Gebet in der Klostergemeinschaft

Vor einigen Wochen war das Glockenseil hier in der Kirche der Benediktinerabtei von Tabgha (am See Genezareth in Israel) abgerissen, so dass wir selbst die Zeit zum Gebet herausfinden mussten. Umso mehr freut es mich, wenn das Glöckchen wieder fünfmal am Tag zum Gebet ruft. Das mag von außen viel erscheinen. Ich erlebe es als einen wohlklingenden Ton, der dem Tag seine Struktur gibt und der Arbeit dazwischen ihren Wert. Das gleichmäßige Miteinander-vor-Gott-treten macht deutlich, dass hier ein Ort ist, an dem man Gott dient und vor seinem Angesicht lebt.

An die 150 Psalmen, jahrtausendealter Gebetsschatz, die hier in zwei Wochen alle gebetet werden, muss ich mich gewöhnen. In meinen Ohren klingen sie stark alttestamentlich. Mit der Zeit finde ich mich in vielen angesprochenen Lebenslagen wieder und finde nur Teile der Texte sehr befremdlich, besonders wenn man bedenkt, dass wir hier von radikalen Fundamentalisten aller Religionen umgeben sind.

Ich habe das Gefühl, dass man kein besserer Mensch wird, weil man viel betet, aber ich schätze mich glücklich, an einem Ort sein zu dürfen, an dem wir miteinander versuchen, Gott auf dieser Erde einen kleinen Anteil der Ehre zu geben, die ihm gebührt und gleichzeitig einen Beitrag für Frieden in dieser Region zu leisten.

Gebet gibt der Freundschaft, die Gott uns von sich aus anbietet, eine Antwort. Die Freundschaft zu Gott miteinander zu gestalten in allen Tagesformen, die man so durchlebt, ist ein Geschenk, das in der Form nur in Gemeinschaft möglich ist. Sie ersetzt nicht die ganz persönliche Beziehung zu Gott, die jeder für sich selber pflegen muss. Die Hinwendung zu Gott im Gebet ist wie das Einatmen, die Arbeit und Begegnung mit unseren Nächsten ist wie das Ausatmen.

Ein Gedanke zu „Gebet in der Klostergemeinschaft“

  1. Liebe Andrea,

    wir lernten uns in Tabgha im September 2015 nach Gebet und Frühstück kennen. Ich begleitete 6 neugeweihte Diakone als Spiritual, wir waren Pilgerer. Du hast uns und unseren Frauen ein Plädoyer mitgebeben, später auf meine Bitte auch verschriftlich. Sei herzlich gegrüßt. Am 20.1.2017 nun habe ich im neuen Weihekurs in Heiligkreuztal Deinen Brief als Impuls eingebracht. Er hat alle sehr berührt und nachdenklich gestimmt. So sehr, dass mich die Männer baten, ob sie dein Stoffquadrat mit dem Kreuz als geistliches Bild für Ihre Weihe- Einladungskarte(„Handle so, und du wirst leben“ Lk 10,28) und das Liturgieheft verwenden dürfen. Wärst Du damit einverstanden?
    Gerne möchten Dich die Frauen und Männer persönlich kennenlernen und zur DiakonenWeihe in Zwiefalten am 3.6.2017 einladen.
    Bitte lass mich wissen, ob Du Dein ein Einverständnis geben kannst.
    In Erwartung Deiner Antwort, mit den besten Wünschen für Dein Sein in Tabgha(ulli.koerner@drs.de//00497392169127),
    pace e bene,

    Ulli

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