Gedenken an die koptischen Märtyrer

„Als kostbare Trauben des Weinstocks Christi seid ihr aller Welt, o Weise, erschienen. In der Zeit der Ernte, als eure Stunde gekommen war, habt ihr eure edle Frucht gezeigt: Gleich einzelnen Beeren der reifen Traube wurden abgeschnitten eure ehrwürdigen Häupter. Nach Westen solltet ihr schauen, als die Sonne ein letztes Mal in eurem Leben unterging, doch im Osten erstrahlte euch Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, und führte euch in das abendlose Licht. Zu Ihm flehet nun, o Märtyrer, auf dass Er uns schenke die Vergebung der Sünden und Sein großes Erbarmen.“

Mit diesen und weiteren liturgischen Gesängen und inhaltlichen Ausführungen gedachte das Collegium Orientale am Samstag, 15. Dezember, in einer Vesper der 21 koptischen Märtyrer von Libyen. Diese koptischen Christen wurden am 15. Februar 2015 durch Kämpfer des sogenannten „IS“ durch Enthauptung ermordet. Das Glaubens- und Lebenszeugnis dieser Männer bildete den Schwerpunkt des diesjährigen Apostelfestes des ostkirchlichen Priesterseminars. An die ökumenische Vesper mit Bischof Dr. Gregor Maria Hanke, den Bischöfen Anba Damian, von den orthodoxen Kopten in Deutschland, und Petro Kryk, von den Ukrainern in Deutschland und Skandinavien, sowie dem Bischof em. Dr. Walter Mixa schloss sich ein festlicher Abend an.

Die Ikone der genannten Märtyrer wurde im Rahmen der Vesper von Anba Damian eigeweiht. Rektor Dr. Oleksandr Petrynko stellte sie den zahlreichen Gästen von nah und fern in Anwesenheit des Künstlers Nikola Sarić bei seiner Einführung und Begrüßung der Gäste vor. Nach den Grußworten und der Vorstellung des Festredners Martin Mosebach durch Generalvikar Isidor Vollnhals erlebte die Festversammlung einen weiteren Höhepunkt des Abends: Der Georg-Büchner-Preisträger Martin Mosebach las aus zwei seiner Werke, unter anderem aus seinem jüngsten Buch „Die 21 – Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer“. Oliver Maksan, Chefredakteur der „Tagespost“, moderierte dankenswerterweise den Abend.

Das Ziel des Abends seitens des Collegium Orientale war es, im 21. Jahr der eigenen Existenz anstelle eines 20-jährigen Jubiläums die Heimatkirchen der Kollegiaten in den Vordergrund zu stellen und die Gäste und Freunde des Eichstätter ostkirchlichen Seminars an deren Glaubensleben in Geschichte und Gegenwart teilnehmen zu lassen.

Die Erfahrungen Mosebachs mit den östlichen Christen bei seinen Aufenthalten im georgischen Kloster Shio Mgwime und in der oberägyptischen ländlichen Heimat der 21 koptischen Märtyrer wurden vom Autor kurzweilig und engagiert vorgetragen. Die Gabe des renommierten Schriftstellers wurde allen deutlich: Mit seinen wortstarken Beschreibungen kann er in die imaginäre Welt der Zuhörer eindringen. Mosebach nahm die Gäste auf seine Reisen in den Osten mit, so dass jeder sich dessen persönliche Erlebnisse sehr lebendig vorstellen konnte. Eine atemberaubende Stille herrschte im überfüllten Universitätshörsaal und am Ende merkte keiner, dass die gut zweieinhalb Stunden plötzlich vorbei waren. Zum Austausch und zur Begegnung gab es zum Schluss beim festlichen Abendessen im Collegium Willibaldinum genügend Zeit.

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