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Klein anfangen für eine bessere Zukunft

Im Süden von Niger kann nicht einmal jede dritte Frau lesen und schreiben. Mädchen werden im Kindesalter verheiratet, weil sich die Familien auf diese Weise Geld sparen. Aber es gibt auch Orte, an denen alles anders ist.

Corona? Nein. Das ist hier wirklich kein Thema. Viele hier glauben nicht einmal, dass es das gibt. Die Frage, die sich für die Menschen hier stellt, ist, wie sie genug zu essen auftreiben können“, steht in der E-Mail. „Ich hoffe, das reicht als Antwort. Ich habe nämlich kein bisschen Zeit, ich bin ständig in den Dörfern. Die Nahrungsmittel werden knapp, jetzt werden die Mädchen verheiratet, denn so können sich die Familien Geld sparen. Gruß, Marie Catherine Kingbo, Ordensoberin der Fraternité des Servantes du Christ, Maradi, Niger.“

Wenn der Baum brennt, ist es oft zu spät, um Wasser zu holen, heißt es hier im westafrikanischen Niger. Noch brennt der Baum im Dorf Dan Bako und den umliegenden Ortschaften vielleicht nicht, noch lassen die Mütter vielleicht mit sich reden. Darum klopfen die Ordensoberin und ihre Mitschwestern an die Türen der Familien. „Nur ein Jahr für dein Mädchen“, bitten sie die Mütter. „Gib deinem Mädchen nur ein einziges Jahr, dann werden wir weitersehen.“

Durchschnittsalter: zwölf Jahre

Das Durchschnittsalter, in dem die Mädchen hier in den Dörfern im Süden von Niger verheiratet werden, liegt bei zwölf Jahren. Es sind aber auch Neunjährige unter den Bräuten. Die Ehemänner sind mindestens volljährig, meist Mitte zwanzig, manchmal aber auch alte Männer. „Das heißt, dass die Mädchen keinerlei Chance auf Bildung und Eigenständigkeit haben“, sagt Sr. Kingbo. Vor 14 Jahren ist die Senegalesin hierher in die Diözese Maradi gekommen, hat eine Ordensgemeinschaft gegründet und mit dem begonnen, was bis heute ihre Mission ist: Mädchen und Frauen eine Zukunft zu geben. Im Vorhof eines der sandfarbenen Häuser von Dan Bako, dem Dorf, in dem sie ihre Arbeit mit den Frauen auf dem Land begonnen hat, hängt die 15-jährige Rahatatou gerade Wäsche auf. Rahatatou ist eines der Mädchen, für die die Schwestern einen Aufschub erwirkt haben. „Was machst du denn hier bei deiner Mutter, ich dachte, du wohnst im Nachbardorf?“, fragt Sr. Arlette, die heute die Familien besucht.

Schulbildung für Mädchen, Hilfe zur Selbsthilfe für die Frauen: Dafür setzen sich die Schwestern der „Fraternité des Servantes du Christ“ in Maradi im Niger ein. Foto: Jörg Böthling

Die Antwort bleibt vage, es hat wohl Ärger mit dem Ehemann gegeben. „Sie hat im vergangenen Jahr geheiratet und vor kurzem eine Fehlgeburt gehabt“, wird die Ordensfrau später erklären. Damit ist das Mädchen keine Ausnahme. „Auf die verfrühten Ehen folgen alle Arten von Schwierigkeiten, leider eben auch Fehlgeburten“, sagt Sr. Kingbo. Zeit zu gewinnen, die Mütter dazu zu bringen, die Mädchen später wegzugeben, das ist für Sr. Kingbo und ihre Mitstreiterinnen zunächst das Wichtigste. Bei Rahatatou hat das nur bedingt geklappt: Die Schwestern hatten gehofft, dass sie viel länger zur Schule gehen dürfte. „Aber leider passiert das oft: Die Mädchen kommen einfach nicht mehr aus den Ferien in ihre Klassen zurück. Wenn wir dann nachforschen, wo sie geblieben sind, hören wir: Sie haben geheiratet.“

Frauen halten zusammen

Auf den gemeinsamen Feldern grünt es. Hier bewirtschaften die Frauen gemeinschaftlich und legen auch ihre Vorräte gemeinsam an. Eine Gruppe hat sich versammelt, es herrscht Unmut, denn die Bewässerungsanlage ist ausgefallen und nicht zum Funktionieren zu bringen. Die Alternative ist wenig verlockend: Ein paar hundert Meter weiter, auf dem weitläufigen Dorfplatz, befindet sich ein Brunnen. Ochsen sind in ein Joch gespannt und ziehen mit den Runden, die sie drehen, die Wassereimer aus der Tiefe. Baraka Makamma gehört zu den Frau en, die auf den Gemeinschaftsfeldern mitarbeiten und Vorräte in die von den Ordensfrauen gegründete Getreidebank einlagern. „Dadurch ist es möglich, zumindest ein bisschen Geld auf die Seite zu legen“, sagt die Mutter von sieben Kindern. Gemeinsam mit dem, was ihr Mann erwirtschaftet, halten sie sich über Wasser.

Im Dorf Dan Bako bewirtschaftet eine Frauenkooperative die Felder gemeinsam. Foto: Jörg Böthling

Die Sorgen sind weniger geworden. Ein bisschen zumindest. „Als wir anfingen, in die Dörfer zu gehen, haben wir zuerst die Frauen zusammengebracht um mit ihnen über ihre Lage zu sprechen“, sagt Sr. Kingbo. Dazu luden die Ordensfrauen die traditionellen Dorfchefs und die Imame ein. „Als sie sahen, dass wir nicht Chaos brachten, sondern dass die Gemeinschaft sogar stärker wurde, waren wir und unsere Arbeit willkommen“, erinnert sie sich. Heute steht Sr. Kingbo unter der schützenden Hand des Sultans. Wenn es darum geht, ein Stück Land zu erwerben, ist er Vermittler und Fürsprecher.

In der Getreidebank lagern Vorräte für mehrere Dörfer. Foto: Jörg Böthling

Die Christen sind eine winzige Minderheit in Niger, der vom traditionell toleranten Islam der Bruderschaften geprägt ist. Höchstens 1,5 Prozent der Nigrer sind Christen. „Aber nur, wenn ich großzügig zähle“, sagt Ambroise Ouédraogo, der Bischof von Maradi. Auf seine Einladung hin hat Sr. Kingbo 2006 ihre Arbeit im Land begonnen. „Wenn die Muslime eines Tages sagen würden: Wir wollen die Christen hinauswerfen, so könnten sie das jederzeit tun“, sagt Bischof Ambroise. In der Vergangenheit hat es bereits Anschläge und Übergriffe durch Extremisten gegeben, wie etwa 2015 in der Stadt Zinder, als unter anderem eine katholische Schule zerstört wurde. Auch der Bischof weiß, dass der radikale Islam wächst und die Sicherheitslage im Land zusehends schlechter wird. Aber er sagt: „Auch wenn wir eine Minderheit sind: Wir sind eine Minderheit, die ihren festen Platz hat.“ Dazu tragen auch die katholischen Schulen bei, die einen guten Ruf genießen und von vielen Amts- und Würdenträgern des Landes durchlaufen wurden.

Nafisa, 9, geht seit vier Jahren in die Missionsschule von Tibiri-Gobir. Foto: Jörg Böthling

Für Sr. Kingbo sind es die heranwachsenden Mädchen an ihrer Schule, auf die sie stolz ist. Im Internat wohnen vor allem Kinder aus entlegenen Landesteilen. Manche haben Schreckliches erlebt. Unter den älteren Mädchen ist die 17-jährige Sylvie, durch deren Dorf an der Grenze zu Nigeria marodierende Banden von Dschihadisten gezogen sind, um die Menschen zu tyrannisieren. „Wir Mädchen können nicht zu Hause bleiben. Diese Leute können einem alles antun“, sagt sie. Sie sitzt umringt von einer kleinen Gruppe Gleichaltriger. Fragt man sie nach dem, was die Zukunft bringen soll, sagen sie: Krankenschwester. Lehrerin. Sylvie, die vor Boko Haram geflohen ist und einmal pro Woche versucht, zu Hause jemanden zu erreichen, um sicherzustellen, dass alle noch leben, möchte für immer bei den Schwestern bleiben. „Ob das ihr Weg ist, werden wir sehen“, sagt Sr. Kingbo. Und dann gibt es Nafisa, Enkelin des Onkels des Sultans. Er hat sie in die Obhut der Schwestern gegeben, damit sie eine gute Schule besucht. Sie ist neun Jahre alt, und damit eigentlich in heiratsfähigem Alter. „Eigentlich“, sagt Sr. Kingbo mit entschlossenem Blick. „Aber davon ist nicht im geringsten die Rede.“

NIGER UND SEINE FRAUEN
80 Prozent der Frauen in Niger können nicht lesen und schreiben. Alle zwei Stunden stirbt eine Frau bei der Geburt und durchschnittlich bringt jede sieben Kinder zur Welt. In dieser Realität nahm Sr. Marie Catherine Kingbo mit nur einer Mitschwester im Jahr 2006 ihre Arbeit auf. Heute stehen da, wo die beiden Frauen aus dem Nichts begonnen haben, eine Schule und ein Internat der Schwestern der Ordensgemeinschaft „Fraternité des Servantes du Christ“. In den Dörfern bringen die Ordensfrauen die Menschen zusammen, um heikle Themen zu diskutieren. Im ländlichen Umfeld, wo die Armut am gravierendsten ist, ermutigen sie die Frauen, sich mithilfe von Mikrokrediten wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen und Vorräte für schwere Zeiten anzulegen. Denn die durchlebt Niger immer wieder: Das Land in der Sahelzone kämpft gegen den Hunger. Dazu kommt der Terror islamistischer Gruppen. Mit der Stadt Agadez gibt es im Niger ein Drehkreuz der afrikanischen Migration. Seit die Wege durch die Sahara und über das Mittelmeer immer schwieriger werden, stranden hier zahllose junge Migranten. Sie zu versorgen, ist eine große Herausforderung für die Zukunft. Denn Terrorgruppen, die im Namen des Islam operieren, bedienen sich nur allzu gerne bei der perspektivlosen Jugend und finden dort immer wieder neue Kämpfer. Einen Kurzfilm gibt es im missio-YouTube-Kanal sowie aufwww.weltmissionssonntag.de.

„Ein Missionar geht nicht in Pension“

Comboni-Missionar Josef Gerner ist seit 1996 in Uganda tätig. Sein erster Einsatz in dem ostafrikanischen Land hatte er bereits von 1971 bis 1976. Anschießend arbeitete er bis 1986 in Kenia. Es folgten Stationen in Innsbruck und Bamberg. Derzeit ist Die Diözese Eichstätt hat bereits mehrere seiner Projekte in Uganda unterstützt hat.

Trotz seiner 82 Jahre ist Pater Josef Gerner MCCJ in Uganda noch immer unverzichtbar. Insgesamt ist der dort schon 26 Jahre aktiv. Kaum einer kennt Ostafrika so gut wie er.

Der gebürtige Meckenhausener pflegt zwar intensiv die Verbindungen in die Heimat, dennoch kann er es sich nur schwer vorstellen, nicht in Uganda zu wirken. Das Land und die Leute sind ihm ans Herz gewachsen. Im Video-Interview sagt er: „Ein Missionar geht nicht in Pension“.


Im Heimaturlaub berichtet er den Verantwortlichen im Referat Weltkirche über seine Aktivitäten und die nächsten anstehenden Projekte. Dazu gehört der Bau eines neuen Pfarrhauses für seine neue Pfarrei, in der er neben einem einheimischen Priester die pastorale Verantwortung trägt und sich sehr darum bemüht, die Grundlagen für eine gute Entwicklung der Pfarrei zu legen.

Zuletzt erhielt er 2012 und 2014 für den Bau von Kirchen aus Eichstätt Zuschüsse über 15.000 €. Die Gebäude sind für ihn aber nur die notwendige Infrastruktur, um die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens den Menschen zu verkünden, die nach den schweren Jahren des Bürgerkrieges nach Orientierung für sich und ihre Kinder suchen.

Gelebter Glaube in Tansania

Jeder Sonntagmorgen stellt hier in Tansania mit dem Besuch der Kirche etwas ganz Besonderes dar. So stellen sich alle Kinder des Jipe Moyo Centers um 9 Uhr schick gekleidet zum Gehen bereit am Tor auf und strahlen bereits die Vorfreude auf den Gottesdienst aus. Die Mädchen ziehen eigens genähte Röcke und Schmuck an, die Jungen glänzen mit Anzugschuhen. Alle Kinder zeigen ihre Zusammengehörigkeit durch das Tragen der Jipe Moyo T-Shirts und zelebrieren den Gang in die Kirche, der als große Gemeinschaft eine Besonderheit im Alltag darstellt.

Mit wie viel Gesang und Tanz der Gottesdienst hier gestaltet wird, hat mich von Anfang an beeindruckt. So wird man von der Begeisterung für den Glauben mitgerissen und kann sich der Energie und der Freude, die von den Stimmen des Chors ausgehen, welche die ganze Kirche mit Leichtigkeit füllen, nicht entziehen. Jedes Lied wird mit Rasseln und Trommeln rhythmisch begleitet und mit Bewegung verbunden. Meine Faszination für den tansanischen Gesang lebe ich inzwischen als Mitglied des Chors Mtakatifu Yosefu aus. So wird mein Bemühen im Alt der Sauti ya Pili auf Kiswahili mein Bestes zu geben mit Begeisterung aufgenommen. Gottesdienste werden hier gefeiert und sind mit ehrlicher Freude, statt mit Pflichtgefühl verbunden. Die Kirche ist zentrale Anlaufstelle für alle Mitglieder der Gemeinde und bildet sowohl Ort des Gebets als auch des Zusammenkommens. Alle Generationen treffen sich hier, tauschen sich aus und bilden eine Gemeinschaft. Der Gang in die Messe und das Kultivieren des Glaubens ist den Menschen sehr wichtig und spielt auch im Leben der Jipe Moyo Kinder eine tragende Rolle. So hat sich auch meine Beziehung zum Glauben durch meine Zeit in Tansania verändert.

Glaube erfüllt bei Jipe Moyo den Sinn, alle zusammenzubringen und legt das Fundament für eine starke Gemeinschaft. Das gemeinsame Beten bildet ein wichtiges Ritual im Alltag des Centers, bei dem täglich alle Kinder zusammenkommen. Dabei werden alle Mädchen und Jungen miteinbezogen und niemand fühlt sich ausgegrenzt. Auf diese Weise stärken wir das Gruppengefühl und finden einen Weg, auch neue Kinder schnell in die Gemeinschaft zu integrieren. Im Gebet haben die Kinder die Möglichkeit, ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sich zu öffnen und sich frei mitzuteilen. Beim abendlichen Beten reflektieren wir alle gemeinsam über den vergangenen Tag und versichern uns der gegenseitigen Unterstützung für die Zukunft. So fühlen sie sich verstanden, können Sorgen, die sie bedrücken, loswerden und stehen einander bei. Das Vertrauen in die Liebe Gottes wirkt sich auch auf das Zusammenleben bei Jipe Moyo aus und unterstützt den Heilungsprozess, sowie das Rückgewinnen der eigenen Würde und die Stärkung des Selbstwertgefühls. Glaube bildet eine starke Verbindung zwischen allen Kindern und schenkt ihnen neue Hoffnung.

Diese Auffassung vom christlichen Glauben wird von den Immaculate Heart Sisters of Africa, die das Jipe Moyo Center leiten, vertreten und täglich vorgelebt. Sie schenken den Kindern ein Zuhause sowie neue Hoffnung und eine Zukunftsperspektive. So nehmen die Mädchen und Jungen bei Jipe Moyo Kirche als etwas Schönes wahr und verbinden es mit Geborgenheit und Zuneigung. Auch für mich war diese positive Energie im Jipe Moyo Convent der Sisters, in dem ich seit fünf Monaten lebe, sofort spürbar. Ich bin froh und dankbar von Beginn an als Teil der Gemeinschaft aufgenommen worden zu sein und auf beeindruckende Weise zu erleben, wie Glaube aktiv gestaltet und die christliche Lehre in tätiger Nächstenliebe gelebt werden kann.

Hilfe von Ordensschwerstern

Die Gemeinschaft der Immaculate Heart Sisters of Africa strahlt Akzeptanz und Offenheit aus. Die Sisters zeigen immer Interesse an ihren Mitmenschen und suchen die Verbindung zu ihnen. So haben sie in jeder Situation ein offenes Ohr und vermitteln Verständnis und das Gefühl, nicht allein zu sein. Egal zu welcher Zeit oder an welchem Ort nehmen sie sich Zeit für die Geschichten und Sorgen der Leute und versuchen ihnen eine helfende Hand zu sein. Sie begrüßen einander offen und schließen Freundschaft mit ihrem Umfeld. Durch diese offen gelebte Nächstenliebe, die von ihrem Engagement ausgeht, begegnet man ihnen überall mit offener Zuneigung und großem Respekt.

Die Immaculate Heart Sisters sind im selbstlosen Dienst für ihre Mitmenschen auf vielfältige Weise tätig und bemühen sich um ein friedvolleres Zusammenleben. So setzen sie sich vor allem für Bedürftige ein und bilden besonders in ländlichen Gegenden oft die einzige Anlaufstelle und Unterstützung. In der Diözese Musoma, in der auch Jipe Moyo für Menschenrechte und den Schutz von Kindern und Frauen kämpft, unterhalten sie zahlreiche weitere Projekte. Mit der Kitenga Secondary School ermöglichen sie Mädchen den Zugang zu Bildung und die freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Neben der Förderung von Mädchen und Frauen vermitteln die Sisters mit der Baraki Krankenstation medizinisches Grundwissen und retten Leben in einer Gegend, in der die Menschen unter der fehlenden medizinischen Versorgung leiden. Außerdem haben die Immaculate Heart Sisters of Africa das St. Justin Heim für Kinder mit Behinderungen gegründet, mit dem sie gegen deren Ausgrenzung vorgehen und ihnen die spezielle Hilfe, die sie brauchen, geben.

In ihrem Engagement vermitteln die Sisters immer die Einladung, den Glauben mitzufeiern und ihn so zu leben wie sie. Die Gemeinschaft wirkt jederzeit offen und heißt alle Menschen willkommen. Im Dezember letzten Jahres fanden mehrere Feierlichkeiten statt bei denen auch ich zu Gast sein durfte. Alle wurden wie selbstverständlich aufgenommen und die Freude über jeden, der mitfeierte, war intensiv zu spüren. Es war beeindruckend, den lebendigen Glauben von dem so viel Energie ausgeht, in der Gemeinschaft mit anderen zu erleben.

Video: Hilfe für Kinder in Not: Besuch im Zentrum Jipe Moyo in Tansania

Ein Aufblühen ganz gegen den Trend: Neues geistliches Leben in der norwegischen Diaspora

Im Rückblick auf unsere Reise mit dem Bonifatiuswerk im November 2016 nach Trondheim fällt mir auf, welch bedeutende Rolle die Klöster und Ordensgemeinschaften in Norwegen spielen: sie sind wie Leuchttürme des Glaubens in einem Land, wo katholische Christen weit verstreut leben. Das Bilden von Gemeinden wird immer mühsamer, je weiter man in den Norden kommt:  im Bistum Oslo  (das ganz Südnorwegen umfasst)  leben immerhin ca. 140.000 Katholiken, im Stift Trondheim  (Mittelnorwegen)  ca. 15.000 Katholiken, im Stift Tromsø  (Nordnorwegen) gerade mal ca. 5.000 Katholiken, so viel wie in unserer Heimatpfarrei St. Walburga in Nürnberg-Eibach – nur dass sich bei uns die Katholiken auf eineinhalb Stadtteile verteilen und in Stift Tromsø  auf eine Fläche von 112.000 km² (mehr als Bayern und Baden-Württemberg zusammen).

Drei Klöster im Trøndelag – der historisch gewichtigen Region um Trondheim – durften wir kennen lernen: das Kloster der Birgitten in Tiller, das Tautra Mariakloster und das Munkeby Mariakloster.  Jede Kommunität ist auf ihre Art individuell und beeindruckend. Was sie eint: dass sie Orte gelebter Gastfreundschaft sind, wo Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Religion Aufnahme finden, dass sie Raum bieten für Stille und Sinnsuche, dass hier in Gemeinschaft und verlässlich gebetet wird und die Suche nach Gott achtsame Begleitung erfährt.

Die Wurzeln von Tautra und Munkeby reichen zurück bis ins Mittelalter. Im Gefolge von Olav Haraldsson, dem  zum Christentum bekehrten Wikinger und späteren König, kamen die ersten Missionare ins Land und gründeten Stützpunkte, um den christlichen Glauben einzupflanzen. Nicht selten suchten sie die Nähe zur politischen Macht. Das Kloster auf der Insel Tautra wurde 1207 bewusst in der Nähe des  „Frosta-Thing“ errichtet, einer sehr frühen Rechtsinstitution aus dem 4.-9. Jahrhundert.  Das Kloster Munkeby (= „Platz der Mönche“) nahe Levanger war der nördlichste Vorposten der Zisterzienser überhaupt. Seine Gründung wird auf die Zeit zwischen 1150 und 1180 datiert. Es lag an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen und nahe bei Stiklestad, wo König Olav im Kampf getötet wurde.  Die Bewohner des  Trøndelag profitierten in vielfacher  Hinsicht von den Kenntnissen der Mönche: diese waren Spezialisten auf dem Gebiet der Be- und Entwässerung, der Fischzucht, der Landwirtschaft, der Metallbearbeitung, auch der Medizin und Rechtskunde. Zudem beherbergten sie Pilger.  1531 wurde Tautra  im Zuge der Reformation aufgelöst und das Klostergebäude verkauft. Heute liegt es in Ruinen wie das alte Munkeby. Doch zurück zur Gegenwart und den Neuaufbrüchen!

Wir beginnen unsere Drei-Klöster-Tour in Tiller, einem Vorort von Trondheim.  Kloster und Kirche der Birgitten wurden in den Jahren 2009-2011 mitten in einem Neubaugebiet errichtet. Die Gründung erfolgte 1998 von Italien aus; die Nonnen lebten zunächst an einem anderen Ort, bevor der Neubau zur Verfügung stand.  Von Anfang war der Konvent multinational wie die meisten anderen Klostergründungen. Neun Schwestern aus Italien, Mexiko, Indien und Polen leben heute in Tiller – keine Norwegerin.

Sr. Deepa empfängt unsere Gruppe und führt uns durch die Kirche und das Kloster. Die Birgitten sind ein kontemplativer Orden; ihr Tagesablauf gliedert sich durch das Chorgebet, die Hl. Messe, die Anbetung. Die Schwestern verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie Gäste beherbergen  und Pilger aufnehmen. Mit besonderem Engagement widmen sie sich dem ökumenischen Dialog: sie empfangen Gruppen und Schulklassen, veranstalten Einkehrtage und Glaubenskurse. Der Konferenzraum ist gleichermaßen für die Katechese eingerichtet (mit fest installiertem Beamer) wie für den obligatorischen „Kirkekaffe“. Für ein tiefer gehendes Gespräch oder einen längeren Aufenthalt bleibt leider keine Zeit, denn am Mittag desselben Tages findet die Einweihung der katholischen Domkirche St. Olav statt.

Am nächsten Tag brechen wir in aller Frühe nach Tautra auf. Die Insel liegt nur 25 km (Luftlinie) weit von Trondheim entfernt – doch auf der Straße wollen die Ausbuchtungen des Trondheimfjords umfahren werden, so dass es letztlich 80 km sind. Die Ruinen des alten Klosters liegen im Norden der Insel, das neue Tautra Mariakloster im Westen.  Dort leben vierzehn Trappistinnen (= „Zisterzienserinnen der strengen Observanz“) aus acht verschiedenen Nationen in Stille und im Gebet.

Das Grundstück grenzt direkt an den Trondheimfjord. Kirche und Kloster sind ganz aus Holz und Glas gebaut; die Außenwände wurden mit dünnen Steinplatten verblendet. Der ungewöhnliche Bau von Jan Olav Jensen wurde mit fünf internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Das Dachgebälk lässt den Himmel durchscheinen und die Sonne zaubert immer neue und bewegliche Schatten-Muster auf den Boden und die Wände. Unvergleichlich ist der Blick auf den Fjord an der Stirnseite. Die Tür der Kirche steht von vier Uhr morgens bis acht Uhr abends offen.  Es kommen viele Gäste, die die Stille suchen, die am Gebet teilnehmen. Die wenigsten sind katholisch.

Gegründet wurde das neue Tautra im Jahr 1999 von der Abtei Our Lady of the Mississippi, Iowa, mit einer norwegischen Schwester aus Wrentham (USA) und einer weitern aus Laval (Frankreich). Im Gespräch erfahren wir, dass bei der Neugründung  ein zweiter Ort zur Debatte gestanden war: Thibirine im Atlasgebirge, wo 1996 sieben Trappistenmönche während des algerischen Bürgerkrieg verschleppt und umgebracht wurden. Die Entscheidung fiel schließlich für den hohen Norden.  Sieben Jahre lang lebten die Schwestern in einem Übergangsbau, der heute als Gästehaus dient. Im Jahr 2006 konnten die Schwestern das neue Kloster beziehen. Zwei „Tage des offenen Klosters“ hatten die Schwestern damals geplant – das Interesse war so groß, dass zwölf Tage daraus wurden!

Inzwischen haben die Gründerinnen Zuwachs aus der ganzen Welt bekommen: aus den Niederlanden, England, Polen, Belgien und Hongkong. Mit der Gemeinschaft feiern wir die Eucharistie am Christkönigssonntag. Priorin Sr. Gilkrist richtet das Wort an unsere Gruppe und bedankt sich aufs Herzlichste beim Bonifatiuswerk, ohne dessen Engagement der Neubau nicht möglich gewesen wäre.

Zwischen den einzelnen Gebäuden gibt es kleine und größere Höfe. Einer davon wurde als interreligiöser Garten gestaltet, weil sich die Schwestern sehr im Dialog der großen Weltreligionen engagieren. Nach dem Kirkekaffe dürfen wir einen Blick in den Speisesaal tun, der für jede Schwester einen Platz mit Fjordblick bereit hält.  Dann machen wir Halt in der Kosmetikwerkstatt.  Die Schwestern produzieren in Handarbeit Seife, Lotionen und Babypflegemittel und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Ihre Erzeugnisse sind nicht nur in Norwegen bekannt. Selbst große, weltweit bekannte Designer und Vertriebe haben versucht, sie in ihre Kollektion aufzunehmen. Doch die Schwestern wollen ihre Produktion nicht um jeden Preis ausweiten; es geht ihnen nicht ums Geld.

Nur schwer können wir uns von diesem zugleich so stillen und lebendigen Ort trennen. Doch es steht ja noch eine dritte Ordensgemeinschaft mit origineller Genese auf der Agenda: die Trappisten von Munkeby.

Als Tautra eingeweiht wurde, verbrachte Frère Joel, ein Mönch aus Citeaux, dort eine Sabbatzeit. Beeindruckt vom Wagemut der Schwestern und vom Interesse der Bevölkerung, fuhr er zurück nach Frankreich mit einem „Floh im Ohr“: der Idee, dem Frauenkloster im hohen Norden ein Männerkloster zur Seite zu stellen.  Er musste harte Überzeugungsarbeit bei seinem Abt und dem Konvent leisten. Erschwerend kam hinzu, dass Frère  Joel zwei wichtige Positionen im Kloster bekleidete: er war der Prior – der Stellvertreter des Abtes – und der Fromager, der Käsemeister.

Heute ist Bror Joel, wie er auf Norwegisch angesprochen wird, der Prior der vierköpfigen Gemeinschaft, die seit 2009 im neuen Munkeby  Mariakloster lebt, betet und gleichermaßen die Tür und das Herz offenhält für alle, die kommen. Drei der Mönche stammen aus Citeaux in Burgund, der vierte kommt aus Irland.

Wieder wurden Werkstoffe der Gegend genommen zum Bau des Klosters. Im Oberstock befinden sich die Kapelle, die Zellen und die Gemeinschaftsräume der Mönche, außerdem einige Gästezimmer.  Die Kapelle ist so winzig, dass sich unsere 32-köpfige Gruppe teilen muss. Die Mönche wurden von ihren Nachbarn herzlich willkommen geheißen und sind geschätzte Gesprächspartner, Ratgeber und geistliche Männer.  Ob es hier auch Katholiken gebe, fragen wir. – Ja, sagt Bror Joel, drüben in Levanger, da gäb’s einen…

Im Untergeschoss befindet sich eine der renommiertesten Käsereien Norwegens.  Durch die Käseproduktion haben die Brüder sofort gute Kontakte zu den norwegischen Nachbarn geknüpft: deren Kühe liefern die Milch für den köstlichen Klosterkäse. Dieser wird sogar im norwegischen Königshaus serviert. Jährlich stellen die Mönche 5.000 dieser Käse mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen her. Immer mehr Menschen besuchen die Mönche – natürlich um Käse zu kaufen, aber auch um auf ihrem Pilgerweg von Stiklestad nach Trondheim hier zu übernachten.

Deshalb sollen das Kloster und die Käseproduktion vergrößert und um eine eigene Kirche erweitert werden. Zehn Mönche sollen dann dort wohnen können. Das jetzige kleinere Gebäude wird dann komplett für den Gästebetrieb genutzt. Der Architekt und die Mönche legen großen Wert auf Nachhaltigkeit, weswegen der Neubau mit Erdwärme geheizt wird.  Auch dieses Bauvorhaben wird maßgeblich durch das Bonifatiuswerk gefördert. –  Und während unserer Baustellenbesichtigung ist es finster geworden und Zeit für die Abfahrt.

Was bleibt an Eindrücken von diesen drei Blitzbesuchen? Dass katholisches Leben in Norwegen bunt und international ist. Dass in Zeiten des Abbruchs Aufbrüche geschenkt werden. Dass Architekten es verstanden haben, Orte mit geistlicher Atmosphäre zu schaffen. Dass mutige Frauen und Männer diese Orte beleben und offen halten als Dienst an den Menschen. Und schließlich: dass die Zuwendungen an das Bonifatiuswerk höchst sinnvoll eingesetzt werden und helfen, dass Katholiken in extremer Diaspora ihren Glauben leben können.

Mehr zum Thema: „Deutlich katholisch, aber nicht ideologisch“: Eindrücke von einer Domweihe in Norwegen

„Friede beginnt mit einem Lächeln“

„Wir können nicht alle große Dinge tun, aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ (Mutter Teresa)

Beim Rückblick auf dieses „Jahr der Barmherzigkeit“ war die Heiligsprechung Mutter Teresas ein besonderer Höhepunkt für mich, denn es sind viele Erinnerungen wach geworden an die persönliche Begegnung mit Mutter Teresa im November 1988. Das war während meiner Studienzeit, als ich im Mariannhiller Konvent wohnte. Zwei Tage lang durfte ich sie begleiten. Ich werde diese Erlebnisse nie vergessen. Von ihr stammt auch der Satz „Friede beginnt mit einem Lächeln“.

Sicher habt Ihr von der schlimmen Trockenheit in Südafrika gehört. Gott sei Dank hatten wir im November etwa 90 ml Regen, aber viele Staudämme im Land sind fast leer. Unser Klipfontein Damm hat nur 12% Wasser und die Wasserversorgung in der Stadt ist schon seit Monaten abgeschnitten. Das Wasser wird in Tankfahrzeugen in die Stadt gebracht und in 5000 Liter Wassertanks gespeichert. Die Leute können sich in Flaschen, Eimern oder Kanistern aller Größe das Wasser holen, das sie für den täglichen Bedarf nötig haben.

Viele Haushalte haben ein Bohrloch. Wir im Konvent und in der Schule gehören auch zu den Glücklichen. Ansonsten wäre es sehr schwierig, unsere Schule mit 412 Schülern weiter zu führen. Trotz der Dürre ist die Natur ein Wunderwerk, denn der Frühling ließ sich nicht aufhalten.

Wir hatten ein gelungenes Jahr mit vielen Aktivitäten. Meine 30 Erstklässler halten mich in Schwung. Diesmal machten etwa die Hälfte der Kinder sehr gute Fortschritte im Lesen und haben sich als richtige Leseratten entpuppt. Ende November hatten wir unseren „Fun Day“, Groß und Klein hatte Riesenspaß. Bei der „Schaumburg“ sahen die Kinder fast wie Schneemänner aus.

Im November erklärte ich den Kindern, dass wir für unsere Toten beten. Ich sagte, sie sollen ein Bild malen, wie sie sich den Himmel vorstellen. „Ich und Jesus – Freunde für immer!“ schrieb Khethelo oben links. Zwei große Engel bewachen die Burg, Gott und Maria schauen beim mittleren Fenster heraus und im Wagen vorne sitzt Jesus mit Khethelo’s Kopf auf seiner Schulter. Das fand ich einfach toll! Ich hoffe, Ihr könnt die Einzelheiten etwas erkennen.

Von der politischen Lage im Lande seid Ihr ja durch die Medien gut oder vielleicht sogar besser als wir informiert. Korruption ist an der Tagesordnung. Das für Reparaturen vorgesehene Geld verschwindet einfach und es ist nichts da, um die Wasserversorgung sicherzustellen, um die Schlaglöcher auf den Straßen zu beseitigen, um das Stromnetz zu verbessern oder um das Feuerwehrauto einsatzbereit zu halten. Das verursacht Ärger unter den Bürgern, zumal bekannt ist, dass Bürgermeister und Gemeinderäte fürstlich entlohnt werden. An den Universitäten wird demonstriert, gestreikt und vieles unsinnig und brutal zerstört. Die Schäden laufen in die Millionen.

Eine schreckliche Tragödie schockierte unsere Stadt und die ganze Umgebung. In Swart Mfolozi, das eine Fahrstunde entfernt auf dem Land liegt, wurden bei einem Raubüberfall in einem Supermarkt zwei Männer erschossen, einer davon der Vater zweier kleiner Kinder. Der andere war der Schwiegervater. Sie arbeiteten zusammen im Familiengeschäft. Zum Glück konnten die Täter geschnappt werden, einer hat sich selber im Gefängnis erhängt.

Im August konnte Sr. Perpetua in einem feierlichen Gottesdienst ihre Erstprofeß ablegen. Ihre Familie kam von Johannesburg angereist. In der gleichen Feier wurde das 65-jährige Profeßjubiläum unserer fast 97-jährigen Sr. Sola begangen. Zwei Kandidatinnen warten auf die Einkleidung und zwei junge Frauen üben sich in das Ordensleben ein. So hoffen wir auf eine gute Zukunft.

Im Juli durfte ich mit den Schwestern vom Kostbaren Blut in Mariannhill Jubiläum feiern, denn Sr. Winfried feierte ihr 60-jähriges Jubiläum. Mit den Schwestern dort bin ich seit meinem Studium noch immer freundschaftlich verbunden.

In meinen Exerzitien im September in Durban erlebte ich etwas Besonderes. Ich war morgens früh unterwegs zur Pfarrkirche, von wo aus man einen herrlichen Blick auf das Meer hat. Es war kühl und bewölkt und ein Rudel Affen kam die Straße herunter. Ich ging näher, um sie etwas zu beobachten. Eine Affenmutter saß ganz lange mit ihrem Neugeborenen auf der Mauer; das Kleine war noch ganz nass. Weil es so kalt war, hat es mir richtig leidgetan.

In der Pfarrei bin ich weiterhin aktiv im Vinzentiusverein, als Kommunionhelferin und jeden zweiten Sonntag fahre ich zum Familienrosenkranz in die Mischlingssiedlung. Zurzeit habe ich eine sehr eifrige Kindergruppe, die kommt schon gelaufen, wenn sie das Auto sehen.

Mit einem Bild von „meiner“ Krippe wünsche ich Euch und uns allen:
Möge das Licht der Heiligen Nacht unser Leben erleuchten,
damit es auch in unserem Herzen hell und fröhlich werde.
Möge die Liebe Gottes uns umgeben,
damit wir geborgen sind und die Hoffnung nie verlieren.
Möge der Friede Gottes unser Herz erfüllen,
damit auch von unserem Leben Zeichen des Friedens ausgehen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch gnadenreiche Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr 2017!