„Menschen der Erde“ – eine Mapuche in Eichstätt*

Die 42 Stunden in denen die 34-jährige chilenische Lehrerin Pamela del Carmen Tripailaf Lefio in Eichstätt war, sind gerade rum. Die Arbeit am Schreibtisch hat schon wieder das Kommando übernommen und die Eindrücke der intensiven Begegnung beginnen in den Hintergrund zu rücken.

Am Bahnhof war das vorhin noch ganz anders: Der Besuch in der Pfarrei Reichertshofen, die Unterrichtsstunden am Eichstätter Willibald-Gymnasium, der Austausch über den fairen Handel im Eichstätter Weltladen, die ungewöhnlich niederschwellige Kontaktaufnahme mit Studenten der Katholischen Universität beim „Lebendigen Adventskalender“ und natürlich der Vortrag in der Katholischen Hochschulgemeinde waren noch so präsent, dass wir beide erleben konnten, was es heißt, der Globalisierung ein menschliches Antlitz zu geben. Natürlich auch dank der Unterstützung von der Adveniat-Mitarbeiterin Steffi Hoppe, die uns die sprachlichen Barrieren überbrücken half.

Klar kann ich nicht alles ändern in Chile, speziell die kulturelle Identität des Mapuche-Volkes (zu dem rund eine Million der 17,4 Millionen Chilenen gehören) zu stärken fällt mir da ein, aber auch die Sorge wegen der Privatisierung des Grundwassers. Und Pamela kann auch nur wenig gegen das rückläufige Interesse an der Kirche hier unternehmen. Wir beide hatten jedoch das Gefühl, dass durch die Adveniat-Aktion uns beiden geholfen wird. Pamela bekommt Unterstützung, um ihren Weg weiter zu gehen und wir haben erleben dürfen, dass man noch Menschen erreichen kann. Immerhin über 100 Personen haben ihr in diesen Stunden zugehört und sind in den Dialog mit ihr gekommen.

Beeindruckt haben mich speziell die Schüler des Willibald-Gymnasiums, weil sie wirklich über Entwicklung und unsere Rolle nachgedacht haben. Ein Fazit: Das missionarische Wirken der Kirche wird zum einen noch von unseren Missionaren, aber zunehmend auch von den Einheimischen selbst getragen.

*In der Sprache der Mapuche, dem Mapudungun, die Pamela spricht, bedeutet Mapu Erde und Che so viel wie Mensch. Die Mapuche nennen sich selbst, wie viele andere Indianervölker, „Menschen der Erde“.

Ein Gedanke zu „„Menschen der Erde“ – eine Mapuche in Eichstätt*“

  1. Von Alaska bis Feuerland hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan, um die Urvölker Amerikas zu ihren Rechten zu verhelfen. Durch Eigeninitiative und mit Unterstützung einheimischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen – darunter auch die kirchlichen Basisgemeinden und die Hilfswerke Adveniat und Misereor – konnten indigene Völker in Lateinamerika hier und dort wörtlich Boden gutmachen. In Brasilien zum Beispiel wurden seit 1988 viele Gebiete, auf denen seit Jahrhunderten Indigenen leben, demarkiert – was freilich nicht automatisch deren Schutz garantiert.
    Zudem gibt es Anzeichen für Verbesserung im Zugang zum Gesundheitswesen und zum Bildungssystem, bis hin zur Einführung von Quoten, um ihnen die Tür zur Universität zu öffnen. Die Weitergabe der indigenen Sprachen wird in einigen Ländern durch Regierungsprogramme gefördert. Inzwischen gibt es allein in Brasilien über 30 indigene Schriftsteller, die selbstbewusst ihre Kultur vermitteln. In Bolivien sind seit Inkrafttreten der Verfassung von 2008 neben Spanisch, Quechua, Aimara, Guaraní und 33 weitere indigene Sprachen als Amtssprachen anerkannt.
    Das alles sind hoffnungsvolle Ansätze, die sich die Indigenen erkämpft haben. Von Chancengleichheit in ihren jeweiligen Ländern sind die Ureinwohner Lateinamerikas dennoch weit entfernt. Umso wichtiger ist, weiterhin Projekte wie die von Pamela in Chile zu unterstützen. Das hilft nicht nur den Mapuches, ihre Identität „wiederzuentdecken“ und zu stärken, sondern öffnet vielleicht auch die Augen der nicht-indigenen Bevölkerung für den Reichtum der ethnischen Vielfalt Vielfalt des eigenen Landes.

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