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Ostereier erzählen vom Leben der Menschen in der Ukraine

Bei uns im Bistum Eichstätt endet die Osterzeit mit dem Pfingstfest, und zuallerletzt mit dem Fronleichnamsfest. So ist es auch in allen Ländern mit dem Christentum westlicher Tradition. Anders ist es bei den östlich-byzantinischen Christen, den Orthodoxen und den Griechisch-Katholischen: Sie feiern das Osterfest und somit den Osterfestkreis, einschließlich Pfingsten, etliche Tage – manchmal sogar Wochen – später. So ist es in allen Ländern, zum Beispiel in Griechenland, Bulgarien, Serbien, Rumänien, Georgien, Russland und auch der Ukraine, die den christlichen Glauben durch die Missionare aus der oströmischen Hauptstadt – Konstantinopel, heute Istanbul – oder mittelbar von dort aus seinerzeit empfingen. Der Grund für die auseinandergehenden Ostertermine liegt in den verschiedenen Kalendern, dem julianischen im Osten und dem gregorianischen im Westen, die den Ostertermin unterschiedlich berechnen. Der Abstand zwischen den beiden Osterterminen kann unterschiedlich ausfallen. Das Hochfest der Auferstehung Jesu Christi kann auf den gleichen Sonntag fallen, wie es in diesem Jahr sein wird (16. April 2017), oder mehrere Wochen betragen. Der größte Abstand kann fünf Wochen sein, was im vergangenen Jahr der Fall war. Da fiel der orthodoxe Ostersonntag auf den 1. Mai.

Für das gemeinsame Zeugnis der Christen ist dies natürlich verheerend. Deshalb riefen bereits mehrere Päpste Christen in aller Welt zur gemeinsamen Feier des Osterfestes auf. Papst Franziskus steht in dieser guten Tradition und bestätigte die Bereitschaft und große Offenheit der katholischen Kirche in dieser Frage (vgl. FAZ, 13.06.2015). In der Tat wäre in diesem ökumenischen Bereich zwischen den Orthodoxen und Katholischen viel möglich und erreichbar im Unterschied zu allen anderen theologischen bzw. jurisdiktionellen Fragen.

In praktischer Hinsicht ergeben sich aus dieser Zwei-Kalender-Situation aber auch interessante Möglichkeiten für Christen, das Osterfest zweimal und in verschiedenen Traditionen zu feiern bzw. zu erleben. Sehr intensiv habe ich dies 2016 auf einer Dienstreise erleben dürfen, ja müssen. Nach dem fünften Ostersonntag in Eichstätt bin ich beim Landen in Kiew fünf Wochen zurückgeworfen worden, und zwar mitten in die Karwoche im byzantinischen Ritus. Die Umstellung war nicht leicht. Ja, sie war mit Schmerz verbunden, mit dem Schmerz, dass die Christen sich nicht einig sind.

Allukrainische Ostereierausstellung

Eine Genugtuung war für mich jedoch die sogenannte Allukrainische Ostereierausstellung auf dem Sophienplatz in Kiew. Ich war von ihr so begeistert, dass ich sie gleich zweimal besichtigte. Die Ausstellung hatte zum Ziel, österliche Kunstwerke von Künstlern aus allen Regionen der Ukraine zu zeigen und die Bevölkerung auf das Osterfest einzustimmen.

Bekanntlich sind Ostereier beliebte und treffende Symbole sowie Kennzeichen des Osterfestes und des Glaubens an die Auferstehung in Ost und West. In einem Gebet zur Segnung der Osterspeisen ist dies wunderbar zusammengefasst: „Segne, o Gott, auch die Ostereier, damit sie uns zum Zeichen dafür werden, dass dein Sohn und unser Herr Jesus Christus das Felsengrab gesprengt hat und auferstanden ist!“

Hinter dieser erstrangigen Symbolik hat sich für mich auch noch eine andere Dimension der Ostereier in dieser Ausstellung in Kiew erschlossen. Die ausgestellten Ostereier gaben nicht nur ein Sinnbild für das kommende Leben und die Auferstehung. Sie erzählten vielmehr vom Leben der Menschen in der heutigen Ukraine. Die ausgestellten Kunstwerke, in Größe eines menschlichen Körpers, stammen aus verschiedensten Ecken der Ukraine und berichten in ihren Motiven vieles. Sie verraten, was die Menschen in der Ukraine beschäftigt. Sie erzählen davon, was sie schmerzt in dieser Zeit des Krieges, und was sie freut, wenn sie in die Zukunft schauen. Die Ostereier am Sophienplatz geben – so meine ich – einem jeden von uns einerseits einen sehr guten Einblick in den Reichtum und die Vielfalt der Begabungen. Ferner und vor allem aber bezeugen sie die europäische Einstellung der Ukrainer und der Ukrainerinnen, ja aller in der Ukraine lebenden Menschen.

Frieden zwischen den Religionen

Die vielfältige Palette der Motive auf den Ostereiern reicht von traditionell gemalten Ikonen bis hin zu Darstellungen abstrakter und impressionistischer Art. Es finden sich hier Abbildungen des Schmerzes wegen der Krimannexion oder des Krieges im östlichen Teil der Ukraine. Es gibt jedoch überwältigend viele künstlerisch ausgeführte Aufrufe zu Frieden, Liebe, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung. Es war dort sowohl das typisch Ukrainische anzutreffen, wie blau-gelbe Töne der ukrainischen Fahne und farbenprächtige Bestickungen der Trachtenhemden, als auch das Universale: Frieden zwischen den Religionen, Abrüstung der Atomwaffen und Ähnliches.

Es war das Besondere wie das Allgemeine zu sehen, das Märchenhafte genauso wie das ganz Realistische. Die Ostereier der Allukrainischen Ostereierausstellung erzählen vom Leben der Menschen in der Ukraine, was sie bewegt, wie sie sich mit den Menschen in Eichstätt und in der ganzen Welt verbunden fühlen, und zwar durch ihre Ideenwelt und durch die Träume von einem guten, menschlichen, friedlichen Miteinander; unter anderem auch mit der großen Hoffnung auf ein immer am gleichen Sonntag zu feierndes gemeinsames Osterfest.

Einige Fotos und Kurzvideos, die ich von der Ausstellung mitgebracht habe, mögen Euch, liebe Leser/innen, an der wunderschönen Ostereierausstellung direkt teilnehmen lassen, die mich persönlich so tief berührt hat.

Erlebnisse einer Freiwilligen in Chile

Die vergangenen Wochen seit meinem letzten Eintrag waren ganz schön ereignisreich. So hat mich in der Karwoche mein kleiner Bruder für zehn Tage besucht. Ich habe ihn mit noch drei anderen Freiwilligen (an dem Tag kamen mehrere Eltern an) abgeholt. Anschließend ging es direkt in meine Arbeit. Meine Tías haben sich sehr für mich gefreut, dass er da war. Obwohl er kein Spanisch kann und sie nicht Deutsch sprechen, haben sie trotzdem versucht, sich mit Händen und Füßen zu verständigen.

Am Wochenende haben wir einen Ausflug ans Meer gemacht und Santiago angeschaut. Von Montag bis Donnerstag waren wir in Pucón, eine Stadt rund zehn Stunden südlich von Santiago. Manche kennen vielleicht den Namen aus den Nachrichten, denn im März ist da der Vulkan Villarrica ausgebrochen. In Pucón hatten wir wunderschöne Tage und haben von Wandern und Besteigen eines Vulkans bis hin zu Raften viel erlebt. Die restlichen Tage haben wir noch zusammen in Santiago verbracht. Insgesamt war es wirklich sehr schön, und ich war sehr glücklich darüber, dass er mich besuchen konnte, um sich selbst ein Bild davon machen zu können, wie es hier wirklich ist.

Ostern habe ich mit meiner WG verbracht. Jeder hat seine eigenen Koch- bzw. Backrezepte ausgepackt, so hatten wir einen sehr kreativen und leckeren Osterbrunch.

In den letzten Wochen war es bei der Arbeit – wie immer – erlebnisreich. Wegen des Besuchs meines Bruders war ich eine Woche nicht im Dienst. In dieser Zeit haben wieder drei Kinder das Laufen gelernt. Es ist Wahnsinn, wie schnell sie lernen. Mittlerweile können fast alle Kinder laufen, Anfang März waren es gerade mal fünf. So ist es jetzt nicht mehr so anstrengend wie am Anfang, denn die Kinder haben sich mittlerweile eingewöhnt und weinen nicht mehr so viel, wenn die Eltern gehen.

An Ostern konnte ich dank Spendengeldern jedem Kind ein kleines Osternest schenken. Zudem habe Osterlämmer für sie gebacken. Darüber haben sie sich natürlich sehr gefreut.

Vorletztes Wochenende hat mich eine Tía eingeladen, mit ihrer Familie in den Süden zu fahren, um die Eltern ihres Mannes zu besuchen. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt. Die Familie kenne ich mittlerweile sehr gut, da ich mit ihr viel Zeit verbringe. So ging es Freitagnacht los Richtung Süden. Fernab jeder Zivilisation sind wir mitten auf das Land in die Berge gefahren. Dort wurde erst einmal eine Ziege geschlachtet und gleich gegrillt. Am Samstagnachmittag haben wir einen Spaziergang in der Gegend gemacht und ich habe es einfach genossen, wieder mal richtig in der Natur zwischen Bäumen, Früchten und Tieren zu sein. Da merkt man, dass ich nicht in der Großstadt aufgewachsen bin. 😀

Ein kleines weiteres Highlight in den letzten Wochen war der Besuch eines Colo-Colo-Spiels mit zwei chilenischen Freunden. Colo-Colo gehört zu den besten Fußballvereinen Chiles und ich fand es wirklich toll im Stadion, auch wenn sie leider verloren haben.

Ihr seht schon, ich erlebe sehr viel. Jetzt sind es bald nur noch drei Monate, die ich als Freiwillige der Organisation Cristo Vive in Chile verbringen werde. Im Moment sind meine Gefühle darüber zwiespältig. Selbstverständlich freue ich mich wieder sehr auf meine Familie und meine Freunde, jedoch überwiegt im Moment die Traurigkeit über den bevorstehenden Abschied, denn ich werde hier sehr viel zurück lassen.

Aber ich rede am besten nicht darüber und genieße die letzten Wochen noch. Bis bald!

Weggemeinschaft im benediktinischen Lebensstil

Mit der aufgehenden Sonne über dem See von Genezareth nachösterliche Grüße in die Heimat! Zeit ist vergangen, gefüllt mit viel Leben – innerlich und äußerlich.

Die kühle Winterzeit haben wir neben viel häuslicher Arbeit dazu genutzt, für unsere Besuchergruppen in Beit Noah einen Minigolfplatz zu bauen und mit Arche Noah-Figuren zu gestalten. Dazu wurden zerschnittene T-Shirts in Beton getaucht und um Figuren gewickelt, gefüllt und dann mit Farbe gestaltet. Insgesamt viel kreative Arbeit, die uns gut miteinander verbunden hat und am Ende ein gelungener Anblick ist und Freude am gemeinsamen Spiel bewirken soll.

Tabgha ist ein Ort, der vom Kommen und Gehen und vom Geben und Empfangen lebt. Wer hier lebt, gibt dem Ort Leben durch das, was er einbringt und wie er es einbringt. In dieser Haltung ging Sr. Felicity zurück auf die Philippinen, um Platz zu machen für eine neue Schwester, die wir erwarten. Wir haben sie auf verschiedene Weise verabschiedet und sind dankbar für ihr Lebenszeugnis.

Gemeinsam mit Pater Matthias habe ich für die Volontäre eine Zeit der Weggemeinschaft auf Ostern hin und darüber hinaus angeboten, zu der auch verschiedene Mönche sich inhaltlich einbrachten. Eine gute Zeit, die am Berg Tabor mit Bibel teilen und Picknicken begonnen hat, uns etwas monastische Lebensweise und Psalmengebet erklärt hat. Sie diente uns auch als Vorbereitung auf die 1. Profess der zwei jungen Novizen Br. Nathanael und Br. Simeon in der Dormitio-Abtei Jerusalem, der wir alle beiwohnten. Mit dabei waren meine Mutter, Bruder, Schwägerin und Sohn, die gerade zu Besuch waren.

Pater Matthias führte uns anschaulich in das Triduum Paschale ein. Zu dessen Inhalt hat jeder von uns dann ein Bild aus kleinen Stoffstücken gestaltet, das ich mit der Nähmaschine etwas bearbeitete und in Karten verwandelte. Das Bild oben ist von Joe, einem unserer amerikanischen Volontäre. Er hat die Fußwaschung Jesu gestaltet, die daran erinnert, dass wir hier sind, um einander zu dienen, wie Jesus es tat, und damit Licht in die Welt bringen.

Ein vorläufiges Ende fand die Weggemeinschaft bei Peter’s Primacy, der kleinen Kirche der Franziskaner nebenan. Dort haben wir als Bibliodrama die Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern am See gestaltet, sozusagen die Geschichte vor Ort mit Personen belebt. Das war eine aufschlussreiche Erfahrung für uns alle. Danach hat Prior Basilius Fisch nach amerikanischer Art – auf in Wasser eingelegten Holzbrettern – gegrillt und uns dazu Brot gereicht. Lecker und rauchig!

Ostern hier zu erleben ist etwas, das sich wohl viele Menschen wünschen. Einfach ein Geschenk! Wie schon an Weihnachten, konnte ich auch an Ostern feststellen, wie schön es ist, wenn so viele Menschen zusammen helfen, dass der äußere Rahmen passt und erfüllt werden kann mit wirklich sinnvollen Inhalten.

Die Osternacht begann um 4 Uhr am Osterfeuer. Nach dem Wortgottesdienst zogen wir zur Eucharistiefeier nach Dalmanita an den See Genezareth, wo gerade die Sonne wie ein großer Ball aufging und auf die Gaben von Brot und Wein schien, die hier täglich in beiden Gestalten gereicht werden.

Das Osterfrühstück fand im Pilgerhaus zusammen mit allen Gästen, Pilgern, Volontären, Schwestern, Mönchen und Msgr. Ludger Bornemann, dem Leiter Hauses, statt. Nachmittags fuhren wir mit dem Schiff von En Gev nach Tiberias. Der Ausflug am Ostermontag mit Mönchen und Volontären ging durch das Taubental, der Weg, den Jesus seinerzeit auch nahm, um von Nazareth kommend an den See zu gelangen.

In Beit Noah sind die Zelte wieder aufgestellt, so können in Häusern und Zelten bis zu 80 Personen wohnen und sich selbst versorgen. Gerade ist eine Gruppe aus Bethlehem mit blinden Kindern da. Alle spielen am Pool, werfen Steine, aber niemand fällt hinein. Es sind sehr fröhliche Kinder, die uns zeigen, wie viel Sinne der Mensch noch hat und wie viel Lebensfreude.

Nun bin ich sieben von inzwischen 24 beschlossenen Monaten hier und kann sagen, dass wir wie eine Familie zusammengewachsen sind. Es ist nicht jeden Tag Friede, Freude, … Aber wir bilden miteinander eine wohlwollende Gemeinschaft, lachen viel und können auch mal deutlich miteinander reden. Unter „wir“ verstehe ich in der Hauptsache das Zusammenleben von Mönchen, Volontären und Mitarbeitern.

Der Rahmen für das Zusammenleben ist geprägt vom benediktinischen Lebensstil und dem Tagzeitengebet, das dem Tag seine Struktur und seine Pausen vor Gott gibt. Es ersetzt allerdings nicht die persönliche Zeit mit dem Herrn, die uns ja lebendig hält.

Nun klingelt das Glöckchen zur Vesper! Ich grüße Sie/ Euch in der Heimat herzlich und zünde eine Kerze an für die vielen guten Projekte, die über diesen Blog zur Sprache kommen.

Danke für so viel gute Arbeit im Reich Gottes dieser Welt.