Mönche am See Genezareth

Am biblischen Ort der Brotvermehrung, wo ich derzeit als Volontärin tätig bin, leben seit 1939 deutschsprachige Benediktinermönche. Seit fast zwei Jahren wohnen sie im neu errichteten Kloster. Ein Klosterneubau wurde notwendig, nachdem das alte Wohngebäude im erdbebengefährdeten Gebiet am Nordufer des Sees Genezareth immer mehr Risse bekam, zum Teil armdick. Der einsturzgefährdete Altbau wurde unmittelbar nach Bezug des Neubaus abgerissen.

Der Neubaukomplex des Klosters von Tabgha wurde südlich an die Brotvermehrungskirche angebaut, an jene Stelle, wo bereits in byzantinischer Zeit ein Kloster stand. Im neuen Benediktinerkloster leben zurzeit sechs Mönche. Da Abt Gregory und Cellerar Bruder Simon Petrus aus Jerusalem regelmäßig kommen, wird für sie eine Zelle freigehalten. Die noch verbleibenden Zellen werden von Gastmönchen genutzt. Gäste fehlen dem Kloster nie!

Das Refektorium im neuen Kloster ist sehr großzügig gebaut. Dort essen – nach monastischer Tradition – in Stille, mit Tischlesung beziehungsweise Tischmusik – die Mönche gemeinsam mit den anwesenden Gästen und Volontären zu Abend. Ein angenehm ruhig und klar gestalteter Raum. Das gemeinsame Essen hat eine beeindruckende Wirkung auf uns alle, es findet still und sehr schnell statt.

Das Gästerefektorium unter dem Oratorium, in dem wir unsere anderen Mahlzeiten einnehmen, schätzen wir alle sehr. Hier kann geredet, gelacht und diskutiert werden, wir lernen die neuen Gäste kennen und haben gute Gemeinschaft mit den arabischen Mitarbeitern.

Im Zuge des Neubaus entstand auch ein modern gestalteter Gebetsraum, das Oratorium des Klosters. Es steht tagsüber für alle offen, hat 12 bunte Glasfenster und über dem Altar eine schwebende eucharistische Taube. Hier finden, außer dem morgendlichen Gottesdienst, alle gemeinsamen Gebetszeiten statt, die auch von Gästen und Volontären gut besucht werden. Eine weitere Besonderheit des Oratoriums ist der Wetterfisch auf dem Dach, er ist etwas dick, fast wie ein Wetterwal:)

Mit dem Neubau entstanden zwei schlicht gestaltete Sprechzimmer, die für Begleit- und Beichtgespräche genutzt werden. Nach Tabgha kommen sehr viele Touristen und Pilger. An manchen Tagen bis zu 5000. Daher ist es für alle, die permanent an diesem Ort leben, wichtig, auch einen Raum des Rückzugs zu haben. Neben den bereits erwähnten Mönchszellen sind das der Klausurhof, ein vom Neubau umschlossener Gartenbereich, der Kapitelsaal (der Versammlungsraum der monastischen Gemeinschaft), die Rekreation (Wohnzimmer des Klosters) und die Bibliothek.

Selbstverständlich sind auch viele Nutzräume errichtet worden, wie zum Beispiel die neue Küche, eine Wäscherei, eine Werkstatt und eine Besonderheit in Israel: ein großer Bunker für Kriegstage. Alles ist erdbebensicher gebaut. Der Klosterneubau ist klar, ruhig und schön. Er erleichtert den Mönchen das Dasein im Heiligen Land, besonders in der heißen Zeit. Es ist eine Herausforderung, einem so wunderbaren Gebäude das Leben zu geben, das man ihm schuldet. Wir haben außer beim Gebet, Abendessen und in der neuen Küche wenig Berührung mit dem Inneren des Klosters, denn wir wohnen und arbeiten außen. Ich persönlich habe inzwischen eine kleine Wohnung unter dem alten Speisesaal, mit Blick auf den Klosterneubau, Kirche und See. Sie ist alt, aber ich bin dort sehr glücklich.

Priorat Tabgha, See Genezareth

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