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Der Heilige Geist – ein wahrer Freund

Ein Freund, auf den man sich uneingeschränkt verlassen kann?! Gibt es ihn, den wahren, echten Freund? Und was wären seine Eigenschaften?

Bei einem echten Freund denke ich an eine Person, der ich vollkommen mein Vertrauen schenken kann. Ich kann mich ihm öffnen mit all meinen Freuden und Leiden; dies gilt auch umgekehrt. Er versteht mich, nimmt mich mit, trägt mich mit und hilft mir. Wir schätzen uns gegenseitig, wir fördern und stützen uns. Doch ein wahrer Freund ist auch einer, der mir nicht nur nach dem Mund redet. Er ist auch derjenige, der mich bei allem Verständnis korrigiert, wenn nötig leitet und schützt. Er weist mich auf meine Schwächen hin und wirkt entgegenkommend, verständnisvoll, beugt Gefahren vor. Er nimmt mich in mancher Situation auch vor mir selber in Schutz, indem er mich berichtigt und mit mir versucht, meine Fehler zu korrigieren. Dies macht ihn eben als echten Freund aus. Wir kennen uns durch und durch. Im Regelfall kennt man sich in der Freundschaft besser als in der Verwandtschaft.

Eine grundlegende und noch nie da gewesene Wende im Denken und in der menschlichen Existenz vollzog unser Herr Jesus Christus dadurch, dass er uns Menschen  zu Freunden Gottes machte. „Nicht mehr Knechte nenne ich Euch, … sondern Freunde“, sagte er, der menschgewordene Gott (vgl. Joh 15,15) in seinen Abschiedsworten an seine Jünger. Diese richtete er nicht nur an die Zwölf, an die er sich damals direkt wandte, sondern auch an alle, die ihn in der Taufe angezogen haben (vgl. Gal 3,27). Nicht nur die Zwölf sind seine, Gottes Freunde geworden, sondern „alle, die durch ihr Wort an mich glauben“ (Joh 17,20). Dies sagte Jesus im gleichen Augenblick auch. Und noch mehr: Jesus verspricht eine unerschütterliche Fortdauer seiner Freundschaft mit uns, in der wir zuversichtlich sein dürfen. „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit“ (Joh 14,16f.). Dieser Beistand, der Freund, begleitet uns durch unser Leben.

Diese Aussage Jesu bildet für meine Begriffe die Grundlage für den einmütigen Zugang der West- wie auch der Ostkirchen zum Heiligen Geist. Damit ist die durch den Tod und die Auferstehung zum Guten gewandelte Beziehung der Menschen zu Gott und untereinander gemeint. Gott ist ein wahrer Freund der Menschheit und der Heilige Geist ist ein Bürge dafür. Beide Charakteristika einer Freundschaft gehören dabei dazu: das Verständnisvolle und das Korrigierende, das Entgegenkommen und das, was Grenzen setzt, die liebevolle und achtsame Zuwendung, aber auch das mahnende, mitunter unangenehme Wort. Der Heilige Geist verbindet in sich diese zwei Eigenschaften, mit denen er von Jesus Christus uns gesandt und geschenkt wird. Er ist Tröster-Freund und er ist ein Freund, der uns in die Wahrheit führt, vor allem in die über uns selber.

So besingt ihn die Westkirche im Lied „Veni creator spiritus“: „Der du der Tröster wirst genannt, vom höchsten Gott ein Gnadenpfand, du Lebensbrunn, Licht, Lieb‘ und Glut, der Seele Salbung, höchstes Gut.  O Schatz, der siebenfältig ziert, o Finger Gottes, der uns führt, Geschenk, vom Vater zugesagt, du, der die Zungen reden macht.“

Auch die Ostkirche steht hier nicht nach. Aus einem ihrer kurzen – daher auch uralten – pfingstlichen Hymnen hat sie gleichsam ein Einleitungsgebet für jeden Tag gemacht und betet ihn in jedem Tagzeitengebet. In diesem wendet sie sich an den Heiligen Geist mit folgenden Worte: „Himmlischer König, Du Tröster und Geist der Wahrheit, der Du überall bist und alles erfüllst, Schatzkammer der Güter und Spender des Lebens: Komm und nimm Wohnung in uns, mach uns rein von jedem Makel, und rette, o Gütiger, unsere Seelen.“ Die inhaltlichen Parallelen zu dem westkirchlichen Liedgut sind für mich unübersehbar.

Möchtest Du Deinen Freundeskreis, falls dies noch nicht der Fall ist, um einen weiteren allmächtigen und wahren Freund erweitern? Dann verrate ich Dir einen Tipp dazu. In der Pfingstzeit ist es möglich, den Heiligen Geist, den Tröster und den Geist der Wahrheit, den wahren Freund, zu erlangen. Und dies geschieht im Gebet – im Verweilen mit ihm, was für das Entstehen einer jeden Freundschaft gilt. Und sollte der Heilige Geist bereits zu Deinen Freunden gehören, so ist die Pfingstzeit ein gut geeigneter Moment, Deine Freundschaft mit ihm zu vertiefen und seinen tröstenden und wahren Worten aufmerksam zu lauschen.

 

Star Wars und Pfingsten

Zwei Meter hoch, furchterregend, so steht er in der kleinen Olympiahalle in München: Darth Vader, die Verkörperung des Bösen, in der Ausstellung „Star Wars Identities“, ab Pfingstsamstag (14. Mai). Der Filmemacher George Lucas schafft in „Star Wars“ eine Welt von mythischer Strahlkraft, mit dem „Kampf zwischen Hell und Dunkel, Vater und Sohn, Natur und Technik, West und Ost“. Der Autor bediente sich ganz bewusst „der großen Erzählungen unserer Kultur, reicherte sie mit Westernelementen und einem Schuss asiatischer Spiritualität – und schuf so ein postmoderne Epos von bleibender Faszination“. (Star Wars – Der Mythos unserer Zeit, Philosophie magazin, Sonderausgabe 5. November 2015).

Die aktuelle Ausstellung „Star Wars Identities“ in München konfrontiert den Besucher mit diesen Fragen. Angesichts des acht Meter langen interstellaren Raumschiffes („podracer“) und entlang an rund 200 Exponaten kann man an interaktiven Stationen, mit Kopfhörer und Armband, 10 Fragen zur eigenen Identität beantworten:

Etwa: Mit welchen Genen bin ich auf die Welt gekommen und wie wurde ich erzogen? Wie werde ich beeinflusst? Welche Werte vertrete ich? Wie würde ich mich in Gefahrensituationen verhalten? Auf welcher Seite stehe ich: auf der guten oder auf der dunklen Seite der Macht?

Das Armband speichert meine Entscheidungen an den Stationen und sagt mir am Ende, ob nicht doch die dunkle Seite der Macht, also Darth Vader, meine Identität bestimmt!

Sollte man das vielleicht eine säkulare Gewissenserforschung nennen, angesichts der Faszination des Bösen?

„Die Macht des Bösen banne weit“, so singt die Kirche im Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus – Komm Schöpfer Geist“!

Doch wie soll das gehen: das Böse in der Welt, in uns, bannen?

Leben heißt: sich entscheiden! In Star Wars wird dies erlebbar an Anakin und Luke Skywalker. Beide, Vater und Sohn, müssen wählen, zwischen der dunklen und der lichten Seite.

„Verführerisch ist der Ruf der dunklen Seite, denn sie verspricht grenzenlose Macht. Der junge Anakin Skywalker (der Vater) verfällt ihr und wird so zu Darth Vader. Der Seelenkampf zwischen Gut und Böse ist eine existenzielle Grundfrage, die Philosophen von Augustinus bis Heidegger umtrieb. Entscheidend bleibt dabei der Umgang mit ureigensten Ängsten. Wie Meister Yoda weiß: Furcht ist der Pfad zur dunkeln Seite“ (Philosophie magazin, S. 53). Luke Skywalker, der Sohn, widersagt und widersteht der dunklen Macht.

Manches in den Star Wars-Filmen erinnert an den Apostel Paulus – etwa die Lichtschwerter. Im Römerbrief (13,12) heißt es: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“.

Die „Waffen des Lichts“ beim Apostel Paulus sind keine Lichtschwerter und auch keine Laserwaffen! Die Waffen im Kampf von Getauften und Gefirmten, so sagt Paulus, sind von anderer Art. Er beschreibt das schön im Epheser-Brief (6, 11-20):

„Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf zu beten! Betet jederzeit im Geist, seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, auch für mich.“

„Das Schwert des Geistes – gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“: Das ist nicht die „Force“ in Star Wars („eine Kraft, die alles durchwaltet und mit deren Hilfe ganze Raumschiffe durch reine Konzentration aus dem Sumpf gezogen werden können“).

Die „Force“, die Kraft des Heiligen Geistes – sie ist allgegenwärtig, unsichtbar, lebendigmachend. Und diese Kraft ist an ihren Früchten zu erkennen: „Die Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22).

Die Kraft des Heiligen Geistes: Das ist nicht der Wille, die Kontrolle über die Welt zu gewinnen, sie ist vielmehr die Fähigkeit, im Einklang mit dem Schöpfergeist von innen heraus die Welt zu gestalten und so zum echten Skywalker, zum „Himmmelsgeher“ zu werden!

„Veni Creator Spiritus – Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“!

Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes ist Absage an Darth Vader. Pfingsten ist Befähigung zum Widerstand gegen eine dunkle Identität in uns:

„Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass uns kein Unheil schaden kann! “ (Gotteslob 342,5)

Video: Was feiern wir an Pfingsten?