Schlagwort-Archiv: Geburtstag

Mit Matatus ins Acholiland: Besuch bei Pater Gerner in Uganda

Pater Josef Gerner aus Meckenhausen, der seit vielen Jahren in Afrika tätig ist, hatte am 11. Oktober seinen 80. Geburtstag. Ich kenne ihn seit meinem Eintritt ins Missionsseminar in Neumarkt/Opf. 1968 und bin mit ihm weitläufig verwandt. Auch verdanke ihm meine Berufung zum Comboni-Missionar. Zu seinem runden Geburtstag wollte ich ihn überraschen. Zwar leben wir kaum 500 Kilometer voneinander entfernt, aber wenn man in Afrika mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, bleibt viel Zeit auf der Strecke. Die Matatus (Minibusse/Sammeltaxis) fahren erst los, wenn der letzte Platz bei 50 Prozent Überladung gefüllt ist.

Den Blitzbesuch habe ich mit James Ochieng, einem Kenianer gemacht. Er wurde von P. Gerner 1982 in Kariobangi, einem Elendsviertel im Nordosten der kenianischen Hauptstadt Nairobi, getauft und hilft mir hier im Juba/Südsudan als Bauzeichner. In der Nacht zum Samstag haben wir Lira, die drittgrößte Stadt Ugandas, erreicht, wo wir bei Alberto Eisman übernachtet haben. Alberto ist Spanier und hat in Innsbruck unter P. Gerner Theologie studiert. Heute leitet er die katholische Radiostation der Diözese Lira: Radio WA. In der Frühe sind wir dann von Lira nach Opit losgefahren und waren um 8.45 Uhr vor Ort. Die Messe hatte gerade angefangen. Die Mission war dort – Mitten im Acholiland im Norden Ugandas – wegen der Rebellentätigkeit (LRA) über 15 Jahre verlassen und sieht entsprechend aus.

Wie vermutet, war P. Gerner selbst an diesem Tag voll im Apostolat. Er hat uns nicht erkannt als wir uns zwischen die Gottesdienstbesucher gedrängt haben, hat aber wahrgenommen, dass Besucher in der Kirche sind. Nach dem Gottesdienst hat möglicherweise ein Katechist P. Gerner angesprochen, dass da Fremde in der Kirche sind. Daraufhin hat er uns gebeten, vorzukommen. Erst dann hat er uns erkannt. Es war eine wirklich gelungene Überraschung und eine echt herzliche Begegnung mit dem junggebliebenen alten Mann. Niemand hat von seinem Geburtstag gewusst, der in Afrika ohnehin keine so große Rolle spielt. Natürlich war dann auch noch ein zweiter Gottesdienst im Busch und ein wenig Eile war angesagt.

Da keine Köchin für den Sonntag da war, haben Alberto und James etwas zusammengekocht und ich habe P. Gerner beim zweiten Gottesdienst begleitet. Wir hatten dann einen schönen Nachmittag und Abend mit frohem und schönem Austausch. P. Elia, sein Mitstreiter, kam auch im Laufe des Nachmittags zurück vom einer über 50 Außenstationen der Großpfarrei Opit. Zur Pfarrei gehören auch mehrere Volksschulen, eine technische Schule, eine kirchliche Sekundarschule (450 Kinder) und ein kleines Krankenhaus.

Am nächsten Morgen hat uns P. Gerner mit seinem Fahrer nach Gulu, eines der Zentren des Acholi-Volkes, gebracht. Im Gedenken an Bruder Michael Dietrich, der im August 2014 gestorben ist und unbedingt wieder nach Afrika zurück wollte, haben wir noch die Comboni-Gemeinschaft in Layibi (große Handwerkerschule) besucht. Br. Michael Dietrich stammte auch aus der Diözese Eichstätt, gebürtig aus Elbersroth bei Herrieden – wie unser Bischof Gregor Maria Hanke.

Danach war es höchste Zeit, wieder nach Juba aufzubrechen. Im Rückblick war das eine wunderbare Begegnung mit einem Mann des Glaubens und der Zuversicht mit viel Humor und gesundem Abstand zum Alltäglichen.

Mehr zum Thema:

Feste und Feiern in Mexiko

Die Mexikaner sind ein feierfreudiges Volk, und die vielen verschiedenen Feste prägen ihr Leben entscheidend mit. Die Lust zum Feiern wird den Kindern sozusagen schon in die Wiege gelegt, denn die erste Feier zu ihren Ehren findet schon vor der Geburt statt. Ungefähr im 8. Schwangerschaftsmonat gibt die Mutter eine Art Willkommensfeier für das Kind, zu der nur die Frauen der Familie eingeladen werden.

Das nächste große Fest ist, wie auch in Deutschland, die Taufe. Anders als in Deutschland gibt es für die Taufe aber nicht nur einen Paten oder eine Patin, sondern beides, also Pate und Patin, die sogenannten Padrinos. Padrinos gibt es viele, auch bei der nächsten wichtigen Feier, dem 3. Geburtstag, werden neue Padrinos gesucht. Gefeiert wird zuerst mit einer Messe in der Kirche, und danach mit vielen Kindern zu Hause. Die meisten Kinder verkleiden sich für das Fest, von Pirat über Prinzessin bis Spiderman ist alles dabei. Bei diesen Kindergeburtstagen darf natürlich auch ein wichtiger Bestandteil nicht fehlen: die Piñata. Piñatas sind mit Süßigkeiten gefüllte Figuren aus Pappmaché, auf die die Kinder, teilweise mit verbundenen Augen, einschlagen, bis sie zerbrechen und die Süßigkeiten herausfallen. Und auf die stürzen sich dann nicht nur die Kinder.

Für die Jungs geht es dann bis zum Schulabschluss erstmals sehr ruhig zu, für die Mädchen aber steht das wichtigste Fest von allen erst noch an: der 15. Geburtstag. Dieser Geburtstag wird – vor allem von den reicheren Familien – extrem groß gefeiert, vergleichbar mit den Sweet Sixteen in den USA, oder sogar noch ein bisschen größer. Das Geburtstagskind (die 15-añera) zieht ein an ein Hochzeitskleid in Farbe erinnerndes Kleid an, auf das dann die Farbe der Kleider der unzähligen Madrinas und die Farbe der Krawatten der Chambelanes abgestimmt werden. Begonnen wird die Feier auch wieder mit einer Messe. Das Geburtstagskind wird in einem geschmückten Auto vorgefahren und zieht dann feierlich mit sämtlichen Madrinas, den Eltern und den Padrinos, dies es neu ausgesucht hat, in die Kirche ein. Dort nimmt sie auf einem separaten Stuhl vor dem Altar Platz. Nach der Messe begeben sich die Gäste zum Ort der Feier, und dort wird dann erstmals auf die Ankunft des Geburtstagskindes mit den Chambelanes gewartet. Die Chambelanes sind meistens die Cousins. Sie sind für die Choreographie zuständig, die das Geburtstagskind direkt nach der Ankunft tanzen wird. (Mittlerweile gibt es aber auch viele Mädchen, die auf die traditionelle Feier mit Tanz sowie die Chambelanes verzichten.) Danach folgt der unverzichtbare Walzer mit dem Vater und meistens auch noch mit sämtlichen Onkels. Damit ist der offizielle Teil beendet und die Feier kann beginnen. Bei der Feier werden viele Baby- und Kinderfotos des Geburtstagskindes gezeigt, und die Madrinas verteilen Mitbringsel an die Frauen, die mit dem Namen des Geburtstagskindes und dem Datum der Feier versehen sind.

Neben diesen Festen, die jeder Mexikaner einmal in seinem Leben feiert, werden auch Weihnachten und das Neue Jahr groß gefeiert. An Weihnachten gibt es in Mexiko aber keine Geschenke, die werden erst am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen gebracht. Ostern und die Karwoche, die Semana Santa, habe ich als deutlich größer als in Deutschland erlebt. In fast jeder Gemeinde wird die komplette Passionsgeschichte nachgespielt, meistens sehr detailreicht. In einer Gemeinde Mexikos soll das angeblich so weit gehen, dass der Jesus-Darsteller wirklich an Händen und Füssen verwundet wird. In einer anderen Stadt werden außerdem keine Kreuze getragen, sondern Kakteen, die auf dem Rücken der Schauspieler befestigt werden.

Zwei Feiern, die auf jeden Fall in Mexiko deutlich größer begangen werden als in Deutschland, das sind der Valentinstag und der Muttertag. Zu beiden Anlässen werden Serenatas veranstaltet, das heißt der Freund bzw. Ehemann oder die Kinder engagieren eine Mariachi-Band oder eine Banda (eine Art Blaskapelle), die dann vor dem Haus der gewünschten Person vier oder fünf Lieder spielen. Das passiert in Begleitung großer Gruppen junger Männer, die bis in der Früh um die Häuser ziehen und in den Serenatas vor allem einen sehr guten Anlass sehen, um mal wieder einen über den Durst zu trinken. Diese Serenatas finden am Vorabend des jeweiligen großen Tages statt, und am nächsten Tag gibt es dann natürlich noch viele Geschenke.