten Berta Caceres aus Honduras (am 3.März 2016  ermordet) und Bischof Juan Gerardi Conedara, am 26. April 1988 ermordet, gedacht wurde, setzte sich für die Indigenen auf den Philippinen und gegen multinationale Konzerne ein, die Raubbau an der Umwelt betreiben.

Father Shay Cullen, der den Shalompreis am 6. Mai 2017 im Holzersaal der Sommerresidenz an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt entgegen nehmen wird, kämpft seit den 1970er Jahren für gerechte Preise für Kleinbauern, für die Rechte von Indigenen, von Frauen und von Kindern. Das Preisgeld für den Shalompreis wird ausschließlich durch Spenden zusammengetragen. Spenden können auf das Konto der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Eichstätt bei der Volksbank Raiffeisen Bank Mitte überwiesen werden:
Kontonummer: IBAN DE34721608180109620320
Stichwort „Shalomaktion 2017“.

Shalompreis geht an israelisch-palästinensische Familienorganisation

Am Sonntag, 24. April, wurde die Shalom-Aktion 2016 im Salesianum Rosental in Eichstätt eröffnet. Hochschulseelsorger Pater Johannes Haas zelebrierte den Eröffnungsgottesdienst, der vom Chor „Kunterbunt“ musikalisch gestaltet wurde.

Der Shalompreis wird in diesem Jahr dem Parents Circle Families Forum (PCFF) in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten verliehen. Mitglieder des AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden stellten den Arbeitskreis und das Projekt im Gottesdienst vor. Sie erinnerten auch an die am 2. März 2016 ermordete Shalompreisträgerin von 2012, Berta Cáceres. Außerdem gedachte der AK Shalom seines Gründers Thomas Beutler, der in der vergangenen Woche verstarb.

Eröffnungsgottesdienst der Shalom-Aktion 2016
Eröffnungsgottesdienst der Shalom-Aktion 2016

In einer Zeit, in der aus dem Nahen Osten fast nur Nachrichten von Krieg und Terror zu lesen sind, setzen die Mitglieder von PCFF ein Zeichen für Frieden und Versöhnung. PCFF ist eine gemeinsame israelisch-palästinensische Organisation von über 600 Familien. Alle haben im langjährigen Konflikt einen nahen Angehörigen verloren. Trotz des grausamen Verlustes eines geliebten Menschen wollen die Familienangehörigen keine Rache sondern Austausch und Versöhnung.

Der Shalompreis wird am 18. Juni 2016 in Eichstätt verliehen. Eine Israelin und ein Palästinenser werden den Preis gemeinsam entgegen nehmen.

Der Shalompeis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Im AK Shalom sind derzeit 12 Mitglieder, Studierende und Bürgerinnen aus Eichstätt. Die Arbeit ist rein ehrenamtlich, das Preisgeld kommt durch Spenden zusammen. Das Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt, die private Oswaldstiftung und der Rotary-Club Eichstätt sind institutionelle Spender. Alles andere sind Spenden von Privatleuten. Die Preisverleihung findet am 18. Juni 2016 statt.

Wer für die Aktion 2016 spenden möchte, kann das bis September tun. Die Bankverbindung lautet: Katholische Hochschulgemeinde, Konto 1 09 62 03 20 bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, BLZ 721 608 18, IBAN: DE34721608180109620320, Stichwort „AK Shalom“.

Im Blick: Thérèse Mema, Shalom-Preisträgerin 2015

Unser Blick richtet sich auf die diesjährigen Shalom-Preisträgerin Thérèse Mema. Mit ihr auf ihr Land Kongo, auf Brennpunkte in ihrer Heimat. Wir sehen sie in ihren „brennenden Anliegen“, was ihr auf dem Herzen liegt, ihr auf der Seele lastet, ihr „unter den Nägeln brennt“. Wir sehen sie, die junge Sozialpädagogin, in ihrem Engagement für Menschen, die Opfer anderer Menschen werden, verwundet am Leib, verletzt in der Seele, vergewaltigt in ihrer Würde als Frauen, wehrlose Opfer von brutaler Gewalt: Sklaven 2015, Kinder-Soldaten, Frauen, Männer. Traumatisiert.

Thérèse eröffnet Trauma-Zentren: Räume, in denen Traumata heilen können, zerstörte Träume begraben werden, Räume für neue Träume, zaghafte Pflanzen von Erfahrungen: Leben ist mehr als Leiden, Zukunft anders als Vergangenheit, Lichtblicke jenseits von Schattenseiten.

Die Shalom-Aktion lenkt unsere Blicke auf Menschen, mit denen Thérèse Mema Wege geht – von Altem zu Neuem, von Traumata zu Träumen, klein wie Samenkörner, in denen Gottes Traum von uns Menschen leben will. Gott will nicht, dass Menschen Opfer von Menschen werden. Gott hat uns nicht als Täter geschaffen, die andere unterdrücken, beherrschen, versklaven, ausbeuten, Hoffnungen ersticken, Räume einengen, Träume zerstören.

Gott will in seinem Sohn seine Schöpfung erneuern. Paulus: „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine Neuschöpfung: das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2 Kor 5,17)

Thérèse Mema begleitet Menschen vom Altem zum Neuen, von Leben in Gewalt zu gewaltfreiem Leben, von Verwundungen zu Wunden, die ausheilen, vom Trauma zum Traum. Trauma-Zentren sind Orte, an denen Altes vergehen, Neues entstehen kann. „Orte zum Zuhören“. Herz-Orte.

Thérèse Mema, ihr Mann (links), Pater Haas und das Kreuz aus aus Kugeln von Kinder-Soldaten. pde-Foto: Geraldo Hofmann
Thérèse Mema, ihr Mann (links), Pater Haas und das Kreuz aus aus Kugeln von Kinder-Soldaten. pde-Foto: Geraldo Hofmann

In Thérèse erleben wir „jemand in Christus“. In Ihm steht sie an der Seite von Menschen, mit Ihm geht sie Wege zur Heilung. Mit dem „Heiland“ eröffnet sie heilsames Neuland. Er, der in Therese an der Seite von Menschen steht, steht heute vor uns in einem Kreuz aus Angola. Ein Kreuz aus Kugeln von Kinder-Soldaten. Erinnerung an Kindheit in Gewalt, an Kinder im Krieg. Kugeln, die töten, werden zum Kreuz, zum Zeichen für Leben. Im Gekreuzigten schreit Gott in die Welt: Nicht den Tod will ich, sondern das Leben. Nicht Gewalt, sondern gewaltfreien Umgang miteinander. Nicht Ausbeutung der Schöpfung, sondern schöpferische Entfaltung. Nicht Schuften zum Hungerlohn unter der Erde, sondern gerechten Lohn für Arbeit auf dieser Erde. Nicht Leben im Schatten, sondern Leben im Licht.

Dieses Kreuz hat Papst Benedikt gesegnet und als Zeichen für Frieden gesendet. Von Rom nach Aachen, von Eichstätt in den Kongo ist dieses Kreuz unterwegs. Über missio zur Shalom-Aktion, von der Shalom-Preisträgerin in ihre Heimat. Das Kreuz-Zeichen: ein Zeichen für Wege von altem zu neuem Leben. Ein Zeichen für die Botschaft: Wer in Christus ist, ist eine Neuschöpfung. Wer im Heiland verwurzelt ist, ist gerufen und gesandt, dazu beizutragen, dass neue Schöpfung entsteht.

(Gedanken aus der Predigt zum Shalom-Gottesdienst im Salesianum Rosenthal am Sonntag, 21. Juni 2015, in Anwesenheit von Thérèse Mema)

Thérèse Mema, links neben ihr missio Aachen-Präsident Dr. Klaus Krämer, rechts neben ihr OB Andreas Steppberger, ganz rechts Prof. Dr. Markus Eham, daneben Bischofsvikar Georg Härteis. Foto: Lukas Hanreich/AK Shalom
Thérèse Mema, links neben ihr missio Aachen-Präsident Dr. Klaus Krämer, rechts neben ihr OB Andreas Steppberger, ganz rechts Prof. Dr. Markus Eham, daneben Bischofsvikar Georg Härteis. Foto: Lukas Hanreich/AK Shalom

 

Anmerkung der Redaktion
Der Shalom-Preis, einer der renommiertesten Menschenrechtspreise in Deutschland, wurde am Samstag, 20. Juni, in Eichstätt an Thérèse Mema verliehen. Das Preisgeld kommt ausschließlich aus Spenden und fließt zu 100 Prozent in ein Projekt, das die Preisträger selbst vorschlagen. In den vergangenen Jahren kamen regelmäßig jeweils mehr als 20 000 Euro zusammen. Wer für die Aktion 2015 spenden möchte, kann das bis September tun. Die Bankverbindung lautet: Katholische Hochschulgemeinde, Konto 1 09 62 03 20 bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, BLZ 721 608 18, IBAN: DE34721608180109620320, Stichwort „ShalomAktion 2015“.

Schwester Karoline Mayer in Eichstätt

Am vergangenen Wochenende flog Schwester Karoline Mayer wieder zurück nach Chile. Auf ihrer Deutschlandreise stattete sie auch der alten Heimat Pietenfeld einen Besuch ab und sprach in Eichstätt über das Werk Cristo Vive, das sie gegründet hat.

Schwester Karoline, geboren 1943, lebt seit 1968 in Santiago de Chile. Sie ist ausgebildete Universitätskrankenschwester und Leiterin der Fundación Cristo Vive.
Vieler Auszeichnungen könnte sie sich rühmen, des Bundesverdienstkreuzes, der Kardinal-Frings-Medaille, des Edith-Stein-Preises oder -jüngst- des Marion-Dönhoff-Preises für internationale Verständigung und Versöhnung. Aber sie tritt bescheiden auf, ein großes Kreuz über dem dunkelblauen Kleid, eine Plakette, die sich gegen die Privatisierung der Schulen in Chile wendet, am Revers. Sie spricht von Gott und seiner Liebe zu den Menschen. Setzt sich keine Minute an den schön dekorierten Tisch.

Ein freudiges Wiedersehen mit guten Freunden, Verwandten, ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten, die in Chile und Bolivien im Werk Cristo Vive Erfahrungen in einer anderen Welt machen konnten, ist es jedes Mal, wenn Schwester Karoline Mayer nach Eichstätt kommt. Denn längst ist Schwester Karoline Chilenin. In der Katholischen Hochschulgemeinde erinnerte Pater Haas daran, dass Schwester Karoline auch Trägerin des Shalompreises ist.

Auf dem Katholikentag in Regensburg war sie eingeladen, auf dem Podium über die Theologie der Befreiung zu sprechen. Das hat sie bei einem Besuch im Bistum Eichstätt nochmals getan. Vieles sei in Europa falsch verstanden worden, Angst vor kommunistischen Gedanken sei geschürt worden, erklärte sie in der Hochschulgemeinde.

Theologie der Befreiung aber bedeute, das Wort Jesu Christi ernst zu nehmen. Sie habe beim Anblick der Armen, als sie noch bei den Steyler Missionarinnen lebte, bei den Ärmsten sein wollen. Im Laufe der Zeit entstanden Kindergärten, Schulen, Werkstätten und Zentren für Drogenabhängige. Ein großes Ziel sei die berufliche Bildung. Deutschland sei hier sehr weit und sie wünsche sich für Chile eine ähnlich gute Ausbildung von Handwerkern.

Das Gesundheitszentrum in Santiago de Chile bietet mittlerweile 22.000 Menschen die Möglichkeit zur Behandlung und Beratung. Es ist eine ambulante Einrichtung. Inzwischen hat sich der Staat an der Finanzierung vieler Einrichtungen beteiligt. Dennoch flössen die Geldleistungen oft sehr verzögert und ohne Unterstützung aus Deutschland wüssten sie bei Cristo Vive oft nicht, wie sie weitermachen sollten.

Papst Franziskus und sein Blick auf die Armen und Ausgegrenzten sei sehr ermutigend, meinte Schwester Karoline. Der Austausch mit jungen Leuten, die für einige Monate, manche länger, nach Chile oder Bolivien kämen, sei für beide Seiten bereichernd. Die Armen fühlten sich wertgeschätzt und die Gäste aus Deutschland könnten viel lernen, auch von einer anderen Weise, Kirche zu erleben.