Freud und Leid bei der Fußball-WM in Brasilien

Die Fußballweltmeisterschaft ist hier in Brasilien im vollen Gange – und kostet ganz viele Nerven mit all den Verlängerungen. Die Demonstrationen gegen die WM halten sich in Grenzen und finden vor allem in São Paulo und Rio de Janeiro statt, wo die Polizei mit Gewalt dagegen ankämpft. Viele junge Demonstranten werden verhaftet und „verschwinden“ in den eh schon überfüllten Polizeistationen.

Ich denke, solange die brasilianische Nationalmannschaft bei der WM mitspielt, wird es „nur“ diese kleineren Demos geben. Auch wenn die Seleção bisher keinen mitreißenden Fußball spielt, hat sich die Stimmung der Brasilianer laut Umfragen in den letzten Wochen etwas verbessert. Die größte Zeitung des Landes – Folha de São Paulo – berichtet heute, dass 60 Prozent der Brasilianer stolz auf die WM-Austragung sind. Trotzdem denkt knapp die Hälfe der Befragten (46 Prozent), das die Copa do Mundo dem Land mehr schadet als hilft.

Die erste Seite unserer lokalen Tageszeitung „Hoje“ ist heute sehr erschreckend. „Ein Monat, 80 Ermordete“ – das ist neuer Rekord in Goiânia, einem der zwölf WM-Standorte in Brasilien. Und auf der unteren Seite sieht man die feiernden Fußballer.

Diese vielen Todesfälle geschehen unabhängig von der WM. Die Aufklärungsquote dieser Fälle liegt fast bei null Prozent. Meistens steht in der Akte „im Drogenhandel verwickelt“ oder „vorbestraft“, so werden die Fälle gleichmal ad acta gelegt und nie aufgeklärt. Bei wie vielen Fällen Polizisten verwickelt waren oder sind wird nicht veröffentlicht – und interessiert ja auch nicht wirklich. Bei den meisten Fällen sind es Jugendliche aus der Peripherie, die getötet werden.

So treffen hier Freud und Leid sehr nah aufeinander. Wie das wohl weitergehen wird…. „Só Deus sabe!“ (Nur Gott weiß es) –  wie die Brasilianer hier gerne sagen.

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