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Mission beim Nomadenvolk der Pokot in Kenia

Nacht etlichen Jahren als Pfarrer in Kacheliba bin ich nun in Amakuriat, der Nachbarpfarrei, tätig. Beide Pfarreien – Kacheliba und Amakuriat – haben ähnliche Herausforderungen, die mit der Lebensart der Pokot zu tun haben. Bei dem Nomadenvolk im Nordwesten von Kenia haben das Christentum und westliche Wertvorstellungen erst kurze Zeit Wurzeln gefasst. Allerdings muss ich anmerken, dass Amakuriat in der Wertschätzung von Ausbildung noch weit hinter Kacheliba hinterherhinkt. Wenn ein Kind in der Schule kein Essen bekommt, weil zum Beispiel der Staat das Geld für die Schulspeisung nicht auszahlt oder das Essen nicht ausliefert, oder wenn der Schulleiter Gebühren für den Unterricht verlangt, lassen viele Eltern ihre Kinder zu Hause. Andererseits gibt es hier noch relativ wenige Internatsschulen, so dass Kinder, die wirklich zur Schule gehen wollen, manchmal 10 Kilometer und mehr zurücklegen müssen, um zur Schule zu kommen. Bei Regen sind dann einige Flüsse nicht zu überqueren oder nur nach langem Warten. Etliche Schulen haben deshalb provisorische Internate eingerichtet. Die Kinder räumen abends die Schulbänke auf die Seite und breiten ihre Matten aus, auf denen sie dann schlafen. Zum Glück hat der Staat seinen ehrgeizigen Plan vorangebracht, jeden Erstklässler mit einem Laptop auszustatten. Nicht, dass die Kinder nun Computer hätten (das wird, wenn überhaupt, noch lange dauern), aber wenigstens hat der Staat Solarenergie in den Grundschulen installiert, die diesen provisorischen Internaten sehr zu Gute kommen.

Um die Christen in den entlegenen Gebieten besser versorgen und die Schulen regelmäßiger besuchen zu können, haben wir die Pfarrei Amakuriat in zwei Subpfarreien (Filialen) mit jeweils 30 Außenstationen aufgeteilt. Im Norden liegt das Zentrum Amakuriat. Im Süden und Südosten besuchen wir die Kapellen von Chelopoy aus. Während P. Maciej Mikolaj und Br. Cesar Chacón in Amakuriat sind, verbringe ich die meiste Zeit in Chelopoy zusammen mit dem kenianischen Scholastiker Benjamin, der hier vor seiner Diakonen Weihe zwei Jahre missionarischen Einsatz leistet. P. Junior Billo als Pfarrer von Amakuriat pendelt zwischen beiden Stationen hin und her. In Chelopoy haben wir ein Pfarrhaus gebaut, das mit dem nötigsten ausgestattet ist. Die Sonne liefert uns auch genug Strom, um zumindest nicht im Dunkeln zu sitzen und eine solarbetriebene Wasserpumpe bringt uns das Wasser auch bis zum Haus. Zudem gibt es dort das Gymnasium „St. Anna“, eine Grundschule und ein Schwesternhaus mit zwei Kenianischen Franziskus-Schwestern.
Mit der Zweiteilung der Pfarrei reduzieren sich die Entfernungen zwischen den Kapellen ziemlich; aber da die Gegend sehr bergig ist, brauchen wir auf den Schotter-, Fels- oder Schlammwegen trotzdem noch zwei bis drei Autostunden und manchmal Stunden zu Fuß bis ans Ziel. Was die Fahrten besonders beschwerlich machen, sind die vielen Wasserläufe, die sich bei Regen blitzartig zu reißenden Flüssen wandeln und die harte Einschnitte in den Wegen zurücklassen. Verglichen mit Kacheliba ist die Infrastruktur hier weit unterentwickelt.

Ein paar Gedanken noch zu meiner neuen Pfarrei

Obwohl wir Comboni-Missionare in dieser Gegend von Kacheliba aus seit 1973 präsent sind, war der Teil um Amakuriat herum etwas vernachlässigt, weil er über 100 Kilometer von Kacheliba entfernt liegt und die Straßen in der Vergangenheit größtenteils kaum passierbar waren. So sind wir hier im wahrsten Sinne des Wortes noch bei der „Erst-Evangelisierung“.

In manchen Gegenden waren Freikirchen vor den Katholiken da, an anderen Orten haben Katechisten, die oft betrunken waren, das Ansehen der Kirche unterminiert. In anderen Fällen ist es einfach so, dass die Leute keine Unterschiede zwischen den Konfessionen feststellen können und dann einfach zu der nächstgelegenen Kirche gehen. In diesem Fall ist es auch kein Thema, einen Sonntag hier und einen anderen Sonntag woanders zur Kirche zu gehen. Für uns ist das eine ziemliche Herausforderung. Während auf der Seite von Amakuriat die Kapellen ziemlich voll sind und ich wirklich sehr überrascht war von der Anwesenheit von vielen jungen Männern, sind auf der Seite von Chelopoy die Kirchen leer. In den Bergen, im Südöstlichen Teil der Pfarrei, geht es langsam aber mit viel Engagement voran. Vieles hängt auch von den Katechisten ab, die mehr oder weniger gut ausgebildet sind. Manche können gerade lesen und schreiben, andere sprechen kaum Kiswahili und nur ein paar wenige haben an einem Pastoralkurs in der Diözese als Vorbereitung zu ihrer Arbeit als Katechist teilgenommen. Leider haben wir kaum eine Wahl, da in den meisten Dörfern noch kaum Leute die Grundschule abgeschlossen haben oder die ersten gerade dabei sind, ihre Ausbildung zu beenden. Selbst ein Treffen der Christen in den „kleinen christlichen Gemeinschaften“ ist schwierig, da niemand da ist, der die Bibel lesen könnte. Anfang Juli hat der Bischof auch unsere neue Kirche in Chelopoy eingeweiht, die sehr vielen Christen Platz und damit auch viele Möglichkeiten der Fortbildung für die Christen bietet.

Ich als Priester genauso wie mein Mitbruder, der Scholastiker Benjamin, halten Gottesdienste (Eucharistie oder Wortgottesdienste) wo immer wir hinkommen und unterrichten die Leute über den Glauben. Wir schlafen in den Dörfern, so dass wir am nächsten Tag alle Zeit mit den Leuten verbringen können. Ich bin noch dabei, die Beste Art und Weise zu finden, wie wir den Menschen hier begegnen können. Da ist noch so viel Wissbegierde in den Leuten, die es einem wirklich leicht macht, sich Zeit für sie zu nehmen. Gottesdienste sind sehr lebendig, da wirklich jeder und jede mitsingt und mit guter Stimme. Die Pokot sind sehr freudige Menschen, wenngleich sie eigentlich auch sehr kriegerisch sein können, wenn es um ihre Herden geht.

Es ist auch hier wiederum eine wunderbare Erfahrung, die ich machen darf und ich wünschte mir das mit euch persönlich vor Ort teilen zu können.

Weihnachtspost aus Südafrika*

Sicher habt ihr in diesen Tagen auch viel über unseren ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela gehört. Er war schon eine große, bewundernswerte Persönlichkeit, ein großes Vorbild für das ganze Volk. Beeindruckend war seine Demut, seine Menschlichkeit und dass er verzeihen konnte, nachdem er 27 Jahre hinter Gittern verbrachte. Aber das Leben geht auch nach Mandelas Tod weiter.

Wir schauen auf ein sehr ereignisreiches Jahr. Hier ein paar Schlaglichter: Im Mai fand in Mallersdorf (Landkreis Straubing-Bogen) das Generalkapitel der Mallersdorfer Schwestern statt und eine neue Generaloberin sowie neue Rätinnen wurden gewählt. Schwester Catherine, die über 40 Jahre in Vryheid* tätig und seit 1999 unsere Schulleiterin war, wurde ebenfalls als Rätin gewählt und flog Ende August mit der Ordensleitung zurück nach Deutschland, um ihre neue Arbeit daheim zu beginnen. Das war für uns alle hier in eine unerwartete Versetzung. Schwester Mpume hat die Schulleitung mit dem 1. August übernommen. […]

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Meine Erstklässler waren dieses Jahr besonders anstrengend mit schwierigen Verhaltensstörungen. Einige brauchten ständige Zuwendung und Aufmerksamkeit und es scheint mir immer mehr, dass die Kinder zu Hause wenig Disziplin erfahren. Viele Kinder erleben keine intakte Familie mehr. Leider übt das Fernsehen einen starken, negativen Einfluss auf die Kinder aus, davon bin ich überzeugt. Wenn dann unter den 30 Kindern gleich 8 -10 verhaltensauffällig sind, ist der Unterricht fast immer gestört. So bin ich sehr erleichtert, dass dieses Schuljahr überstanden ist und ich hoffe, nächstes Jahr werde ich viele nette Schüler haben.

In unserer Diözese Eshowe hat sich auch vieles ereignet. Am 15. Juni war die Verabschiedung der Benediktinerinnen von St. Alban, die 60 Jahre lang in ‘Little Flower’ in der Schule und im Internat segensreich wirkten. Am 23. Juni wurde der Benediktinerbruder Michael Saneesh, ein Inder, zum Diakon geweiht. Es war eine sehr würdige Feier und wir freuten uns alle mit ihm, dass seine Eltern gerade noch rechtzeitig das Visum bekamen und an der Weihe teilnehmen konnten. Er hat vier Jahre hier im Land studiert und wird nach Weihnachten in sein Priorat Kumily in Indien zurückkehren.

In der Diözese Kokstad warteten die Gläubigen über zwei Jahre auf einen neuen Bischof. Im März wurde Fr. Zolile Petros Mpambani SCJ ernannt und am 3. August fand die Bischofsweihe statt, mit Kardinal Napier aus Durban, zwei Erzbischöfen und etwa 30 Bischöfen, über 100 Priestern, viele Schwestern und unzähligen Gläubigen. Es war ein überzeugendes Fest des Glaubens, mit viel Tanz und Gesang.

Auch in Vryheid hatten wir eine große Feier. Am 17. August legten drei von unseren jungen Schwestern ihre Ewigen Gelübde ab. Die Feier war sehr lebendig und viele Verwandte und Gäste waren aus Nah und Fern gekommen, um mit den Schwestern diesen Tag zu erleben.

In unserer Pfarrei durften 12 Kinder ihre Erste Hl. Kommunion empfangen und sieben Jugendliche wurden gefirmt. Auch bei uns werden die Zahlen kleiner, aber unser Pfarrer Pater Victor Chavunga OSB von Malawi macht es immer sehr schön feierlich. Bei der Firmung sang unser Dekanatschor mit etwa 70 Mitgliedern, weil er auch 10-jähriges Jubiläum feierte. Sr. Dolorosa und ich begleiteten drei Lieder mit Gitarre. Ich sehe noch den Trommler vor mir, wie ihm das Wasser nur so den kahlgeschorenen Kopf herunterlief. Er hat sich selber eine Trommel gebaut: ein schwarzer Abfalleimer mit einem Autoschlauch überzogen, darüber auf einem Draht hat er Schellen aus Bierflaschendeckeln und zwei Stücke von einem Gartenschlauch dienen als die Schläger. Keine Angst! Das Ganze hört sich toll an!

Zum Schluss möchte ich meinen Breitenbrunner Strickerinnen danken und gratulieren, dass sie bereits seit 24 Jahre mit großem Eifer für Arme in unserem Land wunderschöne Decken stricken. Ein herzliches Vergelt’s Gott für all Eure Pakete!
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*Auszüge aus dem Weihnachtsbrief 2013