Schlagwort-Archive: BMZ

Ein Entwicklungshelfer auf Abschiedstour

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) bat mich um eine „Abschiedstour“ für die Spendergruppen, die mich all die Jahre unterstützten. Viele Gruppen wie Kolping, Schulen, DAHW-Gruppen, Pfarreien und das Lepramuseum in Münster konnte ich besuchen. In der DAHW-Zentrale in Würzburg hielt ich Vorträge für die Mitarbeiter und den Vorstand, dessen Präsident, Patrick Miesen, mich in einer Feierstunde verabschiedete. In Berlin sprach mir in einer Feierstunde Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), den Dank und die Anerkennung der Bundesrepublik aus: „Im Namen von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller möchte ich Ihnen für die vielen Jahre danken, in denen Sie diese wichtige Arbeit mit Hingabe unter schwierigen Bedingungen geleistet haben. Durch Menschen wie Sie wird die deutsche Entwicklungszusammenarbeit getragen“.

Ehrung durch Dr Maria Flachsbarth
BMZ-Ehrung durch Dr Maria Flachsbarth

Auch die tschechische Lepraorganisation „Likvidace Lepry“ in Prag, die unsere Lepraarbeit auch all die Jahre unterstützte, lud mich zu Vorträgen in Schulen und Pfarreien ein.

Mein ehemaliger Schulkollege aus der Realschule Reborf, Franz-Josef Beringer aus Hitzhofen, organisierte wieder ein Treffen unserer ehemaligen Schulkameraden – 45 Jahre Abschluss der Realschule Rebdorf – und berichtete auch über die Aktivitäten des Freundeskreises, der seit mehr als 20 Jahre meine Arbeit in Brasilien unterstützt und meine Kontakte zur Heimat aufrecht hält. Auf seine Initiative hin bekam ich wieder ein Fahrzeug von der Firma Audi in Ingolstadt zur Verfügung gestellt. Mehr als km 12.000 legte ich mit dem neuen Audi Q3 zurück.

Eingeladen wurde ich auch zu Gebetszönakeln der Marianischen Priesterbewegung, dessen Mitglied ich in Brasilien bin. Ich berichtete über Pater Nazareno Lanciotti, ein italienischer Priester und sehr guter Freund, der in einer kleinen Urwaldstadt rund 400 Kilometer von Cuiabá entfernt tätig war und wegen seiner Arbeit als Seelsorger und seinem unermüdlichen Einsatz für seine sehr arme Gemeinde sehr beliebt war. Am 22. Februar 2001 starb er an den Folgen des Attentats, das er am 11. Februar 2001 erlitt. Er wird als Märtyrer und Heiliger verehrt und in den nächsten Jahren selig gesprochen werden.

Ein wenig über Brasilien

Die aktuelle Situation in Brasilien ist chaotisch, einer ganzen Generation wurde die Zukunft geraubt auf Grund einer extrem korrupten Politik. Korruption war schon immer ein zentrales Problem in Brasilien.

Brasilien konnte mit einem schwachen Wachstum von knapp 1 Prozent eine dreijährige Rezession beenden. Die Arbeitslosigkeit ging leicht zurück, ist aber immer noch mit 11,7 Prozent oder 12,3 Millionen Arbeitslosen sehr hoch. Auch die Gruppe der informell Beschäftigten – ohne Arbeitsvertrag, Gelegenheitsarbeiter – ist mit 37 Millionen noch sehr groß. 43 Prozent der Jugendlichen in der Altersgruppe von 14 bis 17 Jahren waren arbeitslos und in der Altersgruppe 18-24 Jahren 29 Prozent oder 5 Millionen. Die Inflationsrate beendete das Jahr mit 4,32 Prozent. Die Armutsrate stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent, 55 Millionen Brasilianer befanden sich Ende 2018 in Armut. Ihnen stehen weniger als US$ 5,50/Tag zur Verfügung.Die extreme Armut stieg um 13 Prozent, 15,3 Millionen Brasilianer lebten mit weniger als US$ 1,90/Tag. Mehr als 55 Prozent der Städte haben keine Abwasserversorgung, 35 Millionen Brasilianer sind ohne Trinkwasserversorgung. Die Sicherheit ist weiterhin ein großes Problem, offizielle Daten von 2018 liegen noch nicht vor. Die Mordrate ist 30 Mal höher als in Europa und übersteigt jährlich 60.000 Tote.

Finanzielle Krisen der Länder und Kommunen führten zu erheblichen Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung, vor allem im Gesundheitsbereich. Immer wieder mussten Krankenhäuser wegen fehlender Gelder vorübergehend schließen. Gehälter konnten nicht bezahlt werden, was immer wieder zu Streiks führte. Zika, Dengue, Chikungunya belasten zusätzlich die teilweise chaotische Gesundheitsversorgung.

Lepra weiterhin ein großes Gesundheitsproblem

Die Zahl der neuen Leprafälle hält sich bei 27.000 Fällen jährlich, wobei der Bundesstaat Mato Grosso mit fast 4.000 neuen Fällen im Jahre 2018 eine neue Rekordzahl erreicht hat, was nach WHO-Kriterien einer sehr hohen Leprarate entspricht. Die kontinuierliche jahrzehntelange Ausbildung von medizinischen Fachkräften hat dazu beigetragen, dass in vielen Städten die Lepraarbeit fortgesetzt wird.

Der Gouverneur des brasilianischen Bundestaates Mato Grosso stellte mit seinem Gesundheitsminister im Februar den Plan zur Bekämpfung der Lepra 2018-2020 vor, der von Fachkräften des Gesundheitsministeriums und mir erarbeitet wurde. Der Plan sieht eine größere Finanzierung der Lepraaktivitäten mit Geldern des Gesundheitsministeriums in Mato Grosso vor. Sofort wurden rund 400.000 Euro zur Verfügung gestellt. Zu meiner Überraschung lud man mich ein, den Plan mit zu unterzeichnen.

Unterzeichnung des Plans zur Bekämpfung der Lepra in Mato Grosso

Der Gouverneur und alle anderen Redner würdigten meine Lepraarbeit. Ich habe Pionierarbeit geleistet und ohne mein Wirken wäre das Lepraproblem heute wesentlich größer. Der Gouverneur begann seine Rede in dem er an die 1:7 Niederlage gegen Deutschland bei der Fußball-WM 2014 erinnerte. Er erwiderte, dass ich die Niederlage wieder gut gemacht habe durch die vielen Tore und Erfolge, die ich im Kampf gegen Lepra für den Bundestaat Mato Grosso und ganz Brasilien erzielt hätte.

Manfred Göbel bei einem Votrag in Rondonopolis, Mato Grosso

Meine Aktivitäten beschränkten sich im vergangenen Jahr auf den Bundesstaat Mato Grosso, da mein Nachfolger, Reinaldo Bechler, die Koordinierung der DAHW-Projekte in Brasilien übernahm und das DAHW-Büro in der Stadt Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais eröffnet wurde.

Glücklich der Mensch, der seinen Nächsten trägt in seiner ganzen Gebrechlichkeit, wie er sich wünscht, von jenem getragen zu werden in seiner eigenen Schwäche.
Franz von Assisi

Mein ganz herzlicher Dank für die Unterstützung meiner 40-jährigen Lepraarbeit in Brasilien. Die DAHW-Projekte werden von meinem Nachfolger, Reinaldo Bechler, weitergeführt.