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Traktoren und Pflüge für Klöster in Georgien

Über das Collegium Orientale Eichstätt erreichte die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Eichstätt die Anfrage des georgisch-orthodoxen Bischofs Svimeon Tsakashvili von Surami-Khashuri um Unterstützung seiner Klöster bei der Beschaffung von landwirtschaftlichen Geräten. Der Diözesanausschuss der KLB befasste sich mit diesem Wunsch und stellte 15.000 Euro zur Verfügung. Auf Antrag von Bischof Svimeon stellte die Diözese Eichstätt weitere 15.000 Euro bereit.

Nun stellte sich die Frage, welche Fahrzeuge für die georgischen Klöster geeignet sein könnten. Die meisten der über 20 Klöster in der Diözese Surami bewirtschaften mit zwei oder drei Brüdern bzw. Schwestern je eine Fläche von 2 bis 10 Hektar. Bei den Überlegungen kamen wir auf gebrauchte Kubota-Traktoren, die speziell für japanische Reisbauern gebaut werden. Sie sind robust und ohne technischen Schnickschnack selbst zu warten. So machten wir – Herbert und Agnes Bauernfeind sowie Thomas und Gertraud Schneider – uns auf den Weg ins ferne Georgien, um dort nach geeigneten Geräten zu suchen. Die Reisevorbereitungen zeigten bereits, dass wir in ein Land reisen wollen, das touristisch noch nicht besonders erschlossen ist. Spätestens als wir georgische Lari – das Zahlungsmittel in unserem Zielland – beschaffen wollten, mussten wir feststellen, dass diese nicht einmal über die Bundesbank besorgt werden konnten. So nahmen wir einige Euro mit, in der Hoffnung, dass sie auch in Georgien akzeptiert würden.

Von München über Istanbul flogen wir nach Tiflis. Bereits während des Fluges konnten wir aufgrund der hervorragenden Sichtverhältnisse einen ersten Eindruck von Georgien gewinnen. Bergrücken ohne Bewuchs deuteten auf größere Höhen hin, dazwischen lagen grüne Täler, aber relativ wenige Orte konnten wir erkennen. Straßen oder Eisenbahnlinien, wie wir sie in Deutschland gewohnt sind, fehlten fast komplett aus der Vogelperspektive. Ein sandig-beigen Braun prägte das Bild des Landes im August. Unser Dolmetscher Erekle und der Chauffeur Schio warteten bereits am Flughafen. Zwei Stunden dauerte die Fahrt zum Bischofshaus in Surami, wo wir in einem relativ neuen Hotel

Kühe auf der Autobahn

Nachdem wir die Details der Beschaffung am nächsten Tag mit dem Bischof besprochen hatten, fuhren zum wir Einkauf nach Tiflis. Grasende Kühe auf dem Mittelstreifen der Autobahn waren eine gewisse Überraschung als wir auf der relativ gut ausgebauten Autobahn unterwegs waren. Die Bauern lassen ihre Kühe in Georgien frei grasen. Daher findet man sie auf jeder Straße und sogar auf der Autobahn. Ab und zu kommt es natürlich zu Unfällen, aber zum Glück blieben wir davon verschont.

Bereits im Vorfeld hatten wir eine Firma gefunden die Kubota-Traktoren in Tiflis verkauft. Der Händler ist Mitglied im Deutsch-Georgischen-Wirtschaftsforum. Herbert Bauernfeind nahm die Traktoren in Augenschein und testete sie. Nachdem wir drei geeignete Fahrzeuge gefunden und markiert hatten, ging es an die Anbaugeräte. In Georgien wird auf dem Basar hart verhandelt, in Geschäften jedoch eigentlich nicht. Trotzdem gelang es uns, die Traktoren um rund 3.000 Euro günstiger zu bekommen. Dafür konnten wir andere Geräte beschaffen. Wir kauften 3 Traktoren mit Fräse, 3 Pflüge, 3 Kunstdüngerstreuer, 2 Unkrautspritzen, eine zweireihige Kartoffellegemaschine und einen Schüttelroder für die Kartoffelernte. In einem nahegelegenen Geschäft konnten wir dann noch eine Unkrautspritze mit Gebläse für den Weinanbau erwerben. Nachdem wir rund 28.000 Euro ausgegeben hatten, fuhren wir bei 30 Grad im Schatten wieder in Richtung Surami.

Begegnung mit den Mönchen

Am dritten Tag unserer Reise stand die Begegnung mit den Mönchen im Vordergrund. Wir besuchten einige der Klöster, für die die Traktoren bestimmt waren. So starteten wir zum 1200 Meter hoch gelegenen Kloster „Korangedi“, was so viel bedeutet wie „Rabenspitze“. Dort wirkte Bischof Svmeon früher als Abt. Mit einer Landfläche von 13 Hektar ist es eines der größten Klöster in der Diözese. Doch bevor wir zur Besichtigung aufbrachen, besuchten wir den Gottesdienst in der Klosterkirche: ein beeindruckendes und doch seltsames Erlebnis. Erst nach diesem Gottesdienstbesuch wurde mir bewusst, wie schön es in unserer Kirche ist, gemeinsam die Eucharistie zu feiern. Die Liturgie dauerte über zwei Stunden. Bänke gibt es keine in der georgischen Kirche. Die ganze Messe findet hinter der Ikonenwand statt. Ab und zu sieht man einen Geistlichen, doch was hinter dem Vorhang geschieht bleibt dem gemeinen Gottesdienstbesucher verborgen. Allein die Gesänge lassen erahnen, an welcher Stelle die Liturgie gerade ist. Nach dem Gottesdienst waren wir Gäste im Kloster und wurden dort wieder mit lokalen Köstlichkeiten verwöhnt.

Nach dem Essen besuchten wir das Kloster „Mtazminda“ (heiliger Berg). Auf 1400 Meter leben dort einige Mönche und bauen, trotz kaum befahrbarer Straße, eine wunderbare Klosterkirche. Sie leben vom Kartoffel- und Bohnenanbau. In der Nähe des Klosters liegt ein Nationalpark. So erhoffen sich die Mönche zusätzliche Einnahmen durch Wanderer. Da das Kloster so abgelegen liegt, wird auch dort einer der Traktoren der KLB stationiert.

In der Nähe des Parks liegt ein ehemaliges Schulgebäude mit Erholungsheim, das schon fast zerfallen ist. Der Staat Georgien hat es der Diözese Surami-Khashuri überlassen. Bischof Svmeon sucht nun nach Investoren, die dort einen Hotelbetrieb errichten. Durch die Nähe zum Nationalpark wären sicher Touristen für diese Lage zu gewinnen. Der Bischof verspricht sich von dem Projekt Arbeitsplätze und etwas mehr Wohlstand für die Menschen in seiner Diözese.

Borjomi und die Felsenklöster

Zu Beginn unserer Reise hatten wir mit unserem Dolmetscher besprochen, dass wir gerne das Land kennen lernen wollten. So führte er uns am 4. Tag nach Borjomi, zum bekanntesten Thermalwasserort in Georgien, um uns die berühmten Felsenklöster zu zeigen. Kaum angekommen, haben wir das bekannte Heilwasser probiert. So übel wie dieses Wasser geschmeckt hat, muss es wirklich heilende Wirkung haben. Das Thermalbad ist eine Mischung aus Freizeitpark und Kurort. An den modernen Gebäuden hat der Zahn der Zeit bereits sehr genagt. Die Anlagen wurden noch zu Zeiten der Sowjetunion von Russland gebaut. Nun haben die Georgier offensichtlich nicht die nötigen Mittel. Weiter ging es zu den berühmten Felsenklöstern, eine in Stein gemeißelte Stadt, die vor Jahrhunderten von Mönchen bewohnt wurde. Leider sind bereits große Teile der Felsen abgebrochen. So steht die Felsenkirche nun schon sehr nahe an der Felskante. Einzelne Zellen werden auch heute noch von Mönchen bewohnt.

Den schönten Platz der Welt

Über Kontakte, die wir im Hotel herstellten, führte uns Zaza, ein wohlhabender Georgier, in ein Skigebiet, in dem er zwei Ferienhäuser errichtet hat. Schließlich wollte er uns neben einer Reihe seiner Projekte „den schönsten Platz der Welt“ zeigen. In einem Hochtal auf 2700 Metern errichtete er ein Jagdhotel an einem wunderschön gelegenen See. In dem Dorf am See herrschte reges Treiben, denn die spärliche Ernte musste eingefahren werden. Obwohl schon im Oktober der Winter einkehrt, blühen erst Ende August die Kartoffeln. Die Menschen auf dem Hochplateau leben von den rund 300.000 Schafen, die im Sommer auf den Wiesen weiden. Geschlachtet wird am Bach und gewohnt wird in kleinen Hütten aus Plastikplanen. Was auf den Bildern wildromantisch anzusehen ist, bedeutet für die Menschen einen harten Überlebenskampf, dem sie sich jeden Tag neu stellen müssen. Aber auch hier hoffen die Menschen durch den Bau des Hotels auf etwas mehr Wohlstand.

Caritas in Kutaissi

Unsere nächste Station war die alte Königsstadt Kutaissi. Aus dieser Region stammte unser Dolmetscher Erekle. In Kutaissi angekommen suchte er uns ein Gästehaus der Caritas als Übernachtungsmöglichkeit aus. Die katholische Kirche hat es in Georgien nicht einfach und wird vielerorts unterdrückt. Trotzdem ist es der katholischen Diözese gelungen, in Kutaissi dieses kleine Gästehaus zu erhalten. Wir besuchten die alte philosophisch-theologische Hochschule und damit ein wichtiges geistliches Zentrum der Vergangenheit. Das Kloster Gelati gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Anlage wird derzeit mit viel Aufwand restauriert.

Am vorletzten Tag machten wir uns auf zum Schwarzen Meer. In Batumi mussten wir natürlich das Schwarze Meer testen. Anschließend fuhren wir zum bekannten botanischen Garten in Batumi und besuchten schließlich einen klassischen Basar, die Einkaufsmeile der Georgier. Obwohl die Menschen nicht viel zum Leben haben, hört man niemanden jammern. Die Menschen sind freundlich und machen einen zufriedenen Eindruck.

Familienzusammenhalt

Der Höhepunkt des Tages war aber dann der Besuch bei Erekles Eltern. Er lud uns zu einem kleinen Abendessen ein. Dies hat sich dann jedoch als Festmahl dargestellt. Die ganze Familie hat uns voller Gastfreundschaft empfangen und verwöhnt. In Georgien dürfen bei einem Festmahl niemals die Schüsseln leer werden. Es wird immer nachgereicht. So erhielten wir auch einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen.

In Georgien zählt vor allem die Familie. So waren alle Geschwister und sogar ein Onkel beim Festessen dabei. Im Haus gibt es keine Küche, denn das Leben findet meistens draußen statt. Gekocht wird im Keller. Die Häuser sehen von außen recht baufällig aus, sind aber wohnlich eingerichtet. Jede Familie versucht sich selbst zu versorgen, denn die staatliche Rente reicht nicht aus. 150 Lari (rund 60 Euro) bekommt ein Rentner im Monat. Wasserversorgung gibt es nicht. Das Trinkwasser kommt meistens recht salzig aus dem Hausbrunnen und hat nichts mit dem Trinkwasser zu tun, das wir gewohnt sind. Ein Stand wie bei uns auf dem Land vor 70 Jahren oder früher. Das Hauptgetränk ist selbstgemachter Wein, der in Amphoren vergoren wird. Das Brot wird in einer Art Amphoren-Backofen selbst gebacken. Auf staatliche Stellen verlässt sich kaum jemand in Georgien, denn Sozialhilfe usw. gibt es nicht. Aus diesem Grund ist der Familienzusammenhalt so besonders wichtig.

Fazit

Wie im Flug sind die Tage in Georgien vergangen. Während viele orthodoxe Kleriker der katholischen Kirche gegenüber große Vorbehalte haben, konnten wir Bischof Svmeon als engagierten Hirten und Glaubensbruder kennenlernen. So machte es auch Freude, seine Arbeit und die Menschen in seiner Diözese aktiv zu unterstützen. Als wir bereits auf dem Rückweg waren, kam uns das Fahrzeug des Bischofs entgegen und wir stoppten an der nächsten Möglichkeit, um uns zu verabschieden.

Vor dem Rückflug nach Deutschland wollte unser Dolmetscher Erekle uns noch unbedingt den „georgischen Vatikan“ zeigen. Die Svetiskhoveli-Kathedrale ist ein bedeutendes religiöses Zentrum für Georgien. In der Kathedrale werden die heiligen Öle geweiht. Ein prachtvoller Bau, der auch im Inneren voll kultureller Schätze ist. In Tiflis konnten wir am Abend noch die Schönheit der Stadt hautnah erleben. Die beleuchtete Burg und der sanierte Bereich, die nach Ausgrabungen erst vor wenigen Jahren zum Vorschein kamen, geben der Hauptstadt Georgiens ein ganz besonderes Flair.

Georgien ist ein wunderschönes Land mit einer fleißigen Bevölkerung, die in ländlichen Gegenden unter sehr widrigen Bedingungen ihr Leben meistern muss. Etwas bessere Lebensverhältnisse gibt es nur für sehr reiche Menschen in den Städten. Selbstverständlichkeiten wie sauberes Trinkwasser, Abwasserentsorgung und ein funktionierendes Straßensystem sind in diesem Land zwischen Europa und Asien noch nicht einmal in Städten mit 40.000 Einwohnern vorhanden. Aber die Menschen jammern nicht, sondern versuchen das Beste daraus zu machen. Neben dem christlichen Armenien und Russland ist Georgien von islamischen Staaten umringt. Wir kamen zu dem Schluss, dass es unsere Glaubensbrüder verdient haben, dass wir sie auf ihren weiteren Weg begleiten und unterstützen.

Ein Aufblühen ganz gegen den Trend: Neues geistliches Leben in der norwegischen Diaspora

Im Rückblick auf unsere Reise mit dem Bonifatiuswerk im November 2016 nach Trondheim fällt mir auf, welch bedeutende Rolle die Klöster und Ordensgemeinschaften in Norwegen spielen: sie sind wie Leuchttürme des Glaubens in einem Land, wo katholische Christen weit verstreut leben. Das Bilden von Gemeinden wird immer mühsamer, je weiter man in den Norden kommt:  im Bistum Oslo  (das ganz Südnorwegen umfasst)  leben immerhin ca. 140.000 Katholiken, im Stift Trondheim  (Mittelnorwegen)  ca. 15.000 Katholiken, im Stift Tromsø  (Nordnorwegen) gerade mal ca. 5.000 Katholiken, so viel wie in unserer Heimatpfarrei St. Walburga in Nürnberg-Eibach – nur dass sich bei uns die Katholiken auf eineinhalb Stadtteile verteilen und in Stift Tromsø  auf eine Fläche von 112.000 km² (mehr als Bayern und Baden-Württemberg zusammen).

Drei Klöster im Trøndelag – der historisch gewichtigen Region um Trondheim – durften wir kennen lernen: das Kloster der Birgitten in Tiller, das Tautra Mariakloster und das Munkeby Mariakloster.  Jede Kommunität ist auf ihre Art individuell und beeindruckend. Was sie eint: dass sie Orte gelebter Gastfreundschaft sind, wo Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Religion Aufnahme finden, dass sie Raum bieten für Stille und Sinnsuche, dass hier in Gemeinschaft und verlässlich gebetet wird und die Suche nach Gott achtsame Begleitung erfährt.

Die Wurzeln von Tautra und Munkeby reichen zurück bis ins Mittelalter. Im Gefolge von Olav Haraldsson, dem  zum Christentum bekehrten Wikinger und späteren König, kamen die ersten Missionare ins Land und gründeten Stützpunkte, um den christlichen Glauben einzupflanzen. Nicht selten suchten sie die Nähe zur politischen Macht. Das Kloster auf der Insel Tautra wurde 1207 bewusst in der Nähe des  „Frosta-Thing“ errichtet, einer sehr frühen Rechtsinstitution aus dem 4.-9. Jahrhundert.  Das Kloster Munkeby (= „Platz der Mönche“) nahe Levanger war der nördlichste Vorposten der Zisterzienser überhaupt. Seine Gründung wird auf die Zeit zwischen 1150 und 1180 datiert. Es lag an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen und nahe bei Stiklestad, wo König Olav im Kampf getötet wurde.  Die Bewohner des  Trøndelag profitierten in vielfacher  Hinsicht von den Kenntnissen der Mönche: diese waren Spezialisten auf dem Gebiet der Be- und Entwässerung, der Fischzucht, der Landwirtschaft, der Metallbearbeitung, auch der Medizin und Rechtskunde. Zudem beherbergten sie Pilger.  1531 wurde Tautra  im Zuge der Reformation aufgelöst und das Klostergebäude verkauft. Heute liegt es in Ruinen wie das alte Munkeby. Doch zurück zur Gegenwart und den Neuaufbrüchen!

Wir beginnen unsere Drei-Klöster-Tour in Tiller, einem Vorort von Trondheim.  Kloster und Kirche der Birgitten wurden in den Jahren 2009-2011 mitten in einem Neubaugebiet errichtet. Die Gründung erfolgte 1998 von Italien aus; die Nonnen lebten zunächst an einem anderen Ort, bevor der Neubau zur Verfügung stand.  Von Anfang war der Konvent multinational wie die meisten anderen Klostergründungen. Neun Schwestern aus Italien, Mexiko, Indien und Polen leben heute in Tiller – keine Norwegerin.

Sr. Deepa empfängt unsere Gruppe und führt uns durch die Kirche und das Kloster. Die Birgitten sind ein kontemplativer Orden; ihr Tagesablauf gliedert sich durch das Chorgebet, die Hl. Messe, die Anbetung. Die Schwestern verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie Gäste beherbergen  und Pilger aufnehmen. Mit besonderem Engagement widmen sie sich dem ökumenischen Dialog: sie empfangen Gruppen und Schulklassen, veranstalten Einkehrtage und Glaubenskurse. Der Konferenzraum ist gleichermaßen für die Katechese eingerichtet (mit fest installiertem Beamer) wie für den obligatorischen „Kirkekaffe“. Für ein tiefer gehendes Gespräch oder einen längeren Aufenthalt bleibt leider keine Zeit, denn am Mittag desselben Tages findet die Einweihung der katholischen Domkirche St. Olav statt.

Am nächsten Tag brechen wir in aller Frühe nach Tautra auf. Die Insel liegt nur 25 km (Luftlinie) weit von Trondheim entfernt – doch auf der Straße wollen die Ausbuchtungen des Trondheimfjords umfahren werden, so dass es letztlich 80 km sind. Die Ruinen des alten Klosters liegen im Norden der Insel, das neue Tautra Mariakloster im Westen.  Dort leben vierzehn Trappistinnen (= „Zisterzienserinnen der strengen Observanz“) aus acht verschiedenen Nationen in Stille und im Gebet.

Das Grundstück grenzt direkt an den Trondheimfjord. Kirche und Kloster sind ganz aus Holz und Glas gebaut; die Außenwände wurden mit dünnen Steinplatten verblendet. Der ungewöhnliche Bau von Jan Olav Jensen wurde mit fünf internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Das Dachgebälk lässt den Himmel durchscheinen und die Sonne zaubert immer neue und bewegliche Schatten-Muster auf den Boden und die Wände. Unvergleichlich ist der Blick auf den Fjord an der Stirnseite. Die Tür der Kirche steht von vier Uhr morgens bis acht Uhr abends offen.  Es kommen viele Gäste, die die Stille suchen, die am Gebet teilnehmen. Die wenigsten sind katholisch.

Gegründet wurde das neue Tautra im Jahr 1999 von der Abtei Our Lady of the Mississippi, Iowa, mit einer norwegischen Schwester aus Wrentham (USA) und einer weitern aus Laval (Frankreich). Im Gespräch erfahren wir, dass bei der Neugründung  ein zweiter Ort zur Debatte gestanden war: Thibirine im Atlasgebirge, wo 1996 sieben Trappistenmönche während des algerischen Bürgerkrieg verschleppt und umgebracht wurden. Die Entscheidung fiel schließlich für den hohen Norden.  Sieben Jahre lang lebten die Schwestern in einem Übergangsbau, der heute als Gästehaus dient. Im Jahr 2006 konnten die Schwestern das neue Kloster beziehen. Zwei „Tage des offenen Klosters“ hatten die Schwestern damals geplant – das Interesse war so groß, dass zwölf Tage daraus wurden!

Inzwischen haben die Gründerinnen Zuwachs aus der ganzen Welt bekommen: aus den Niederlanden, England, Polen, Belgien und Hongkong. Mit der Gemeinschaft feiern wir die Eucharistie am Christkönigssonntag. Priorin Sr. Gilkrist richtet das Wort an unsere Gruppe und bedankt sich aufs Herzlichste beim Bonifatiuswerk, ohne dessen Engagement der Neubau nicht möglich gewesen wäre.

Zwischen den einzelnen Gebäuden gibt es kleine und größere Höfe. Einer davon wurde als interreligiöser Garten gestaltet, weil sich die Schwestern sehr im Dialog der großen Weltreligionen engagieren. Nach dem Kirkekaffe dürfen wir einen Blick in den Speisesaal tun, der für jede Schwester einen Platz mit Fjordblick bereit hält.  Dann machen wir Halt in der Kosmetikwerkstatt.  Die Schwestern produzieren in Handarbeit Seife, Lotionen und Babypflegemittel und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Ihre Erzeugnisse sind nicht nur in Norwegen bekannt. Selbst große, weltweit bekannte Designer und Vertriebe haben versucht, sie in ihre Kollektion aufzunehmen. Doch die Schwestern wollen ihre Produktion nicht um jeden Preis ausweiten; es geht ihnen nicht ums Geld.

Nur schwer können wir uns von diesem zugleich so stillen und lebendigen Ort trennen. Doch es steht ja noch eine dritte Ordensgemeinschaft mit origineller Genese auf der Agenda: die Trappisten von Munkeby.

Als Tautra eingeweiht wurde, verbrachte Frère Joel, ein Mönch aus Citeaux, dort eine Sabbatzeit. Beeindruckt vom Wagemut der Schwestern und vom Interesse der Bevölkerung, fuhr er zurück nach Frankreich mit einem „Floh im Ohr“: der Idee, dem Frauenkloster im hohen Norden ein Männerkloster zur Seite zu stellen.  Er musste harte Überzeugungsarbeit bei seinem Abt und dem Konvent leisten. Erschwerend kam hinzu, dass Frère  Joel zwei wichtige Positionen im Kloster bekleidete: er war der Prior – der Stellvertreter des Abtes – und der Fromager, der Käsemeister.

Heute ist Bror Joel, wie er auf Norwegisch angesprochen wird, der Prior der vierköpfigen Gemeinschaft, die seit 2009 im neuen Munkeby  Mariakloster lebt, betet und gleichermaßen die Tür und das Herz offenhält für alle, die kommen. Drei der Mönche stammen aus Citeaux in Burgund, der vierte kommt aus Irland.

Wieder wurden Werkstoffe der Gegend genommen zum Bau des Klosters. Im Oberstock befinden sich die Kapelle, die Zellen und die Gemeinschaftsräume der Mönche, außerdem einige Gästezimmer.  Die Kapelle ist so winzig, dass sich unsere 32-köpfige Gruppe teilen muss. Die Mönche wurden von ihren Nachbarn herzlich willkommen geheißen und sind geschätzte Gesprächspartner, Ratgeber und geistliche Männer.  Ob es hier auch Katholiken gebe, fragen wir. – Ja, sagt Bror Joel, drüben in Levanger, da gäb’s einen…

Im Untergeschoss befindet sich eine der renommiertesten Käsereien Norwegens.  Durch die Käseproduktion haben die Brüder sofort gute Kontakte zu den norwegischen Nachbarn geknüpft: deren Kühe liefern die Milch für den köstlichen Klosterkäse. Dieser wird sogar im norwegischen Königshaus serviert. Jährlich stellen die Mönche 5.000 dieser Käse mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen her. Immer mehr Menschen besuchen die Mönche – natürlich um Käse zu kaufen, aber auch um auf ihrem Pilgerweg von Stiklestad nach Trondheim hier zu übernachten.

Deshalb sollen das Kloster und die Käseproduktion vergrößert und um eine eigene Kirche erweitert werden. Zehn Mönche sollen dann dort wohnen können. Das jetzige kleinere Gebäude wird dann komplett für den Gästebetrieb genutzt. Der Architekt und die Mönche legen großen Wert auf Nachhaltigkeit, weswegen der Neubau mit Erdwärme geheizt wird.  Auch dieses Bauvorhaben wird maßgeblich durch das Bonifatiuswerk gefördert. –  Und während unserer Baustellenbesichtigung ist es finster geworden und Zeit für die Abfahrt.

Was bleibt an Eindrücken von diesen drei Blitzbesuchen? Dass katholisches Leben in Norwegen bunt und international ist. Dass in Zeiten des Abbruchs Aufbrüche geschenkt werden. Dass Architekten es verstanden haben, Orte mit geistlicher Atmosphäre zu schaffen. Dass mutige Frauen und Männer diese Orte beleben und offen halten als Dienst an den Menschen. Und schließlich: dass die Zuwendungen an das Bonifatiuswerk höchst sinnvoll eingesetzt werden und helfen, dass Katholiken in extremer Diaspora ihren Glauben leben können.

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