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Erlebnisse einer Freiwilligen in Chile

Die vergangenen Wochen seit meinem letzten Eintrag waren ganz schön ereignisreich. So hat mich in der Karwoche mein kleiner Bruder für zehn Tage besucht. Ich habe ihn mit noch drei anderen Freiwilligen (an dem Tag kamen mehrere Eltern an) abgeholt. Anschließend ging es direkt in meine Arbeit. Meine Tías haben sich sehr für mich gefreut, dass er da war. Obwohl er kein Spanisch kann und sie nicht Deutsch sprechen, haben sie trotzdem versucht, sich mit Händen und Füßen zu verständigen.

Am Wochenende haben wir einen Ausflug ans Meer gemacht und Santiago angeschaut. Von Montag bis Donnerstag waren wir in Pucón, eine Stadt rund zehn Stunden südlich von Santiago. Manche kennen vielleicht den Namen aus den Nachrichten, denn im März ist da der Vulkan Villarrica ausgebrochen. In Pucón hatten wir wunderschöne Tage und haben von Wandern und Besteigen eines Vulkans bis hin zu Raften viel erlebt. Die restlichen Tage haben wir noch zusammen in Santiago verbracht. Insgesamt war es wirklich sehr schön, und ich war sehr glücklich darüber, dass er mich besuchen konnte, um sich selbst ein Bild davon machen zu können, wie es hier wirklich ist.

Ostern habe ich mit meiner WG verbracht. Jeder hat seine eigenen Koch- bzw. Backrezepte ausgepackt, so hatten wir einen sehr kreativen und leckeren Osterbrunch.

In den letzten Wochen war es bei der Arbeit – wie immer – erlebnisreich. Wegen des Besuchs meines Bruders war ich eine Woche nicht im Dienst. In dieser Zeit haben wieder drei Kinder das Laufen gelernt. Es ist Wahnsinn, wie schnell sie lernen. Mittlerweile können fast alle Kinder laufen, Anfang März waren es gerade mal fünf. So ist es jetzt nicht mehr so anstrengend wie am Anfang, denn die Kinder haben sich mittlerweile eingewöhnt und weinen nicht mehr so viel, wenn die Eltern gehen.

An Ostern konnte ich dank Spendengeldern jedem Kind ein kleines Osternest schenken. Zudem habe Osterlämmer für sie gebacken. Darüber haben sie sich natürlich sehr gefreut.

Vorletztes Wochenende hat mich eine Tía eingeladen, mit ihrer Familie in den Süden zu fahren, um die Eltern ihres Mannes zu besuchen. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt. Die Familie kenne ich mittlerweile sehr gut, da ich mit ihr viel Zeit verbringe. So ging es Freitagnacht los Richtung Süden. Fernab jeder Zivilisation sind wir mitten auf das Land in die Berge gefahren. Dort wurde erst einmal eine Ziege geschlachtet und gleich gegrillt. Am Samstagnachmittag haben wir einen Spaziergang in der Gegend gemacht und ich habe es einfach genossen, wieder mal richtig in der Natur zwischen Bäumen, Früchten und Tieren zu sein. Da merkt man, dass ich nicht in der Großstadt aufgewachsen bin. 😀

Ein kleines weiteres Highlight in den letzten Wochen war der Besuch eines Colo-Colo-Spiels mit zwei chilenischen Freunden. Colo-Colo gehört zu den besten Fußballvereinen Chiles und ich fand es wirklich toll im Stadion, auch wenn sie leider verloren haben.

Ihr seht schon, ich erlebe sehr viel. Jetzt sind es bald nur noch drei Monate, die ich als Freiwillige der Organisation Cristo Vive in Chile verbringen werde. Im Moment sind meine Gefühle darüber zwiespältig. Selbstverständlich freue ich mich wieder sehr auf meine Familie und meine Freunde, jedoch überwiegt im Moment die Traurigkeit über den bevorstehenden Abschied, denn ich werde hier sehr viel zurück lassen.

Aber ich rede am besten nicht darüber und genieße die letzten Wochen noch. Bis bald!

Empanadas, Pisco und Weihnachtsplätzchen am Pazifik

Nachdem es in meinem letzten Blogbeitrag eher um meine Arbeit ging, jetzt mal etwas über das Leben außerhalb der Arbeit. Anfang November war ich mit meiner WG in La Serena, einer Stadt, die circa acht Stunden mit dem Bus nördlich von Santiago am Meer liegt. Natürlich waren wir am Meer, haben die Stadt besichtigt und zudem einen Tagesausflug in das Valle de Elqui gemacht. Dort wird „Pisco“ (Traubenschnaps), eine Spezialität Chiles, hergestellt. Wir konnten eine Brennerei besichtigen und duften eine kleine Kostprobe machen.

Mir hat das Wochenende sehr gut gefallen, weil es einfach schön war, mal aus der Großstadt Santiago rauszukommen und in die Natur zu gehen.

Vor vier Wochen haben wir (zwei meiner Mitbewohnerinnen und ich) mit einer Gruppe für Kinder aus unserer naheliegenden Gemeinde begonnen. Es sind circa 15 Kinder im Alter zwischen 4 und 14 Jahren. Wir treffen uns jeden Dienstagabend, um zu spielen oder für sonstige Aktivitäten wie zum Beispiel Plätzchen backen.

Im November war ich auch einmal bei einer chilenischen Familie eingeladen, um Empanadas selbst zu machen. Empanadas sind gefüllte Teigtaschen und eine weitere Spezialität Chiles. Natürlich haben auch die Weihnachtsvorbereitungen begonnen. Ich kann gar nicht glauben, dass ich schon so lange hier bin und dass die Zeit so schnell vergangen ist. So feiern wir auch in der Sala Cuna mit den Kindern den Advent. Jeden Morgen werden die Kerzen am Adventskranz angezündet und wir singen Weihnachtslieder. Zudem wird den Kindern jede Woche eine weitere Person der Weihnachtsgeschichte (Maria, Josef, Engel Gabriel, Jesus) vorgestellt. Außerdem habe ich für meine Kinder einen Adventskalender gebastelt, ein Brauch, der in Chile kaum bekannt ist. So gibt es jeden Tag eine kleine Überraschung für die ganze Gruppe. Das geht von Zahnbürsten (die sind hier sehr teuer und in der Sala Cuna besitzt nur ein kleiner Teil der Kinder welche), Plätzchen backen über Straßenmalkreiden bis hin zu Früchten. Es macht meinen Kindern ziemlich viel Spaß.

Jedoch fühlt es sich für mich leider noch nicht so weihnachtlich an, denn bei über 30 Grad und praller Sonne ist das etwas schwierig. Aber vielleicht ändert sich das ja auch noch 😉

Am 5. Dezember war der Jahresausflug der Fundación Cristo Vive Chile. Alle Mitarbeiter sind in ein Schwimmbad mitten in der Natur gefahren und wir haben dort zusammen den ganzen Tag verbracht. Erst da habe ich gemerkt, wie groß die Fundación eigentlich ist und wie viele Menschen dort arbeiten. Für mich war der Tag richtig schön, da man auch mal außerhalb der Arbeit etwas mit seinen Tías gemacht hat.

Am 6. Dezember war ich zum ersten Mal auf einem Kindergeburtstag eines Kindes aus meiner Sala eingeladen. Die Kleine wurde zwei Jahre alt. Aber der Geburtstag war, obwohl die Familie nicht viel Geld hat, sehr groß und aufwändig organisiert. Das hat mich anfangs ein bisschen schockiert. Da hat man nämlich sehr deutlich gemerkt, dass die Chilenen, vor allem hier in den ärmeren Vierteln, viel Wert auf Materielles legen, obwohl sie nicht viel Geld haben.

Anfang Dezember war ich dann mit meiner WG und noch ein paar anderen Freiwilligen und zwei Chilenen in Valparaíso, der größten Hafenstadt des Landes, rund zwei Stunden von Santiago entfernt. Dort war es wunderschön. Der historischer Stadtkern von Valparaíso wurde 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – und das zu Recht. Überall an den Wänden kann man bunte Graffitis sehen. Das bringt viel Leben in die Stadt. Außerdem liegt sie an Hängen, somit hat man quasi von überall aus einen schönen Blick auf das Meer. Dort waren wir natürlich auch und haben die Sonne und das schöne Wetter genossen. Diese Stadt werde ich sicher noch öfter besuchen.

Im Moment bin ich jedoch erstmal damit beschäftigt, Geschenke für meine Tías und Mitbewohner zu besorgen, Plätzchen zu backen, Weihnachtspost zu schreiben und so weiter. Also langweilig wird es hier nie.

Ich wünsche Euch allen „Frohe Weihnachten“, feiert schön und genießt die Feiertage. Und dann schon mal einen „Guten Rutsch“ ins Neue Jahr! Bis bald !

Alltag in einer chilenischen Kinderkrippe

Über einem Monat arbeite ich jetzt in der Sala Cuna Naciente (Kinderkrippe in Santiago de Chile). In meiner Gruppe sind 20 Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren und es gibt drei Tías (Erzieherinnen mit Ausbildung) und eine Educadora (Erzieherin mit Studium).

Die Arbeit mit den Kindern macht mir echt viel Spaß, auch wenn man schon einige heftige Dinge erlebt. Viele der Familien sind sehr arm und die Kinder kommen deshalb oft mit dreckigen Klamotten oder werden zu Hause nicht gewaschen. Viele Kinder haben Läuse und kommen oft krank in die Sala Cuna. Sehr auffallend ist auch, dass sie sich gegenseitig viel beißen, kratzen und schlagen. Trotz allem habe ich die Kleinen schon sehr in mein Herz geschlossen.

Meine Aufgaben bestehen im Moment darin, die Tías beim Wickeln und Füttern und bei sonstigen Aufgaben zu unterstützen, um mich an die Arbeit zu gewöhnen. Ab nächsten Freitag darf ich dann die Aktivitäten mit den Kindern selbst durchführen.

Damit ihr euch vorstellen könnt, wie ein typischer Tag in der Sala Cuna aussieht, beschreibe ich den im nächsten Teil mal etwas ausführlicher:

Um 8:30 Uhr beginnt die Arbeit und die ersten Kinder trudeln langsam ein und bekommen warme Milch und ein Stück Brot. Um halb zehn setzten wir uns in einen Stuhlkreis, um mit den Kindern gemeinsam Lieder zur Begrüßung zu singen. Am Anfang kannte ich noch kein Lied, doch mittlerweile kann ich schon bei vielem mitsingen. Hier wird wirklich viel gesungen und die Kinder klatschen immer eifrig mit.

Danach machen wir meistens irgendwelche Aktivitäten mit den Kindern (Malen, Lego spielen, Sport, gesunde Ernährung, usw.) und die erste Wickelrunde beginnt. Jedes Kind wird auf das Töpfchen gesetzt, da versucht wird, den Kindern die Windel abzugewöhnen. Bei einigen klappt das auch schon ganz gut.

Um halb elf gibt es meistens „Tutti-Frutti“, das heißt klein geschnittene Früchte. Danach geht es raus in den Patio (Hof) an die frische Luft, um dort zu spielen, bis es um halb zwölf Mittagessen gibt.

Nach dem Essen werden die Kinder alle bettfertig gemacht, während ich meistens die Betten der Kinder beziehe. Dann beginnt der ruhige Teil des Tages: Die Kinder werden in den Schlaf gestreichelt, die Tías und ich können abwechselnd zum Essen gehen.

Bis halb drei schlafen die Kleinen, danach werden sie geweckt und ihnen werden die Haare gemacht, damit sie dann – frisch herausgeputzt – wieder Milch und ein Stück Brot bekommen.

Dann ist es meistens nur noch eine Stunde, bis die Kleinen wieder abgeholt werden und es wird wieder gespielt und gewickelt. Nachdem die Kinder um halb fünf abgeholt wurden, wird die Sala noch geputzt und wichtige Dinge werden besprochen. Und um halb sechs ist auch für mich Feierabend.

Abends bin ich meistens echt kaputt, jedoch habe ich jetzt schon zweimal die Residencia (das ist ein Obdachlosenheim für Männer) besucht, um mit den Menschen dort zu kochen, zu reden und zu backen. Das hat mir gut gefallen.

Außerdem gehe ich zweimal die Woche ins Basketballtraining, da man so mehr Leute kennen lernt und sich auch ein bisschen sportlich betätigt, was hier wirklich notwendig ist. Denn: Hier wird unglaublich viel, fettig und süß gegessen. Und auch in meiner WG wird sehr oft gekocht und wir essen viel und gerne zusammen. 😉

Es gibt jedoch viel Obst und Gemüse, das hier sehr billig ist. Jedes Wochenende macht meine WG den Obst- und Gemüseeinkauf auf einer Fería (Makt) hier in der Nähe.

Was sonst noch so los war:

Am 18. September ist Nationalfeiertag in Chile und die Unabhängigkeit wird gefeiert. Das ist aber nicht mit dem 3. Oktober in Deutschland zu vergleichen. Hier wird vom 17. bis zum 21. September durchgefeiert. Ich konnte dieses Fest sowohl in der Sala Cuna (wir haben typische chilenische Gerichte probiert und mit den Kindern verschiedene Tänze aufgeführt), als auch auf den sogenannten „Fondas“ (Feste mit Live-Musik, und viel leckerem Essen und Trinken) sehr schön miterleben.

Außerdem war ich auch mal wandern mit meiner WG, ein bisschen außerhalb von Santiago. Das war sehr schön, weil ich endlich mal wieder nur Natur um mich herum hatte, und etwas abseits vom Großstadtleben war. Das ist für mich, als Landkind, ja schon eine etwas größere Umstellung.

Ich war auch bereits auf einer Tallrinata . Das bedeutet, dass eine Familie etwas verkauft, um Geld zu sammeln. In diesem Fall wurden Nudeln mit Bolognese und Salat verkauft, um der Nichte die Abschlussfahrt des Colegios ermöglichen zu können. So konnte ich nicht nur ein sehr leckeres Essen genießen, sondern auch mal ein typisches chilenisches Haus von innen sehen, das war sehr interessant.

Vor kurzem hatten wir wieder ein Treffen (Reunión) mit allen Freiwilligen von Cristo Vive. Der ehemalige Exilchilene Mario Sotoliccchio hat uns über die Zeit vor, während und nach der Pinochet-Diktatur erzählt. Das war für mich sehr interessant zu hören.

Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder wandern – auf den Rencaberg ging es dieses Mal. Obwohl der Aufstieg in praller Sonne über Stock und Stein (so was wie einen richtigen Weg gab es wohl nicht) ging, hat sich die Mühe für die tolle Sicht über Santiago echt gelohnt.

Das war es jetzt wieder aus Chile. Ich freue mich über jede Nachricht und über jede Rückmeldung auf meine Blogeinträge. Ein großes Dankeschön an alle, die an mich denken und mich so kräftig unterstützen. Ganz liebe Grüße aus dem gerade sehr frühlingshaften Santiago und bis bald.

Start zum Freiwilligenjahr in Chile

Mein Name ist Maria, ich komme von einem Bauernhof in der Nähe von Eichstätt und bin 18 Jahre alt. In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen, die ich kommendes Jahr machen werde, mit euch teilen.

Maria Brems vor dem Abflug nach Chile. pde-Foto: Geraldo Hoffmann
Maria Brems vor dem Abflug nach Chile. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Ich fliege heute für ein Jahr als Freiwillige der Organisation „Cristo Vive Europa“ nach Chile, um dort in einer Kinderkrippe im Armenviertel zu arbeiten.

Viele von euch kennen vielleicht Schwester Karoline Mayer aus Pietenfeld, die das ganze Projekt ins Leben gerufen hat. In Santiago werde ich in einer WG mit drei anderen Freiwilligen wohnen. Ich bin schon sehr gespannt, sie kennen zu lernen!

Von „Cristo Vive“, mit der ich mit acht weiteren Freiwilligen nach Chile gehe, wurde ich bestens auf das Auslandsjahr vorbereitet. So hatten wir mehrere Seminare und konnten auch Kontakt mit ehemaligen Freiwilligen aufbauen. Außerdem habe ich schon Mitfreiwillige kennengelernt, die auch nach Chile gehen werden. Das ist sehr beruhigend, da man dann nicht ganz alleine ist.

Die Koffer sind gepackt und gleich geht es los! Wenn ihr diese Zeilen lest, sitze ich wahrscheinlich schon im Flieger. Meinen nächsten Beitrag werde ich aus Chile schreiben.

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Schwester Karoline Mayer in Eichstätt

Am vergangenen Wochenende flog Schwester Karoline Mayer wieder zurück nach Chile. Auf ihrer Deutschlandreise stattete sie auch der alten Heimat Pietenfeld einen Besuch ab und sprach in Eichstätt über das Werk Cristo Vive, das sie gegründet hat.

Schwester Karoline, geboren 1943, lebt seit 1968 in Santiago de Chile. Sie ist ausgebildete Universitätskrankenschwester und Leiterin der Fundación Cristo Vive.
Vieler Auszeichnungen könnte sie sich rühmen, des Bundesverdienstkreuzes, der Kardinal-Frings-Medaille, des Edith-Stein-Preises oder -jüngst- des Marion-Dönhoff-Preises für internationale Verständigung und Versöhnung. Aber sie tritt bescheiden auf, ein großes Kreuz über dem dunkelblauen Kleid, eine Plakette, die sich gegen die Privatisierung der Schulen in Chile wendet, am Revers. Sie spricht von Gott und seiner Liebe zu den Menschen. Setzt sich keine Minute an den schön dekorierten Tisch.

Ein freudiges Wiedersehen mit guten Freunden, Verwandten, ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten, die in Chile und Bolivien im Werk Cristo Vive Erfahrungen in einer anderen Welt machen konnten, ist es jedes Mal, wenn Schwester Karoline Mayer nach Eichstätt kommt. Denn längst ist Schwester Karoline Chilenin. In der Katholischen Hochschulgemeinde erinnerte Pater Haas daran, dass Schwester Karoline auch Trägerin des Shalompreises ist.

Auf dem Katholikentag in Regensburg war sie eingeladen, auf dem Podium über die Theologie der Befreiung zu sprechen. Das hat sie bei einem Besuch im Bistum Eichstätt nochmals getan. Vieles sei in Europa falsch verstanden worden, Angst vor kommunistischen Gedanken sei geschürt worden, erklärte sie in der Hochschulgemeinde.

Theologie der Befreiung aber bedeute, das Wort Jesu Christi ernst zu nehmen. Sie habe beim Anblick der Armen, als sie noch bei den Steyler Missionarinnen lebte, bei den Ärmsten sein wollen. Im Laufe der Zeit entstanden Kindergärten, Schulen, Werkstätten und Zentren für Drogenabhängige. Ein großes Ziel sei die berufliche Bildung. Deutschland sei hier sehr weit und sie wünsche sich für Chile eine ähnlich gute Ausbildung von Handwerkern.

Das Gesundheitszentrum in Santiago de Chile bietet mittlerweile 22.000 Menschen die Möglichkeit zur Behandlung und Beratung. Es ist eine ambulante Einrichtung. Inzwischen hat sich der Staat an der Finanzierung vieler Einrichtungen beteiligt. Dennoch flössen die Geldleistungen oft sehr verzögert und ohne Unterstützung aus Deutschland wüssten sie bei Cristo Vive oft nicht, wie sie weitermachen sollten.

Papst Franziskus und sein Blick auf die Armen und Ausgegrenzten sei sehr ermutigend, meinte Schwester Karoline. Der Austausch mit jungen Leuten, die für einige Monate, manche länger, nach Chile oder Bolivien kämen, sei für beide Seiten bereichernd. Die Armen fühlten sich wertgeschätzt und die Gäste aus Deutschland könnten viel lernen, auch von einer anderen Weise, Kirche zu erleben.