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Heiliges Grab aus Eichstätt wird in der Ukraine nachgebaut

Die Eichstätter Version des Heiligen Grabes in der Heilig-Kreuz-Kirche steht nun auch in der Ukraine: Im Marienwallfahrtsort Zarvanytsja entstand in den letzten Jahren eine Kopie. Die Idee dazu hatte der Metropolit von Ternopil, Vasyliy Semenyuk, vor längerer Zeit. Der Plan war die heiligen Stätten von Jerusalem in der Ukraine nachzubauen und sie für die Verehrung in der Ukraine zugänglich zu machen.

Kopie des Heiligen Grabes von Eichstätt

Bei den Planungen entschied man sich das Heilige Grab von Eichstätt der jetzigen Version in Jerusalem vorzuziehen. Beim Eichstätter Bau handelt es sich nämlich um eine Kopie des ursprünglicheren Zustands – das Heilige Grab in Jerusalem erfuhr im Laufe der letzten Jahrhunderte immer wieder Renovierungen, die sich auch in veränderter äußeren Gestalt des widerspiegelten. Das Heilige Grab in der Eichstätter Heilig-Kreuz-Kirche ist ein leicht verkleinerter, sonst aber detailgetreuer Nachbau des Heiligen Grabes in Jerusalem, wie es im 12. Jahrhundert ausgesehen hat. Der Bau ist aufgrund seiner Genauigkeit und seines guten Zustandes einzigartig.

Parallele zwischen Eichstätt und Zarvanytsja

Der Grund für den Bau einer Kopie des Heiligen Grabes war sowohl in Eichstätt (1166) als auch in der Ukraine (2014-2018) der gleiche: die heiligen Stätten des Lebens, des Leidens und der Auferstehung Jesu Christi für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer nicht reisen oder pilgern können, in die Heimat zu bringen und auf diese Weise das geistliche Leben und die Frömmigkeit zu fördern. Nach wie vor ist es so, und wird wohl aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage noch lange sein, dass es für viele Gläubige – orthodox oder katholisch – in der Ukraine nicht möglich, nicht erschwinglich ist, ins Heilige Land zu reisen.

Wie die Idee entstand

Bei einem der Besuch des Collegium Orientale im Jahr 2013 erzählten Rektor Paul Schmidt und Vizerektor Oleksandr Petrynko dem Erzbischof Semenyuk und seinem Begleiter, dem Wallfahrtsrektor von Zarvanytsja, Volodymyr Firman, von dem Heiligen Grab in Eichstätt. Dabei stand die Geschichte der Entstehung des Hl. Grabes in Eichstätt und seine gottesdienstlich Verwendung im Mittelpunkt. Nach der Besichtigung des Grabes haben die beiden Gäste für dieses Modell Feuer gefangen. Dieses Grab sollte auch in der Ukraine stehen. Rektor Paul Schmidt vermittelte die Zeichnungen vom Diözesanbauamt, wofür die Architekten in der Ukraine vor Ort sehr dankbar waren. Die Architekten haben einige Monate später die ehemalige Kapuziner nochmals besucht, um sich das Realbild des Grabes vor Augen führen zu lassen und auch die letzten Messungen vorzunehmen, bevor es in der Ukraine dann konkret an die Planungen und den Bau ging.

Der Marienwallfahrtsort Zarvanytsja

Die Kopie des Heiligen Grabes von Eichstätt steht in Zarvanytsja. Der Ort entwickelte sich zum größten Marienwallfahrtsort in der Westukraine. Seine Gründung geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Ein Mönch aus dem Höhlenkloster in Kiew, der wie viele seiner Mitbrüder vor der Mongoleninvasion auf der Flucht in den Westen war, machte einen Rast im Wald: Am heutigen Ort des Dorfes Zarvanytsja. In einem Traum erschien ihm die Gottesmutter und teilte ihm mit, dass dies ein besonderer Gnadenort ist. Vom Schlafe erwacht, ließ er sich mit einigen Mitmönchen hier nieder und erbaute hier über der Quelle eine Marienkapelle mit einer Marienikone, vor der in den nachfolgenden Zeiten und bis heute viele Menschen Heilungen erfuhren und erfahren.

Nachdem die ukrainische griechisch-katholische Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 von den Sowjets verboten wurde, wirkten viele Gemeinden in den Untergrund. Einer der Untergrundpriester war auch Vasyliy Semenyuk, der mit vielen Gläubigen nachts heimlich kleinere Wallfahrten in den Wald von Zarvanytsja durchführte. Auf diese Weise bewahrte dieser geschichtliche Ort der Volksfrömmigkeit auch in der kirchenfeindlichen Zeit der Sowjetunion. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1990 hatte sich Semenyuk – als Rektor des Seminars und auch als Erzbischof von Ternopil – des Wallfahrtsortes angenommen, baute die Stätte wieder auf und erweiterte sie nun durch das „ukrainische Jerusalem“.

Die Einweihung des Heiligen Grabes

Am 27. August wurde die Kopie des Heiligen Grabes in Zarvanytsja eingeweiht. Dieses Datum wurde von der Erzepsrchie Ternopil-Zboriv bewusst ausgewählt: der Vorabend des 28. Augustes, Hochfestes der Entschlafung Mariens (Himmelfahrt Mariens nach dem julianischen Kalender). An diesem Marienfest im Sommer wallfahren viele Gläubigen nach Zarvanytsja. Die Einweihung hat eine sehr positive Resonanz hervorgerufen, so dass am Nachmittag und Abend der Einweihung ca. 55.000 bis 60.000 Pilger vor Ort waren – eine unvergessliche und bewegende Atmosphäre!

Die Einweihung hat das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Patriarch und Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk, im Beisein von einigen Bischöfen und ca. 100 Priestern und Diakonen vorgenommen. Nach einer Marienandacht in der Hauptkirche und der Prozession zur eigentlichen Stätte des „ukrainischen Jerusalems“ wurde die Segnung des Grabes und der gesamten Stätte liturgisch vollzogen. Daran schlossen sich die Eucharistiefeier und die Lichterprozession mit Fürbitten und Gesängen an. Die Seminaristen von Ternopil übernahmen die gesangliche Gestaltung.

Der Großerzbischof Sviatoslav ging in seiner Predigt bei der Einweihung auf das Thema „Pilgern nach Jerusalem“ ein. Wie ein roter Faden zog sich dabei der Gedanke, dass die Menschen nach Jerusalem im Heiligen Land, aber auch zum ukrainischen Jerusalem pilgern, um um Frieden zu beten und ihn als die kostbarste Gabe von Gott zu erlangen. Ob das israelische Volk von damals, ob die die Völker von heute im Heiligen Land oder die ukrainischen Pilger in Zarvanytsja – sie alle pilgern nach Jerusalem mit ihren persönlichen Sorgen und den Sorgen der Menschheit zu beten und Frieden zu erlangen.

Als ein besonderer und hoher Gast war der derzeitige Kustos der Franziskaner im Heiligen Land, Francesco Patton, in Begleitung von zwei Mitbrüdern dabei. Er hat einen Stein aus der Grabeskirche in Jerusalem mitgebracht, der als Reliquie an der Heiligen Stätte in der Ukraine eingebaut wird.

Aus Eichstätt waren bei der Einweihung Domkapitular Wolfgang Hörl, der Bischof Gregor Maria Hanke OSB offiziell vertrat, sowie die Leitung und Studenten des Collegium Orientale vor Ort in der Ukraine. Nach der Einweihung wurde der offizielle Gruß von Bischof Hanke von Domkapitular Hörl mit Übersetzung ins Ukrainische vorgetragen. Darin wurde die Botschaft vom leeren Grab für den Glauben betont, die uns von der Auferstehung und dem Sieg über dem Tod zeugt. Die Errichtung des Heiligen Grabes von Jerusalem in der Ukraine nach der Vorlage von Eichstätt sei ein positives Zeichen der guten Beziehungen und Verbindung zwischen dem Bistum Eichstätt mit seinem Collegium Orientale und der gesamten ukrainischen griechsch-katholischen Kirche.

Nach Eichstätter Vorbild ist in der Ukraine eine Nachbildung des Hl. Grabes entstanden.
Nach Eichstätter Vorbild ist in der Ukraine eine Nachbildung des Hl. Grabes entstanden.
Nach Eichstätter Vorbild ist in der Ukraine eine Nachbildung des Hl. Grabes entstanden.
Nach Eichstätter Vorbild ist in der Ukraine eine Nachbildung des Hl. Grabes entstanden.

Der Heilige Geist – ein wahrer Freund

Ein Freund, auf den man sich uneingeschränkt verlassen kann?! Gibt es ihn, den wahren, echten Freund? Und was wären seine Eigenschaften?

Bei einem echten Freund denke ich an eine Person, der ich vollkommen mein Vertrauen schenken kann. Ich kann mich ihm öffnen mit all meinen Freuden und Leiden; dies gilt auch umgekehrt. Er versteht mich, nimmt mich mit, trägt mich mit und hilft mir. Wir schätzen uns gegenseitig, wir fördern und stützen uns. Doch ein wahrer Freund ist auch einer, der mir nicht nur nach dem Mund redet. Er ist auch derjenige, der mich bei allem Verständnis korrigiert, wenn nötig leitet und schützt. Er weist mich auf meine Schwächen hin und wirkt entgegenkommend, verständnisvoll, beugt Gefahren vor. Er nimmt mich in mancher Situation auch vor mir selber in Schutz, indem er mich berichtigt und mit mir versucht, meine Fehler zu korrigieren. Dies macht ihn eben als echten Freund aus. Wir kennen uns durch und durch. Im Regelfall kennt man sich in der Freundschaft besser als in der Verwandtschaft.

Eine grundlegende und noch nie da gewesene Wende im Denken und in der menschlichen Existenz vollzog unser Herr Jesus Christus dadurch, dass er uns Menschen  zu Freunden Gottes machte. „Nicht mehr Knechte nenne ich Euch, … sondern Freunde“, sagte er, der menschgewordene Gott (vgl. Joh 15,15) in seinen Abschiedsworten an seine Jünger. Diese richtete er nicht nur an die Zwölf, an die er sich damals direkt wandte, sondern auch an alle, die ihn in der Taufe angezogen haben (vgl. Gal 3,27). Nicht nur die Zwölf sind seine, Gottes Freunde geworden, sondern „alle, die durch ihr Wort an mich glauben“ (Joh 17,20). Dies sagte Jesus im gleichen Augenblick auch. Und noch mehr: Jesus verspricht eine unerschütterliche Fortdauer seiner Freundschaft mit uns, in der wir zuversichtlich sein dürfen. „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit“ (Joh 14,16f.). Dieser Beistand, der Freund, begleitet uns durch unser Leben.

Diese Aussage Jesu bildet für meine Begriffe die Grundlage für den einmütigen Zugang der West- wie auch der Ostkirchen zum Heiligen Geist. Damit ist die durch den Tod und die Auferstehung zum Guten gewandelte Beziehung der Menschen zu Gott und untereinander gemeint. Gott ist ein wahrer Freund der Menschheit und der Heilige Geist ist ein Bürge dafür. Beide Charakteristika einer Freundschaft gehören dabei dazu: das Verständnisvolle und das Korrigierende, das Entgegenkommen und das, was Grenzen setzt, die liebevolle und achtsame Zuwendung, aber auch das mahnende, mitunter unangenehme Wort. Der Heilige Geist verbindet in sich diese zwei Eigenschaften, mit denen er von Jesus Christus uns gesandt und geschenkt wird. Er ist Tröster-Freund und er ist ein Freund, der uns in die Wahrheit führt, vor allem in die über uns selber.

So besingt ihn die Westkirche im Lied „Veni creator spiritus“: „Der du der Tröster wirst genannt, vom höchsten Gott ein Gnadenpfand, du Lebensbrunn, Licht, Lieb‘ und Glut, der Seele Salbung, höchstes Gut.  O Schatz, der siebenfältig ziert, o Finger Gottes, der uns führt, Geschenk, vom Vater zugesagt, du, der die Zungen reden macht.“

Auch die Ostkirche steht hier nicht nach. Aus einem ihrer kurzen – daher auch uralten – pfingstlichen Hymnen hat sie gleichsam ein Einleitungsgebet für jeden Tag gemacht und betet ihn in jedem Tagzeitengebet. In diesem wendet sie sich an den Heiligen Geist mit folgenden Worte: „Himmlischer König, Du Tröster und Geist der Wahrheit, der Du überall bist und alles erfüllst, Schatzkammer der Güter und Spender des Lebens: Komm und nimm Wohnung in uns, mach uns rein von jedem Makel, und rette, o Gütiger, unsere Seelen.“ Die inhaltlichen Parallelen zu dem westkirchlichen Liedgut sind für mich unübersehbar.

Möchtest Du Deinen Freundeskreis, falls dies noch nicht der Fall ist, um einen weiteren allmächtigen und wahren Freund erweitern? Dann verrate ich Dir einen Tipp dazu. In der Pfingstzeit ist es möglich, den Heiligen Geist, den Tröster und den Geist der Wahrheit, den wahren Freund, zu erlangen. Und dies geschieht im Gebet – im Verweilen mit ihm, was für das Entstehen einer jeden Freundschaft gilt. Und sollte der Heilige Geist bereits zu Deinen Freunden gehören, so ist die Pfingstzeit ein gut geeigneter Moment, Deine Freundschaft mit ihm zu vertiefen und seinen tröstenden und wahren Worten aufmerksam zu lauschen.

 

„Ein ständiges Kommen und Gehen“

Zumindest in kirchlichen Kreisen, aber auch darüber hinaus, höre und lese ich oft im Advent den Gruß: ‚Eine besinnliche Adventszeit!‘. Was ich jedoch täglich erfahre, ist weit davon entfernt, besinnlich zu sein; gerade wenn es auf Weihnachten zugeht. Es muss ja so viel noch erledigt werden. Gerade am Ende eines Kalenderjahres sollten die ideellen und materiellen Bilanzen stimmen und die Familie, die Freunde sowie die einem im Dienst und im Leben Anvertrauten einigermaßen zufriedenstellend versorgt worden sein. Am besten ist es natürlich, wenn alles im Arbeitsumfeld, in der Verwandtschaft und im Freundeskreis stimmt und die wichtigsten Aufgaben nicht auf die lange Bank des kommenden Jahres geschoben werden müssen. Ach ja, die Weihnachtgeschenke dürfen nicht vergessen werden und die Weihnachtspost, am liebsten immer mit ein paar persönlichen Worten, soll ja auch noch fertig werden. Dies alles erfordert viel Zeit und Kraft.

Es bedarf eines besonderen Einsatzes, und zwar über die normale Betriebsamkeit während des Jahres hinaus. Auch die Sonderschichten am Wochenende reichen oft nicht aus, um alles zu erledigen. Die Früchte davon sind Unruhe, Stress, Erkältungen und Ähnliches. Alles weit entfernt von der „schönen besinnlichen“ Adventszeit. Daraus ergibt sich für die meisten von uns ein Kommen und Gehen, ja „ein ständiges Kommen und Gehen“, wie eine deutsche Redewendung dies wunderbar auf den Punkt bringt. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen: ein Kommen und Gehen von Menschen, ein Kommen und Gehen von Gedanken, ein Kommen und Gehen wie bei jedem Hochbetrieb, ohne viel Zeit für Besinnung, Einkehr und Ruhe.

Und doch ist es vielleicht auch richtig so. Advent stammt ja vom „Kommen“, aber auch vom „Gehen“, wie die vier Adventslieder zum Ausdruck bringen, die Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unser Chor hiermit schenken möchte. Ob „Komm, Du Heiland aller Welt“, „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ oder „Es kommt ein Schiff geladen“ aus der westlichen kirchlichen Tradition oder das Adventskondakion „Die Jungfrau geht heute“ der Byzantiner, alle vier Lieder beinhalten ein Kommen, ein Gehen, eine gewisse Unruhe, eine Erwartung.

Dank dieser adventlichen Unruhe gewinnt die Weihnachtszeit ihre familiärere und gemütliche Atmosphäre. Denn das Ereignis der Geburt Christi, das bald gefeiert wird und auf das wir in der Adventszeit mit großen Schritten zugehen, bringt alles zum Stehen und zum Staunen, zur „Stillen Nacht“ und zum Stehen vor der Krippe im Lied „Ich steh‘ an deiner Krippen hier“. Vor der ruhenden Betrachtung und der rastenden Bewunderung des Weihnachtsfestes muss vieles in Bewegung gesetzt werden. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum die Adventszeit turbulent sein muss: damit die Weihnachtszeit besinnlich sein kann.

Eine erfolgreiche und gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen das Collegium Orientale mit den vier Liedern zum Advent! Und es macht nichts, wenn Sie sich diese erst in der Weihnachtszeit anhören können!

Das fünfte Evangelium entdecken

Die Gemeinschaft des Collegium Orientale Eichstät unternam kürlich eine Studien- und Pilgerreise in das Heilige Land. 21 Kollegiatinnen und Kollegiaten bereisten gemeinsam mit ihrer Hausleitung und einigen Freunden biblische Orte in Israel.

Die schriftliche Quelle der christlichen Religion ist die Bibel. Insbesondere in den vier Evangelien ist das Leben und Wirken von Jesus Christus überliefert. Viele Christen sind mit den biblischen Texten und Geschichten gut vertraut. Eine besonders intensive Beschäftigung mit der Bibel findet im Theologiestudium statt. Jedoch bleiben die Erwähnung von Orten und die Schilderung von Entfernungen, Natur oder Architektur abstrakt und sind der Vorstellungskraft des Einzelnen überlassen. Deswegen ist eine Reise ins Heilige Land für junge Theologiestudenten von nicht überschätzbarem Nutzen. Sie verhilft dazu, einiges aus den Evangelien besser zu verstehen und macht die Heimat Jesu „physisch“ spürbar. Nicht umsonst wird das Heilige Land vom Kirchenvater Hieronymus als „das fünfte Evangelium“ bezeichnet.
Unsere Reise bestand aus drei Teilen. Die ersten zwei vollen Tage verbrachten wir in Galiläa, im Norden des Heiligen Landes, wo die Kindheit und Jugend Jesu vergingen und wo seine Verkündigung der Frohen Botschaft begann. Wir besichtigten die Stadt Nazareth, die Ausgrabungen der Hafenstadt Magdala, die Stadt Kapharnaum und den Berg der Seligpreisungen. Gemütliche Abende im Austausch und in Gesprächen sowie das Baden im See Genezareth sorgten für schöne Erinnerungen an Galiläa.

Vom Norden Israels begaben wir uns Richtung Süden, nach Judäa. Wie uns unser Reiseleiter erklärte, fuhren wir entlang der Route, die auch Jesus auf dem Weg nach Jerusalem benutzt haben dürfte. Unterwegs besuchten wir den Berg Tabor, auf dem der Überlieferung nach die Verklärung Jesu stattgefunden hat (Mt 17), die an der Grenze zu Jordanien liegende Stelle am Fluss Jordan, an der aller Wahrscheinlichkeit nach Johannes getauft hat (Mt 3), sowie die berühmten Ausgrabungen von Qumran, wo 1947 Lederrollen mit Bibelhandschriften entdeckt wurden. Auf der Weiterfahrt wartete noch eine Überraschung auf uns. Etwa 20 Kilometer vor Jerusalem fuhren wir ein paar hundert Meter von der Hauptstraße ab in Richtung Wüste. Unseren Augen bot sich eine beeindruckende Aussicht auf das griechisch-orthodoxe St.-Georg-Chozebit-Kloster, das an der senkrecht abfallenden Felswand einer Schlucht hängt. Das Kloster trägt den Namen seines berühmtesten Mönchs und Vorstehers Georg von Choziba, der dort im 6./7. Jh. wohnte.

Die nächsten fünf Tage verbrachten wir in Jerusalem im Paulus-Haus, außerhalb der Jerusalemer Altstadt, direkt neben dem Damaskustor. Von Jerusalem aus besichtigten wir am nächsten Tag Jericho, die erste Stadt im verheißenen Land, die das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten eroberte (Jos 6). Jericho gilt als die älteste und am tiefsten gelegene bewohnte Stadt der Welt. Im westlichen Teil Jerichos fuhren wir mit einer Seilbahn zum griechisch-orthodoxen Qarantal-Kloster, dem Kloster der Versuchungen. Der Überlieferung nach wurde an dieser Stelle Jesus nach seiner Taufe vom Satan versucht (Mt 4, 1-11). Von Jericho aus folgten wir der Küste des Toten Meeres bis nach Masada, einer Festung aus der Zeit des Königs Herodes (um 40 v. Chr.). Auf einem isolierten Tafelberg gelegen sorgt sie für beeindruckende Ausblicke auf das Tal um sich herum. Ursprünglich als Palast erbaut, diente die Anlage auch als eine Festung für Rebellen im Jüdischen Krieg gegen die Römer (1. Jh. n. Chr.). Für Entspannung am Nachmittag sorgte das Baden im Toten Meer. Dieses liegt 425 m unter dem Meeresspiegel und sein Wasser ist mit einem Salzgehalt von etwa 30 % fast zehn Mal salziger als in den Weltmeeren. Wegen der hohen Wasserdichte kann sich sogar der unerfahrenste Schwimmer ohne Mühe an der Oberfläche halten.

Während der nächsten drei Tage besichtigten wir verschiedene biblische und historische Stätten in Jerusalem, der Heimatstadt der drei Weltreligionen. Wir sahen den Ölberg mit seinen Kirchen, den Tempelberg mit der Klagemauer, die al-Aqsa Moschee und den Felsendom (nur Außenbesichtigung möglich), die Ausgrabungen der Stadt Davids und die Kirche der Auferstehung (= Grabeskirche), in der sich einige aus unserer Gruppe über Nacht einschließen ließen, um dort in Ruhe und Gebet zu verweilen. Für eine persönliche Atmosphäre bei unserer Reise sorgten Begegnungen und Gespräche mit dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem S.E. Pierbattista Pizzaballa OFM und mit den Vertretern der Armenischen Apostolischen Kirche sowie mit Bruder Simeon aus der deutschen benediktinischen Dormitio-Abtei. Unser Aufenthalt in Jerusalem endete mit der Besichtigung des ehemaligen georgisch-orthodoxen Kreuzesklosters. Der Legende nach wuchs an der Stelle des Klosters der Baum, aus dem später das Kreuz für Jesus gemacht wurde.
Auf dem Weg zur dritten ud letzten Station unserer Reise, der Stadt Bethlehem, kehrten wir in den Ort Ain Karim ein, der als Geburtsort des hl. Johannes des Täufers gilt. Hier hat Maria wahrscheinlich ihre schwangere Tante Elisabeth besucht (Lk 1,39). In Bethlehem, der Geburtsstadt Jesu, besichtigten wir die Geburtsbasilika mit der Geburtsgrotte und die Hirtenfelder, wo wir ukrainische und deutsche Weihnachtslieder erklingen ließen.

Das Heilige Land vom Kirchenvater Das Heilige Land wir vom Kirchenvater Hieronymus als „das fünfte Evangelium“ bezeichnet

Unsere Reise wurde durch Referate einiger Kollegiaten zu bestimmten Themen oder Orten bereichert. Besonders wertvoll und interessant waren einzelne Ausführungen und exegetische Vertiefungen von Dr. Miroslaw Lopuch, der im Fach Altes Testament promoviert. Durch seine Bibelkenntnisse hat er sich während der Reise bei unserer Gruppe den Namen „Schriftgelehrter“ verdient.
Die tägliche Eucharstiefeier, Gebete und Gesänge trugen dazu bei, dass unsere Reise ins Heilige Land zu einer Pilgerschaft wurde. Es war eine wunderbare Studienreise und Wallfahrt zugleich, die wir als eine lernende, singende und betende Gemeinschaft in harmonischer Stimmung unternommen haben.

Am letzten Abend trafen wir uns zu einer Austauschrunde zusammen. Der Rektor des Collegium Dr. Petrynko resümierte im Einklang mit dem Kirchenvater Hieronymus, dass nach unserer Reise die biblischen Texte nun neu gelesen und verstanden werden können. Und vielmehr jeder, der sie liest und betrachtet, schreibe mit seinem Leben sein eigenes, „sechstes Evangelium“.

Reformation und Ostkirchen

Das diesjährige Zwölfapostelfest des Collegium Orientale in Eichstätt bietet die willkommene Gelegenheit, die Ökumene auch im wissenschaftlichen Austausch zu fördern. Im Gedenkjahr der Reformation (1517-2017) in Deutschland finden zahlreiche Veranstaltungen, Konferenzen und Symposien statt, die sich wissenschaftlich mit dem Thema des Protestantismus, der aus der Reformation hervorgegangen Kirchen und nicht zuletzt des Ökumenismus bzw. des ökumenischen Dialogs zwischen den evangelischen Kirchen und den anderen christlichen Kirchen auseinandersetzen. Der Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und das Collegium Orientale Eichstätt, in dem zahlreiche Studierende aus den Ostkirchen leben und studieren, unternehmen gemeinsam im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums eine Annäherung an das Thema „Reformation und Ostkirchen“. Die Organisatoren dieser wissenschaftlichen Veranstaltung knüpfen damit an eine lange Tradition der abwechslungsreichen Beziehungen zwischen den Kirchen der Reformation und den Ostkirchen an.

Zum Verhältnis zwischen Reformation und den Ostkirchen

Von Anfang der Reformation an zeigten die Reformatoren ein recht großes Interesse für die Kirchen des Ostens. Für dieses Interesse lassen sich mindestens zwei Gründe anführen. Erstens imponierte den Protestanten die Tradition der orthodoxen altorientalischen Kirchen, die auf der Heiligen Schrift, Kirchenvätern, ökumenischen Konzilien ruhte. Die „Rückkehr“ zu den alten „unverfälschten“ Überlieferungen entsprach den reformatorischen Vorstellungen von der Erneuerung der Kirche. Zweitens schien für sie, dass die Organisationsstruktur der Ostkirchen ihren idealistischen Erwartungen von den Kirchenordnungen am nächsten stehen würde. Denn die Struktur der Ostkirchen zeichnete sich im Gegensatz zu der vom Papst geleiteten katholischen Kirche durch die Synodalstrukturen aus. An der Spitze einer jeden Ostkirche steht bis heute nämlich eine Bischofssynode als eine kollegiale Struktur, die von einem Patriarchen, Katholikos, Metropoliten bzw. Erzbischof geleitet wird. Als in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Reformation ausgebrochen war, durfte außerdem die Ablehnung der katholischen Kirche mit dem Papst als ihrem Oberhaupt durch die Ostkirchen für die Reformatoren attraktiv gewesen sein. Denn sie hätten in den Kirchen des Ostens wegen ihrer eigenen antirömischen Einstellung mit einem guten Koalitionspartner rechnen können. Bereits 1519 griff Martin Luther in seiner Argumentation auf die östlichen Traditionen zurück, um seine Gegner aus dem katholischen Lager in die Ecke zu treiben. So verwies er in der theologischen Auseinandersetzung mit Johannes Eck auf die orthodoxen Kirchen, die genau wie die Reformatoren die Ansprüche des römischen Papstes auf die gesamtkirchliche Leitung ablehnten.

Nicht nur Luther, sondern auch andere Reformatoren suchten anfänglich die Nähe zu den Ostkirchen. Melanchthon pflegte beispielsweise gute Beziehungen zu den Orthodoxen. Er nahm Kontakt zum Patriarchen von Konstantinopel Joasaph II. (1555-1565) auf und behauptete in einem Briefwechsel mit ihm die Einheitlichkeit im Glauben auf der Grundlage der Bibel, der ökumenischen Synoden und der Kirchenväter. Melanchthon schickte sogar dem Patriarchen das Augsburger Glaubensbekenntnis in griechischer Übersetzung. Ganz besonders hob er hervor, dass in der orthodoxen Kirche den Laien die Kommunion unter zwei Gestalten, des Brotes und des Weines, gereicht wird, dass es in der orthodoxen Kirche keine „Privatmessen“, sondern immer Gottesdienste unter Beteiligung der Gläubigen gibt und dass die orthodoxe Kirche die Lehre vom Fegefeuer nicht kennt. In der Überzeugung einer großen Übereinstimmung in der Lehre mit der orthodoxen Kirche unterbreitete Melanchthon auch Einigungsvorschläge, die manche als einen ersten „ökumenischen Brückenschlag“ (Bryner, Erich, Die orthodoxen Kirchen von 1274 bis 1700, Leipzig 2004, S. 144) im Dialog zwischen Reformation und Orthodoxie werten. Auch gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Kontakte fortgesetzt, wie etwa zwischen dem Patriarchen Jeremias II. von Konstantinopel und den lutherischen Theologen aus Tübingen, die zu einer beachtenswerten Korrespondenz führten. Um den Ostkirchen näher zu kommen, behaupteten die Protestanten, dass sie in den Glauben nichts Neues einführen, sondern der Bibel und den Kirchenvätern treu bleiben würden. Die Unterschiede bestünden nach ihrer Auffassung nur in den Riten.

Es heißt aber bei weitem nicht, dass es seitens des Protestantismus keine Kritik in die ostkirchliche Richtung gab. Derselbe Martin Luther, der am Beginn seines Wirkens die Argumente aus der ostkirchlichen Tradition schöpfte, stellte zwei Jahrzehnte später, im Jahre 1539, bestimmte Mängel in der Orthodoxie fest, indem er z.B. das Amt des Patriarchen von Konstantinopel als solches bezeichnete, das sich von seinen Ansprüchen her vom Papstamt nicht unterscheide. Die Urteile der anderen reformatorischen Theologen fielen noch schärfer aus. Sie bemängelten, die orthodoxe Tradition sei voller Aberglaube. Die anderen kritisierten in den Ostkirchen zu viele „schauspielerische“ Zeremonien. Diese Kritik führte allmählich dazu, dass nicht nur katholische, sondern auch östliche Kirchen voll „Irrlehren“ wären. Ihre Mitglieder wurden für viele protestantische Kirchen zum Objekt der Missionierung. Es galt daher, möglichst viele für den Protestantismus zu gewinnen oder in den anderen Traditionen Fuß zu fassen. Ein bekanntes Beispiel eines partiellen und zeitlich begrenzten Erfolges dieser Anstrengungen war die Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche. Im 18. Jahrhundert stand die orthodoxe Theologie unter einem recht starken Einfluss der protestantischen Lehren, die zum Teil von den Orthodoxen selbst, die in den westeuropäischen Schulen ihre Ausbildung erhielten, in die eigene Tradition getragen wurden.

Diese protestantische „missionarische“ Einstellung war jedoch auch den anderen Konfessionen von damals zu eigen. In Folge des vorherrschenden exklusivistischen Denkens jener Zeit galt dasselbe für die Ostkirchen in Bezug auf die Kirchen der Reformation, die abtrünnigen protestantischen „Häretiker“ zum wahren Glauben zu bekehren.

Die Lübecker Märtyrer in einer ostkirchlichen Darstellung im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: Geraldo Hoffmann
Die Lübecker Märtyrer in einer ostkirchlichen Darstellung im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: Geraldo Hoffmann

Erst im 20. Jahrhundert beginnt in den Beziehungen zwischen der Reformation und den Ostkirchen eine neue Epoche, die im Zeichen der ökumenischen Bewegung steht. Die orthodoxen Kirchen beteiligen sich an den zahlreichen ökumenischen Projekten, die auf die protestantischen Initiativen zurückgehen. Sie sind mit wenigen Ausnahmen Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Der ÖRK bietet sich als eine Plattform für die Begegnung und den Austausch mit den Kirchen der Reformation und fördert auch bilaterale Kontakte. So bestehen bilaterale theologische Gespräche zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und den einzelnen Ostkirchen wie etwa der russisch-orthodoxen Kirche, rumänisch-orthodoxen Kirche oder dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, die das gemeinsame zwischenkirchliche Engagement unterstützen.

Das Anliegen des wissenschaftlichen Symposiums

Bezugnehmend auf das oben skizzenhaft dargestellte Verhältnis zwischen der Reformation und den Ostkirchen ist das wissenschaftliche Symposium in Eichstätt zum einen ein Versuch, die zentralen systematischen Fragen aus dem Umfeld des orthodox-protestantischen Dialogs zu thematisieren. Dazu zählen vor allem die Fragen nach dem Verhältnis von Schrift und Tradition sowie der Rechtfertigungslehre im Dialog zwischen den drei großen christlichen Traditionen: Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus. Zum anderen geht es den Veranstaltern um die gegenwärtige Standortvergewisserung der Forschung zu dieser Thematik und um die zukunftsorientierten neuen Perspektiven. Vorgestellt werden im Rahmen des Symposiums außerdem die Kirchen, deren Geschichte und Existenz im Westen kaum bekannt sind. Dazu gehört beispielsweise die protestantische Kirche der byzantinischen Tradition, die seit 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts in der Ukraine beheimatet ist und die östliche Tradition byzantinischer Prägung sich zu eigen gemacht hat und pflegt.

Symposium im Collegium Orientale