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Kongo, Krieg und unsere Handys

Der Shalompreis 2015 vom Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt geht an ein Projekt im Kongo. Thérèse Mema, Sozialarbeiterin und Trauma-Therapeutin, kümmert sich um Opfer sexualisierter Gewalt. Die diesjährige Shalom-Aktion hat am Sonntag, 19. April, mit einem Gottesdienst im Salesianum-Rosental begonnen. Die Preisverleihung ist am 20. Juni im Spiegelsaal der Residenz Eichstätt.

„Eure Handys haben etwas mit unserem Krieg zu tun“: Das sagt Thérèse Mema, die sich um vergewaltigte, traumatisierte Frauen kümmert. Sie kommt aus dem Land, das von den Vereinten Nationen als das gefährlichste Land für Frauen bezeichnet wird – aus dem Kongo. Vergewaltigung wird dort als „Waffe“ im Krieg eingesetzt, Rebellengruppen vertreiben die Zivilbevölkerung brutal.

In der Grenzregion des Ost-Kongo kämpfen verschiedene ethnische Gruppen ebenso wie das kongolesische Militär und paramilitärische Verbände der Nachbarländer, zum Beispiel Kämpfer aus Ruanda, die nach dem Völkermord 1994 dorthin flohen.

Aber welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Grausamkeit im Ost-Kongo und unseren Handys, Smartphones, Tablets und anderen elektronischen Geräten? Zur Halbleiterherstellung wird das seltene Erz Coltan benötigt. Im Ost-Kongo gibt es reiche Vorkommen an Wolfram, Gold, Diamanten – und Coltan.

Die Paramilitärs und Rebellen kontrollieren den Großteil der ungefähr 900 Minen, mehr und mehr wurden von ausländischen Firmen übernommen. Die Menschen aus den Dörfern werden gezwungen, die Erze mit Schaufeln, manchmal mit den bloßen Händen aus dem Boden zu holen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Roherze finanzieren die Paramilitärs Waffenkäufe. Über verschiedene Zwischenhändler landen die Erze in Mombasa/Kenia und werden zur Verarbeitung nach Asien transportiert. Der Profit der Händler am Ende der Kette ist groß.

Das Leid der vergewaltigten Frauen, manchmal auch Kinder, ist unsagbar. Die Sozialarbeiterin und Trauma-Therapeutin Thérèse Mema fährt in die Dörfer, in die Minen, und hört von unfassbaren Grausamkeiten, Verstümmelungen, die den versklavten Männern und Frauen angetan wurden und werden. Wer zu fliehen versucht oder sich verweigert, wird ermordet. Keine offizielle Stelle wie etwa Polizei, Regierung oder Soldaten, versuchen, das Schicksal der verschleppten Menschen aufzuklären. Manchmal retten vereinzelt Angehörige der Armee einige Verschleppte.

Thérèse Mema hat zusammen mit der Katholischen Organisation Justice et Paix in 18 Dörfern südlich von Bukavu Traumazentren errichtet. Sie hat sie Centre d’Ecoute – Orte des Zuhörens – genannt. Mit großem Einfühlungsvermögen und Zuneigung hört sie den gequälten Überlebenden zu. Die 31-jährige Sozialarbeiterin begleitet die Frauen ins Krankenhaus und leistet psychologische Hilfe. Therese Mema schulte Sozialarbeiter vor Ort, damit die in den Dörfern erklären, warum es gut ist, über die grausamen Erfahrungen zu reden. Justice et Paix wird vom katholischen Hilfswerk missio finanziell unterstützt. Damit die Traumazentren weiter bestehen können, ist jede Spende wichtig.

„Nein zu Blut-Telefonen“ ist eine Aktion im Kongo, die von missio auch in Deutschland publik gemacht wird und Thérèse Mema ein großes Anliegen ist. Illegal gefördertes Erz soll nicht verwendet werden. Ein Artikel in der Frauenzeitschrift Brigitte mit einer Reportage über den Zusammenhang zwischen „ihrer Hölle und unseren Handys“ wie es in der Überschrift hieß, rüttelte viele Menschen auf.

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Shalom-Preisträgerin kämpft für indigene Bevölkerung

Lory Obal, Shalom-Preisträgerin des Jahres 2014 kommt am Mittwoch, 22. Mai, nach Eichstätt. Sie wird, wie in den letzten Jahren alle Preisträger/innen, im Haus unseres langjährigen Mitglieds, der 81jährigen Margarete Müller, wohnen. Wir, Studentinnen und drei Eichstätter Bürgerinnen, die derzeit aktiv im AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sind, werden hier in den kommenden Tagen unseren Stützpunkt haben.

Christin Lory Obal engagiert sich seit 1984 für die indigene Bevölkerung. Die studierte Religionspädagogin und Erziehungswissenschaftlerin ist Gründerin und Präsidentin des ausgezeichneten Projektes ICON, des Netzwerk Interkultureller Organisationen für Solidarität und Frieden auf den Philippinen.

In Tampakan auf Mindanao befinden sich einige der größten Abbaugebiete für Gold und Kupfer in ganz Südostasien. Dies führt häufig zu Landraub durch multinationale Konzerne und teilweise blutigen Auseinandersetzungen zu Lasten der indigenen Bevölkerung. Lory Obal war 28 Jahre lang Mitarbeiterin des Bistums Kidapawan. Seither ist sie leitend tätig für mehrere Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Menschenrechte, Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz. Seit 2004 ist sie Generalsekretärin von AGENDA (Alliance for Genuine Development)

Das Netzwerk ICON erarbeitet innerhalb lokaler Strukturen Mechanismen der Konfliktlösung, zum Beispiel im Dorfentwicklungsrat. Monatlich finden Treffen von Nichtregierungsorganisationen, Kommunen und staatlichen Stellen statt. In wöchentlichen Radioprogrammen, Broschüren und in einem monatlichen Newsletter wird über die friedensbildenden Maßnahmen gesprochen. Persönlichkeiten aus Kirche, Wissenschaft, Medien und Kommunen führen einen Dialog mit Armee und Rebellengruppen in den Konfliktgebieten. In übergemeindlichen Foren sprechen sie über Friedensabkommen.

Lory Obals Einsatz ist eng mit der katholischen Kirche verbunden. Schon1981 fragte sie Bischof Orlando Quevedo OMI von Kindapawan, ob sie für eine große Pfarrei als Religionspädagogin arbeiten würde. Drei Jahre später übernahm sie dort, im Zentrum der Insel Mindanao, die Verantwortung für das katholische Programm für die indigene Bevölkerung. Seit dieser Zeit ist sie mitten im Konflikt um Land. Immer wieder ist sie von Regierungstruppen oder Milizen angegriffen worden. Ureinwohner werden vertrieben oder gar getötet, ihr Land wird annektiert. Mitarbeiter der Kirche, auch enge Freunde Obals, wurden ermordet. Lory Obal schrieb in einer Mail: „Ich habe keine Angst um mein Leben. Ich werde von einem Gefühl der Hoffnung und der Kraft Gottes begleitet.“ Wenn man das nicht mehr habe, müsse man aufhören.

Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Mit dem jährlich verliehenen Shalompreis werden Einzelpersonen oder Gruppen ausgezeichnet, die sich in vorbildlicher Weise, oft unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte, den weltweiten Frieden oder für Unterdrückte einsetzen. Der Preis versteht sich als ideelle Anerkennung und als praktische materielle Unterstützung gleichermaßen.

Das Preisgeld wird ausschließlich aus Spenden verschiedener Träger, Organisationen und Privatpersonen zusammengetragen. Es fließt direkt in ein oder mehrere Projekte, die die Preisträger/innen vorschlagen und über die sie weiterhin berichten. Der Preis soll nicht nur eine Anerkennung für die Leistung der Ausgezeichneten sein, sondern darüber hinaus auch dazu beitragen, gefährdete Verteidiger von Frieden und  Menschenrechten zu schützen und andere zu ermutigen, sich zu engagieren.

Seit der Gründung des AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 1981, fanden und finden sich immer wieder Studenten und Studentinnen sowie Eichstätter Bürgerinnen, die die rein ehrenamtliche Arbeit ermöglichen.

Mehr zum Thema: Gegen Ausbeutung und Zerstörung

Die feierliche Verleihung des Shalompreises 2014 findet am Samstag, 24. Mai, um 19.30 Uhr im Holzersaal der Sommerresidenz Eichstätt statt. Im Rahmen der Shalomwoche ist am Donnerstag, 22. Mai, um 19.00 Uhr, im Filmstudio im Alten Stadttheater Eichstätt der Film „Lola“ aus den Philippinen zu sehen. Alle Termine der Shalomwoche auf der Website des AK-Shlalom.