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Ezequiel Montes – eine Kleinstadt mit Cowboyflair

Der Ort, an dem ich die drei Monate hier in Mexiko verbringen werde, heißt Ezequiel Montes und befindet sich im Bundesstaat Querétaro, im Zentrum Mexikos. Der Bundesstaat Querétaro gilt als einer der sichersten, saubersten und wohlhabendsten Staaten in Mexiko, und dieser Wohlstand ist auch in Ezequiel Montes spürbar. Mit seinen fast 14.000 Einwohnern ist es eine vergleichsweise kleine Stadt, hier geht das Leben recht ruhig zu. Viele Leute leben von der Landwirtschaft, vor allem von der Rinder- und Schweinezucht. Alles erinnert ein bisschen an den Wilden Westen: Die Cowboyhüte, die viele der Jungen und Männer hier mit Stolz tragen, die riesigen Trucks, die Rinder transportieren, die großen Ranches ein bisschen außerhalb von Ezequiel und die Derbheit, mit der die Leute sprechen.

Ezequiel Montes wurde 1861 von Don Julián Velázquez Feregrino auf dem Gebiet der Ranch Corral Blanco gegründet. Die Geschichte besagt, dass ein Fest der Auslöser für diese Stadtgründung war. Es war ein Fest der Familie Velázquez, das am 20. September 1861 stattfand und von Räubern überfallen wurde. Daraufhin lud Don Julián seine Gäste ein, auf dem Gebiet der Ranch Corral Blanco zu wohnen, und dieser Einladung kamen auch einige Familien nach: die Montes, die Feregrinos und die Dorantes. Zusammen mit den Velázquez sind diese vier Familien bis heute die am stärksten in Ezequiel Montes vertretenen Familien. 1920 wurde der Name des Ortes dann von Corral Blanco zu Ezequiel Montes geändert, zu Ehren des 1820 im Nachbardorf Cadereyta geborenen Don Ezequiel Montes Ledesma, der ein wichtiger Politiker und Anwalt war.

1881 wurde begonnen, die erste Kirche des Ortes zu bauen. Fertiggestellt wurde sie 1905 und sie ist der Schutzheiligen Mexikos, Guadalupe, geweiht. Die katholische Kirche und Religion sind hier tief im täglichen Leben verankert. Wendungen wie zum Beispiel „Gott sei Dank“ oder „So Gott will“ werden oft benutzt. Außerdem bekreuzigen sich die Mexikaner jedes Mal, wenn sie an einer Kirche oder Marienstatue vorbeikommen, und wenn es eine Schwierigkeit zu bewältigen gibt, dann machen sie sich keine unnötigen Sorgen, sondern verlassen sich einfach darauf, dass mit Gottes Hilfe – „so Gott will“ – schon alles gut gehen wird.

In den Kirchen selbst gibt es mehr „Verhaltensregeln“ als bei uns in Deutschland. So darf man zum Beispiel als Frau die Beine nicht überschlagen, und es wird viel mehr darauf geachtet, nicht schulterfrei oder mit tiefem Ausschnitt eine Kirche zu betreten. Die Messe ist Bestandteil aller größeren Feste, sie gehört fest zu den dritten und 15. und allen großen runden Geburtstagen dazu. Ob die Leute wirklich gläubig sind oder nicht, das variiert stark von Familie zu Familie. Auch die Messe wird nicht von allen gleich oft besucht. Mit meiner Gastfamilie war ich zum Beispiel bis jetzt noch kein einziges Mal in der Kirche. Im Großen und Ganzen habe ich aber das Gefühl, dass es mehr wirklich gläubige Menschen gibt, als ich das von zu Hause gewohnt bin, und vor allem die ärmeren Leute haben einen sehr starken Glauben.

Ein beliebtes Ziel für Touristen ist die im Nachbardorf Bernal gelegene Peña de Bernal, der drittgrößte Monolith der Welt. Dieser Monolith kann auch bis ungefähr zur Hälfte bestiegen werden und ist das ganze Jahr über gut besucht. Am 21. März aber, am Frühlingsanfang, wimmelt es in Bernal nur von Menschen in weißer Kleidung, die daran glauben, dass eine Besteigung des Bernal in weißen Klamotten sie mit Energie für das kommende Jahr versorgt. Ob das stimmt oder nicht sei dahingestellt, Tatsache ist, dass man von der Peña aus einen wunderbaren Blick auf die Umgebung hat!

Mexiko ist bunt und voller Gegensätze

Ich wollte nach meinem Abitur im Sommer 2013 nicht sofort mit dem Studieren beginnen, sondern zuerst einmal die Welt erkunden, am liebsten verbunden mit sozialem Engagement. So entstand die Idee, für ein Jahr nach Brasilien zu gehen, wo mir die Schwestern der Missionarinnen Christi eine Gastfamilie und ein geeignetes Projekt vermittelten. Dann aber haben die brasilianischen Behörden die Visabestimmungen extrem verschärft, sodass es für diesen Typ von Aufenthalt, also für Freiwilligendienste, keinerlei Visa mehr gibt. Außerdem wurde festgelegt, dass sich Touristen nur noch drei Monate am Stück in Brasilien aufhalten können und danach für drei Monate das Land verlassen müssen, bis sie wieder einreisen dürfen. So beschloss ich, in diesen drei Monaten, die ich nicht in Brasilien verbringen kann, unseren ehemaligen Austauschschüler in Mexiko zu besuchen, bei dessen Familie ich jetzt wohne. Hier in Ezequiel Montes absolviere ich ein Betriebspraktikum.

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Jetzt bin ich also schon im zweiten Drittel meines Auslandsaufenthaltes angekommen – in Mexiko. Hier bin ich seit gut einem Monat, gemessen an allen neuen Eindrücken, die ich habe, kommt es mir aber deutlich länger vor! Mexiko ist vor allem eins: bunt und voller Gegensätze. Es gibt Millionenstädte, so wie Ciudad de Mexico zum Beispiel, und es gibt kleine, bunte Dörfchen. Auf den Straßen trifft man sowohl riesige Geländewagen an, als auch Cowboys, die auf der gleichen Straße ganz gemütlich mit ihrem Pferd in die Stadt reiten. Und dann gibt es natürlich noch den Gegensatz zwischen arm und reich, der leider immer präsent ist und das Leben vieler Menschen bestimmt.

Landschaftlich hat mich Mexiko sofort fasziniert. Ich befinde mich hier in Zentralmexiko, inmitten von Hügeln und kargen Feldern, auf denen man aufgrund der momentanen Trockenheit außer Kakteen nicht viel vorfindet. Das ist aber nur ein Teil Mexikos, dann gibt es ja noch die Strände, von denen hier alle schwärmen. Die Mexikaner sind zu Recht stolz auf ihr Land, und sie sind auch sehr gastfreundlich. Jeder Fremde (außer manchmal die „Gringos“, die US-Amerikaner) wird begeistert aufgenommen, und die Mexikaner freuen sich sehr, dem Fremden ihr Land zeigen zu können. Ich finde es faszinierend, wie man sich in Mexiko auf einer Familienfeier für gut eine Stunde nur über Mexikos Strände unterhalten kann! In Deutschland dagegen habe ich noch nie erlebt, dass jemand einfach so anfängt, über Schloss Neuschwanstein oder die Alpen zu schwärmen… 😉

Ein weiteres sehr beliebtes Gesprächsthema, vor allem bei den Frauen, ist das Essen. Das Essen hier ist sehr lecker, sehr reichhaltig, immer deftig und vor allem scharf! Zum Glück habe ich mich aber sehr schnell daran gewöhnt, und das prophezeite Bauchweh wegen zu scharfem Essen ist ausgeblieben. Hier wird drei Mal am Tag warm gegessen, schon zum Frühstück gibt es Quesadillas, mit Bohnen, Käse und Schinken gefüllte Tortillas. Sehr lecker!

So, das waren also – kurz und knapp – meine allerersten Eindrücke aus Mexiko. Ich genieße die Zeit hier und bin gespannt, was ich in den nächsten drei Monaten in Mexiko noch alles sehen und erleben werde!