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Star Wars und Pfingsten

Zwei Meter hoch, furchterregend, so steht er in der kleinen Olympiahalle in München: Darth Vader, die Verkörperung des Bösen, in der Ausstellung „Star Wars Identities“, ab Pfingstsamstag (14. Mai). Der Filmemacher George Lucas schafft in „Star Wars“ eine Welt von mythischer Strahlkraft, mit dem „Kampf zwischen Hell und Dunkel, Vater und Sohn, Natur und Technik, West und Ost“. Der Autor bediente sich ganz bewusst „der großen Erzählungen unserer Kultur, reicherte sie mit Westernelementen und einem Schuss asiatischer Spiritualität – und schuf so ein postmoderne Epos von bleibender Faszination“. (Star Wars – Der Mythos unserer Zeit, Philosophie magazin, Sonderausgabe 5. November 2015).

Die aktuelle Ausstellung „Star Wars Identities“ in München konfrontiert den Besucher mit diesen Fragen. Angesichts des acht Meter langen interstellaren Raumschiffes („podracer“) und entlang an rund 200 Exponaten kann man an interaktiven Stationen, mit Kopfhörer und Armband, 10 Fragen zur eigenen Identität beantworten:

Etwa: Mit welchen Genen bin ich auf die Welt gekommen und wie wurde ich erzogen? Wie werde ich beeinflusst? Welche Werte vertrete ich? Wie würde ich mich in Gefahrensituationen verhalten? Auf welcher Seite stehe ich: auf der guten oder auf der dunklen Seite der Macht?

Das Armband speichert meine Entscheidungen an den Stationen und sagt mir am Ende, ob nicht doch die dunkle Seite der Macht, also Darth Vader, meine Identität bestimmt!

Sollte man das vielleicht eine säkulare Gewissenserforschung nennen, angesichts der Faszination des Bösen?

„Die Macht des Bösen banne weit“, so singt die Kirche im Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus – Komm Schöpfer Geist“!

Doch wie soll das gehen: das Böse in der Welt, in uns, bannen?

Leben heißt: sich entscheiden! In Star Wars wird dies erlebbar an Anakin und Luke Skywalker. Beide, Vater und Sohn, müssen wählen, zwischen der dunklen und der lichten Seite.

„Verführerisch ist der Ruf der dunklen Seite, denn sie verspricht grenzenlose Macht. Der junge Anakin Skywalker (der Vater) verfällt ihr und wird so zu Darth Vader. Der Seelenkampf zwischen Gut und Böse ist eine existenzielle Grundfrage, die Philosophen von Augustinus bis Heidegger umtrieb. Entscheidend bleibt dabei der Umgang mit ureigensten Ängsten. Wie Meister Yoda weiß: Furcht ist der Pfad zur dunkeln Seite“ (Philosophie magazin, S. 53). Luke Skywalker, der Sohn, widersagt und widersteht der dunklen Macht.

Manches in den Star Wars-Filmen erinnert an den Apostel Paulus – etwa die Lichtschwerter. Im Römerbrief (13,12) heißt es: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“.

Die „Waffen des Lichts“ beim Apostel Paulus sind keine Lichtschwerter und auch keine Laserwaffen! Die Waffen im Kampf von Getauften und Gefirmten, so sagt Paulus, sind von anderer Art. Er beschreibt das schön im Epheser-Brief (6, 11-20):

„Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf zu beten! Betet jederzeit im Geist, seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, auch für mich.“

„Das Schwert des Geistes – gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“: Das ist nicht die „Force“ in Star Wars („eine Kraft, die alles durchwaltet und mit deren Hilfe ganze Raumschiffe durch reine Konzentration aus dem Sumpf gezogen werden können“).

Die „Force“, die Kraft des Heiligen Geistes – sie ist allgegenwärtig, unsichtbar, lebendigmachend. Und diese Kraft ist an ihren Früchten zu erkennen: „Die Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22).

Die Kraft des Heiligen Geistes: Das ist nicht der Wille, die Kontrolle über die Welt zu gewinnen, sie ist vielmehr die Fähigkeit, im Einklang mit dem Schöpfergeist von innen heraus die Welt zu gestalten und so zum echten Skywalker, zum „Himmmelsgeher“ zu werden!

„Veni Creator Spiritus – Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“!

Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes ist Absage an Darth Vader. Pfingsten ist Befähigung zum Widerstand gegen eine dunkle Identität in uns:

„Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass uns kein Unheil schaden kann! “ (Gotteslob 342,5)

Video: Was feiern wir an Pfingsten?