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Entlang der Elbe durch das Partnerbistum Leitmeritz

Seit der Unterzeichnung des Partnerschaftsmemorandums der Diözesen Leitmeritz und Eichstätt im vergangenen Herbst sind verschiedene Gruppen bereits tätig geworden, um die Partnerschaft mit neuem Leben zu erfüllen.

Als erste, erkennbare Frucht ist für die Zeit vom 03. bis 5. Oktober 2014 eine offen ausgeschriebene Studienreise nach Leitmeritz für alle Interessierten in Planung. Gemeinsam mit Dr. Ludwig Brandl und Bernhard Michl, den beiden Hauptverantwortlichen für die diözesane Erwachsenenbildung, war ich zwei Tage im Bistum Leitmeritz unterwegs, um die geeigneten Gesprächspartner, kulturellen Einrichtungen, sowie das passende Hotel in Augenschein zu nehmen.


Obwohl ich bereits acht Mal in Leitmeritz war durfte ich wieder einige neue, sehr schöne Stellen in der Stadt und im Bistum entdecken. Mein persönliches Highlight war der Ort Melník mit seinem wunderschönen Schloss, den Weinbergen und dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau. Das wird sicherlich die Herzen vieler Teilnehmer höher schlagen lassen.

Aber wir haben auch einen Blick in das dunkelste Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte geworfen. Im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt wurde uns sehr deutlich vor Augen geführt,  mit welcher unbeschreiblichen Grausamkeit die Menschen dort behandelt wurden. Von den 140.000 Gefangenen wurden rund 38.000 Menschen ermordet, weitere 90.000 sind von dort aus in Vernichtungslager nach Osteuropa gebracht worden. Auch dieses Kapitel werden wir bei unserer Studienreise nicht ausklammern.

Wir konnten auch einen Blick in die Zukunft werfen, genauer gesagt in einem Kindergarten in Trägerschaft des diözesanen Caritasverbandes. Es ist sehr ermutigend, dass die Tätigkeit der Caritas in weiten Teilen der tschechischen Gesellschaft so positiv aufgenommen wird. Das ist im wahrsten Sinne ein Wirken an den Rändern der Gesellschaft.

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Weitblick, Weltblick, Rückblick – Weltkirche im Bistum Eichstätt 2013

Vier von viertausend. Am vorletzten Tag des Jahres 2013 fahren vier Jugendliche aus dem Westen des Bistums Eichstätt nach Köln, um im Dom mit etwa viertausend anderen Jungen Mädchen an der zentralen Eröffnung der bundesweiten Dreikönigsaktion teilzunehmen. Stellvertretend für die vielen Kinder und Jugendlichen, die in den Städten und Gemeinden der Diözese unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein“ von Haus zu Haus ziehen, um Spenden für Flüchtlingskinder in Malawi (Afrika), dem diesjährigen Beispielland der Aktion, und weltweit zu sammeln. Die „Sternsinger“ im Bistum Eichstätt wissen, dass sie mit ihrem Engagement in der Freizeit auch eine ganze Reihe von Kinder-Projekten in der Partnerdiözese Poona und in den aus dieser hervorgegangenen Bistümern Nashik und Sindhudurg in Indien unterstützen. Danke, liebe Sternsinger, für Euren Einsatz. Danke, dass Ihr nicht müde werdet, Boten der Hoffnung für viele zu sein!

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So schließt sich der Kreis. Denn in Zusammenarbeit mit Professoren der Päpstlichen Hochschule in Poona (JDV) und der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt begann das weltkirchliche Jahr in Eichstätt im Januar 2013 mit einem Symposion. Am wissenschaftlichen Austausch über den „Interreligiösen Dialog aus Indischer und Deutscher Perspektive“ nahm auch der emeritierte Bischof von Poona, Valerian D´Souza, teil. Schon allein seine Impulse bei der Eröffnungsrede in Gegenwart unseres Bischofs Gregor Maria Hanke ließen auf eine fruchtbare Tagung hoffen. Die Dokumentation soll demnächst erscheinen.

Nur wenige Wochen später konnte ich zusammen mit dem Weltkirche-Referenten Gerhard Rott im Rahmen einer Studienreise für die Mitglieder des Sachausschusses Mission/Entwicklung/Frieden des Diözesanrats und weiteren Interessierten unsere indische Partnerdiözese Poona besuchen. Dass die Spitzen des BDKJ im Bistum Eichstätt mit von der Partie waren, hat die Reise zusätzlich bereichert. Das intensive Programm im doch ungewohnten Klima kostete nicht wenig Kraft; immerhin besuchten wir täglich drei bis vier Projekte, darunter Schulen, Frauenprojekte, ein AIDS-Hospiz, eine einkommensschaffende Initiative in einem abgelegenen Dorf sowie eine ganze Reihe von Kirchen und pfarrlichen Einrichtungen. Allen war klar: Vieles wurde seit Beginn der Diözesan-Partnerschaft 1955 erreicht! Vor allem an den Schulen schlug uns indische Begeisterung und Dankbarkeit entgegen. Bischof Thomas Dabre und sein Generalvikar Malcolm Sequeira nahmen sich viel Zeit, um uns dabei zu helfen, das Land, die Leute und die Kultur besser verstehen zu lernen. Unsere Spontaneität war unter anderem gefragt, als einige aus der Gruppe eingeladen wurden, bei der Siegerehrung zum Abschluss eines großen christlichen Jugendsportfestivals mitzuwirken.

Der Alltag in unseren Eichstätter Büros ist zwar weniger aufregend, aber nicht minder interessant. Dazu gehört die Förderung und Betreuung einer beachtlichen Anzahl von ausländischen Stipendiaten. Im Vordergrund steht sicher die Projektarbeit. Da wir für die Verwendung der uns anvertrauten Mittel verantwortlich sind, müssen alle Anträge genau geprüft werden. Manchmal schmerzt es auch, wenn wir aufgrund der begrenzten Ressourcen gute Initiativen nicht oder nicht in dem Maß fördern können, in dem sie es verdienten. Umso größer ist dann die Freude, wenn Berichte über das Gelingen oder Voranschreiten von Projekten eingehen, die wir unterstützen konnten. Helfen zu dürfen macht froh. Meine Mitarbeiter und ich sind dankbar dafür. Das aufwendigste Einzel-Vorhaben war 2013 wieder unser Leitprojekt Bugendana in der Erzdiözese Gitega, Burundi.

Mit unseren Partnern in Burundi hatte ich viele unmittelbare Begegnungen, auch wenn meine erste Reise dorthin vermutlich erst 2014 stattfinden kann. Zwei der drei burundischen Stipendiaten im Eichstätter Priesterseminar sind im Studium schon weit fortgeschritten; einer ist nach dem erfolgreichen Doktorat wieder zurück in seiner afrikanischen Heimat, um dort sein Wissen weiterzugeben. Neue Wege konnten wir in der Kooperation mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf (Mittelfranken) beschreiten: Dank der Initiative der Familie Otto Schüller aus Herrieden wurden dort drei zukünftige Multiplikatoren für den landwirtschaftlichen Bereich der entstehenden Berufsschule in Bugendana weiterqualifiziert. Die beste Nachricht aus Burundi kam erst vor zwei Monaten: Endlich konnte mit dem Bau der Kirche „St. Willibald und St. Walburga“ in Bugendana begonnen werden, die der Mittelpunkt des im Aufbau begriffenen Pastoral-, Sozial- und Bildungszentrums sein wird.

Im Oktober haben Bischof Jan Baxant von Leitmeritz (Litomĕřice) und unser Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB im Dom der böhmischen Stadt Leitmeritz feierlich ein Memorandum unterzeichnet. Das Dokument definiert den Rahmen dieser jüngsten der drei Eichstätter Bistumspartnerschaften. Es versteht sich freilich nicht als „Gründungsurkunde“ der schon bestehenden Kooperation zwischen den Bistümern und enthält auch keine Ausführungsbestimmungen. Das Memorandum will vielmehr eine Einladung an die Menschen in beiden Bistümern sein, einander zu begegnen, miteinander zu beten, den Glauben zu vertiefen und zu feiern und daraus gestärkt die Zukunft in der Mitte Europas mitzugestalten. Sehr dankbar bin ich in diesem Zusammenhang dem Diözesanrat für die gute Kooperation und die Ausrichtung seiner Vollversammlung im Bistum Leitmeritz. So sind sich unsere Bistümer auch ganz konkret näher gekommen. Ohne die langjährigen und geduldigen Kontakte der Ackermann-Gemeinde wäre vieles davon vielleicht nicht so möglich geworden. Der Besuch in Leitmeritz hat auch deutlich werden lassen, dass der erste und wichtigste weltkirchliche „Akteur“ im Bistum der Bischof selbst ist: Als Mitglied des weltweiten Bischofskollegiums verbindet Bischof Gregor Maria die Diözese Eichstätt mit der Universalkirche.

Neben den Partnerschaften kümmert sich das Referat Weltkirche auch um die Arbeit und Aktionen der großen kirchlichen Hilfswerke. Konkret gehört dazu die Kooperation bei gemeinsamen Projekten. Auch das persönliche Gespräch mit den Gästen, die auf Einladung von Misereor, Missio München, Adveniat, Renovabis und dem Päpstl. Kindermissionswerk im Bistum Eichstätt unterwegs sind und in der Regel vom Referenten betreut werden, ist mir wichtig. Die weltkirchlichen Gäste geben Einblick über die Situation der Kirche und über gesellschaftliche Herausforderungen in ihren Herkunftsländern und sie zeigen auf, wie unsere Werke vor Ort konkret Hilfe leisten. Auch mit zahlreichen anderen Gästen komme ich gerne und oft ins Gespräch, besonders mit Besuchern aus Osteuropa,  schließlich ist das in Eichstätt ansässige Collegium Orientale eine international anerkannte Ausbildungsstätte für Theologen aus den orientalischen Kirchen. Nicht selten nutzen diese Gäste die Möglichkeit, um auch ihre Projekte vorzustellen.

Zu den herausragenden Ereignissen im Bereich der kirchlichen Hilfswerke gehörten 2013 die 175-Jahr-Feier von Missio München und das 20-jährige Bestandsjubiläum der Solidaritätsaktion Renovabis, das sinnfälligerweise in Berlin begangen wurde.

Unsere weltkirchliche Arbeit wird auf der Ebene der Bistümer in Deutschland in der Konferenz der Diözesanverantwortlichen für Weltkirche (KDW) koordiniert. Hier geht es auch um grundsätzliche und strategische Überlegungen in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg).

Im Hinblick auf unsere Stipendiaten und auf akademische Veranstaltungen mit weltkirchlichem Charakter liegt uns viel an einer guten Zusammenarbeit mit der KU Eichstätt-Ingolstadt. In diesem Kontext konnte ich 2013 eine Einladung zum Deutsch-Koreanischen Kolloquium mit dem Thema „Ethik in der globalisierten Welt“ annehmen und in Seoul (Südkorea) über den Auftrag und die Arbeit der „Internationalen Hilfswerke als Mitgestalter sozialer Gerechtigkeit“ referieren.

Weltkirchliche Arbeit steht im Dienst der Mission der Kirche. Sie verlangt und sie eröffnet Weitblick. Unser Weltblick ist vom Glauben getragen und inspiriert, denn wir möchten die Menschen, unserer Schwestern und Brüder in aller Welt, so verstehen, wie Gott, unser aller gemeinsamer Vater, sie meint. Der Rückblick auf 2013 macht uns aufrichtig dankbar und erlaubt uns zugleich einen hoffnungsvollen Ausblick auf das vor uns liegende Jahr.

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