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Missionarin auf Zeit in Tansania

Mein Name ist Katharina, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Nürnberg. Ich habe gerade die Schule mit dem Abitur beendet und werde nun einen Freiwilligendienst in Tansania machen. Darüber möchte ich in diesem Blog berichten und meine Eindrücke mit euch teilen. Dabei freue ich mich auf viele neue Erlebnisse und Erkenntnisse, die nicht nur mich, sondern vielleicht auch euch Leser in Deutschland, zum Nachdenken anregen.

Ich werde meinen Einsatz als „MissionarIn auf Zeit“ machen, wobei drei Elemente im Mittelpunkt stehen: das Mitleben an der Einsatzstelle, das Mitbeten im Kloster und die Mitarbeit im jeweiligen Projekt. Die Jugendlichen leben in den Ordensgemeinschaften mit, haben die Möglichkeit ihren Glauben neu zu entdecken und können sich engagieren, egal ob in einer Schule, in einem Kindergarten, Waisenhaus etc.

Der Ort, an dem ich nächstes Jahr arbeiten werde, heißt Poli Singisi und befindet sich im Norden Tansanias, in der Nähe von Arusha. Dort teile ich das Alltagsleben der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. Mein Aufgabenbereich befasst sich hauptsächlich mit dem Unterrichten junger Frauen im Fach Englisch. Zusätzlich haben sie Unterricht in Schneidern, Kochen, Gartenarbeit und Haushaltsführung. Auch eine Farm und eine Secondary School befinden sich auf dem Gelände.

Unser Träger umfasst das MaZ-Team der Spiritaner, Spiritanerinnen, Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und der Mariannhiller Missionare. Zusammen mit 18 anderen Jugendlichen werden wir von ihnen in verschiedene Länder Afrikas und auch nach Südamerika entsandt. Um für dieses Jahr entsprechend gerüstet zu sein, haben wir eine lange Phase der Vorbereitung durchgemacht, die sich langsam dem Ende zuneigt.

In verschiedenen Seminaren haben wir uns mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigt: Im „Eine Welt“ Seminar wurden wir sensibilisiert für die Vor- und Nachteile, welche die Globalisierung mit sich bringen kann. Wir haben über den Klimawandel gesprochen, die Problematik der Altkleidung und des Altfleischs, über Konflikte zwischen Bauern und der Regierung (zum Beispiel in Mexico) etc.

In dem nächsten Seminar haben wir uns mit uns selbst beschäftigt, unter dem Motto „So bin ich“. Wir haben versucht uns besser kennenzulernen, herauszufinden wer und was uns wichtig ist und auf was wir nächstes Jahr nicht verzichten können und wollen.

Bei unserem Osterkurs stand der Glauben im Mittelpunkt und natürlich die Feier der Kartage. Wir haben uns mit unserem eigenen Glauben auseinandergesetzt, auch mit den Zweifeln, haben versucht die Taten Jesu näher zu beleuchten und zu verstehen. Und das große gemeinsame Osterfrühstück am Ostersonntag durfte natürlich nicht fehlen.

Dann wurde es konkreter: Wir haben uns in verschiedene Länderseminare aufgeteilt. Mit Tansania (sowie Kenia, Uganda und Ruanda) habe ich zum Ostafrikaseminar gehört. Wir haben viele detaillierte Informationen über unsere Länder bekommen, Hinweise auf mögliche Fettnäpfchen, in die wir treten könnten (zum Beispiel darf man NUR die rechte Hand benutzen, egal ob zur Begrüßung, zum Essen, zur Entgegennahme von Gegenständen etc.) und vieles mehr. Wir haben afrikanische Lieder gesungen und schon die ersten Wörter auf Kiswahili gelernt, was man in Ostafrika hauptsächlich (neben Englisch) spricht.

Jetzt befinden wir uns in der letzten Phase, in der wir unsere Aussendungsgottesdienste in der heimischen Gemeinde feiern und außerdem noch für drei  Wochen in einem Kloster leben werden, um den Klosteralltag kennen zu lernen. Doch dazu dann später mehr …

Krokodilfleisch zum Probieren

Zurzeit bin ich in Tabatinga, einer kleine Stadt mitten im Urwald vom riesigen Amazonas-Gebiet. Die Stadt hat ca. 25.000 Einwohner und liegt an der Grenze von Peru und Kolumbien. Gestern war ich abends mit den Schwestern in Kolumbien beim Pizzaessen und morgen fahre ich schnell mal nach Peru – auf die andere Seite des Flusses „Rio Solimoes“ – kurz gesagt, es geht mir sehr, sehr gut hier.

Die Gegend, die Menschen, einfach alles ist sehr geprägt vom Drogenhandel, die Route geht von Kolumbien und Peru durch den brasilianischen Dschungel, auf dem Fluss und/oder mit kleinen Fliegern in „alle Welt hinaus!“. Die Gewalt, Korruption, Morde, Folter,… sind hier Alltag. Ich habe ja schon einiges gesehen und gehört in Brasilien, aber was ich hier antreffe ist noch viel, viel schlimmer, dem entsprechend sind auch die Gefängnisse, aber davon später mal mehr.

Das Gesicht der Menschen hier ist „Indigena“ – Gesicht der Indianer, das prägt natürlich auch die Kirche, eine sehr lebendige Kirche der Basisgemeinden. Die Städte Tefe und Tabatinga sind mit dem Flieger erreichbar (und natürlich mit dem Schiff), alle andere Städte und Dörfer nur mit Booten, die Preise sind sehr gesalzen. Ich flog von Manaus nach Tefe (1 ½ Std.) und dann ging es weiter mit dem Schiff (18 Std.) nach „Fonte Boa“, nach drei Tagen dann wieder 9 Std. mit dem Schiff nach Jutai und nun wieder 12 Stunden unterwegs auf dem riesigen Fluss nach Tabatinga ins sogenannte „Drei-Länder-Eck“.

Ich bin noch keinen Monat unterwegs, aber mir scheint es schon viel, viel länger. Es sind viele verschiedenste Eindrücke. Die Menschen hier sind sehr freundlich, meistens bin ich bei Schwestern untergebracht, besuche immer die Gefängnisse, die Richter und Staatsanwälte (wenn es sie gibt), die Gruppe der Gefängnisseelsorge vor Ort. Das Programm ist sehr dicht, aber dann auf dem Schiff geht es ruhig dahin, flussaufwärts mitten in einer riesigen Dschungellandschaft. Ein riesiger Fluss, der Rio Solimoes, besser gesagt es sind viele Flüsse, große Inseln, riesige Nebenflüsse, da ist die schöne blaue Donau ein kleines „Bach’l“. Es gibt natürlich viel Fisch zum Essen, viele verschiedenste Sorten, mir schmeckt das sehr, diese Tage bekam ich sogar Krokodilfleisch zum Probieren, es gibt wenig Gemüse und Salat, aber dafür viele verschiedenste Früchte. Ich habe schon viele Fluss-Delfine gesehen und natürlich die Krokodile am Ufer.

Die Armut der Menschen, die Gewalt, die verheerenden Zustände in den Gefängnissen, das Desinteresse der Regierung für diese Gegend und dieser Menschen – außer wenn es um große Projekte mit den multinationalen Firmen geht, um das reiche Amazonasgebiet auszubeuten – berührt mich sehr, beschäftigt mein Denken, Fühlen, mein Gebet und meine Träume,… und es ist ein Geschenk morgen gerade hier das Christkönigsfest zu feiern – für uns Missionarinnen Christi ein sehr wichtiges und schönes Fest – ich werde in einem kleinen Indianer-Dorf im Urwald die Messe mitfeiern.

Herzlichen Gruß und Vergelt’s Gott an allen, die mitgeholfen haben, diese Reise zu ermöglichen, noch ist sie nicht zu Ende, andermal wieder mehr.

Ich wünsche Euch allen einen gesegneten Advent und hoffe vor Weihnachten nochmal „online“ zu sein, um euch Weihnachtsgrüße schicken zu können.

Um grande abraço!

Petra

Hier im Amazonas Zugang zum Internet zu haben ist gar nicht so leicht, in Tabatinga funktioniert es ganz gut, die letzten 14 Tage war ich aber „offline“!