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Friede durch Gerechtigkeit und Versöhnung

Mit den Jahren, so stelle ich fest, gestaltet sich meine religiöse Wahrnehmung und gerade an Weihnachten wird mir deutlich, wie schön und hilfreich unser Glaube ist. Weihnachten heißt: Gott wird Mensch. So zeigt Gott wie wichtig wir ihm sind und so will er das Göttliche in uns zur Geltung bringen. Das sind die Güte, die Freundlichkeit, die Barmherzigkeit, die Versöhnungsbereitschaft, die Liebe und so vieles mehr. Diese Werte sind wie ein Leitfaden für unser Leben.

Bei alledem weiß ich natürlich nur zu gut, dass in dieser Welt elend viel gelitten wird. Menschen hungern und werden erniedrigt. Sie sind Kriegen, der Brutalität und der Verachtung ausgesetzt. Kinder werden geboren und sterben bald darauf. Auch im Privaten, in den Familien, in den Altersheimen wird viel gelitten und oft kommen Menschen an ihre Grenzen. Aus diesem Grund können wir manchmal an keinen Gott (mehr) glauben und fragen: „Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein?“. Hinter dieser Frage versteckt sich aber, dass wir einen allmächtigen Gott wollen. Einen, der eingreift. Natürlich so, wie wir es gerne hätten.

Dabei kommt Gott uns in einem Stall entgegen. Ohnmächtig auf dem ersten Blick. Zwischen Ochs und Esel kommt er in einer kalten Krippe zur Welt. Seine Botschaft ist: Friede durch Gerechtigkeit und Versöhnung. Er leidet mit einem jeden Menschen mit und seine Menschenfreundlichkeit steckt an. Er zeigt eine tiefe Ehrfurcht vor jedem Leben und sagt: „Was du einem Geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan“. Jesus lebt uns vor, was wirkliches Menschsein ist. Indem wir seinem Beispiel folgen, bekommt unser Leben einen Sinn. Aus diesem Grund haben wir alle, wenn wir ihn ernst nehmen, seit seiner Geburt eine Mission: Nämlich mitzuwirken, dass jeder Mensch auf dieser Erde ein Mensch sein oder werden kann. Der Kranke, der Alte, der Flüchtling, der Hungernde und, und, und…. Gott will durch uns wirken. Das ist das Geheimnis und macht einen jeden und jede von uns zum Bringer des Heils. In Anlehnung an ein Gebet von Albert Schweitzer könnte man (theologisch wohl nicht ganz richtig) sagen: „Gott verändert nicht die Welt. Gott verändert Menschen und Menschen verändern die Welt“.

Shalompreis geht an israelisch-palästinensische Familienorganisation

Am Sonntag, 24. April, wurde die Shalom-Aktion 2016 im Salesianum Rosental in Eichstätt eröffnet. Hochschulseelsorger Pater Johannes Haas zelebrierte den Eröffnungsgottesdienst, der vom Chor „Kunterbunt“ musikalisch gestaltet wurde.

Der Shalompreis wird in diesem Jahr dem Parents Circle Families Forum (PCFF) in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten verliehen. Mitglieder des AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden stellten den Arbeitskreis und das Projekt im Gottesdienst vor. Sie erinnerten auch an die am 2. März 2016 ermordete Shalompreisträgerin von 2012, Berta Cáceres. Außerdem gedachte der AK Shalom seines Gründers Thomas Beutler, der in der vergangenen Woche verstarb.

Eröffnungsgottesdienst der Shalom-Aktion 2016
Eröffnungsgottesdienst der Shalom-Aktion 2016

In einer Zeit, in der aus dem Nahen Osten fast nur Nachrichten von Krieg und Terror zu lesen sind, setzen die Mitglieder von PCFF ein Zeichen für Frieden und Versöhnung. PCFF ist eine gemeinsame israelisch-palästinensische Organisation von über 600 Familien. Alle haben im langjährigen Konflikt einen nahen Angehörigen verloren. Trotz des grausamen Verlustes eines geliebten Menschen wollen die Familienangehörigen keine Rache sondern Austausch und Versöhnung.

Der Shalompreis wird am 18. Juni 2016 in Eichstätt verliehen. Eine Israelin und ein Palästinenser werden den Preis gemeinsam entgegen nehmen.

Der Shalompeis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Im AK Shalom sind derzeit 12 Mitglieder, Studierende und Bürgerinnen aus Eichstätt. Die Arbeit ist rein ehrenamtlich, das Preisgeld kommt durch Spenden zusammen. Das Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt, die private Oswaldstiftung und der Rotary-Club Eichstätt sind institutionelle Spender. Alles andere sind Spenden von Privatleuten. Die Preisverleihung findet am 18. Juni 2016 statt.

Wer für die Aktion 2016 spenden möchte, kann das bis September tun. Die Bankverbindung lautet: Katholische Hochschulgemeinde, Konto 1 09 62 03 20 bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, BLZ 721 608 18, IBAN: DE34721608180109620320, Stichwort „AK Shalom“.

Aus dem Herzen Afrikas

Seit Mai 2015 wird auf der Baustelle gearbeitet und bis Mitte des kommenden Jahres 2016 soll das Zentrum für Frieden, Versöhnung und das Überwinden von traumatischen Erlebnissen im Südsudan funktionsfähig sein. In den Jahren zuvor wurde viel innerhalb der Orden diskutiert, was in dem vom Krieg verwüsteten und von Stammeskonflikten zerrütteten Südsudan aus missionarischer Sicht angesagt sei. Die Genesis jedoch geht zurück auf verschiedene Tagungen und Besprechungen der „Religious Superiors‘ Association of South Sudan“ (RSASS). Der endgültige Beschluss wurde im Mai 2014 auf der Jahrestagung gefasst. Dies ist also die Zeit nach den Massakern im Dezember 2013 mit der bis heute andauernden Unsicherheit und Zerstörung. Es wurde klar gesagt, dass wir hier nicht auf bessere Zeit warten können, denn die Zeit der Not (Peace Building, Trauma Healing, Human and Spiritual Formation) ist jetzt.

Hunderte von Organisationen hier im Land bemühen sich, die vielfältigen Notlagen zu lindern, jedoch kaum jemand tut etwas für eine wahrhaft menschliche Entwicklung. Kaum eine Einrichtung setzt sich mit den Menschen und ihren „hausgemachten“ Problemen auseinander. Kaum jemand nimmt sich Zeit und hat den Mut, Konflikte offen anzusprechen. Nur das kann eine Veränderung bringen. Mit dem Projekt des Friedenszentrums versuchen die Orden einen tiefer gehenden Ansatz. Das Zentrum ist ein konkreter Weg, die christlichen Werte für ein menschliches Miteinander neu zu definieren und friedensbereite Menschen zu stützen und zu fördern. Diese machen die Erfahrung, dass ein friedliches und respektvolles Miteinander möglich ist und tragen diese Erfahrung in die Gesellschaft hinein.

Ein Zentrum in der Leitung der Ordensoberenkonferenz (RSASS).

Das Zentrum, das vom Zusammenschluss der 46 Ordensgemeinschaften, die im Südsudan arbeiten, geplant und geleitet wird, setzt gerade da an wo das Land und die Menschen kranken. Die größten Herausforderungen sind: Feindschaft, Hass und Misstrauen unter den verschiedenen Volksgruppen, kaum ein Verständnis für ein Gemeinwohl und wie ein Staat funktionieren könnte, mangelnde Bereitschaft zur Versöhnung und damit keine Heilung von Menschenleben, das durch Krieg und blinde Gewalt zerstört worden ist. Eine allgegenwärtig militärische Kultur der Arroganz und Härte prägen das Bild des Landes. Die Orden, zusammen mit der Ortskirche, wollen einen Kontrapunkt setzen und das christliche Menschenbild für einen friedlichen Südsudan eindeutiger vorschlagen. Die Leitung des Zentrums wird deshalb eine Gruppe von Ordensleuten aus verschiedenen Kongregationen haben. Auch werden kirchennahe NGOs (Hilfswerke) die Möglichkeit haben, Kurse abzuhalten, die in das Zentrum inhaltlich (siehe Titel) passen. Auch werden regelmäßig für Ordensleute und Laien Exerzitien angeboten werden.

„Zusammensetzen, um sich auseinanderzusetzen“

Es gilt Menschen zusammenzubringen, deren Leben und Lebenswahrnehmung so unterschiedlich ist wie nur möglich. Es gibt, wie schon erwähnt, große Unterschiede innerhalb der Völker und Clans in Bezug auf die Kultur, die Lebensweise, die Konfliktaustragung. Missverständnisse, Rachegefühle und falscher Stolz sind die größten Stolpersteine auf dem Weg zu einem Miteinander. Ich glaube sagen zu können, dass die langen Kriege und der neue Bürgerkrieg die Menschen verroht haben. So ist das Menschliche ein Stückweit auf der Strecke geblieben. Über all die Jahre hat sich eine Kultur „des nur Überlebens“ (survival), die den anderen nicht sieht oder als Gegner und Feind sieht, entwickelt. Es braucht deshalb Versöhnung von Grund auf, Heilung und die Entfaltung menschlicher Qualitäten, die zwar in jedem Menschen als Fähigkeit da sind, aber in der Vergangenheit und im Krieg schwer unter die Räder gekommen sind. Der noch so junge und unentwickelte Staat braucht einen Neustart. Wir dürfen das Schicksal der Menschen nicht nur den machthungrigen Militärs und Politikern überlassen. Die Orden wollen beitragen, nach vielen Rückschlägen, eine bessere Gesellschaft helfen aufzubauen. Einige der Orden sind schon viele Jahre im Land (Comboni seit 1857), andere sind erst gekommen. Sie kommen um zu bleiben – im Gegensatz zur Arbeitsweise von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Die Menschen müssen „abgeholt“ werden, wo sie derzeit stehen. Das braucht Nähe zu den Menschen, Verständnis und Wertschätzung. Und gerade da ist Mission wieder aufs Neue gefragt.

Kongo, Krieg und unsere Handys

Der Shalompreis 2015 vom Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt geht an ein Projekt im Kongo. Thérèse Mema, Sozialarbeiterin und Trauma-Therapeutin, kümmert sich um Opfer sexualisierter Gewalt. Die diesjährige Shalom-Aktion hat am Sonntag, 19. April, mit einem Gottesdienst im Salesianum-Rosental begonnen. Die Preisverleihung ist am 20. Juni im Spiegelsaal der Residenz Eichstätt.

„Eure Handys haben etwas mit unserem Krieg zu tun“: Das sagt Thérèse Mema, die sich um vergewaltigte, traumatisierte Frauen kümmert. Sie kommt aus dem Land, das von den Vereinten Nationen als das gefährlichste Land für Frauen bezeichnet wird – aus dem Kongo. Vergewaltigung wird dort als „Waffe“ im Krieg eingesetzt, Rebellengruppen vertreiben die Zivilbevölkerung brutal.

In der Grenzregion des Ost-Kongo kämpfen verschiedene ethnische Gruppen ebenso wie das kongolesische Militär und paramilitärische Verbände der Nachbarländer, zum Beispiel Kämpfer aus Ruanda, die nach dem Völkermord 1994 dorthin flohen.

Aber welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Grausamkeit im Ost-Kongo und unseren Handys, Smartphones, Tablets und anderen elektronischen Geräten? Zur Halbleiterherstellung wird das seltene Erz Coltan benötigt. Im Ost-Kongo gibt es reiche Vorkommen an Wolfram, Gold, Diamanten – und Coltan.

Die Paramilitärs und Rebellen kontrollieren den Großteil der ungefähr 900 Minen, mehr und mehr wurden von ausländischen Firmen übernommen. Die Menschen aus den Dörfern werden gezwungen, die Erze mit Schaufeln, manchmal mit den bloßen Händen aus dem Boden zu holen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Roherze finanzieren die Paramilitärs Waffenkäufe. Über verschiedene Zwischenhändler landen die Erze in Mombasa/Kenia und werden zur Verarbeitung nach Asien transportiert. Der Profit der Händler am Ende der Kette ist groß.

Das Leid der vergewaltigten Frauen, manchmal auch Kinder, ist unsagbar. Die Sozialarbeiterin und Trauma-Therapeutin Thérèse Mema fährt in die Dörfer, in die Minen, und hört von unfassbaren Grausamkeiten, Verstümmelungen, die den versklavten Männern und Frauen angetan wurden und werden. Wer zu fliehen versucht oder sich verweigert, wird ermordet. Keine offizielle Stelle wie etwa Polizei, Regierung oder Soldaten, versuchen, das Schicksal der verschleppten Menschen aufzuklären. Manchmal retten vereinzelt Angehörige der Armee einige Verschleppte.

Thérèse Mema hat zusammen mit der Katholischen Organisation Justice et Paix in 18 Dörfern südlich von Bukavu Traumazentren errichtet. Sie hat sie Centre d’Ecoute – Orte des Zuhörens – genannt. Mit großem Einfühlungsvermögen und Zuneigung hört sie den gequälten Überlebenden zu. Die 31-jährige Sozialarbeiterin begleitet die Frauen ins Krankenhaus und leistet psychologische Hilfe. Therese Mema schulte Sozialarbeiter vor Ort, damit die in den Dörfern erklären, warum es gut ist, über die grausamen Erfahrungen zu reden. Justice et Paix wird vom katholischen Hilfswerk missio finanziell unterstützt. Damit die Traumazentren weiter bestehen können, ist jede Spende wichtig.

„Nein zu Blut-Telefonen“ ist eine Aktion im Kongo, die von missio auch in Deutschland publik gemacht wird und Thérèse Mema ein großes Anliegen ist. Illegal gefördertes Erz soll nicht verwendet werden. Ein Artikel in der Frauenzeitschrift Brigitte mit einer Reportage über den Zusammenhang zwischen „ihrer Hölle und unseren Handys“ wie es in der Überschrift hieß, rüttelte viele Menschen auf.

Mehr zum Thema: AK-Shalom

Machen wir es wie Gott, werden wir einfach zum Menschen

Schon wieder ist es Weihnachten: Gott wird in Jesus Christus Mensch, damit auch wir den Weg, die Wahrheit und das Leben finden, das uns zum wahren Menschen macht. Ich hoffe, wünsche und glaube, dass wir dieses An­gebot im persönlichen Bereich gerne annehmen. Wenn ich aber das Welt­szenario an­schaue – Ukraine, IS, Ebola in Afrika und ein militarisierter Südsudan –, dann muss ich feststellen, dass ein Friede, der ja Menschsein erst möglich macht, in anscheinend unendliche Ferne gerückt ist.

Bruder Hans Eigner im Südsudan. Foto: Privat
Frieden aufbauen: Bruder Hans Eigner im Südsudan. Foto: Privat

Seit knapp einem Jahr bin ich in einem rauen Teil Afrikas. Den Südsudan kann ich nicht mit anderen Ländern Afrikas vergleichen. Schon das Klima hier ist extrem und nur selten ist die Kleidung am Körper trocken. 40 Jahre Krieg haben Schlimmes an den Menschen hier verursacht. Vor dreieinhalb Jahren kam es zur endgültigen Trennung zwischen dem schwarzafrikani­schen Süden und dem arabischen Norden, der die Menschen des Sü­dens schon seit der Zeit des Sklavenhandels als Menschen zweiter, besser dritter Klasse betrachtet hat. Doch die überschwängliche Freude der Unab­hängig­keit ist seit einem Jahr ernüchtert, denn im jüngsten (54.) Staat Afri­kas ste­hen sich die zwei Hauptstämme feindlich gegenüber. Die vielen klei­nen Stämme im Süden haben nicht viel zu melden. Es herrscht Bürgerkrieg, der vor allem in den Gebieten des Nordens stattfindet, wo die Ölquellen sind. Die Rauigkeit, die im ganzen Land zu spüren ist, färbt auf alle Gesellschafts­schichten ab und ich glaube, dass auch ich nicht verschont bleibe. Es ist kein Wunder, dass sich in so einer Situation eine Kultur des „Überlebens“ ent­wi­ckelt. Jeder kämpft sich irgendwie durch. Einen Sinn für das Gemein­wohl gibt es wenig, somit ist jedem und jeder der eigene Stamm näher als der Staat, der sich in kürzester Zeit zu einer Diktatur entwickelt hat. Ganz im Sinn des Überlebens gilt das Gesetz des Mose: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Trotz der grundsätzlich religiösen Haltung der Leute greift der Glaube meines Er­achtens wenig in den Lebensvollzug ein. Die Botschaft eines Got­tes, der selbst die Feindesliebe fordert, klingt wie von einem anderen Stern. Und doch ist nur so die Kette der Feindschaft und des Hasses langsam zu durch­brechen. Aber wer fängt an, gibt nach und gibt sich als der Schwä­chere? Für die Militärs ist das schier unmöglich.

Es gibt hier unzählige (Hilfs)-Organisationen, die für die Menschen arbei­ten, aber kaum jemand tut etwas für die wahrhaft menschliche Entwicklung. Doch nur durch mühsame Arbeit mit den Menschen kann es eine Verände­rung geben. Die viel gepriesene Kirche des Südsudans, die die Zeit der Kriege (1956-1972 und 1984-2005) überstanden hat, hatte ihre Einheit vor allem durch den gemeinsamen Feind im arabischen Norden. Jetzt mer­ken wir, dass sich diese Kirche mehr auf die tieferen Werte des Glaubens besinnen muss (Versöhnung, Menschenwürde, Respekt des anderen). Mission hier muss neu überlegt werden. Zu viel läuft an der Oberfläche und im Rituellen ab, verändert aber nicht die Situation und greift nicht in das Leben der Men­schen ein. Vielleicht bin ich mit meinem Urteil zu hart und die Menschen hier sind mehr traumatisiert, als ich es wahrnehmen will und kann.

Friedensarbeit durch Bildung

Wir sind hier eine gute Gruppe von 55 Comboni-Missionaren und kommen aus allen Teilen der Erde. Schon immer war es das Anliegen der Missionare völker- bzw. stammesverbindend zu arbeiten, denn dies ist die Grundlage des christlichen Glaubens. 150 Jahre sind wir Comboni-Missionare nun tätig in diesem Land – mit Höhen und Tiefen.

In meiner praktischen Tätig­keit geht es häufig um die Be­ratung, Planung und Aus­führung von Gebäuden. Gerade hier in den heißen und schwü­len Tropen ist es wichtig, die Gebäude entsprechend zu pla­nen. So kann ich hier meinen Beruf gut einsetzen. Immer ha­ben wir Comboni-Missionare die schu­lische Bildung als den entscheidenden Faktor gese­hen. Heute mehr denn je ist die Bildung der Weg hin zu einem friedlichen Miteinander. Aus diesem Grund bin ich glücklich, in verschiedenen Projekten arbeiten zu können, die alle ein guter Beitrag für den Frieden sind. Meist geht es um Schulen, Begegnungsorte für die Jugend und auch um ein Zentrum für Friedensarbeit und die Be­wältigung von Trau­mata. In den Camps am Stadtrand von Juba leben nach den schweren Massa­kern im Dezember 2013 rund 32.000 Menschen vom Stamm der Nuer. Sie wer­den ver­sorgt und beschützt durch die Vereinten Na­tionen (Blauhelme). Es gibt viele Spannungen im Lager. Vor allem die Ju­gend ist ungeduldig und sucht nach Alternativen und Perspektiven. Wir helfen mit wo, immer es nur geht.

Kinder und Jugendliche erhoffen sich viel von der Bildung, denn sie möchten nicht wie ihre Väter, immer mit der Waffe in der Hand, leben. Der Bau eines Zentrums, ganz in der Nähe der Flüchtlings­lager, wo wir gezielt Jugendarbeit machen werden, ist uns wichtig. Jugend­liche brauchen eine Führung. Gute Unterhaltungs- und Bildungs­angebote gibt es nicht, und viele Ju­gend­liche erfahren sich gelangweilt, ver­gammeln oder kommen auf dumme Gedanken. Gleichzeitig wollen sie nicht wieder in einen Krieg gezo­gen wer­den. Einfache Antworten gibt es hier nicht. Wir wollen den Jugend­lichen hel­fen, bessere Aussichten für das Le­ben zu finden. Das geht am besten, wenn wir uns auf sie einlassen und uns mit ihnen auseinandersetzen.

So versuche ich, hier wie Ihr an Euren Orten dem Leben gerecht zu werden. Die Arbeit kostet manchmal viel Kraft und es bleiben Fragen offen, weil man doch nicht weiß und versteht, was im Kopf der Menschen wirklich vor sich geht. Aber mit Gottes Hilfe gibt es ein bisschen Erfolg und Früchte. Auch merke ich, dass das Vertrauen wächst. Ich danke Jeder und Jedem, die/der mitgeholfen hat, mich und unsere Arbeit hier in diesem Jahr zu unterstützen. Ein ganz herzliches Vergelt’s Gott! Friede ist möglich.

Es ist so gut zu wissen, dass Gott uns immer – egal wo wir gerade stehen – ent­gegenkommt. So wünsche ich Euch ein gesegnetes, friedenbringendes und freudiges Weihnachtsfest. Die drei Sterndeuter sind dem Stern gefolgt. Hän­gen wir doch auch „unseren Karren“ an den richtigen Stern. So be­kommt unser Leben die richtige Richtung und hat auch ein Ziel.

Für das Neue Jahr 2015 wünsche ich Euch Gesundheit, Gelassenheit, Geduld, Freude, Froh­sinn, Friede und Gottes reichen Segen. Machen wir es wie Gott, werden wir einfach zum Menschen.