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„Das Recht ströme wie Wasser“: Zu Besuch bei Ureinwohnern Brasiliens

Im November waren Vertreter fast aller bayerischen Diözesen in Brasilien, um sich über die Lage der Menschenrechte im Land ein eigenes Bild zu machen. Die Reise wurde vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor organisiert.

Im Fokus der besuchten Projekte stand die Frage nach dem Recht auf Wohnraum und Land. In Sao Paulo begegneten wir Menschen, die noch vor kurzem auf der Straße lebten und nun durch die Zusammenarbeit mit einer Misereor-Partnerorganisation leer stehende Gebäude besetzen und daraus in Eigenregie neuen Wohnraum schaffen.

An verschiedenen Orten im Amazonas und im Bundesstaat Pará mussten wir erleben, wie die Rechte von indigenen Bevölkerungsgruppen durch Investoren nicht beachtet werden, ihr Wald zerstört und zum Anbau von Soja missbraucht wird.

Besonders paradox erscheint es mir, dass genau in dem Monat, in dem sich eine der größten Umweltkatastrophen durch den Bruch eines Bergbau-Abwasserstaudamms in Brasilien ereignet hat, die Regierung an einer anderen Stelle die Erlaubnis zur Flutung des drittgrößten Staudamms der Welt erteilt. Die bisher am Ufer des Flusses Xingu lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen haben zehn Jahre dagegen gekämpft. Bischof Erwin Kräutler, 2010 für seinen Einsatz für die Menschenrechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Gebiet mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, war immer an ihrer Seite. Jetzt erlebe ich einen 29-jährigen Häuptling der Arara, der in unglaublich verantwortungsbewusster Art davon spricht, sein Volk in eine veränderte Zukunft führen zu müssen. Es macht mir trotz der Wut im Bauch, Mut im Kopf zu sehen, dass die Zukunft Brasiliens auch von Menschen gestaltet wird, die nicht nur an ihren Profit denken (in Brasilien leben rund 900.000 Indigene in etwa 240 Völkern).

Szenenwechsel: Keine 48 Stunden später sind wir südlich von Belém in einem anderen Indianerdorf. Dort verteidigen die Indigenen ihre ihnen gesetzlich zustehenden Wälder gegen Investoren, die Mais für den Export anbauen wollen. Dadurch finden die Ureinwohner auch zurück zu ihrer alten Kultur.

Misereor und seine Partner stehen an der Seite dieser Kämpfer für den Erhalt der Umwelt und eine gerechte Gesellschaft. Ich freue mich auf die Fastenaktion 2016, die sich mit diesen Fragen beschäftigen wird.

Der Ball rollt – faire Aktionen zur WM in Brasilien

Aus dem Jahr 2006 hab ich noch das Lied von Herbert Grönemeyer im Ohr und es ist wieder so weit, die Werbemaschine dreht sich auf vollen Touren. Keiner der großen Sponsoren der Fußballweltmeisterschaft, der nicht eine extra Kampagne startet. Jeder, der was auf sich hält, ist dabei. Und ich als normaler Mediennutzer bin auch voll dabei. So zehn Stunden Mediennutzung am Tag ist der Durchschnitt bei uns in Deutschland.
Die neuen Möglichkeiten, neben dem Fernseher auch noch über Twitter und Facebook den eigenen Kommentar zum Spiel, zur Taktik, zum WM-Ball, den sozialen Verwerfungen im Austragungsland Brasilien zum Besten zu geben, helfen mir dabei, die zehn Stunden locker voll zu machen.

„Zeit, das sich was dreht…“

Es gibt zwei tolle WM-Kampagnen kirchlicher Hilfswerke, auf die ich gerne noch hinweisen will und die ich auch bei der WM unterstütze. Ok, für Insider nicht neu, aber die WM schafft halt eine besondere Öffentlichkeit und Medienzeiten für derartige Aktionen.
Die Aktion Steilpass von Adveniat, DJK, KAB, KLJB und Kolping International will im Kontext der Fußball-WM aufzeigen, dass auch dort, wo die großen Fußball- Arenen gebaut wurden, Armut und Ungerechtigkeit herrschen und große Bevölkerungsschichten benachteiligt werden.

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Online gibt es jede Menge gutes Material, besonders auf die Unterschriftenliste (online und zum ausdrucken) will ich hinweisen. Da werden menschenwürdige Arbeitsplätze, gute Bildung, eine faire Justiz und vieles mehr gefordert.
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Und die zweite gute Sache kommt von Misereor: Ob in der Schulpause mit fruchtigen, alkoholfreien Cocktails oder abends zum Public Viewing nach Wunsch auch mit Alkohol: Cocktail Stop heißt, Cocktails gemixt aus fair gehandelten Zutaten gegen eine Spende auszuschenken. Das ist die perfekte Idee für einen Fußballabend in sommerlicher Atmosphäre. Infos und Rezept

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Beitragsfoto: Tânia Rego/ABr

Misereor-Gast Mutebi, der Mann, der die Lösungen bringt

Obwohl James Mutebi, der Mann, dessen Name übersetzt so viel heißt wie, „der die Lösungen bringt“, nun schon seit drei Tagen wieder weg ist und gestern gut in seiner Heimat Kampala/Uganda gelandet ist, kann ich viele Aspekte der intensiven viertägigen Begegnung während der Miseoreor-Fastenaktion nicht so leicht vergessen und zur Alltagsroutine übergehen. Es warten die Vorbereitungen für die erweiterte Adveniat-Patenschaftstagung und den Renovabis-Gast aus Leitmeritz, der Stand am Katholikentag und gleich anschließend eine Veranstaltung mit Bischof Dabre aus Poona über weltkirchliche Modelle der zukünftigen Gemeindearbeit.

James Mutebi im Interview mit Valentin Nowak (Radio K1). Foto: Daniela Bahmann
James Mutebi im Interview mit Valentin Nowak (Radio K1). Foto: Daniela Bahmann

Die Mutebi-Lösungen haben mich tief beeindruckt, auf der Ebene der unmittelbaren Hilfe für Bauern, die ihr Land aufgeben müssen, weil Investoren aus Europa Blumenfarmen auf dem guten Boden in der Nähe der Hauptstadt von Uganda und dessen Flughafen aufbauen. Die Jobs in den Blumenfarmen sind nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch extrem gesundheitsschädlich, weil keine Schutzanzüge da sind, wenn mit der chemischen Keule gegen Ungeziefer vorgegangen wird.

Zu allem Überfluss wird das dadurch verseuchte Wasser nicht gereinigt, so dass auch die benachbarten Felder vergiftet werden. Vom Wasserverbrauch gar nicht zu reden. Zu glauben, dass man damit was Gutes tut, ist mehr als naiv. Schon vor 40 Jahren wurden die Hoffnungen auf den „Trickle down Effekt“ durch die Realität entlarvt. Auch Papst Franziskus hat diese kritische Sichtweise in seinem Schreiben Evangelii Gaudium Nr. 54 aufgegriffen.

Achtzig Prozent der Menschen in Uganda leben von dem, was sie selbst auf den Feldern anbauen und ernten. Nur den seltenen und geringen Überschuss versuchen sie auf dem Markt zu verkaufen. Sich und die eigene Familie auf diese Art zu versorgen und so das Leben und die Ausbildung der Kinder sicherzustellen ist die zentrale Herausforderung, mit der sich die Menschen in Uganda konfrontiert sehen. Dabei hilft ihnen die katholische Kirche des Landes. James Mutebi ist beim Erzbistum Kampala für die nachhaltige Landwirtschaftsberatung angestellt, die finanziellen Mittel dafür kommen von Misereor. Da kann ich nur sagen: Weiter so, meine Unterstützung haben James und seine vielen unbekannten Kollegen in vielen vergleichbaren Projekten weltweit. Weiter so Misereor!

Und „Danke“ an die Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Medien und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Kirchenzeitung, die mit Filmen, Radiobeträgen und Reportagen dazu beitragen, diese guten Nachrichten aus Afrika weiter zu verbreiten.

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Weitblick, Weltblick, Rückblick – Weltkirche im Bistum Eichstätt 2013

Vier von viertausend. Am vorletzten Tag des Jahres 2013 fahren vier Jugendliche aus dem Westen des Bistums Eichstätt nach Köln, um im Dom mit etwa viertausend anderen Jungen Mädchen an der zentralen Eröffnung der bundesweiten Dreikönigsaktion teilzunehmen. Stellvertretend für die vielen Kinder und Jugendlichen, die in den Städten und Gemeinden der Diözese unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein“ von Haus zu Haus ziehen, um Spenden für Flüchtlingskinder in Malawi (Afrika), dem diesjährigen Beispielland der Aktion, und weltweit zu sammeln. Die „Sternsinger“ im Bistum Eichstätt wissen, dass sie mit ihrem Engagement in der Freizeit auch eine ganze Reihe von Kinder-Projekten in der Partnerdiözese Poona und in den aus dieser hervorgegangenen Bistümern Nashik und Sindhudurg in Indien unterstützen. Danke, liebe Sternsinger, für Euren Einsatz. Danke, dass Ihr nicht müde werdet, Boten der Hoffnung für viele zu sein!

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So schließt sich der Kreis. Denn in Zusammenarbeit mit Professoren der Päpstlichen Hochschule in Poona (JDV) und der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt begann das weltkirchliche Jahr in Eichstätt im Januar 2013 mit einem Symposion. Am wissenschaftlichen Austausch über den „Interreligiösen Dialog aus Indischer und Deutscher Perspektive“ nahm auch der emeritierte Bischof von Poona, Valerian D´Souza, teil. Schon allein seine Impulse bei der Eröffnungsrede in Gegenwart unseres Bischofs Gregor Maria Hanke ließen auf eine fruchtbare Tagung hoffen. Die Dokumentation soll demnächst erscheinen.

Nur wenige Wochen später konnte ich zusammen mit dem Weltkirche-Referenten Gerhard Rott im Rahmen einer Studienreise für die Mitglieder des Sachausschusses Mission/Entwicklung/Frieden des Diözesanrats und weiteren Interessierten unsere indische Partnerdiözese Poona besuchen. Dass die Spitzen des BDKJ im Bistum Eichstätt mit von der Partie waren, hat die Reise zusätzlich bereichert. Das intensive Programm im doch ungewohnten Klima kostete nicht wenig Kraft; immerhin besuchten wir täglich drei bis vier Projekte, darunter Schulen, Frauenprojekte, ein AIDS-Hospiz, eine einkommensschaffende Initiative in einem abgelegenen Dorf sowie eine ganze Reihe von Kirchen und pfarrlichen Einrichtungen. Allen war klar: Vieles wurde seit Beginn der Diözesan-Partnerschaft 1955 erreicht! Vor allem an den Schulen schlug uns indische Begeisterung und Dankbarkeit entgegen. Bischof Thomas Dabre und sein Generalvikar Malcolm Sequeira nahmen sich viel Zeit, um uns dabei zu helfen, das Land, die Leute und die Kultur besser verstehen zu lernen. Unsere Spontaneität war unter anderem gefragt, als einige aus der Gruppe eingeladen wurden, bei der Siegerehrung zum Abschluss eines großen christlichen Jugendsportfestivals mitzuwirken.

Der Alltag in unseren Eichstätter Büros ist zwar weniger aufregend, aber nicht minder interessant. Dazu gehört die Förderung und Betreuung einer beachtlichen Anzahl von ausländischen Stipendiaten. Im Vordergrund steht sicher die Projektarbeit. Da wir für die Verwendung der uns anvertrauten Mittel verantwortlich sind, müssen alle Anträge genau geprüft werden. Manchmal schmerzt es auch, wenn wir aufgrund der begrenzten Ressourcen gute Initiativen nicht oder nicht in dem Maß fördern können, in dem sie es verdienten. Umso größer ist dann die Freude, wenn Berichte über das Gelingen oder Voranschreiten von Projekten eingehen, die wir unterstützen konnten. Helfen zu dürfen macht froh. Meine Mitarbeiter und ich sind dankbar dafür. Das aufwendigste Einzel-Vorhaben war 2013 wieder unser Leitprojekt Bugendana in der Erzdiözese Gitega, Burundi.

Mit unseren Partnern in Burundi hatte ich viele unmittelbare Begegnungen, auch wenn meine erste Reise dorthin vermutlich erst 2014 stattfinden kann. Zwei der drei burundischen Stipendiaten im Eichstätter Priesterseminar sind im Studium schon weit fortgeschritten; einer ist nach dem erfolgreichen Doktorat wieder zurück in seiner afrikanischen Heimat, um dort sein Wissen weiterzugeben. Neue Wege konnten wir in der Kooperation mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf (Mittelfranken) beschreiten: Dank der Initiative der Familie Otto Schüller aus Herrieden wurden dort drei zukünftige Multiplikatoren für den landwirtschaftlichen Bereich der entstehenden Berufsschule in Bugendana weiterqualifiziert. Die beste Nachricht aus Burundi kam erst vor zwei Monaten: Endlich konnte mit dem Bau der Kirche „St. Willibald und St. Walburga“ in Bugendana begonnen werden, die der Mittelpunkt des im Aufbau begriffenen Pastoral-, Sozial- und Bildungszentrums sein wird.

Im Oktober haben Bischof Jan Baxant von Leitmeritz (Litomĕřice) und unser Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB im Dom der böhmischen Stadt Leitmeritz feierlich ein Memorandum unterzeichnet. Das Dokument definiert den Rahmen dieser jüngsten der drei Eichstätter Bistumspartnerschaften. Es versteht sich freilich nicht als „Gründungsurkunde“ der schon bestehenden Kooperation zwischen den Bistümern und enthält auch keine Ausführungsbestimmungen. Das Memorandum will vielmehr eine Einladung an die Menschen in beiden Bistümern sein, einander zu begegnen, miteinander zu beten, den Glauben zu vertiefen und zu feiern und daraus gestärkt die Zukunft in der Mitte Europas mitzugestalten. Sehr dankbar bin ich in diesem Zusammenhang dem Diözesanrat für die gute Kooperation und die Ausrichtung seiner Vollversammlung im Bistum Leitmeritz. So sind sich unsere Bistümer auch ganz konkret näher gekommen. Ohne die langjährigen und geduldigen Kontakte der Ackermann-Gemeinde wäre vieles davon vielleicht nicht so möglich geworden. Der Besuch in Leitmeritz hat auch deutlich werden lassen, dass der erste und wichtigste weltkirchliche „Akteur“ im Bistum der Bischof selbst ist: Als Mitglied des weltweiten Bischofskollegiums verbindet Bischof Gregor Maria die Diözese Eichstätt mit der Universalkirche.

Neben den Partnerschaften kümmert sich das Referat Weltkirche auch um die Arbeit und Aktionen der großen kirchlichen Hilfswerke. Konkret gehört dazu die Kooperation bei gemeinsamen Projekten. Auch das persönliche Gespräch mit den Gästen, die auf Einladung von Misereor, Missio München, Adveniat, Renovabis und dem Päpstl. Kindermissionswerk im Bistum Eichstätt unterwegs sind und in der Regel vom Referenten betreut werden, ist mir wichtig. Die weltkirchlichen Gäste geben Einblick über die Situation der Kirche und über gesellschaftliche Herausforderungen in ihren Herkunftsländern und sie zeigen auf, wie unsere Werke vor Ort konkret Hilfe leisten. Auch mit zahlreichen anderen Gästen komme ich gerne und oft ins Gespräch, besonders mit Besuchern aus Osteuropa,  schließlich ist das in Eichstätt ansässige Collegium Orientale eine international anerkannte Ausbildungsstätte für Theologen aus den orientalischen Kirchen. Nicht selten nutzen diese Gäste die Möglichkeit, um auch ihre Projekte vorzustellen.

Zu den herausragenden Ereignissen im Bereich der kirchlichen Hilfswerke gehörten 2013 die 175-Jahr-Feier von Missio München und das 20-jährige Bestandsjubiläum der Solidaritätsaktion Renovabis, das sinnfälligerweise in Berlin begangen wurde.

Unsere weltkirchliche Arbeit wird auf der Ebene der Bistümer in Deutschland in der Konferenz der Diözesanverantwortlichen für Weltkirche (KDW) koordiniert. Hier geht es auch um grundsätzliche und strategische Überlegungen in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg).

Im Hinblick auf unsere Stipendiaten und auf akademische Veranstaltungen mit weltkirchlichem Charakter liegt uns viel an einer guten Zusammenarbeit mit der KU Eichstätt-Ingolstadt. In diesem Kontext konnte ich 2013 eine Einladung zum Deutsch-Koreanischen Kolloquium mit dem Thema „Ethik in der globalisierten Welt“ annehmen und in Seoul (Südkorea) über den Auftrag und die Arbeit der „Internationalen Hilfswerke als Mitgestalter sozialer Gerechtigkeit“ referieren.

Weltkirchliche Arbeit steht im Dienst der Mission der Kirche. Sie verlangt und sie eröffnet Weitblick. Unser Weltblick ist vom Glauben getragen und inspiriert, denn wir möchten die Menschen, unserer Schwestern und Brüder in aller Welt, so verstehen, wie Gott, unser aller gemeinsamer Vater, sie meint. Der Rückblick auf 2013 macht uns aufrichtig dankbar und erlaubt uns zugleich einen hoffnungsvollen Ausblick auf das vor uns liegende Jahr.

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