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Burundis Gegenwart und Zukunft

Am Freitagabend gab es wieder die Situation, die meine Kinder schon öfters erlebt haben: In den Nachrichten wird ein Ort auf der Welt gezeigt und ich werfe ein, „da war ich schon“. Dann fange ich an, über das Land, die Leute, die Kirche, die sozialen Probleme und meine Freunde zu erzählen.

Bei den Bildern aus Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, ist es etwas anders – es ist plötzlich still. Bilder von brennenden Autos, Straßensperren, einem Autokonvoi, der triumphalistisch einfährt. Dazu die Stimme des Kommentators, dass ein Putschversuch gescheitert ist. Ich blicke auf mein Fairphone (ein fair gehandeltes Smartphone) und lese die letzten Nachrichten, die ich über WhatsApp aus Bujumbura erhalten habe. Auch auf Twitter checke ich nochmal die Lage. Ja genau, diese Straße kenne ich, sie führt aus dem bergigen Hinterland in die Hauptstadt. Bujumbura ist der Brennpunkt der Unzufriedenen im Land, aber auch der Regierungstreuen. Darum entscheidet sich hier, was im Land passiert. Es geht um die Gegenwart und die Zukunft.

Gott sein Dank sind die Mitarbeiter der Partnerorganisationen vor Ort in Sicherheit, das geplünderte Büro kann man verkraften. „Mauern lassen sich reparieren“, habe ich zum Mut machen einem Diakon geschrieben.

Blogautor Gerhard Rott mit einer Eichstätter Delegation auf dem Weg nach Bugendana/Burundi (2012). pde-Foto: Daniela Olivares
Blogautor Gerhard Rott (Mitte mit Hut) mit einer Eichstätter Delegation auf dem Weg nach Bugendana/Burundi (2012). pde-Foto: Daniela Olivares

Vor über zehn Jahren hatte ich eine ähnliche Situation in Burundi miterlebt. Eine Reisegruppe unter meiner Leitung, die nach Burundi wollte, war schon am Flughafen, hatte bereits eingecheckt und wartete auf das Boarding, als mein Name ausgerufen wurde. Meine Sekretärin hatte die Information von einem mitdenkenden Kollegen aus der Pressestelle bekommen, dass die Nachrichtenagenturen von einem Putsch in Burundi berichten, dass der internationale Flughafen geschlossen sein, es Tote und Verletzte gäbe. Der Flug ging ohne uns. Die Kinder haben keine afrikanischen Spielsachen bekommen. Burundi hat sich ins Gedächtnis der Familie eingebrannt. Seitdem hat die friedliche Entwicklung im Land das Umfeld geschaffen, um gemeinsam mit vielen anderen viel Gutes für die von bitterer Armut geplagte Bevölkerung im Land zu tun.

Arbeiten am Bau der neuen Kirche von Bugendana. Foto: Gerhard Rott
Partnerschaftsprojekt der Diözesen Eichstätt und Gitega/Burundi: Arbeiten am Bau der neuen Kirche von Bugendana. Foto: Gerhard Rott

Und jetzt? Hoffentlich gibt es keine blutige Abrechnung. Hoffentlich kann es bald weiter gehen mit den notwendigen Schritten der Entwicklung, die wir von außen nicht machen können, die wir nur begleiten und unterstützen können.

Burundi ist ein wunderschönes Land, dort leben freundliche, positive Menschen. Es wird weiter gehen. Unsere Freunde sollen wissen, dass wir nicht von ihrer Seite weichen werden. Mit ihnen zusammen werden wir, wie es Papst Franziskus formuliert hat, „an die Ränder gehen“, zu den Armen.

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Yambu Muzungu – Auf Forschungsreise in Burundi

Als die drei Triesdorfer Stipendiaten 2013 an unserer Hochschule und den Lehranstalten Triesdorf zu Gast waren, war ich zur gleichen Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Thema für meine Bachelorarbeit. Ich wollte mich gerne mit einer Fragestellung aus dem Bereich Internationale Zusammenarbeit/Entwicklungshilfe beschäftigen und so fiel die Wahl recht schnell auf Burundi, um diesen neuen Kontakt direkt nutzen zu können. Auch das genaue Thema ergab sich dann schnell: Da Burundi bislang nicht im Fokus der internationalen Agrarforschung steht, bot sich ein grundlegendes Thema an, bei dem es vor allem um die ökonomische Situation von Kleinbauern in Bugendana geht. Nachdem ich alle Prüfungen des Wintersemesters absolviert hatte, ging es dann Anfang März für sechs Wochen nach Burundi. Diese Reise ins Ungewisse habe ich doch mit recht gemischten Gefühlen angetreten. Ich war vorher noch nie in einem so wenig entwickelten Land gewesen und konnte von daher nicht so recht einschätzen, was mich wohl erwarten würde.

Befragung in Bugendana

Nach 20-stündiger Reise endlich angekommen, wurde ich von allen sehr herzlich empfangen. Untergebracht war ich für die Dauer meines Aufenthalts im neu bezogenen Pfarrhaus, zusammen mit drei Priestern und zwei Laien. Mit den Schwestern aus dem benachbarten Ordenshaus habe ich mich ebenfalls sehr gut verstanden, und auch wenn wir nicht die selbe Sprache gesprochen haben, wurde viel gelacht, gekocht, gebastelt und erzählt…

Bei meiner Arbeit wurde ich vor allem von Remy sehr gut und engagiert unterstützt. Er fungierte bei den Befragungen der Familien in Bugendana als Übersetzer und stellte seine sehr guten Deutschkenntnisse unter Beweis. Insgesamt befragten wir 76 Familien und ich erhielt viele Daten über Pflanzenbau, Tierhaltung, Haushaltseinnahmen und –ausgaben, das Sparverhalten und ihre persönliche Einschätzung der aktuellen und der zukünftigen Situation. Die Arbeit hat mir wirklich Freude gemacht, da die Menschen in Bugendana sehr offen, ehrlich, kommunikativ und vor allem lebensfroh sind. Und für sie war ich eine kleine Sensation: Nur selten kommen Weiße ins Dorf und noch seltener eine weiße Frau… Manche der kleinen Kinder rannten schreiend davon – aber die meisten begrüßten mich freudig mit „Yambu Muzungu!“ ( „Hallo Weiße!“).

Neben den Betriebsbefragungen sammelte ich auch bei Behörden und Institutionen Daten für meine Bachelorarbeit. Auch dieser Teil der Arbeit war sehr interessant, weil ich damit auch einen Einblick in die staatliche Verwaltung und in die Arbeit von Entwicklungsorganisationen erhalten habe.

Bei Ausflügen nach Gisozi, Rutana und Bujumbura konnte ich auch weitere Teile des Landes kennenlernen und ein paar der touristischen Attraktionen wie die Nilquelle und die Wasserfälle von Rutana besuchen.

Besonders bewegt hat mich die Karwoche und das Osterfest, das am Ende meines Aufenthaltes lag. Die Begeisterung und Freude die in den Gottesdiensten in Burundi vermittelt werden ist unvergleichlich und wirklich ein ganz besonderes Erlebnis… Hier könnte Burundi durchaus in Deutschland Entwicklungshilfe leisten…

Ein Land wie Burundi „arbeitend“ zu bereisen ist etwas ganz besonderes und hat mich sehr begeistert und bewegt. Innerhalb dieser relativ kurzen Zeit habe ich Land und Leute recht gut kennenlernen können. Ich habe sehr viel fachlich und vor allem persönlich gelernt und auch in meiner beruflichen Orientierung hat mich diese Reise zu 100% bestätigt.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht deshalb an alle, die mich bei diesem Projekt unterstützt haben!

Video: Neuer Pfarrer in Bugendana
Partnerschaft Eichstätt-Burundi

Pastoralzentrum Bugendana wird ein großer Segen für die Menschen sein

Ich bin wieder zurück von der Burundi-Reise und bereits unterwegs im Bistum mit dem diesjährigen Gast der Misereor-Fastenaktion, James Mutebi, aus Uganda. Es waren sehr erfolgreiche Besprechungen in Bugendana. In spätestens zwei Monaten sollte das Energiekonzept für das gesamte Sozial- und Pastoralzentrum erarbeitet sein. Dann wird es darum gehen, die Finanzierung durch Drittmittel zum Beispiel von Hilfswerken und Spendern abzusichern. Vor allem durch den Einsatz von auf dem Boden montierten Sonnenkollektoren soll der Energiebedarf abgedeckt werden. Es besteht die Hoffnung, dass in wenigen Jahren diese ca. 300 Quadratmeter große Anlage (mit Ausbauoption dazu) beitragen kann, überschüssigen Strom in das staatliche Netz einzuspeisen und so die Energieversorgung allgemein zu verbessern, sowie der armen Pfarrei eine Einnahmequelle beschert.

Auch auf der Baustelle der Kirche waren die Eichstätter von der qualitativ guten Arbeit der Bauarbeiter erfreut. Das Mischverhältnis zwischen aus der Region stammenden Bruchsteinen und Ziegelsteinen beim Kirchengebäude konnte geklärt werden. Das ist auch ein Beitrag zum Umweltschutz, den die Bruchsteine müssen nicht gebrannt – und um diese zu Brennen keine Bäume gefällt – werden. Viel Zeit wurde auch darauf verwendet, die bisherigen Kosten den Eichstättern transparent darzustellen. Die Grundschule liegt im Zeitplan und sollte zum kommenden Schuljahr den Betrieb aufnehmen. Die Mittel- und die Berufsschule müssen zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff genommen werden.

Höhepunkt und zugleich Abschluss der Reise war der Festgottesdienst auf dem freien Feld neben der alten Kirche, an dem mindestens 5.000 Menschen teilnahmen. Erzbischof Simon Ntamwana dankte der Eichstätter Delegation und betonte in seiner Predigt, dass die freundschaftliche Verbindung der Bistümer Eichstätt und Gitega auf der Grundlage des christlichen Glaubens beruhe, die sich in der weltkirchlichen Gemeinschaft und Solidarität ausdrückt. In seinem Grußwort bedankte sich der Eichstätter Domdekan Willibald Harrer im Namen der gesamten Delegation für die empfangene Gastfreundlichkeit. Er stellte unter anderem fest, dass bezüglich der Lebendigkeit des Glaubens, die auch in der Feier des Gottesdienstes zum Ausdruck kommt, die so genannten entwickelten Länder von Afrika lernen können. Wie wichtig auch der Regierung von Burundi das Projekt ist, zeigt die Tatsache, dass an dem Gottesdienst auch der zweite Vize-Staatspräsident des Landes sowie der Gouverneur der Region und einige Abgeordnete teilnahmen.

Sichtlich beeindruckt vom Bugendana-Projekt war auch der Bischöfliche Beauftragte für die Weltkirche, Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn. Sein Fazit:

„Papst Franziskus fordert uns auf, an die Ränder zu gehen. Unser Leitprojekt Bugendana in der Erzdiözese Gitega (Burundi) liegt ganz auf dieser Linie. Wir leisten hier einen ganzheitlichen Beitrag zur Entwicklung in einer Region, in der ein Großteil der Bevölkerung in Armut lebt: Das Gesundheitszentrum, die Schulen, die pfarrlichen Strukturen mit der Kirche St. Willibald und St. Walburga dienen diesen Menschen, die unsere Schwestern und Brüder sind. Es sind wertvolle Menschen, die unsere Hilfe verdienen. Ich denke an die zahlreichen Kinder und Jugendlichen in Bugendana, die eine Perspektive für die Zukunft brauchen. Zusammen mit unseren burundischen Partnern konnten wir jetzt anstehende Fragen bearbeiten und manche Probleme einer Lösung näher bringen. Unter anderem spielt da auch die Energieversorgung eine wichtige Rolle. Ich bin sicher, dass das Pastoralzentrum in seiner Ganzheit ein großer Segen für die Menschen sein wird. Das konnten wir jetzt schon vor Ort spüren. Natürlich benötigen wir weiter die Unterstützung vieler, damit das multidimensionale Projekt Bugendana gelingen kann. Allen, die uns dabei helfen, ein herzliches Danke und „Vergelt’s Gott“.“

Partnerschaftsprojekt Bugendana – Besuch auf der Baustelle

Nach dem Tag der Diplomatie gestern war heute der Tag der praktischen Arbeit beim Besuch unserer Partnerdiözese Gitega/Burundi. Wir sind nach dem Frühstück los auf die Baustelle des Sozial- und Pastoralzentrums Bugendana. Über eine Stunde dauerte die Fahrt auf der im Ausbau befindlichen Strecke. Vom Straßenbelag ist noch weit und breit keine Spur, roter Staub überall. Wir parken hinter dem Pfarrhaus, die sechs Ordensschwestern von nebenan sind herüber gekommen und singen zur Begrüßung.

Baustelle der Kirchen im Pastoralzentrum Bugendana
Hier entsteht die Kirche im Pastoralzentrum Bugendana. Foto: Gerhard Rott

Wir verlieren keine Zeit, gehen gleich auf die Baustelle der Kirche. Da wird mächtig gehämmert, gesiebt und geschweißt. Der gesiebte Sand ist für den Beton, das Hämmern kommt vom Gerüstbau und geschweißt wird das Eisen im Beton. Die Eichstätter sind sehr positiv überrascht vom Baufortschritt und der an den Tag gelegten Sorgfalt. Es werden auch Details besprochen, wie zum Beispiel das Mischverhältnis von Bruchsteinen aus der Region und gebrannten Ziegeln. Auch die hoffentlich bald fertige Grundschule wird besucht. Die Fundamente der Gesundheitsstation wirken massiv. Die alte Kirche wird gerade genutzt für eine Frauen-Katechese zur Fastenzeit.

Am Nachmittag dann die sehr konzentrierte Baubesprechung. Dabei gelingen zumindest erste kleine Fortschritte bei der Planung der Ausstattung mit regenerativer Energie. Erfreulich, dass unsere drei Triesdorfer Stipendiaten angefangen haben, ihr Wissen umzusetzen. Ein Hühnerstall ist da, die ersten Bienenvölker werden von Ortspfarrer umsorgt und auch die Bodenverbesserung mittels Kompost läuft an.

Der Ausfall des Stromgenerators hat uns heute Abend gezeigt, wie abhängig wir von Energie sind und wie dringend diese Herausforderung hier angegangen werden muss.

Mehr zum Thema: Solarenergie für Bugendana

Solarenergie für Bugendana

Arbeitsreich werden die nächsten Tage für die fünf Mitglieder der Eichstätter Reisegruppe, die seit heute Morgen unterwegs ist nach Burundi. Dort baut das Bistum Eichstätt in Partnerschaft mit der Erzdiözese Gitega ein neues soziales und pastorales Zentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Häusern für Ordensleute, verschiedenen Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Bugendana.

Von München über Brüssel – wo ich gerade Zeit habe, ein paar Zeilen zu schreiben – geht es gleich weiter nach Bujumbura. Hier in Brüssel ist unser Team komplett geworden: Neben dem Eichstätter Finanzdirektor Domdekan Willibald Harrer und Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn, dem Bischöflichen Beauftragten für die Weltkirche, ist noch Karl Frey, der Architekt, der für das Erzbistum Gitega die Kirche und den gesamten Masterplan des Sozial- und Pastoralzentrums „St. Willibald und St. Walburga“ entworfen hat, dabei.

Neu in der Runde ist Luc Karake, ein Ingenieur, der bei der Beschaffungsgesellschaft für kirchliche, caritative und soziale Einrichtungen (BEGECA) in Aachen arbeitet und Fachmann für regenerative Energien in Afrika ist. Mit ihm und Karl Frey werde ich einige Tage auf der Baustelle in Bugendana die Planungen und nächsten Schritte zusammen mit den Partnern aus dem Erzbistum Gitega, deren Entwicklungsorganisation ODAG und der Firma Agglobu, die die Kirche baut, besprechen und die entwickelten Lösungen zur Entscheidung bringen. Die Planung der regenerativen Energieversorgung für das Pastoralzentrum ist einer der Schwerpunkte dieser Reise.

Aber es geht auch wieder darum, das kirchliche und gesellschaftliche Umfeld dialogisch mit einzubinden. Deshalb stehen morgen unter anderem Termine beim deutschen Botschafter Bruno Brommer und bei der Nuntiatur auf dem Programm. Wenn es mit der Internetverbindung klappt, schreibe ich in den nächsten Tagen weitere Beiträge aus Burundi.