Schlagwort-Archiv: Afrika

Gäste aus Kenia bei der KAB im Bistum Eichstätt

Seit einigen Tagen sind drei Gäste aus Kenia zu Besuch im Bistum Eichstätt. Tarcisio Kithinji, Peter Kungu und Sammy Kiviu sind Verantwortliche in der Nationalleitung des „Christian Workers Movement“ (CWM) aus Kenia, also dass, was in Deutschland die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) ist. Auf dem Programm stehen Besuche und Begegnungen in Pfarreien und Ortsgruppen der KAB, etwa beim Pfarrfest Eitensheim. Informationsbesuche in Heideck zum Thema Ziegenzucht oder im landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Triesdorf. Auch über soziale Brennpunkte in Nürnberg und Ingolstadt werden sich die Gäste informieren.

Der Videofilm zeigt die Begrüssung der Gäste in der Pfarrkirche in Eitensheim, durch Pfarrer Michael Konecny, den ehemalige Diözesanpräses der KAB Eichstätt. Dabei segnete er auch ein neugestaltetes Banner, welches zum Symbol der Partnerschaft zwischen der KAB Eichstätt und der CWM Kenya werden soll.

Noch bis zum 12. Juli sind die Gäste aus Kenia im Bistum Eichstätt unterwegs. Sie möchten während ihres Besuches möglichst viele Mitglieder der KAB aus allen Kreisverbänden treffen, sie kennen lernen, mit Ihnen diskutieren und viele Projekte besuchen.

Das komplette Programm des Besuchs ist unter www.kab-weltnotwerk-eichstaett.de/besuch-aus-kenia abrufbar

Das KAB-Weltnotwerk im Bistum Eichstätt e.V. wurde 2013 gegründet, um die Arbeit zur Unterstützung und Förderung der internationalen christlichen Arbeitnehmerbewegungen zu stärken. Der Verein gehört zur Gruppe der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Eichstätt.

Seit den siebziger Jahren engagiert sich die KAB Eichstätt in der internationalen Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe. Jahrzehnte lange, erfolgreiche Partnerprojekte wurden in Indien und Madagaskar abgeschlossen. Die Partnerschaft mit der CWM Kenya begann 2009.

Die CWM Kenya mit etwa 1.500 Mitgliedern in 30 Basisgruppen engagiert sich trotz Dürre und Wassermangel mit Herzblut für die Menschen in Kenia. Mit Zuverlässigkeit und Kreativität überwinden sie Hindernisse und führen verschiedene Projekte durch.

Perspektive Selbsthilfe

Nur wenn Menschen in die Lage versetzt werden, ihre Probleme selbst zu meistern, wenn nicht nur die erste Not, sondern deren Ursachen mitbedacht werden, dann kann Hilfe erfolgreich sein.

Die solide Verbandsarbeit, wie sie in KAB und CWM praktiziert wird, ist damit eine ideale Voraussetzung dafür, dass Tropfen für Tropfen der Durst nach einer gerechteren und einer solidarischeren Welt gelöscht wird.

Ein Gottsuchender auf dem Weg nach Afrika

Jetzt, in den Tagen vor meinem Einsatz im krisengeplagten Südsudan (ich bin gerade in Nairobi/Kenia angekommen – am 9. Februar fliege ich weiter nach Juba/Südsudan), werde ich immer wieder angesprochen, ob nicht ein missionarischer Einsatz bei uns in Deutschland wichtiger wäre als die erfüllende Arbeit in Afrika. In der Tat, diese Frage ist berechtigt und verunsichert mich.

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Die Weitergabe des Glaubens hat in den vergangenen Jahren in unserer Gesellschaft nicht mehr so richtig stattgefunden. Dazu gibt es viele Erklärungen. Wir waren alle mit Wohlstandsvermehrung, Fortschritt und Machbarkeitsdenken beschäftigt und haben das entscheidende, nämlich Gott einfach vergessen oder übersehen. Wir sind als Gesellschaft dabei, dass wir uns in uns selbst verirren. P. Alfred Delp hat schon vor vielen Jahren Deutschland als Missionsland erklärt, weil der Mensch der westlichen Welt gottunfähig, wie er es nennt, geworden ist. Wir nehmen uns nicht mehr als Kinder Gottes wahr. Wir haben alle Mittel entwickelt, um uns selbst zu erlösen und dabei hat sich uns der Himmel verschlossen. Und weil wir auch nicht mehr an einen Himmel glauben, sind wir bemüht, den Himmel auf Erden zu schaffen. Das überfordert uns nicht selten und noch schlimmer, wir überfordern uns gegenseitig. Um wieviel besser könnte unser Leben sein, wenn wir uns als Kinder Gottes wahrnehmen würden und uns von ihm geführt wüssten. Wir würden die Gebote Gottes als Angebote zum Leben entdecken und eine gesunde Gelassenheit und Zuversicht würde uns zu glücklicheren Menschen machen. Wir würden von uns selbst loskommen und erfahren, dass das Leben nur in der Hingabe gelingt.

Unser Papst Franziskus, der einem Missionar wirklich aus der Seele spricht, fordert eine Kirche, die sich selbst vergisst und sich an den Rand der Kirche und der Gesellschaft wagt. Papst Franziskus will eine Kirche, die sich im unermüdlichen Einsatz für die Menschen lieber verbeult und schmutzig macht als eine Kirche, die sich selbst gefällt und feiert. Er spricht von Bequemlichkeit in der wir uns Christen eingerichtet haben und so sind wir zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Die Kirche sei ein Feldlazarett, sagt er. Das sind starke Worte, die zwar ausgesprochen, aber noch lange nicht eingelöst sind. Jesus begegnen und erkennen wir halt nur, „wenn wir uns tief genug bücken“, sagt eine Chassidische Weisheit. Das ist dann Mission, wahre Nachfolge.

Jede Pfarrei steht heute vor der Frage: Wie lassen sich die Gemeindemitglieder neu ansprechen? Wahrscheinlich beschäftigt euch die Frage: Was muss geschehen, damit wieder mehr Menschen in die Kirche kommen? Vielleicht aber müssen wir die Frage anders stellen. Wie gelangen das Wort und die Werte Gottes – die menschenfreundliche Liebe – zu den Menschen von heute? Das ist Mission, wie sie hier bei uns stattfinden muss und die unverhältnismäßig schwerer ist als die Mission Afrika, wo eine religiöse Grundmelodie zum Leben gehört.

Meine Entscheidung für Afrika erscheint mutig und mein Glaube erscheint groß. Aber glaubt mir, ich bin wie ihr alle ein Gottsuchender, wie ein Blinder, dem man den Aufgang der Sonne verheißt. Nur im diesem Vertrauen gehe ich meinen Weg weiter. Genau so will ich den Menschen in Afrika begegnen.

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KLB-Partnerschaft mit Senegal

Seit über 20 Jahren besteht eine Partnerschaft der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) der Diözese Eichstätt mit der „Landvolkbewegung“ MARCS der Diözese Tambacounda im Senegal. Begründet wurde sie durch erste Besuche des damaligen Landvolkpfarrers Josef Bierschneider und dem KLB Referenten Michael Miehling.  Seitdem gibt es viele freundschaftliche Begegnungen im Senegal, aber auch in unserer Diözese. Ich selbst besuchte bereits sechs Mal unsere Partner in Afrika und bin immer wieder von deren Gastfreundschaft („Tarenga“) angetan. Vom 27. Januar bis 17. Februar werde ich erneut in Tambacounda unterwegs sein.

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Ein Partnerschaftsabkommen, das 2009 erneuert wurde, regelt die Verbindungen zwischen KLB und MARCS. Bisher konnten schon viele Projekte verwirklicht werden. So wurde zum Beispiel eine Schule in Nguen gebaut, Deutschkurse wurden angeboten, eine Umfassungsmauer für das Schulgebäude wurde errichtet und den Bau einer Kirche unterstützt.

Mit im Partnerschaftsboot sind das Schulreferat, der Caritasdiözesanverband und die Priestergemeinschaft UCS der 1989 gegründeten Diözese Tambacounda. Neben gegenseitigen Besuchen und dem Lernen voneinander spielt die Förderung von Projekten in Tambacounda eine große Rolle. Schwerpunkt ist zurzeit die Bildung. Neben der Ausstattung von Schulen in ländlichen Räumen ist ein großes „Alphabetisierungsprojekt für Frauen“ – in Zusammenarbeit mit dem Verein „Internationaler Ländlicher Entwicklungsdienst“(ILD) in Bad Honnef in den Startlöchern.

Laut offiziellen Statistiken sind etwa 65 Prozent der Bevölkerung Senegals Analphabeten – unter den Frauen sogar 74 Prozent. Die 2001 eingeführte Verfassung garantiert zwar den Zugang zur Bildung für alle Kinder, und die Schule ist bis zum Alter von 16 Jahren verpflichtend und kostenlos, aber selbst die senegalesische Regierung gibt zu, dass das öffentliche Schulsystem nicht alle Kinder im Schulalter aufnehmen kann.

Aus mehreren Projektanträgen von der Diözese Tambacounda hat sich die KLB für das Alphabetisierungsprojekt für Frauen entschieden. Da es für die KLB Eichstätt zu umfangreich war wurde der ILD mit ins Boot geholt. Der finanzielle Rahmen umfasst rund 240.000 Euro. Die KLB muss etwa ein Viertel davon aufbringen. Bernard Seck, der Leiter der Katholischen Schule, realisiert es im Senegal.

Das Projekt umfasst rund 40 Dörfer in der Region Tambacounda und betrifft 1575 Frauen, die in ihren Dörfern von geschulten Lehrern unterrichtet werden. Der Unterricht wird sehr lebensnah gestaltet. Die Frauen bekommen auch Informationen über Hygiene, Gesundheitswesen und Gemüseanbau. Allgemeines Ziel ist es, die Situation der Frauen, die die Hauptlast des täglichen Lebens tragen, zu verbessern. Mit dem Projekt leisten wir auch einen Beitrag für eine bessere Ernährung der Familien, stärken das Selbstbewusstsein der Frauen und ermöglichen ihnen eine Teilhabe am öffentlichen Leben und den Zugang zu öffentlichen Ämtern.

Radio K1-Beitrag von Daniela Bahmann

Ein Missionar fällt nicht vom Himmel

Ich breche in den nächsten Tagen zu einem neuen Einsatz im Südsudan auf. Das jüngste Land der Welt ist derzeit ein Krisengebiet. Trotzdem freue ich mich auf die Ausreise und spüre die Rückendeckung meiner Heitmatgemeinde Laibstadt, die seit Jahrzehnten treu zu uns Comboni-Missionare steht.

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Meine Ausreise geht nicht ins Blaue, denn ich habe schon gute Erfahrungen in Afrika, in den Elendsvierteln von Nairobi zusammen mit P. Josef Gerner gesammelt, und in den letzten Jahren hier in Deutschland ist mir klarer geworden, um was es in meinem Leben geht. Ich spüre heute deutlicher denn je, dass das Leben als Ordensmann nur einen Sinn hat, wenn es auf Gott verweist. Johannes, mein Namenspatron, verweist bei seinem Auftreten nicht auf sich, sondern auf Jesus. In der Mission von uns Comboni-Missionaren darf es nicht um die Person des Missionars gehen, auch geht es nicht um Projekte, sondern es geht um Jesus Christus, den wir dann auch im Alltag im Nächsten begegnen. Das zu glauben und umzusetzen ist unsere missionarische Herausforderung und die ist nicht immer leicht, vor allem wenn der Nächste so ganz anders ist als ich.

Meinen Glauben und die Theologie, die mich heute trägt, habe ich in Afrika gelernt. Ich bin als Weltverbesserer losgezogen und als Missionar zurückgekehrt. Ich sage gerne: Ein Missionar fällt nicht vom Himmel, sondern man wird einer, indem man sich auf die Menschen einlässt. In den Elendsvierteln von Nairobi, wo ich viele Jahre gearbeitet habe, habe ich viel menschliches Elend erfahren und dagegen gekämpft.

Trotz all der Armut gab es ein Wort, das ich praktisch jeden Tag gehört habe: „Mungu yupo“. Das ist Kiswahili und übersetzt heißt das: „Gott ist da“. Dies ist die ganze, ja eigentlich wunderbare Theologie Afrikas, ja der Glaube Afrikas. In dieser Haltung kämpfen sich viele durch das Leben. Dadurch erhalten sie die notwenige Kraft, den schweren Alltag zu meistern. Gott ist da – Gott geht mit. So wächst die Hoffnung, dass es irgendwann ein wenig besser wird – wenngleich ganz anders als man es sich ausgemalt hat. Wie sonst könnten Familien, allein erziehende Mütter, Arbeitslose, Straßenkinder, aidskranke Menschen und viele mehr die Anstrengung und den Kampf des Lebens auf sich nehmen? Anstrengungen, obwohl es für sie in absehbarer Zeit keine entscheidende Verbesserung im Leben geben wird.

Nur so können viele im besten Sinn des Wortes „in den Tag hinein“ leben – ohne Bankkonto, ohne soziale Absicherung, vielleicht ohne zu wissen, was es heute Abend zum Essen geben wird. Aber ihre Erfahrung sagt, dass es immer wieder gut ausgeht – natürlich mit vielen leidvollen Abstrichen. Das afrikanische Leben ist in den Elendsvierteln und im Busch wie auf einer Baustelle, also nichts Fertiges, ständig im Werden begriffen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich dort als Bauingenieur so wohl gefühlt habe. Ich habe erfahren, dass es erfülltes Leben gibt trotz unerfüllter Wünsche.

Im Zusammenleben mit den Menschen habe ich viel gelernt und meinen eigenen Glauben vertieft. Wir Missionare sind Zeugen, dass immer dort, wo Menschen das Evangelium mit Herz und Offenheit in die Hand nehmen, die Gesellschaft und das Miteinander besser und menschlicher werden. Wir wissen, dass Kirche so immer wieder neu entsteht und wächst.

Es beeindruckt jeden Missionar, welche Kraft das Evangelium in den Händen der Armen entwickelt und mit wie viel Phantasie und Hingabe die Menschen ihren Glauben leben. So geschieht es, dass eine Familie zum Beispiel, die schon fünf oder mehr Kinder hat, auch noch die Kinder der verstorbenen Nachbarin aufnimmt. Ohne viel Aufsehen geschieht in Afrika viel Hilfe und soziale Arbeit, von der kaum berichtet wird. Und genau da knüpfen wir als Missionare an. Unsere Devise war und ist immer, mit den Menschen zu arbeiten anstatt für sie zu arbeiten. Das macht den Unterschied. So multipliziert sich jede Hilfe, die von außen kommt. Unsere Arbeit ist nicht ein Projekt (so wie Hilfswerke arbeiten), sondern unsere Arbeit ist Menschen-orientiert.

Der Südsudan ist leider auch in diesen Wochen wieder in den Schlagzeilen. Dort sind nach einem kurzen Frieden von knapp zwei Jahren wieder Kämpfe ausgebrochen und wir hoffen sehr, dass die verfeindeten Gruppen wieder zu Gesprächen miteinander bereit sind. Die letzten Meldungen sind positiv. Ein Wort zur Geschichte und das was uns am Herzen liegt. Nach  40 Jahren Bürgerkrieg hat sich der Süden vom Nord-Sudan abgetrennt und ist seit Januar 2011 ein selbstständiges Land. Für uns Comboni-Missionare ist es nicht irgendein Land, sondern gewissermaßen unser Heimatland. Hier haben Comboni und die allerersten Mitbrüder gewirkt.

Ein Hauptaugenmerk legen wir zurzeit auf die schulische Ausbildung der Jugend. Im kriegsverwüsteten Südsudan erfahren wir, dass die Kinder nicht so weitermachen wollen wie ihre Väter. Diese sind das raue Leben mit der Waffe in der Hand gewohnt und Auseinandersetzungen verlaufen oft mit viel Härte. Die Jugendlichen sehen in der schulischen und beruflichen Ausbildung die Möglichkeit, eine neue friedlichere Gesellschaft zu gestalten, die menschlicher ist. Wir Comboni-Missionare setzen uns deshalb ein, damit vielerorts Schulen und Ausbildungsstellen geschaffen werden und ich freue mich, dort in den kommenden Jahren meine beruflichen Fähigkeiten einsetzen zu können.

Mehr zum Thema: Ein Gottsuchender auf dem Weg nach Afrika

Bruder Hans Eigner im Interview mit Radio K1-Redakteur Bernhard Löhlein

Über meinen Abschied in Laibstadt berichtet die Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt in der Ausgabe vom 26. Januar 2014

Besuch aus Benin

Benin liegt in West-Afrika. Auf der Weltkarte erscheint die ehemalige französische Kolonie als ein schmales Land mit kleinem Kopf, eingeklemmt zwischen dem noch kleineren Staat Togo und dem großen Nigeria. Seit 1960 ist Benin von Frankreich unabhängig – und nimmt sein Geschick selbst in die Hand. Jedenfalls versucht das für afrikanische Verhältnisse eher kleine Land im Konzert der mehr und mehr globalisierten Welt seinen eigenen Weg zu gehen. Und das mit Stolz. Jedes Land hat guten Grund, stolz zu sein auf sein eigenes Volk. Auch Benin. Das sagte mir schon vor Jahren mein alter Studienfreund Pascal N’Koué aus Natitingou in Benin. Er ist heute Erzbischof von Parakou in seiner Heimat. Ich durfte manches von ihm lernen.

Heute ist aber ein anderer Bischof aus Benin zu Besuch in Eichstätt: Victor Agbanou, geboren im Jahr 1945, ist Bischof von Lokossa. Soeben hat er mit unserem Bischof Gregor Maria Hanke OSB einen festlichen Gottesdienst im Eichstätter Dom gefeiert. Bischof Victor spricht gut Deutsch. Die Sprache ist ihm aus eigenen Studientagen in Deutschland erhalten geblieben. Zum Bischof geweiht wurde er durch seinen großen Landsmann Kardinal Bernardin Gantin (1922 – 2008) im Jahr des großen Jubiläums 2000. Der freundlich zurückhaltende Gast aus Benin öffnet sich im Gespräch. Er erzählt Bischof Hanke und uns vom Referat Weltkirche von seinem Land und von der Kirche in Benin.

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Politisch ist Benin eine Präsidialrepublik. Die Korruption in der öffentlichen Verwaltung macht den Menschen zu schaffen. Der westafrikanische Staat hat heute ca. 10 Millionen Einwohner.  Etwas weniger als die Hälfte davon sind Christen; neben den Katholiken gibt es eine Vielzahl von evangelischen und evangelikalen Denominationen. Bischof Victor sagt: „Bei uns schießt fast jeden Tag eine neue Kirche aus dem Boden“. Neben dem massiven Vordringen des Islams gehört die Koexistenz mit den vielen ganz neuen christlichen Gruppen zu den Herausforderungen, denen sich die katholische Kirche zu stellen hat. Auch der Anteil der Naturreligionen ist in Benin noch relativ hoch. Der Bischof erzählt, viele der neuen „Kirchen“, die von Predigern aus den USA gegründet werden, reduzierten den christlichen Glauben auf eine rein individuelle Gottesbeziehung und auf die religiöse Feier. Der soziale Aspekt des Christseins, der Ruf zur gesellschaftlichen Mitverantwortung, das Mitbauen an einer sozial gerechten Gesellschaft nach den Maßstäben des Evangeliums falle nahezu gänzlich weg. Dies und die Zerspaltung in viele kleine voneinander unabhängige Gruppierungen mindere insgesamt die Kraft des Christentums in Benin. Trotzdem kann die katholische Kirche einen wertvollen Beitrag für das Land leisten. So werden zum Beispiel die kirchlichen Schulen nicht nur von katholischen Christen besucht. Auch viele andere Menschen in Benin schicken Kinder und Jugendliche gerne auf katholische Schulen. Kirche, Bildung und Wertevermittlung, das gehört in Benin zusammen.

Im Bistum Lokossa leben heute ca. 142.500 katholische Christen. Die etwa 170 Diözesanpriester müssen oft weite Wege zurücklegen, um die Dörfer zu erreichen. „Ohne unsere Katechisten wäre die Glaubensvermittlung undenkbar“, sagt Bischof Victor. Vielleicht können wir ihm ein wenig bei der Ausbildung der Katechisten helfen. Der Glaube ist ja ein großes Geschenk. Ein Geschenk Gottes, das uns hilft, das Leben zu verstehen und die Welt mit den Augen dessen zu sehen, der sie geschaffen hat und alles Leben bejaht. Ein Geschenk, zu dessen Weitergabe wir Christen berufen sind. Bischof Victor, danke für Deinen Besuch.