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Brasilien steckt tief in der Krise

Ich sitze bei fast 40° an meinem Schreibtisch, die Klimaanlage rattert gegen die Hitze. Brasilien, das vor kurzem noch wirtschaftlich aufstrebende Schwellenland mit sehr guten Prognosen für die Zukunft, wird von einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise erschüttert. Regierungsmitglieder, einflussreiche Politiker und Wirtschaftsbosse sind in den größten Korruptionsskandal der Geschichte des Landes verwickelt. Der halbstaatliche Ölkonzern Petrobrás, eine der größten Ölfirmen weltweit, musste Milliarden Verluste verbuchen und bangte zeitweise um seine Existenz. Während weltweit die Benzinpreise fallen, steigen sie in Brasilien.

Fehlgeschlagene Wirtschafts- und Finanzpolitik, Strafverfolgung von einflussreichen Politikern und Wirtschaftsbossen haben das Vertrauen ausländischer Investoren beträchtlich beeinflusst und große Investitionen blieben aus. Die fünftgrößte Wirtschaftsnation der Welt fällt auf Position acht zurück.

Die Folge war und ist noch ein Ansteigen der Inflation auf derzeit über 10%, der Arbeitslosigkeit auf (offiziell) 8,7 % – bei Jugendlichen sogar auf 16%. Brasilien registrierte 2015 ein negatives Wachstum von 3,1%. Die Armut, die in den letzten Jahren rückgängig war, stieg wieder an. 50% der Ärmsten müssen mit 13% des Bruttosozialproduktes auskommen. Beim Index für menschliche Entwicklung verschlechtert sich Brasilien um 1,9% und belegt Rang 75 von 188 Ländern.

Die negative wirtschaftliche Entwicklung hat die sozialen Errungenschaften der letzten Jahre neutralisiert und die sozialen Probleme verschärft. Sozialleistungen werden gestrichen, Gesundheitsprogramme befinden sich in der Krise, den Kommunen geht das Geld aus, es sind Rückschläge im Kampf gegen Abholzung und Rodung zu verzeichnen.

Trinkwasserspeicher Cantareia in der Region Sao Paulo Mitte 2015. Foto: Sabesp
Trinkwasserspeicher Cantareia in der Region Sao Paulo Mitte 2015. Foto: Sabesp

Obwohl Brasilien 12% des Trinkwassers unseres Planeten besitzt, hat der Klimawandel in den letzten Jahren zu einem bedrohlichen Wassermangel vor allem in der Region Südosten (in den Bundesstaaten São Paulo, Espírito Santo, Minas Gerais und Rio de Janeiro) verursacht und zu drastischen Rationierungsmaßnahmen für mehr als 80 Millionen Menschen geführt. Einige Wasserspeicher in dieser Region operieren unter dem Minimum und laufen Gefahr auszutrocknen.

Gewalt und Kriminalität sind eine ständige Bedrohung und Herausforderung für die Sicherheitskräfte. Obwohl Brasilien in keinen Krieg verwickelt ist, ist die Sicherheitslage prekärer als in manchen Kriegsländern. Laut UNO-Bericht belegt Brasilien den 11. Platz unter den unsichersten Ländern weltweit, mehr als 55.000 Brasilianer verloren ihr Leben im vergangenen Jahr durch Gewalt. Städte wie São Luís in Maranhão und Cuiabá im Mato Grosso zählen zu den gefährlichsten in Brasilien.

Gewaltige Gesundheitsprobleme

Brasilien führt weiterhin die Leprastatistik mit 31.000 Neuerkrankungen jährlich an, betroffen sind davon auch mehr als 2000 Kinder. Die Lepra konzentriert sich in den Regionen Norden, Nordosten und Zentralwesten, wobei die Bundesstaaten Mato Grosso mit 3000 Neuerkrankungen und Maranhão mit 3400 Neuerkrankungen die Leprastatistik anführen. Die brasilianische Regierung investiert viel in die Lepraarbeit, unterstützt nationale Kampagnen, vor allem auch in Schulen, fördert Forschung und die Ausbildung von Fachkräften. Sie schätzt die Leprahilfswerke als wichtige Partner im Kampf gegen die Krankheit.

Tuberkulose mit 70.000 Neuerkrankungen, Dengue-Fieber mit 588.000 neuen Fällen, Malaria, Leishmaniose, und viele andere Erkrankungen belasten die Gesundheitsdienste der Kommunen. Schnell wird Lepra als Gesundheitsproblem vergessen. Es ist Aufgabe der Leprahilfswerke, Lepra nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch wenn viele Länder von der Eliminierung der Lepra sprechen, haben wir den Kampf noch lange nicht gewonnen. Es besteht die Gefahr, dass Lepra plötzlich wieder verstärkt auftritt, wenn wir im Kampf gegen Lepra nachlassen.

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