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Gelebter Glaube in Tansania

Jeder Sonntagmorgen stellt hier in Tansania mit dem Besuch der Kirche etwas ganz Besonderes dar. So stellen sich alle Kinder des Jipe Moyo Centers um 9 Uhr schick gekleidet zum Gehen bereit am Tor auf und strahlen bereits die Vorfreude auf den Gottesdienst aus. Die Mädchen ziehen eigens genähte Röcke und Schmuck an, die Jungen glänzen mit Anzugschuhen. Alle Kinder zeigen ihre Zusammengehörigkeit durch das Tragen der Jipe Moyo T-Shirts und zelebrieren den Gang in die Kirche, der als große Gemeinschaft eine Besonderheit im Alltag darstellt.

Mit wie viel Gesang und Tanz der Gottesdienst hier gestaltet wird, hat mich von Anfang an beeindruckt. So wird man von der Begeisterung für den Glauben mitgerissen und kann sich der Energie und der Freude, die von den Stimmen des Chors ausgehen, welche die ganze Kirche mit Leichtigkeit füllen, nicht entziehen. Jedes Lied wird mit Rasseln und Trommeln rhythmisch begleitet und mit Bewegung verbunden. Meine Faszination für den tansanischen Gesang lebe ich inzwischen als Mitglied des Chors Mtakatifu Yosefu aus. So wird mein Bemühen im Alt der Sauti ya Pili auf Kiswahili mein Bestes zu geben mit Begeisterung aufgenommen. Gottesdienste werden hier gefeiert und sind mit ehrlicher Freude, statt mit Pflichtgefühl verbunden. Die Kirche ist zentrale Anlaufstelle für alle Mitglieder der Gemeinde und bildet sowohl Ort des Gebets als auch des Zusammenkommens. Alle Generationen treffen sich hier, tauschen sich aus und bilden eine Gemeinschaft. Der Gang in die Messe und das Kultivieren des Glaubens ist den Menschen sehr wichtig und spielt auch im Leben der Jipe Moyo Kinder eine tragende Rolle. So hat sich auch meine Beziehung zum Glauben durch meine Zeit in Tansania verändert.

Glaube erfüllt bei Jipe Moyo den Sinn, alle zusammenzubringen und legt das Fundament für eine starke Gemeinschaft. Das gemeinsame Beten bildet ein wichtiges Ritual im Alltag des Centers, bei dem täglich alle Kinder zusammenkommen. Dabei werden alle Mädchen und Jungen miteinbezogen und niemand fühlt sich ausgegrenzt. Auf diese Weise stärken wir das Gruppengefühl und finden einen Weg, auch neue Kinder schnell in die Gemeinschaft zu integrieren. Im Gebet haben die Kinder die Möglichkeit, ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sich zu öffnen und sich frei mitzuteilen. Beim abendlichen Beten reflektieren wir alle gemeinsam über den vergangenen Tag und versichern uns der gegenseitigen Unterstützung für die Zukunft. So fühlen sie sich verstanden, können Sorgen, die sie bedrücken, loswerden und stehen einander bei. Das Vertrauen in die Liebe Gottes wirkt sich auch auf das Zusammenleben bei Jipe Moyo aus und unterstützt den Heilungsprozess, sowie das Rückgewinnen der eigenen Würde und die Stärkung des Selbstwertgefühls. Glaube bildet eine starke Verbindung zwischen allen Kindern und schenkt ihnen neue Hoffnung.

Diese Auffassung vom christlichen Glauben wird von den Immaculate Heart Sisters of Africa, die das Jipe Moyo Center leiten, vertreten und täglich vorgelebt. Sie schenken den Kindern ein Zuhause sowie neue Hoffnung und eine Zukunftsperspektive. So nehmen die Mädchen und Jungen bei Jipe Moyo Kirche als etwas Schönes wahr und verbinden es mit Geborgenheit und Zuneigung. Auch für mich war diese positive Energie im Jipe Moyo Convent der Sisters, in dem ich seit fünf Monaten lebe, sofort spürbar. Ich bin froh und dankbar von Beginn an als Teil der Gemeinschaft aufgenommen worden zu sein und auf beeindruckende Weise zu erleben, wie Glaube aktiv gestaltet und die christliche Lehre in tätiger Nächstenliebe gelebt werden kann.

Hilfe von Ordensschwerstern

Die Gemeinschaft der Immaculate Heart Sisters of Africa strahlt Akzeptanz und Offenheit aus. Die Sisters zeigen immer Interesse an ihren Mitmenschen und suchen die Verbindung zu ihnen. So haben sie in jeder Situation ein offenes Ohr und vermitteln Verständnis und das Gefühl, nicht allein zu sein. Egal zu welcher Zeit oder an welchem Ort nehmen sie sich Zeit für die Geschichten und Sorgen der Leute und versuchen ihnen eine helfende Hand zu sein. Sie begrüßen einander offen und schließen Freundschaft mit ihrem Umfeld. Durch diese offen gelebte Nächstenliebe, die von ihrem Engagement ausgeht, begegnet man ihnen überall mit offener Zuneigung und großem Respekt.

Die Immaculate Heart Sisters sind im selbstlosen Dienst für ihre Mitmenschen auf vielfältige Weise tätig und bemühen sich um ein friedvolleres Zusammenleben. So setzen sie sich vor allem für Bedürftige ein und bilden besonders in ländlichen Gegenden oft die einzige Anlaufstelle und Unterstützung. In der Diözese Musoma, in der auch Jipe Moyo für Menschenrechte und den Schutz von Kindern und Frauen kämpft, unterhalten sie zahlreiche weitere Projekte. Mit der Kitenga Secondary School ermöglichen sie Mädchen den Zugang zu Bildung und die freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Neben der Förderung von Mädchen und Frauen vermitteln die Sisters mit der Baraki Krankenstation medizinisches Grundwissen und retten Leben in einer Gegend, in der die Menschen unter der fehlenden medizinischen Versorgung leiden. Außerdem haben die Immaculate Heart Sisters of Africa das St. Justin Heim für Kinder mit Behinderungen gegründet, mit dem sie gegen deren Ausgrenzung vorgehen und ihnen die spezielle Hilfe, die sie brauchen, geben.

In ihrem Engagement vermitteln die Sisters immer die Einladung, den Glauben mitzufeiern und ihn so zu leben wie sie. Die Gemeinschaft wirkt jederzeit offen und heißt alle Menschen willkommen. Im Dezember letzten Jahres fanden mehrere Feierlichkeiten statt bei denen auch ich zu Gast sein durfte. Alle wurden wie selbstverständlich aufgenommen und die Freude über jeden, der mitfeierte, war intensiv zu spüren. Es war beeindruckend, den lebendigen Glauben von dem so viel Energie ausgeht, in der Gemeinschaft mit anderen zu erleben.

Video: Hilfe für Kinder in Not: Besuch im Zentrum Jipe Moyo in Tansania

Ein Aufblühen ganz gegen den Trend: Neues geistliches Leben in der norwegischen Diaspora

Im Rückblick auf unsere Reise mit dem Bonifatiuswerk im November 2016 nach Trondheim fällt mir auf, welch bedeutende Rolle die Klöster und Ordensgemeinschaften in Norwegen spielen: sie sind wie Leuchttürme des Glaubens in einem Land, wo katholische Christen weit verstreut leben. Das Bilden von Gemeinden wird immer mühsamer, je weiter man in den Norden kommt:  im Bistum Oslo  (das ganz Südnorwegen umfasst)  leben immerhin ca. 140.000 Katholiken, im Stift Trondheim  (Mittelnorwegen)  ca. 15.000 Katholiken, im Stift Tromsø  (Nordnorwegen) gerade mal ca. 5.000 Katholiken, so viel wie in unserer Heimatpfarrei St. Walburga in Nürnberg-Eibach – nur dass sich bei uns die Katholiken auf eineinhalb Stadtteile verteilen und in Stift Tromsø  auf eine Fläche von 112.000 km² (mehr als Bayern und Baden-Württemberg zusammen).

Drei Klöster im Trøndelag – der historisch gewichtigen Region um Trondheim – durften wir kennen lernen: das Kloster der Birgitten in Tiller, das Tautra Mariakloster und das Munkeby Mariakloster.  Jede Kommunität ist auf ihre Art individuell und beeindruckend. Was sie eint: dass sie Orte gelebter Gastfreundschaft sind, wo Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Religion Aufnahme finden, dass sie Raum bieten für Stille und Sinnsuche, dass hier in Gemeinschaft und verlässlich gebetet wird und die Suche nach Gott achtsame Begleitung erfährt.

Die Wurzeln von Tautra und Munkeby reichen zurück bis ins Mittelalter. Im Gefolge von Olav Haraldsson, dem  zum Christentum bekehrten Wikinger und späteren König, kamen die ersten Missionare ins Land und gründeten Stützpunkte, um den christlichen Glauben einzupflanzen. Nicht selten suchten sie die Nähe zur politischen Macht. Das Kloster auf der Insel Tautra wurde 1207 bewusst in der Nähe des  „Frosta-Thing“ errichtet, einer sehr frühen Rechtsinstitution aus dem 4.-9. Jahrhundert.  Das Kloster Munkeby (= „Platz der Mönche“) nahe Levanger war der nördlichste Vorposten der Zisterzienser überhaupt. Seine Gründung wird auf die Zeit zwischen 1150 und 1180 datiert. Es lag an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen und nahe bei Stiklestad, wo König Olav im Kampf getötet wurde.  Die Bewohner des  Trøndelag profitierten in vielfacher  Hinsicht von den Kenntnissen der Mönche: diese waren Spezialisten auf dem Gebiet der Be- und Entwässerung, der Fischzucht, der Landwirtschaft, der Metallbearbeitung, auch der Medizin und Rechtskunde. Zudem beherbergten sie Pilger.  1531 wurde Tautra  im Zuge der Reformation aufgelöst und das Klostergebäude verkauft. Heute liegt es in Ruinen wie das alte Munkeby. Doch zurück zur Gegenwart und den Neuaufbrüchen!

Wir beginnen unsere Drei-Klöster-Tour in Tiller, einem Vorort von Trondheim.  Kloster und Kirche der Birgitten wurden in den Jahren 2009-2011 mitten in einem Neubaugebiet errichtet. Die Gründung erfolgte 1998 von Italien aus; die Nonnen lebten zunächst an einem anderen Ort, bevor der Neubau zur Verfügung stand.  Von Anfang war der Konvent multinational wie die meisten anderen Klostergründungen. Neun Schwestern aus Italien, Mexiko, Indien und Polen leben heute in Tiller – keine Norwegerin.

Sr. Deepa empfängt unsere Gruppe und führt uns durch die Kirche und das Kloster. Die Birgitten sind ein kontemplativer Orden; ihr Tagesablauf gliedert sich durch das Chorgebet, die Hl. Messe, die Anbetung. Die Schwestern verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie Gäste beherbergen  und Pilger aufnehmen. Mit besonderem Engagement widmen sie sich dem ökumenischen Dialog: sie empfangen Gruppen und Schulklassen, veranstalten Einkehrtage und Glaubenskurse. Der Konferenzraum ist gleichermaßen für die Katechese eingerichtet (mit fest installiertem Beamer) wie für den obligatorischen „Kirkekaffe“. Für ein tiefer gehendes Gespräch oder einen längeren Aufenthalt bleibt leider keine Zeit, denn am Mittag desselben Tages findet die Einweihung der katholischen Domkirche St. Olav statt.

Am nächsten Tag brechen wir in aller Frühe nach Tautra auf. Die Insel liegt nur 25 km (Luftlinie) weit von Trondheim entfernt – doch auf der Straße wollen die Ausbuchtungen des Trondheimfjords umfahren werden, so dass es letztlich 80 km sind. Die Ruinen des alten Klosters liegen im Norden der Insel, das neue Tautra Mariakloster im Westen.  Dort leben vierzehn Trappistinnen (= „Zisterzienserinnen der strengen Observanz“) aus acht verschiedenen Nationen in Stille und im Gebet.

Das Grundstück grenzt direkt an den Trondheimfjord. Kirche und Kloster sind ganz aus Holz und Glas gebaut; die Außenwände wurden mit dünnen Steinplatten verblendet. Der ungewöhnliche Bau von Jan Olav Jensen wurde mit fünf internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Das Dachgebälk lässt den Himmel durchscheinen und die Sonne zaubert immer neue und bewegliche Schatten-Muster auf den Boden und die Wände. Unvergleichlich ist der Blick auf den Fjord an der Stirnseite. Die Tür der Kirche steht von vier Uhr morgens bis acht Uhr abends offen.  Es kommen viele Gäste, die die Stille suchen, die am Gebet teilnehmen. Die wenigsten sind katholisch.

Gegründet wurde das neue Tautra im Jahr 1999 von der Abtei Our Lady of the Mississippi, Iowa, mit einer norwegischen Schwester aus Wrentham (USA) und einer weitern aus Laval (Frankreich). Im Gespräch erfahren wir, dass bei der Neugründung  ein zweiter Ort zur Debatte gestanden war: Thibirine im Atlasgebirge, wo 1996 sieben Trappistenmönche während des algerischen Bürgerkrieg verschleppt und umgebracht wurden. Die Entscheidung fiel schließlich für den hohen Norden.  Sieben Jahre lang lebten die Schwestern in einem Übergangsbau, der heute als Gästehaus dient. Im Jahr 2006 konnten die Schwestern das neue Kloster beziehen. Zwei „Tage des offenen Klosters“ hatten die Schwestern damals geplant – das Interesse war so groß, dass zwölf Tage daraus wurden!

Inzwischen haben die Gründerinnen Zuwachs aus der ganzen Welt bekommen: aus den Niederlanden, England, Polen, Belgien und Hongkong. Mit der Gemeinschaft feiern wir die Eucharistie am Christkönigssonntag. Priorin Sr. Gilkrist richtet das Wort an unsere Gruppe und bedankt sich aufs Herzlichste beim Bonifatiuswerk, ohne dessen Engagement der Neubau nicht möglich gewesen wäre.

Zwischen den einzelnen Gebäuden gibt es kleine und größere Höfe. Einer davon wurde als interreligiöser Garten gestaltet, weil sich die Schwestern sehr im Dialog der großen Weltreligionen engagieren. Nach dem Kirkekaffe dürfen wir einen Blick in den Speisesaal tun, der für jede Schwester einen Platz mit Fjordblick bereit hält.  Dann machen wir Halt in der Kosmetikwerkstatt.  Die Schwestern produzieren in Handarbeit Seife, Lotionen und Babypflegemittel und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Ihre Erzeugnisse sind nicht nur in Norwegen bekannt. Selbst große, weltweit bekannte Designer und Vertriebe haben versucht, sie in ihre Kollektion aufzunehmen. Doch die Schwestern wollen ihre Produktion nicht um jeden Preis ausweiten; es geht ihnen nicht ums Geld.

Nur schwer können wir uns von diesem zugleich so stillen und lebendigen Ort trennen. Doch es steht ja noch eine dritte Ordensgemeinschaft mit origineller Genese auf der Agenda: die Trappisten von Munkeby.

Als Tautra eingeweiht wurde, verbrachte Frère Joel, ein Mönch aus Citeaux, dort eine Sabbatzeit. Beeindruckt vom Wagemut der Schwestern und vom Interesse der Bevölkerung, fuhr er zurück nach Frankreich mit einem „Floh im Ohr“: der Idee, dem Frauenkloster im hohen Norden ein Männerkloster zur Seite zu stellen.  Er musste harte Überzeugungsarbeit bei seinem Abt und dem Konvent leisten. Erschwerend kam hinzu, dass Frère  Joel zwei wichtige Positionen im Kloster bekleidete: er war der Prior – der Stellvertreter des Abtes – und der Fromager, der Käsemeister.

Heute ist Bror Joel, wie er auf Norwegisch angesprochen wird, der Prior der vierköpfigen Gemeinschaft, die seit 2009 im neuen Munkeby  Mariakloster lebt, betet und gleichermaßen die Tür und das Herz offenhält für alle, die kommen. Drei der Mönche stammen aus Citeaux in Burgund, der vierte kommt aus Irland.

Wieder wurden Werkstoffe der Gegend genommen zum Bau des Klosters. Im Oberstock befinden sich die Kapelle, die Zellen und die Gemeinschaftsräume der Mönche, außerdem einige Gästezimmer.  Die Kapelle ist so winzig, dass sich unsere 32-köpfige Gruppe teilen muss. Die Mönche wurden von ihren Nachbarn herzlich willkommen geheißen und sind geschätzte Gesprächspartner, Ratgeber und geistliche Männer.  Ob es hier auch Katholiken gebe, fragen wir. – Ja, sagt Bror Joel, drüben in Levanger, da gäb’s einen…

Im Untergeschoss befindet sich eine der renommiertesten Käsereien Norwegens.  Durch die Käseproduktion haben die Brüder sofort gute Kontakte zu den norwegischen Nachbarn geknüpft: deren Kühe liefern die Milch für den köstlichen Klosterkäse. Dieser wird sogar im norwegischen Königshaus serviert. Jährlich stellen die Mönche 5.000 dieser Käse mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen her. Immer mehr Menschen besuchen die Mönche – natürlich um Käse zu kaufen, aber auch um auf ihrem Pilgerweg von Stiklestad nach Trondheim hier zu übernachten.

Deshalb sollen das Kloster und die Käseproduktion vergrößert und um eine eigene Kirche erweitert werden. Zehn Mönche sollen dann dort wohnen können. Das jetzige kleinere Gebäude wird dann komplett für den Gästebetrieb genutzt. Der Architekt und die Mönche legen großen Wert auf Nachhaltigkeit, weswegen der Neubau mit Erdwärme geheizt wird.  Auch dieses Bauvorhaben wird maßgeblich durch das Bonifatiuswerk gefördert. –  Und während unserer Baustellenbesichtigung ist es finster geworden und Zeit für die Abfahrt.

Was bleibt an Eindrücken von diesen drei Blitzbesuchen? Dass katholisches Leben in Norwegen bunt und international ist. Dass in Zeiten des Abbruchs Aufbrüche geschenkt werden. Dass Architekten es verstanden haben, Orte mit geistlicher Atmosphäre zu schaffen. Dass mutige Frauen und Männer diese Orte beleben und offen halten als Dienst an den Menschen. Und schließlich: dass die Zuwendungen an das Bonifatiuswerk höchst sinnvoll eingesetzt werden und helfen, dass Katholiken in extremer Diaspora ihren Glauben leben können.

Mehr zum Thema: „Deutlich katholisch, aber nicht ideologisch“: Eindrücke von einer Domweihe in Norwegen

„Friede beginnt mit einem Lächeln“

„Wir können nicht alle große Dinge tun, aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ (Mutter Teresa)

Beim Rückblick auf dieses „Jahr der Barmherzigkeit“ war die Heiligsprechung Mutter Teresas ein besonderer Höhepunkt für mich, denn es sind viele Erinnerungen wach geworden an die persönliche Begegnung mit Mutter Teresa im November 1988. Das war während meiner Studienzeit, als ich im Mariannhiller Konvent wohnte. Zwei Tage lang durfte ich sie begleiten. Ich werde diese Erlebnisse nie vergessen. Von ihr stammt auch der Satz „Friede beginnt mit einem Lächeln“.

Sicher habt Ihr von der schlimmen Trockenheit in Südafrika gehört. Gott sei Dank hatten wir im November etwa 90 ml Regen, aber viele Staudämme im Land sind fast leer. Unser Klipfontein Damm hat nur 12% Wasser und die Wasserversorgung in der Stadt ist schon seit Monaten abgeschnitten. Das Wasser wird in Tankfahrzeugen in die Stadt gebracht und in 5000 Liter Wassertanks gespeichert. Die Leute können sich in Flaschen, Eimern oder Kanistern aller Größe das Wasser holen, das sie für den täglichen Bedarf nötig haben.

Viele Haushalte haben ein Bohrloch. Wir im Konvent und in der Schule gehören auch zu den Glücklichen. Ansonsten wäre es sehr schwierig, unsere Schule mit 412 Schülern weiter zu führen. Trotz der Dürre ist die Natur ein Wunderwerk, denn der Frühling ließ sich nicht aufhalten.

Wir hatten ein gelungenes Jahr mit vielen Aktivitäten. Meine 30 Erstklässler halten mich in Schwung. Diesmal machten etwa die Hälfte der Kinder sehr gute Fortschritte im Lesen und haben sich als richtige Leseratten entpuppt. Ende November hatten wir unseren „Fun Day“, Groß und Klein hatte Riesenspaß. Bei der „Schaumburg“ sahen die Kinder fast wie Schneemänner aus.

Im November erklärte ich den Kindern, dass wir für unsere Toten beten. Ich sagte, sie sollen ein Bild malen, wie sie sich den Himmel vorstellen. „Ich und Jesus – Freunde für immer!“ schrieb Khethelo oben links. Zwei große Engel bewachen die Burg, Gott und Maria schauen beim mittleren Fenster heraus und im Wagen vorne sitzt Jesus mit Khethelo’s Kopf auf seiner Schulter. Das fand ich einfach toll! Ich hoffe, Ihr könnt die Einzelheiten etwas erkennen.

Von der politischen Lage im Lande seid Ihr ja durch die Medien gut oder vielleicht sogar besser als wir informiert. Korruption ist an der Tagesordnung. Das für Reparaturen vorgesehene Geld verschwindet einfach und es ist nichts da, um die Wasserversorgung sicherzustellen, um die Schlaglöcher auf den Straßen zu beseitigen, um das Stromnetz zu verbessern oder um das Feuerwehrauto einsatzbereit zu halten. Das verursacht Ärger unter den Bürgern, zumal bekannt ist, dass Bürgermeister und Gemeinderäte fürstlich entlohnt werden. An den Universitäten wird demonstriert, gestreikt und vieles unsinnig und brutal zerstört. Die Schäden laufen in die Millionen.

Eine schreckliche Tragödie schockierte unsere Stadt und die ganze Umgebung. In Swart Mfolozi, das eine Fahrstunde entfernt auf dem Land liegt, wurden bei einem Raubüberfall in einem Supermarkt zwei Männer erschossen, einer davon der Vater zweier kleiner Kinder. Der andere war der Schwiegervater. Sie arbeiteten zusammen im Familiengeschäft. Zum Glück konnten die Täter geschnappt werden, einer hat sich selber im Gefängnis erhängt.

Im August konnte Sr. Perpetua in einem feierlichen Gottesdienst ihre Erstprofeß ablegen. Ihre Familie kam von Johannesburg angereist. In der gleichen Feier wurde das 65-jährige Profeßjubiläum unserer fast 97-jährigen Sr. Sola begangen. Zwei Kandidatinnen warten auf die Einkleidung und zwei junge Frauen üben sich in das Ordensleben ein. So hoffen wir auf eine gute Zukunft.

Im Juli durfte ich mit den Schwestern vom Kostbaren Blut in Mariannhill Jubiläum feiern, denn Sr. Winfried feierte ihr 60-jähriges Jubiläum. Mit den Schwestern dort bin ich seit meinem Studium noch immer freundschaftlich verbunden.

In meinen Exerzitien im September in Durban erlebte ich etwas Besonderes. Ich war morgens früh unterwegs zur Pfarrkirche, von wo aus man einen herrlichen Blick auf das Meer hat. Es war kühl und bewölkt und ein Rudel Affen kam die Straße herunter. Ich ging näher, um sie etwas zu beobachten. Eine Affenmutter saß ganz lange mit ihrem Neugeborenen auf der Mauer; das Kleine war noch ganz nass. Weil es so kalt war, hat es mir richtig leidgetan.

In der Pfarrei bin ich weiterhin aktiv im Vinzentiusverein, als Kommunionhelferin und jeden zweiten Sonntag fahre ich zum Familienrosenkranz in die Mischlingssiedlung. Zurzeit habe ich eine sehr eifrige Kindergruppe, die kommt schon gelaufen, wenn sie das Auto sehen.

Mit einem Bild von „meiner“ Krippe wünsche ich Euch und uns allen:
Möge das Licht der Heiligen Nacht unser Leben erleuchten,
damit es auch in unserem Herzen hell und fröhlich werde.
Möge die Liebe Gottes uns umgeben,
damit wir geborgen sind und die Hoffnung nie verlieren.
Möge der Friede Gottes unser Herz erfüllen,
damit auch von unserem Leben Zeichen des Friedens ausgehen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch gnadenreiche Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr 2017!

Die Zukunft Kubas ist ungewiss

Pater Klaus Väthröder, Missionsprokurator der Jesuiten in Nürnberg, nimmt an der Kubatagung zum Thema „Barmherzigkeit und kirchliche Arbeit in existentiellen Randbereichen“ von 21. bis 22. November 2016 in Eichstätt teil. Hier berichtet er von seinen Erlebnissen in der kubanischen Stadt Cienfuegos, wo er für sechs Wochen den Pfarrer der Gemeinde Nuestra Señora de Montserrat vertrat.  

„Pan Suaveeee“, ertönt es auf der Straße unter meinem Fenster früh am Morgen, begleitet von einer Trillerpfeife. Nach dem Verkäufer von „Feinem Brot“ kommen dann die ersten Pferdetaxis (siehe Foto oben) vorbeigerumpelt. Es sind Einspänner mit Platz für bis zu sechs Fahrgästen, die für 5 oder 10 Cent die Bewohner Cienfuegos an ihre Arbeitsplätze kutschieren. Mein Blick aus dem Fenster geht über die Bahia zum einzigen Atomkraftwerk Kubas. Es wurde allerdings nie in Betrieb genommen, da der Zusammenbruch der UDSSR die sowjetisch-kubanische Freundschaft Ende der 90er Jahre jäh beendete.

Es ist 6 Uhr morgens und Zeit die Kirche aufzuschließen. Im Laufe des Tages werden noch viele Verkäufer, rufend zu Fuß oder klingelnd auf dem Fahrrad, ihre Produkte anbieten: Gemüse, Nudeln, Handbesen, Putzlumpen, Knoblauch und vieles mehr. Sie sind die unüberhörbaren Vertreter der neuen Generations von Unternehmen, sogenannte „Cuentapropistas“, private Klein- und Kleinstunternehmen, die seit einigen Jahren im sozialistischen Cuba erlaubt sind. Dazu zählen Restaurants, Kleinbauern, Gästehäuser, Taxis, und Reparaturwerkstätten, um nur einige der insgesamt 178 unterschiedliche Kategorien zu nennen, die das Wirtschaftsministerium für die Gründung eines kleinen Unternehmens zulässt. Mit der Zeit wurden auch die Restriktionen weniger: so wurde die Anzahl der verfügbaren Restaurantplätze von 12 auf 20 und später auf 50 erhöht und die vormals regulierte Speisekarte wurde liberalisiert. Noch kann man nicht vom freien Unternehmertum auf Cuba sprechen, da unübersichtliche und zum Teil absurde Kontrollen weiterbestehen, aber es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

P. Klaus Väthröder (hinten Mitte) mit Kindern in Cienfuegos. Foto: privat
P. Klaus Väthröder (hinten Mitte) mit Kindern in Cienfuegos. Foto: privat

Die kubanischen Jesuiten haben dies zum Anlass genommen, um ihr Arbeitsfeld, das weitgehend auf die kirchliche Pastoral beschränkt war, zu erweitern. In ihren Zentren „Fe y Cultura Loyola“ in Havanna, Camagüey, Cienfuegos, Colón und Santiago bieten sie Kurse für die Cuentapropistas an. Hierbei werden die Grundlagen der Geschäftsführung eines kleinen Unternehmens vermittelt: Buchhaltung, Personalführung – inzwischen darf auch eine gewisse Anzahl von Nicht-Familienmitglieder angestellt werden -, Kostenrechnung etc. Diese Kurse erfreuen sich einer großen Nachfrage. Auf meine Frage an den Oberen der kubanischen Jesuiten, ob dies denn legal sei, antwortet er etwas nebulös: „Die Kurse werden geduldet, kein Aufheben machen, sich bedeckt halten, weitermachen“.

Nachdem ich die Kirche aufgeschlossen habe, kommen schon die ersten Gläubigen, die vor der täglichen 7:30 Uhr Messe beten oder eine Andacht vor dem Bild der „Virgen de la Caridad de Cobre“ halten. Die Jungfrau von Cobre ist die Patronin Kubas quer durch alle Konfessionen, Religionen und politischen Bekenntnissen. Im Unterschied zu anderen lateinamerikanischen Ländern war die katholische Kirche in Kuba allerdings nie besonders bedeutend. Vor und auch nach der Revolution gingen und gehen ca. 5 Prozent der Bevölkerung regelmäßig zum Gottesdienst. So auch in unserer Gemeinde Montserrat in Cienfuegos. Jeden Morgen versammeln sich hier gut 30 Personen, um die Eucharistie mitzufeiern. Dienstag und Donnerstag sind es mehr, da wir dann der Toten gedenken. Dann kommen auch Kirchenferne und bringen Blumen zum Andenken an ihre Verstorbenen mit.

Wandel durch Papstbesuche

Die freie Ausübung des Glaubens war nicht immer so selbstverständlich. Nach dem Sieg von Fidel Castros Revolution Anfang der 60er Jahre wurde die katholische Kirche auf die Sakristei beschränkt. Soziale Aktivitäten und Schulen mussten eingestellt werden, Gebäude wurden enteignet, Ausländer des Landes verwiesen. Priester, Ordensleute und bekennende Katholiken wurden in vielen Bereichen der Gesellschaft diskriminiert und schikaniert. Dies änderte sich ab den 90er Jahren mit den Besuchen der Päpste Johannes Paul II (1998), Benedikt (2012) und Franziskus (2015) in Kuba. Ohne das Regime direkt anzugreifen haben die drei Päpste politische Freiheiten, die Achtung der Menschenrechte und mehr Autonomie für die katholische Kirche angemahnt. Auch die auf Dialog angelegte Politik des Kardinals von Havanna Jaime Ortega hat dazu beigetragen, dass sich die Beziehung zwischen Staat und Kirche entspannt hat. Kardinal Ortega ist inzwischen aus Altergründen zurückgetreten. Seine nicht allzu konfrontative Annäherung an das Regime war innerhalb der katholischen Kirche in Kuba nicht unumstritten.

Jesuitenschule in Cienfuegos, Kuba. Foto: Klaus Väthröder
Jesuitenschule in Cienfuegos, Kuba. Foto: Klaus Väthröder

Nach dem Gottesdienst treffe ich Pater Ignacio beim Frühstück der Kommunität. Ich frage ihn nach den Baufortschritten. Auf dem Gelände der Pfarrei in Cienfuegos befindet sich auch eine große ehemalige Schule der Jesuiten, die 1880 in Betrieb genommen und 1961 mit der Revolution vom Staat enteignet wurde. Zur Überraschung aller hat der Staat das Gebäude, das einen ganzen Häuserblock umfasst, vor drei Jahren der Gesellschaft Jesu zurückgeben. Allerdings in einem bemitleidenswerten Zustand. Türen, Fenster, Böden und Wände wurden entfernt oder sind zerstört. Das renovierte Gebäude würde Räume für Gemeinde, für Exerzitien und große Versammlungen ermöglichen. Die Renovierungsarbeiten werden wohl noch Jahre dauern. Es fehlt an Material, Geld und ausgebildeten Arbeitskräften. Der Hintergedanke der Regierung war wohl, dass die Jesuiten die Renovierung eher voranbringen können und dass zumindest die Fassade des ehemaligen Kollegs von Montserrat zum 200sten Stadtjubiläum Cienfuegos 2019 im alten Glanz erstrahlen wird. Das Kolleg ist eines der wenigen architektonisch bedeutenden Gebäude der Stadt. Cienfuegos, die auch „Perle des Südens“ genannt wird, wurde 1819 durch französische Siedler gegründet und hat sich einen frankophonen Charakter erhalten. Heute hat die Stadt, die 250 Kilometer von Havanna entfernt an der Bahia de Jagua gelegen ist, rund 170.000 Einwohner und wird von vielen Touristen besucht.

kuba-seniorenkreisNach dem Frühstück gehe ich zum Treffen der Senioren im Gemeindesaal. Die Sorge um die alten Menschen ist eine wichtige Aufgabe der katholischen Kirche. Bis vor einigen Jahren war diese Caritas für die Senioren vom Staat verboten. Gemäß offizieller Verlautbarung haben alle Menschen in Kuba das Notwendige zu einem zufriedenstellenden Leben inklusive einer guten und kostenlosen Gesundheitsversorgung sowie schulischer bzw. universitärer Ausbildung.  Das ist immer noch wahr, doch die Unterschiede im Lebensstil sind inzwischen gravierend. Wer Zugang zu Dollars oder Euros hat über Verwandte und Freunde im Ausland oder durch eine Arbeit in Kuba, z.B. im Tourismussektor, lebt um einiges besser, als die ohne diese zusätzliche Einkommensquelle. Das trifft auf die meisten alten Menschen zu. Sie leben von einer monatlichen staatlichen Rente von 10 bis 20 US Dollar. Und auch mit der famosen „Libreta“, eine Art von Bezugsscheinen für den Erwerb verbilligter Lernmitteln, kann man nicht mehr viel bekommen, da die Produkte der Libreta immer weniger und teurer werden.

Señora Maria Emilia, 115 Jahre. Foto: Klaus Väthröder
Señora Maria Emilia, 115 Jahre. Foto: Klaus Väthröder

Es sind vor allem Frauen, die zum Seniorenkreis kommen und sich ein gutes Frühstück schmecken lassen. Unter ihnen sind Lehrerinnen, Ärztinnen und auch die Gewinnerin einer olympischen Bronzemedaille. Die Hälfte des verteilten Essens packen sie ein und auch an einer kleinen Tasse Kaffee wird nur genippt, der Rest für die nächsten Tage aufgespart.  Besonders gern unterhalte ich mich mit Señora Maria Emilia. Sie ist 115 Jahr alt und bis vor kurzem kam sie noch zur sonntäglichen Messe zu Fuß, nun wird sie im Rollstuhl gebracht. In den letzten Wochen hatte sie Besuch von in- und ausländischen Journalisten und auch mir gibt sie bereitwillig Auskunft über meine Fragen zur Geschichte Kubas. Sie ist das lebendige Beispiel für die hohe Lebenserwartung in Kuba, vergleichbar mit der der westlichen Ländern und eine Zeugin der immer noch guten Gesundheitsversorgung.

Zerrissene Generation

Am Abend nehmen mich die großen Ministranten mit zum Malecón, dem Treffpunkt der jungen Generation an der Bahia Cienfuegos. Da die hunderten von Jugendlichen kein Geld haben, gibt es hier am Malecón auch kaum Smartphones, kaum Alkohol, kein Internet, kein Facebook oder Twitter und sowieso keine Drogen. Hier hängt man ab, redet und singt, hört oder macht Musik, ohne Stress oder Angst vor Kriminalität, wie in anderen lateinamerikanischen Ländern. Es ist eine friedliche und schöne Stimmung.

Straßenmusiker in Cienfuegos. Foto: Klaus Väthröder
Straßenmusiker in Kuba. Foto: Gerhard Rott

Allerdings wären die meisten dieser Jugendlichen jetzt lieber in Miami oder Madrid, denn trotz ihrer guten Ausbildung sehen viele von ihnen für sich keine Zukunft in Kuba. Diese Generation kennt die wichtigen Ereignisse der Revolution, die Diktatur Batistas und den Befreiungskampf Fidels in der Sierra Maestra, die Invasion in der Schweinbucht, die Raketenkrise 1962 und die Notlage Kubas nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks nur aus Erzählungen und Büchern. Diese Ereignisse sind für sie kaum mehr identitätsstiftend. Es sind die Geschichten Ihrer Eltern und Großeltern. Bei meinen Gesprächen mit den Ministranten und am Malecón spüre ich die Zerrissenheit dieser Generation. Sie hängen an ihrem Land, ihren Familien und Freunden und doch wollen sie lieber ein neues Leben in einem anderen Land beginnen. Sie träumen von einem Leben wie ihre Altersgenossen in der globalisierten Welt: sie wollen an der vernetzten Welt teilhaben, sie wollen freie Information und Unterhaltung anstatt staatlich monopolisierte Zeitungen und Fernsehen, sie wollen mit Freunden über Internet, Facebook und Twitter verbunden sein, angesagte Klamotten tragen, für Ihre Arbeit einen entsprechenden Lohn erhalten. Sie wollen nicht Taxifahrer werden, da man damit mehr verdient als ein Arzt oder Lehrer. Ähnlich wie die junge Generation der Kubaner in Miami, die die radikale und revanchistische Anti-Castro Haltung ihrer Eltern und Großeltern hinter sich gelassen haben, ist vielen jungen Kubanern auf der Insel die revolutionäre Rhetorik des Regimes fremd geworden. Zwar hat sich in den letzten 20 Jahren durch die vorsichtigen Reformen einiges auf Kuba gewandelt, doch vielen in der jungen Generation geht dies zu langsam. Die Zukunft Kubas ist ungewiss. Wie gehen die Reformen der politischen und wirtschaftlichen Öffnung weiter? Was geschieht, wenn nach Fidel auch Raúl Castro 2018 zurücktreten wird? Werden immer mehr der jungen Generation Kuba verlassen und ihr Glück woanders suchen? Es bleibt zu hoffen, wie es Papst Johannes Paul II gesagt hat, „dass Kuba sich mit all seinen wunderbaren Möglichkeiten der Welt öffnen möge, und die Welt sich Kuba öffnet.“

Barmherzige Schwestern aus Nigeria

Das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit geht nun zu Ende, aber Barmherzigkeit kennt kein Ende. Schon gar nicht für uns „Töchter Mariens, Mutter der Barmherzigkeit“ (Barmherzige Schwestern – wie wir in Deutschland genannt werden). Unser Ordensname ist Programm.

Vielleicht haben Sie mich oder eine meiner Mitschwestern in blauer Kutte in Eichstätt oder in einer anderen Stadt schon gesehen und gefragt: Wer sind diese Schwestern? Und was machen sie?

Ich lebe seit Oktober 2012 hier in Eichstätt bei den Schwestern der Congregatio Jesu in Eichstätt. Zurzeit studiere ich Pflegewissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Unser Orden, Daughters of Mary Mother of Mercy (DMMM) , wurde 1961 in Nigeria gegründet. Der damalige Bischof der Diözese Umuahia in Abia, Anthony Gogo Nwedo, suchte Hilfe, um sein junges Bistum zu evangelisieren. Er wollte unter anderem auch Schulen, Krankenhäuser und Waisenhäuser errichten. Da es für diese Aufgabe keine Orden vor Ort gab, wurde ein eigener Orden gegründet, der 1994 als Kongregation päpstlichen Rechts anerkannt wurde.

Ordensgründer Anthony Gogo Nwedo. Foto: DMMM
Ordensgründer Anthony Gogo Nwedo. Foto: DMMM

Zurzeit hat der Orden über 1.000 Schwestern, 82 Novizinnen und 90 Postulantinnen unter anderem auch in Deutschland, Belgien, Italien, Schweden, England, Österreich und in den USA. Unser Mutterhaus ist in Nigeria (unsere General-Oberin Rev. Mother Mary Angeleen Umezuruike hat ihre Ausbildung in Bonn absolviert) und wir sind auch in weiteren afrikanischen Ländern präsent. Wir leben nach den drei Gelübden des Gehorsams, der Armut und der ehelosen Keuschheit. Nächstenliebe, Demut, Gebet, Buße und Hingabe an den Willen Gottes machen den Geist unserer Ordensgemeinschaft aus.

General-Oberin Rev. Mother Mary Angeleen Umezuruike . Foto: DMMM
General-Oberin Rev. Mother Mary Angeleen Umezuruike . Foto: DMMM

Durch unser Tun und unsere Lebensweise wird die Barmherzigkeit Gottes den Menschen vermittelt. Als Ausdruck unserer Berufung in der Nachfolge Jesu sind wir tätig in der Fürsorge der Armen und Bedürftigen in Krankenhäusern, Heimen, Waisenhäusern, Altenheimen und bei Obdachlosen sowie in der Seelsorge und der Vorbereitung der Erstkommunionkinder in der Pfarrgemeinde und auch der jungen Frauen für das Familienleben. Beruflich sind wir hauptsächlich Krankenschwestern und/oder Hebammen, Altenpflegerinnen, Ärztinnen, Kindererzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und Lehrerinnen in verschiedenen Ebenen.

In Nigeria, einem Land in dem rund 180 Millionen Menschen aus 250 ethnischen Gruppen leben, besucht ein großer Teil der Kinder im Schulalter keine Schule. Die Analphabeten-Quote beträgt bei Männern 30 Prozent, bei Frauen sogar rund 50 Prozent. Zum einen sind die Schulgebühren sehr hoch, zum anderem müssen viele Kinder für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Deshalb ist es unserem Orden sehr wichtig, in diesen Bereich tätig zu werden, denn ohne Bildung ist ein erfolgreicher Einstieg in das Berufsleben kaum möglich. Mit unseren Schulen unterstützen wir vor allem die armen Kinder.

Nigeria ist in erster Linie aufgrund seiner vielen Rohstoffe ein reiches Land. Aber dieser Reichtum ist auf Wenige konzentriert. Etwa zwei Drittel der Menschen in Nigeria leben in extremer Armut. Als Folge davon stranden viele Kinder heimat-, eltern- und obdachlos in den Slums und Straßen der Städte wie Lagos, Kano, Ibadan und Abuja. Auch diese Menschen unterstützen wir durch unsere Arbeit. Allein unser Orden unterhält vier Waisenkinderheime.

Barmherzige Schwestern in Nigeria (1. von rechts: Sr. Angela bei Ihrem 25jährigen Professjubiläum). Foto: DMMM
Barmherzige Schwestern in Nigeria (1. von rechts: Sr. Angela bei Ihrem 25jährigen Professjubiläum). Foto: DMMM

In Deutschland sind wir überwiegend im Krankenhausbereich tätig und legen hier durch unser Wirken Zeugnis für unseren Glauben ab. Mit unserem Gehalt unterstützen wir wiederum unsere Einrichtungen in Nigeria. Unsere Einrichtungen in Nigeria werden hauptsächlich durch Spenden und durch die Arbeit der Barmherzigen Schwestern im Ausland finanziert.

Es gibt auch die „Barmherzigen Brüder“, die Sons of Mary Mother of Mercy (SMMM). Auch sie sind hier in Deutschland in mehreren Diözesen tätig.