Schlagwort-Archiv: Indien

Indien ganz anders – typisch Indien!?!

Erfahrungen am Rande einer Migrationstagung

Mittlerweile war ich elfmal in Indien, oft in der Umgebung von Poona, aber auch einmal ganz im Norden und Osten des Landes, um Projekte von Misereor kennen zu lernen. Doch Kerala ist anders, und das ist schon wieder typisch. Indien ist einfach sehr vielfältig.

Der Bundesstaat Kerala in Südindien unterscheidet sich von den anderen Teilen Indiens. Es ist ein anderes Indien. Es gibt deutlich weniger Bettler und Bedürftige, die man von der Straße aus sehen kann. Und dennoch wird hier der landesweite Aufruf zum Generalstreik konsequenter befolgt als in anderen Gegenden Indiens. Es war der weltweit größte Streik, mehr als 150 Millionen Menschen haben die Arbeit nieder gelegt, um v.a. für eine Anhebung des Mindestlohns und bessere Sozialleistungen zu streiken. Unsere Gastgeber mussten das Programm umstellen, weil wir an diesem Tag das Hotel nicht verlassen sollten und sowieso alle Einrichtungen, die wir an diesem Tag besuchen wollten, geschlossen waren. So leer habe ich noch keine Straße in Indien gesehen, wie die vor unserem Quartier, eine der Hauptstraßen des Landes.

Kerala ist anders: Die westliche und arabische Kultur haben mehr Einfluss, das sieht man an der Kleidung. Viele gut gebildete Menschen aus diesem Teil Indiens gehen als Gastarbeiter in die Golf-Staaten. Dort können sie noch mehr verdienen als in der Heimat. Einen Großteil des Gehaltes überweisen sie aber zurück nach Indien, um die zurückgebliebene Familie zu finanzieren. Nach ein paar Jahren kehren dann viel zurück, um mit dem erarbeiteten Kapital ein eigenes Unternehmen zu starten. Kerala ist aber zugleich auch ein Einwanderungsland. Aus vielen ärmeren Teilen Indiens kommen Arbeitskräfte, um hier mehr Geld zu verdienen. Migration ist in Kerala in doppelter Weise real, es ist Entsende- und Aufnahmestaat zugleich. Das macht es für die Wissenschaft zu einem spannenden Forschungsobjekt. Zusammen mit dem Rajagiri College of Social Sciences (RCSS) wollen Wissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hieran arbeiten. Meine Frau, Dr. Monika Pfaller-Rott, folgte einer Einladung und hielt dazu einen Vortrag über „Social Diversitiy“ während einer Tagung, an der auch Forscher aus den USA teilnahmen. Mein Beitrag bestand darin, die globale Situation von Migration darzustellen. Wenn sich diese Kooperation etabliert, gibt es neben der Beziehungen der WFI zum Rajagiri Centre for Business Studies (RCBS) eine zweite Säule der akademischen Zusammenarbeit. Diese haben echte Pionierarbeit geleistet.

Besonders beeindruckt war ich von der einwöchigen Pflichtexkursion für alle Erstsemester-Studenten, die sieben Tage in einem Dorf gut 120 km von Cochin entfernt leben und arbeiten müssen. Zu ihren Aufgaben gehört es, eine Straße anzulegen. Dazu müssen mit den Händen die Pflanzen gerodet werden, Steine klein geklopft und verlegt werden sowie am Nachmittag mit den einfachen Bauern Interviews zu deren Situation geführt werden. Abwechselnd müssen sie auch füreinander kochen. Und geschlafen wird auf einfachen Schilfmatten auf dem Boden des Schulhauses, wo dann am Vormittag die Kinder zur Schule gehen. Selbstverständlich können sich die Professoren und Professorinnen, darunter auch Priester und Ordensschwestern, nicht davon absetzen, sie sind die ganze Zeit mit dabei. So erfahren die angehenden Akademiker, was ländliche Armut wirklich heißt. Viele waren in ihrem Leben das erste Mal in der Küche, weil es selbst für indische Mittelschichtsfamilien normal ist, dass „Angestellte“ (ein echter Euphemismus, eigentlich sind es „Diener“) das Essen zubereiten. Pro Jahr schaffen die rund 100 Studenten in dieser Woche so immerhin gut zwei Kilometer neue Straße. Nebenbei entsteht so aber auch eine familiäre Verbindung an der Universität, die sich sehr positiv auf das Lernklima wirkt.

Partnerschaft Eichstätt-Poona: Globalisierung der Solidarität

Seit 1997 war ich nun zum neunten Mal in Poona, insgesamt zehn Mal in Indien. Obwohl der Besuch diesmal nur knapp eine Woche lang dauerte, war er doch besonders wichtig, denn erstmals reiste unser Bischof Gregor Maria Hanke OSB in die Partnerdiözese. Er setzt eine Tradition fort, die zum Jahreswechsel 1964/65 von Bischof Schröffer begonnen wurde und die sein Nachfolger 1997 fortsetze. Und immer war in Poona Bischof Valerian mit dabei, zwar in verschiedenen Funktionen, aber immer als Faktor der Kontinuität. Sein Nachfolger Bischof Thomas Dabre, der schon 2010 sowie 2014 nach dem Regensburger Katholikentag und zum Jubiläum des Priesterseminars jeweils für einige Tage im Bistum Eichstätt weilte, freute sich über den Gegenbesuch und setzte alles daran, seine Gäste herzlich zu empfangen.

Weitere Bilder der Indienreise

Das gemeinsam erarbeitete Programm führte die Eichstätter Delegation, zu der auch Finanzdirektor Willibald Harrer, Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn und Bischofssekretär Markus Demeter gehörten, in verschiedenste Projekte. Bei zwei Empfängen in Schulen, die über das Kindermissionswerk/Die Sternsinger gefördert werden, konnte man spüren, wie wichtig Bildung den Indern ist. An der St. Ornella School soll im nächsten Jahr mit Hilfe der Sternsinger der bereits abgerissene Altbau durch ein neues Gebäude ersetzt werden. Auch die ursprünglich 1972 gebaute Eichstätt Hall, die Aula der St. Patricks High School, wurde in den letzten Jahren aus diesen Mitteln grunderneuert.

Ein Projekt für ländliche Entwicklung in der rund vier Autostunden südlich von Poona gelegenen Region Satara, das von dem von Father V. Louis geleiteten PDSSS durchgeführt und von Misereor finanziert wird, soll die Lebensbedingungen auf dem Land verbessern und so Landflucht und Migration verhindern.

In Snehalaya, einem Heim für behinderte Kinder, das vor mehreren Jahren bereits von den Sternsinger auf einem Grundstück des Bistums Poona gebaut wurde, gibt es Lebensfreude pur zu spüren; zum Teil im Rollstuhl sitzend singen und tanzen die Kinder, um uns zu begrüßen. Was mich beeindruckt ist die eigenständige konzeptionelle Weiterentwicklung des Hauses, nachdem die ursprüngliche Zielgruppe, nämlich Kinder mit Kinderlähmung, aufgrund besserer staatlicher Programme, nicht mehr derart massiv anzutreffen ist. Die aus Spalt stammende Martina Greil hat ihre professionelle Hilfe dort schon mehrfach eingebracht. Auch das 2004 fertig gestellte ehemalige AIDS Hospiz Ashakiran, in dem auch schon Dr. Gerhard Gradl, ein Arzt aus Nürnberg, freiwillig mitarbeitet hat, ist gerade mit Hilfe engagierte junger Ärztinnen und Ärzte dabei, sich auf eine geänderte Bedarfslage einzustellen.

Natürlich besuchten wir auch die hervorragenden Frauenprojekte MAHER und CHETNA, die sich u.a. um die Opfer häuslicher Gewalt kümmern, berufliche Qualifikation und Kleinstkreditprogramme betreiben. Wie in allen Schulen und sozialen Projekten wird hier über die Grenzen der Religionen hinaus geholfen. Zwei Studentinnen aus Eichstätt werden ab Ende Januar dort ihr Praktikum verbringen und sicher viel lernen, bzw. erforschen können. Diese Form der Zusammenarbeit, der Austausch von Jugendlichen, Studenten und pastoralen Fachkräften (z.B. beim Aufbau kleiner christlicher Gemeinschaften), könnte sich als einen neue Säule der Partnerschaft in Zukunft noch besser etablieren. Einige Überlegungen dazu gibt es. Sicher kann auch die wissenschaftliche Kooperation ausgebaut werden.

Mein persönliches Fazit: Wenn dich alte Freunde und Bekannte, ehemalige Jugendliche bzw. Tänzerinnen, die 1995 und 2005 in Eichstätt waren, nach einem Gottesdienst ansprechen und sich über das Wiedersehen freuen, oder wenn ehemalige Mitarbeiter des Bistums Poona das Gleiche tun und man sogar zum 75sten Geburtstag eines alten Kollegen eingeladen wird, dann haben wir eines geschafft: Die Globalisierung hat ein menschliches Antlitz bekommen. Es sind dauerhafte Beziehungen durch die Dialogprogramme, Studienreisen und Begegnungen entstanden. Und immer neue Kreise werden in diese Globalisierung der Solidarität eingebunden.

Mehr zum Thema:

Arbeiten mit Menschen mit Behinderung in Indien

Seit zwei Monate lebe ich in der Eichstätter Partnerdiözese Pune in Indien. Meine Einsatzstelle im Freiwilligendienst heißt „Nirmalya Trust – A helping hand for the physically challenged“ und liegt in Deccan, nah an der Stadtmitte. Sie ist, wie der Name schon sagt, eine Organisation für Menschen mit Behinderung.

„Nirmalya“ bezeichnet den Altarschmuck aus Tempeln, der, nachdem er alt oder welk ist, ausgetauscht, aber nicht weggeworfen, sondern aufbewahrt wird. Mrs. Bedarkar, die Chefin von Nirmalya Trust, erdachte diesen Namen, als sie eines Tages meditierte. Sie gründete Nirmalya Trust, da sie bemerkt hatte, dass es für Menschen mit Behinderung zu diesem Zeitpunkt fast keine Beschäftigung gab, und sie häufig keine Chance auf einen Arbeitsplatz hatten. Ihre Tochter Tanuja hat selbst eine Lernschwäche und eine Wachstumshemmung sowie ein ausgezeichnetes Gedächtnis und Organisationstalent. Sie war der Anlass für die Gründung der Stiftung.

Mittlerweile ist daraus ein großes Unternehmen geworden: Im Büro arbeiten neben Mrs. Bedarkar selbst noch Tanujas Schwester Aarti und zwei weitere Angestellte. Dort werden auch die Erzeugnisse gelagert. Wenige Straßen entfernt befindet sich der „Garten“, in dem in zwei Werkstätten gearbeitet wird.

Umweltfreundliche Paperbags

Im Garten werden hauptsächlich die Papiertüten hergestellt. Dort arbeiten im Moment neben vier Menschen mit Behinderung (drei Schwerhörige und eine Blinde), Katja, meine Mitfreiwillige und Vaishali Maushee, die Werkstattleiterin und Deepali, ihre Stellvertreterin. Maushee ist allerdings kein Eigenname: Maushee bedeutet Tante und da wir alle eine große Familie sind und Vaishali die Älteste von uns ist, wird sie auch so genannt. Außerdem gibt es etwa 80 km außerhalb von Pune ein Dorf (Panuli), in dem Menschen mit Behinderung für die Stiftung Paperbags und Anderes produzieren.

Aber wer kauft das eigentlich? Häufig werden diese Tüten von Geschäften gekauft, die sie an ihre Kunden weitergeben, als umweltfreundliche Alternative zu Plastiktüten. Aber auch, wenn auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern Geschenke verteilt werden, sind unsere Tüten beliebt. Manche dieser Kunden rufen vorher an und bestellen Tüten. Oft kommen die Leute aber auch in den „Garten“, wo sie sich alle Tüten anschauen und dann die gewünschte Anzahl und Größe mitnehmen können. Die Geschäfte werden einfach vom dienstältesten anwesenden Angestellten abgewickelt, da die Besetzung des Gartens nicht fest ist, sondern hier und da immer wieder Leute gebraucht werden. Logischerweise übernehmen diese Aufgabe auch die Hörgeschädigten der Einrichtung und das ist überhaupt kein Problem.

Neben Paperbags, die quasi die Grundlage des Unternehmens bilden, werden Patchworkdecken, Papierblumen, Körbe aus Hochglanzpapier und Kofferanhänger mit bunten Perlen hergestellt. Ehemalige Freiwillige haben selbst Projekte initiiert, zum Beispiel Sparschweine aus Pappmaschee, ein Kochbuch (auf Deutsch) und Adventskalender. Ich hab auch schon getöpferte Teelichtständer (sog Diyas) gesehen und Tesafilm-Rollen (größer als üblich) werden zu Stiftehaltern aufeinandergestapelt und verziert.

Arbeitsplatzvermittler

Das eigentliche Ziel von Nirmalya Trust ist, Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Jeder, der sich bei der Organisation meldet, wird in einer Liste gespeichert. Wenn ein anderes Unternehmen eine Arbeitsstelle für Menschen mit Behinderung anbietet, werden alle, die dafür geeignet sind, benachrichtigt. Bei der weiteren Bewerbung und auch an ihrer Arbeitsstelle werden die vermittelten Arbeiter unterstützt und begleitet. Dieser Teil der Arbeit interessiert mich sehr, und ich hoffe ich bekomme noch die Gelegenheit, auch dort mitzuarbeiten.

Ich arbeite sechs Tage pro Woche. Da aber mein Arbeitsvertrag, der von weltwärts organisiert ist, mir nur 40 Wochenstunden erlaubt, wird der sechste Tag zu meinem Urlaub addiert. Meistens arbeite ich in der Werkstatt an der Produktion der Paperbags. Wenn man sich etwas Mühe gibt und zum Beispiel Werbung, die eine ganze Seite füllt (was relativ häufig der Fall ist), herausfiltert, kann man sehr schöne Tüten produzieren.

Angefangen habe ich am 8. September und mittlerweile fühle ich mich schon sehr wohl in meiner Arbeit. Die Kollegen sind alle sehr nett und hilfsbereit. Bei der Vorstellung, mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten, spielen oft Berührungsängste eine große Rolle. Auch bei mir war das so. Als mir Bernhard (Internationale Bund (IB)-Koordinator) auf dem ersten IB-Kennenlern-Seminar die Stelle bei Nirmalya Trust empfahl, war ich keineswegs sofort überzeugt. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde.

Gebärdensprache und Inklusion

Viele meiner unterschwelligen Sorgen oder Befürchtungen haben sich schon während meines Praktikums bei der Regens-Wagner-Betriebsstätte für mehrfach behinderte Hörgeschädigte in der Pommernstraße in Nürnberg-Eibach gelegt. Dort habe ich eine Woche lang gearbeitet, da für den Antritt des Freiwilligendienst ein Praktikum in einer ähnliche Einrichtung vorgeschrieben ist. Die Einrichtungen ähneln sich tatsächlich, nur gab es in Eibach für jeden einen Tisch und Stuhl (hier arbeiten wir meistens auf Sitzkissen auf dem Boden vor kleinen Tischen) und bei in meiner Praktikumswerkstatt wurden technische Gegenstände auf Auftrag produziert. Seit ich hier arbeite und die lokale Gebärdensprache ein bisschen gelernt habe, gehe ich so mit meinen Kollegen um, wie man halt mit Kollegen umgeht. Wir quatschen über alles Mögliche, manchmal lerne ich Gebärdensprache oder etwas über religiöse Feiern, oder wir reden einfach über witzige Situationen, oder darüber, was wir am Wochenende gemacht haben. Spannend finde ich, wie unterschiedlich wir sozialisiert sind. Zum einen durch die komplett andere Kultur und zum anderen durch ihre Handicaps. Aber wieso nur ihre? Tanuja meinte neulich, eigentlich hat jeder von uns seine Eigenheiten und die eine oder andere Macke.

In diesem Zusammenhang habe ich mir dann auch Gedanken gemacht, warum es erst einer solch intensiven Begegnung bedarf, um körperlich behinderten Menschen unvoreingenommen zu begegnen. Leider findet eine solche Erfahrung in der Schule keinen Platz, obwohl diese meiner Meinung nach der richtige Ansatzpunkt wäre. Ich weiß, dass die Inklusion von Kindern komplex ist, sowie einen Mehraufwand für Lehrer darstellt, aber ich denke, dass man durch geleitete Begegnung mit Menschen mit Behinderung eine Ausgrenzung zumindest stückweise verhindern und Berührungsängste abbauen kann. Eine Wochenstunde für einen Gebärdensprachkurs zu entbehren oder verpflichtende Praktika in sozialen Einrichtungen einzuführen, könnte dazu führen, dass Menschen mit und ohne Behinderung sich unbefangener und toleranter begegnen. Da ich am meisten mit Hörgeschädigten zu tun habe, ist mir dieses Feld besonders wichtig. Wenn jeder Deutsche sich auf Gebärdensprache ausdrücken könnte, wäre so vielen Menschen geholfen. Sie könnten einfach jeden nach dem Weg fragen oder kompliziertere Interaktionen alleine durchführen. Außerdem ist es wirklich nicht schwierig sich in Gebärdensprache zu unterhalten, wenn man ein bisschen Übung hat.

Zum Schluss gibt in meinem Blog „Lukas in Indien“ als extra Gimmik eine Bastelanleitung für Paperbags zum Nachmachen und Ausprobieren.

Die Wahlen für den Wandel in Indien

Mein Heimatland Indien wählt. Insgesamt 814 Millionen Inder sind zur Bestimmung der 543 Abgeordneten des Unterhauses aufgerufen. Die größte demokratische Wahl der Welt hat am 7. April begonnen und dauert noch bis 12. Mai. Ich bin kein Politikexperte und schreibe hier als Bürger, der seine Informationen aus verschiedenen Zeitungsartikeln, Gesprächen und Debatten im Fernsehen hat.


Das Hauptthema dieser Wahl ist die Korruption. Viele große Skandale wurden in der letzten Zeit aufgedeckt und die Menschen haben die Nase voll davon, wie Politiker der Zentralregierung und in den verschiedenen Staaten ihre Macht missbrauchen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Indiens neue Antikorruptionspartei Aam Aadmi (AAP – „Partei der Normalbürger“) gewann im Dezember 2013 überraschend die Wahl im Stadtstaat Delhi und bildete dort eine Minderheitsregierung (die bereits nach zwei Monaten scheiterte – A.d.R.). Es war ein klares Zeichen gegen Korruption und der Wunsch nach einer sauberen Regierungsführung. Dieser Erfolg inspirierte die AAP, die Wahlen in ganz Indien zu bestreiten. Die Regierungskoalition mit der Kongresspartei INC (englisch Indian National Congress) als Hauptpartei – ihr Spitzenkandidat ist Rahul Gandhi – wird wegen der Korruption Stimmen einbüßen. Die BJP, eine hindu-nationalistischen Partei, und die AAP werden hinzugewinnen. Die Leute werden für den Wandel stimmen.

Die BJP war die größte Oppositionspartei im bisherigen Parlament und ist nach verschiedenen Umfragen Spitzenreiter bei diesen Wahlen. Die Prognosen geben ihr die größte Zahl der Sitze, aber nicht die Mehrheit, die es ihr ermöglichen würde, allein die Regierung zu bilden. Die nächste Regierung wird wahrscheinlich eine Koalition sein.

Die religiösen und weltlichen Minderheiten (unberührbare „Dalit“-Kaste, Stammesvölker, Unterdrückte ) freuen sich auf Besserung, sind aber auch besorgt, weil die politischen Parteien in ihren Manifesten viel versprechen, aber sehr wenig passiert, wenn die Wahlen vorbei sind. Es gab Ausschreitungen gegen Muslime im Bundestaat Gujarat, während der BJP-Kandidat Narendra Modi dort Ministerpräsident war, und es gab Angriffe gegen Christen, Beschädigung von Kirchen und christliche Einrichtungen in einigen Bundestaaten. Indien hat eine Verfassung, die den säkularen Charakter des Staates unterstreicht, aber die Minderheiten sind besorgt, dass dieser weltliche Charakter in Zukunft leiden könnte. Die Haltung der nicht-religiösen Minderheiten ist „abwarten und sehen“, ob die Wahlversprechungen erfüllt werden. Indien hat genügend Gesetze zum Schutz der Religionsausübung und -verbreitung, aber sie müssen umgesetzt werden. Das Wort „Bekehrung“ wird in einem schlechten Licht gesehen.

Die Würde und die Rechte der Frauen müssen respektiert werden. Auch das ist ein Thema, aber nicht ein sehr wichtiges bei den Wahlen. Was benötigt wird, ist nicht so sehr strengerer Gesetze, sondern eine völlig andere Denkweise. Frauen werden als minderwertig betrachtet. Mädchen werden nicht auf Augenhöhe mit den Jungen in der Familie gesehen. Schulabbrecher gibt es nicht nur bei den Armen, aber deren Zahl ist bei den Mädchen der ärmsten Schichten besonders hoch. Frauen werden oft nicht in ihrer von Gott gegebenen Würde gesehen, sondern als Objekte für billige Arbeit und Genuss.

Die katholische Bischofskonferenz Indiens hat Leitlinien für die Wahlen erlassen. Die Kirche bevorzugt keine Partei. Sie will eine gute Regierung, die die Würde aller Menschen – vor allem der Armen, Unterdrückten und Frauen – respektiert, sich für die Armen und Benachteiligten einsetzt, die Korruption bekämpft, den säkularen Charakter der indischen Verfassung bestätigt, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten schafft, den zum Christentum konvertierten Dalits die Rechte wieder gibt, die sie vor dem Übertritt genossen und die ihnen nun zu Unrecht vorenthalten werden.

Übersetzung aus dem Englischen: Geraldo Hoffmann

Partnerschaft zwichen den Diözesen Eichstätt und PoonaVideo: Ein Inder in Eichstätt