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Bildung in Tansania

Das Wort „elimu“ (Bildung) ist in Tansania wohl einer der wichtigsten und nur allzu oft ausschlaggebendsten Begriffe für Erfolg oder Misserfolg. Ich hatte in meiner Zeit hier im Norden von Tansania nun schon mehrfach das Glück, mich mit Tansaniern über das hiesige Schulsystem und die Bedeutung von Bildung zu unterhalten. Dabei habe ich nicht nur den Ablauf kennengelernt, sondern auch die Sorgen und Herausforderungen, mit denen sich Lehrer, Eltern und Schueler konfrontiert sehen.

Hier also ein kleiner Einblick in das, was ich aus verschiedenen Quellen erfahren habe – die aber, und das möchte ich betonen, natürlich nur ein kleiner Ausschnitt sind und nicht die gesamte Bevölkerung oder alle Institutionen vertreten.

Das tansanische Schulsystem beginnt mit einer Nursery School, die alterstechnisch mit unserem Kindergarten verglichen werden kann. Allerdings haben diese beiden Institutionen fast nichts gemeinsam. In Tansania heißt es für die kleinen Mädchen und Jungs neben spielen, singen und tanzen nämlich schon richtig lernen. Schreiben, Lesen, die ersten Schritte in Mathematik und Englisch. Ganz schön viel für die kleinen Racker.

Dann geht es für sieben Jahre in die Primary School (Standard 1-7). Die Grundschulen sind hauptsächlich staatlich geführt, aber es gibt auch vereinzelt Privatschulen. In der Theorie lernen die Schüler in diesen Jahren richtig viel und erreichen verglichen mit Deutschland schon fast Mittelstufeniveau – wenn es nach den Lehrbüchern geht. In der Realität sieht es leider nicht so rosig aus. Eine große Herausforderungen sind zum Beispiel viel zu starken Klassengrößen, die einen guten Unterricht kaum ermöglichen bzw. der extrem hoch angesetzte Englischstandard. Von den Schülern wird erwartet, innerhalb kürzester Zeit und mit wenig Unterstützung das Englische so zu erlernen, dass der Unterricht komplett auf Englisch gehalten werden kann. Das ist für die 7 bis 15 Jährigen einfach zu viel auf einmal. Einfacher wird es auch nicht dadurch, dass sogar die Lehrer zum Großteil überfordert sind mit dem erwarteten Engischniveau und oft nicht ausreichend ausgebildet sind. Viele der Grundschullehrer kommen direkt vom zweijährigen-Lehrercollege und sind dementsprechend gerade einmal Anfang bis Mitte 20. Neuerdings überlegt die Regierung, zudem auch noch das Lehrertraining ganz abzuschaffen und den Grundschulunterricht schon zu ermöglichen, wenn man in der weiterführenden Schule den sozialpädagogischen Zweig gewählt hat.

Dann geht es auf die Secondary School (Form 1-4). Wer finanziell gut ausgestattet ist, kann sich eine private Schule leisten, ansonsten gehen die Kinder auf die staatlichen Schulen.

Im Allgemeinen sollte in der weiterführenden Schule nur auf Englisch unterrichtet werden, allerdings wird das eigentlich nur in den Privatschulen durchgeführt. Dies ist aber gar nicht auf die „schlechten Lehrer“ oder die „bösen Regierungsschulen“ zu schieben, sondern vor allem der Tatsache gschuldet, dass viele der Schüler auch nach sieben Jahren Grundschule bis auf wenige Worte fast kein Englisch verstehen und die privaten Schulen beim Einstellungstest da sehr strikt sind. Allzu oft können die Grundschüler nämlich nicht in den Unterricht, weil sie zu Hause helfen müssen – Viehhüten, kochen und putzen, auf die kleinen Geschwister aufpassen, auf dem Markt verkaufen etc. Je mehr verpasste Stunden und Übungen, desto mehr hapert es natürlich auch am Englischen. Und da bei den Klassengrößen von bis zu 50 Schülern auch die Einzelbetreuuung auf der Strecke bleibt, ist das also eigentlich kein Wunder.

Nach vier weiteren Jahren der Ausbildung können die Besten dann noch mit Form 5 und 6 weitermachen, was so ungefähr unserer Oberstufe entspricht. Danach sind sie befähigt, in die Universität zu gehen. Das ist dann tatsächlich die „crème de la crème“. Positiver Weise lässt sich ein immer höherer Studentenanteil in der Bevölkerung feststellen, was auch den Grund hat, dass den jungen Leuten nachweislich die schulische Ausbildung selbst immer wichtiger wird und sich dementsprechend sehr anstrengen.

Damit aber all die anderen Schüler nicht „auf der Strecke bleiben“, sind hier die sogenannten Colleges sehr beliebt. Das sind Trainingscenter, in denen die jungen Menschen auch studieren können, selbst wenn sie nicht mit dem akademischen Grad abschließen wie die Universitätsstudenten.

Hier muss aber auch noch einmal zwischen den Trainingscenters für Grundschulabgänger und Abgänger der weiterführenden Schulen unterschieden werden. Erstere bilden vor allem in handwerklichen Berufen aus, wie Nähen, Kochen, Techniker aber auch Tour-Guides. Zweitere bietet auch Ingenieurwesen, Computer, Lehramt etc. an. Und mit diesem Abschluss sehen die Jobchancen gar nicht einmal so schlecht aus, da der praktische Anteil, wie in Deutschland bei der Ausbildung, wesentlich höher ist und dies im ökonomisch fortschrittlichen Tansania hauptsächlich gebraucht wird.

Die große Herausforderung für die handwerklichen Trainingscenters besteht, und dabei spreche ich aus Erfahrung in dem Homecraft-Center, in dem ich derzeit arbeite, dass die Institutionen, die für Lehrinhalten, Examen etc. verantwortlich sind, ihren Standard immer mehr erhöhen wollen und sozusagen Gymnasialniveau (bzw hier eben Secondary-Niveau) anstreben. Das hat zur Folge, dass in allen großen Fächern zusätzlich viele Nebenfächer unterrichtet werden müssen. Und das alles auch noch mal auf Englisch. Jetzt erinnern wir uns zurück, dass die meisten Schüler dieser Centers von der Grundschule kommen und deswegen wenig bis kaum Englisch sprechen. Wie dem beikommen? In dem man stur auswendig lernt in einer Sprache, die man nicht ganz versteht und deswegen auch über den Inhalt nicht ganz sicher ist. Obwohl das sicherlich an sich eine gute Methode für gute Noten ist, verfehlt sie doch irgendwie ihren Sinn, auch Transferleistungen vollbringen zu können. Das führt letztendlich zur falschen Schwerpunktsetzung, die weit von der Praxis wegführt und tief in die Theorie hinein, was aber ja eigentlich in der tatsächlichen Wirtschaft gar nicht so gebraucht wird.

Hinzu kommt, dass dadurch die Kosten an den Colleges um einiges höher werden, da mehr Lehrer eingestellt werden müssen, mehr Unterrichtsmaterial gebraucht wird, Gebäude bereitgestellt werden müssen etc. Leider sind aber viele jener Schüler unter anderem nicht weiter auf die Secondary gegangen, weil das Geld gefehlt hat – das sich auch bis jetzt nicht vermehrt hat. Das führt dazu, dass auch immer mehr Eltern Schwierigkeiten haben, ihren Kindern wenigstens eine handwerkliche Ausbildung zu ermöglichen.

Was könnte nun bei all diesen Herausforderungen die Lösung sein? Eine einzelne gibt es sicherlich nicht, aber die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, hatten so einige gute Lösungsansätze und Ideen:

  1. Lehrerausbildung

Schafft man es, die neuen Lehrer und Lehrerinnen so gut auszubilden, dass sie sowohl inhaltlich als auch sozialpädagogisch gut vorbereitet sind, kann die Herausforderung der großen Klassengrößen, des Englischen und der Vermittlung von Allgemeinwissen besser bewältigt werden. Dann werden es auch mehr Kids auf die Secondary schaffen, von da auf Colleges und in die Oberschulen. Das würde eine ganz breite Bevölkerungsschicht auf einen wesentlich höheren Bildungsstand katapultieren.

  1. Förderung der staatlichen Schulen
    Wenn dann noch das Ausbildungsniveau der Regierungsschulen gehoben werden kann, eben durch besser ausgebildete und erfahrenere Lehrer und mehr Finanzmittel für Schulmaterialien, kann auch den Menschen mit kleinem Geldbeutel eine gute Bildung ermöglicht werden – nicht nur den reichen Privatschulkindern bzw. den Glücklichen, die einen Sponsor gefunden haben.
  2. Verstärkung des Rechts auf Bildung

Ein weiterer Ansatz ist das Recht für Kinder, zur Schule gehen zu dürfen, zu stärken. Aufzupassen, dass Kinderarbeit vermieden wird und zwischen Mädchen und Jungen kein Unterschied gemacht wird. Aber da hat man oft Schwierigkeiten, an die einzelnen Familien heranzukommen, vor allem in den außerhalb lebenden Stämmen, in denen das häufig noch ein schwerwiegender Punkt ist.

  1. Praxisvertiefung

Eine weitere Idee ist bereits in der Secondary mit mehr praktischen Einheiten zu beginnen, um den Schülern, falls sie den Abschluss nicht schaffen sollten, wenigstens praktische Kenntnisse vermittelt zu haben, mit denen sie Jobs bekommen können. Inwiefern das allerdings das Bestehen der Trainingscenters beeinflussen könnte, darf auch nicht unbeachtet gelassen werden.

  1. Kiswahili durchsetzen

Meine persönliche Überzeugung ist außerdem, dass viel mehr erreicht werden könnte, würde man die Schüler in ihrer Mutter- und Landessprache studieren lassen, nämlich auf Kiswahili. Man muss sich nur einmal vorstellen, alle Abiturienten in Deutschland müssten das Abitur komplett auf Englisch schreiben – da hätten wir auch mit wesentlich schlechteren Ergebnissen zu rechnen und die Proteste wären laut.

Ich denke, es gibt noch viel zu tun, was das tansanische Bildungssystem betrifft. Ich habe jedoch gute Hoffnung, dass es vorwärts gehen wird. Warum? Weil ich all diese kritischen Punkte und Zukunftsvisionen eben in Gesprächen mit Tansaniern zu hören bekommen habe. Die Bevölkerung ist sich der Situation also sehr bewusst und fordert sehr deutlich Reformen von der Regierung (was vor allem jetzt vor den Wahlen klar erkennbar ist). Die Bewegung kommt von den Bürgern selbst und nahezu ohne Unterstützung vom Ausland oder von NGO’s, die sich einmischen.

Und darauf sind die Tansanier sehr sehr stolz!

Missionarin auf Zeit – Lehrerin in Tansania

Ich will diesmal ein bisschen näher von meinem Alltag in Tansania erzählen, der sich in den letzten Wochen so breit gemacht hat. Jeder Morgen startet mit der heiligen Messe, in die abwechselnd die erste und zweite Klasse hingeht. Meistens beinhaltet das ein bisschen Morgensport, damit ich nicht zu spät komme. Von allen Seiten werde ich mit einem „Good morning, Teacher. How are you?“ begrüßt. Dass die Mädchen im Gottesdienst mit dabei sind, ist super, weil sie mir mit ihrem lebhaften Gesang ganz wunderbar beim Aufwachen helfen können.

Als Lehrerin in Tansania. Fotos: Katharina Stein
Schule in Tansania. Fotos: Katharina Stein

Nach dem Frühstück gehe ich zurück in die Schule, richte mein Zimmer und gehe zum Klassenraum. Montags, mittwochs und freitags haben wir vorher noch Assembly, wo wir das Vater Unser auf Englisch beten und organisatorische Dinge besprechen. Dann geht’s in die Klasse. Eine Unterrichtsstunde dauert zwei Stunden, was die Sache sowohl für Schüler als auch Lehrer nicht unbedingt leichter macht.

Im jetzigen Stundenplan bin ich montags immer in beiden Jahrgängen und Dienstag und Mittwoch jeweils in einem Jahrgang. Die restliche Zeit kann man mich im Büro antreffen, wo ich der Schwester alles Mögliche an Arbeit abnehme, mich um das Taschengeld der Mädchen kümmere, meinen Unterricht vorbereite oder Swahili lerne, wenn gerade nichts zu tun ist. Um 13 Uhr ist Mittagessen, danach hab ich eine kurze Pause, bis es um 14 Uhr wieder ins Büro geht. Um 17 Uhr Uhr verlasse ich (wenn möglich) das Büro, und vertreibe mir die Stunde bis zum Prayer (Abendgebet). Dann gibt es Abendessen und schon ist der Tag fast vorbei, da bis 21 Uhr noch  Lernzeit für die Mädchen ist.

Am Donnerstag oder Freitag gehen eine Schwester und ich meistens in die Stadt, um das Shopping für die Schule zu erledigen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir den PickUp, ansonsten fahren wir mit dem Kleinbus eine halbe Stunde lang in die Stadt. Schön eingequetscht zwischen all den Menschen. In einen Bus passen 16 bis 28 Leute. Voll gibt’s da nicht! In Arusha gehen wir in alle möglichen Läden, auf den Markt, zur Post, zur Bank etc.

Am Samstagmorgen gehe ich mit den Mädchen joggen, die Straße runter bis zur Hauptstraße. Dabei muss man aber immer  aufpassen, dass man nicht von einem Piki-Piki-Fahrer überfahren wird, der da   mit 100 Sachen runterbrettert. Vormittags putze ich mein Zimmer, nachmittags ist die Wäsche dran, die ich mit der Hand wasche *ächz*. Den restlichen Nachmittag mache ich irgendwas anderes.

Besonders schön ist es natürlich, wenn ich mal in die Stadt gehe oder mich mit jemandem treffe  oder bei einer Veranstaltung bin. Abends bin ich mit den Mädchen zusammen, die ihre Lieder für den Sonntagsgottesdienst üben. Das bedeutet aber nicht, dass die sich brav irgendwo hinsetzen und ein bisschen singen. Nein, wenn meine Mädchen singen, dann geht die Post ab! Da sitzt niemand lange still. Es wird getrommelt, gehüpft, geklatscht, getanzt und gejubelt. Und das alles zu Kirchenliedern – bei uns unmöglich. Da kommt es auch nicht selten vor, dass unsere Maassai-Mädchen gemeinsam anfangen ihre Stammestänze zu tanzen oder sich die Mädchen gegenseitig die Bewegungen ihres Stammes beibringen. Das ist wunderschön anzuschauen.

Sonntags heißt es Ausschlafen, da erst um 8 Uhr Messe ist. Danach helfe ich in der Küche, beende meine Wäsche oder bin anders aktiv. Nach dem Mittagessen gehen wir um 15 Uhr zum Fußballspielen auf einen Bolzplatz, wo wir uns eine bis eineinhalb Stunden austoben. Nicht jeder Fußballer würde die Sportart vermutlich als solche erkennen, aber es macht Spaß und wenn ein Tor fällt, ist das Geschrei groß. Heimlaufen, duschen und schon ist es wieder Zeit für das Gebet und Abendessen.

Das ist eine ganz normale Woche bei mir. Auch wenn der Ablauf im  Detail vielleicht nicht so spannend ist, ist er doch für mich eine große Umstellung gewesen.

Fröhliche Weihnachten und Happy New Year auf Tansanisch

Wenn wir an Vorweihnachtszeit denken, kommen uns sofort verschiedene Bilder ins Gedächtnis: Mit dem Glühwein am Abend auf dem Weihnachtsmarkt, Tee trinkend und Plätzchen essen, auf dem Sofa einkuscheln, durch den Schnee stöbern, Weihnachtsfilme schauen und weihnachtliche Musik hören, den Weihnachtsschmuck in den Fenstern bestaunen etc.

Was aber wenn sich plötzlich das komplette Umfeld ändert, man nicht von Tannen, sondern von Bananenstauden umringt ist. Wenn es nicht mehr bewölkt, kalt und grau ist, sondern die Sonne in voller Stärke vom Himmel brennt und nur zwischendurch von heftigen Regenschauern unterbrochen wird. Ist Weihnachten dann überhaupt noch möglich? Und was bedeutet es für die Menschen, die da leben? Haben sie eine ganz andere Vorstellung? Wie feiern sie denn eigentlich Weihnachten?

Es fängt schon damit an, dass man hier in Tansania, wo ich als Missionarin auf Zeit lebe, nicht bereits im September (als ich ausgereist bin) Weihnachtsgebäck in den Supermärkten kaufen kann, wie in Deutschland. Und auch jetzt sind die einzigen sichtbaren Plastikweihnachtsbäume solche, die im „europäischen“ Supermarkt verkauft werden.

Der Advent wird im Konvent der Schwestern vom Kostbaren Blut aber auch so gefeiert, wie in Deutschland. Ein festlicher Gottesdienst, ein Adventskranz mit vier Kerzen und adventliche Lieder. Zwei weitere Volunteers und ich haben dann spontan „Wir sagen euch an den lieben Advent“ zum Besten gegeben, um die Heimat ein bisschen näher zu holen.

Ansonsten beginnt die Vorbereitung auf Weihnachten hier kurz vor den Feiertagen. Am 24. Dezember werden ganz viele Kühe, Ziegen und Hühner geschlachtet, die auf dem Markt an alle verkauft werden, die keine eigenen Tiere haben. Dann werden die Häuser geschmückt. Wer die Möglichkeit hat, nimmt natürliche Weihnachtsbäume, hier kleine Zypressen, ansonsten die aus Plastik. Diese werden mit Lametta und Luftschlangen und kleinen Anhänger wie Sterne geschmückt. Diejenige, die mehr ausgeben können, hängen auch mal eine Lichterkette ans Dach. Bei den Schwestern ist außerdem in der Kirche und im Speisesaal eine Krippe mit Jesus, Maria und Josef und den Tieren aufgestellt. Ansonsten werden die Häuser – bei vielen eben Wellblech-Hütten – nicht viel dekoriert.

An Heiligabend gehen alle in die Kirche, auch diejenige, die seit Monaten nicht mehr in der Kirche waren oder aus Prinzip nur an Weihnachten gehen. Der Gottesdienst wird mit Weihnachtsliedern gestaltet und die Opfergaben beschränken sich diesmal nicht nur auf Geldgaben. Auch Nahrungsmittel, wie Bananen, eine Ziege (wenn es sich das Dorf leisten kann), Getreide, Eier oder Milch gehören dazu.

Danach beginnt das große Festessen, das die nächsten zwei Tage dauert: Chips (wie Pommes), Fleisch (Hühnchen, Rind oder Ziege – was man sich eben leisten kann), Eis, Soda (immer von Coca-Cola) und auch im Konvent abends mal einen Wein. Ansonsten wird auch gerne Spaghetti oder „Pilau“ (Reis mit Fleisch und vielen Gewürzen) gekocht. Ein großes Festmahl und eine willkommene Abwechslung, da es im Alltag meist nur „Ugali“ (Maisbrei) und Gemüse oder „Makande“ (Mais und Bohnen) gibt.

Am ersten Feiertag geht man morgens wieder in die Kirche und setzt die Feier fort. In aktiven Pfarreien kann auch mal ein Krippenspiel organisiert sein. Gefeiert wird hier immer mit der Familie. Viele Leute, die zum Arbeiten wegziehen mussten, sparen das ganze Jahr, um an Weihnachten daheim sein zu können. Dazu rotiert man zum Beispiel innerhalb der Familie, so dass man nicht jedes Jahr bei den Gleichen feiert, oder jede Familie zahlt einen Beitrag, wovon das gemeinsame Essen finanziert werden kann. Es wird Weihnachtsmusik gehört, viele Lieder auf Swahili, aber auch amerikanische Weihnachtssongs – meist auf Radio Maria, einem christlichen Radiosender. Die Geschenke liegen, wie bei uns auch, unter dem Weihnachtsbaum und wenn man eine Karte geschenkt bekommt, wird sie wie Schmuck an die Äste des Baumes gehängt. Das größte Geschenk hat man sich aber eigentlich schon gegönnt: Das ist neben der Feier das Outfit. Das ganze Jahr über wird gespart, damit zu Weihnachten jeder neu eingekleidet werden kann. Wer in die Messe kommt, von dem wird erwartet, dass er ein neues schönes Kleid trägt.

Am 26. Dezember besucht man nochmal andere Verwandte oder, im Fall der Schwestern, andere Gemeinschaften, die in der Nähe sind, und feiert mit ihnen zusammen. In den Pfarreien wird außerdem Essen an die Armen verteilt. Da sind die Schwestern auch immer im Einsatz.

Als ich all das gehört habe, war ich doch erstaunt, dass das so ähnlich zu unserem Weihnachten ist, auch wenn das ganze Rundherum so unterschiedlich ist. Deswegen wollte ich wissen, was ist denn „typisch tansanisch“ ist? Die Antwort war leicht: „The tanzanians just know how to celebrate.“ Die Tansanier wissen einfach, wie man richtig feiert. Weihnachten ist für sie das wichtigste Fest im ganzen Jahr und darauf wird gespart, so dass man eine riesige Feier organisieren kann und alles in neuem Glanz erstrahlt. Dafür wird viel (bis alles) investiert.

Dementsprechend ist bei den meisten für Silvester nicht mehr wirklich Geld übrig, so dass sich das Fest eher im kleinen Rahmen abspielt. Ein Feuerwerk, so wie wir das kennen, gibt es hier zwar nicht, aber nachdem bis Mitternacht runtergezählt wurde, werden Autoreifen angezündet und (leider) auch andere Dinge, um das alte Jahr zu vertreiben und das Neue Jahr willkommen zu heißen. Die Schwestern gehen kurz vor Mitternacht in die Messe und läuten das Neue Jahr dann mit einem Glockenspiel ein.

Die Kehrseite des Weihnachtstrubels ist leider die Kriminalität. Rund um Weihnachten muss man vor allem auf dem Markt aufpassen, da die Leute, die Geld für die Feier brauchen, häufig einen Diebstahl zur finanziellen Notlösung verüben. Vergleichbar mit den Taschendieben auf den Weihnachtsmärkten bei uns zu Hause.

Speziell am Weihnachtsabend ist es Kindern nicht mehr erlaubt rauszugehen, da die Gefahr durch verstärkten Alkohol- und Drogenkonsum sehr groß ist, dass etwas passiert. Deswegen sieht man an den Feiertagen, vor allem in den Städten auch viele Polizisten patrouillieren. All diese Eindrücke sind natürlich vor allem gültig für die Gegend, wo ich in Einsatz bin – nahe von Arusha im Norden von Tansania.

Ich freue mich jetzt schon sehr das Weihnachtsfest selber zu erleben und bin gespannt, was für mich wohl der größte Unterschied zum Fest zu Hause sein wird und was mir am meisten in Erinnerung bleiben wird.

Merry Christmas and a Happy New Year! Erholsame Feiertage und einen guten Rutsch!

Hoffnung für das Klima in Peru

Derzeit findet die 20. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (COP20) in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Der Klimawandel lässt auch die Peruaner nicht kalt, wie man hier im Alltag erfahren kann. Vor einigen Wochen war ich mit einer anderen Laienmissionarin aus Brasilien im Armutsviertel von Arequipa unterwegs, um eine Familie mit einem frisch geborenen Baby zu besuchen. Auf dem Rückweg von diesem Besuch kamen wir ins Gespräch mit einer Frau, die in einer einfachen Hütte wohnt. Sie erzählte, dass sie Angst hat vor den Starken Regenfällen im Januar und Februar und dass sie hofft, dass der Regen wie in diesem Jahr „ausbleibt“ oder sich auf geringe Mengen beschränkt. Der Regen bedeutet für sie, für ihre kleine Hütte und alles was für sie existenziell ist, eine ernsthafte Bedrohung. Der Regen könnte ihr mit seiner gewaltigen Macht alles nehmen.

Ihre Aussage ist verständlich und doch zugleich verstörend. Denn das Wasser ist knapp hier. Besonders nachdem es im letzten Jahr in der Regenzeit kaum geregnet hat. Alle Pflanzen, die sich nicht mit der Hilfe von Bewässerung ans Leben klammern können, vertrocknen. Der große Fluss Arequipas, der „Rio Chili“, führt wenig Wasser. Alle warten sehnsüchtig auf die Tropfen, die vom Himmel fallen sollen, außer die Bewohner im Armutsviertel. Für sie ist scheinbar der Regen eine Bedrohung und kein Segen.

Dass Arequipa unter Wassernot leidet, ist kein Zufall. Peru bleibt nicht vom Klimawandel verschont. An nichts lässt sich das so gut ablesen wie am Wahrzeichen Arequipas, dem Hausberg Misti. Traditionell ist seine Spitze von einem zarten weißen Schneemantel überzogen. Doch seit zwei Jahren ist nur noch roher Stein die Zierde des Vulkans. Nur wenn Nebel den Berg verhüllt lässt sich manchmal hier und da ein kleiner Fleck Schnee entdecken. Auch der andere Vulkan in der Nähe von Arequipa, der Chachani, der wesentlich höher ist als der Misti, ist nur noch an oberster Stelle von Schnee bedeckt. Zerstört der Klimawandelt also die Wahrzeichen Arequipas?

Erst kürzlich habe ich mit einer Arbeitskollegin aus dem Kindergarten über dieses Phänomen gesprochen. Sie glaubt, dass der Klimawandel die Peruaner nachdenklich stimmt, sie beschäftigt. Sie hat mir gesagt, dass die meisten Menschen diese Anzeichen durchaus ernst nehmen. Aber es ändere sich nichts, weil es kaum Hilfestellungen von der Regierung gebe. Für die Politiker seien diese Anzeichen offensichtlich nicht so bedeutend wie sie es für die Bevölkerung sind. Steckt Resignation hinter dieser Aussage? Hoffnungslosigkeit, die ein Stoppen des Klimawandels nicht mehr für möglich hält?

Ich glaube nicht, denn es gibt Zeichen, die den Glauben an Möglichkeiten des Einzelnen und ihre Tragweite bestärken. Wenn meinen Fünfjährigen eine Woche lang im Kindergarten die Bedeutung von Strom und Wasser erklärt wird. Wenn sie die Bedeutung des Wassers und seine Kostbarkeit verstehen lernen und sich voller Begeisterung ausdenken, wie sie Wasser sparen können. Wenn sie Bilder malen, die das Einsparen von Strom zeigen, um das Klima zu schützen. Und wenn sie selbst kleine Pflanzen züchten, um ein Verständnis für deren Einfluss auf unser Leben zu erhalten.

Der Klimaschutz ist auch ein Anliegen der Kirche, die anlässlich der COP20 (vom 1. bis 12. Dezember) verschiedene Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Umweltschutz organisiert. Bereits am 9. November haben Katholiken in Peru und in Deutschland (hier besonders in der Erzdiözese Freiburg, die eine Partnerschaft mit der Katholischen Bischofskonferenz Peru pflegt) gemeinsam einen Tag des Fastens und Gebetes abgehalten. So haben sie unter anderem für die Achtung vor den Gütern der Schöpfung gebetet.

Am 5. Dezember findet zudem ein Treffen von Bischöfen aus der ganzen Welt mit Regierungsvertretern der teilnehmenden Staaten an der Klimakonferenz in Lima statt. Auswirkungen des Klimawandels insbesondere auf die arme und marginalisierte Bevölkerung sowie die Achtung vor den Gütern der Schöpfung und Vorschläge für mehr Klimagerechtigkeit stehen auf der Gesprächsagenda. Wenn das kein Anlass zur Hoffnung ist!

Mehr zum Thema:

Ein Jahr in Peru (persönlicher Blog von Anna Schönstedt)

Erlebnisse einer „Missionarin auf Zeit“ in Arequipa

Seit nun knapp drei Monaten befinde ich mich in Arequipa im Süden von Peru. Es hat mich sehr überrascht, mit welcher Herzlichkeit und Freundlichkeit ich aufgenommen wurde, obwohl ich oft nur sehr wenig bis nichts von dem verstanden habe, was an Worten auf mich eingeprasselt ist.

Kindergarten „San Daniel Comboni“ in dem Armutsviertel Villa Ecologica
Kindergarten „San Daniel Comboni“ in dem Armutsviertel Villa Ecologica. Foto: Anna Schönstedt

Nachdem ich die Stadt und die Pfarrei ein bisschen kennen lernen durfte, hatte ich meinen ersten Arbeitstag in der Cuna (Kindergarten) in dem Armutsviertel Villa Ecologia. Alle Mitarbeiter haben mich ebenfalls sehr herzlich und liebevoll aufgenommen. Ich arbeite zusammen mit Señorita Sonia und Betty bei den Fünfjährigen, den Großen der Cuna. Beide sind bereits zu Freundinnen geworden. Die Kinder habe ich sehr schnell in mein Herz geschlossen. Sie sind alle so aufgeschlossen und ohne jegliche Vorurteile. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht von mir wissen wollen, was das ein oder andere Wort in Deutsch oder Englisch heißt.

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Umzug zum Stadtjubiläum von Arequipa

Das prägendste Ereignis in meinen ersten Tagen hier war der riesige Umzug durch Arequipa anlässlich des Stadtjubiläums. Er hat mich ein bisschen an unseren Karneval erinnert. Es wurde sehr viel getanzt und alles war sehr bunt und farbenfroh. Das kam hauptsächlich daher, dass die Tänzer fast alle Trachten getragen haben. Die weiten Röcke der Frauen, die so schön bei den Drehungen mitschwingen, charakterisieren eine unbändige Lebensfreude und Fröhlichkeit. Kurz darauf  hatte ich mir leider eine recht heftige Erkältung zugezogen und konnte leider nicht in die Cuna gehen. Zum Glück haben sich die Padres und die Schwestern, welche gleich um die Ecke wohnen, gut um mich gekümmert. Mit Hilfe von ausreichend Medikamenten bin ich jedoch wieder auf die Beine gekommen.

Zusammen mit zwei anderen Freiwilligen, die für ein paar Wochen in Arequipa waren, konnte ich einen Ausflug zum Zentrum Arequipas in das Kloster Santa Catalina machen. Es ist wie eine kleine Stadt innerhalb der Stadt. Alles ist bunt und farbig, denn die meisten Wände sind rot, blau und gelb gestrichen. Viele Pflanzen erzeugen eine sehr entspannte Atmosphäre. Es gibt viele versteckte Winkel und Ecken sowie wunderschöne Kreuzgänge und Innenhöfe. Dies alles in der Verbindung mit den Berichten unserer Führerin über den Luxus, in dem einige Nonnen aus adeligem Hause lebten, ließ nicht das gewohnte Bild eines Klosters vor meinen Augen entstehen. Ich habe die Besichtigung sehr genossen.

Einschneidende Erlebnisse waren auch die Erdbeben, die ich hier schon miterlebt habe. Es ist beängstigend, wenn alles um einen herum anfängt zu wackeln, vom Wasserglas bis zum Schlüssel im Schrank. Umso merkwürdiger ist es, wenn diese Erdbeben für alle anderen Mitmenschen ganz normal sind und sie noch nicht mal zum Gesprächsthema am nächsten Tag werden.

Je besser meine Spanisch-Kenntnisse werden, umso mehr bekomme ich auch von den sozialen Verhältnissen vieler Menschen in Peru mit. So gibt es viele Mädchen, die schon sehr früh ihr erstes Kind bekommen, teilweise schon mit 14 Jahren. Auch gibt es viele Familien, in denen die Beziehung der Eltern nach zwei bis drei Kindern auseinanderbricht und die Frauen dann mit ihren Kindern alleine dastehen und sehen müssen, wie sie sich und ihr Kinder über Wasser halten können.

Einen ganz anderen Stellenwert und eine andere Präsenz als in Deutschland hat die Religiosität. Sonia sagt beispielsweise den Kindern, wenn sie nicht in den Gottesdienst gehen wollen: “Gott kommt immer zuerst“. Und wenn sie an einer Kapelle vorbeikommen, bekreuzigen sich die Menschen in Ehrerbietung. Der Glaube ist hier auch bestrebter, sich Dinge zu suchen, an denen er die Unsichtbarkeit Gottes mit dem Auge fest machen kann. So ist es unbedingt notwendig, sich bei der Weihwasserspende direkt vor dem Altar einzufinden, damit man auch so viel wie möglich von dem Wasser abbekommt und nach dem Kreuzzeichen gibt man einen Kuss auf die rechte Hand. Auch die Gottesdienste sind anders gestaltet. Alles läuft wesentlich entspannter, lockerer und fröhlicher ab. Wenn ein Padre eine halbe Stunde zu spät zum Gottesdienst kommt, weil andere Dinge ihn aufgehalten haben, dann fängt der Gottesdienst eben eine halbe Stunde später an. Mit der Gemeinde ist es nicht viel anders. Der Gottesdienst fängt an, wenn genug Leute da sind. Wer zu spät kommt, der setzt sich einfach noch dazu, egal ob das kurz vor Schluss ist oder noch am Anfang.

Am 12. Oktober hat unsere Cuna ihr „Aniversario“ gefeiert. Alle Kinder und Angestellt haben für diesen Festtag Tänze und Spiele eingeübt.  Das „Aniversario“ hängt mit dem Namensgeber der Cuna zusammen: San Daniel Comboni. Da sein Festtag am Freitag, dem 10. Oktober war, hat die Cuna am darauf folgenden Sonntag ihr „Aniversario“ begangen.

Aniversario der Cuna

Es war eine ziemliche Prozedur, die Kinder in ihre Kostüme zu stecken und sie hübsch zu machen für teilweise nicht mal vier Minuten Tanz. Es ist erstaunlich, mit welcher Hingabe und Liebe gerade diese Traditionen gepflegt werden. Die Mütter und Väter sind stolz auf ihre Kinder, wenn sie hin und her hopsen in den bunten, weiten Röcken und manchmal undurchsichtigem Gemenge aus Hosen, Blusen, Westen, Ponchos, Halstüchern und Hüten mit Bändern. Nachdem alle Kinder unter viel Applaus und stolzen Blicken ihre Tänze beendet hatten, waren wir Señoritas an der Reihe, unsere Tanzkünste unter Beweis zu stellen. Zwei Tänze brachten auch uns in den komplizierten Trachten sehr zum Schwitzen.

Mehr zum Thema: Ein Jahr Peru (persönlicher Blog von Anna Schönstedt)