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Weihnachten einmal anders: Unterwegs am Rio Negro mitten im Amazonas

Im November und Dezember besuchte ich den Bundesstaat Amazonas, um die Situation in den dortigen Gefängnissen besser kennen zu lernen. Am Ende dieser Missionsreise verbrachte ich zehn Tage in der schönen Stadt São Gabriel da Cachoeira am Oberen Rio Negro mitten im Amazonas-Regenwald.

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Sehr beeindruckt hat mich eine Weihnachtsfeier mit dem Tucano-Volk. Die Kirche in dieser Region hat ein indigenes Gesicht. Die überwiegende Mehrheit der rund 18 000 Bewohner dieser Gemeinde sind Indigenen aus 20 verschiedenen Ethnien. Viele dieser Menschen wachsen zweisprachig auf. Zweisprachiger Gottesdienste – in Portugiesisch und Tucano – sind keine Seltenheit vor allem in den kleinen Anrainergemeinden. In der Gemeinde Towa (über drei Bootstunden dem Rio Negro aufwärts) fand eine Feier der Eucharistie mit Taufe, Heirat und Abitur-Zeremonie statt. Die Menschen am großen Fluss geben Zeugnis einer lebendigen Kirche, die sehr an die Basisgemeinden im Sinne der Befreiungstheologie erinnern.

Das Bistum São Gabriel da Cachoeira ist fast so groß wie Italien, allerdings dünn besiedelt: nur knapp 95 000 Menschen leben hier. Fast alle von ihnen sind katholisch, allerdings gibt es nur eine handvoll Priester, die sie betreuen. Bischof Edson Damian hatte mich zu einer Weihnachtsfeier auf einer Fazenda da Esperança („Hof der Hoffnung“) eingeladen, wo sich 28 Männer aller Altersgruppen von der Drogen- und Alkoholsucht erholen.

Sehr bewegend war auch eine Feier auf einer Polizeistation im Grenzgebiet: 42 Männer und zwei Frauen (Brasilianer und Kolumbianer) saßen zu dem Zeitpunkt dort ein. Auch die Angehörigen der Gefangenen waren gekommen, um gemeinsam mit den Mitarbeitern der Gefängnispastoral zu singen, beten und über die Bedeutung der Geburt Jesu für uns heute zu reflektieren.

Die Geburt Jesu in einem Gefängnis zu feiern, mit den Häftlingen, mit den ausgeschlossenen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und wenig Aussicht auf eine Rückkehr in diese Gesellschaft haben, ist unheimlich beeindruckend. Im Gefängnis leuchtet der hoffnungsvolle Stern von Bethlehem noch stärker.

Die Ufer des Rio Negro sind atemberaubend, geprägt von einer üppigen Natur und von herzlichen Menschen. Diese Reise verstärkte meinen Traum, eines Tages in dieser Region zu arbeiten.

Ein ganz anderes Brasilien

Einen herzlichen Gruß aus Sao Gabriel da Cachoeira, einem kleinen Städtchen mitten im westlichen Amazonasgebiet am Rio Negro – am „Schwarzen Fluss“. Der Fluss hier hat ein ganz schwarzes Wasser – so wie der kleine Weiher in Obersöchering.

Das Internet ist recht schwach hier. Diese Gegend hier ist noch abgelegener als die Gegend am Rio Solimoes. Ich bin schon sehr beeindruckt von all dem hier und staune jeden Tag, es ist so ganz anderes als das Brasilien, dass ich bis jetzt kennen gelernt habe.

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Es ist eine wunderschöne Gegend, geprägt vom großen Fluss und dem Urwald, von den verschiedensten Indianervölkern. Viele sprechen hier noch ihre eigene Sprache und lernen Portugiesisch erst, wenn sie in die Stadt kommen oder in eine der vielen kleinen Schulen im Innenland.

Das Gefängnis (siehe Bild) ist eine kleine Polizeistation mit zurzeit 44 Insassen (zwei
Frauen), die zum Beispiel nur einmal in der Woche für eine halbe Stunde Hofgang haben.

Diese Tage hier sind etwas ruhiger, Gott sei Dank. Ich genieße die Ruhe und Stille nach den anstrengenden Tagen in der Hauptstadt Manaus. Wie Ihr an den Bildern sehen könnt, kann man hier auch gut rasten und verweilen.

Morgen geht es mit dem Boot flussaufwärts in eines der kleinen Dörfer am Fluss. Hier wohne ich bei den Herz-Jesu-Missionaren und begleite sie bei ihren Besuchen in den vielen Gemeinden am Fluss.

Heute nur diesen kurzen Weihnachtsgruß, in der Silvesternacht bin ich im Flieger auf dem sehr billigen Rückflug nach Goiânia, dieser Flug ist gerade nicht beliebt und sehr leer,…… und dann von Goiânia aus mehr von dieser schönen und reichen Erfahrung im Amazonas.

Liebe Freunde, vielen Dank für die zahlreiche Unterstützung und die vielen Spenden. Ich wünsche Euch allen ein FELIZ NATAL. ER möge in uns geboren werden, damit wir DURCH IHN und MIT IHM und in IHM Licht sein können in der Dunkelheit der Welt.

Krokodilfleisch zum Probieren

Zurzeit bin ich in Tabatinga, einer kleine Stadt mitten im Urwald vom riesigen Amazonas-Gebiet. Die Stadt hat ca. 25.000 Einwohner und liegt an der Grenze von Peru und Kolumbien. Gestern war ich abends mit den Schwestern in Kolumbien beim Pizzaessen und morgen fahre ich schnell mal nach Peru – auf die andere Seite des Flusses „Rio Solimoes“ – kurz gesagt, es geht mir sehr, sehr gut hier.

Die Gegend, die Menschen, einfach alles ist sehr geprägt vom Drogenhandel, die Route geht von Kolumbien und Peru durch den brasilianischen Dschungel, auf dem Fluss und/oder mit kleinen Fliegern in „alle Welt hinaus!“. Die Gewalt, Korruption, Morde, Folter,… sind hier Alltag. Ich habe ja schon einiges gesehen und gehört in Brasilien, aber was ich hier antreffe ist noch viel, viel schlimmer, dem entsprechend sind auch die Gefängnisse, aber davon später mal mehr.

Das Gesicht der Menschen hier ist „Indigena“ – Gesicht der Indianer, das prägt natürlich auch die Kirche, eine sehr lebendige Kirche der Basisgemeinden. Die Städte Tefe und Tabatinga sind mit dem Flieger erreichbar (und natürlich mit dem Schiff), alle andere Städte und Dörfer nur mit Booten, die Preise sind sehr gesalzen. Ich flog von Manaus nach Tefe (1 ½ Std.) und dann ging es weiter mit dem Schiff (18 Std.) nach „Fonte Boa“, nach drei Tagen dann wieder 9 Std. mit dem Schiff nach Jutai und nun wieder 12 Stunden unterwegs auf dem riesigen Fluss nach Tabatinga ins sogenannte „Drei-Länder-Eck“.

Ich bin noch keinen Monat unterwegs, aber mir scheint es schon viel, viel länger. Es sind viele verschiedenste Eindrücke. Die Menschen hier sind sehr freundlich, meistens bin ich bei Schwestern untergebracht, besuche immer die Gefängnisse, die Richter und Staatsanwälte (wenn es sie gibt), die Gruppe der Gefängnisseelsorge vor Ort. Das Programm ist sehr dicht, aber dann auf dem Schiff geht es ruhig dahin, flussaufwärts mitten in einer riesigen Dschungellandschaft. Ein riesiger Fluss, der Rio Solimoes, besser gesagt es sind viele Flüsse, große Inseln, riesige Nebenflüsse, da ist die schöne blaue Donau ein kleines „Bach’l“. Es gibt natürlich viel Fisch zum Essen, viele verschiedenste Sorten, mir schmeckt das sehr, diese Tage bekam ich sogar Krokodilfleisch zum Probieren, es gibt wenig Gemüse und Salat, aber dafür viele verschiedenste Früchte. Ich habe schon viele Fluss-Delfine gesehen und natürlich die Krokodile am Ufer.

Die Armut der Menschen, die Gewalt, die verheerenden Zustände in den Gefängnissen, das Desinteresse der Regierung für diese Gegend und dieser Menschen – außer wenn es um große Projekte mit den multinationalen Firmen geht, um das reiche Amazonasgebiet auszubeuten – berührt mich sehr, beschäftigt mein Denken, Fühlen, mein Gebet und meine Träume,… und es ist ein Geschenk morgen gerade hier das Christkönigsfest zu feiern – für uns Missionarinnen Christi ein sehr wichtiges und schönes Fest – ich werde in einem kleinen Indianer-Dorf im Urwald die Messe mitfeiern.

Herzlichen Gruß und Vergelt’s Gott an allen, die mitgeholfen haben, diese Reise zu ermöglichen, noch ist sie nicht zu Ende, andermal wieder mehr.

Ich wünsche Euch allen einen gesegneten Advent und hoffe vor Weihnachten nochmal „online“ zu sein, um euch Weihnachtsgrüße schicken zu können.

Um grande abraço!

Petra

Hier im Amazonas Zugang zum Internet zu haben ist gar nicht so leicht, in Tabatinga funktioniert es ganz gut, die letzten 14 Tage war ich aber „offline“!