Schlagwort-Archiv: Johannes Paul II

Jetzt hab ich endlich einen richtigen Namenspatron

Müde und geschafft, aber überaus glücklich bin ich heute von meinem Kurztrip aus Rom zurückgekommen. Aufgemacht habe ich mich zur Heiligsprechung meines Namenspatrons Johannes XXIII. Da ich bei seiner Seligsprechung im Jahr 2000 nicht dabei sein konnte, hatte ich mir fest vorgenommen, nach Rom zu reisen, wenn er zu einem Heiligen ernannt wird.

So trat ich also vergangenen Donnerstagabend meine Reise mit dem Nachtzug ab München an. In Rom angekommenen machte ich mich mit der Metro ganz ans Ende der Stadt auf zu meinem Quartier der etwas anderen Art. Glücklicherweise kam ich bei den Kleinen Schwestern Jesu unter. Dies ist eine Ordensgemeinschaft, die sich an der Spiritualität Charles de Foucauld orientiert und auf dem Gelände der Trappisten von Tre Fontane ihr Barackendorf aufgebaut haben. Zwar fiel die Verständigung aufgrund der verschiedenen vertretenen Nationalitäten etwas kompliziert aus, doch wurde ich mit einer großherzigen Gastfreundschaft empfangen und bestens versorgt.

Vor allem genoss ich die Ruhe an diesem Ort, denn die Straßen und Kirchen Roms waren an diesem Wochenende noch voller als sonst. Dennoch besuchte ich die für Touristen und Pilger „wichtigsten“ Sehenswürdigkeiten, wenn meistens auch nur kurz, da ich sie schon von früheren Aufenthalten kannte. Umso mehr nahm ich mir dieses Mal Zeit, weniger stark besuchte Ecken Roms zu besuchen.

Als es dann am Samstagnachmittag mehr und mehr auf die Heiligsprechung zuging, war dies auch am Menschenauflauf zu spüren. Neugierig machte ich mich am Samstagabend auf den Weg Richtung Petersplatz. Dieser war zwar bereits gesperrt worden, doch drängten sich an den Absperrgittern hunderte von Gläubigen. Auch auf der Via della Conciliazione wurden es von Minute zu Minute mehr Menschen, die jedoch spätabends wegen der Sicherheitsvorkehrungen nur widerwillig den Räumungsversuchen der Polizei nachgaben. Zwischen der Engelsburg und dem Beginn der Via della Conciliazione bot sich mir ein Bild, dass mich an die Weltjugendtage erinnern ließ. Kreuz und quer hatten die Gläubigen ihre Isomatten und Schlafsäcke ausgebereitet, um am Sonntag in der ersten Reihe zu sein, wenn die Absperrungen um fünf Uhr geöffnet wurden.

Für mich fiel da die Entscheidung es am nächsten Morgen gemütlicher angehen zu lassen und den Gottesdienst auf einer der Großleinwände in der Nähe des Colosseums mitzufeiern. Und selbst dort waren es immer noch Tausende, die die Via Imperiali säumten. Von der Feier selbst bekam ich zwar alles mit, nur klappte es leider nicht ganz so mit der deutschen Übersetzung über das Internet, so dass ich mir in den nächsten Tagen einmal in Ruhe die zu Hause aufgezeichnete Übertragung anschauen kann.

Erstaunt hat mich wie viele Menschen, quer durch alle Altersgenerationen, diese Strapazen auf sich nahmen, um bei der Heiligsprechung dabei zu sein. An den Fahnen, T-Shirts, Buttons usw. war auch deutlich zu erkennen, dass natürlich die meisten wegen Johannes Paul II. nach Rom gekommen sind. Daher war es auch nicht verwunderlich, an fast jeder Ecke die weiß roten Fahnen Polens zu sehen. Auch wenn ich persönlich nicht viel mit Heiligen- und Reliquienverehrungen anfangen kann, so bin ich doch froh um meinen, etwas außergewöhnlichen Namenspatron und bei seiner Heiligsprechung mit dabei gewesen zu sein.

Nach Hause kommentierte ich dann auch per SMS: „So jetzt hab ich endlich ‘ nen richtigen Namenspatron.“ Und zwar einen, der wie auch der jetzige Papst, nicht nur frischen Wind in die Kirche gebracht hat, sondern in kleinen Gesten die Herzen der Menschen erobert hat. Vielleicht ist es genau das, was ihn schon lange zu einem Heiligen gemacht hat. Oder wie er selbst einmal gesagt hat: „Johannes, nimm dich nicht so wichtig!“

Mehr zum Thema:

Heilig – mit Hirtenstab und Besen

Franz von Sales war sein Lieblingsheiliger, er ist mein Lieblingspapst: Johannes XXIII. Als Oblate des hl. Franz von Sales entdecke ich ihn in seiner Spiritualität und Pastoral. Wie er wünsche ich mir eine Kirche, die wie ein Garten voll blühendem Leben ist, nicht wie ein Museum.

Mit Johannes Paul II. bin ich als junger Priester aufgebrochen. Bei seinem Besuch in Bayern, beim Europäischen Jugendtreffen in Rom, auch bei der Seligsprechung von Johannes XXIII.

Zwei Päpste, die die Kirche belebt und die Welt bewegt haben. „Jonny Walker“, wie ihn die Römer nannten, und Johannes Paul, der in vielen Ländern den Boden küsste, mögen als Heilige dazu beitragen, dass wir Kirche auf dem Boden der Menschen sind. „Man kann mit einem Hirtenstab in der Hand heilig werden, aber ebenso mit einem Besen.“ (Johannes XXIII.)

Zur Seligsprechung von Johannes XXIII. habe ich folgendes Gedicht geschrieben, das sieben Briefe an den „papa buono“ zusammenfasst:

Selig bist du, Kirche!

Selig bist du, Kirche,
denn in Kindern wirst du neu geboren.
Kinder schenken dir Neugeburt.

Selig bist du, Kirche,
denn Jugendliche sind
in deinen alten Adern frisches Blut.

Selig bist du, Kirche,
denn auch heute sind viele berufen
und nicht wenige leben ihre Berufung.

Selig bist du, Kirche,
denn du wächst in Menschen,
die in dir Verantwortung übernehmen.

Selig bist du, Kirche,
denn in Krisen wirst du, was du bist:
Mutter in Geburtswehen.

Selig bist  du, Kirche,
denn in der Erfahrung deines Alters
liegen Schätze verborgen.

Selig bist du, Kirche,
denn in dir lebt ER,
der tot war und lebendig ist.

Mehr zum Thema: