Einsatz für Menschenrechte in Tansania

Im Jipe Moyo Center in Musoma, Tansania, wo ich derzeit einen Freiwilligendienst leiste,  hat der Einsatz für die Menschenrechte oberste Priorität. Für deren Einhaltung setzen sich hier alle Mitarbeiter konkret ein. So auch Sister Annunciata, meine erste Ansprechpartnerin hier und Leiterin des Centers. Sie ist eine bewundernswerte Frau.

Sister Annunciata, Leiterin des Jipe Moyo Center: Foto: Olivia Ermel

Mitarbeitergruppen des Centers gehen zum Beispiel in Schulen und gründen ‚Children’s Rights Clubs‘, in denen sich die Kinder gezielt mit ihren Rechten beschäftigen – vor allem lernen sie, dass Mädchen und Jungen die gleichen haben. Neben den Clubs werden Kurse für Frauen angeboten, in denen ihnen beigebracht wird, ihr eigenes kleines Business zu starten. Dabei wird ihnen dann erst einmal erklärt, dass sie den Männern gegenüber gleichberechtigt sind. Um die Menschenrechte immer weiter zu verbreiten, ist das Ziel deshalb auch, das Jipe Moyo Center in der Mara Region in Tansania bekannter zu machen. Eine große Hilfe stellt zudem die Polizei dar, die dazu beiträgt, dass das Center an Autorität gewinnt. Oft bringt sie hilfsbedürftige Kinder her und verhindert, dass Verwandte kommen, um sie sofort wieder zurückzuholen. Einige nationale Regeln stehen in Tansania nämlich auch hinter den Menschenrechten. So sind Kinderehen und Kinderarbeit zum Beispiel gesetzlich verboten. Leider macht die Regierung viel zu wenig, um diese Gesetze durchzusetzen. So erhält das Center auch keine finanzielle Unterstützung vom Staat.

Letzte Woche habe ich drei Mitarbeiter ins Dorf begleitet. Zuerst haben wir eine Primary School besucht. Dort haben die ‚Grundschüler‘ des Children Rights Clubs ihr Ergebnisse der vergangenen Woche präsentiert. Durch Gesang und Tanz versuchen sie, die Menschenrechte ihren Mitschülern weiterzuvermitteln.

Besprechung zur Lage der Kinderrechte. Foto: Olivia Ermel

Childrens Rights Club Besprechung – das Interesse an unserem Besuch ist groß (siehe die Zuschauer im Hintergrund).
Anschließend ging es weiter zu einer Familie, in der die minderjährige Tochter als Prostituierte gearbeitet hat, um an Geld zu gelangen. Nun wird sie vom Jipe Moyo Center finanziell unterstützt, damit sie sich ihre Schulsachen leisten kann und sich nicht mehr verkaufen muss.

Familienberatung. Foto: Olivia Ermel

Danach sind wir in eine Secondary School gefahren. Der Children Rights Club dort hatte zusätzlich zu Gesang und Tanz noch ein Schauspiel zum Thema Menschenrechte einstudiert. Zudem haben sie uns von Vorfällen in ihrer Umgebung erzählt, in denen diese Rechte nicht eingehalten werden. Die Kinder einer Familie dürfen abends zum Beispiel nicht ins Haus kommen, wenn sie nichts zu Essen mitgebracht haben. Dann müssen sie draußen schlafen. Ein Mädchen einer anderen Familie wiederum darf nicht zur Schule gehen. Daraufhin sind wir zur Community des Dorfes gefahren, um dort von den Missetaten zu berichten und die betroffenen Familiennamen zu nennen. Nun werden sich die Menschen vor Ort, um diese Probleme kümmern. (Das hoffen wir zumindest. Laut Sister Annunciata wird das manchmal mehr und manchmal weniger getan.)

Secundary School – Childrens Rights Club. Foto: Olivia Ermel

Bisher kannte ich solche Umstände nur aus Filmen. Es ist für mich manchmal schwer zu begreifen, dass ich nun tatsächlich mitten im Geschehen bin. Das Problem der weiblichen Genitalverstümmelung, die in vielen Dörfern noch traditionell praktiziert wird, kennen viele auch nur aus dem Film “Wüstenblume“.

Jipe Moyo Gemeinschaft. Foto: Olivia Ermel

Nach einem Gespräch mit einem Mädchen, das vor dieser Tradition geflüchtet ist, wird mir wieder bewusst wie wichtig die Existenz und der Fortbestand des Jipe Moyo Centers ist. Ansonsten hätte dieses Mädchen keinen Platz auf der Erde gehabt, wo es hingehen  hätte können, um vor dieser Gewalttat beschützt zu werden.

Herzlichkeit und Freundlichkeit zeichen die Menschen in Tansania aus. Foto: Olivia Ermel

Trotz der oben genannten Probleme gibt es in Tansania sehr viele herzliche und freundliche Menschen. Deshalb fühle ich mich hier wohl und freue mich, das afrikanische Temperament und den Lifestyle besser kennenzulernen. Viele Frauen haben eine enorme Ausstrahlung und sprühen vor Lebenslust. Sie tanzen gerne und begeistern mit ihrer Fröhlichkeit.
Die Schwestern haben gestern sogar in ihrer Sisterbekleidung Aerobic am Boden im Wohnzimmer gemacht und sich gegenseitig ausgelacht.

Zudem hatte ich auch schon die Gelegenheit tansanische Männer kennenzulernen, mit denen man sich gut unterhalten konnte und die lustig und gut drauf waren. Der Bischof von Musoma wirkte auf mich mit seinem Dauergrinsen und seinem offenen, fröhlichen Verhalten auch auf Anhieb sympathisch.
Feiern sind hier außerdem immer mit Tanzen, Singen, gutem Essen und Fröhlichkeit verbunden.

Feiern und Tanzen gehören zusammen. Foto: Olivia Ermel

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das besagt:

“Ihr Europäer habt die Uhren, wir Afrikaner haben die Zeit.“

Da man in Deutschland öfter mal von Zeitdruck, Hektik und Stress spricht, war der Prozess der “Entschleunigung“ für mich anfangs sehr schwer. Inzwischen schätze ich es allerdings schon mehr, dass man sich hier auch öfter mal die Zeit nimmt, um miteinander zu relaxen und einfach mal zu Sein.

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