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Papst Franziskus in Bolivien – ein Besuch wie ein Wunder

Der Besuch von Papst Franziskus brachte – positiv – ganz Bolivien durcheinander. Alles drehte sich um den Papst. Sein Besuch war der pastorale Brennpunkt, der auch entsprechend vorbereitet werden musste. Die Vorbereitungszeit war kurz: nur gut drei Monate. Aber Bolivien machte es möglich, schließlich ist es “Weltmeister “ im Improvisieren. Trotz mancher Pannen ging alles gut, fast bestens!

Der Papst kam am Mittwoch, 8. Juli, am Nachmittag von Ecuador aus nach Bolivien. Vom Flugplatz El Alto, auf rund 4000 Meter Höhe, ging es hinunter nach La Paz, wo er sich mit Staatspräsident Evo Morales traf und eine Rede in der Kathedrale hielt. Auf dem Weg machte er kurz Halt dort, wo man den Jesuitenpater Luis Espinal ermordet aufgefunden hatte. Noch am späten Abend flog er nach Santa Cruz, wo ihn die Menschen begeistert empfangen haben. Er selbst logierte mit einigen wenigen Mitarbeitern im Haus von Kardinal Julio Terrazas, der  selbst aber schwerkrank das Krankenhaus nicht verlassen konnte. In der Nacht des 10. Juli machte der Papst einen Besuch am Krankenbett. Einige Kardinäle und Bischöfe waren hier bei uns – den Franziskanern –  in unserem neuen Exerzitienhaus untergebracht. Zuvor war eine Kommission aus Rom da, die alles besichtigt und begutachtet hatte. Für uns Franziskaner war dies eine Ehre, aber wir hatten auch viel vorzubereiten.

Am Donnerstag, 9. Juli, war die große Papstmesse fast im Zentrum der Stadt, wo ein großes Christusdenkmal an den Eucharistischen Kongress erinnert. Es kamen Leute aus ganz Bolivien und auch aus den Nachbarländern. Man spricht von mehr als einer Million Teilnehmern. Der Papstaltar wurde nach dem Vorbild der Fassade von Concepcion gebaut. Concepcion ist eine alte Jesuitenreduktion aus dem 18. Jahrhundert und Weltkulturerbe (Ich war dort 26 Jahre als Kaplan und “Dompfarrer”  tätig). Rund 900 Jugendliche sangen und musizierten bei der Papstmesse, darunter auch der Chor und das Orchester aus Concepcion und anderen Dörfern der Chiquitano- und Guarayos-Indianer.

In der Sporthalle der Salesianer fand ein Treffen des Papstes mit den Priestern, Schwestern und Seminaristen statt. Ein Chor aus Ordensleuten (Brüder und Schwestern) bereitete einige Lieder vor. Nach einigen Proben bat man auch mich, mitzusingen, da die Männer Verstärkung brauchten. Was sollte ich machen? Und so sang ich für den Papst!

Weitere Treffen waren dann mit  den sozialen und indigenen Bewegungen, ein Besuch im großen Gefängnis Palmasola und eine Begegnung mit den Bischöfen.

Was kann man zu so einem Besuch sagen?

  • Nach der Papstmesse wurde ein Kind gefragt, was denn der Papst gesagt habe. “Er ist so bescheiden“, lautete die Antwort. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, was er gesagt hat, sondern dass er bei uns in Bolivien war, dass er als bescheiden empfunden wird, als einer des Volkes, der trotz aller Sicherheitsvorkehrungen den Kontakt zum einfachen Volk sucht. Nach dem Treffen mit den Ordensleuten zeigten mir zwei unserer Schwestern Fotos mit dem Papst. Je eine Schwester und der Papst, und sonst niemand. Wo ist das schon möglich? Ein Papst des Volkes!
  • Es ist schon sehr erstaunlich, dass der Papst mit seinen 78 Jahren und einer halben Lunge so ein Mammutprogramm in drei Ländern (Ecuador, Bolivien und Paraguay) überhaupt durchsteht. Manchmal merkte man ihm aber schon an, dass er müde war.
  • Der linksgerichtete Präsident Boliviens, Evo Morales, ließ es sich nicht nehmen, möglichst oft zusammen mit dem Papst zu erscheinen. Und als der Papst Bolivien und Chile zum Dialog aufrief, über die Rückgabe des Meeres an Bolivien zu reden, so war dies schon für die Bolivianer und die Regierung ein Erfolg. Doch ein Geschenk des Präsidenten sorgte für Schlagzeilen, ist umstritten und wird noch viel diskutiert werden: Hammer und Sichel und das Kreuz darauf! Manche behaupten, der Papst sei darüber nicht erfreut gewesen, habe aber nichts gesagt.
  • Bei den gesellschaftlichen Gruppierungen hielt er eine lange Rede zu den sozialen Problemen und Spannungen und der Aufgabe aller, dass es keine “Ausgeschlossenen” gebe. Alle hätten ein Recht auf Land, Dach und Arbeit. Die Kirche habe dazu keine Rezepte, doch alle Gruppierungen müssten im Dialog Lösungen finden. Der Papst entschuldigte sich für die Sünden der Kirche, die im Zusammenhang mit der Eroberung gegen die Ureinwohner begangen worden seien. Doch fehlten auch nicht die Männer und Frauen der Kirche, die sich für sie eingesetzt hätten.
  • Zwar sagte der Papst in seiner Messe kein Wort über das Gerichtswesen in Bolivien, doch sprach der Erzbischof von Santa Cruz die korrupte Justiz an. Dass der Papst das große Gefängnis Palmasola besuchen wollte, spricht für sich. Und dass man für den Papstbesuch dort  alles  auf Hochglanz brachte, ist  fast unwichtig: Es geht darum,  gegen Rauschgift, Gewalt, Verbrechen, Zerstörung der Umwelt, Korruption,  Armut, Auswanderung, Ungerechtigkeiten auch in der Justiz und der Regierung etwas zu tun.
  • Es geht dem Papst darum, “Mauern einzureißen und Brücken zu bauen”. Wie Recht er doch hat. Was wird Bolivien jetzt tun? Wird man etwas tun, viel tun… einen positiven Wandel ernsthaft anstreben? Der Papst und der Präsident reden vom “Wandel”, doch verstehen beide darunter dasselbe?

Nach 27 Jahren war wieder ein Papst bei uns in Bolivien. 1988 war es Papst Johannes Paul II.. Der Besuch des Papstes war wie ein Wunder! Der Papst kam – und ging. Wir aber bleiben: nachdenklich und froh.  Und mit der Mission des Papstbesuches: Mit Franziskus verkünden wir die Freude des Evangeliums – auch Morgen und Übermorgen. Der Papst sagt auch: „Lasst Euch die Hoffnung und die Freude nicht nehmen!“

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Papst Franziskus und die Kirche in Bolivien

Nach dem Start seiner Lateinamerikareise am Wochenende in Ecuador ist Papst Franziskus vom Mittwoch, 8. Juli, bis Freitag, 10. Juli, in Bolivien zu Gast. Das Andenland ist auf den Besuch aus Rom gespannt.

Man sagt – zu Recht oder Unrecht – dem linksgerichteten Präsidenten Boliviens, Evo Morales, gute Beziehungen zu Papst Franziskus nach. Andererseits wird es wahrscheinlich so sein, dass Morales alles nutzt, was bei den Wählern zu seinen Gunsten ist. Mit dem Papst im Fernsehen oder in der Presse zu erscheinen ist natürlich vorteilhaft. Denn der Präsident hat sich des Öfteren mit den „Hierarchen“ der Kirche, sprich Bischöfen, angelegt. Und die Kirche wird einfach allgemein mit den Eroberern Amerikas vor 500 Jahren gleichgesetzt. Eine Gegenbewegung von Seiten der Regierung gegen die Kirche ist eindeutig erkennbar, auch wenn man meistens eher schweigend miteinander umgeht.

Bolivien hat einen einzigen Kardinal, Julio Terrazas, und er ist auch Bolivianer. Allerdings ist er fast 80 Jahre alt und schwer krank. In seiner guten Zeit war er ein echtes Sprachrohr auch in politischen und gesellschaftlichen Streitigkeiten. Dieses Sprachrohr und Gewissen fehlt momentan in der Kirche und Gesellschaft Boliviens.

Nach wie vor ist die bolivianische Kirche sehr stark engagiert in Schule, Gesundheit und anderen sozialen Bereichen. Ohne Zweifel lebt man die von der Befreiungstheologie geprägten „Option für die Armen” – also eine Kirche für die Armen. Andererseits gelingt es nicht, die gesellschaftlichen Strukturen so zu ändern, dass es eine flächendeckende Verbesserung zugunsten der Armen gibt. Staatlicherseits tut sich praktisch kaum etwas in dieser Hinsicht. Zwar gibt es einige neue Versicherungen im Gesundheitswesen, doch die staatlichen Krankenhäuser funktionieren nur sehr schlecht – wie immer. Arbeitsplätze werden nicht geschaffen, und so steigt die Arbeitslosigkeit weiter. Rauschgiftanbau und -Vermarktung wird zwar bekämpft, doch geht alles weiter, und man spricht von Tonnen. Das Rechtswesen steht ziemlich unter dem Einfluss der Regierung.

Und die Kirche? Sie tut ihre Arbeit. Momentan scheint es, dass man Konflikte vermeiden will, da wahrscheinlich doch nichts erreicht werden kann. Da die Regierung die Kirche eher im Schulwesen zurückdrängen will, sieht man es als klug an, vorerst in Ruhe weiterzuarbeiten.

Natürlich leidet auch die bolivianische Kirche unter Priestermangel. So sind wir Franziskaner in den letzten 25 Jahren von rund 200 auf nur noch 100 Ordensangehörige geschrumpft, und dazu sind die meisten alt oder krank. Die Zahl der einheimischen Mitbrüder nimmt zwar etwas zu, doch wir sind dabei, Pfarreien und andere Einrichtungen abzugeben. Die Frage ist: an wen? Die Bischöfe haben auch keine Priester und die Priesterseminare sind fast leer. So sind die ausländischen Priester – trotz ihres Alters – noch die große Stütze der Kirche Boliviens.

Erfreulich ist allerdings, dass sich viele Laien stark engagieren. So gibt es viele jugen Katecheten in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung. Eltern und Paten werden von Laien auf die Taufe vorbereitet. Gebetsgruppen fördern das spirituelle Leben und sind auch in Pastoral und Sozialarbeit aktiv. Da es praktisch keine Orgeln und auch keine bezahlten Organisten gibt, gibt es überall Jugendliche, die in den Liturgien die Musik machen.

Es gibt in Bolivien keine Kirchensteuer, und dies in einem armen Land. Wie soll sich die Kirche selbst finanzieren? Das ist ein großes Problem, und es wird noch größer, wenn die ausländischen Priester ausfallen und damit auch die finanzielle Unterstützung. So spricht man zunehmend vom “Zehnten”, eine Abgabe, die schon im Alten Testament auftaucht, und hier auch von vielen Sekten praktiziert wird. Tatsächlich gibt zunehmend Gläubige, die nicht nur bei der Kollekte in der Messe etwas spenden, sondern auch immer wieder größere Spenden geben.

Kirche in Bolivien? Wir sind gespannt, was uns der Papst, der ja Südamerikaner und als Argentinier unser Nachbar ist, zu sagen hat. Nicht alles wird der Regierung schmecken, und sicherlich auch nicht der Kirche. Wir dürfen also wirklich gespannt auf den Papstbesuch sein.

Fanpage auf Facebook zum Papstbesuch in Bolvien

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Bolivien – Evo Morales und die Kirche

Ende Oktober 2014 hat Papst Franziskus den linksgerichteten bolivianischen Präsident Evo Morales am „Welttreffen der Volksbewegungen“ in Rom begrüßt. Morales war einer der Hauptredner des Treffens und wurde später vom Papst zu einem privaten Gespräch empfangen. Bereits 2010 hatte der damalige Papst Benedikt XVI. ihm im Vatikan eine Privataudienz gewährt. Man kann davon ausgehen, dass Präsident Morales, wie die Mehrheit seiner Landsleute, katholisch, zumindest getauft und nicht aus der Kirche ausgetreten ist. Wie aber steht er politisch zur Kirche?

Evo Morales bei Papst Franziskus. Foto: Gabriela Bonus/movimientospopulares.org
Boliviens Präsident Evo Morales bei Papst Franziskus. Foto: Gabriela Bonus/movimientospopulares.org

 

Evo Morales stammt aus dem Hochland, aus einem Indianerdorf in den Anden, also nicht aus einer Stadt. Bis heute sind dort – trotz Kirche – viele religiöse Bräuche von den ehemaligen Indianerkulturen und -religionen geprägt. Oft ist es einfach ein Synkretismus, also eine Vermischung verschiedener Religionen.

Morales war Vorsitzender (und ist es immer noch!) der Kokabauern-Gewerkschaften. Diese haben ihn gleichsam auf den Thron gehoben. Dazu kam auch, dass er sich vehement für die Indianer einsetzte, was sicherlich gut war und ist. Viele haben ihn gewählt, weil „er einer von uns ist”, das heißt, endlich ein Indianer als Präsident. Politische Programme interessieren in Bolivien wenig und sind auch kaum bekannt. Es spielt sich in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens vieles aufgrund von Gefühlen und nicht von Kriterien und Argumenten ab.

Seine politischen Freunde, Vorbilder und Ziehväter sind Fidel Castro und Hugo Chavez (ehemaliger Staatspräsident Venezuelas). Es ist also eine linke, kommunistische Politik und Partei, die das Sagen hat. Morales‘ Partei nennt sich MAS (Movimiento al socialismo = Bewegung hin zum Sozialismus). Doch welche Art von Sozialismus ist das oder hat er im Kopf?

Sein Problem ist, dass er zu sehr ideologisch vom Kommunismus geprägt und gefangen ist. Von daher kommt sicherlich auch seine ständige Abneigung gegen die katholische Kirche. Dies wird verstärkt durch die dunklen Seiten der Eroberung durch die Spanier, bei der die Kirche auch wirklich nicht immer gut agiert hat: Kreuz und Schwert! Positives in der Geschichte sieht Evo Morales natürlich nicht oder kennt es einfach auch nicht, zum Beispiel das gesellschaftliche Konzept der Jesuitenreduktionen (Siedlungen für die indigene Bevölkerung), die heute zum Weltkulturerbe gehören. (Ich war 26 Jahre in Concepcion tätig, einer der ehemaligen Jesuitenreduktionen, von Franziskanern restauriert). Auch was die Kirche seit den Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen von Medellin (1968) und Puebla (1979) an Positivem für die Armen und die Indianer getan hat und tut, kennt oder schätzt Evo Morales nicht. Kirche ist für ihn einfach “Kolonisation” und deshalb muss sie verschwinden.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die katholische Kirche immer eine kritische Haltung – auch öffentlich – gegenüber politischen Missbräuchen gewahrt und zum Ausdruck gebracht. Auch in Zeiten der Diktaturen! Natürlich tut sie dies auch gegenüber Evo Morales und seiner Regierung (auch da gibt es Missbräuche). Da die MAS so gut wie die ganze starke Opposition ausgeschaltet hat, ist fast nur noch die Kirche als “Opposition” geblieben, und ist damit Ziel so mancher Attacken. Die Angriffe richten sich meistens gegen die „Jerarcos“ (Hierarchie-Bischöfe). So versucht man, einen Keil zwischen die Basis und die kirchliche Führung zu treiben. Das geht so weit, dass sogar eine Art national-katholische Kirche gefördert wird. Als Zeichen der Abgrenzung von der Kirche hat man beim Vaterlandstag in Sucre (offizielle Hauptstadt Boliviens) während der Messe im Dom, an der normalerweise immer auch die politische Führungspersönlichkeiten teilgenommen hatten, auf dem Platz einen eigenen Wortgottesdienst mit den Anführern verschiedener Sekten und Präsident Evo Morales organisiert – und ohne die Kirche!

Es bleibt abzuwarten, was demnächst passiert, da sich Kuba und Nordamerika annähern und Venezuela finanziell am Abgrund steht. Da wird es auch schwieriger für Evo Morales. Doch ob dies etwas in seiner Einstellung zur Kirche ändert, ist fraglich.