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Ein Jahr in Chile – meine beste Entscheidung

Ich melde mich wieder – ein letztes Mal. Denn ich bin wieder zu Hause. Ein ganzes Jahr war ich jetzt weg von zu Hause. Von meiner Familie und meinen Freunden habe ich nur meinen Bruder gesehen. Seit einer Woche befinde ich mich nun wieder hier in Deutschland!

Doch zunächst zu den letzten Wochen in Chile… Sie waren voll von Abschied und deshalb voll von schönen Momenten, aber auch von Traurigkeit begleitet. Denn für mich war es ein sehr schrecklicher Gedanke, all die Menschen in Chile verabschieden zu müssen. Auch der Gedanke „das mache ich jetzt zum letzten Mal“ war sehr schrecklich. So habe ich meine Freunde und Arbeitskolleginnen oft nochmal zu mir nach Hause eingeladen und versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen.

Vom 21. bis 23. Juli war unser Abschlussseminar mit allen Freiwilligen in Punta de Tralca, ein kleiner Ort am Pazifik. Dort haben wir noch einmal das ganze Jahr reflektiert und über unsere Erfahrungen und Erlebnisse gesprochen. Ein großes Thema war auch der bevorstehende Abschied und das Wiedereinleben in Deutschland. Mit allen Freiwilligen zusammen haben wir eine große Abschiedsparty veranstaltet und jeder konnte seine liebgewonnen Chilenen einladen, das war sehr schön!

Von der Fundación Naciente wurden alle Freiwilligen, die dort gearbeitet haben, mit einem leckeren Mittagessen verabschiedet. Außerdem haben mir noch meine eigene Sala und meine Kinderkrippe einen Abschied bereitet. Ich war jedes Mal den Tränen nahe und wenn ich in die kleinen Kinderaugen blickte und wusste, dass es meine letzten Stunden mit ihnen sein würden, war es vorbei und die Tränen liefen mir nur so herunter.

Am 1. August ist meine Mitbewohnerin bereits nach Hause geflogen – die Freiwilligen der Organisation Amtena kommen und fliegen immer eine Woche vor uns und ich konnte die neuen Freiwilligen schon begrüßen. Am 5. August war mein letzter Arbeitstag und es war für mich schrecklich, alle verabschieden zu müssen!

Die letzten Tage in Chile habe ich damit verbracht, alle meine Liebsten noch mal zu sehen, Koffer zu packen und ein letztes Mal Santiago zu genießen. Von ein paar Arbeitskolleginnen und meiner chilenischen Familie wurde ich dann am 9. August zum Flughafen gebracht – es war ein sehr tränenreicher Abschied!

Nach einem etwas turbulenten Flug kam ich endlich in Deutschland an und wurde wahnsinnig lieb von meiner ganzen Familie empfangen. Meine Geschwister spielten mir noch am Flughafen ein Ständchen mit ihren Blasinstrumenten und ich habe mich wirklich gefreut, sie nach einem Jahr wieder in den Arm nehmen zu können!

Jetzt lebe ich mich wieder in Deutschland ein. Ich treffe Freunde und Familienmitglieder und darf immer wieder von meinen Erlebnissen in Chile erzählen. Auch wenn der Abschied und die Rückkehr nicht einfach waren, ist es schön, wieder zu Hause zu sein.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen Spenderinnen und Spendern danken, durch die ich viele Projekte in der Sala Cuna, aber auch in der Kindergruppe der Gemeinde verwirklichen konnte. Ein neuer Rasen, viele Bastelaktionen, neue Spielgeräte, eine Fotowand für die Kinder, Pizza backen mit den Kindern, ein Adventskalender mit vielen kleinen Dinge und sonstige Materialien waren ein Teil davon. Herzlichen Dank dafür!

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass dieses Jahr in Chile die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte. Klar, das Jahr war voll von Höhen und Tiefen, aber das ist jedes Jahr und in meinem Fall haben die Höhen absolut überwogen. Diese Erfahrungen und Erlebnisse werden ein Leben lang in meinem Kopf bleiben, auch wenn mir jetzt nach meiner Rückkehr vieles wie ein Traum vorkommt.
Ich vermisse Chile jetzt schon, aber einen Ort, an dem man ein Jahr lang gelebt hat, und seine Sitten und Traditionen, die man liebgewonnen hat, vergisst man wohl nicht so schnell. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich eines Tages – sei es im Urlaub, Auslandssemester oder zur Arbeit – nochmal zurückgehen werde.

„Nie wieder wirst du an einem Ort ganz zu Hause sein, denn ein Teil deines Herzens wird sich immer an einem anderen Ort befinden. Das ist der Preis, den du dafür zahlst, dass du Menschen an mehr als nur einem Ort kennen lernen und lieben darfst.“