Schlagwort-Archiv: Barcelona

Die Zeit nach dem Flugzeugunglück in Barcelona

Wir saßen gerade beim Mittagessen, als wir davon hörten. Sowohl die deutschen als auch die spanischen Medien berichteten nur noch über dieses unvorstellbare Ereignis: Ein Germanwings-Flugzeug soll auf seinem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den südfranzösischen Alpen mit 150 Personen an Bord abgestürzt sein. Unvorstellbar! Erst vor zweieinhalb Tagen bin ich mit Lufthansa von München nach Barcelona geflogen.

Schon läutet das Telefon. Eine katholische Religionslehrerin und Kollegin aus der Deutschen Schule Barcelona. Ob ich schon wisse, was passiert ist. Zwei Väter von Schülern saßen anscheinend in der Unglücksmaschine. Immer wieder läutet das Telefon. Ich kann es einfach nicht fassen.

In den Medien sprechen sie davon, dass am Flughafen in El Prat, Barcelona, ein Raum eingerichtet wurde, wo die Angehörigen der Verunglückten empfangen und betreut werden. Ich überlege nicht lange und mache mich sofort mit dem Auto auf den Weg zum Flughafen. Zuvor telefoniere ich noch mit Holger Lübs, dem Pfarrer der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde. Wir sprechen uns ab, was wir tun können. Unterwegs bekomme ich einen Anruf der Schulleitung: Inzwischen hat sich bestätigt, dass drei Väter in dem Flugzeug saßen, von denen fünf Kinder an unserer Schule sind.

Am Flughafen ist schon ein riesiger Auflauf. Unzählige Polizeiautos, eine Menge Übertragungswägen von Radio- und TV-Anstalten, Hunderte von Kameraleuten und Journalisten vor dem Tor des Flughafengebäudes. Als ich mich als deutscher Priester zu erkennen gebe, lässt man mich sofort durch und führt mich in ein Hintergebäude. Vizekonsul Bachmann vom Deutschen Generalkonsulat und zwei deutschsprachige Psychologinnen sind bereits vor Ort. Wir sprechen mit einem Vertreter der Flughafenverwaltung. Immer wieder treffen Angehörige ein. Sie werden sofort von der Presse und der Öffentlichkeit abgeschirmt. Deutsche Angehörige kommen nicht an den Flughafen.

Das Schlimmste ist, man fühlt sich völlig hilflos. Man kann scheinbar nichts tun. Ich stehe oder sitze mal bei dem einen, dann bei einem anderen Angehörigen, höre einfach zu, reiche etwas zu trinken, nehme die Person in den Arm, und sage vielleicht noch, wie unvorstellbar das auch für mich ist.

Ärzte nehmen den Angehörigen die DNA ab, damit man die Opfer später identifizieren kann. Es werden die Namen und die Kontaktdaten der Angehörigen aufgenommen. Sie werden dadurch „beschäftigt“. Eine Lufthansa-Sprecherin richtet sich an die Angehörigen. Man bietet den Angehörigen an, sie in Hotels zu bringen, wo sie in Ruhe betreut und informiert werden können.

Inzwischen ist es 18 Uhr. Wir deutschen Helfer können in El Prat nicht mehr viel tun, vor allem auch, weil keine deutschen Angehörigen an den Flughafen gekommen sind. Ich fahre zurück in die Stadt. Im Laufe des Nachmittags hatte ich mit meinem evangelischen Kollegen eine spontane Andacht organisiert. Der ökumenische Kirchenchor der beiden deutschsprachigen Gemeinden trifft sich jeden Dienstag um 20 Uhr in der evangelischen Gemeinde zu seiner wöchentlichen Probe. Der Chor studiert gerade die Choräle aus der Johannes-Passion von Bach ein. Über unsere Email-Verteiler laden wir alle Mitglieder unserer Gemeinden ein.

Deutsche Schule schockiert

An die hundert Personen sind der spontanen Einladung gefolgt. Viele sprechen mich an und sind dankbar für die Möglichkeit dieses gemeinsamen Gebetes. Viele sind zum Teil direkt aus dem Büro in die evangelische Kirche gekommen und treffen sich hier mit ihren Familienangehörigen. Es herrscht eine ruhige, andächtige Stimmung. Alles ist geprägt von einer allgemeinen Sprachlosigkeit. Auch der Gottesdienst. Wir beten den Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Es ist das Gebet Jesu, das er am Kreuz sterbend seinem Vater zu schreit. Warum? Auch Jesus begreift den Sinn des Leidens und des Sterbens nicht. Wir singen das Lied „Von guten Mächten still und treu umgeben“. Dietrich Bonhoeffer, der das Gedicht kurz vor seinem Tod im KZ geschrieben hat, war in den 1920er Jahren als Vikar in der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Barcelona. Das einzige, was wir tun können, ist, die Opfer, die Angehörigen, uns, unsere Fragen, unsere Verzweiflung, unsere Wut, unsere Trauer Gott hinzuhalten. Auch wenn wir vielleicht in dem Augenblick an diesen Gott überhaupt nicht glauben können und wollen.

Fünf Kinder aus der Deutschen Schule Barcelona haben bei dem tragischen Flugunglück plötzlich ihren Vater verloren. Diese schreckliche Tatsache hat die ganze Schule in einen gewissen Schockzustand versetzt. Für die meisten in der deutschen Gemeinde gehört es fast zum Alltag, regelmäßig mit dem Flugzeug zu verreisen. Nicht wenige Eltern von Schülern der DSB (Deutsche Schule Barcelona) sind beruflich gezwungen mehrmals wöchentlich zu fliegen.

Am Mittwochmorgen, am Tag nach dem Unglückstag, vor halb acht, als die ersten Schüler und Lehrer in die Schule kommen, stehe ich bereits in der großen Eingangshalle. Es gibt fast nur das eine Thema. Nach einer kurzen Besprechung mit der Schulleitung setze ich mich mit dem evangelischen Pfarrer zusammen und wir bereiten eine Andacht für die große Pause vor. Einen kleinen Raum neben der Eingangshalle, wo wir die wöchentliche Schulandacht abhalten, haben wir kurzfristig zu einem stillen „Rückzugsort“ umgestaltet. In der Mitte ein paar unaufdringliche Tücher, darauf eine schlichte, brennende Kerze und ein einfaches Kreuz. Während des ganzen Vormittags kommen immer wieder Schüler und Schülerinnen – vor allem aus den Oberstufen – und suchen das Gespräch mit uns. Ich kenne sie zum Teil aus dem Religionsunterricht oder von der Firmvorbereitung. Jeder sucht verzweifelt nach einer Antwort. Aber niemand weiß eine Antwort. Es fehlen die Worte, mit denen wir unsere Gefühle ausdrücken können. Oft bleiben nur Tränen, ein stiller Händedruck, eine Umarmung.

„Mein Gott, mein Gott, warum…“

„Jeder, der teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen!“, hieß es in der Email der Schulleitung an alle Lehrerinnen und Lehrer der DSB. In der großen Pause sollte in der großen Aula für die ganze Schulgemeinschaft ein kurzer Gedenkgottesdienst angeboten werden – freiwillig. Jeder will teilnehmen. Jeder, Schüler wie Lehrer, hat anscheinend das große Bedürfnis seiner Betroffenheit irgendwie Ausdruck zu geben. Über tausend Personen füllen die Aula. Die Kleinen sitzen am Boden, viele Hunderte stehen. Vorne im Zentrum, auf den Stufen der „Bühne“ wieder eine einfache, große Kerze in einem Glas. Daneben ein schlichtes Holzkreuz. Geschmückt mit ein paar Tüchern und einem kleinen Blumenstrauß. Es gibt keine „großen Reden“, keine Ansprachen. Auch hier hören wir einfach nur den Psalm 22, ohne viel Kommentar. „Mein Gott, mein Gott, warum…“. Zwei Schüler spielen auf dem Violoncello und der Violine den beeindruckenden „Cant Dels Ocells – Gesang der Vögel“, ein altes, bekanntes katalanisches Volkslied, das die Menschwerdung Gottes besingt. Nach einem kurzen Text von Dietrich Bonhoeffer singen wir gemeinsam das Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude … Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht. – El Senyor es la meva força“. Die Aufmerksamkeit und Ruhe ist beeindruckend. Vor allem auch, als die Anwesenden eigeladen werden ihre Fragen, Gefühle, Bitten oder Gebete auf kleine Zettel zu schreiben und zur Kerze zu legen. In den 20 Minuten hatte ich einen der stillsten und intensivsten Gottesdienste erlebt – und das mit über tausend Kindern und Erwachsenen.

Nach der Andacht stellen wir die Kerze gut sichtbar, aber geschützt, seitlich in eine Ecke der Eingangshalle der Schule. Rundherum vier Tafeln, an die wir die Gebetszettel heften. So schaffen wir einen provisorischen Ort des Gedenkens. Den ganzen Vormittag kommen in ehrfürchtiger Stille Schüler, Lehrer, Eltern, einzeln, in Gruppen, in ganzen Klassenverbänden dorthin. Ständig werden neue Zettel geschrieben und an die Wand gepinnt.

„Warum?“ Das ist die große Frage, die jeden bewegt. Der Tod ist plötzlich so nah, unmittelbar. Und vor allem, dieser Tod scheint so sinnlos, es gibt keinen Grund. Am Freitag vor den Osterferien beten wir im Rahmen des katholischen Religionsunterrichtes an der DSB mit den Schülern der 8. Jahrgangsstufe den ökumenischen Jugendkreuzweg 2015. Plötzlich ist es nicht mehr nur dieser Jesus aus Nazareth, der vor 2000 Jahren einen schrecklichen Kreuzweg gehen musste. Plötzlich ist es aber auch dieser Jesus, ist es auch Gott, der den tragischen Tod unzähliger Menschen erlitten hat. Im Gemeindegottesdienst am vergangenen Palmsonntag stellen Kinder, während die Markus-Passion vorgelesen wird, die Szenen pantomimisch dar. Es wird uns nicht irgendeine längst vergangene Geschichte eines fremden Menschen erzählt. Es wird uns unsere Geschichte erzählt. Die Geschichte meines Lebens, meines Leidens und Sterbens. Und sie geht weiter, diese Geschichte. Zum Karfreitag gehört für uns Christen unbedingt auch die Osternacht. Auch wenn ich keine Antwort auf mein „Warum?“ bekomme. Es tröstet und gibt Hoffnung zu erleben, dass wir auf unserem „Kreuzweg des Lebens“ nicht allein sind, dass Gott mit mir denselben Weg geht.

Notfallseelsorge nach dem Flugzeugabsturz: Ottmar Breitenhuber im Interview mit Radio K1-Redakteur Bernhard Löhlein (29.03.2015)

Von Mauern, Freiheit und Unabhängigkeit

oder: Was hatten Berlin und Barcelona am 9. November gemeinsam?

Die Menschen lassen sich nicht aufhalten. Sie lassen sich ihr Recht auf Meinungsäußerung nicht verbieten. Seit mehr als zwei Jahren wird der Ruf nach einer politischen Unabhängigkeit Kataloniens immer lauter und massiver. Millionen von Menschen haben sich jeweils am 11. September der vergangenen Jahre in Barcelona eingefunden, um friedlich für einen unabhängigen Staat Katalonien zu demonstrieren. Am 9. November 2014 wollten nun die Katalanen mit einem Referendum im Stil der schottischen Volksabstimmung über Abhängigkeit oder Unabhängigkeit von Spanien entscheiden. Das spanische Verfassungsgericht hat ihnen aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Volksabstimmung kann und darf nur mit der Genehmigung der spanischen Zentralregierung durchgeführt werden. Wer sich dem widersetzt, handelt verfassungswidrig.

Je mehr die konservative Regierung Rajoys in Madrid die Bestrebungen im rebellischen Katalonien bombardierte, desto stärker wurden dort die Forderungen. Um die Unabhängigkeitswilligen aber nicht in Konflikt mit dem Verfassungsschutz zu bringen, deklarierte man die Volksabstimmung kurzerhand zu einer „Meinungsumfrage“. Und nichts konnte die Katalanen mehr aufhalten. Trotz ungemütlichen Wetters in der sonst von Sonne verwöhnten Region machten sich am gestrigen Sonntag deutlich mehr als zwei Millionen von den knapp 5,5 Millionen Wahlberechtigten auf, um ihre Stimme abzugeben. Dabei nahm man zum Teil auch ein sehr langes Anstehen in unendlichen Schlangen in Kauf. Manche sind auch extra aus dem Ausland in ihre Heimat angereist, wie der katalanische Bayern-Trainer Pep Guardiola.

Und das Ergebnis war keine große Überraschung: Über 80 Prozent votierten dafür, dass Katalonien einen eigenen Staat bilden und sich von Spanien abspalten sollte. Ein „Traumergebnis“ resultieren die Organisatoren der Meinungsumfrage. „Völlig wertlos“ beurteilt dagegen Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy die Abstimmung. „Solange ich Regierungschef bin, wird die Verfassung eingehalten“, fügt er hinzu. „Niemand wird die Einheit Spaniens zerbrechen.“

„Wir sind das Volk“ konnte man auf Katalanisch und Deutsch auf manchen Plakaten der  Demonstranten und Wähler in Barcelona lesen. Am 25. Jahrestag des Berliner Mauerfalls erinnerte  sich das kleine Volk im Nordosten Spaniens an die Macht des Volkes in der ehemaligen DDR. Der Wille nach Freiheit und Recht auf Selbstbestimmung brachte schließlich eine der schlimmsten Mauern der Menschheitsgeschichte zum Einstürzen. Etwas, was fast niemand mehr für möglich gehalten hatte. Diese Erfahrung des deutsch-deutschen Volkes schenkt dem katalanischen Volk Hoffnung, dass auch ihr Wille nach Eigenbestimmung nicht weiter ignoriert wird.

In Berlin feierte man am 9. November den Mauerfall vor 25 Jahren mit einem riesigen Volksfest. Ob es in Katalonien jemals zu einem ähnlichen Volksfest der „Befreiung und Unabhängigkeit“ kommen wird, ist noch sehr fraglich. Dass die Regierenden aller Völker aber wachsam und respektvoll auf den Willen der Menschen hören sollen, um deren Wohl dienen zu können, das zeigt das Beispiel Katalonien. Nicht ideologische Gleichförmigkeit und Zentralismus kann das Ziel sein, sondern nur Einheit in respektvoller Vielfalt.

Ich bin dann mal schnell in Barcelona

Ich weiß, die fünfte Jahreszeit ist vorbei, dennoch erlaube ich mir einen kurzen Rückblick. Es ist ja recht und schön, aber acht Wochen Fasching, das ist dann für manchen doch etwas zu heftig! So lange wie heuer, ist der Fasching nur alle paar Jahre. Für die einen ist das eine Riesengaudi, für die anderen unerträglich. Sie wollen nur noch weg. Dorthin, wo es ruhiger ist, kein Fasching, und vor allem, wo es wärmer ist. Am besten noch Meer, Kultur, eine faszinierende Stadt und südländischer Lebensstil. Was liegt da näher als – BARCELONA.

Diese Slideshow erfordert aktiviertes JavaScript.

Gerade für ein verlängertes Wochenende oder einen kurzen Städtetrip ist Barcelona genau das richtige Ziel. Knapp zwei Flugstunden von München entfernt, gibt es außerhalb der Hauptsaison schon Flüge zwischen 100 und 150 Euro, hin und zurück. In St. Albertus Magnus, der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Barcelona, merken wir diese Überlegungen mancher Faschingsmuffel. Immer mehr Urlaubssuchende nützen die Ferienwoche über Fasching und Aschermittwoch für einen Besuch in der katalanischen Metropole – auch aus dem „Bischdum Eigschdädd“.

Eine junge siebenköpfigen Familie (Eltern mit fünf Töchtern von 6 bis 14 Jahre) aus der Eichstätter Gegend, zwei Familien mit jeweils zwei Kindern aus Ingolstadt und zwei Ehepaare meldeten sich einige Wochen vor dem Faschingswochenende in St. Albertus Magnus und kündigten ihren Besuch an. Ganz unterschiedlich war das Motiv: Die einen suchten einfach Erholung vom Alltag, die anderen feierten den Geburtstag des Ehepartners in der Fremde, wieder andere schauten sich nach einem möglichen Arbeitsfeld für die Zukunft um. Barcelona hat für die unterschiedlichsten Bedürfnisse was zu bieten.

Gut, dass in St. Albertus Magnus auch ein recht vielseitiges Angebot herrscht. Auch wenn die Hauptstadt Kataloniens keine Hochburg des Karnevals ist, in der Deutschsprachigen Gemeinde von Barcelona darf Fasching nicht fehlen. Karneval, Fastnacht, Fasching oder wie immer man auch die närrischen Tage bezeichnen will, die Tage vor dem Aschermittwoch gehören der Maskierung, der Freude und dem Fest. Deshalb kommt auch manches Kind schon in den sonntäglichen Gemeindegottesdienst maskiert und verkleidet. Vor allem dann aber nach der Messe. Da wird der gewöhnliche Kirchencafé erweitert zu einer waschechten Faschingsfeier. Mainzer Büttenreden, Kölner Karnevalslieder, bayrische Gstanzel, bolivianische Tänze, alles hat Platz in der Faschingsfeier der deutschen katholischen Gemeinde von Barcelona. Und dazu noch selbergemachte schwäbische Spätzle mit Gulasch – was fehlt da einem noch?

Es ist aber nicht nur ausgelassenes Vergnügen, was den Gästen aus Bayern in der katalanischen Hauptstadt geboten wird. Neben der reichhaltigen Geschichte, faszinierenden Kultur und den unerschöpflichen Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet die St. Albertus Magnus-Gemeinde den deutschsprachigen Christen in Barcelona natürlich auch ein spirituelles Programm an, seien es nun  Sesshafte, die sich hier fest niedergelassen haben, oder Gäste, die für ein paar Tage die Stadt kennen lernen wollen. „Das Leben neu sehen“ lautet deshalb die Veranstaltung am Aschermittwoch, mit der die Österliche Bußzeit eingeleitet wird. Eine junge Künstlerin der deutschsprachigen Gemeinde gibt in der Buchhandlung des Claretiner-Ordens eine Einführung in ihre Ausstellung und der Pfarrer stellt sein Buch vor, in dem Fotografien, Predigten, Meditationen und Gedichte einen neuen Blick zu biblischen Gestalten eröffnen.

Auf keinen Fall fehlen darf bei einem Besuch in Barcelona aber „La Sagrada Familia“ – die einmalige Basilika zu Ehren der Heiligen Familie. Antoni Gaudi, der wohl außergewöhnlichste Jugendstilkünstler und Architekt Kataloniens, hat 1883 die Leitung des Kirchenbau übernommen. Zu seinem Tod, 1926, standen gerade ein kleiner Teil der Apsis-Mauern und die Ost-Fassade mit ihren Türmen (vier von insgesamt 18 geplanten). Im November 2010 konnte Papst Benedikt das Hauptschiff einweihen. Seitdem betreten die Besucher eine Kirche und keine Baustelle, und seit dem nutzt der Erzbischof von Barcelona die Basilika für besondere Gottesdienste. Trotzdem ist eine Vollendung der „Sagrada“ noch nicht abzusehen. Vor allem die Glorien-Fassade zum Meer und die Haupttürme, die Jesus Christus und der Gottesmutter geweiht werden sollen, werden sicher noch einige Jahre Bauarbeit in Anspruch nehmen. Obwohl die Kirche an vielen Stellen einer großen Baustelle gleicht, macht sie dennoch auf jeden Besucher einen unvergleichlichen spirituellen Eindruck. Das Spiel der Säulen, der Zauber der Farben, die unerschöpfliche Tiefe der Symbole, das alles macht „La Sagrada Familia“ zu einem „Fünften Evangelium“.

So schön der Fasching in Bayern oder in Deutschland auch sein kann. Es gibt auch Alternativen. St. Albertus Magnus, die Deutschsprachige Gemeinde von Barcelona bietet verschiedene.

Für die einen das Christkind, für die anderen die Dreikönige

Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Matthäus 2,11b

Weihnachten, Heiligabend, Christkind, Geschenke – diese Begriffe gehören untrennbar zusammen. Bei uns in Deutschland. In sehr, sehr vielen Ländern unserer Erdkugel ist das aber ganz anders. Zum Beispiel in Spanien, oder genauer gesagt Katalonien, wovon ich erzählen kann.

Weihnachten: Natürlich feiert man die Geburt Jesu auch in der katalanischen Hauptstadt Barcelona. Aber nicht nicht so sehr wie in Deutschland und in anderen nordeuropäischen Ländern am 25. Dezember und in der vorausgehenden Nacht, sondern vor allem am 6. Januar mit dem Fest der Epiphanie Christi (Erscheinung des Herrn), in Spanien bekannt als „la Fiesta de los Reyes Magos“, also der Heiligen Drei Könige. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass in Spanien das Christentum von Anfang an der byzantinischen Ostkirche sehr nahe stand. Diese feierte die Menschwerdung Gottes schon immer nicht wie die lateinische Westkirche am 25. Dezember, sondern am 6. Januar.

Deshalb kommt in Spanien am Heiligabend auch kein Christkind, um den Kindern Geschenke unter den Christbaum zu legen (der Christbaum wird übrigens auch erst in den letzten Jahren immer mehr von den Ländern nördlich der Alpen abgeschaut). Christkind, das kennen die Spanier gar nicht. Sie kennen vielleicht einen „Papa Noel“. Aber der ist eindeutig eine Kopie des amerikanischen Weihnachtsmannes, der nachweislich mehr mit dem hl. Nikolaus verwandt ist als mit dem Christkind.

Heißt das dann, die Kinder Spaniens – und die Erwachsenen – gehen am Heiligabend leer aus? Gar keine Weihnachtsgeschenke? Ja! An dem für fast jeden Deutschen „heiligen“ Abend sind in Spanien die Geschäfte offen wie immer, bis 22 Uhr. Für die meisten geht das Leben und die Arbeit weiter wie an jedem anderen Tagen auch. Am 25. Dezember, am Weihnachtsfeiertag, kommt man dann aber doch etwas zur Ruhe und zum Feiern. Dieser Tag ist ein klassischer Familien- und Besuchstag. Da sind die Straßen den ganzen Tag wie ausgestorben und die unzähligen Bars und Restaurants bleiben geschlossen. – Gut, viele von den Stammkneipen haben für eine kurze Zeit geöffnet. Spanien ohne seine Bars, das geht überhaupt nicht!

Und was ist jetzt mit Geschenken? Natürlich gibt es zu dem frohen Fest der Geburt Jesu auch Geschenke. Vor allem für die Kinder. Die werden aber nicht vom Christkind gebracht (das in Spanien ja nicht existiert!), sondern von den „Reyes“, den „Königen“. Und ist ja irgendwie auch logisch. Am Dreikönigsfest feiern wir Christen, dass Gott auf Erden als Mensch unter Menschen, uns ganz gleich, erschienen ist. Überall auf Erden, in allen Teilkirchen des Christentums, wird diese Botschaft am 6. Januar mit der Geschichte des Besuchs der drei Weisen aus dem Morgenland erzählt. Der Evangelist Matthäus berichtet ausdrücklich davon, wie die Weisen dem Kind drei Geschenke brachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und deshalb werden in Spanien den Kindern die Geschenke auch von den Königen gebracht.

Das Ganze ist aber ein Mordsspektakel: In Barcelona zum Beispiel kommen die königlichen Herren am Vorabend des Dreikönigsfestes mit dem Schiff im Hafen angefahren. Vom Bürgermeister und hunderten Schaulustigen werden sie freudig begrüßt. Dann ziehen sie in einem kilometerlangen Konvoi durch die Stadt. Auf ca. 20 bunt geschmückten Wägen sind die Könige mitsamt ihrem Hofstaat verteilt. Den Umzug kann man sich ein wenig vorstellen wie den Karnevalsumzug in Köln. Jeder der Wägen ist phantasievoll geschmückt. Oft werden Themen der Tagespolitik in lustiger Art und Weise aufs Korn genommen. Zu Tausenden säumen die Menschen die Straßenränder und die Kinder sammeln in Tüten die Süßigkeiten, die ihnen von den Wägen herunter zugeworfen werden.

An der Placa Jaume angekommen, werden die Dreikönige mit ihrem Gefolge nochmal vom Bürgermeister und anderen wichtigen Vertretern der Gesellschaft empfangen. Jetzt ist aber vor allem der Zeitpunkt gekommen, dass die Könige auf je einem Thron Platz nehmen und Audienz halten. In langen Schlangen stehen die Kinder an, um den Königen die Briefe mit ihren Wunschlisten zu überreichen. Schließlich verabschieden sich die Könige wieder. Jetzt haben sie ja allerhand zu tun, um in der folgenden Nacht die Geschenke den entsprechenden Empfängern auch richtig zuzustellen. Denn schließlich möchte doch jedes Kind in Spanien, dass am Morgen des 6. Januar vor der Wohnungstür seine langersehnten Weihnachts-Geschenke stehen.