Santa Cruz – eine Nacht am Flughafen und viel Zeit

Etwas aufgeputscht von der letzten Tasse Kaffee sitze ich am Gate und warte mittlerweile schon seit 4 Stunden auf meinen Flug. Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Langsam schiebt sich von Osten das Licht des Tages gegen die Dunkelheit. Das geschäftige Treiben am kleinen Flughafen von Santa Cruz im Süden Boliviens beginnt. Die ersten Wagen, beladen mit Koffern, rollen über das Feld zu den Flugzeugen. Die Schuhputzer haben die ersten Kunden, aus den Lautsprecher klingen knackend die Durchsagen für die ersten Flüge und aus dem Fernseher, der im Wartebereich hängt, singt Abba „I have a dream“.

Zwei unglaubliche Wochen liegen hinter mir. Die nur so dahin geflogen sind und gleichzeitig so gefüllt waren mit Eindrücken, dass Deutschland und der Alltag dort, weit weg sind.

Menschen, die in Hütten ohne fließendes Wasser und ohne Elektrizität leben. Kinder, die nicht auf den Spielplätzen spielen können, weil es schlicht zu gefährlich ist. Frauen, die ihren Töchtern in erster Linie eins mitgeben wollen, Männern nicht zu vertrauen, weil sie selbst nur Gewalt und Missbrauch erfahren haben – vor allem von nächsten Verwandten, die mit Anfang 30 oft schon Oma sind.

Und dann immer wieder Menschen, die sich unermüdlich eben für diese einsetzen. In der Kirchengemeinde. Ehrenamtlich.  Obwohl sie auch nicht viel Geld verdienen und hart arbeiten. Sie bieten den Kindern, die Möglichkeit im Chor zu singen, unterstützen Jugendliche bei Bewerbungen oder kochen bis zu 700 Essen, um die Menschen zu versorgen, die sich keine warme Mahlzeit leisten können. Kümmern sich um Alte, Kranke und Obdachlose.

Und wenn sie von ihrer Arbeit sprechen, leuchten ihre Augen, sie verzweifeln nicht, obwohl sie so große Armut umgibt. Sie sind ganz einfach da, wo sie gebraucht werden.

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